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Die Kunst des Fliegens

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    Liebe FirstSunshine,

    du bist eine aufmerksame Leserin und ich bin ziemlich geplättet. Du hast mich volle Breitseite erwischt.
    Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
    Liebe Jannes,
    Ich glaube nicht, dass Du Dich gegen "die" Lösung entscheidest. Ich glaube, Du bist Dir einfach noch nicht sicher, für "welche" Lösung Du Dich entscheiden sollst. Welcher Weg Dich dahin führt, wo Du Dich wohl und sicher und glücklich fühlst.
    Danke für diese Lesart, so habe ich es bislang nicht gesehen. Entscheidend für mich ist voranzugehen und nicht stehen zu bleiben und diesen Zustand, in dem ich mich gerade befinde, zu beenden. Alles ist besser, als stehen zu bleiben. Ich habe das Gefühl, dass ich doch etwas tun muss! Immerhin liegt so viel vor mir ausgebreitet, es heißt nur noch zugreifen. Vieles davon gefällt mir, sehr sogar. Warum warte ich dann noch? Will ich zuviel, warte ich auf die Sahnetorte am Buffet und mir reicht der Blechkuchen nicht?
    Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
    Eine Freundin sagte mal zu mir "Mädel, Du denkst zuviel! Da ist Dein Bauch, jetzt hör doch mal was der sagt. SPÜR Dich doch einfach mal." Tust Du das? Spürst Du Dich? Oder versuchst Du mit dem Kopf zu analysieren und zu begründen - ohne dass Dein Gefühl dem folgen kann?

    Dein Kopf mag sagen "also rein technisch hab ich jetzt das ganze Werkzeug, ich weiß wohin und ich weiß wie" - also WILL ich nicht loslaufen.

    Dein Herz sagt vielleicht "Halt warte mal. Ich bin mit meiner Entscheidung noch nicht so ganz im Reinen." - also KANN ich nicht loslaufen.

    Und das Herz kannst Du ja schlecht da lassen, während der Rest weitergeht. Also KANN die ganze Frau nicht loslegen.
    Ein einleuchtendes Bild. Das ist eines meiner größten Probleme, mein Kopf ist mein Werkzeug Nummer Eins. Von meinen Gefühlen glaube ich, dass sie wahrscheinlich noch irgendwo sind, aber sie sind verschüttet. Die, von denen ich glaube, dass es welche sind, verwirren mich nur. Ich kann mich nicht darauf verlassen. Würde ich das tun, wäre ich schon lange auf und davon, weil ich das Gefühl habe, das alles nicht auszuhalten, dem nicht standzuhalten, sowieso keine Gefühle zu haben, keine tiefgreifenden. Wahrscheinlich sind das aber bloß Fehlinformationen, die noch bei mir ankommen. Ich glaube, dass ich mit aller Gewalt versuche, Gefühle zurückzuhalten. Der Druck, der entsteht, löst sich immer mal wieder, aber natürlich nicht in positiver Weise. Darunter liegt die große Angst zu vertrauen, sowohl anderen, als auch mir selbst. Ich manipuliere mich selbst und wundere mich, dass es nicht läuft. Ein gutes Bauchgefühl heißt bei mir, dass ich keines habe. Übersetzt heißt das, nichts zu fühlen, ist gut. Denn wenn ich etwas dort fühle, dann sagt es mir nur deutlich, dass etwas im Argen liegt. Also muss ich die Dinge ausprobieren und hoffen, dabei kein schlechtes Gefühl zu bekommen. Leider hat sich das manchmal erst ziemlich spät eingestellt, sodass ich mir in Sachen Bauchgefühl überhaupt nicht mehr über den Weg traue. Ich habe große Angst etwas zu tun und erst hinterher festzustellen, dass es ein riesengroßer Fehler war Vielleicht ist das ein weiterer Grund für mein Festgefahrensein.
    Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
    Es gibt eine schöne Geschichte von einer jungen Katze, die ihren Schwanz jagt (ich liiiebe Katzen!). Eine alte Katze kommt dazu und fragt "was tust Du denn da?" Die junge Katze erklärt: "Ich habe gehört, das Glück sitzt bei Katzen im Schwanz und jetzt versuche ich mein Glück zu erwischen! Und Du? Willst Du denn nicht glücklich sein?" "Ach..." antwortet die alte Katze lächelnd "seit ich einfach meinen Weg gehe, ohne über das Glück nachzudenken, fühle ich wie es mir überall hin folgt."
    Das trifft es
    Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
    Dein Denken mag das einer erwachsenen Frau sein, das "angemessen" mit irgendetwas umgehen kann. Aber in Dir ist auch noch Dein Herz. Manchmal eben immer noch das Herz eines kleinen Mädchens. Bitte gib doch diesem Herzen den Raum, traurig zu sein und auch mal zu zögern und "nicht weiter zu können" anstatt ihm das vorzuwerfen.

