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Die Kunst des Fliegens

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    Wieso ungeschickt anstellen?

    Ich wuerde das erst mal als positiv sehen wenn da was von einem abfaellt.

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      Zitat von Serafin Beitrag anzeigen
      Das spricht eigentlich für Sicherheitsschuhe mit Stahlkappe!
      Das hätte mir mal jemand eher sagen sollen! Aber vermutlich ist es so: Man schleppt eine Weile diesen Stein, dann fliegt er plötzlich weg und nimmt all sein Gewicht mit. Man gewöhnt sich ja relativ schnell ans Schleppen und wenn man sich auf einmal viel leichter bewegen kann, sich viel leichter fühlt, kann man sich leicht überschätzen und auch leichter verletzen.

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        Was macht denn dein Fuß heute? Besser geworden?

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          Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
          Kann einem ein Stein vom Herzen auf die Füße fallen?
          Vielleicht will er dich damit nur daran erinnern, wie schwer er gewesen war und wie froh er war, endlich frei ... und dich losgeworden zu sein.

          Jetzt weiss ich auch, was gestern morgen hier bei uns so gerumpelt hat. Ich dachte schon es wäre ein Gewitter ...

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            Sag ich doch, dass er groß war
            Ich glaube heute geht es schon wieder, fast schon wieder vergessen. Und zweimal kann einem das Ding ja nicht auf den Fuß fallen.

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              Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
              ... Und zweimal kann einem das Ding ja nicht auf den Fuß fallen.
              ...doch, doch, wenn Du es "geschickt" anstellst, geht das unendlich oft: Aufheben, Fuß drunter, fallen lassen, aufheben, Fuß drunter, fallen lassen, aufheben....

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                Da muss man den Schmerz aber schon mögen, um das immer wieder zu tun

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                  Seit einigen Monaten habe ich eine neue Kollegin, mit der ich mich sehr gut verstehe. Es passt wie die Faust aufs Auge und wir beide empfinden das von Anfang an so. Es gibt ja Menschen, die man trifft, bei denen man das Gefühl hat, man würde sie schon ewig kennen. Ich kann mich in ihrer Gegenwart so geben, wie ich bin und brauche nicht zu befürchten, blöd angeschaut zu werden oder ein Stirnrunzeln zu ernten. Sie scheint auch eine gute Menschenkenntnis zu haben, weil sie mich irgendwann, als wir über Gott und die Welt sprachen, ziemlich gut als Menschen beschrieb. Nun war sie über Weihnachten schwanger mit Zwillingen geworden und hat zunächst das eine und dann vor einigen Wochen auch das andere verloren. Solchen Sachen stehe ich immer ziemlich hilflos gegenüber und ich frage mich, wie ich mich verhalten soll. Man kann im Grunde nichts tun, damit es dem anderen besser geht. Hingegen gibt es viel, was man vielleicht unterlassen sollte. Pitti hatte es in ihrem Faden angesprochen; Umarmungen, Beileidsbekundungen etc. können durchaus unangemessen sein und als unangebracht empfunden werden. Noch dazu gibt es ja Menschen, die dann auch noch glauben mit klugen Ratschlägen das Schweigen übergehen zu müssen, weil sie es nicht aushalten können. Ich kann das auch schwer aushalten und fühle mich dabei schlecht und denke immer, ich müsste darauf doch etwas erwidern. Jedenfalls trafen wir uns gestern, nachdem sie nun schon seit sechs oder sieben Wochen nicht mehr auf Arbeit war. Natürlich habe ich sie umarmt, aber wir haben beim Essen erst über völlig andere Dinge gesprochen. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob ich es ansprechen soll oder ob es unhöflich ist es nicht anzusprechen oder einfach taktvoll darauf zu warten, bis sie selbst davon anfängt. Ich persönlich kann diese Einstellung im Grunde nicht ausstehen: Wenn derjenige ein Problem hat und darüber reden möchte, dann wird er schon davon anfangen. Das Thema kam dann irgendwann auf den Tisch und sie erzählte und erzählte und ich hörte ihr zu. Sie ist noch nicht darüber hinweg, fing auch an sich zu rechtfertigen, dass sie trotz dessen, dass sie noch so klein waren, diese Gefühle hat. Auch meinte sie die Frage "Wie geht es dir" nicht ausstehen zu können. Sie wüsste nicht, ob das Gegenüber die Antwort tatsächlich hören wollen würde und überhaupt: wie solle es ihr gehen? Diese obligatorische Frage störte sie und auch, dass alle sie anschauten, als wäre sie ein rohes Ei. Wir saßen noch eine Weile dort und sie ließ wohl alles ab und raus, was wohl gerade raus wollte.
                  Später schrieb sie mir und bedankte sich dafür, dass ich einfach nur zugehört habe, wir ungezwungen darüber sprechen konnten. Offensichtlich war das genau das, was sie in dieser Situation gebraucht hatte.

