Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Die Kunst des Fliegens

Einklappen
Dieses Thema ist geschlossen.
X
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

    Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
    Grundsätzlich hierzu ein Ja.
    Ich für meinen Teil brauche aber auch nicht erwarten, so wie ich bin, von meinem Partner anerkannt zu werden, Zuwendung, Verständnis und Liebe zu ernten. Und dennoch ist es so. Weil er weiß, warum ich so bin. Er kann es vielleicht nicht verstehen, aber nachvollziehen.
    Ich weiß auch, warum meine Eltern so waren wie sie waren und so sind wie sie sind.
    Da gibt es einen kleinen aber wesentlichen Unterschied. Dein Partner hat die Möglichkeit zu gehen, wenn er die Faxen dicke hat. Diese Möglichkeit hattest du nicht.

    Überfordere dich einfach nicht - die Beziehung zu deiner Mutter ist wie sie ist, zwar nicht toll, aber sie ist so. Ich gehöre nicht zur Fraktion derer, die meinen, man müsse seine Eltern lieben. Es reicht vollkommen, wenn man sie toleriert. Vielleicht kommt ein Stück Wut auch daher, weil du dich zu etwas bringen willst, das du in Wahrheit gar nicht willst?

    Kommentar


      Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
      Grundsätzlich hierzu ein Ja.
      Ich für meinen Teil brauche aber auch nicht erwarten, so wie ich bin, von meinem Partner anerkannt zu werden, Zuwendung, Verständnis und Liebe zu ernten. Und dennoch ist es so. Weil er weiß, warum ich so bin. Er kann es vielleicht nicht verstehen, aber nachvollziehen.
      Ich weiß auch, warum meine Eltern so waren wie sie waren und so sind wie sie sind.
      Da gibt es trotz allem einen Unterschied. Es ist aber ein Unterschied, den der Verstand nur schwer nachvollziehen kann.

      Du sagst selbst, im Umgang mit deiner Mutter "spült" es viele alte Gefühle hoch, die der aktuellen Situation nicht entsprechen. Allein ihr "Sein" weckt all die unguten Gefühle in dir, die du jahrelang verdrängt hast. Und wenn du die nicht loslassen kannst wird sich das auch nicht ändern.

      Dein Partner trägt solche Verletzungen nicht in sich. Somit reagiert er völlig anders auf dich. Er fühlt sich nicht "betroffen" wenn du überreagierst. Er findet es vielleicht unangemessen, kann es aber tolerieren weil er weiß, woher es kommt. Du kannst das so nicht leisten. Dafür steht dir (noch) viel zu viel altes im Weg.

      Kommentar


        Zitat von Chrysothemis Beitrag anzeigen
        Vielleicht kommt ein Stück Wut auch daher, weil du dich zu etwas bringen willst, das du in Wahrheit gar nicht willst?
        Ich würde mir wünschen, ehrliche wohlwollende Gefühle für sie haben. Eher habe ich mir zu lange verboten, all diese negativen Gefühle zu haben.
        Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
        Allein ihr "Sein" weckt all die unguten Gefühle in dir, die du jahrelang verdrängt hast. Und wenn du die nicht loslassen kannst wird sich das auch nicht ändern.
        Oh ja. Allein der Gedanke, sie zu sehen oder ihren Namen auf dem Telefon zu sehen...
        Wahrscheinlich liegt hier auch eine große Diskrepanz: Der Wunsch, dass es anders ist und das Unvermögen, vergessen zu können und das Bedürfnis, diese Gefühle rauszulassen.
        Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
        Dein Partner trägt solche Verletzungen nicht in sich. Somit reagiert er völlig anders auf dich. Er fühlt sich nicht "betroffen" wenn du überreagierst. Er findet es vielleicht unangemessen, kann es aber tolerieren weil er weiß, woher es kommt.
        Das stimmt, danke, dass du mich daran erinnerst. Gut, dass er es tatsächlich nicht auf sich selbst bezieht und auch nicht nachtragend ist.

        Kommentar


          Zitat von Chrysothemis
          Ich sehe es so - deine Mutter weiß genau, daß sie nur das erntet, was sie früher reichlich gesät hat.
          Sie mag es vielleicht (vielleicht!) "spüren", diese Gefühle jedoch (wie vieles andere auch) mit Eigenverblendung und aus Angst vor den befürchteten Konsequenzen wegdrücken, schönreden oder für sich verharmlosen.
          Wissen, verstehen und reflektieren tut sie es mit Sicherheit nicht.

          Kommentar


            Das unterschreibe ich sofort.

