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Die Kunst des Fliegens

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    Liebe Tamina,

    Zitat von Tamina Beitrag anzeigen
    Hast Du mal drüber nachgedacht, ob Du in Beziehungen immer so reagiert hast wie jetzt, dieselben physischen Symptome verspürt hast?
    Sind es wirklich alles Deine ureigenen Probleme oder entstehen sie durch eine Beziehung?

    Wirklich verändern kann man sich für einen Partner nicht, wie auch schon von Euch festgestellt wurde. Man selbst verändert sich jedoch bzw. es kommen andere Seiten von einem selbst zum Vorschein durch jeweils andere Partner.

    Mir hat das Reden mit meinem Partner (Mann) über meine Probleme immer wieder geholfen. Es bringt so große Entlastung.
    welche physischen Symptome meinst du? Den Tic mit dem Auge und die Taubheitsgefühle? Sowas habe ich erst, seitdem ich arbeiten gehe und es steigert sich immer auch bis zu den Ferien. Mein Tic ist noch da, die Taubheitsgefühle haben in dieser Woche nachgelassen, da hier nun Ferien sind. Das bringe ich in keinster Weise in Zusammenhang mit Beziehungen, obgleich natürlich Stress, welcher Art auch immer, dazu führt, dass es schlimmer wird.

    Je länger ich darüber nachdenke, desto eher kommt mir in den Sinn, dass ich in unserer Beziehung das erste Mal Raum habe für mich, meine Geschichte und meine Eigenarten. Die Beziehung brachte den nötigen Rückhalt, es thematisieren und zeigen zu können. Insofern trifft zu, dass man sich durch Beziehungen auch ändert. Die Frage ist nun, kriege ich diese Seiten meiner Person, die sich so heraus kristallisiert haben, nun auch mit in unsere Beziehung? Und was bedeutet das für ihn? Denn es ist schwierig eine Katze wieder einzusperren, wenn man sie erstmal hat im Garten laufen lassen.

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      ja Jannes, diese 'Tics' meinte ich. Aber das hast Du ja schon selbst geklärt.

      Es zeugt ja von großem Vertrauen in Eurer Beziehung, dass Du Deinen Schwierigkeiten mit Dir selbst Raum geben kannst.

      Dann könnt Ihr gemeinsam lernen, sie zu integrieren. Hast Du Angst, durch Dein Verhalten die Beziehung zu zerstören? Dass es Deinem Partner irgendwann zu viel wird?
      Warum ärgerst Du Dich so sehr darüber, dass Ihr Eure gemeinsame Zeit nicht intensiver miteinander verbringt? Damit setzt Du Dich doch total unter Druck und akzeptierst Deine gegenwärtigen Gefühle nicht.
      Kannst Du die Situation nicht einfach so lassen und Dir keine Gedanken darüber machen? Später seid Ihr Euch wieder näher, die Stimmungen wechseln doch sowieso ständig.

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        Zitat von Tamina Beitrag anzeigen
        Hast Du Angst, durch Dein Verhalten die Beziehung zu zerstören? Dass es Deinem Partner irgendwann zu viel wird?
        Warum ärgerst Du Dich so sehr darüber, dass Ihr Eure gemeinsame Zeit nicht intensiver miteinander verbringt? Damit setzt Du Dich doch total unter Druck und akzeptierst Deine gegenwärtigen Gefühle nicht.
        Kannst Du die Situation nicht einfach so lassen und Dir keine Gedanken darüber machen? Später seid Ihr Euch wieder näher, die Stimmungen wechseln doch sowieso ständig.
        Ja! Die Möglichkeit besteht, dass es ihm zuviel wird. Auch wenn er sehr ausdauernd ist und ein dickes Fell hat, wird er das nicht ewig aushalten und das sollte er auch nicht.
        Ich weiß, dass ich mich selbst unter Druck setze. Aber auf der anderen Seite steht eben auch mein Partner, der seine Bedürfnisse hat und seine Vorstellungen von Beziehung auch befriedigt haben will.
        Manchmal kann ich die Situation so lassen, wie sie ist. Aber nicht auf allzu lange Dauer und auch nicht mit solch starken Schwankungen. Ich weiß, dass es immer ein Auf und Ab gibt und dass es normal ist. Aber ich empfinde mein persönliches Auf und Ab als eine ziemliche Zumutung.
        Ich an seiner Stelle hätte schon einige Male die Reißleine gezogen.

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          So stehst Du also häufig im Spagat da.

          Hofft Dein Partner darauf, dass Du Dich so veränderst, dass Du mehr auf seine Wünsche eingehen kannst?
          Oder kann er Dich weiter so nehmen und lieben, wie Du eben bist?
          Das würde Dir den Druck nehmen Dich verändern zu müssen. Dann würde sich von selbst etwas in Dir verändern können.
          Ich wünsche es Dir sehr.