                  Für mich ist sowas immer ein Drahtseilakt. Im Grunde möchte ich gerne helfen, wie auch immer. In dieser Situation kann ich es ganz eindeutig nicht (bis auf das, was ich getan habe, nämlich da zu sein, zuzuhören und mit ihr darüber zu sprechen). Wahrscheinlich kamen deswegen "wie gehts dir" Fragen oder Ratschläge erst gar nicht auf den Tisch. Ich bin froh, dass sie mir das nicht-nachfragen nicht als Desinteresse oder Ignoranz ausgelegt hat, aber wahrscheinlich sind das Gedanken, die einem nur kommen, wenn es einem um einen selbst geht und darum, wie man auf den anderen wirkt. Egoistische Gedanken darum, wie ich bei ihr ankomme und auf sie wirke waren sowieso fehl am Platz und daher das Warten darauf, dass sie mit dem Thema beginnt, wenn sie bereit ist, der richtige Weg. Das, was sie hier brauchte, empfinde ich immer als Hilflosigkeit Wobei es hier sicher auch kein Patentrezept gibt, was die Sache gerade so schwierig macht.
                  Wie geht ihr mit solchen Situationen um?

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                    Du hast das völlig richtig gemacht, das siehst du ja auch an ihrer Reaktion.

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                      Wenn es sich zeigt, dass der/die Gegenüber "darüber reden will" (das zeigt sich u.a. dadurch, dass sich das allgemeine Thema, über das gesprochen wird, "in der Nähe" der eigentlichen Sorge befindet und sich durch Körpersprache ausdrückt), reicht bspw. ein "Was würdest du jetzt brauchen, um dich wohler zu fühlen?".
                      Mitfühlende Berührungen (Hand auf Arm legen, auf Schulter oder auf Rücken usw.) sind meist ein Eiertanz, da sie ungeahnte und unerwartete Reaktionen auslösen können, mal abgesehen davon, dass sich viele Menschen nicht gerne "berühren" lassen.

                      Es dem Betroffenen zu überlassen, wie und wann er/sie das Thema anschneiden will, ist noch immer der beste Weg, nichts Falsches zu tun.

                      Die eigene Hilfslosigkeit steht uns dabei oft im Weg. Die Ungeduld und das Bedürfnis "unser Mit-Leid ausdrücken zu dürfen" verleitet uns zu oft zu Handlungen, die nicht nur kontraindiziert, sondern eher "unser gefühltes Leid" oder unsere banale Neugier, oder unsere Person (und damit unsere vermeintliche Wichtigkeit) demonstrieren.
                      Weil der/die Gegenüber (in ihrer hochsensiblen Befindlichkeit) DAS spürt, mag sich sein persönliches Leid sogar vervielfachen, ... dadurch, dass er/sie fühlt oder kognitiv davon ausgeht, das "wir ihm/ihr sowieso nicht helfen können".

