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    Danke liebe Chaja, für das schöne Lied! Das kannte ich noch gar nicht, das werde ich gleich mal an die Eltern weiter leiten
    Mein Bruder war dann gestern später am Tag auch schon sehr viel beruhigter, er durfte ja die Kinder schon sehen Darüber war er sehr glücklich. Ich hoffe, dass meine Schwägerin gestern dann auch schon zu ihnen konnte, sie wollte unbedingt und wollte sie auch anlegen.
    Das war für alle ja auch ein sehr unvorhergesehener Start, sie hatte keine Wehen, für die Kinder muss das auch ein Schock sein ohne jegliches Startsignal plötzlich rausgerissen zu werden aus ihrer Welt.

    Liebe Bonny, wie recht du hast mit den Schutzengeln. Diese zwei sind wirklich ein Geschenk, ich hatte gar nicht geschrieben, dass sie ihr die Gebärmutter entfernen mussten. Wie gut dass es also zwei kleine Mäuse sind!

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      Liebe Jannes,

      wie schön, dass Dein Bruder schon für die Kinder dasein konnte. Diese ersten Kontakte sind ja sooo wichtig! Und Deine Schwägerin hat es ja so arg erwischt! Ich hoffe, sie nimmt sich trotzallem genug Zeit, um selber wieder gut auf die Beine zu kommen! Ein solcher Eingriff ist wahrlich kein Pappenstiel! Andere fahren nach so einer OP in eine Reha, aber sie wird natürlich sehr schnell zu Hause im Vollzeit-Einsatz sein! Da kann ich nur bestmögliche Genesung wünschen!

      Toll, dass die Kleinen schon so kräftig sind, dass sie keine weitere Unterstützung brauchen!

      Reinhard Mey hat eine ganze CD mit Lieder über seine Kinder aufgenommen. Sie heißt nach einem der Lieder "Mein Apfelbäumchen". Viele Lieder davon finde ich sehr anrührend (z.B. "Menschenjunges") oder auch lustig ("Aller guten Dinge sind drei"). Wir hatten die CD zur Geburt unseres ersten Kindes bekommen und ich habe sie damals hoch und runter gehört.

      Ganz liebe Grüße,
      Deine Chaja

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        Wer verteilt das Glück auf dieser Welt?

        Ich weiß, das magische Denken gehört nicht mehr ins Erwachsenenalter. Aber derzeit habe ich wieder mal den Eindruck, ich bin mit meinem Schiff in einen Sturm geraten, der mich ständig von einer Ecke in die nächste schleudert.

        Erst einmal: Den Zwillingen geht es gut. Der Kleine durfte die ITS schon verlassen, die Kleine folgt am Wochenende. Alle drei werden gemeinsam nächste Woche in das örtliche Krankenhaus auf die Wöchnerinnenstation verlegt. Soweit so gut.

        Heute kam die Nachricht, dass meine Oma (die ich erst seit wenigen Jahren kenne) im Krankenhaus liegt. Vermutlich ein leichter Herzinfarkt. Im Krankenhaus angekommen zeigte sich, dass ihre Leber- und Nierenwerte ziemlich schlecht sind und sie eine Streptokokkeninfektion hat. Der Arzt bereitete meine Eltern quasi schon darauf vor, dass sich diese in diesem Zustand weiterentwickeln könnte. Zusätzlich hat sie nun Dekubitus am Po. Aber das Schlimmste (auch wenn das sogar zu erwarten war) ist, dass sie wieder einen Tumor in ihrem Bein hat.

        Ich befürchte, dass sich ihr Zustand nicht mehr sehr viel verbessern wird. Sie läuft schon seit ich sie kenne sehr wenig, weil sie durch die damalige OP schlecht laufen kann und immer Schmerzen dabei hat. Also sitzt sie den ganzen Tag im Sessel. Sie meinte wohl, dass sie nur mal Ein Zwicken am Po gespürt habe, dann aber nicht mehr. Naja, das deutet ja dann meiner Meinung nach schon auf ein fortgeschrittenes Stadium hin. Ich glaube mich zu erinnern, dass die Betroffenen dann an diesen Stellen nichts mehr spüren, weil die Nerven dann wohl schon so sehr geschädigt sind.
        Sie liegt nun auf der ITS der Onkologie.
        Der Arzt meinte, man hätte das merken müssen. Nun besteht der Kontakt zu meiner Oma aber erst wieder seit ca. 5 Jahren und meine Eltern sehen sie nur in unregelmäßigen Abständen. Ihr Lebensgefährte kümmert sich um sie. Beide haben sich bislang nicht gerne reinreden oder helfen lassen. Selbst einen Rollator hat sie abgelehnt, der ihr aber das Laufen in der Wohnung erleichtert hätte. Auch orthopädische Schuhe wollte sie nicht haben. Meine Oma kann selbst den Haushalt nicht mehr übernehmen und ihr Lebensgefährte kümmert sich zwar, ist aber auch, meiner Meinung nach, damit überfordert.
        Ich hoffe dass das nun eine Situation ist, aus der heraus sie Hilfe zulassen. Ich kann mir das jedenfalls nicht mit angucken. Die Streptokokken hat sie schon mitgebracht.
        Meine Mutter erlebe ich irgendwie hilflos. Sie waren zwar heute bei ihr im Krankenhaus, haben auch mit dem Arzt gesprochen, aber sie ergreift irgendwie nicht die Initiative. Dabei wohnen sie vor Ort. Sicher, gerade jetzt kann man nicht viel machen. Sie wird wohl noch etwas im Krankenhaus verbleiben. Aber wie geht es jetzt weiter? Sie kam gar nicht auf die Idee, eine Pflegestufe zu beantragen. Vielleicht sehe ich das auch falsch oder empfinde das nur so, aber ich habe das Gefühl sie gingen hin, um sie zu besuchen und mit dem Rest sind sie überfordert, deswegen warten sie erstmal ab, was noch so passiert.
        Dass mein Vater möglicherweise hilflos ist (es ist seine Mutter) das kann ich vielleicht verstehen. Aber von meiner Mutter habe ich mehr erwartet.