          Kommentar


            Zitat von Tamina Beitrag anzeigen
            So stehst Du also häufig im Spagat da.

            Hofft Dein Partner darauf, dass Du Dich so veränderst, dass Du mehr auf seine Wünsche eingehen kannst?
            Oder kann er Dich weiter so nehmen und lieben, wie Du eben bist?
            Das würde Dir den Druck nehmen Dich verändern zu müssen. Dann würde sich von selbst etwas in Dir verändern können.
            Ich wünsche es Dir sehr.
            Danke, liebe Tamina
            Das hofft er schon, aber dazu muss ich sagen, dass er keine großen Ansprüche stellt, was sich auch darin zeigt, was und wie lange er das schon mit mir mit macht. Insofern trifft auch der nächste Punkt zu: er nimmt mich schon so, wie ich bin, auf seine Weise.

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              Liebe Jannes,

              du hast doch bestimmt Gründe gehabt, warum ihr zusammengezogen seid.
              Und da waren auch sicher Gefühle dabei.
              Kannst du die noch mal abrufen?

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                Ich kann mich vor allem an die Gefühle vom Anfang erinnern Und dann später an die Vorfreude auf das gemeinsame Teilen von Raum und Zeit (klingt nach Star Trek) und wie ich mir das alles ausgemalt habe. Sobald es ernst wurde, kamen dann allerdings große Ängste hinzu, es war auch jedes mal ein riesen Kampf mit mir selbst und meinen bisherigen Erfahrungen. Wenigstens hatte ich es diesmal geschafft nicht wieder gleich die Beine in die Hand zu nehmen und über alle Berge zu sein.

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                  Liebe Jannes,

                  wie sieht denn seine Vorstellung einer guten Beziehung aus? Wünscht er sich mehr Intimität, mehr Kuscheleinheiten, mehr Umtüttelung?

                  Nehmen wir mal an, ich wäre er und würde zuhause sein, wenn du nach Hause kommst. Wie würde das ablaufen?

                  Kommentar


                    Zitat von Chrysothemis Beitrag anzeigen
                    Liebe Jannes,

                    wie sieht denn seine Vorstellung einer guten Beziehung aus? Wünscht er sich mehr Intimität, mehr Kuscheleinheiten, mehr Umtüttelung?

                    Nehmen wir mal an, ich wäre er und würde zuhause sein, wenn du nach Hause kommst. Wie würde das ablaufen?
                    Ich versuche jetzt mal darauf zu antworten.
                    An 99 % der Tage bin ich ziemlich kaputt, wenn ich nach Hause komme. An die Zeit zu Hause habe ich eine gewisse Erwartungshaltung: bspw. prinzipiell sowieso keine Zeit mit ihm verbringen zu können, weil ich Unmengen an Arbeit mit nach Hause schleppe, während er sich gemütlich auf der Couch sielen kann (Ja, richtig gelesen, ich finde das nach wie vor nicht fair und ab und an entbrennt auch ein Streit, in dem er Dinge äußert wie "Ich weiß, du hast eine richtige Arbeit, ich drehe ja nur Däumchen...").
                    Zusätzlich bin ich quasi vorher schon wütend, weil ich weiß, dass zu Hause nichts passiert ist (damit meine ich vor allem den Haushalt, mir ist schon klar, dass er nicht untätig rumsitzt, ich möchte auch nicht unbedingt Holz spalten und umschichten). Und ich weiß, dass er wieder überaus gut gelaunt sein wird und in dieser Manier mir quasi entgegen springt.

                    Wenn ich mir das so durchlese, möchte ich mir selbst nicht zu Hause begegnen geschweige denn in einer Beziehung mit mir sein
                    Aber diese Dinge gehören dazu und so ehrlich muss ich mit mir selbst schon sein. (Bezüglich des Nörgelns um Haushalt und "Arbeit" habe ich mich aber schon um ein Vielfaches runterschrauben können. Hierzu gibt es kaum noch Streit. Ich nenne es dennoch mit, weil ich glaube, dass es nach wie vor einen Einfluss auf mich hat)

                    Es wird sicherlich ersichtlich, dass nicht nur ich, sondern er auch eine Erwartungshaltung hat. Darauf angesprochen hat er auch schon öfter geäußert, dass er versucht mich mit seiner guten Laune anzustecken. Ich finde das wiederum nur belastend, für mich ist das kein offener, ehrlicher Umgang mit einer Situation, wenn ich alles weglache.
                    Es kommt also meist zum Streit und der Abend ist gelaufen (wäre er doch sowieso, weil ich eh nur da hocke und korrigiere).
                    Später am Abend, wenn ich immer noch sitze (ich versuche immer spätestens 23 Uhr fertig zu sein bzw. dann ein Ende zu finden) will er, dass ich mich zu ihm lege. Auf Kommando kann und will ich das nicht und muss um diese Zeit dann sowieso ins Bett, weil ich den nächsten Tag wieder zeitig raus muss. Er ist frustriert, ich bins auch.