                      Wenn das Thema von dem/der Betroffenen angeschnitten wird und ich ohne Antwort hilflos da stehe, drücke ich das auch so aus, wie ich es fühle und wie mein Verstand es mir rät: "Ich bin hilflos und ratlos. Was möchtest du denn gerne von mir hören?"
                      Den anderen mit Tips und Ratschlägen zu überschütten, wäre wohl das Unangebrachteste, was wir tun könnten, da alles das, was wir vorschlagen, für den/die Betroffene(n) in keinem annähernd gleichwertigen Verhältnis zu seinem in dem Moment gefühlten Leid stehen wird.

                      Eine alte psychoanalytische Methode ist mitunter noch immer wertvoll, besonders wenn wir täglichen Umgang mit Betroffenen haben: reden lassen, so oft und so ausführlich wie nur möglich. Je öfters und je ausführlicher sie erzählen (sich ausschütten), desto "dünner" wird die traumatische Erinnerung werden. Es werden einige "übersehene" Details auftauchen und andere werden schnell verebben. Mit jedem "Erzählen", wird die Erinnerung "durchsichtiger", verliert an Dichte und Dramatik und wird am Ende "nur noch eine Erinnerung sein",... die zwar noch ein wenig schmerzt, die jedoch den Betroffenen nicht mehr emotional aus der Bahn werfen kann.

                      Die "Stelle, wo das Leid gelagert war", wird zunehmend freier und der/die Betroffene hat dadurch wieder mehr Raum. Der Leidensdruck(die Last) ist geringer geworden ... Mensch fühlt sich "leichter" ... un-beschwerter.

                      Was wirklich geschieht, ist, dass der/die Betroffene durch wiederholtes "Leid-ausschütten" es schlußendlich unbewusst als "ihrs" akzeptiert und ihr "eigenes Mitleid für sich" als eine ihrer Wesensarten integriert.

                      Emotional leiden ist wie ein Berg, der einem die Sicht auf das Leben versperrt. In Anlehnung an den Spruch "Geteiltes Leid ist halbes Leid" kann Mensch sein Leid durch wiederholte "Teilung" abnehmen lassen - er kann dadurch den Berg Stück für Stück abtragen .. bis er wieder freie Sicht hat.
                      Wer dabei helfen will, soll eine Schaufel in die Hand nehmen und beim Abtragen helfen. Wer das (aus welchen Gründen auch immer) nicht kann, soll sich diskret zurückziehen - das ist keine Schande, sondern ein ehrliches Eingeständis des "ich kann nicht helfen" und wird auch für den damit Betroffenen erleichternd sein

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                        Hallo Jannes.

                        Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                        Für mich ist sowas immer ein Drahtseilakt.[...]

                        Ich bin froh, dass sie mir das nicht-nachfragen nicht als Desinteresse oder Ignoranz ausgelegt hat[...]

                        Wie geht ihr mit solchen Situationen um?
                        Ich kann diese Hilflosigkeit gut nachempfinden.

                        Eine Kollegin, mit der ich das Büro teilte, hatte (vor meiner Zeit dort) ein ungeborenes Kind verloren und war wieder schwanger. Es war klar, dass sie sich Sorgen machte und man merkte, dass sie es nicht zeigen wollte. Sie wirkte ganz verlegen, wenn sie z.B. nachfragte, was denn in dem Tee ganz genau drin sei, den man ihr anbot. Sie wollte dieses Mal "nichts falsch" machen und alle "Risikofaktoren" meiden. Bis dahin wusste ich nicht mal, dass es in Tee Kräuter gibt, die wehenfördernd oder gar "abtreibungsfördernd" wirken können.