        Das Pflegen eines Angehörigen ist etwas, das ich so in unserer Familie noch nicht erlebt habe. Meine Großmutter mütterlicherseits starb als meine Mutter noch jung war (vielleicht auch daher die Hilflosigkeit) und mein Opa väterlicherseits starb auch plötzlich. Möglicherweise ist es die neue Situation, die sich da anbahnt, die sie erstarren lässt.
        Ich habe ihr heute angeboten mich zu erkundigen, wie das läuft mit der Pflegestufe, weil meine Schwiegermutter das Ganze erst vor einiger Zeit durch hat. Aber ich hoffe, dass sie es dann selbst auf die Reihe kriegen. Ich habe schon wieder das Gefühl, dass ich hier die Einzige bin, die sich hier irgendwie dreht. Aber wie im "Veränderungen Faden" schon geschrieben: Grundsätzlich sind wir ja alle gleich viel verantwortlich für unsere Familie. Es ist ja nicht so, dass ich das nicht gerne mache. Aber ein wenig mehr Verteilung auf alle Schultern, das wäre schön.
        Wie sagte mein Mann erst letzte Woche zu mir: Ich muss auch mal mein eigenes Leben leben können und das der Anderen nicht für sie mitleben.

        Das ist aber auch leichter gesagt als getan...

        Die Frage ist nun auch, wer und vor allem wie meine Oma und meine schwägerin und die Kinder besucht werden können. Man kann ja schlecht nach einem Besuch einer Patientin mit Streptokokken mal eben rüber auf die Säuglingsstation gehen.
        Der Arzt wollte dazu keine verbindlichen Aussagen treffen ("Das müssen Sie wissen"...)....

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          Hallo Jannes, ich lese erst jetzt, dass die Kinder endlich da sind! Wie schön! In meinem Lieblingsmonat Juni. Jetzt können deine Decken ja bald zum Einsatz kommen.

          Weniger schön ist die komplizierte Geburt und die Krankheit deiner Oma. Ich hoffe, dass beide bald wieder fit auf den Beinen sind. Wirklich!

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            Liebe Jannes,

            ach Mensch, bei Dir jagt ja ein Extremereignis das nächste!

            Es tut mir so leid, dass soviel davon immer an Dir hängen bleibt! Irgendwie springst Du dabei ja immer für Deine Mutter ein, nicht wahr?

            Ich lasse Dir einfach mal eine Umarmung da und wünsche Dir ganz viel Kraft für alles!

            Alles Liebe,
            Deine Chaja

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              Danke euch beiden!

              Ich habe vorhin nochmal mit meiner Mutter gesprochen. Ich hatte mich inzwischen nach dem Sozialen Dienst an dem Krankenhaus erkundigt und auch, wie das Ganze nun im Großen und Ganzen vor sich geht. Ich habe ihr (mal wieder) gesagt, was nun zu tun ist. Natürlich habe ich ihr auch gesagt, dass sie das nun bald tun muss, wenn die Oma erstmal wieder aus dem Krankenhaus ist und zu Hause sitzt, dann sollte das Ganze schon am Laufen sein. Dabei habe ich auch nicht mehr gefragt (Kannst du das machen?) oder es allgemein formuliert (eigentlich müsste man.... jemand müsste mal....) sondern habe ihr gesagt, was genau sie wie machen muss! Sie war dann erstmal ganz still, seufzte und irgendwann fing sie dann mit weinen an. Ihr ist das alles zuviel auf einmal, was ich ja verstehen kann. Ich habe sie bestärkt darin, dass sie das schon schaffen wird. Sie fühlt sich hilflos, weil sie auch immer noch nach ihrer Fuß-OP nicht mobil ist und die eine Schraube wohl raus drückt, also sie wohl wieder unters Messer muss.
              Ich habe versucht ihr zu vermitteln, dass wir es schon schwerer hatten. Eigentlich sieht es derzeit ganz gut aus, mein Vater hat wieder Arbeit, meine Schwägerin ihre Kinder. Es könnte schlimmer sein ("Auf Holz klopft"). Am Ende war sie froh, es ging ihr besser. Es musste wohl mal raus. Sie hat durchaus den Wunsch, das mit meiner Oma zu klären, solange sie noch dazu fähig ist. Auf keinen Fall möchte sie sie alleine lassen. Heraus kam auch, dass sie sich für den jetzigen Zustand Vorwürfe macht, was ich versucht habe ihr auszureden. Sie weiß auch nicht, wie sie das mit der Patientenverfügung mit ihr besprechen soll, auch da habe ich ihr einige Vorschläge gemacht.
              Ich finde es gut, dass wir als Angehörige die Möglichkeit haben unsere Oma in dieser Lage zu unterstützen und Verantwortung zu übernehmen. Sie wird sich sicher besser fühlen, wenn sie das auch aktiv angeht.
              Morgen werden mein Bruder und ich erstmal unsere Oma besuchen.

              Vorhin hat mein Laptop noch die Hufe hochgemacht. Wenns kommt, dann eben richtig...Manchmal ist es einfach komisch.