                    Allerdings muss ich sagen, dass die Arbeit in den Abendstunden auch für mich ihren Zweck erfüllt, so sehr mich das auch stresst. Denn ich bin überhaupt nicht gut darin in Zweisamkeit Zärtlichkeiten auszutauschen.

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                      Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                      Ich versuche jetzt mal darauf zu antworten.
                      An 99 % der Tage bin ich ziemlich kaputt, wenn ich nach Hause komme. An die Zeit zu Hause habe ich eine gewisse Erwartungshaltung: bspw. prinzipiell sowieso keine Zeit mit ihm verbringen zu können, weil ich Unmengen an Arbeit mit nach Hause schleppe, während er sich gemütlich auf der Couch sielen kann (Ja, richtig gelesen, ich finde das nach wie vor nicht fair und ab und an entbrennt auch ein Streit, in dem er Dinge äußert wie "Ich weiß, du hast eine richtige Arbeit, ich drehe ja nur Däumchen...").
                      Zusätzlich bin ich quasi vorher schon wütend, weil ich weiß, dass zu Hause nichts passiert ist (damit meine ich vor allem den Haushalt, mir ist schon klar, dass er nicht untätig rumsitzt, ich möchte auch nicht unbedingt Holz spalten und umschichten). Und ich weiß, dass er wieder überaus gut gelaunt sein wird und in dieser Manier mir quasi entgegen springt.

                      Wenn ich mir das so durchlese, möchte ich mir selbst nicht zu Hause begegnen geschweige denn in einer Beziehung mit mir sein
                      Aber diese Dinge gehören dazu und so ehrlich muss ich mit mir selbst schon sein. (Bezüglich des Nörgelns um Haushalt und "Arbeit" habe ich mich aber schon um ein Vielfaches runterschrauben können. Hierzu gibt es kaum noch Streit. Ich nenne es dennoch mit, weil ich glaube, dass es nach wie vor einen Einfluss auf mich hat)

                      Es wird sicherlich ersichtlich, dass nicht nur ich, sondern er auch eine Erwartungshaltung hat. Darauf angesprochen hat er auch schon öfter geäußert, dass er versucht mich mit seiner guten Laune anzustecken. Ich finde das wiederum nur belastend, für mich ist das kein offener, ehrlicher Umgang mit einer Situation, wenn ich alles weglache.
                      Es kommt also meist zum Streit und der Abend ist gelaufen (wäre er doch sowieso, weil ich eh nur da hocke und korrigiere).
                      Später am Abend, wenn ich immer noch sitze (ich versuche immer spätestens 23 Uhr fertig zu sein bzw. dann ein Ende zu finden) will er, dass ich mich zu ihm lege. Auf Kommando kann und will ich das nicht und muss um diese Zeit dann sowieso ins Bett, weil ich den nächsten Tag wieder zeitig raus muss. Er ist frustriert, ich bins auch.

                      Allerdings muss ich sagen, dass die Arbeit in den Abendstunden auch für mich ihren Zweck erfüllt, so sehr mich das auch stresst. Denn ich bin überhaupt nicht gut darin in Zweisamkeit Zärtlichkeiten auszutauschen.
                      Was du oben beschreibst, habe ich schon von vielen Leuten gehört. Sie brauchen wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen erst mal eine halbe Stunde für sich. Das hat nichts mit dem anderen zu tun und bedeutet nicht, daß man nicht mit ihm zusammen sein will. Vielleicht erklärst du ihm, daß du eine halbe Stunde brauchst, um dich auf den "Feierabend" einzustellen. Ich hörte es auch schon von einem Mann, der sagte, er muß erst runterkommen, bevor er sich seiner Familie widmen kann, sonst kommt nur Unfrieden auf. Du bist also nicht allein damit.

                      Und Streit gerade um Haushalt, gibt es wohl überall. Da hilft es, wenn man sich wirklich genau abspricht, wer was und wann macht. Falls er nicht möchte, würde ich einfach mal alles liegen lassen (auch wenn es dich wahnsinnig macht) und warten, bis es ihm selbst zu viel wird - soll helfen .