                        Eines Morgens rief ihr Mann an, sie käme heute nicht, sie sei im Krankenhaus. Mit den Herztönen des Babies stimme was nicht, aber er wisse noch nix genaues. Wir sind natürlich alle auf Nadeln gesessen. In der Mittagspause bin ich spontan die zwei Kilometer ins Krankenhaus zu fahren, um zu sehen, wie es ihr geht. Sie hat sich einerseits gefreut, dass sie mir dafür "wichtig genug" war, aber es war ihr auch peinlich, so einen "Aufruhr" im Büro verursacht zu haben.

                        Ich habe ihr dann einfach gesagt, wie ich mich fühle: Hilflos und unsicher. Dass es mich interessiert, wie es ihr geht, dass ich aber nicht "in alten Wunden stochern" will. Dass ich nicht aus Desinteresse keine Fragen nach ihrem "Zustand" und ihren Gedanken stelle, sondern aus Angst, ihr damit weh zu tun oder etwas aufzuwühlen, was sie vielleicht gerade mit Mühe beherrscht. Und dass ich jederzeit da bin, wenn sie von sich aus reden möchte. Dass ich sie gerne unterstützen würde, aber nicht weiß, wie ich das tun sollte.

                        Wenn sie "geknickt" wirkte, habe ich ihr manchmal gesagt "Du weißt, ich bin da, ja?" - aber nicht mehr. Wir hatten mehrere lange Gespräche, alle gingen von ihr aus. Ich habe zugehört, versucht zu verstehen, nachzufühlen und manchmal auch, sie ein bisschen aufzubauen, wenn sie (unbegründete!) Schuldgefühle hatte, weil sie das erste Kind verloren hat (als ob sie das aktiv "getan" hätte) oder weil sie aktuell so weinerlich und manchmal auch überempfindlich war.

                        Ich habe ihr gesagt, dass sie jetzt nur an sich und das Baby denken und auf keinen Fall im Büro "die Maske aufsetzen" soll, nur weil sie glaubt, sie müsse Rücksicht auf mich (oder meine Hilflosigkeit) nehmen. Da ich keine Ahnung habe, was in einer Schwangerschaft und - noch dazu in einer "gefährdeten" - normales Verhalten ist, sei für mich einfach alles, was sie tut, "normal" und ok - also solle sie es ausleben.

                        Wenn sie "miese Tage" hatte, haben wir die Verbindungstüren zu den Kollegen geschlossen und sie war "telefonbefreit". Sie hat das vor sich hin gewerkelt, was ging, und die dringenden Sachen, für die sie keinen Kopf hatte, auf meinen Schreibtisch geschoben. Es war besser für sie als alleine zuhause zu sitzen und zu spüren, wie die Decke immer weiter runter kommt. Dafür haben wir hinterher gemeinsam die aufgelaufenen Sachen abgearbeitet.

                        Eine andere Kollegin, die mehr der "mütterliche Typ" war, hat sie manchmal einfach in den Arm genommen. Bei ihr konnte sie dann einfach "alles raus heulen" - ohne Worte.

                        Und wir haben trotz aller "Sorgen" miteinander gescherzt und gelacht.

                        Als das Kind dann (kerngesund und pummeldick) da war, sagte sie mir, dass es ihr gut getan hat, einfach angenommen zu werden wie sie war. Zu wissen, dass sie bei uns Kollegen "sicher" war und dass keiner ihr die Schuld gegeben hätte, wenn es wieder "schief gegangen" wäre. Sie war froh zu wissen, dass wir "ansprechbar" waren, wenn sie das Bedürfnis hatte, dass aber keiner sie "zum Reden bewegen" wollte, wenn ihr nicht danach war.