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                Bei meinem Besuch gestern war ich wirklich erschrocken, meine Oma so zu sehen. Sie liegt in so einem Bett, was speziell für Dekubituspatienten ist. Darüber bin ich froh. Aber sie ist sehr schwach, hat Probleme mit der Luft beim Sprechen. Manchmal hat sie einen Satz einfach abgebrochen weil es zu schwer war.
                Entweder weiß sie nicht, das sie wieder ein Geschwür im Bein hat oder sie wollte es mir nicht sagen. Sie klagt über ihre Beine, sie hätte kaum Kraft und Kontrolle über sie und sie hat Schmerzen wegen des Dekubitus. Es wäre wohl so schlimm gewesen, dass sie im Wohnzimmer zu Hause nicht mal mehr gemerkt hätte wie sie eingemacht hat. Ihre Haut sieht ganz schlimm aus. Sie hat noch nie viel getrunken, aber jetzt sieht sie aus wie Papier.
                was ich nicht verstehen kann ist, warum ihre Hausärztin sie versucht hat in diesem Zustand mit Medikamenten zu Hause zu behandeln. Das hat sie eine Woche gekostet. Sehr schlimm fand ich gestern dann einen Kommentar einer Schwester. Ich hatte meiner Oma ein wenig mitgebracht, darunter eine kleine Packung Schokolade. Ich fragte also die Schwestern, ob sie das essen könne. Die eine meinte, es wäre schlecht für die Heilung der Haut. Die andere meinte, ich solle ihr ruhig ein Stück geben, wer weiß wie oft sie noch Schokolade essen kann. Ich war so schockiert. Ich verstehe ja, dass man vielleicht irgendwann abstumpft, aber ich habe nicht jeden Tag einen Verwandten auf der ITS liegen, um den es schlimm steht.
                Es stellte sich nun gestern heraus, dass ihr Lebensgefährte wohl doch schon eine Patientenverfügung mit ihr gemacht hatte und letztes Jahr auch schon eine Pflegestufe beantragt hatte, die abgelehnt wurde.

                Mein Bruder kam gestern nun nicht mit, weil nicht raus ist, welche Typ von Streptokokken es ist und er die Kinder nicht gefährden will. Es wurde letzte Woche eine Kultur angelegt, sie wollen also noch warten.
                Meine Mutter ist dermaßen egoistisch Ihr Argument: Sie möchte die Kinder besuchen, damit sie wieder mal etwas Positives erlebt. Aber die Kinder sind nicht zu diesem Zweck da, zumal meine Schwägerin genug mit sich selbst und mit ihrer neuen Situation und auch noch mit den Nachwirkungen der Geburt zu tun hat. Mein Bruder möchte nun, dass meine Eltern die Kinder nicht besuchen, solange nicht klar ist, welche Art von Streptokokken es sind, da meine Eltern ja meine Oma besucht haben.
                Als ich gestern Abend mit ihr telefoniert habe und ihr denselben Rat gab, kam sie auf völlig absurde Ideen. Sie könnte ja jeden Moment sterben und dann hat sie die Kinder nicht mehr gesehen. Und wenn sie sie jetzt nicht sieht, dann verpasst sie soviel. Sie verändern sich ja jeden Tag (Sie sind jetzt eine Woche alt...). Und: Wenn sie sie dann das nächste Mal sieht, dann kennen die Kinder sie ja gar nicht und wissen nicht, wer sie ist. Ich habe keine Ahnung, was meine Mutter glaubt, wie lange sie die Kinder nicht sieht. Aber es dauert schon eine Weile, bis die Kinder zuordnen und wiedererkennen, jedenfalls so wie meine Mutter sich das vorstellt. Ich habe meinen anderen Neffen auch nur unregelmäßig gesehen und jetzt ist er 4 Jahre und freut sich riesig wenn ich komme. Ich habe ihr gesagt, dass ich das übertrieben finde, sie ist anderer Meinung.
                Ich finde sie nutzt die Kinder, um sich selbst besser zu fühlen. Das sind doch keine Stofftiere! Ich hoffe das pendelt sich noch ein. Ich habe auch versucht ihr klar zu machen, dass sie sich nicht so aufdrängen darf, sonst hat meine Schwägerin irgendwann keine Lust mehr sie überhaupt bei sich zu haben. Sie kommt dann immer mit dem Argument, dass das ihre ersten Enkel sind und dann auch noch so spät.
                Das ist alles ziemlicher Schrott gerade. Ich hoffe, dass es meine Oma wieder von der ITS runter schafft, ich weiß es aber nicht Sie soll doch ihre Urenkel sehen! Meine Schwägerin wird Montag ins selbe Krankenhaus verlegt, dann wäre das wenigstens kein Problem mehr.
                Ich für meinen Teil verstehe, warum mein Bruder und seine Frau so vorsichtig wegen der Kinder sind. Sie haben nun endlich diese beiden und es können keine mehr nach kommen! Meine Oma hat das auch verstanden, sie freut sich trotzdem riesig für die beiden! Ich habe meiner Oma wenigstens Fotos von den beiden gezeigt und dagelassen, so hat sie sie wenigstens schonmal gesehen.

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                  liebe jannes,

                  ich les hier regelmässig mit und finde deine klare und mutige art, wie du an das leben, die probleme und an dein eigenes "innenleben" gehst, echt stark!

                  heute meld ich mich mit ein paar kritischen fragen hier im faden - wenn dir die fragen nicht gut tun, leg sie bitte weg, ich weiss nicht, ob jetzt der zeitpunkt dafür ist.

                  ich wollte schon auf das vorletzte posting hin schreiben, da stecken für mich ein paar sachen drin, die so von aussen mit den infos, die wir haben, für mich nicht ganz stimmig sind - vielleicht sind sie es doch, das kannst nur du wissen.

                  zuerst einmal: du, das ist wirklich grad sehr herausfordernd, die krankheitsgeschichten deiner familie.

                  dein bruder und seine frau und die zwillinge - da steckt ja ein gefühlswirrwarr drin: riesige freude über die zwei kinder, erschrecken über die todesnähe bei der geburt, trauer über die entfernten eierstöcke.... gar nicht einfach!

