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Die Kunst des Fliegens

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    Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
    Liebe Bonny,

    Interessanterweise gab es heute kurz nach der Wiederankunft eine Diskussion, in der ich wirklich sachlich und ausdrücklich ohne dieses blöde Lachen versucht habe, über etwas zu sprechen. Inhaltlich kamen wir nicht wirklich weiter, weil er mich als "lehrerhaft" und belehrend empfunden hat. Ich bin mir sicher, dass ich das nicht bin und so nicht agiere. Er fühlte sich allerdings bevormundet. Zwei Dinge sind hieran interessant: Zunächst haben wir im Grunde beide irgendwie dasselbe Thema, nur dass er es als "lehrerhaft" empfindet und bezeichnet, ich hingegen fühle mich oft als das "Kind" in der Beziehung. Doch das Ergebnis ist dasselbe. In der Erwartungshaltung auf die Reaktion des Anderen und um nicht bevormundet zu werden zeigen wir offenbar bestimmte Verhaltensweisen, um dem zu entgehen. Wir rüsten uns, auch wenn uns das nicht bewusst ist und reagieren dementsprechend, wenn es dennoch passiert ist. Zum anderen habe ich heute versucht mein Ich, mit dem es mir auf Arbeit so gut geht, nach Hause zu transformieren. Ich frage mich, ob die Tatsache, dass er mich als "lehrerhaft" in dieser Situation erlebt, eine Bestätigung dafür ist, dass es mir gelungen ist. Wobei ich nicht weiß, wie er zu diesem Urteil gelangt. Das ist kein Lehrer, der da spricht, sondern das bin ich! Und ich bin nicht belehrend, ich würde es eher als bestimmt, klar und zielstrebig beschreiben. Nicht darauf bezogen, etwas durchzuziehen, komme, was wolle, sondern zuversichtlich etwas in kurzen Worten mit einem Wunsch zu formulieren und damit eine klare Übereinkunft zu erarbeiten.

    Wow, das ist wichtig.
    Du bist in der Arbeit "du", also fühlst dich kompetent und erwachsen. Zuhause aber fühlst du dich normalerweise als Kind.

    Er sieht dich als lehrerhaft, wenn du nicht mehr das Kind spielen möchtest.
    Jetzt ist die Frage, was er will. Ein Kind oder eine erwachsene Frau?

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      Vermutlich würde er letzteres Antworten. Aber die Frage ist, warum er sich auf der emotionalen Ebene bevormundet fühlt.

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        Zitat von Chrysothemis Beitrag anzeigen
        Ich schätze mal, du wurdest von deinen Eltern auch nicht mit Zuneigung überschüttet. Bei mir gab es dergleichen eigentlich überhaupt nicht und dann als ich mit dem damaligen Freund zusammen wohnte, wollte ich alles nachholen. Irgendwie übertrug ich ihm (er war vierzehn Jahre älter) die Rolle meiner Eltern, war total bedürftig und das ist natürlich echt nervig für den anderen. Ich bekam wieder nicht, was ich brauchte.

        Mein damaliger Therapeut erklärte mir, daß ich diesbezüglich ein Faß ohne Boden bin. Egal, was hinein geschüttet wird, es wird nie voll. Ich suche was mir fehlt an der falschen Stelle und zum falschen Zeitpunkt. Meine Mutter könnte mich zwar heute in den Arm nehmen (gruslig), aber es wäre zu spät. Ich habe es gebraucht, als ich Kind war, heute bringt es mir nichts mehr. Wir können unser Faß nur selber auffüllen, nur wir sind dazu in der Lage.

        Es ist komisch, aber ich fühle mich manchmal auch "zeitlos", mache Unfug und denke mir hinterher "mein Gott wie peinlich". Ich bin anders erwachsen als z.B. meine Mutter. Ich kann kindisch sein, aber genauso ernst und vernünftig. Eigentlich fühle ich mich gegenüber manch anderen nicht wirklich erwachsen. Ich bin irgendwie beweglicher, nicht so eingefahren. Ich bin noch immer neugierig, versuche gern neue Sachen und stelle auch "blöde" Fragen, um zu erfahren, was ich wissen will.