    Der erwachsene Anteil in Dir kann zum Bäcker gehen und Dir Brötchen holen - aber das Kind in Dir wird nicht mitgehen, weil es überhaupt gar keine Brötchen haben will, sondern einfach nur jemanden, der es so sehr liebt, dass er für es zum Bäcker geht.

    Liebst DU DICH so sehr? Die Liebe einer Mutter kannst Du Dir selbst nicht geben - aber gibst Du Dir die Liebe, die Du Dir selbst geben könntest? Kannst Du das? Willst Du das auch?

    Ich meine: ja, Du bist erwachsen und Du hast es in der Hand, Deinen Weg zu gehen - aber verlang nicht zu viel von Dir, denn ein bisschen "verletztes Kind" steckt immer noch in Dir und muss diesen Weg mit Dir gehen.
    Das hat mich getroffen.
    Mein Kind wartet immer noch und verhungert mir dabei. Es (ich) ist (bin) nicht bereit, etwas von mir anzunehmen und ich gehe trotzdem nicht los, um Brötchen zu holen, um ihm (mir) zu beweisen, dass es (ich) mir auch etwas bedeute(t) und es (ich) mir etwas wert ist (bin). Die Antwort lautet also: Nein, so sehr liebe ich mich nicht. Es fällt mir schwer, mich anzunehmen. Bspw. weiß ich genau, dass ich vor einiger Zeit selbst hier schon schrieb, dass ich nachsichtiger mit mir sein und mir mehr Zeit für alles geben sollte. Es ist traurig, dass ich nun diesen Part selbst übernommen habe, mir soviel abzuverlangen. Aber es war auch schon mal schlimmer. Auch wenn ich mein inneres Kind heute noch gerne abgeben würde (Freiwillige?), weiß ich, dass ich die einzige bin, die seine Sprache versteht und helfen kann. Es geht darum, den Weg gemeinsam zu gehen. Bislang stand es mir immer im Weg, es geht mir nicht schnell genug, das Gejammere kann ich nicht mehr hören weil ich nicht weiß, wie ich ihm helfen soll. Aber ganz so stimmt das nicht mehr, inzwischen kann ich es auch anschauen, traue mich es auszuhalten und ergreife nicht sofort die Flucht. Mich auf seine Seite zu stellen, so weit bin ich noch nicht. Und vielleicht ist es auch ein Trugschluss zu glauben, dass ich es beruhigen müsste, denn das kann ich nicht, das ist unmöglich. Aber ich kann ihm zeigen, wie ich die Dinge tun würde oder ihm einfach helfen. Mein Kind ist auch schon ein wenig älter geworden und glaubt auch nicht mehr jedes Märchen, das ihm erzählt wird. Ich habe den Fehler gemacht zu glauben, ich kann alleine ohne es gehen, weil ich mich ehrlich gesagt mit dieser Aufgabe überfordert gefühlt habe und heute noch teilweise fühle.
    Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
    Oje, da könnte ich jetzt viel schreiben. Ich hatte lange keinen Kontakt zu meinem Vater. Über Gefühle reden... Unterstützung...? Vergiss es! Das kann er einfach nicht.

    Ich habe meine "Aufarbeitung" alleine geleistet bis ich soweit war, ihn überhaupt wieder in meiner Nähe zu ertragen. Und bis wir dann "auf einer Stufe standen" ... naja, die Betonung liegt auf "geplatzt" ... da gab es eine Menge Verzweiflung, Fassungslosigkeit, hasserfülltes Anbrüllen, Heulen, Wegrennen, ... lange Pausen... nächster Versuch... Das hat Jahre gedauert.