                  Und auch das erschrecken, dass deine oma so krank ist, kann ich sehr gut nachvollziehen.

                  also, ein paar fragen von mir:
                  - die oma ist die mutter deines vaters, stimmts? warum lässt du den so stark aussen vor? müsste er sich nicht zuerst um seine mutter kümmern? von dem, was du schilderst, scheint ja (auch) deine mutter überfordert zu sein - warum forderst du von ihr etwas ein, von deinem vater nicht?
                  - und vom lesen her bekam ich den eindruck, dass ihr den lebenspartner übergeht, bewusst ausblendet. kann das sein? ist das okay so? wie würdest du dich fühlen als lebenspartnerin, wenn die familie deines partners über deinen kopf hinweg sachen einleitet? naja, dass er ja schon mitdenkt, habt ihr inzwischen gemerkt.

                  dann zu deiner oma und den pralinen... ganz ehrlich, ich find die antwort der zweiten krankenschwester gut, weil sie einfach stimmt - vielleicht ist ein stückchen schokolade wesentlich mehr lebensqualität als ein langes leiden an kranker haut - und ob ein stückchen schokolade den heilungsprozess so stark beeinflusst, kann dir niemand sagen - vielleicht beeinflusst die freude und der genuss sogar den heilungsprozess viel nachhaltiger als ein bisschen zucker....
                  ich kenn die krankenschwester ja absolut nicht. aber wenn du mit dem anliegen, das anscheinend dahinter stand bei dir (nämlich deine hilflosigkeit und ohnmacht und trauer, dass deine oma so schwer krank ist), hätte sie vielleicht auch adäquat und sehr feinfühlig auf deine gefühle reagieren können - aber so hast du sie wegen der schokolade gefragt.
                  ich find da überhaupt nix abgestumpftes dabei. wohlgemerkt hab ich natürlich den tonfall nicht gehört....

                  für mich ist die frage, ob wir alte und / oder kranke menschen auch sterben lassen dürfen oder ob wir so an ihnen hängen, dass wir sie unbedingt an uns binden - egal, welche lebensqualität noch möglich ist.
                  und für mich ist die frage, ob unser gesundheitssystem nicht wirklich unmenschlich ist mit den menschen, weil sie auf teufel komm raus am leben erhält...
                  das ist ein weites feld - wär vielleicht mal was für das thema des monats...

                  und zu guter letzt: über deine mutter, die trotz der übertragungsgefahr der stetoskopen unbedingt zu den zwillingen will, kann ich auch nur den kopf schütteln.
                  Aber:
                  warum diskutierst DU denn so lang mit ihr darüber? ist doch sache deines bruders, oder? für mich klingt das wie eine "stellvertreter-diskussion". ich würde mir die ersparen, okay, mein temperament, das schnell mal konsequenzen aufzeigt oder ein gespräch beendet, wenn es in meinen augen nicht mehr konstruktiv ist, ist auch nicth immer so hilfreich. aber ich hätte entweder sowieso an meinen bruder verwiesen oder hätte ihr klar gemacht: je mehr du jetzt uneinsichtig bist und uns den letzten nerv tötest, desto länger wird es dauern, bis du die kinder siehst.

                  (mir fiel vorhin ein beispiel ein, wo ich meinem vater diese pistole auf die brust gesetzt hab - und es funktionierte: ich war dabei, ins ausland zu gehen und er hat immer, immer, immer wieder damit angefangen, dass er es nicht gut findet. bis ich ihm einmal gesagt habe: vater, ich weiss, was du darüber denkst, du weisst, dass ich trotzdem gehe, wenn du mir nochmal sagst, ich sei dumm, ins ausland zu gehen, werde ich dein haus sofort verlassen und ohne abschied gehen.
                  das hat gewirkt und wir konnten in ruhe und in gutem einvernehmen abschied voneinander nehmen...)

                  so, das war jetzt lang. ich hoffe, du kannst was damit anfangen. wenn nicht, dann leg es bitte weg...

                  herzlich tanzende grüsse dir

                  Kommentar


                    Hallo Tanzende,

                    erst einmal danke für deine Fragen! Manches davon hätte auch aus dem Mund meiner Therapeutin stammen können Aber eins nach dem anderen.