                      Dein letzter Satz ist da schon etwas schwieriger zu beantworten. Die Arbeit hilft dir (und soll es auch), ihn dir von der Pelle zu halten. Wenn ich so darüber nachdenke, mach ich es genauso, ohne es zu wollen. Meine Tochter braucht sehr viel Zuneigung und manchmal fällt es mir unglaublich schwer, mich darauf einzulassen. Eine Umarmung wird dann etwas mechanisches, was man hinter sich bringt - hört sich echt schlimm an.

                      An anderen Tagen fällt es mir hingegen nicht schwer. Bzw., wenn sie nicht permanent nach Kuscheleinheiten ruft, komme ich von selber auf sie zu und umarme sie.

                      Ich liebe mein Kind, sage es ihr jeden Tag mindestens einmal , meistens viel öfter, also daran liegt es nicht.

                      Kommentar


                        Bei uns lief das ähnlich, je nachdem, wer früher zu Hause ankam.
                        War mein Mann daheim, wenn ich kam, habe ich ihm zunächst einmal alles übergepladdert, was in der Schule war, (der Arme!) und konnte dann erst durchschnaubsen.
                        War er nicht da, hab ich alleine durchgeschnaubst, aber nichts im Haushalt gemacht.
                        War ich zuerst daheim, wusste ich, dass mein Mann erst mal gar nichts sagt und den Tag innerlich verarbeiten muss.
                        Hausarbeit blieb oft liegen und wurde dann von demjenigen erledigt (zumindest teilweise), der sich zuerst erholt hatte.
                        Das meiste machten wir am Wochenende.
                        Auch Schulisches blieb manchmal liegen, die Schüler mussten dann eben ein bisschen auf ihre Korrekturen warten. Ich sagte dann meistens: Die Aufsätze liegen auf meinen Schreibtisch...die müssen noch reifen!

                        Setz dich nicht so unter Druck, Jannes. Übergeh die Erwartungshaltungen anderer; du musst deinen Rhythmus finden, sonst fühlst du dich nicht wohl.

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                          Zitat von Chrysothemis Beitrag anzeigen
                          Was du oben beschreibst, habe ich schon von vielen Leuten gehört. Sie brauchen wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen erst mal eine halbe Stunde für sich. Das hat nichts mit dem anderen zu tun und bedeutet nicht, daß man nicht mit ihm zusammen sein will. Vielleicht erklärst du ihm, daß du eine halbe Stunde brauchst, um dich auf den "Feierabend" einzustellen. Ich hörte es auch schon von einem Mann, der sagte, er muß erst runterkommen, bevor er sich seiner Familie widmen kann, sonst kommt nur Unfrieden auf. Du bist also nicht allein damit.

                          Und Streit gerade um Haushalt, gibt es wohl überall. Da hilft es, wenn man sich wirklich genau abspricht, wer was und wann macht. Falls er nicht möchte, würde ich einfach mal alles liegen lassen (auch wenn es dich wahnsinnig macht) und warten, bis es ihm selbst zu viel wird - soll helfen .

                          Dein letzter Satz ist da schon etwas schwieriger zu beantworten. Die Arbeit hilft dir (und soll es auch), ihn dir von der Pelle zu halten. Wenn ich so darüber nachdenke, mach ich es genauso, ohne es zu wollen. Meine Tochter braucht sehr viel Zuneigung und manchmal fällt es mir unglaublich schwer, mich darauf einzulassen. Eine Umarmung wird dann etwas mechanisches, was man hinter sich bringt - hört sich echt schlimm an.

                          An anderen Tagen fällt es mir hingegen nicht schwer. Bzw., wenn sie nicht permanent nach Kuscheleinheiten ruft, komme ich von selber auf sie zu und umarme sie.

                          Ich liebe mein Kind, sage es ihr jeden Tag mindestens einmal , meistens viel öfter, also daran liegt es nicht.
                          Sicher sind das "Allerweltsprobleme", ich wollte sie nur nicht unter den Teppich kehren (Im Übrigen habe ich die Methode des Ausharrens schon mehrfach angewandt, ergebnislos. Er ist schmerzfrei).

                          Was du mit deiner Tochter beschreibst kenne ich ebenfalls, sich wirklich darauf einlassen. Letzte Woche beschrieb ich eine Umarmung, bei der ich "dabei" war. Das war so intensiv und verblüffend, dass mir da erst klar wurde, wie selten ich solche Momente erlebe.