        Du bist schon erwachsen und kommst wie ein normaler Erwachsener mit deinem Leben zurecht. Du trägst vermutlich Kleidung , hast etwas zu essen, alles notwendige zum Leben. Du bist nur nicht auf die Art erwachsen, wie du meinst, erwachsen sein zu müssen. Wenn der Teenager in dir noch so lebendig ist, will er dir vielleicht damit etwas zeigen. Vielleicht sogar, das Leben nicht zu ernst zu nehmen und manchmal einfach zu genießen.
        Chrysothemis, dein Beitrag könnte von mir stammen.
        Vor allem der Satz, dass du an der falschen Stelle suchst. Und auch ich bin ein Fass ohne Boden!

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          Zitat von Chrysothemis Beitrag anzeigen
          Mein damaliger Therapeut erklärte mir, daß ich diesbezüglich ein Faß ohne Boden bin. Egal, was hinein geschüttet wird, es wird nie voll. Ich suche was mir fehlt an der falschen Stelle und zum falschen Zeitpunkt. Meine Mutter könnte mich zwar heute in den Arm nehmen (gruslig), aber es wäre zu spät. Ich habe es gebraucht, als ich Kind war, heute bringt es mir nichts mehr. Wir können unser Faß nur selber auffüllen, nur wir sind dazu in der Lage.
          Das scheint die Standardantwort der Therapeuten zu sein, obgleich sie wohl zutrifft. Diese Worte kenne ich ebenfalls sehr genau.

          Zitat von Chrysothemis Beitrag anzeigen
          Es ist komisch, aber ich fühle mich manchmal auch "zeitlos", mache Unfug und denke mir hinterher "mein Gott wie peinlich". Ich bin anders erwachsen als z.B. meine Mutter. Ich kann kindisch sein, aber genauso ernst und vernünftig. Eigentlich fühle ich mich gegenüber manch anderen nicht wirklich erwachsen. Ich bin irgendwie beweglicher, nicht so eingefahren. Ich bin noch immer neugierig, versuche gern neue Sachen und stelle auch "blöde" Fragen, um zu erfahren, was ich wissen will.
          Ich empfinde mich ähnlich, aber weiß nicht, ob das jetzt tatsächlich mit den gemachten Erfahrungen zusammen hängt oder das nicht vielleicht nur eine Ausprägung der Persönlichkeitsstruktur ist.

          Zitat von Chrysothemis Beitrag anzeigen
          Du bist schon erwachsen und kommst wie ein normaler Erwachsener mit deinem Leben zurecht. Du trägst vermutlich Kleidung , hast etwas zu essen, alles notwendige zum Leben. Du bist nur nicht auf die Art erwachsen, wie du meinst, erwachsen sein zu müssen. Wenn der Teenager in dir noch so lebendig ist, will er dir vielleicht damit etwas zeigen. Vielleicht sogar, das Leben nicht zu ernst zu nehmen und manchmal einfach zu genießen.
          Ein Teil ist nicht nur sauer, dass die vielen Gelegenheiten nicht mehr zurück kommen, sondern auch gewillt mit aller Macht sich zu nehmen, was ihm gerade passt. Dabei geht es vor allem um destruktive Verhaltensweisen. Dahinter steckt der Wunsch, mehr von dieser Leichtigkeit, Kopflosigkeit der Jugendzeit haben zu wollen. Dinge auszuprobieren, ohne gravierende Konsequenzen fürchten zu müssen und bewusst auch Dinge ausprobieren, die möglicherweise schädlich sind, zu denen ich aber nie gekommen bin. Dafür war keine Zeit und kein Raum in meiner Jugend.

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            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
            Vermutlich würde er letzteres Antworten. Aber die Frage ist, warum er sich auf der emotionalen Ebene bevormundet fühlt.
            Er würde letzteres Antworten, aber das andere wollen.
            Er hat dich jetzt sehr lange in der Rolle des Kindes erlebt und vielleicht Angst davor, daß sich jetzt alles ändert. Für dich macht es die Sache doppelt schwer, denn du willst die erwachsene Frau in dein Privatleben integrieren und mußt dabei Rücksicht auf die Gefühle deines Freundes nehmen, bzw. dich gegen seine Vorwürfe wehren.

            Die Frage ist jetzt, ob du damit zurecht kommst - mit dieser Doppelbelastung.

