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Die Kunst des Fliegens

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    Vor allem in ihren Auswirkungen!
    Wenn ich am Grab meiner Mutter stehe, sage ich oft zu ihr:
    Gell, du weißt schon, was du angerichtet hast?

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      Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
      Und das Unglaublichste ist, dass ich mir das habe gefallen lassen.
      Das büße ich bis heute.
      Das finde ich an dem ganzen Schlamassel das traurigste.

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        Ich glaube, ich habe ein anderes Exemplar. Meine ist sehr bewußt bei der Sache, habe ich aber erst verstanden, als ich selbst schon Mutter war und einige "Tipps" bekam.

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          Was macht es mit euch, wenn ihr in den Sternenhimmel seht, die Weite betrachtet, den Mond und die Sterne?
          Je nach Verfassung fühle ich mich dabei einmal winzig klein, ratlos, hilflos oder das Leben erscheint mir aussichtslos.
          Es geht allerdings auch anders. Seit gestern überkommt mich eine große Traurigkeit. Ich fühle mich, als wäre jemand von mir gegangen. Es ist eine tiefe, reine Traurigkeit. Keine Verbitterung, keine Wut, auch kein trauriges Bedauern darüber, dass das, was von mir gegangen ist, nie wieder kommt und ich keine Zeit mehr mit dieser Sache habe. Ich frage mich, warum es mich dann traurig macht. Was genau von mir gegangen ist, kann ich nicht sagen, muss ich auch nicht. Ich nehme Abschied. Der Blick in den Himmel verleiht diesem Gefühl eine gewisse Tiefe, die das Gefühl nicht nur intensiver macht. Denn einerseits sagt mir die Weite des Nachthimmels, dass mein Leben sich nicht auf meinen winzig kleinen Kosmos beschränkt mit all meinen kleinen und größeren Problemen, die mich tagtäglich, aber auch dauerhaft begleiten. Leben bedeutet mehr als das. Und egal, ob ich diese lösen kann oder ob ich ewig darunter leiden werde, das Leben wird seinen Lauf nehmen. Erbarmungslos, aber auch ziemlich verlässlich. Jeden Tag geht die Sonne auf und abends geht sie unter, es ist immer derselbe Mond, der auf uns seinen Schein wirft. Das tat er schon, seit Menschen gedenken und so lange ich denken kann und er wird es noch eine ganze Weile tun. Mein Minikosmos hat keinen Einfluss auf das Leben und die Welt und das ist auch gut so. Es gibt noch Dinge, auf die man sich verlassen kann, auch wenn es nur diese grundlegenden sein mögen.
          Weil ich weiß, dass meine Wut/ mein Hass diese Traurigkeit oft verschleiern, bin ich gerade froh, traurig zu sein und endlich wieder einmal Tränen vergießen zu können.

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            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
            Was macht es mit euch, wenn ihr in den Sternenhimmel seht, die Weite betrachtet, den Mond und die Sterne?
            Je nach Verfassung fühle ich mich dabei einmal winzig klein, ratlos, hilflos oder das Leben erscheint mir aussichtslos.
            Liebe Jannes ,

            Dein posting liest sich so schön philosophisch.
            Ich danke Dir dass Du mich teilhaben lässt an diesen wundervoll, wertvollen Seelenentwicklungen von Dir. Ich habe mich oft gefragt was andere Menschen denken wenn sie in den Sternenhimmel schauen.

            Ach ja, wir sind hier auf dem Planet Erde, am Rande einer Galaxie, die sich Milchstraße nennt. Crazy!

            Beim Blick in den Sternenhimmel überkommt mich eine freudige Sehnsucht. Ich fühle mich geborgen und zuhause. Vor allem in Nächten wenn es richtig klar ist und das Sternenzelt zum greifen nah ist.


            Gute Nacht!
            Heartbeat

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              Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
              Was macht es mit euch, wenn ihr in den Sternenhimmel seht, die Weite betrachtet, den Mond und die Sterne?
              Je nach Verfassung fühle ich mich dabei einmal winzig klein, ratlos, hilflos oder das Leben erscheint mir aussichtslos.
              Hallo Jannes,

              dieses "Winzigkeits-Gefühl" hatte ich früher oft, wenn ich die Sterne betrachtet hatte und mir der Gedanke kam, dass ich nur ein winziger Klecks Biomasse auf einem Sandkorn in dieser unendlichen Weite bin. Ich hatte das Gefühl, diese Weite "erdrückt" mich.

              Und dann kam eine Nacht in der Sahara, in der ich den Sternenhimmel beobachtete. Ich wusste, ich bin tausende Kilometer von "Zuhause" entfernt, um mich herum ist nur "lebensfeindliche" Umgebung. Ich spreche die Landessprache nicht, nur notdürftiges Französisch, um mich verständlich zu machen (wobei das nicht alle Beduinen beherrschen), Wasser würde ich hier alleine niemals finden - und trotzdem, gerade in diesem Moment war es ein "neues" Gefühl.

              Das Gefühl, dass es egal ist, wo auf diesem Planeten ich bin, wo in diesem Universum. ICH bin HIER und damit ist alles, was wesentlich ist, hier. In mir. Ich habe mich plötzlich frei gefühlt und riesengroß. Dieses Gefühl, unabhängig von meinem Aufenthaltsort in meinem "Zentrum" zu sein, war groß genug, um diese unendliche Weite aufzuwiegen. Der Sternenhimmel war plötzlich nur noch schön, aber nicht mehr bedrückend oder beängstigend.

              In dem Moment Wurde mir klar: egal was kommt, ich werde damit fertig. Wenn mein Führer hier draußen kollabieren sollte, würde ich irgendeinem Berber schon mit Händen und Füßen begreiflich machen können, dass ich Wasser brauche. Irgendwie würde ich wieder "nach Hause kommen" - oder auch nicht, und das wäre dann einfach eine tolle Chance etwas Neues zu erleben und überhaupt nicht schlimm. Beim Anblick dieser riesengroßen Sterne über den Sandhügeln fühlte ich mich unglaublich geborgen und hatte die Gewissheit, es gibt immer eine Lösung, immer einen Weg, der weiter führt. Das Leben ist so reich und so schön, es will gelebt und nicht mit Sorge oder Angst betrachtet werden!

