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Die Kunst des Fliegens

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    Wie ist das mit Dingen, die man jahrelang runtergeschluckt hat? Viel zuviel davon, unverträglich, verdorben, nicht wohlschmeckend, schwer verdaulich? Und man durfte nicht ablehnen, im Gegenteil, immer mehr wurde aufgetischt und einem auch noch förmlich hinein gezwängt. Es fühlt sich wie eine Last an, ein Stein, der irgendwo zwischen Magen und Brust liegt oder klemmt und immer schwerer wird. Er ist zu groß, um ihn herauszubringen, das funktioniert einfach nicht! Aber er bereitet Schmerzen, erschwert mir das Gehen und für meine Mitmenschen, vor allem für die wesentlichen, bleibt mir nicht genug Kraft, ein Lächeln aufzubringen. Schlimmer noch, sie müssen mein Leid teilen, meine Wut, den Hass und die Traurigkeit.
    Wenn er zu groß ist, um ihn im Gesamten herauszubringen, dann wäre es logisch, ihn abzutragen. Aber wenn ich will, dann kann ich nicht und wenn ich muss, weil der Schmerz zu groß wird, dann darf ich nicht. Und selbst wenn es mir dann doch passiert, dass der Schmerz zu groß wird und etwas aus mir heraus platzt - es ist nie genug, es fühlt sich nie besser an. Ich würde mich gerne erleichtert fühlen, ich will es endlich los werden und mich "auskotzen". Einmal aufatmen und mich befreiter fühlen. Diese Unfähigkeit führt mich immer wieder an den Punkt, an mir selbst zu zweifeln: Ich kriege es nicht hin, höflich, rücksichtsvoll und angemessen zu reagieren. Ich habe es schon so oft versucht: es funktioniert einfach nicht: Es hat keinen Zweck...
    Kann der Knoten nicht bald mal platzen? Es ist anstrengend, mühselig und zermürbend.

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      Ach Jannes, wie sich die Bilder gleichen.



      Ich meine auch grade, der Felsen erdrückt mich und ich bringe ihn nicht heraus.

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        Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
        Es fühlt sich wie eine Last an, ein Stein, der irgendwo zwischen Magen und Brust liegt oder klemmt und immer schwerer wird. Er ist zu groß, um ihn herauszubringen, das funktioniert einfach nicht!
        Diesen Stein schleppe ich auch mit mir, ganz brav und fleißig, seit Ewigkeiten.
        Allerdings fühlt er sich bei mir eher so an, als würde er wie eine Art Kleber funktionieren und wenn er weg wäre... keine Ahnung, kommt mir momentan bedrohlich vor.

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          Wie Leim ist es nicht, ich bin bislang ganz gut voran gekommen. Nicht auszudenken, wie es ohne den Brocken wäre. Aber es geht auf die Knochen und vor allem die Nerven. Ich will das einfach nicht mehr.