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              Zitat von Chrysothemis Beitrag anzeigen
              Er würde letzteres Antworten, aber das andere wollen.
              Er hat dich jetzt sehr lange in der Rolle des Kindes erlebt und vielleicht Angst davor, daß sich jetzt alles ändert. Für dich macht es die Sache doppelt schwer, denn du willst die erwachsene Frau in dein Privatleben integrieren und mußt dabei Rücksicht auf die Gefühle deines Freundes nehmen, bzw. dich gegen seine Vorwürfe wehren.

              Die Frage ist jetzt, ob du damit zurecht kommst - mit dieser Doppelbelastung.
              Auf diese Weise funktioniert es nicht. Ich für meinen Teil weiß, warum ich mich bevormundet fühle, ich weiß, woher es rührt und wo das Gefühl eigentlich hin gehört. Er muss, finde ich, sich selbst dahingehend ebenfalls überprüfen. Er muss auch schauen, woher das kommt und wieso er sich so fühlt. Wir werden wohl darüber sprechen müssen, es ist so schon schwer genug und ich bin froh, diese "Schlüsselszene" heute erlebt zu haben. Ich habe ihn erkannt, er muss sich jetzt nur noch selbst erkennen.

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                Zitat von Jannes Beitrag anzeigen


                Ein Teil ist nicht nur sauer, dass die vielen Gelegenheiten nicht mehr zurück kommen, sondern auch gewillt mit aller Macht sich zu nehmen, was ihm gerade passt. Dabei geht es vor allem um destruktive Verhaltensweisen. Dahinter steckt der Wunsch, mehr von dieser Leichtigkeit, Kopflosigkeit der Jugendzeit haben zu wollen. Dinge auszuprobieren, ohne gravierende Konsequenzen fürchten zu müssen und bewusst auch Dinge ausprobieren, die möglicherweise schädlich sind, zu denen ich aber nie gekommen bin. Dafür war keine Zeit und kein Raum in meiner Jugend.
                Das wird überbewertet - wirklich.
                Ich hab destruktive Sachen ausprobiert, so viele, daß ich mich manchmal schon steinalt fühle. Ich habe Dinge getan, für die ich mich heute schäme und die ich wirklich bereue.

                Ich mußte ja immer vernünftig sein. "Sei nicht immer so kindisch", ist ein Standardsatz meiner Mutter gewesen.

                Ich hab also einige Zeit total unvernünftig gelebt und bin natürlich dadurch auch gereift. Dennoch fühle ich mich nach wie vor nicht "erwachsen" - nicht so, wie Leute mit einem 0815 Leben.

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                  Zitat von Chrysothemis Beitrag anzeigen
                  Das wird überbewertet - wirklich.
                  Ich hab destruktive Sachen ausprobiert, so viele, daß ich mich manchmal schon steinalt fühle. Ich habe Dinge getan, für die ich mich heute schäme und die ich wirklich bereue.

                  Ich mußte ja immer vernünftig sein. "Sei nicht immer so kindisch", ist ein Standardsatz meiner Mutter gewesen.

                  Ich hab also einige Zeit total unvernünftig gelebt und bin natürlich dadurch auch gereift. Dennoch fühle ich mich nach wie vor nicht "erwachsen" - nicht so, wie Leute mit einem 0815 Leben.
                  Das kann ich mir vorstellen, dass der Schein in dieser Sache trügt. Aber ich glaube es geht weniger um die Dinge, die man tatsächlich tut, als vielmehr um das Gefühl, sich nehmen zu können was man will und wann man es will. Auch das hat etwas mit Macht zu tun. Ich glaube auch nicht, dass ich mich erwachsener fühle, wenn ich ein paar Dinge auf meiner Liste abhaken kann. Aber ich glaube, ich brauche diese Phase, um mir selbst in dieser Form überdrüssig zu werden und es selbstbestimmt beenden zu können, um mich schließlich dem zu widmen, was man "erwachsen" nennt.

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                    Jannes, du bist ja noch sehr jung.
                    Ich wünsche dir, dass du früher erwachsen wirst als ich.
                    Ich bin es mit 65 immer noch nicht.