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                Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                Was macht es mit euch, wenn ihr in den Sternenhimmel seht, die Weite betrachtet, den Mond und die Sterne?
                Je nach Verfassung fühle ich mich dabei einmal winzig klein, ratlos, hilflos oder das Leben erscheint mir aussichtslos.
                Ich sehe ziemlich häufig den Sternenhimmel. Und mir bringt das ein sehr positives Gefühl. Meine "Sorgen" relativieren sich dann ganz schnell und erscheinen mir klein. Ich selbst sehe mich in einem größeren Zusammenhang und das tut mir gut. So nach dem Motto, egal wie klein ich auch sein mag, ich gehöre dazu
                Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                Seit gestern überkommt mich eine große Traurigkeit. Ich fühle mich, als wäre jemand von mir gegangen. Es ist eine tiefe, reine Traurigkeit.
                Ich glaube wenn man etwas loslässt, ist das immer mit einer tiefen Trauer verbunden. Wut oder Hass lässt (noch) nicht los.
                Wenn ich einen ganz normalen Todesfall betrachte, dann kann ich nicht loslassen wenn ich auf das Schicksal wütend bin, das mir den geliebten Menschen genommen hat. Und bevor ich nicht loslassen kann, kann ich auch nicht richtig trauern.
                Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                Mein Minikosmos hat keinen Einfluss auf das Leben und die Welt und das ist auch gut so. Es gibt noch Dinge, auf die man sich verlassen kann, auch wenn es nur diese grundlegenden sein mögen.
                Das ist doch richtig gut geregelt. Wenn ich dann aus den eigenen Sorgen und Nöten so weit wieder heraus bin, dass ich einen Sonnenuntergang wirklich genießen kann, ist er zuverlässig jeden Tag da, um mir Freude zu machen

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                  Du hast schöne und nachdenkliche Worte gefunden, Jannes.

                  Auch ich gucke gern mal in den Nachthimmel bzw. auf den Mond. Dabei fühle ich mich weder verloren noch aufgehoben, sondern klein, ein winziges Sandkorn im riesengroßen Ganzen des Kosmos. Was sind schon meine Probleme in Relation zur Weite und Größe des Ganzen? Für einen Moment werden meine Sorgen klein. Doch ziemlich schnell kommt wieder die Realität in meinen Sinn, es nützt ja nichts, dass meine Sorgen klein sind, ich muss sie in meinem Leben bewältigen.

                  Ich mag das Wort 'Melancholie'. Ich definiere es als eine Nachdenklichkeit, die mich etwas traurig macht. Doch empfinde diese Trauer nicht als unangenehm, ich kann mich in sie hineinbegeben. Es ist ein Innehalten im unaufhörlichen Karussel des Lebens.

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                    Demut überkommt uns in Momenten einer grundlegenden Erkenntnis, ... nur wird uns diese Erkenntniss selten in vollem Umfang und meist nur in unzulänglichen Erklärung bewusst.
                    Wir nehmen sie vor allem in unseren Gefühlen war, ... dort wo sie Wurzeln schlagen und wachsen kann.
                    Wir nennen sie Traurigkeit, weil das Wort "Demut" uns in seinem tieferen Sinn nicht mehr geläufig ... und deswegen vielleicht manchmal sogar peinlich ist.
                    Demut ist der emotionale Ausdruck von einem sehr engem Kontakt mit unseren Sein.