                    Zitat von Tanzende Beitrag anzeigen

                    also, ein paar fragen von mir:
                    - die oma ist die mutter deines vaters, stimmts? warum lässt du den so stark aussen vor? müsste er sich nicht zuerst um seine mutter kümmern? von dem, was du schilderst, scheint ja (auch) deine mutter überfordert zu sein - warum forderst du von ihr etwas ein, von deinem vater nicht?- und vom lesen her bekam ich den eindruck, dass ihr den lebenspartner übergeht, bewusst ausblendet. kann das sein? ist das okay so? wie würdest du dich fühlen als lebenspartnerin, wenn die familie deines partners über deinen kopf hinweg sachen einleitet? naja, dass er ja schon mitdenkt, habt ihr inzwischen gemerkt.
                    Interessant, dass dir das auffällt und danke, dass du mich darauf mit der Nase stößt. Tatsächlich sagt das wieder viel über die Rollen- und Aufgabenverteilung unserer Familie.
                    Die Oma ist die Mutter meines Vaters. Meinen Vater selbst sehe ich als einen Menschen, der wenig Eigeninitiative zeigt, er erstarrt und verstummt und er redet auch so gut wie gar nicht über das, was ihn bewegt. Ich weiß allerdings auch, dass meine Mutter ihn ein Stück weit in diese Richtung drängt, weil sie oft davon ausgeht, dass er vieles sowieso nicht machen würde. Sie nimmt ihm einiges ab, erklärt ihm die banalsten Dinge als wäre er ein Dreijähriger und glaubt ohne sie wäre er nicht lebensfähig. Ich habe schon oft versucht sie auf diesen Mechanismus hinzuweisen, allerdings bin ich das leid und denke, das ist die Baustelle der zwei. Ich kann mich aber auch diesem Einfluss nicht völlig entziehen und somit wende ich mich mit meinen Fragen und Belangen an meine Mutter, nicht an meinen Vater. Sicher hat sich diese Sichtweise ein Stück übertragen.
                    Vielleicht beschreibe ich nochmal ganz kurz, warum wir erst wieder seit einigen Jahren Kontakt zur Oma haben. Mein Großvater ging damals fremd. Parallel dazu war meine Oma mit einem zweiten Kind schwanger. Er drängte sie dazu, es abzutreiben, er wollte es nicht. Sie hat abgetrieben, aber es wohl nie verkraftet. Es folgte Die Scheidung. Meine Eltern hielten den Kontakt und meine Oma besuchte meinen Bruder regelmäßig und passte auch auf ihn auf. Es stellte sich heraus, dass sie trank und leider auch einmal, als sie auf meinen Bruder aufpasste. Sie ließ den Gasherd an, schlief ein aber es war Gott sei Dank ein Fenster geöffnet. Meine Eltern kamen nach Hause, mein Bruder turnte unbeaufsichtigt am offenen Fenster herum und die Oma schlief. Nach diesem Vorfall schämte sie sich wohl und kam nicht wieder. Der Kontakt brach ab. Darüber bin ich persönlich sehr wütend, weil ich meine Eltern beide ständig so erlebe, sie pflegen zwischenmenschliche Beziehungen nicht.
                    Ich wusste schon seit einiger Zeit, dass meine Oma, die ich als Oma kannte, nicht meine war und ich eine andere hatte. Dass sie noch leben könnte fiel mir erst später ein. Ich stellte den Kontakt her, den mein Vater erst nicht wollte, sicher, weil er Angst davor hatte.
                    Meine Oma kenne ich als eine Frau, die ganz zufrieden ein Leben mit ihrem Lebensgefährten lebt. Sie beide haben getrennte Wohnungen, er ist aber fast jeden Tag bei ihr, sonst lebt er in einem anderen Stadtteil. Er ist jünger als meine Oma und dennoch überfordert ihn die Führung von zwei Haushalten. Leider haben wir es auch schon oft erlebt, dass uns keiner informiert hatte, wenn etwas passiert war oder die Oma im Krankenhaus lag. Er rückte nie so recht mit der Sprache raus, hielt auch oft Sachen hinterm Berg. So erklärt sich vielleicht auch ein Stück, dass es so erscheint, als würden wir ihn übergehen. Ganz so ist es aber nicht, wir stehen natürlich auch mit ihm in Kontakt, er war es, der meine Eltern informierte. Allerdings waren sie nicht gemeinsam im Krankenhaus und ich nehme an, so kam der mangelnde Informationsfluss zustande. Seit meine Eltern wissen, dass beide schon eine Patientenverfügung gemacht haben und er dabei für sie eingesetzt ist, sieht die Sache auch schon wieder anders aus. Meine Mutter meinte sogar, dass sie sich da nicht vordrängeln wird, immerhin ist er es, mit dem sie ihr Leben teilt!


                    Zitat von Tanzende Beitrag anzeigen
                    dann zu deiner oma und den pralinen... ganz ehrlich, ich find die antwort der zweiten krankenschwester gut, weil sie einfach stimmt - vielleicht ist ein stückchen schokolade wesentlich mehr lebensqualität als ein langes leiden an kranker haut - und ob ein stückchen schokolade den heilungsprozess so stark beeinflusst, kann dir niemand sagen - vielleicht beeinflusst die freude und der genuss sogar den heilungsprozess viel nachhaltiger als ein bisschen zucker....
                    ich kenn die krankenschwester ja absolut nicht. aber wenn du mit dem anliegen, das anscheinend dahinter stand bei dir (nämlich deine hilflosigkeit und ohnmacht und trauer, dass deine oma so schwer krank ist), hätte sie vielleicht auch adäquat und sehr feinfühlig auf deine gefühle reagieren können - aber so hast du sie wegen der schokolade gefragt.
                    ich find da überhaupt nix abgestumpftes dabei. wohlgemerkt hab ich natürlich den tonfall nicht gehört....
                    Tatsächlich wollte ich in dem Moment nur wissen, ob sie es nun essen darf oder nicht. Ich habe natürlich auch herausgehört, was sie damit sagen wollte bzw. auch den positiven Aspekt - Lebensqualität wo es geht - gehört. Allerdings kann ich nicht sagen, dass sie das besonders freundlich gesagt hat, sie war eher der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen. Ich möchte das auch nicht verallgemeinern, nur sagen, dass mich diese Sache in dem Moment sehr aus der Bahn geworfen hat. Ich war kurz versucht zu fragen, ob sie mir Näheres zum Zustand meiner Oma sagen könnte, aber ich stand kurz hinter der Tür und die war nicht verschlossen und mit Sicherheit hätte ich angefangen mit heulen, also habe ich mich entschlossen sofort kehrt zu machen und die Schokolade aufzumachen. Meine Oma hat sich natürlich dazu entschlossen die Schokolade direkt zu essen

                    Zitat von Tanzende Beitrag anzeigen
                    für mich ist die frage, ob wir alte und / oder kranke menschen auch sterben lassen dürfen oder ob wir so an ihnen hängen, dass wir sie unbedingt an uns binden - egal, welche lebensqualität noch möglich ist.
                    und für mich ist die frage, ob unser gesundheitssystem nicht wirklich unmenschlich ist mit den menschen, weil sie auf teufel komm raus am leben erhält...
                    das ist ein weites feld - wär vielleicht mal was für das thema des monats...
                    Das ist eine gute Idee!
                    Ich möchte meine Oma nicht unbedingt binden, ich bin dankbar, dass ich sie überhaupt kenne und auch, dass ich sie besuchen kann. Als Kind, als mein Opa (ihr Ex-Mann) gestorben ist, durfte ich ihn nicht besuchen und den nächsten Tag war er plötzlich tot.
                    Meine Oma ist klar bei Verstand, wir haben uns über vieles unterhalten, ich kann jetzt auch nicht sagen, dass sie von sich aus bereit ist zu sterben, womöglich teilt sie mir ja aber sowas auch nicht mit.