                          Ich hatte letzte Woche viel Zeit zum Nachdenken und Nachspüren. Ich fühle mich immer stark hin und her geworfen zwischen dem Wunsch erwachsen zu sein mit allem was dazu gehört und dieses auch zu leben, eine erwachsene Beziehung zu führen, Verantwortung zu übernehmen für mich und meine Partnerschaft und sich vor allem darauf einlassen zu können mit allem Gefühl, was da ist. Es zu genießen, darin aufzugehen und zu schauen, was einem das Leben in dieser Lebenslage noch bringt. Oft fühle ich mich dazu nicht in der Lage, ich fühle mich unvollständig, als wäre ich nicht ganz im Hier und Jetzt. Vor einiger Zeit schrieb ich, dass ich auch viele Verhaltensweisen zeige, die eher trotzig, kindlich erscheinen. Dabei ist es aber nicht das Kleinkind, das hier mit dem Fuß stampft, sondern die Jugendliche. Es kommt nun oft vor, dass ich von einer Szene, einem Wort oder auch einem Lied in meine Jugend zurückgeworfen werde. Da wiederum kann ich sehr intensiv empfinden und fühle mich davon vollkommen ausgefüllt bis hin zum Überschäumen.
                          Allerdings sind das keine positiven Gefühle, die mich zufrieden stimmen. Es ist eher das ständige Gefühl, missverstanden zu werden, niemanden zu haben, der einen wirklich versteht, Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit des Lebens, das Gefühl, machtlos zu sein, hilflos.... . Einiges davon kann man getrost in die Sparte Pubertät schieben. Anderes nicht. So habe ich bei all diesen Gefühlen immer den bitteren Beigeschmack, dass einiges hätte anders laufen können. Und an der Stelle kommen die Gefühle mit ins Spiel, die mich oft überkommen, von denen ich aber meist nicht weiß, was sie heraufbeschwört: Wut, Hass, Trauer, der Wunsch nach "Gerechtigkeit"... Ich musste soviel mit mir allein aus machen, hatte kaum eine Möglichkeit, meine Gedanken, Probleme und Gefühle frei äußern zu können geschweige denn dafür Verständnis zu erwarten! Ich fühle mich ungerecht behandelt, nach wie vor. Und nun? Heute bin ich erwachsen, ich bin aus dieser Phase lange herausgewachsen und habe es augenscheinlich geschafft mir eigenständig ein Leben aufzubauen. Ich habe alles, was ich mir erträumt hätte, mittlerweile kann ich das auch glauben, akzeptieren und annehmen. Aber ein Teil von mir ist nicht mit gewachsen, er steckt immer noch in der damaligen Zeit und möchte die nötige, ihm seiner Meinung nach zustehende Aufmerksamkeit für seine Lage und im besten Fall noch einfühlende Eltern, die ihn dabei auffangen. Doch das wird niemals passieren! Diese Zeit ist abgeschlossen und so etwas lässt sich nicht nachholen. Ich kann höchsten versuchen diesen Part selbst für mich zu übernehmen, aber nach wie vor gebe ich mich damit nicht zufrieden und sehe auch gar nicht ein, warum ich das sollte! Das ist das, was mir im Wege steht und das ist der trotzige, kindische, verbohrte Teil, der mir und meinem Partner ständig auf der Nase herum tanzt. Kein Wunder, dass er sich nicht verflüchtigt, wenn ich nicht einsehe, nicht mehr auf mein Recht zu bestehen!

                          Vielleicht ist das der Grund, warum ich mich nicht komplett fühle und nicht vollständig hinter dem stehen kann, was mein Leben heute ausmacht.

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                            @ Jannes

                            Du illustrierst hervorragend, wie es "ist und wie es sich anfühlt", wenn rationale Gedanken mit Emotionen kollidieren".

                            Da sich diese Kollisionen hauptsächlich "zuhause" abspielen, zeigt, dass "auf dieser Bühne deines Lebens" - sagen wir es mal bildlich - die "Verkehrsregeln" nicht mit den eigentlichen "Bedürfnissen der Fahrer" abgestimmt sind und sich daraus zwangsläufig ein "Verkehrschaos" entwickelt.

                            Rein verhaltenspsychologisch "müsste" es ergo reichen, eine umfassende "Anpassung" in die Wege zu leiten, ... was an sich jedoch nichts anderes wäre, als eine Nachbesserung von etwas, das von vorneherein nicht funktioniert, da sich die Beteiligten "anders verhalten" müssten, ... was wiederum und offensichtlich durch das "Naturell" der Beteiligten (ihre Persönlichkeiten mit all ihren Facetten) verhindert, bzw. boykottiert wird.

                            Was bleibt, ist die eher tiefenpsychologische Behandlung "des Themas", weil es sich "mit dem Naturell" der Beteiligten befasst. Durch "Integration" dessen, was die beiden als einzelne Menschen "ausmacht", kann man einen Weg bereiten, auf dem sich beide "als wertige und selbstständige Persönlichkeiten" begegnen und miteinander leben können.