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                      Ich danke euch für eure Gedanken! Es ist schön zu lesen, dass euch da ähnliche Dinge bewegen. Vielleicht sollte man öfter mal einen Blick in den Himmel werfen, eine andere Form der Erdung.
                      Für mich ist klar: Ich kann nur mit dem arbeiten und rechnen, was ich habe und mir zur Verfügung steht. Dieser Blick in den Himmel zeigt mir, wo meine Grenzen liegen oder überhaupt die Grenzen des Möglichen. Das kann sich unglaublich einschränkend anfühlen. Unter Umständen zeigt es mir aber auch die Dinge auf, über die ich mir nicht länger den Kopf zerbrechen brauche, einfach, weil ich an ihnen nichts ändern kann. Insofern bieten diese Grenzen auch Sicherheit.
                      Offenbar gibt es für diese Gefühle viele Worte und Namen.
                      Ja, vielleicht lässt es sich als eine melancholische Stimmung beschreiben, in der man Demut empfindet. Wobei Demut mir persönlich als ein Gefühl/ eine Haltung erscheint, die dennoch den Blick nach vorn richtet. Rein vom Gefühl her würde ich sagen, wäre dieses "reine Gefühl" (Demut?) im besten Fall das Ergebnis einer melancholischen Stimmung. In einem anderen Faden ist vom Leiden die Rede. Unter Traurigkeit, Nachdenklichkeit, wie ich sie kenne, leide ich. Unter diesem "reinen Gefühl" leide ich nicht, es scheint mir eine Quintessenz dessen zu sein, was ich zuvor durchlebt und durchfühlt habe. Aber das mag jeder anders empfinden.
                      Entscheidend ist für mich gerade die Balance zu wahren und nicht abzurutschen. Diese Erkenntnis zu erlangen, die all diese Gefühle auslösen, ist zwar großartig und daher auch so bewegend, sie zu integrieren ist aber eine ganz andere Sache. Was fängt man damit an? Kann man sich damit zufrieden geben, dass alles ist, wie es ist? Dass ich zwar im Rahmen meiner Möglichkeiten handlungsfähig bin, aber eben auch eingeschränkt? Es ist wohl wie mit vielen Dingen, auch hier sind Rückschritte möglich, auch hier kann ich stur die Augen davor verschließen und mit dem Fuß aufstampfen und schreien: "Ich will aber...!" Das Akzeptieren fällt mir schwer, auch wenn ich sehe, dass mir keine andere Möglichkeit bleibt, vorausgesetzt ich will, dass es mir besser geht! Ein interessanter Punkt: Mein Partner fragte mich letztens: Willst du eigentlich, dass es dir besser geht? Da lag keine Ironie, kein Ärger in seiner Stimme, er fragte ganz ernsthaft und interessiert. Prinzipiell würde ich sagen, ja, aber ich weiß es nicht und das ist ein Problem. Wie kann man nicht wollen, dass es einem besser geht, dass man glücklich ist und ein erfülltes Leben führt? Offenbar glaubt etwas in mir immer noch daran, dass ich das nicht verdiene, dass ich es nicht wert bin. Unabhängig davon fällt es mir auch heute noch schwer zu begreifen, dass es "plötzlich" anders sein soll, nachdem es doch jahrelang ganz anders war. Mit dem Schlechten zu rechnen bedeutet auch, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten und natürlich wird man Recht behalten mit all den großen und kleinen Befürchtungen, denn unabhängig von der selbst erfüllenden Prophezeiung verläuft das Leben nun mal nicht geradlinig. "Ich wusste es" und "das hab ich dir doch gleich gesagt" sind quasi vorprogrammiert und so bestätige ich immer wieder Glaubenssätze und Einstellungen.
                      Worin liegt die Angst, glücklich zu sein? Was befürchte ich denn? Ich (mein inneres Kind) will nicht vergessen werden, ich möchte nicht, dass etwas unter den Teppich gekehrt wird. Ich nehme wohl an, Glücklichsein und ein erfülltes Leben führen wäre der scheinbare Beweis für Außenstehende, dass alles halb so schlimm, lange nicht so tragisch wie gedacht war. Für meine Mutter wäre es die Bestätigung, dass sie alles richtig gemacht hat. Sie fällt ja heute noch aus allen Wolken, wenn sie mitbekommt, dass es mir nicht gut geht. Ist es also eine Art Rache, die ich verübe? Obgleich ich mein Leiden nicht nach außen trage und am wenigsten noch meine Mutter damit behellige. Aber das ist dabei irrelevant, vielleicht glaubt etwas in mir, die Menschen daran erinnern zu müssen, was sie getan haben. Und allen denen, die zu diesem Ergebnis nichts beigetragen und erst später in mein Leben getreten sind, soll es vielleicht signalisieren, sorgsam mit mir umzugehen und Rücksicht zu nehmen.
                      Da wage ich mich nun ziemlich weit vor und habe es aufgeschrieben, ohne großartig darüber nachzudenken, um es nicht wieder schnell zu löschen und wegzurationalisieren und meinerseits etwas unter den Teppich zu kehren. Wer hört so etwas schon gern von sich selbst, aber in Ehrlichkeit zu mir selbst übe ich mich ja nach wie vor, auch wenns schwer fällt und weh tut.

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                        Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                        Ich danke euch für eure Gedanken! Es ist schön zu lesen, dass euch da ähnliche Dinge bewegen. Vielleicht sollte man öfter mal einen Blick in den Himmel werfen, eine andere Form der Erdung.
                        Für mich ist klar: Ich kann nur mit dem arbeiten und rechnen, was ich habe und mir zur Verfügung steht. Dieser Blick in den Himmel zeigt mir, wo meine Grenzen liegen oder überhaupt die Grenzen des Möglichen. Das kann sich unglaublich einschränkend anfühlen. Unter Umständen zeigt es mir aber auch die Dinge auf, über die ich mir nicht länger den Kopf zerbrechen brauche, einfach, weil ich an ihnen nichts ändern kann. Insofern bieten diese Grenzen auch Sicherheit.
                        Offenbar gibt es für diese Gefühle viele Worte und Namen.
                        Ja, vielleicht lässt es sich als eine melancholische Stimmung beschreiben, in der man Demut empfindet. Wobei Demut mir persönlich als ein Gefühl/ eine Haltung erscheint, die dennoch den Blick nach vorn richtet. Rein vom Gefühl her würde ich sagen, wäre dieses "reine Gefühl" (Demut?) im besten Fall das Ergebnis einer melancholischen Stimmung. In einem anderen Faden ist vom Leiden die Rede. Unter Traurigkeit, Nachdenklichkeit, wie ich sie kenne, leide ich. Unter diesem "reinen Gefühl" leide ich nicht, es scheint mir eine Quintessenz dessen zu sein, was ich zuvor durchlebt und durchfühlt habe. Aber das mag jeder anders empfinden.
                        Entscheidend ist für mich gerade die Balance zu wahren und nicht abzurutschen. Diese Erkenntnis zu erlangen, die all diese Gefühle auslösen, ist zwar großartig und daher auch so bewegend, sie zu integrieren ist aber eine ganz andere Sache. Was fängt man damit an? Kann man sich damit zufrieden geben, dass alles ist, wie es ist? Dass ich zwar im Rahmen meiner Möglichkeiten handlungsfähig bin, aber eben auch eingeschränkt? Es ist wohl wie mit vielen Dingen, auch hier sind Rückschritte möglich, auch hier kann ich stur die Augen davor verschließen und mit dem Fuß aufstampfen und schreien: "Ich will aber...!" Das Akzeptieren fällt mir schwer, auch wenn ich sehe, dass mir keine andere Möglichkeit bleibt, vorausgesetzt ich will, dass es mir besser geht! Ein interessanter Punkt: Mein Partner fragte mich letztens: Willst du eigentlich, dass es dir besser geht? Da lag keine Ironie, kein Ärger in seiner Stimme, er fragte ganz ernsthaft und interessiert. Prinzipiell würde ich sagen, ja, aber ich weiß es nicht und das ist ein Problem. Wie kann man nicht wollen, dass es einem besser geht, dass man glücklich ist und ein erfülltes Leben führt? Offenbar glaubt etwas in mir immer noch daran, dass ich das nicht verdiene, dass ich es nicht wert bin. Unabhängig davon fällt es mir auch heute noch schwer zu begreifen, dass es "plötzlich" anders sein soll, nachdem es doch jahrelang ganz anders war. Mit dem Schlechten zu rechnen bedeutet auch, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten und natürlich wird man Recht behalten mit all den großen und kleinen Befürchtungen, denn unabhängig von der selbst erfüllenden Prophezeiung verläuft das Leben nun mal nicht geradlinig. "Ich wusste es" und "das hab ich dir doch gleich gesagt" sind quasi vorprogrammiert und so bestätige ich immer wieder Glaubenssätze und Einstellungen.
                        Worin liegt die Angst, glücklich zu sein? Was befürchte ich denn? Ich (mein inneres Kind) will nicht vergessen werden, ich möchte nicht, dass etwas unter den Teppich gekehrt wird. Ich nehme wohl an, Glücklichsein und ein erfülltes Leben führen wäre der scheinbare Beweis für Außenstehende, dass alles halb so schlimm, lange nicht so tragisch wie gedacht war. Für meine Mutter wäre es die Bestätigung, dass sie alles richtig gemacht hat. Sie fällt ja heute noch aus allen Wolken, wenn sie mitbekommt, dass es mir nicht gut geht. Ist es also eine Art Rache, die ich verübe? Obgleich ich mein Leiden nicht nach außen trage und am wenigsten noch meine Mutter damit behellige. Aber das ist dabei irrelevant, vielleicht glaubt etwas in mir, die Menschen daran erinnern zu müssen, was sie getan haben. Und allen denen, die zu diesem Ergebnis nichts beigetragen und erst später in mein Leben getreten sind, soll es vielleicht signalisieren, sorgsam mit mir umzugehen und Rücksicht zu nehmen.
                        Da wage ich mich nun ziemlich weit vor und habe es aufgeschrieben, ohne großartig darüber nachzudenken, um es nicht wieder schnell zu löschen und wegzurationalisieren und meinerseits etwas unter den Teppich zu kehren. Wer hört so etwas schon gern von sich selbst, aber in Ehrlichkeit zu mir selbst übe ich mich ja nach wie vor, auch wenns schwer fällt und weh tut.
                        Morgen, Jannes,