    Und sogar wir haben es irgendwie geschafft uns zusammenzuraufen. Die Lücke meiner Kindheit bleibt. Ich hatte eben keinen Vater, wie ich ihn mir gewünscht hätte. Wie es "normal gewesen" wäre. Als "Papa" kann ich ihn sicher nie sehen. Aber immerhin als Mensch, der sein Möglichstes getan hat, der auch Dinge "für mich" getan hat, der diese Dinge aus Liebe getan hat. Wenn auch andere Dinge als die, die ich mir sooo sehnlichst gewünscht habe.
    Danke, das gibt mir Zuversicht, auch wenn ich mir gerade nicht vorstellen kann, mit ihnen auf einen grünen Zweig kommen zu wollen. Aber dass es grundsätzlich möglich ist, so klar, bereinigt so gut es geht, miteinander umzugehen, eine erwachsene, reife Sicht aufeinander zu haben, gibt mir ein gutes Gefühl. Du klingst dabei sehr aufgeräumt, aber dahin war es ein langer Weg.

    Kommentar


      Zitat von Jannes
      Mein Kind wartet immer noch und verhungert mir dabei. Es (ich) ist (bin) nicht bereit, etwas von mir anzunehmen und ich gehe trotzdem nicht los, um Brötchen zu holen, um ihm (mir) zu beweisen, dass es (ich) mir auch etwas bedeute(t) und es (ich) mir etwas wert ist (bin).
      Oder ... du "kannst nicht anders", als ihm zur Zeit noch deine Liebe zu verweigern.

      Meine Vermutung:

      Das ist möglicherweise eine vertrackte Retourkutsche ... die vielleicht mit deiner ambivalenten Beziehung zu deiner Mutter zusammenhängt >> du kannst dich nicht entscheiden in deinen "Gefühlen" - weder "für" sie noch "gegen" sie (du suchst immer den bestmöglichen Mittelweg, nur befriedigt der dich nicht - weil er dir als "Kopfmensch" nicht "eindeutig" genug ist. Nichtsdestoweniger werden durch die ambivalenten Gemütszustände deine Gefühle immer wieder provoziert)

      Du reproduzierst ein (modifiziertes) Verhalten deiner Mutter gegenüber dir als Kind, spürst aber sehr intensiv in dir die Option, dass das nicht richtig und gerecht ist und du eigentlich dein Kind beschützen und es stärken wolltest.
      Dadurch frustrierst du dich selbst ... um dir WAS zu beweisen?
      Die Antwort lautet also: Nein, so sehr liebe ich mich nicht.
      Da liegt die Ambivalenz - in dem "so sehr ... nicht".
      "Ich liebe mich nicht so sehr, dass ich dafür meine Mutter nicht mehr lieben könnte/wollte".



      Vielleicht ein Weg?

      Irgendjemand muss den Preis dafür zahlen.

      Wer?

      Nicht dein Kind, denn es war seit jeher (vielleicht schon vor der Zeugung) nur "Mittel zum Zweck" für deine Mutter - im nahliegensten und weitesten Sinn. Das ist keine Verurteilung, sondern eine rein trockene, unemotionale und sachliche Feststellung.

      Nicht du als Erwachsene, denn du leidest unter den Folgen dessen, was in der Vergangenheit u.a. von deiner Mutter (um dem Zweck gerecht zu werden, welchem auch immer) "angerichtet" wurde.

      Es gibt in der ganzen "Angelegenheit" keinen wirklich Schuldigen, auch nicht deine Mutter, denn sie hat ihre ganz persönliche "Geschichte", die sie zu dem gemacht hat, was sie ist.
      (In Anlehnung an Papa Nietzsche) Es gibt keine(n) Schuldige(n), wir brauchen aber jetzt eine(n), damit du dich entscheiden kannst.