                            Wenn Eigenarten "nur" akzeptiert werden, wird sich das Zusammenleben auf eine kognitive Harmonie beschränken. Wenn sie hingegen von jedem Beteiligten für sich "integriert" werden; wenn sie als "Anteile" von jedem für sich "angenommen" werden, können sie auch - ohne dass es zu Eskalationen kommen wird - "emotional und sozial gelebt" werden.

                            Das Wunschziel wäre das Anstreben einer weitestmöglichen Authentizität bei jedem Beteiligten, was die gegenseitige AKzeptanz in Respekt und Liebe gewährleisten würde. Über Verhaltensänderungen können die jedoch nicht erreicht werden, da sie dann "nur im Kopf" wären und nicht "auch im Herzen".



                            Deine Schilderungen und Selbsterforschungen/Selbstbestimmung zeugen von einer analytischen Systematik und deine kleinen (vielen kleinen) Erfolge gehen damit Hand in Hand. Es ist durchaus nicht häufig, dass sich Menschen derart nachdrücklich und deshalb wohl auch nachhaltig darum bemühen, sich "zu verändern".
                            Wenn ich dazu noch berücksichtige, dass "alles, ergo das ganze Leben in seinem vollen Umfang und seiner Bedeutung" eigentlich nur Ent-Wicklung, bzw. Ent-Faltung ist, dann hast du dich "der besten Aufgabe" verschrieben, die ein Mensch angehen kann: die Ent-Faltung deiner selbst ... und Ent-Faltung, bzw. Ent-Wicklung bedeutet, dass es schon von vorneherein vieles gibt, was "da ist" (deine Ressourcen) und nur nur darauf wartet "ent-wickelt" zu werden.

                            Es gibt einen Spruch von einem Papst, den ich nicht mehr richtig wiederzugeben weiss. Er meint sinngemäß, dass, wer ein Problem mit Ausdauer und Zuversicht angeht, vielleicht noch den Zorn und die Wut hinzuziehen sollte, weil sie wertvolle Antriebskräfte sind und durch ihre Intensität die Zuversicht und die Ausdauer stärken.
                            Um es zu illustrieren: wenn ich einen sehr schweren Balken alleine aufheben will und es auf Anhieb nicht schaffe, rufe ich die Wut zu Hilfe und mache einen (meist gutturalen) Laut dazu. Wenn ich mich dann nicht selbst überschätzt habe, bewegt sich meist der Balken und ich kann ihn heben >> an die Ressourcen gehen, die Reserve mobilisieren
                            (nicht zu verwechseln mit "auf Biegen und Brechen")

                            lG

                            Kommentar


                              Liebe Bonny,

                              vieles von dem, was du beschreibst, kommt mir sehr bekannt vor und läuft bei uns ganz genauso ab.
                              Vom Quengeln der Schüler kann ich mich schon ganz gut distanzieren, nicht aber von meinem eigenen Anspruch, mit dem ich mir regelmäßig selbst ein Bein stelle.

                              Hallo Shepherd,

                              Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
                              Rein verhaltenspsychologisch "müsste" es ergo reichen, eine umfassende "Anpassung" in die Wege zu leiten, ... was an sich jedoch nichts anderes wäre, als eine Nachbesserung von etwas, das von vorneherein nicht funktioniert, da sich die Beteiligten "anders verhalten" müssten, ... was wiederum und offensichtlich durch das "Naturell" der Beteiligten (ihre Persönlichkeiten mit all ihren Facetten) verhindert, bzw. boykottiert wird.
                              Das ist richtig. Das ist natürlich aber der erste Weg, der einem in den Sinn kommt. Darüber bin ich allerdings schon hinaus, das war, wie du schon beschrieben hast, eine Sackgasse.