                        wenn ich bei Dir so mitlese, habe ich, spezielle bei den letzten Postings das Gefühl, Du bringst auf Papier, was ich nicht kann oder vielleicht auch nicht möchte?

                        Du klingst trotz allem sehr geordnet und klar.

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                          So geht es mir genauso. Dein Feeling stimmt mit meinem überein, nur kann ich es so nicht formulieren.

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                            Liebe Jannes,

                            in manchen Deiner Beiträge sehe ich mich selbst - vor einigen Jahren.

                            Vieles davon habe ich selbst so gesehen, selbst so gedacht. Ich möchte Dir gerne ein paar Gedanken zu Deinen Worten aus meiner heutigen Sicht da lassen. Vielleicht kannst Du etwas davon mit auf Deinen Weg nehmen.

                            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                            Dieser Blick in den Himmel zeigt mir, wo meine Grenzen liegen oder überhaupt die Grenzen des Möglichen.
                            Worin siehst Du denn die Grenzen des "Möglichen"? Wo ist die Grenze der Unendlichkeit?

                            Mir hat diese Weite irgendwann gezeigt, dass sehr, sehr viel möglich sein muss, wenn das, was ich da sehe, existierten kann. Und diese Weite stagniert nicht. Wenn ich den Wissenschaftlern glaube, entwickelt es sich immer noch, driftet, wächst... Warum nicht auch ich? Ist diese Fähigkeit zur Entwicklung nicht in allem angelegt, was existiert?

                            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                            Insofern bieten diese Grenzen auch Sicherheit.
                            Es gibt die Theorie von der "Komfortzone", die besagt: jede Veränderung (auch die "zum Besseren") ist erst einmal unbequem, verunsichernd, beängstigend. Man verlässt die Sicherheit der bisherigen Erfahrungswelt für etwas, das noch nicht "greifbar" und vertraut ist. Davor scheuen Menschen zurück. Bedenken kommen auf. "Lohnt sich der Weg überhaupt?" "Was, wenn es gar nicht so toll ist, wie ich mir einrede?" "Was, wenn ich es gar nicht ans Ziel schaffe?" "Was, wenn ich mir nur einbilde, dass es das Ziel gibt, und ich jetzt (mit viel Anstrengung und Überwindung) etwas völlig sinnloses tue?" Je schmerzhafter Du die aktuelle Situation empfindest, um so leichter fällt es Dir, die Sicherheit zu verlassen - das nennt man dann Leidensdruck. Und insofern hat auch das Leid seine "Berechtigung" bis es die Veränderung ausgelöst hat.

                            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                            Kann man sich damit zufrieden geben, dass alles ist, wie es ist? Dass ich zwar im Rahmen meiner Möglichkeiten handlungsfähig bin, aber eben auch eingeschränkt? Es ist wohl wie mit vielen Dingen, auch hier sind Rückschritte möglich, [...]
                            Rückschritte... Gibt es die wirklich...?

                            Ist das Leben wirklich ein Kreis, an dem man wieder an den selben Punkt kommen kann? Ist es vielleicht eine "Spirale", bei der man wieder "in die gleiche Region" kommen kann - aber trotzdem eine "Runde höher"? Auf jeden Fall weiter als man jemals war?


                            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                            auch hier kann ich stur die Augen davor verschließen und mit dem Fuß aufstampfen und schreien: "Ich will aber...!" Das Akzeptieren fällt mir schwer, auch wenn ich sehe, dass mir keine andere Möglichkeit bleibt, vorausgesetzt ich will, dass es mir besser geht!
                            Wichtig bei "Ich will aber!" (witzigerweise genau mein Satz!) war für mich immer die Frage "wozu?". Wenn ich einen "Ich will aber"-Moment hatte, habe ich mich gefragt "Wozu will ich es?" - das hat mir oft geholfen, mein "eigentliches Ziel" klarer zu sehen und manchmal konnte ich so erkennen, dass mein momentanes Ziel ein Zwischenschritt war, der nicht zwingend erforderlich war. Manchmal konnte ich meine Schritte auch anders - um dieses vermeintlich Gewollte (und nicht Machbare) herum - setzen, um das "wozu?"-Ziel trotzdem zu erreichen. Vielleicht siehst Du die anderen Möglichkeiten nur in diesem Moment nicht (aber ich seh auch nicht immer die Sterne und bin trotzdem sicher, dass sie noch da sind ).