                    Zitat von Tanzende Beitrag anzeigen
                    und zu guter letzt: über deine mutter, die trotz der übertragungsgefahr der stetoskopen unbedingt zu den zwillingen will, kann ich auch nur den kopf schütteln.
                    Aber:
                    warum diskutierst DU denn so lang mit ihr darüber? ist doch sache deines bruders, oder? für mich klingt das wie eine "stellvertreter-diskussion". ich würde mir die ersparen, okay, mein temperament, das schnell mal konsequenzen aufzeigt oder ein gespräch beendet, wenn es in meinen augen nicht mehr konstruktiv ist, ist auch nicth immer so hilfreich. aber ich hätte entweder sowieso an meinen bruder verwiesen oder hätte ihr klar gemacht: je mehr du jetzt uneinsichtig bist und uns den letzten nerv tötest, desto länger wird es dauern, bis du die kinder siehst.
                    Weil ich meinem Bruder "Arbeit" abnehmen will. Und mich vermutlich immer noch in der Pflicht sehe ihr die Welt zu erklären.
                    Letzteres habe ich übrigens getan, ich sagte ihr, dass sie den beiden nicht auf den Nerv gehen soll, sonst würde sie irgendwann keiner mehr dabei haben wollen.
                    Heute rief sie an. Sie wäre zu der Erkenntnis gelangt, dass sie für die Oma da sein wollen und sie die Kinder nicht besuchen (sie sagte nicht, sie wollen die Kinder nicht gefährden, offenbar hat sie ein Problem damit eine Gefahr für die Kinder zu sein ). Auch gestern, als sie am Telefon deswegen plötzlich mit Weinen anfing, bin ich nicht darauf eingegangen. Ich habe sie auch nicht zurück gerufen. Sie rief dann ein paar Stunden später an und meinte, sie hätte sich wieder beruhigt und dann hat sie sich bei mir entschuldigt.
                    Meine Art mit ihr umzugehen hat sich schon verändert, aber ich habe immer noch das Gefühl, dass sie sich wie ein kleines Kind verhält und irgendjemand sie doch zur Vernunft bringen muss! Natürlich halse ich mir da viel auf, aber ich befürchte dass man mehr Ärger mit ihr hätte, wenn es keiner täte!

                    Soweit erstmal, liebe Grüße,
                    Jannes

                    Kommentar


                      Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                      Hallo Tanzende,

                      erst einmal danke für deine Fragen! Manches davon hätte auch aus dem Mund meiner Therapeutin stammen können
                      ich nehm das jetzt mal als kompliment... und ich bin froh, dass du so reagierst, ich hatte etwas sorge, dass ich dir "zu nahe trete" mit diesen fragen.

                      Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                      Parallel dazu war meine Oma mit einem zweiten Kind schwanger. Er drängte sie dazu, es abzutreiben, er wollte es nicht. Sie hat abgetrieben, aber es wohl nie verkraftet. Es folgte Die Scheidung.
                      immer wieder höre ich solche geschichten... das mit der abtreibung geht wohl vieeeeel tiefer bei den frauen, als man es so gemeinhin vermutet. mich erschreckt das immer wieder....

                      Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                      Er rückte nie so recht mit der Sprache raus, hielt auch oft Sachen hinterm Berg. So erklärt sich vielleicht auch ein Stück, dass es so erscheint, als würden wir ihn übergehen.
                      da kommt mir so die frage nach den wechselwirkungen in den sinn - wer war früher, huhn oder ei?
                      ich meine: er sagt euch nicht alles sofort. ihr nehmt ihn deshalb nicht sofort mit rein in alle überlegungen. er merkt, dass er nicht bei allen überlegungen sofort mit einbezogen wird - und sagt das nächste mal einfach nicht (oder später) bescheid, wenn was wichtiges ist, dass er nicht wieder übergangen wird, ihr ... etc etc...
                      du weisst sicher, was ich meine.
                      das muss überhaupt nicht so sein, kam mir nur als frage.

                      Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                      Allerdings kann ich nicht sagen, dass sie das besonders freundlich gesagt hat, sie war eher der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen.
                      ja, das kann ich nun sehr wohl nachvollziehen, dass das einen aus der bahn werfen kann - vielleicht weniger die antwort als der tonfall. ich hab auch so einiges unmögliche erlebt, wenn mein vater (mit demenz) im spital war. ich kenn auch anderes, vor allem von der palliativ station und anscheinend onkologie - dort ist das personal (zumindest in der schweiz) geschulter und weniger gestresst.
                      Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                      Ich möchte meine Oma nicht unbedingt binden, ich bin dankbar, dass ich sie überhaupt kenne und auch, dass ich sie besuchen kann. Als Kind, als mein Opa (ihr Ex-Mann) gestorben ist, durfte ich ihn nicht besuchen und den nächsten Tag war er plötzlich tot.
                      Meine Oma ist klar bei Verstand, wir haben uns über vieles unterhalten, ich kann jetzt auch nicht sagen, dass sie von sich aus bereit ist zu sterben, womöglich teilt sie mir ja aber sowas auch nicht mit.
                      das sind sehr, sehr schwierige themen - und zugleich ist es ein grosses geschenk, einen menschen beim sterben begleiten zu dürfen - das schreib ich grad völlig unabhängig von deiner oma, wer weiss, ob sie sich wieder aufrappelt oder doch entscheidet, lieber jetzt zu gehen... ein stück weit glaub ich nämlich, bestimmt der mensch den zeitpunkt des todes auch mit. zumindest als ein faktor. nur mit dem willen allein kann man auch nicht sterben, aber wenn menschen sterben WOLLEN, gehen sie oft leichter und schneller.