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                      Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                      Das kann ich mir vorstellen, dass der Schein in dieser Sache trügt. Aber ich glaube es geht weniger um die Dinge, die man tatsächlich tut, als vielmehr um das Gefühl, sich nehmen zu können was man will und wann man es will. Auch das hat etwas mit Macht zu tun. Ich glaube auch nicht, dass ich mich erwachsener fühle, wenn ich ein paar Dinge auf meiner Liste abhaken kann. Aber ich glaube, ich brauche diese Phase, um mir selbst in dieser Form überdrüssig zu werden und es selbstbestimmt beenden zu können, um mich schließlich dem zu widmen, was man "erwachsen" nennt.
                      Ich hab noch mal nachgedacht. Du spielst in der Beziehung ein Kind. Du fühlst dich wie ein rebellischer Teenager. Ganz genauso ist die Abnabelung von den Eltern. Irgendwann muß man ihnen zeigen, daß man kein Kind mehr ist.

                      Kann es sein, daß du dich so fühlst, weil du dich von deiner Rolle als Kind abnabeln willst?

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                        Ich bin der Meinung, dass ich das schon sehr gut vollzogen habe. Eher liegt es nahe, dass ich mit ihm die Rollen meiner Eltern spiele.

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                          Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                          Ich bin der Meinung, dass ich das schon sehr gut vollzogen habe. Eher liegt es nahe, dass ich mit ihm die Rollen meiner Eltern spiele.
                          Haben wir uns da richtig verstanden?
                          Ich meinte, du bist so rebellisch, weil du dich sozusagen emanzipieren mußt innerhalb der Beziehung. Bei deinen Eltern hast du das sicher längst hinter dir .

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                            Ja, ich denke wir reden nicht aneinander vorbei. Nur ergibt sich das "Kindliche" nicht direkt aus der Rolle des Kindes. Bei näherer Betrachtung habe ich in dieser Partnerschaft die Rolle meiner Mutter übernommen, so, wie ich sie in ihrer Beziehung zu meinem Vater kennengelernt habe.

                            Sich als Kind zu fühlen ist nur eine kleine Facette dieser Rolle, die man erst erfährt, wenn man die Rolle tatsächlich einnimmt und lebt.
                            Zuletzt geändert von Jannes; 27.10.2013, 17:38. Grund: Tippfehler

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                              Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                              Ja, ich denke wir reden nicht aneinander vorbei. Nur ergibt sich das "Kindliche" nicht direkt aus der Rolle des Kindes. Bei näherer Betrachtung habe ich in dieser Partnerschaft die Rolle meiner Mutter übernommen, so, wie ich sie in ihrer Beziehung zu meinem Vater kennengelernt habe.

                              Sich als Kind zu fühlen ist nur eine kleine Facette dieser Rolle, die man erst erfährt, wenn man sie Rolle tatsächlich einnimmt und lebt.
                              Okay. Übernimmst du dann auch die Mutterrolle für deinen Freund? Oder war/ist deine Mutter eher unterwürfig gegenüber deinem Vater? Oder hilflos suchend?

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                                Zitat von Chrysothemis Beitrag anzeigen
                                Okay. Übernimmst du dann auch die Mutterrolle für deinen Freund? Oder war/ist deine Mutter eher unterwürfig gegenüber deinem Vater? Oder hilflos suchend?
                                Nein, eine Mutterrolle übernehme ich nicht. Meine Mutter hat sich meinem Vater gegenüber auch nicht wie seine Mutter benommen
                                Es ist auch keine unterwürfige, hilfesuchende Rolle.

                                Meine Mutter zeichnete sich dadurch aus, dass sie immer völlig überreagierte, völlig aus dem Ruder lief, ein Theater vom Feinsten lieferte. Alles musste spuren, wenn etwas nicht nach ihrem Kopf ging. Alle mussten die Köpfe einziehen, sonst konnte das böse enden. Dass dahinter ein kindliches Gemüt und im Grunde genommen Hilflosigkeit steckt, kann ich jetzt erst selbst aus meiner Perspektive sagen. Denn so zeige ich mich, wenn ich mich nicht genügend beachtet, übergangen fühle oder es nicht schaffe, angemessen mein Anliegen darzulegen und mein Partner dann mit seiner aus meiner Sicht herablassenden, tätschelnden Art darauf eingeht.
                                Im Grunde ist es also ein Mantel, der das ziemlich kleine Ego größer, stärker und mächtiger erscheinen lassen soll.

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