                            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                            Wie kann man nicht wollen, dass es einem besser geht, dass man glücklich ist und ein erfülltes Leben führt? Offenbar glaubt etwas in mir immer noch daran, dass ich das nicht verdiene, dass ich es nicht wert bin.
                            Ein gut erkannter Knackpunkt. Für mich war es ein harter Weg zur Erkenntnis, dass mir ein glückliches Leben "zusteht", egal, ob ich etwas dafür "leiste", es "wert bin", bedingungslos. Und es hat noch länger gedauert, bis ich das gelassen denken konnte, ohne einen zornigen oder trotzigen Unterton. Es ist einfach so: jeder Mensch ist einzigartig und bereichert durch seine Existenz die Welt. DAS ist sein Wert. Einfach dadurch, dass er da ist, ist er "ein glückliches Leben wert".

                            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                            Unabhängig davon fällt es mir auch heute noch schwer zu begreifen, dass es "plötzlich" anders sein soll, nachdem es doch jahrelang ganz anders war. Mit dem Schlechten zu rechnen bedeutet auch, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten und natürlich wird man Recht behalten mit all den großen und kleinen Befürchtungen, denn unabhängig von der selbst erfüllenden Prophezeiung verläuft das Leben nun mal nicht geradlinig. "Ich wusste es" und "das hab ich dir doch gleich gesagt" sind quasi vorprogrammiert und so bestätige ich immer wieder Glaubenssätze und Einstellungen.
                            Oh ja, das war ich! Immer mit dem Schlimmsten rechen - und wenn man sich irrt, kann man sich immer noch drüber freuen. Aber erst dann! Keinen Moment früher, denn wenn man sich zu früh freut, wird man es sicher bereuen! Als ob man das Schicksal damit herausfordern würde. Böser, böser Aberglaube!

                            Inzwischen sehe ich vieles gelassener. Selbst wenn etwas "schief geht", kann ich mir sagen: es wird seinen Sinn haben, dass etwas nicht in diesem Moment oder nur auf Umwegen erreichbar ist. Oder auch, dass man so die Chance bekommt zu überdenken, ob man es überhaupt erreichen will.

                            Natürlich mache ich (schon von Berufs wegen ) auch bei emotionalen Themen im Vorfeld manchmal meine Risikoanalyse - aber ich bewerte die Wahrscheinlichkeit, dass ein Risiko zum Tragen kommt, nicht mehr so astronomisch hoch und betreibe nicht schon im Vorfeld riesige Aufwände, ein Risiko zu vermeiden, wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit nur gering ist.

                            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                            Worin liegt die Angst, glücklich zu sein? Was befürchte ich denn? Ich (mein inneres Kind) will nicht vergessen werden, ich möchte nicht, dass etwas unter den Teppich gekehrt wird. Ich nehme wohl an, Glücklichsein und ein erfülltes Leben führen wäre der scheinbare Beweis für Außenstehende, dass alles halb so schlimm, lange nicht so tragisch wie gedacht war. Für meine Mutter wäre es die Bestätigung, dass sie alles richtig gemacht hat. Sie fällt ja heute noch aus allen Wolken, wenn sie mitbekommt, dass es mir nicht gut geht. Ist es also eine Art Rache, die ich verübe? Obgleich ich mein Leiden nicht nach außen trage und am wenigsten noch meine Mutter damit behellige. Aber das ist dabei irrelevant, vielleicht glaubt etwas in mir, die Menschen daran erinnern zu müssen, was sie getan haben. Und allen denen, die zu diesem Ergebnis nichts beigetragen und erst später in mein Leben getreten sind, soll es vielleicht signalisieren, sorgsam mit mir umzugehen und Rücksicht zu nehmen.
                            Hm... Außenstehenden kannst Du immer noch sagen "hey, es war furchtbar, aber ich war stark genug, es zu überwinden", wenn Dir das wichtig ist. Auch wenn sie Dich leiden sehen, ist das keine Garantie, dass sie nicht einfach denken "sooo schlimm war's doch gar nicht - guck, sie jammert und übertreibt nur!". Und den Neuen kannst Du irgendwann etwas über Dein Leben erzählen. Den meisten Menschen sieht man ihren Weg bis zu dem Zeitpunkt, an dem man sie kennenlernt, nicht an. Und wer will schon so schlicht gestrickt sein, dass jeder auf den ersten Blick alles über einen sagen kann? Was die Rücksicht angeht: du kannst lernen, in einer Situation zu sagen "das bekommt mir nicht, lass es bitte" - oder Du entdeckst eine "Stärke" in Dir, die die Rücksicht anderer in manchen Punkten völlig überflüssig macht.

                            Deine Mutter ist... wie sie ist. Ich habe die Erfahrung mit meinem Vater durch. Er hat Mist gebaut, er kann's gar nicht glauben - und wenn doch will er nicht wahr haben, dass er etwas "so furchtbares" getan haben soll. Deshalb kann er auch sicher niemals sagen "ich hab's getan und es tut mir leid" - und trotzdem spüre ich manchmal, dass er so fühlt. Er hat's nicht absichtlich gemacht. Er wünschte, er könnte es rückgängig machen, aber das kann er nicht. Er kann nur sagen "ach, Schwamm drüber, wir tun als wär nix gewesen und fangen neu an" - und das ist oft schwer für mich. Trotzdem hat sich unser Verhältnis in den letzten Jahren deutlich gebessert. In einem Punkt hat er mit seiner Einstellung schon recht: was wir verpasst haben, können wir nicht nachholen, wir können nur für die Zukunft versuchen, das Beste aus unserer Ausgangsposition zu machen. Ich weiß, dass er auch Eltern hatte, die ihn geprägt haben und dass er sich eben auch nur im Rahmen seiner Möglichkeiten "verhalten" konnte. Wichtig ist für mich inzwischen nur, dass der "Knoten" an uns beiden "geplatzt" ist - und dass ich die Chance hatte, mir über Verhaltensmuster bewusst zu werden und mir über einiges klar zu werden BEVOR ich irgendein "familiäres Muster" an mein eigenes Kind "weitergebe".