          Vor einigen Wochen sagte ich meiner Mutter ziemlich direkte Worte. Ohne zu überlegen habe ich gesagt, was ich dachte und vor allem, was ich fühlte. Damit habe ich die meisten Probleme. Ich habe eine ziemlich dichte "Filteranlage", was das anbelangt. Alle möglichen Emotionen werden raus gefiltert, deswegen fühle ich mich meist emotionslos oder habe das Gefühl, als wäre ich Situationen und Menschen gegenüber kalt. Nicht immer, es sind vor allem belastende Gefühle, die quasi nicht existieren. Das Rationalisieren ist schon immer mein Schlüssel zum Glück, es macht die Dinge erträglicher.
          Mit ihrer Reaktion hätte ich so nicht gerechnet.
          Einige Tage später war es das erste Mal, dass ich seit ewigen Zeiten positive Gedanken zu meiner Mutter hatte und ihr emotional positiv zugewandt war. Ich hatte ein kleines Gefühl: Vielleicht freue ich mich irgendwann einmal darauf, sie zu sehen, sie bei mir zu haben, sie teilhaben zu lassen. Vielleicht freue ich mich einmal, mit ihr Zeit zu verbringen. (Das nennt man wahrscheinlich Hoffnung)
          Rückblickend zeigt es mir im Grunde, was es bewirken kann Gefühle nicht zu regulieren, sondern sie an der richtigen Stelle angemessen frei zu lassen. Nur läuft schon seit langem der Autopilot und ich hab leider keine Bedienungsanleitung.
          Derzeit hat sich meine emotionale Haltung meiner Mutter gegenüber wieder einmal ins Gegenteil umgeschlagen.
          Sie wird mit großer Wahrscheinlichkeit einer Arbeit hinterher ziehen und nur noch aller zwei Wochen zu Hause sein. Mir persönlich ist das egal, ich sehe sie ja kaum. Der Einzige, mit dem sie sich einig sein muss, ist mein Vater.
          Was diese Nachricht mit mir gemacht hat, fand ich beängstigend. Die Vorstellung, dass sie weit weit weg ist, fand ich beruhigend. Weniger Gejammer, weniger Handlungsdruck sowohl was ihre finanzielle Situation anbelangt, als auch praktische Unterstützung. Es ist ihre persönliche Entscheidung, wegzugehen, sie ist erwachsen und im Grunde in der Lage, sich zurecht zu finden. Sollte etwas nicht funktionieren, bin ich dafür nicht verantwortlich und kann nicht innerhalb einer guten halben Stunde da sein. Soweit, so gut. Diese Nachricht führte mich allerdings automatisch zu dem Gedanken, wie es ohne sie ist und wie es wäre, wenn sie nie wieder kommen würde. Das ist nichts, was ich mir (heute) wünsche, aber ein Teil von mir offenbar schon. Und in meiner Vorstellung ist alles besser, problemloser, unkomplizierter. Natürlich weiß ich, dass dem nicht so wäre. Meine Erinnerungen, Erfahrungen, Gedanken und Gefühle bleiben. Als Kind hatte ich immer mal wieder intensive Fantasien davon, wie sie ums Leben kommt. Diese Widersprüchlichkeit macht mich wahnsinnig, sie macht mich fertig, sie führt dazu, dass ich mich schlecht fühle und ein schlechtes Gewissen haben. Meine moralische Wertvorstellung sagt mir, dass ich solche Gedanken und Gefühle nicht haben darf! Ich darf sie weder haben, noch darf ich sie aussprechen. Ich muss dankbar sein, muss Verständnis haben und vor allem muss ich auch still sein, weil ich es immer sein musste! Man male sich nur aus, was passieren würde, wenn sie davon wüsste.
          Das macht mich so wütend! Tom Odell singt davon, dass all seine Tränen in einer anderen Liebe aufgebraucht wurden. Auch wenn er vermutlich von einer Liebe zu einer Frau, einer Partnerin spricht, ist für mich klar: bei mir ist es meine Mutter. Die intensivsten, extremsten Gefühle, die ich hatte und habe, galten und gelten ihr. Alles nebeneinander stehen lassen zu müssen fällt mir unglaublich schwer, ich weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht.

          Wie soll ich jemanden lieben, den ich gleichzeitig so sehr hasse? Und wie kann ich jemanden hassen, den ich über alles liebe? Wie kann ich insgeheim hoffen, der Boden würde sich auftun und sie verschlucken, während ich mir auch insgeheim wünsche, sie würde immer bei mir sein? Was macht es mit mir, auf sie herabzuschauen und gleichzeitig zu wissen, sie ist die Frau, die mich zur Welt gebracht hat und ihr Bestes gegeben hat? Wie fühle ich mich dabei, dass es ihr heute gut geht und ich noch immer unter allem leide? Wie kann ich wütend sein, wenn ich sie bemitleide?

          Und vor allem: Wie kann ich empfinden und fühlen, wenn ich mir versage, überhaupt irgendwas empfinden zu dürfen, weil es sich nie komplett, nie richtig und nie stimmig anfühlt, weil ich nicht fühlen darf?
          Wie kann ich da offen für Partnerschaft sein und emotionaler Ansprechpartner?