                      Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                      Weil ich meinem Bruder "Arbeit" abnehmen will. Und mich vermutlich immer noch in der Pflicht sehe ihr die Welt zu erklären.
                      ....
                      Meine Art mit ihr umzugehen hat sich schon verändert, aber ich habe immer noch das Gefühl, dass sie sich wie ein kleines Kind verhält und irgendjemand sie doch zur Vernunft bringen muss! Natürlich halse ich mir da viel auf, aber ich befürchte dass man mehr Ärger mit ihr hätte, wenn es keiner täte!
                      nun, es ist deine entscheidung, ob du dir diese arbeit mit deiner mutter (und deinem bruder) weiterhin aufhalsen möchtest. wenn du es bewusst tust, ist es ja wirklich deine entscheidung - dazu hast du wirklich ein recht - und darfst es dann auch ohne klagen tun, du hast dich ja im wissen um die konsequenzen dafür entschieden.

                      hast du schon mal an ne familienaufstellung gedacht? ich hab schon das gefühl, dass da ganz viel verwicklung drin ist bei euch, die wenigstens du für dich mal ein stück weit ent-wickeln könntest und so manches zurückgeben, was gar nicht deins ist. oft ist es dann so, dass auch andere ihre rolle dann plötzlcih ganz anders ausfüllen - wenn ein teil eines gesamtgefüges verändert wird, verändert sich das ganze gefüge...

                      ganz liebe grüsse dir
                      Zuletzt geändert von ; 23.06.2013, 14:25.

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                        Liebe Tanzende,

                        Zitat von Tanzende Beitrag anzeigen
                        hast du schon mal an ne familienaufstellung gedacht? ich hab schon das gefühl, dass da ganz viel verwicklung drin ist bei euch, die wenigstens du für dich mal ein stück weit ent-wickeln könntest und so manches zurückgeben, was gar nicht deins ist. oft ist es dann so, dass auch andere ihre rolle dann plötzlcih ganz anders ausfüllen - wenn ein teil eines gesamtgefüges verändert wird, verändert sich das ganze gefüge...

                        ganz liebe grüsse dir
                        Ich habe morgen wieder eine Sitzung, ich werde das mal ansprechen. Familienaufstellungen fand ich schon immer spannend, habe es für mich selbst aber auch noch nicht gemacht. Dafür bieten sich einem ja auch unterschiedliche Möglichkeiten. Mal sehen.

                        Liebe Grüße
                        Jannes

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                          Ich möchte nur kurz von meiner Stunde berichten.
                          Ich habe über die turbulente letzte Zeit berichtet und meinen Unmut darüber geäußert, dass wieder eine Situation eingetreten ist, in der ich mich gedrängt fühle das Zepter in die Hand zu nehmen.
                          Wie ich es erwartet hatte, kamen ähnliche Fragen auf, wie Tanzende schon formuliert hatte. Wieso kümmert sich nicht mein Vater? Wieso regele ich die Dinge für meinen Bruder und seine Frau?
                          Sie gab mir die Rückmeldung, sie hätte das Gefühl, dass ich mich schon einmal mehr von dieser Rolle und dieser Art des Zusammenwirkens unserer Familie distanziert hätte. Da hat sie vollkommen recht, daher kam eben auch meine Unzufriedenheit mit dieser Situation. Jedoch leuchtet mir ihre Erklärung ebenfalls ein: Wenn Kinder eine Familie neu bereichern rückt man wieder näher zusammen und die Gefahr besteht eher, dass solche Konflikte neu belebt werden.
                          Ihr Fazit: Es wäre nun mal Zeit um los zu lassen. Alle sind erwachsen, jeder kann für sich und seine Bedürfnisse selbst eintreten, die Welt dreht sich auch ohne mein Dazwischenfunken weiter.
                          Und ebenfalls kam wieder: Sich in dieser Art und Weise ins Familiengeschehen einzubringen hat auch etwas damit zu tun sich wichtig zu fühlen, sich selbst eine gewisse Position zu verschaffen.

                          Wieder haben wir über den Widerspruch in meiner Gefühlswelt gesprochen. Einerseits bin ich sehr davon genervt, wenn ich das Gefühl habe, meinen Eltern unter die Arme greifen zu müssen. Dann wünsche ich mir, ich müsste es nicht tun und hätte Abstand. Andererseits spüre ich aber auch Neidgefühle, die aufkeimen und die Angst plötzlich ganz schnell außen vor zu sein, wenn ich weiß, dass mein Bruder zuletzt engeren und näheren Kontakt mit meinen Eltern pflegt.
                          Vielleicht gibt es hier eine verborgene Verbindung (fällt mir gerade ein!). Möglicherweise suche ich einen Weg in Beziehung mit meinen Eltern zu bleiben un das trotz dieser ambivalenten Gefühle und die bekannteste Art dies zu tun ist eben ihnen die Welt zu erklären und sie ans Händchen zu nehmen. Diese Position steht mir nicht zu und von außen betrachtet möchte ich mir das eigentlich auch nicht antun (es reicht, wenn ich mich selbst ans Händchen nehmen muss).