                              Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
                              Was bleibt, ist die eher tiefenpsychologische Behandlung "des Themas", weil es sich "mit dem Naturell" der Beteiligten befasst. Durch "Integration" dessen, was die beiden als einzelne Menschen "ausmacht", kann man einen Weg bereiten, auf dem sich beide "als wertige und selbstständige Persönlichkeiten" begegnen und miteinander leben können.
                              Interessanterweise gab es heute kurz nach der Wiederankunft eine Diskussion, in der ich wirklich sachlich und ausdrücklich ohne dieses blöde Lachen versucht habe, über etwas zu sprechen. Inhaltlich kamen wir nicht wirklich weiter, weil er mich als "lehrerhaft" und belehrend empfunden hat. Ich bin mir sicher, dass ich das nicht bin und so nicht agiere. Er fühlte sich allerdings bevormundet. Zwei Dinge sind hieran interessant: Zunächst haben wir im Grunde beide irgendwie dasselbe Thema, nur dass er es als "lehrerhaft" empfindet und bezeichnet, ich hingegen fühle mich oft als das "Kind" in der Beziehung. Doch das Ergebnis ist dasselbe. In der Erwartungshaltung auf die Reaktion des Anderen und um nicht bevormundet zu werden zeigen wir offenbar bestimmte Verhaltensweisen, um dem zu entgehen. Wir rüsten uns, auch wenn uns das nicht bewusst ist und reagieren dementsprechend, wenn es dennoch passiert ist. Zum anderen habe ich heute versucht mein Ich, mit dem es mir auf Arbeit so gut geht, nach Hause zu transformieren. Ich frage mich, ob die Tatsache, dass er mich als "lehrerhaft" in dieser Situation erlebt, eine Bestätigung dafür ist, dass es mir gelungen ist. Wobei ich nicht weiß, wie er zu diesem Urteil gelangt. Das ist kein Lehrer, der da spricht, sondern das bin ich! Und ich bin nicht belehrend, ich würde es eher als bestimmt, klar und zielstrebig beschreiben. Nicht darauf bezogen, etwas durchzuziehen, komme, was wolle, sondern zuversichtlich etwas in kurzen Worten mit einem Wunsch zu formulieren und damit eine klare Übereinkunft zu erarbeiten.

                              Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
                              Wenn Eigenarten "nur" akzeptiert werden, wird sich das Zusammenleben auf eine kognitive Harmonie beschränken. Wenn sie hingegen von jedem Beteiligten für sich "integriert" werden; wenn sie als "Anteile" von jedem für sich "angenommen" werden, können sie auch - ohne dass es zu Eskalationen kommen wird - "emotional und sozial gelebt" werden.

                              Das Wunschziel wäre das Anstreben einer weitestmöglichen Authentizität bei jedem Beteiligten, was die gegenseitige AKzeptanz in Respekt und Liebe gewährleisten würde. Über Verhaltensänderungen können die jedoch nicht erreicht werden, da sie dann "nur im Kopf" wären und nicht "auch im Herzen".
                              Ich bekomme immer mehr ein Gefühl dafür, was das tatsächlich bedeutet und wie es sich anfühlen könnte. Ich glaube, ich komme der Sache also näher, wenn auch langsam.


                              Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
                              Um es zu illustrieren: wenn ich einen sehr schweren Balken alleine aufheben will und es auf Anhieb nicht schaffe, rufe ich die Wut zu Hilfe und mache einen (meist gutturalen) Laut dazu. Wenn ich mich dann nicht selbst überschätzt habe, bewegt sich meist der Balken und ich kann ihn heben >> an die Ressourcen gehen, die Reserve mobilisieren
                              (nicht zu verwechseln mit "auf Biegen und Brechen")

                              lG
                              Ich danke dir Wut, Zorn und was noch nötig ist habe ich genug, das dürfte nicht das Problem sein

                              lg

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                                Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                                Sicher sind das "Allerweltsprobleme", ich wollte sie nur nicht unter den Teppich kehren (Im Übrigen habe ich die Methode des Ausharrens schon mehrfach angewandt, ergebnislos. Er ist schmerzfrei).

                                Was du mit deiner Tochter beschreibst kenne ich ebenfalls, sich wirklich darauf einlassen. Letzte Woche beschrieb ich eine Umarmung, bei der ich "dabei" war. Das war so intensiv und verblüffend, dass mir da erst klar wurde, wie selten ich solche Momente erlebe.