      Also bauen wir uns eine(n) Schuldige(n) auf, der all die Schuld "in sich trägt", für das was an dir "verbrochen" wurde ... und wir ersäufen ihn(sie) in dem ganzen durch ihr Tun entstandenen Schmodder, der dich nicht zur Ruhe kommen lässt. Sie/er wird ihre/seine eigene Suppe auslöffeln müssen, am besten vor deinen Augen.
      Danach brauchen wir ihn(sie) (den Schuldigen) nicht mehr, denn er(sie) hat seinen(ihren) Zweck erfüllt.
      Der gebaute Schuldige verschwindet als "gebrauchtes und nun nicht mehr notwendiges Mittel zum Zweck" irgendwo im Nirwana ... und die tatsächlichen Sie und Er dürfen - von dem Ganzen unbetroffen und unberührt - ihr Leben nach ihren Regeln weiterleben.
      Und dieses (ihr) Leben und "Wirken" hat dann mit deinem Kind und mit dir als Erwachsenen nichts mehr am Hut.

      Die Rechnung ist bezahlt. Kein Mensch wurde verletzt. Niemand kam zu Schaden.

      Die Befreiung und Beruhigung, dass sie bezahlt ist und dass niemand dabei zu Schaden kam, wird sich in dir langsam ausbreiten und du kannst dein Kind zu dir holen.
      Du hast ihm bewiesen, dass du für das kleine Kind in dir gut sorgen kannst, dass aus ihm eine selbstständige und erwachsene Frau geworden ist, ... die sehr gut auf sich selber aufpassen uns sich selbst beschützen kann.

      Kommentar


        liebe Jannes.

        Vielleicht erwartest Du zu schnell zu viel von Dir - ja, auch bei der Annäherung zu Deinem Kind.
        es ist ein Prozess und ich denke, man kann nicht einfach einen Hebel umlegen (ab jetzt mache ich es anders) und alles wird gut.

        Shepherd s Bild gefällt mir - in mir sagt jedoch etwas, dass es mir nicht geholfen hätte.
        meine Abloesung ist ja auch nach wie vor im Prozess. aber der Aspekt Gefühle (zulassen & integrieren) gehört bei mir zu den wesentlichen Elementen. rein fühlen, wie ging es mir als.. ist eine Komponente. und loslassen.
        fuehlen und wahrnehmen, was für Traurigkeit (zB über alles, was nicht da war. Geborgenheit, Trost, Freude..) ist mE ein weiterer Punkt. es ist vergangen. es word in der Kindheit nicht mehr kommen. aber ich kann jetzt meine Bedürfnisse wahrnehmen und diese Wunden schließen.
        du musst nicht alles allein machen. du darfst Dir Menschen suchen, die Dir und Deinem Kind das geben, was Dir fehlt zur Heilung.
        und das darf Wicheb & Monate dauern. ihr seid nicht auf der Flucht. nicht mehr
        ...
        so nehme ich es für mich wahr.
        das nimmt den Druck u d gibt Offenheit und Zeit im Jetzt.

        also. innehalten und nix tun.
        rein spüren. Erfahrungen sammeln, wie sich das anfühlt.
        Vielleicht einfach mal sagen: vor der Handlung atme ich 10x und nehme wahr, woe sich mein Brustkorb hebt ..und alles, was mir sonst noch auffällt.
        und dann weitermachen wie gehabt. also spielerisch. ohne Druck. innehalten.

        alles Liebe für Dein Kind & Dich!

        Kommentar


          Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
          Das ist möglicherweise eine vertrackte Retourkutsche ... die vielleicht mit deiner ambivalenten Beziehung zu deiner Mutter zusammenhängt >> du kannst dich nicht entscheiden in deinen "Gefühlen" - weder "für" sie noch "gegen" sie (du suchst immer den bestmöglichen Mittelweg, nur befriedigt der dich nicht - weil er dir als "Kopfmensch" nicht "eindeutig" genug ist. Nichtsdestoweniger werden durch die ambivalenten Gemütszustände deine Gefühle immer wieder provoziert)
          Klar, einerseits kann ich (sowohl mein Kind als auch ich) mich in meinen Gefühlen nicht für sie entscheiden. Denn einerseits sind da die Wut und all diese Gefühle, andererseits habe ich heute für mich und mein Kind Sorge zu tragen, was möglicherweise auch bedeutet, mich emotional zu distanzieren und sie nicht um jeden Preis lieben zu wollen!
          Andererseits kann ich mich auch nicht wirklich dagegen entscheiden. Mein Kind möchte nicht, weil ein Rest Hoffnung für es besteht. Und ich möchte vielleicht nicht, weil ich die Last der Folgen nicht tragen möchte.
          Einen Mittelweg gibt es sicher, aber ich habe ihn noch nicht gefunden. Man sieht ihn vermutlich erst, wenn man sich später einmal umdreht und zurück blickt.

          Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
          Du reproduzierst ein (modifiziertes) Verhalten deiner Mutter gegenüber dir als Kind, spürst aber sehr intensiv in dir die Option, dass das nicht richtig und gerecht ist und du eigentlich dein Kind beschützen und es stärken wolltest.
          Dadurch frustrierst du dich selbst ... um dir WAS zu beweisen?
          Dahinter soll ein Zweck stecken?
          Denkbar wäre, dass dieser Frust und dieses Hin und Her nötig sind, um zu erkennen, dass beides überflüssig ist. Scheinbar habe ich die Seite gewechselt, ich bin nicht mehr nur die, die Opfer ist und Spielball. Und weil ich mir diesen Schritt bei meiner Mutter nicht zugestehe, drangsaliere ich nicht sie, schiebe nicht sie weg, distanziere mich nicht von ihr, sondern von mir selbst (meinem inneren Kind). Immerhin ist es der scheinbar einzige Verknüpfungspunkt, der mich in Bezug auf sie verletzlich macht. Nur: Ohne es kann ich nicht sein. Vielleicht steckt dahinter auch die Strategie (mir und meines inneren Kindes), es durch dieses Drangsalieren und das daraus folgende Leiden immer lauter werden zu lassen, immer vehementer von mir einzufordern, was es verdient, braucht und was ich ihm schuldig bin. Ich reite mich also selbst hinein, bis ich irgendwann hoffentlich einen Punkt erreiche, an dem der Leidensdruck groß genug ist, um mich auf mich selbst zu besinnen.
          Wenn dem so ist, kann das aber auch nach hinten los gehen.

          Der fiktive Schuldige würde, wenn es funktioniert, die Emotionen, die zwar da sind, aber nicht da sein dürfen, ins Rollen bringen. Jedenfalls ist es in meiner Vorstellung eine Befreiung.

          liebe Kuestenkind,
          Zitat von Kuestenkind Beitrag anzeigen
          du darfst Dir Menschen suchen, die Dir und Deinem Kind das geben, was Dir fehlt zur Heilung.
          und das darf Wicheb & Monate dauern. ihr seid nicht auf der Flucht. nicht mehr
          ...
          so nehme ich es für mich wahr.
          das nimmt den Druck u d gibt Offenheit und Zeit im Jetzt.
          Nicht mehr auf der Flucht zu sein, das fühlt sich merkwürdig an. Aber du hast recht. Es ging immer nur darum durchzuhalten und zu hoffen, dass es irgendwann besser wird. Man klammerte sich innerlich an Fixpunkte und redete sich ein, dass, sind diese einmal erreicht, es besser werden würde. Das wurde es zwar nie. Aber das war rückblickend eine gute Strategie, um zu überleben und nicht aufzugeben. Wir sind nicht auf der Flucht und auch nicht im Krieg.

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            Zitat von Jannes
            Der fiktive Schuldige würde, wenn es funktioniert, die Emotionen, die zwar da sind, aber nicht da sein dürfen, ins Rollen bringen. Jedenfalls ist es in meiner Vorstellung eine Befreiung.
            Vorstellungen haben die vorzügliche Eigenschaft, dass sie - wiewohl sie rational als fiktiv oder unrealistisch daherkommen - mit dem "inneren Ich" (den inneren Augen > im Unbewussten) in ihrem vollen Umfang "erlebt" werden können, derweil das Bewusstsein (das rationale Reflektieren, analysieren, zerhackstückeln usw.) sein "Mittagschläfchen" hält.

            Da der Druck emotional ist (und rational nur in eine Form gebracht wird) kann er nicht über die Ratio abgelassen werden, sondern dort, wo er sich ausbreitet.

            Die Substitute (die "gebauten Verursacher"), die zu diesem Zweck benutzt werden, können von der Ratio (die ohnehin dann schläft) nicht als reale Feinde eingeordnet werden, da es sie in Wirklichkeit nicht gibt ... weil sie eine "Erfindung" sind, wiewohl sie einen direkten metaphorischen Bezug zu den eigentlichen Verursachern haben.