          Und was macht es eigentlich mit mir, wenn ich mich an die Ketten lege, immer wieder überprüfe und sicher stelle, dass es kein Leck gibt. Ich habe mir doch quasi selbst eine Zwangsjacke angelegt und beschwere mich nun darüber, dass es so unangenehm ist. Das ist eine ziemliche Sch...

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            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen


            Als Kind hatte ich immer mal wieder intensive Fantasien davon, wie sie ums Leben kommt. Diese Widersprüchlichkeit macht mich wahnsinnig, sie macht mich fertig, sie führt dazu, dass ich mich schlecht fühle und ein schlechtes Gewissen haben. Meine moralische Wertvorstellung sagt mir, dass ich solche Gedanken und Gefühle nicht haben darf! Ich darf sie weder haben, noch darf ich sie aussprechen. Ich muss dankbar sein, muss Verständnis haben und vor allem muss ich auch still sein, weil ich es immer sein musste! Man male sich nur aus, was passieren würde, wenn sie davon wüsste.
            Wer spricht/schreibt da? Das Kind von damals? Oder die heutige erwachsene Frau?
            Aus der Kindersicht heraus stimmt es so weit. Aber stimmt es auch aus der Erwachsenensicht heraus? Wer sagt dass du dankbar sein musst, Verständnis haben musst und still sein musst?

            Gefühle kommen und gehen wenn man sie lässt. Mal sind sie positiv, mal sind sie negativ und das ist schon wieder die eigene Wertung die sie so betitelt. Wenn man sie wegsperrt, ignoriert, verdrängt wuchern sie und man hat sie dann, wenn sie hervorbrechen nicht mehr unter Kontrolle. Dann hat man die Gefühle nicht, sondern die Gefühle haben einen fest im Griff. Danach, wenn es vorüber ist, schämt man sich meistens dafür.

            Wenn du deine Gefühle wirklich frei lässt, werden sie dich in den allermeisten Fällen nicht überrollen und somit fällt auch der Teil mit dem Schämen danach weg.

            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
            Die intensivsten, extremsten Gefühle, die ich hatte und habe, galten und gelten ihr. Alles nebeneinander stehen lassen zu müssen fällt mir unglaublich schwer, ich weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht.
            Auch die stärksten, die widersprüchlichsten Gefühle flachen irgendwann ab wenn man sie raus lässt. Es ist ein wenig wie mit der Angst. Angst wird auch immer größer, wenn man sich ihr nicht stellt.



            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
            Wie soll ich jemanden lieben, den ich gleichzeitig so sehr hasse? Und wie kann ich jemanden hassen, den ich über alles liebe? Wie kann ich insgeheim hoffen, der Boden würde sich auftun und sie verschlucken, während ich mir auch insgeheim wünsche, sie würde immer bei mir sein? Was macht es mit mir, auf sie herabzuschauen und gleichzeitig zu wissen, sie ist die Frau, die mich zur Welt gebracht hat und ihr Bestes gegeben hat? Wie fühle ich mich dabei, dass es ihr heute gut geht und ich noch immer unter allem leide? Wie kann ich wütend sein, wenn ich sie bemitleide?
            Liebe und Hass sind keine Gefühle die so unheimlich gegensätzlich wären. Beides gleichzeitig ist wunderbar möglich. Man nennt das dann auch Hassliebe. Liebe ist das, was jedes Kind seiner Mutter entgegenbringen möchte. Geht das nicht, wird Hass daraus. Gleichgültigkeit ist in einem abhängigen Verhältnis kaum möglich.
            Heute aber bist du mehr oder weniger unabhängig. Wenn du deine Altlasten bearbeitet hast und du dich nicht für die Liebe entscheiden kannst, wäre es schön, wenn du in dir Richtung Gleichgültigkeite kommen würdest.
            Mit Hass vergiftest du dich nämlich auf Dauer selbst.