                            Du brauchst nicht weiter unglücklich zu sein, um die Menschen daran zu erinnern, was sie getan haben. Es reicht doch völlig, wenn Du ihnen signalisierst: ich bin glücklich - und das habe ich ganz alleine geschafft, DU hast nix dazu beigetragen.

                            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                            Wer hört so etwas schon gern von sich selbst, aber in Ehrlichkeit zu mir selbst übe ich mich ja nach wie vor, auch wenns schwer fällt und weh tut.
                            Was meinst Du damit? Was ist "so etwas"? Ich habe jetzt nichts gelesen, was ich "schlimm" nennen könnte. Was tut Dir denn weh, an dem was Du über Dich (aus)sagst?

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                              @Heartbeat: Tatsächlich stecke ich zwar mittendrin, aber mittlerweile habe ich (denke ich) nahezu alles im Blick. Ich verstehe mich gut und weiß, warum die Dinge so sind und warum ich mich so fühle. Jetzt kommt es wieder mal darauf an, mich davon nicht erdrücken zu lassen. Grundsätzlich weiß ich schon, in welche Richtung(en) ich gehen kann, aber welche mir am besten gefällt, bei welcher ich mich am wohlsten fühle und ob ich überhaupt gehen will, das weiß ich nicht.

                              Liebe FirstSunshine,
                              Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
                              Worin siehst Du denn die Grenzen des "Möglichen"? Wo ist die Grenze der Unendlichkeit?
                              Zwar gibt es eine scheinbare Unendlichkeit an Möglichkeiten, aber es ist unmöglich Dinge rückgängig zu machen, wie du weiter unten geschrieben hast. Was ich mir wünsche, muss ich mir selbst geben. Ich muss für mich und mein Wohl selbst die Verantwortung übernehmen. Ich habe alle Möglichkeiten dazu und bin auch im Stande dazu, ich kann mich allerdings nur schwer damit zufrieden geben für mich in diesem Punkt einzustehen. Dabei wird mir klar, dass es mehr ist, als darauf zu beharren, Dinge nachzuholen oder Dinge nachzubekommen, die ich so nie hatte. Wenn ich nun einmal an diesem Punkt stehe und mir klar ist, dass das eben die Grenzen des Möglichen überschreitet, sollte ich doch spätestens dann sagen: "Na und?! Wenn ich es von niemand anderem bekomme, dann sorge ich eben selbst dafür!" Entscheidend wäre doch das Resultat, das Ergebnis, nämlich dass ich bekomme, was ich brauche und möchte. Wenn ich jemanden bitte, mir ein Brötchen vom Bäcker mitzubringen und er hat darauf keine Lust/ er hat keine Zeit oder es ist ihm schlichtweg egal, dann gehe ich eben selbst los, weil ich es kann, und genieße diese Eigenständigkeit und zudem esse ich mein Brötchen mit vollem Genuss. Offensichtlich geht es mir aber nicht in erster Linie darum.
                              Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
                              Bedenken kommen auf. "Lohnt sich der Weg überhaupt?" "Was, wenn es gar nicht so toll ist, wie ich mir einrede?" "Was, wenn ich es gar nicht ans Ziel schaffe?" "Was, wenn ich mir nur einbilde, dass es das Ziel gibt, und ich jetzt (mit viel Anstrengung und Überwindung) etwas völlig sinnloses tue?"
                              Ich fürchte immer, etwas nachzujagen in der Hoffnung, glücklich zu sein, wenn ich dieses Ziel erreicht habe. Als gäbe es eine Garantie, als wären das Schlüssel zum Glück. Aber so ist es nicht. Momentan glaube ich, es könnte alles in Butter sein, so, wie ich es immer wollte. Auch dann wäre ich unglücklich, weil sich ein Status Quo einstellt und die Erkenntnis: Nun hast du, was du immer wolltest und so oder so ähnlich sehen dann die kommenden 50 Jahre aus. Natürlich bin ich selbst für mein Glück verantwortlich und dafür, die Dinge am laufen zu halten, es mir schön zu machen und man dümpelt ja den Rest seines Lebens nicht dahin. Ich weiß nicht, wonach ich suche, ich habe gerade keine Idee. Denke ich weiter, komme ich unweigerlich an den Punkt, an dem ich mich frage, warum ich eigentlich hier bin und was ich hier soll. Ich könnte unheimlich glücklich sein, wenn ich nur wollte, doch wahrscheinlich kannte mich schon jemand vorher und wollte mich mit meinem Dasein quälen.
                              Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
                              Rückschritte... Gibt es die wirklich...?
                              Ist das Leben wirklich ein Kreis, an dem man wieder an den selben Punkt kommen kann? Ist es vielleicht eine "Spirale", bei der man wieder "in die gleiche Region" kommen kann - aber trotzdem eine "Runde höher"? Auf jeden Fall weiter als man jemals war?
                              Es ist vielleicht kein Kreis, ich für mich gerate aber immer wieder an dieselben Grenzen, die natürlich in mir selbst liegen. Sicher sehe ich die Dinge nicht mehr wie vor zehn, fünf oder drei Jahren. Gelassen kann ich dem aber nicht gegenüber treten, immerhin liegt es an mir, dass ich damit immer noch nicht angemessen umgehen kann.
                              Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
                              Hm... Außenstehenden kannst Du immer noch sagen "hey, es war furchtbar, aber ich war stark genug, es zu überwinden", wenn Dir das wichtig ist. Auch wenn sie Dich leiden sehen, ist das keine Garantie, dass sie nicht einfach denken "sooo schlimm war's doch gar nicht - guck, sie jammert und übertreibt nur!". Und den Neuen kannst Du irgendwann etwas über Dein Leben erzählen. Den meisten Menschen sieht man ihren Weg bis zu dem Zeitpunkt, an dem man sie kennenlernt, nicht an. Und wer will schon so schlicht gestrickt sein, dass jeder auf den ersten Blick alles über einen sagen kann? Was die Rücksicht angeht: du kannst lernen, in einer Situation zu sagen "das bekommt mir nicht, lass es bitte" - oder Du entdeckst eine "Stärke" in Dir, die die Rücksicht anderer in manchen Punkten völlig überflüssig macht.
                              Ich möchte auch nicht, dass man mir von Anfang an ein Leid ansieht Das ist auch nicht der Fall. Ich brauche diese ganzen Themen im Alltag auch nicht, um zu leben, da machen mich ganz andere Dinge aus. Aber im Privatleben hinterlassen sie große Spuren.
                              Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
                              Ich habe die Erfahrung mit meinem Vater durch. Er hat Mist gebaut, er kann's gar nicht glauben - und wenn doch will er nicht wahr haben, dass er etwas "so furchtbares" getan haben soll. Deshalb kann er auch sicher niemals sagen "ich hab's getan und es tut mir leid" - und trotzdem spüre ich manchmal, dass er so fühlt. Er hat's nicht absichtlich gemacht. Er wünschte, er könnte es rückgängig machen, aber das kann er nicht. Er kann nur sagen "ach, Schwamm drüber, wir tun als wär nix gewesen und fangen neu an" - und das ist oft schwer für mich. Trotzdem hat sich unser Verhältnis in den letzten Jahren deutlich gebessert. In einem Punkt hat er mit seiner Einstellung schon recht: was wir verpasst haben, können wir nicht nachholen, wir können nur für die Zukunft versuchen, das Beste aus unserer Ausgangsposition zu machen. Ich weiß, dass er auch Eltern hatte, die ihn geprägt haben und dass er sich eben auch nur im Rahmen seiner Möglichkeiten "verhalten" konnte. Wichtig ist für mich inzwischen nur, dass der "Knoten" an uns beiden "geplatzt" ist - und dass ich die Chance hatte, mir über Verhaltensmuster bewusst zu werden und mir über einiges klar zu werden BEVOR ich irgendein "familiäres Muster" an mein eigenes Kind "weitergebe".
                              Gut, dass du mit deinem Vater einen Weg gefunden hast, damit umzugehen! Mir sticht vor allem ins Auge, dass du das Gefühl hast, dass bei euch beiden der Knoten geplatzt ist. Das macht es sicher um einiges leichter
                              Meinen Weg werde ich ohne meine Eltern gehen müssen. Das heißt nicht, dass wir keinen Kontakt haben, aber bezüglich der Dinge, die mich im Innersten bewegen und die nachhallen, brauche ich meine Eltern nicht mit einzurechnen. Hier lerne ich noch, mich damit zufrieden zu geben.
                              Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
                              Was meinst Du damit? Was ist "so etwas"? Ich habe jetzt nichts gelesen, was ich "schlimm" nennen könnte. Was tut Dir denn weh, an dem was Du über Dich (aus)sagst?
                              Es ist mir unangenehm, sagen zu müssen: "Wenn ich nur wollte, dann könnte ich..." weil es bedeutet, dass ich nicht will. Auf der anderen Seite leide und jammere ich. Ich kenne mich mittlerweile ziemlich gut, ich verstehe und durchschaue mich. Ich bin der Meinung, dass jeder für sich persönlich die Lösung in sich trägt. Ich kenne alle Wege, die vor mir liegen und habe auch das nötige Werkzeug. Es ist also eine Entscheidung gegen die Lösung und für das Leiden.