            Das Unbewusste stellt durch die Metaphorik Beziehungen her und ordnet die "fiktiven Verursacher" dort ein, wo sie ihren Platz haben.
            Der Rest ist eine unbewusster selbsttätiger Selbstreinigungsprozess, der im Nachhinein nur in seiner Essenz - dem fertigen Resultat (als bezahlte Rechnung, als vollendete Vergeltung) - ans Bewusstsein über "entlastete (weil bezahlte) Emotionen" vermittelt wird.

            Deine Gesichte wird dadurch nicht verändert. Deine Erinnerung auch nicht. Was sich (nicht sofort, sondern gleitend) auflöst, sind die "emotionalen Ödeme und Abzesse", welche sich durch die Traumatisierung entwickelt haben.

            Das alles klingt hölzern und büchern und vielleicht sogar "mechanisch". Der Prozess an sich ist viel geschmeidiger und fließender. Und er ist anstrengend,...und sehr hilfreich.

            Die Vergangenheit wird dadurch nicht "geheilt", aber die Schmerzen ebben ab.

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              Danke für deine Erklärungen. Wenn es mein Ziel ist, mich an meine Grenzen zu bringen, dann soll es so sein. Ich bin gerade ziemlich satt von mir. Aber das ist ok.

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                Liebe Jannes,

                ich war die letzten Tage etwas mit mir selbst beschäftigt, deshalb antworte ich erst etwas später.

                Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                [...]Entscheidend für mich ist voranzugehen und nicht stehen zu bleiben und diesen Zustand, in dem ich mich gerade befinde, zu beenden. Alles ist besser, als stehen zu bleiben. Ich habe das Gefühl, dass ich doch etwas tun muss! Immerhin liegt so viel vor mir ausgebreitet, es heißt nur noch zugreifen. Vieles davon gefällt mir, sehr sogar. Warum warte ich dann noch? Will ich zuviel, warte ich auf die Sahnetorte am Buffet und mir reicht der Blechkuchen nicht?
                Das Bild von den Kuchen gefällt mir (natürlich ). Vielleicht "gönnst" Du es Dir ja einfach, im wilden Zickzack-Kurs das Buffet abzugrasen. Mal hier und dort naschen, du musst ja auch nicht immer ein ganzes Stück nehmen und dann Angst haben, dass für den "richtigen" Kuchen nachher kein Platz mehr im Bauch bleibt. Damit wärst Du "in Bewegung" und könntest ausprobieren, welcher Kuchen Dir schmeckt (sprich:was welche Gefühle in Dir auslöst). Und Du musst auch nicht den kürzesten Weg "zum Ziel" finden!

                Zitat von Jannes Beitrag anzeigen

                Ein einleuchtendes Bild. Das ist eines meiner größten Probleme, mein Kopf ist mein Werkzeug Nummer Eins. Von meinen Gefühlen glaube ich, dass sie wahrscheinlich noch irgendwo sind, aber sie sind verschüttet. Die, von denen ich glaube, dass es welche sind, verwirren mich nur. Ich kann mich nicht darauf verlassen. Würde ich das tun, wäre ich schon lange auf und davon, weil ich das Gefühl habe, das alles nicht auszuhalten, dem nicht standzuhalten, sowieso keine Gefühle zu haben, keine tiefgreifenden. Wahrscheinlich sind das aber bloß Fehlinformationen, die noch bei mir ankommen. Ich glaube, dass ich mit aller Gewalt versuche, Gefühle zurückzuhalten. Der Druck, der entsteht, löst sich immer mal wieder, aber natürlich nicht in positiver Weise. Darunter liegt die große Angst zu vertrauen, sowohl anderen, als auch mir selbst. Ich manipuliere mich selbst und wundere mich, dass es nicht läuft. Ein gutes Bauchgefühl heißt bei mir, dass ich keines habe. Übersetzt heißt das, nichts zu fühlen, ist gut. Denn wenn ich etwas dort fühle, dann sagt es mir nur deutlich, dass etwas im Argen liegt. Also muss ich die Dinge ausprobieren und hoffen, dabei kein schlechtes Gefühl zu bekommen. Leider hat sich das manchmal erst ziemlich spät eingestellt, sodass ich mir in Sachen Bauchgefühl überhaupt nicht mehr über den Weg traue. Ich habe große Angst etwas zu tun und erst hinterher festzustellen, dass es ein riesengroßer Fehler war Vielleicht ist das ein weiterer Grund für mein Festgefahrensein.
                Das trifft es
                Ich weiß nicht, wie man lernen kann seinen Gefühlen "zu vertrauen", aber ich kann Dir aus meiner Erfahrung berichten, dass die Angst vor den "riesengroßen Fehlern" unbegründet ist. Die Folgen der meisten Fehler, die man macht, kann man wieder ausbügeln. Solche "Riesenfehler", wie Du sei ansprichst, sind selten - warum solltest ausgerechnet Du das große Glück haben so einen zu angeln?