            Du kannst wütend sein und du kannst sie bemitleiden. Das ist nur gleichzeitig nicht gut möglich. Es schwankt je nach Tagesform, je nach dem wie du dich selbst gerade fühlst und je nach dem welche Gefühle gerade in dir hochkochen.
            Vielleicht kannst du dir sagen dass diese Gefühle raus müssen, gefühlt werden wollen und dann auch vergehen. Wenn keine neuen Verletzungen hinzukommen wird es irgendwann ruhiger in dir werden. Du wirst dem Ganzen nicht mehr so viel Bedeutung zumessen.
            Und all das ist auch ganz normal. Es ist normal dass du mal so und mal so fühlst.
            Es wird einfacher wenn man sich selbst nicht auch noch mit der moralischen Keule haut, während man fühlt.

            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
            Und vor allem: Wie kann ich empfinden und fühlen, wenn ich mir versage, überhaupt irgendwas empfinden zu dürfen, weil es sich nie komplett, nie richtig und nie stimmig anfühlt, weil ich nicht fühlen darf?
            Du darfst fühlen. Es sind nur die Bewertungen die dich denken lassen du darfst das nicht. Es kann sich momentan nicht "stimmig" anfühlen und wird sich vielleicht nie so ganz "stimmig" anfühlen. Weil es damals nicht stimmig war und in Zukunft vielleicht auch nicht stimmig sein wird. Es tut auch weh genau DAS zu akzeptieren.

            Doch das hat mit deinen zukünftigen Gefühlen für zukünftige Menschen nichts zu tun. Wenn die Beziehung dann stimmig ist, wird es sich auch stimmig anfühlen.

            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
            Und was macht es eigentlich mit mir, wenn ich mich an die Ketten lege, immer wieder überprüfe und sicher stelle, dass es kein Leck gibt. Ich habe mir doch quasi selbst eine Zwangsjacke angelegt und beschwere mich nun darüber, dass es so unangenehm ist. Das ist eine ziemliche Sch...
            Erkennen ist der erste Schritt um die Zwangsjacke ablegen zu können.

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              Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
              Wer spricht/schreibt da? Das Kind von damals? Oder die heutige erwachsene Frau?
              Aus der Kindersicht heraus stimmt es so weit. Aber stimmt es auch aus der Erwachsenensicht heraus? Wer sagt dass du dankbar sein musst, Verständnis haben musst und still sein musst?
              Das ist sicher zum großen Teil mein inneres Kind und dennoch würde ich ebenso behaupten, dass ich diese Meinung ein Stück weit übernommen habe. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie mir egal oder gleichgültig sein kann, dafür bewegt mich die Sache zu sehr. Aber ich wünsche mir Gleichgültigkeit in dieser Sache, weil mir dieses Hin- und Hergeworfensein zu anstrengend ist. Jetzt gerade weiß ich, dass meine Gefühle, die ich derzeit habe, sich auf meine Mutter beziehen. Meist ist es aber so, dass ich eine ganze Weile brauche, um zu begreifen und dahinter zu steigen, woher meine Stimmung kommt. Überwiegend habe ich keinen blassen Schimmer und fühle mich überfallen. Das kommt nicht nur für mich aus dem Nichts, auch für meinen Partner.
              Ich wünschte (gerade), ich könnte vergessen, dass es sie gibt und für mich in Frieden mein Leben leben.
              Ich denke, ich habe mir beizeiten nicht nur die Zwangsjacke, sondern auch einen Maulkorb verpasst. Ich war meinen Eltern gegenüber nie wirklich wütend, habe sie kaum angeschrien, war nie aufmüpfig. Und dennoch gab es all diese Gefühle, die sich dann in meinen Fantasien zugespitzt haben. Da sind sie nicht nur ums Leben gekommen, sondern ich war der Verursacher. Ich schäme mich heute nicht dafür, damals schon, denn es gab genug Menschen, dir mir zeigten und auch sagten, dass ich dankbar zu sein habe, Rücksicht nehmen muss und dass ich der Verursacher dafür war, dass es ihr schlecht ging. Wahrscheinlich glaubt man irgendwann auch daran.
              Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
              Erkennen ist der erste Schritt um die Zwangsjacke ablegen zu können.
              Ich weiß schon lange, was mein Problem ist. Vielleicht mache ich etwas falsch,
              dass es so lange dauert. Oder aber die Sache ist so verzwickt, dass es nun mal nicht anders geht. Es ist wie es ist, leider geht es nicht schneller. So ist mir auch jetzt erst wieder eingefallen, dass ich diese Gedanken als Kind hatte. Das alles ist gut vergraben.