                        Und sie meinte, es sei ihr klar, dass ich jeden anderen für ihre gereizten und genervten Reaktionen an manchen Tagen "an die Wand geklatscht" hätte und dass sie während der Schwangerschaft bei mir "Narrenfreiheit" hatte. Das habe ihr besondere Sicherheit gegeben und auch, dass gerade ich - die nie Kinder wollte und gar nicht verstehen konnte, was an einem schreienden, stinkenden Bündel so toll sein sollte, dass man es sich aufhalst - so mit ihr mitgefühlt hatte und sie hatte "sein lassen", wie sie war... mit all ihren Sorgen und Ängsten und dem tiefen Wunsch dieses "schreckliche Ding" gesund zur Welt zu bringen. Wenn selbst ich das konnte - wer hätte ihr dann noch irgendwelche "Vorwürfe" machen können. Na da kommt raus, was man für eine Wirkung auf Kollegen hat, ob man sich nun Gedanken drüber macht oder nicht.

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                          @Bonny:
                          Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
                          Du hast das völlig richtig gemacht, das siehst du ja auch an ihrer Reaktion.
                          Glück gehabt

                          @Shepherd:
                          Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
                          Weil der/die Gegenüber (in ihrer hochsensiblen Befindlichkeit) DAS spürt, mag sich sein persönliches Leid sogar vervielfachen, ... dadurch, dass er/sie fühlt oder kognitiv davon ausgeht, das "wir ihm/ihr sowieso nicht helfen können".
                          Das habe ich so noch gar nicht bedacht, wenn ich mich hineindenke, leuchtet es aber ein. Daher fühlt man sich dann besser aufgehoben bei jemandem, der mit einem erstmal den Alltag bestreitet wie bisher (also an seiner Seite ist und sich von den eigenen Gedanken/Zweifeln/vom eigenen Mitleid nicht abhalten lässt), von dem man aber grundsätzlich weiß, dass er jederzeit auch bereit ist das eigene Leid zu teilen.
                          Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
                          Was wirklich geschieht, ist, dass der/die Betroffene durch wiederholtes "Leid-ausschütten" es schlußendlich unbewusst als "ihrs" akzeptiert und ihr "eigenes Mitleid für sich" als eine ihrer Wesensarten integriert.
                          Sie sagte selbst von sich, dass das noch nicht wirklich bei ihr (emotional) angekommen ist, vor allem nicht, dass sie beide verloren hat, weil es beim zweiten eigentlich gut aussah. Und die Erklärung, die man mittlerweile für das frühzeitige Sterben der Kinder ausgemacht hat, hilft ihr natürlich nicht, auch wenn sie weiß, dass sie nicht lebensfähig gewesen wären. Aber sie ist sich bewusst, dass diese Trauerarbeit noch dauern wird und ist auch bereit, sich notfalls Unterstützung zu holen.

                          @FirstSunshine:
                          Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
                          Und sie meinte, es sei ihr klar, dass ich jeden anderen für ihre gereizten und genervten Reaktionen an manchen Tagen "an die Wand geklatscht" hätte und dass sie während der Schwangerschaft bei mir "Narrenfreiheit" hatte. Das habe ihr besondere Sicherheit gegeben und auch, dass gerade ich - die nie Kinder wollte und gar nicht verstehen konnte, was an einem schreienden, stinkenden Bündel so toll sein sollte, dass man es sich aufhalst - so mit ihr mitgefühlt hatte und sie hatte "sein lassen", wie sie war... mit all ihren Sorgen und Ängsten und dem tiefen Wunsch dieses "schreckliche Ding" gesund zur Welt zu bringen. Wenn selbst ich das konnte - wer hätte ihr dann noch irgendwelche "Vorwürfe" machen können. Na da kommt raus, was man für eine Wirkung auf Kollegen hat, ob man sich nun Gedanken drüber macht oder nicht.
                          Danke für deine Geschichte! Du hast deiner Kollegin die nötige Sicherheit gegeben und vor allem auch Freiheit, indem du ihr freie Bahn, vor allem auch ohne Maske, gegeben hast. Bei uns auf Arbeit weiß niemand, bis auf die Chefin, was passiert ist, meine Kollegin möchte nicht, dass die Kollegen es wissen. Natürlich machen sich alle Sorgen und sind ihr gegenüber übervorsichtig und packen sie in Watte. Für sie ist es schwierig, im Grunde möchte sie nicht damit behelligt werden; wird immer wieder gefragt, wie es ihr geht, wobei es ihr augenscheinlich ins Gesicht geschrieben steht. Um diesen Fragen aus dem Weg zu gehen sagt sie mittlerweile, es gehe ihr gut und setzt die von dir beschriebene Maske auf. Da wir hier gerade Ferien haben und danach wieder einige Änderungen und Highlights anstehen, denke ich, wird sich diese Situation bald auflösen.