                                Ich hatte letzte Woche viel Zeit zum Nachdenken und Nachspüren. Ich fühle mich immer stark hin und her geworfen zwischen dem Wunsch erwachsen zu sein mit allem was dazu gehört und dieses auch zu leben, eine erwachsene Beziehung zu führen, Verantwortung zu übernehmen für mich und meine Partnerschaft und sich vor allem darauf einlassen zu können mit allem Gefühl, was da ist. Es zu genießen, darin aufzugehen und zu schauen, was einem das Leben in dieser Lebenslage noch bringt. Oft fühle ich mich dazu nicht in der Lage, ich fühle mich unvollständig, als wäre ich nicht ganz im Hier und Jetzt. Vor einiger Zeit schrieb ich, dass ich auch viele Verhaltensweisen zeige, die eher trotzig, kindlich erscheinen. Dabei ist es aber nicht das Kleinkind, das hier mit dem Fuß stampft, sondern die Jugendliche. Es kommt nun oft vor, dass ich von einer Szene, einem Wort oder auch einem Lied in meine Jugend zurückgeworfen werde. Da wiederum kann ich sehr intensiv empfinden und fühle mich davon vollkommen ausgefüllt bis hin zum Überschäumen.
                                Allerdings sind das keine positiven Gefühle, die mich zufrieden stimmen. Es ist eher das ständige Gefühl, missverstanden zu werden, niemanden zu haben, der einen wirklich versteht, Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit des Lebens, das Gefühl, machtlos zu sein, hilflos.... . Einiges davon kann man getrost in die Sparte Pubertät schieben. Anderes nicht. So habe ich bei all diesen Gefühlen immer den bitteren Beigeschmack, dass einiges hätte anders laufen können. Und an der Stelle kommen die Gefühle mit ins Spiel, die mich oft überkommen, von denen ich aber meist nicht weiß, was sie heraufbeschwört: Wut, Hass, Trauer, der Wunsch nach "Gerechtigkeit"... Ich musste soviel mit mir allein aus machen, hatte kaum eine Möglichkeit, meine Gedanken, Probleme und Gefühle frei äußern zu können geschweige denn dafür Verständnis zu erwarten! Ich fühle mich ungerecht behandelt, nach wie vor. Und nun? Heute bin ich erwachsen, ich bin aus dieser Phase lange herausgewachsen und habe es augenscheinlich geschafft mir eigenständig ein Leben aufzubauen. Ich habe alles, was ich mir erträumt hätte, mittlerweile kann ich das auch glauben, akzeptieren und annehmen. Aber ein Teil von mir ist nicht mit gewachsen, er steckt immer noch in der damaligen Zeit und möchte die nötige, ihm seiner Meinung nach zustehende Aufmerksamkeit für seine Lage und im besten Fall noch einfühlende Eltern, die ihn dabei auffangen. Doch das wird niemals passieren! Diese Zeit ist abgeschlossen und so etwas lässt sich nicht nachholen. Ich kann höchsten versuchen diesen Part selbst für mich zu übernehmen, aber nach wie vor gebe ich mich damit nicht zufrieden und sehe auch gar nicht ein, warum ich das sollte! Das ist das, was mir im Wege steht und das ist der trotzige, kindische, verbohrte Teil, der mir und meinem Partner ständig auf der Nase herum tanzt. Kein Wunder, dass er sich nicht verflüchtigt, wenn ich nicht einsehe, nicht mehr auf mein Recht zu bestehen!

                                Vielleicht ist das der Grund, warum ich mich nicht komplett fühle und nicht vollständig hinter dem stehen kann, was mein Leben heute ausmacht.
                                Ich schätze mal, du wurdest von deinen Eltern auch nicht mit Zuneigung überschüttet. Bei mir gab es dergleichen eigentlich überhaupt nicht und dann als ich mit dem damaligen Freund zusammen wohnte, wollte ich alles nachholen. Irgendwie übertrug ich ihm (er war vierzehn Jahre älter) die Rolle meiner Eltern, war total bedürftig und das ist natürlich echt nervig für den anderen. Ich bekam wieder nicht, was ich brauchte.

                                Mein damaliger Therapeut erklärte mir, daß ich diesbezüglich ein Faß ohne Boden bin. Egal, was hinein geschüttet wird, es wird nie voll. Ich suche was mir fehlt an der falschen Stelle und zum falschen Zeitpunkt. Meine Mutter könnte mich zwar heute in den Arm nehmen (gruslig), aber es wäre zu spät. Ich habe es gebraucht, als ich Kind war, heute bringt es mir nichts mehr. Wir können unser Faß nur selber auffüllen, nur wir sind dazu in der Lage.

                                Es ist komisch, aber ich fühle mich manchmal auch "zeitlos", mache Unfug und denke mir hinterher "mein Gott wie peinlich". Ich bin anders erwachsen als z.B. meine Mutter. Ich kann kindisch sein, aber genauso ernst und vernünftig. Eigentlich fühle ich mich gegenüber manch anderen nicht wirklich erwachsen. Ich bin irgendwie beweglicher, nicht so eingefahren. Ich bin noch immer neugierig, versuche gern neue Sachen und stelle auch "blöde" Fragen, um zu erfahren, was ich wissen will.

                                Du bist schon erwachsen und kommst wie ein normaler Erwachsener mit deinem Leben zurecht. Du trägst vermutlich Kleidung , hast etwas zu essen, alles notwendige zum Leben. Du bist nur nicht auf die Art erwachsen, wie du meinst, erwachsen sein zu müssen. Wenn der Teenager in dir noch so lebendig ist, will er dir vielleicht damit etwas zeigen. Vielleicht sogar, das Leben nicht zu ernst zu nehmen und manchmal einfach zu genießen.

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