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                @ hi Jannes

                Zitat von Nordhimmel
                Wenn du deine Gefühle wirklich frei lässt, werden sie dich in den allermeisten Fällen nicht überrollen und somit fällt auch der Teil mit dem Schämen danach weg.

                (...)

                Auch die stärksten, die widersprüchlichsten Gefühle flachen irgendwann ab wenn man sie raus lässt. Es ist ein wenig wie mit der Angst. Angst wird auch immer größer, wenn man sich ihr nicht stellt.
                Es gibt einen alten Western, in dem die Essenz dieses Zitats relativ gut dargestellt wurde: "High noon".

                Heute (in deinem Fall) werden solche "Duelle" nicht mehr mit dem Colt ausgetragen. Es braucht heute (du brauchst) nämlich keinen substitutionellen Gegner mehr ... weil du spürst, dass der wahre Gegner in dir selbst steckt.

                Und deshalb (um Nordhimmel auf meine Weise zu interpretieren) können die ausbrechenden Gefühle dich nicht überrollen, denn du bist (zum Teil) diese Gefühle. Du legst sie dann "nur" ab, du setzt sie frei (genau das, was sie wollen) ... vielleicht auf eine brachial anmutende Weise ... die nicht weniger brachial ist, wie die Wirkung derselben Gefühle, die dich quasi auf Stichwort(Trigger) immer wieder heimsuchen ... und dich daran erinnern, ihnen die Freiheit zu geben ... ihnen ein Ventil, ein Schlupfloch aus dir heraus anzubieten.

                Da sich inzwischen hinter deinem Damm ein kleiner See gebildet hat, wird es vielleicht ein kleiner Wasserfall werden. Dann lieber doch ein Wasserfall, als dass das gestaute Wasser sich mühselig und langsam und stetig einen Weg suchen und ein Loch finden muss, wo es dann nach langem Wühlen und Drücken austreten kann ... dort, wo du es nicht erwarten wirst ... dort, wo es noch vieles andere mit sich reißen wird.
                Jetzt hast du die Möglichkeit die "Befreiung" (mit Hilfe) zu kontrollieren. Später wird das vielleicht nicht mehr der Fall sein.

                Wenn die unguten Gefühle dann raus sind, kannst du sie dir aus Distanz anschauen und wirst die Zusammenhänge erkennen und spüren, ... die Wiesos und Warums und Weshalbs werden dir dann wie Schuppen von den Augen fallen.

                Der Prozess ist vielleicht schmerzhaft und für einen ethisch strengen Menschen wie dich (von deinen Verhaltensmustern und Glaubenssätzen her) ein wenig anstrengend ... wobei der Schmerz ja eigentlich nur das Resultat fördert: wenn er nämlich weg ist (wenn vieles raus ist), merkt du erst, wie gut das tut ... keine Schmerzen mehr zu empfinden. Vorher ist das nur "denkbar", aber du kannst es nicht "fühlen".

                Und wie du inzwischen am eigenen Leben gelernt hast, können ungute Gefühle viel viel schmerzhafter sein als Gedanken ... wobei "Gedanken ihrerseits wiederum Gefühle auslösen" ... gut und (neue) ungute.

                Ungute Gefühle haben die Eigernschaft von Lemmingen. Läßt man sie laufen, laufen sie ... bis sie irgendwo runterfallen und nicht mehr da sind. Manchmal müssen sie halt lange laufen ...

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                  Liebe Jannes,

                  von meiner Mutter höre ich telefonisch 2-3 mal im Jahr etwas und 1 mal im Jahr treffen wir uns. Sie jammert nicht. Alles scheint relativ neutral.

                  Solange ich nix von ihr erwarte oder fordere oder sonst irgendwie will, ist für sie die Welt in bester Ordnung.