                          Verblüffend fand ich bei meiner Kollegin ihre Offenheit in umgekehrter Richtung: Nachdem das Thema eröffnet war, sprach sie mich offen darauf an, dass mir nicht einfallen soll, mit ihr nun bestimmte Themen zu meiden. Wir haben sonst viel über ihren Sohn (sie hat schon einen gesunden Zweijährigen), über die Zwillinge meines Bruders und überhaupt übers Kinderkriegen gesprochen, weil sie sich weitere Kinder wünscht und auch aktiv daran gearbeitet hat. Das war für mich unheimlich erleichternd, denn ich wollte sie mit solchen Dingen nicht verletzen und belasten. So hat sie ihrerseits dafür gesorgt, dass ich wirklich unbefangen mit ihr umgehen kann.

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                            Hallo Jannes.

                            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                            [...]Bei uns auf Arbeit weiß niemand, bis auf die Chefin, was passiert ist, meine Kollegin möchte nicht, dass die Kollegen es wissen. Natürlich machen sich alle Sorgen und sind ihr gegenüber übervorsichtig und packen sie in Watte.[...]
                            Das verstehe ich nicht ganz. Wenn es niemand weiß, wie kann er sich dann Sorgen machen? Oder sieht sie einfach "so mies aus", dass die Kollegen sich Gedanken machen?

                            Falls ja: könntest Du ihr vielleicht vorschlagen, etwas ganz "allgemeines" über einen Todesfall in der Familie (oder im persönliches Umfeld) zu sagen und die Kollegen zu bitten, erst mal nicht nachzufragen, bis es sich gesetzt hat. Oder könntest Du das (natürlich mit ihrem Einverständnis!) so unter die Leute bringen? Ich denke es ist verdammt hart, so einen Verlust zu verkraften (und überhaupt erst mal zu begreifen). Auch wenn es noch ganz kleine Embryos waren - es waren ihre Kinder! Und das ist ein unbegreiflicher Verlust.

                            Ich würde erwarten, dass sie sich davon manchmal "abschottet" und nicht darüber nachdenken oder gar reden will. Aber sei darauf gefasst, dass es dann plötzlich (und vielleicht erst viel später, wenn alles wieder ok zu sein scheint) aufbricht und raus muss.

                            Ich denke, ihr habt das Verhältnis zueinander, dass Du ganz offen alle Themen ansprechen kannst und sie Dir sagen wird, wenn etwas davon gerade an ihre "empfindliche Stelle" rührt. Sie hat ja zum Ausdruck gebracht, dass Du nicht "im Vorfeld" ausfiltern sollst, was ihr nicht gut tun könnte und ich glaube, Du bist aufmerksam genug zu spüren, wenn Du "rücksichtsvoll" ein angeschnittenes Thema fallen lassen solltest. Im Zweifelsfall habe ich immer nachgefragt "ist es gerade ok für Dich?" und ich denke Dir wird Deine Kollegin so eine Frage auch ehrlich beantworten.