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                                Liebe Jannes,

                                ich antworte jetzt mal ganz intuitiv auf das, was mich in Deinem Beitrag förmlich "anschreit". Vielleicht liege ich komplett daneben, dann nimm's mir bitte nicht krumm. Dann seh ich einfach zu viel von mir in Dir.

                                Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                                Grundsätzlich weiß ich schon, in welche Richtung(en) ich gehen kann, aber welche mir am besten gefällt, bei welcher ich mich am wohlsten fühle und ob ich überhaupt gehen will, das weiß ich nicht.
                                Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                                Ich kenne alle Wege, die vor mir liegen und habe auch das nötige Werkzeug. Es ist also eine Entscheidung gegen die Lösung und für das Leiden.
                                stell doch bitte einfach mal Deine beiden oben zitierten Aussagen nebeneinander. Siehst Du, was ich sehe?

                                Ich glaube nicht, dass Du Dich gegen "die" Lösung entscheidest. Ich glaube, Du bist Dir einfach noch nicht sicher, für "welche" Lösung Du Dich entscheiden sollst. Welcher Weg Dich dahin führt, wo Du Dich wohl und sicher und glücklich fühlst.

                                Eine Freundin sagte mal zu mir "Mädel, Du denkst zuviel! Da ist Dein Bauch, jetzt hör doch mal was der sagt. SPÜR Dich doch einfach mal." Tust Du das? Spürst Du Dich? Oder versuchst Du mit dem Kopf zu analysieren und zu begründen - ohne dass Dein Gefühl dem folgen kann?

                                Dein Kopf mag sagen "also rein technisch hab ich jetzt das ganze Werkzeug, ich weiß wohin und ich weiß wie" - also WILL ich nicht loslaufen.

                                Dein Herz sagt vielleicht "Halt warte mal. Ich bin mit meiner Entscheidung noch nicht so ganz im Reinen." - also KANN ich nicht loslaufen.

                                Und das Herz kannst Du ja schlecht da lassen, während der Rest weitergeht. Also KANN die ganze Frau nicht loslegen.