                  Ich habe ihr dann mal mitgeteilt, dass sie von mir auch nichts zu erwarten hat sollte sie mal Hilfe brauchen im Alter und das ich auch keinen Wert mehr lege auf Geburtstage und ihr ebenfalls nicht mehr gratulieren werde.

                  Ich merkte, dass das bei ihr seit Jahren so dahin rumort und dass sie seit neusten versucht, mir auf ihre seltsame Art und Weise, zu zeigen, dass sie etwas ändern will.


                  Mir kommt das manchmal vor wie ein Machtkampf. Und es ist auch einer.

                  Es gab Phasen in meinem Leben da war mir meine Mutter egal.
                  Und wenn sie mal nicht mehr ist? Werde ich sie vermissen?

                  Ich liebe meine Mutter weil ich ihr Kind bin und gar nicht anders kann.
                  Aber im Alltag liebe ich sie nicht denn sie hat mir sehr geschadet.
                  Ich würde sogar sagen, dass ich sie nicht mal mag.
                  Ich darf sie nicht mögen auch wenn sie meine Mutter ist.
                  Denn mein Wohl steht für mich an erster Stelle.

                  Ich kann Deine Zerrissenheit sehr gut nachfühlen.

                  Kommentar


                    Im neuen Focus von Montag (kam heute schon) steht ein interessantes Interview über egomane Mütter und verlorene Töchter, über Frauen, die als Kind die Mutterrolle und die Verantwortung übernehmen mussten, von einer Frau, die " ein kleiner, einsamer Astronaut in ihrem Orbit ist", die so viel Schmerz in sich trägt, dass sie es nur noch in diesem Orbit aushält.

                    Während Männer "sehr selbstbewusst von Dingen reden, von denen sie keine Ahnung haben."

                    Passt, passt, passt, jedenfalls auf meine Situation.

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                      Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
                      Jetzt hast du die Möglichkeit die "Befreiung" (mit Hilfe) zu kontrollieren. Später wird das vielleicht nicht mehr der Fall sein.
                      Wenn es eine Möglichkeit gibt, bin ich mittlerweile schon eher bereit, die Staumauer einfach einzureißen. Gestern ist mir wieder der Kragen geplatzt, natürlich geht es mir heute besser. Aber ich weiß auch, dass sich das quasi stündlich ändern kann. Diese extremen Stimmungsschwankungen reichen mir einfach. Das muss auch anders gehen. Wenigstens habe ich inzwischen danach weniger ein schlechtes Gewissen, aber auch nur, weil mein Partner wohlwissend, dass diese Gewitter so schnell verschwinden, wie sie sich zusammen brauen, sie stoisch erträgt.
                      Zitat von Heartbeat Beitrag anzeigen
                      Es gab Phasen in meinem Leben da war mir meine Mutter egal.
                      Und wenn sie mal nicht mehr ist? Werde ich sie vermissen?

                      Ich liebe meine Mutter weil ich ihr Kind bin und gar nicht anders kann.
                      Aber im Alltag liebe ich sie nicht denn sie hat mir sehr geschadet.
                      Ich würde sogar sagen, dass ich sie nicht mal mag.
                      Ich darf sie nicht mögen auch wenn sie meine Mutter ist.
                      Denn mein Wohl steht für mich an erster Stelle.

                      Ich kann Deine Zerrissenheit sehr gut nachfühlen.
                      Liebe Heartbeat,

                      die Frage habe ich mir auch schon gestellt, ob ich sie einmal vermissen werde. Zuerst fällt mir schlichtweg Erleichterung ein. Im nächsten Moment aber auch ein großes Bedauern, für sie ein Leben lang so empfunden zu haben/ ihr gegenüber überhaupt solche negativen Gefühle gehabt zu haben und der Gedanke "Es wäre an dir gewesen, die gemeinsame Zeit so zu gestalten, dass sie harmonisch verläuft". Alles runterzuschlucken und gute Miene zum bösen Spiel zu machen steckt ziemlich tief drin. Auch wenn mein Verstand mir sagt, dass ich alles Recht der Welt habe, so zu fühlen, wie ich es tue.
                      Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
                      Im neuen Focus von Montag (kam heute schon) steht ein interessantes Interview über egomane Mütter und verlorene Töchter, über Frauen, die als Kind die Mutterrolle und die Verantwortung übernehmen mussten, von einer Frau, die " ein kleiner, einsamer Astronaut in ihrem Orbit ist", die so viel Schmerz in sich trägt, dass sie es nur noch in diesem Orbit aushält.