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                              Stimmt, so klingt das nicht nachvollziehbar. Sie fehlte seit Neujahr auf Arbeit, offiziell war sie krank. Die Krankheit, die sie vorgeschoben hatte, machte aber nach so langer Zeit keinen Sinn mehr (zu dieser Zeit war das zweite Kind noch am Leben und sie hatte nicht damit gerechnet, dass sie so lange ausfallen würde) und es wurde schon vermutet, dass etwas anderes dahinter stecken muss. Nun war sie letzte Woche auch wieder auf Arbeit. Sie selbst hat den Kollegen gesagt, dass sie nicht darüber sprechen möchte, sie hat sich dagegen entschieden, weiter etwas anderes vorzuschieben.
                              Wir gehen tatsächlich sehr offen miteinander um und im Notfall ist die von dir genannte Frage, ob es gerade ok für denjenigen ist, auch eine gute Lösung

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                                Verständnis für den Anderen und seine Bedürfnisse aufbringen, zu schauen, was hinter dem steckt, was er tut, sowohl bei Dingen, die sich direkt auf mich beziehen, als auch bei Dingen, die er unabhängig von mir tut ist etwas, was mir immer wieder schnell durch die Lappen geht. Dabei weiß ich, dass ich das im Grunde sehr gut kann. Mir scheint, es ist in den letzten Jahren von dem einen Extrem (nämlich nur dahinter zu schauen, wieso meine Mitmenschen das tun, was sie tun und wie sie es tun und zwar erstmal ohne meine ganz persönlichen emotionalen Reaktionen darauf in den Vordergrund zu stellen) ins andere Extrem (nämlich dass ich nicht mehr schaue, was hinter einer Handlung, hinter einem Satz oder einer Geste stecken könnte und ich einfach nur meinem Impuls nachgebe) umgeschlagen.
                                Auf der Suche nach dem Warum und Wozu glaube ich zu erkennen, dass diese Veränderung zunächst erstmal keine schlechte ist. Meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu berücksichtigen ist richtig und wichtig und indem ich meinem ersten Impuls nachgebe – und das unter Umständen ziemlich drastisch - stelle ich für mich sicher, dass ich selbst meine Bedürfnisse wahrnehme und reibe sie dem anderen förmlich unter die Nase oder schmeiße sie ihm vor die Füße. Sehr oft nach dem Prinzip: Friss oder stirb. Es ist auch eine Weise, mich selbst näher kennen zu lernen und zu erfahren, was ich eigentlich brauche und wann genau ich meine eigenen Bedürfnisse beschnitten sehe. Auf der anderen Seite spielt dort mein Selbstwert auch eine große Rolle. Denn früher habe ich vor allem deswegen hinter die Handlungen anderer geschaut, um zu ergründen, welchen Fehler ich gemacht habe. Es musste einen Grund dafür geben, dass man sich mir gegenüber so verhalten hat und den sah ich lediglich bei mir. Außerdem sah ich in der Auseinandersetzung mit den Beweggründen bestimmter Handlungsweisen und auch mit dieser Person selbst vor allem den Zweck, meiner Pflicht und meinem Wert nachzukommen, die ich mir selbst in Bezug auf andere nur gegeben habe: Mülleimer sein (und im Gegenzug selbst offiziell keine Probleme zu haben, geschweige denn sie zu äußern etc.). Auch das ist zunächst keine negative Entwicklung, andere sollen auch ruhig wissen, was mich selbst bewegt, ich bin wichtig genug eigene Probleme zu haben und sie auch äußern zu dürfen, sie zu teilen und eine Reaktion zu erhalten. Man kann auf mich Bezug nehmen, ich bin da.
                                Nun gilt es wohl das ins Extrem geratene zu entschärfen, zu kanalisieren und in ein gesundes, angenehmes Maß zu bringen. Zu üben, wie ich beides zusammen unter einen Hut kriege und das ohne mich selbst zu beschneiden oder den Anderen. Das wird mit Sicherheit nicht immer gelingen. Aber es kann nur besser werden, denn immerhin missachte ich im Gegenzug ihn und seine Bedürfnisse, seine Intentionen, wenn ich nur bei mir bleibe und das ist wohl nicht fair Schließlich mache ich dann aus dem Anderen das, was ich selbst lange Zeit lang war.

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