                Was die Bandbreite der Gefühle angeht, hab ich mal eine schöne "esoterische" Interpretation unserer Existenz hier gelesen:

                Gott war neugierig darauf, zu fühlen. Aber in seiner Form konnte er das nicht. Also hat er sich "aufgeteilt" in viele kleine, fühlende Einheiten: in die Menschen. Und sein Ziel war, so ALLE Gefühle einmal selbst erfahren zu können. Vielleicht hilft Dir diese Interpretation zuerst einmal alles Gefühle als "gut" zuzulassen, einfach deshalb, weil sie DA sind....

                Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                [...]Es ist traurig, dass ich nun diesen Part selbst übernommen habe, mir soviel abzuverlangen.
                Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                Wenn es mein Ziel ist, mich an meine Grenzen zu bringen, dann soll es so sein.
                Ich glaube, Du lebst einfach nur nach, was Du gelernt hast, weil Du (noch!!!) nichts besseres kennst. Mit dem Ausprobieren kommt die Erfahrung und die Erweiterung Deiner Möglichkeiten.

                Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                Auch wenn ich mein inneres Kind heute noch gerne abgeben würde (Freiwillige?),[...]
                Bislang stand es mir immer im Weg, es geht mir nicht schnell genug, das Gejammere kann ich nicht mehr hören weil ich nicht weiß, wie ich ihm helfen soll.
                [...]weil ich mich ehrlich gesagt mit dieser Aufgabe überfordert gefühlt habe und heute noch teilweise fühle.
                Solche Gefühle haben Mütter auch für ihre "echten" Kinder manchmal. Ich sprech da aus Erfahrung. Es wird immer wieder Momente geben, wo Du Dich fragst "was soll ich denn jetzt für Dich tun und was heißt das für mich und meine Bedürfnisse?" Je besser Du Dein "Kind" kennenlernst, umso leichter wird es Dir fallen, seine Bedürfnisse zu erkennen und darauf einzugehen. Der Mensch wächst an seinen Aufgaben, die Mama auch!

                Ich wünsche Dir Zuversicht!

                Kommentar


                  Hallo Jannes,

                  ich schau hier immer wieder mal rein. Und deine Aussage, Angst vor "riesengroßen" Fehlern zu haben, spricht mich an. Als erstes kommt mir ein Zitat von Churchill in den Sinn, nach dem Motto, "ach hätte ich meine Fehler nur früher gemacht, dann hätte ich mehr Zeit gehabt aus ihnen zu lernen".

                  Ich glaube ich habe in meinem Leben schon viele Fehler gemacht. Ich bin kein Mensch, der etwas von vornherein perfekt bis ins Detail plant. Dazu habe ich auch gar keine Lust. Die Richtung zu kennen reicht mir. Mein lebenslanges Lernen geht meist nach dem Motto "Versuch und Irrtum". Wobei ich nach der Feststellung "Irrtum" natürlich zu knapsen habe. Aber so geht es vorwärts.

                  Ich glaube, Angst vor Fehlern blockiert. Aber das hast du ja selbst schon erkannt, so wie ich dein Festgefahren verstehe.

                  Liebe Grüße, mikie

                  Kommentar


                    Hallo ihr beiden.