                      Während Männer "sehr selbstbewusst von Dingen reden, von denen sie keine Ahnung haben."

                      Passt, passt, passt, jedenfalls auf meine Situation.
                      Danke für den Hinweis. Mit wem wurde das Interview denn geführt?

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                        Mit Hannelore Elsner, Nadja Uhl und Doris Dörrie

                        Über die weibliche Kompetenz der wahren Kommunikation

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                          Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                          der Gedanke "Es wäre an dir gewesen, die gemeinsame Zeit so zu gestalten, dass sie harmonisch verläuft".
                          Warum wäre es an dir gewesen? Kannst das nur du? Ist das für deine Mutter zu schwierig?

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                            Sie trägt keine Wut in sich. Ich versaue mit meiner Wut und meinen "destruktiven" Gefühlen die Beziehung.
                            Das hat sie einige Jahre lang unkommentiert akzeptiert, sie wird schon wissen, warum. Für sie ist alles gut so wie es ist, jedenfalls äußert sie nie, dass sie unzufrieden mit unserer Beziehung ist, bis auf dass ich so selten da bin und wortkarg bin. Es ist mir lieber, gar nichts zu sagen, als auszuflippen.
                            Die Wut, die da kommt, ist schon uralt und passt logischerweise nicht in die aktuellen Situationen.

                            Kommentar


                              Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                              Sie trägt keine Wut in sich. Ich versaue mit meiner Wut und meinen "destruktiven" Gefühlen die Beziehung.
                              Das hat sie einige Jahre lang unkommentiert akzeptiert, sie wird schon wissen, warum. Für sie ist alles gut so wie es ist, jedenfalls äußert sie nie, dass sie unzufrieden mit unserer Beziehung ist, bis auf dass ich so selten da bin und wortkarg bin. Es ist mir lieber, gar nichts zu sagen, als auszuflippen.
                              Die Wut, die da kommt, ist schon uralt und passt logischerweise nicht in die aktuellen Situationen.
                              Ich sehe es so - deine Mutter weiß genau, daß sie nur das erntet, was sie früher reichlich gesät hat.

                              Ich kann nicht erwarten, Liebe und Verbundenheit zu ernten, wenn ich nur Wut, Bitterkeit und Mißachtung gesät habe.

                              Meine Beziehung zu meiner Mutter ist distanziert, ich würde nicht im Traum daran denken, ihr von meinen Gefühlen zu erzählen (würde sie auch nicht interessieren). Sie kann nichts anderes von mir erwarten, denn genau diese Distanziertheit hat sie zwischen uns hergestellt. Wenn ich mir mein Kind ansehe - sie vertraut mir, erzählt mir immer wie sie sich fühlt und diese Basis, habe ich zwischen uns aufgebaut. Es liegt nicht am Kind, eine wie auch immer geartete Beziehung zur Mutter aufzubauen, schon allein deshalb, weil es das am Anfang noch gar nicht kann (es kann sich dann nur entsprechend anpassen).

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                                Zitat von Chrysothemis Beitrag anzeigen

                                Ich kann nicht erwarten, Liebe und Verbundenheit zu ernten, wenn ich nur Wut, Bitterkeit und Mißachtung gesät habe.
                                Grundsätzlich hierzu ein Ja.
                                Ich für meinen Teil brauche aber auch nicht erwarten, so wie ich bin, von meinem Partner anerkannt zu werden, Zuwendung, Verständnis und Liebe zu ernten. Und dennoch ist es so. Weil er weiß, warum ich so bin. Er kann es vielleicht nicht verstehen, aber nachvollziehen.
                                Ich weiß auch, warum meine Eltern so waren wie sie waren und so sind wie sie sind.

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