            Kommentar


              Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
              Sie mag es vielleicht (vielleicht!) "spüren", diese Gefühle jedoch (wie vieles andere auch) mit Eigenverblendung und aus Angst vor den befürchteten Konsequenzen wegdrücken, schönreden oder für sich verharmlosen.
              Wissen, verstehen und reflektieren tut sie es mit Sicherheit nicht.
              Ja. Spüren auf jeden Fall und sie hat tatsächlich Angst. Jannes ist jetzt in der Lage, sich zu wehren - da war es doch viel einfacher, als sie noch ein Kind war. Und die Mutter hat sich bewußt jemanden ausgesucht, der schwächer ist, weil sie selbst schwach ist.

              Kommentar


                Mir kam gerade der Gedanke, dass es gut war, so zu sein, wie ich war. Ich war mutig und stark genug, sie in ihren Kompetenzen zu unterstützen und die Differenz zu dem, was ich selbst zum Überleben benötigte, zu begleichen. Aber wahrscheinlich war es auch überaus wichtig, dass ich nicht zu mutig, nicht zu vorlaut, zu selbstbewusst meinen Willen einforderte und für meine Bedürfnisse kämpfte. Das hätte sie handlungsunfähig gemacht und nach wie vor ist man als Kind abhängig von Erwachsenen. Das kam tatsächlich erst im dafür typischen Alter und da habe ich gemerkt, wie schnell sie am Ende ist. Dieser Aspekt war mir noch nie bewusst, aber offenbar habe ich genau das richtige Maß getroffen.

                Kommentar


                  Mütter tun das nicht bewusst. Sie tun es, weil sie es für richtig halten und es gut meinen; das ist ja das Schlimme. Mütter sind nicht bösartig, nicht bewusst.
                  Und wenn sie es merkt, kann sie es nicht zugeben, denn dann würde sie da stehen mit leeren Händen, weil sie denkt, sie hat es falsch gemacht.
                  Wer denkt schon gerne, dass er sein Leben lang etwas falsch gemacht hat.
                  Meine Mutter konnte das auch nicht, obwohl sie es wusste. Sie hat es nämlich bei meiner Schwester geäußert, aber nie mir gegenüber.

                  Kommentar


                    Ja. Nur, wenn sie ganz unten war, völlig am Ende oder gesehen hat, dass es mir sehr schlecht ging, dann kam irgendwann diese Erkenntnis. Allerdings zwischen den Zeilen immer mit dem Signal: "Sag, dass das nicht wahr ist!" Die Relativierung war schon vorprogrammiert, immerhin durfte man nicht riskieren, dass sie noch eins drauf setzt und ihr As aus dem Ärmel zieht (sich aus dem Staub macht oder wieder das Thema Selbstmord auf den Tisch packt).

                    Kommentar


                      Meine Mutter hat gar nichts gesehen oder sehen wollen. Depressionen hat man ja nicht; das ist, wie wenn man aussätzig ist. Das ist nur Willensschwäche; da muss man sich zusammenreißen!

                      Kommentar


                        Doch, es wird von einigen Müttern tatsächlich bewußt gemacht. Sie setzen es als Erziehungsmethode ein, z.B. Liebesentzug, Schweigen. Sie sehen, was das mit dem Kind macht und es ist ihnen egal oder sie genießen ihre "Macht". In der Erziehung solcher Mütter geht es um Machtspiele. Die Mutter ist oben und das Kind hat unten zu sein.

                        Kommentar


                          Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
                          Meine Mutter hat gar nichts gesehen oder sehen wollen. Depressionen hat man ja nicht; das ist, wie wenn man aussätzig ist. Das ist nur Willensschwäche; da muss man sich zusammenreißen!
                          Stimmt. Depressionen hat man nicht. Und Burnout ist ja nur eine Mode, das hat man ja jetzt. Wie sich die Ansichten gleichen.

                          Kommentar


                            Sicher, aber meine Mutter meinte, das sei so richtig. Ich bin auch mit Liebesentzug bestraft worden, bis zu ihrem Tod. Unglaublich ist das!

                            Kommentar


                              Und das Unglaublichste ist, dass ich mir das habe gefallen lassen.
                              Das büße ich bis heute.

                              Kommentar


                                Um Macht ging es meiner Mutter auch, aber dieses Machtspiel war ihr schlicht nicht bewusst. Sie selbst hat so wenig Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, dass sie sich selbst Aufgaben suchte, die ihrer Meinung nach Anerkennung versprachen. Sie wies sich einen Wert zu. Sie war diejenige, die das Zepter im entscheidenden Moment in der Hand hielt, als ihr Mann dazu nicht in der Lage war. Für sie war das ihr Moment, um sich bedeutsam zu finden. Sie rettete die Familie und sorgte dafür, dass die Dinge weiter liefen. Das alles tat sie mit einem ehrenwerten Ziel. Das Ergebnis allerdings steht zur Diskussion.

                                Nicht alle Machtspiele sind bewusst inszeniert und sind sich doch ziemlich ähnlich.

                                Kommentar

                                Lädt...
                                X