                                Guck mal was Du hier schreibst:

                                Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                                Ich fürchte immer, etwas nachzujagen in der Hoffnung, glücklich zu sein, wenn ich dieses Ziel erreicht habe. Als gäbe es eine Garantie, als wären das Schlüssel zum Glück. Aber so ist es nicht. Momentan glaube ich, es könnte alles in Butter sein, so, wie ich es immer wollte. Auch dann wäre ich unglücklich, weil sich ein Status Quo einstellt und die Erkenntnis: Nun hast du, was du immer wolltest und so oder so ähnlich sehen dann die kommenden 50 Jahre aus. Natürlich bin ich selbst für mein Glück verantwortlich und dafür, die Dinge am laufen zu halten, es mir schön zu machen und man dümpelt ja den Rest seines Lebens nicht dahin. Ich weiß nicht, wonach ich suche, ich habe gerade keine Idee. Denke ich weiter, komme ich unweigerlich an den Punkt, an dem ich mich frage, warum ich eigentlich hier bin und was ich hier soll. Ich könnte unheimlich glücklich sein, wenn ich nur wollte, doch wahrscheinlich kannte mich schon jemand vorher und wollte mich mit meinem Dasein quälen.
                                Du scheinst mir ganz unglaublich auf eine Kernaussage fixiert, die ich mal frei mit "selbst dran schuld" übersetze.

                                Ich habe den Eindruck, Du hast so ein riesiges Zielbanner mit der Aufschrift "Glück" vor Dir, dass Du Dir gar nicht vorstellen kannst, dass danach noch was kommen kann. Aber "Glück" steht nicht auf dem Zielbanner. Es steht auf den Wimpeln neben der Strecke, auf Deinem Shirt, überall.

                                Das Glück ist kein "Ziel". Es begleitet Dich auf Deinem Weg. Sobald Du es einmal "erreicht", also an Deiner Seite hast, gibt es kein "ans große Ziel müssen" mehr. Es wird Dich einfach auf jedem Weg zu jedem Ziel begleiten.

                                Es gibt eine schöne Geschichte von einer jungen Katze, die ihren Schwanz jagt (ich liiiebe Katzen!). Eine alte Katze kommt dazu und fragt "was tust Du denn da?" Die junge Katze erklärt: "Ich habe gehört, das Glück sitzt bei Katzen im Schwanz und jetzt versuche ich mein Glück zu erwischen! Und Du? Willst Du denn nicht glücklich sein?" "Ach..." antwortet die alte Katze lächelnd "seit ich einfach meinen Weg gehe, ohne über das Glück nachzudenken, fühle ich wie es mir überall hin folgt."

                                Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                                Es ist vielleicht kein Kreis, ich für mich gerate aber immer wieder an dieselben Grenzen, die natürlich in mir selbst liegen. Sicher sehe ich die Dinge nicht mehr wie vor zehn, fünf oder drei Jahren. Gelassen kann ich dem aber nicht gegenüber treten, immerhin liegt es an mir, dass ich damit immer noch nicht angemessen umgehen kann.
                                Da! Schon wieder dieses "selbst dran schuld". Fällt nur mir das auf? Für mich klingt das unglaublich hart und kalt und lieblos! Wie redest Du denn mit Dir?

                                Dein Denken mag das einer erwachsenen Frau sein, das "angemessen" mit irgendetwas umgehen kann. Aber in Dir ist auch noch Dein Herz. Manchmal eben immer noch das Herz eines kleinen Mädchens. Bitte gib doch diesem Herzen den Raum, traurig zu sein und auch mal zu zögern und "nicht weiter zu können" anstatt ihm das vorzuwerfen.

                                Der erwachsene Anteil in Dir kann zum Bäcker gehen und Dir Brötchen holen - aber das Kind in Dir wird nicht mitgehen, weil es überhaupt gar keine Brötchen haben will, sondern einfach nur jemanden, der es so sehr liebt, dass er für es zum Bäcker geht.

                                Liebst DU DICH so sehr? Die Liebe einer Mutter kannst Du Dir selbst nicht geben - aber gibst Du Dir die Liebe, die Du Dir selbst geben könntest? Kannst Du das? Willst Du das auch?

                                Ich meine: ja, Du bist erwachsen und Du hast es in der Hand, Deinen Weg zu gehen - aber verlang nicht zu viel von Dir, denn ein bisschen "verletztes Kind" steckt immer noch in Dir und muss diesen Weg mit Dir gehen.

                                Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Du ganz schon streng und "anspruchsvoll" mit Dir umspringst.

                                Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                                Gut, dass du mit deinem Vater einen Weg gefunden hast, damit umzugehen! Mir sticht vor allem ins Auge, dass du das Gefühl hast, dass bei euch beiden der Knoten geplatzt ist. Das macht es sicher um einiges leichter
                                Meinen Weg werde ich ohne meine Eltern gehen müssen. Das heißt nicht, dass wir keinen Kontakt haben, aber bezüglich der Dinge, die mich im Innersten bewegen und die nachhallen, brauche ich meine Eltern nicht mit einzurechnen. Hier lerne ich noch, mich damit zufrieden zu geben.
                                Oje, da könnte ich jetzt viel schreiben. Ich hatte lange keinen Kontakt zu meinem Vater. Über Gefühle reden... Unterstützung...? Vergiss es! Das kann er einfach nicht.

                                Ich habe meine "Aufarbeitung" alleine geleistet bis ich soweit war, ihn überhaupt wieder in meiner Nähe zu ertragen. Und bis wir dann "auf einer Stufe standen" ... naja, die Betonung liegt auf "geplatzt" ... da gab es eine Menge Verzweiflung, Fassungslosigkeit, hasserfülltes Anbrüllen, Heulen, Wegrennen, ... lange Pausen... nächster Versuch... Das hat Jahre gedauert.

                                Und sogar wir haben es irgendwie geschafft uns zusammenzuraufen. Die Lücke meiner Kindheit bleibt. Ich hatte eben keinen Vater, wie ich ihn mir gewünscht hätte. Wie es "normal gewesen" wäre. Als "Papa" kann ich ihn sicher nie sehen. Aber immerhin als Mensch, der sein Möglichstes getan hat, der auch Dinge "für mich" getan hat, der diese Dinge aus Liebe getan hat. Wenn auch andere Dinge als die, die ich mir sooo sehnlichst gewünscht habe.

                                Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                                Es ist mir unangenehm, sagen zu müssen: "Wenn ich nur wollte, dann könnte ich..." weil es bedeutet, dass ich nicht will.
                                Siehe oben. Herrgott, dann sag's halt nicht. Es stimmt doch gar nicht!

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