                    Zuversicht, danke. Ich weiß aber momentan nicht mehr, wofür die gut sein soll. Besonders abends rafft es mich nun wieder dahin. Sinnlosigkeit breitet sich aus. Neu ist, dass ich mir die Nächte nicht mehr nur um die Ohren schlage, also nicht gut schlafe, sondern sie zum Tag mache. Man schafft unheimlich viel in so einer Nacht und da kommen einem die verrücktesten Ideen. Mal sehen, wie lange das gut geht, müde bin ich nämlich nicht. Dass ich immer mal wieder Phasen habe, in denen es mir schlechter geht, kenne ich schon. Dass diese Phasen aber nun so eng beieinander liegen und auch gefolgt werden von Phasen, in denen es mir richtig gut geht und ich kaum zu bremsen bin, ist anstrengend. Einerseits habe ich tausend Ideen, bin hochmotiviert und fühle mich richtig gut (da habe ich auch keine Angst, irgendeinen Fehler zu machen), andererseits breche ich völlig ein, kann mich zu nichts aufraffen und sehe keinen Sinn mehr. Wahrscheinlich ein Abbild meiner zwei Seiten, die immer irgendwie im Kampf miteinander stehen.

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                      Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                      Einerseits habe ich tausend Ideen, bin hochmotiviert und fühle mich richtig gut (da habe ich auch keine Angst, irgendeinen Fehler zu machen), andererseits breche ich völlig ein, kann mich zu nichts aufraffen und sehe keinen Sinn mehr.
                      Das kenne ich. Ich bringe das allerdings nicht mit kämpfenden Seiten in Verbindung, sondern mit Hormonen .

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                        Dein Zustand erinnert mich an 'Himmelhochjauzend' 'zu Tode betrübt'.

                        Ich kenne auch diesen Zustand alles machen zu wollen, aber dann letztlich gar nichts zu tun, weil ich zu viele Möglichkeiten habe und mich nicht entscheiden kann.

                        Dann hilft erstmal runterzukommen. In den letzten Tage praktiziere ich ab und zu mal wieder Yoga, um mich zu fokussieren. Diese Zustände, wo ich meine, Bäume ausreißen zu können, mag ich gar nicht mehr gern, weil meine Energie letztlich ins Leere verpufft. Lieber fühle ich mich verhaltener, besonnener und tue dann aber auch wirklich etwas (kleines).

                        Kannst Du Dich da wiederfinden?

                        Kommentar


                          Für etwas Hormonelles ist mir das zu heftig. Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt trifft es ganz gut. Es ist nicht so, dass ich nichts mache (oder nichts gemacht habe). Ich habe unheimlich viel abgearbeitet, was schon ewig lag. Als ich damit fertig war hab ich einiges neu angefangen, worauf ich gerade Lust hatte und was mich begeistert hat. Es ist eher so, dass ich gerade sehr viel gleichzeitig mache, auf vielen "Hochzeiten" gleichzeitig tanze. Abgesehen davon erscheint mir einiges davon mittlerweile zu banal und sinnfrei und ich habe keine Lust mehr, den Gedanken weiter zu verfolgen. Lauter fixe Ideen. Reine Zeitverschwendung.

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                            Na, ist doch gut, wenn Du die Spreu vom Weizen trennst

                            Kommentar


                              Zitat von Jannes
                              Es ist eher so, dass ich gerade sehr viel gleichzeitig mache, auf vielen "Hochzeiten" gleichzeitig tanze. Abgesehen davon erscheint mir einiges davon mittlerweile zu banal und sinnfrei und ich habe keine Lust mehr, den Gedanken weiter zu verfolgen. Lauter fixe Ideen. Reine Zeitverschwendung.
                              Manchmal dauert es, bis der Groschen fällt. Wenn er dann fällt, klingelt es im Beutel.
                              Weniger ist mehr. Das Wichtigste zuvorderst. Manchmal erledigt sich dann das Nebensächliche von selbst mit.

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                                Zitat von Tamina Beitrag anzeigen
                                Na, ist doch gut, wenn Du die Spreu vom Weizen trennst
                                Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
                                Manchmal dauert es, bis der Groschen fällt. Wenn er dann fällt, klingelt es im Beutel.
                                Weniger ist mehr. Das Wichtigste zuvorderst. Manchmal erledigt sich dann das Nebensächliche von selbst mit.
                                Ich fühle mich missverstanden, aber das ist kein Problem. Ich habe es eher als großen Drang empfunden, es ging nicht anders. Aber der Wahn ist vorbei und ich widme mich nun der anderen Seite des Pendels. Immerhin, auf der dunklen Seite werden Kekse versprochen.

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