                          Auch über die starke Belastungssituation und meine Reaktion darauf haben wir gesprochen. Mal abgesehen davon, dass sie mir natürlich eine Entspanngsmethode empfiehlt, die ich möglichst regelmäßig () durchführen sollte, plädiert sie in erster Linie dafür, dass ich mich in diesem Punkt so annehmen soll, wie ich bin. Ich bin in solchen Phasen leider sehr weinerlich, man braucht mich nur in einem schwachen Moment erwischen und schon kanns los gehen. Möglicherweise ist es einfach meine Art mit Überlastung umzugehen, was raus will soll auch erstmal raus.
                          Warum empfinde ich es aber so, als würde es mir besonders schwer fallen Leistung zu erbringen? Auch hier haben wir gesprochen und sind zu dem Punkt gekommen, dass ich es als belastend empfinde besonders viel geben zu müssen und im Gegenzug wenig zu bekommen, weil dies ebenfalls frühen Erfahrungen entspricht.
                          Ich erlebe mich selbst auch in meiner Beziehung als sehr egoistisch und egozentrisch, es ist manchmal, als könnte ich nie genug kriegen und das von allem. Ich habe allerdings keine Ahnung, ob sich diese Negativrechnung irgendwann einmal ausgleichen kann. Ich soll mir selbst viel Gutes tun...

                          Über die Möglichkeit einer Familienaufstellung haben wir gesprochen, dies könnte unter Umständen auch nochmal einen neuen Blickwinkel ermöglichen. Ich habe schon mal geschaut und habe eine systemische Beratungsstelle ins Auge gefasst.

                          Vorerst wird es keine weiteren Termine geben. Sie fragte mich zwar, wie ich darüber denke, wann und ob ich gerne wieder einen Termin hätte. Aber ich glaube einfach, dass ich inzwischen an einem Punkt angelangt bin, an dem ich alles Handwerkszeug schon in der Hand habe und mir lediglich die Übung fehlt. Ich möchte nicht sagen, dass wir uns im Kreis drehen. Es war sehr gut, wieder mal eine Rückmeldung von ihr zu bekommen. Aber ich empfinde es eher als ein kurzes Feedback, das ich mir nun nach einer längeren Periode "Abstinenz" geholt habe um zu schauen, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Ich finde es gut, dass sie glaubt ich schaffe es nun auch wieder allein. Ich denke auch, dass sie verhindern möchte, dass sich wieder so etwas wie eine "Abhängigkeit" entwickelt, denn ich denke schon, dass grundsätzlich die Gefahr besteht womöglich wieder eine Angst des "Alleinseins" zu entwickeln. Hierzu kommt mir gerade die Satellitenbeziehung zwischen Kindern und Eltern in den Kopf. Das Kind rückversichert sich immer wieder beim Elternteil, ob er/ sie noch da und potentiell ansprechbar ist. Ich denke ich habe also nochmal einen Blick zurück über die Schulter geworfen und geschaut, ob alles so in Ordnung ist.
                          Vielleicht war es auch ein verstecktes Abtesten der Beziehung (ist sie wirklich bereit mit mir zu sprechen? Wie wichtig bin ich ihr?). Auch diesmal hat sie mir wieder versichert, dass ich jederzeit wieder anrufen kann - ich finde das wirklich ganz toll von ihr!

                          Ich werde also weiterhin meine Bahnen ziehen! Und versuchen mich selbst mehr zu loben und meine Leistungen anzuerkennen. Rückblickend hätte ich vor 1.5 Jahren nie geglaubt überhaupt durchzuhalten oder diese Stelle noch zu haben. Diese Arbeit mal gern zu machen war für mich unvorstellbar und nun?

                          Es ist wichtig für mich festzuhalten, dass die Dinge ihre Zeit brauchen und dass es sich lohnt dran zu bleiben! Und dass ich mehr leisten kann als ich glaube

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                            Wie ist das kurz vorm Sterben? Sicher verhält sich jeder Mensch anders. Ich habe heute meine Oma besucht, die wieder auf der ITS liegt. Sie hat wohl Bauchspeicheldrüsenkrebs, nun seit letzter Nacht noch ein durchgebrochenes Magengeschwür und ist in einem sehr schlechten ZUstand.
                            Ich habe sie heute nicht wieder erkannt. Das war nicht meine Oma. Sie fantasiert, unterstellt dem Personal sie würden sie vergiften und würden die Uhr verstellen, eine Mitpatientin auf dem Zimmer würde sich immer in ihre Gespräche einmischen (sie stöhnte lediglich vor Schmerzen). Sie war richtig itzig, als ich sagte, man würde sie nicht vergiften, richtig böse ist sie geworden. Ich würde immer alles besser wissen. Sie erzählte von Mäusen auf dem Boden und sie würden nicht sauber machen, hier würde es stinken wie im Schweinestall (sie hat mittlerweile sehr sehr schlimmen Dekubitus).
                            Und sie erzählte davon, dass sie nicht mehr will, sie betet, dass sie durch die Tür gehen kann. Sie würde gerne gehen. Ich sagte ihr, sie könne, wenn sie das wolle. SIe meint, sie kann nicht, ihr fehlt der Schlüssel.

                            Ich habe sie noch nie so erlebt. AM Sonntag waren wir das letzte Mal da, alle zusammen. Da war sie auch wie ich sie noch nie erlebt habe: sie erzählte so viel, war so herzlichen, so gesprächig, war überglücklich, dass wir ihr Fotos von den Zwillingen gezeigt haben. Da sagte sie auch schon solche Sache wie: "Nun steht ihr hier alle mitten in eurem Leben."

                            Meine Mutter bekam letzte Nacht einen Anruf vom Krankenhaus, es stand auf der Kippe. Heute früh waren sie dort, da war sie stabil und klar und hat auch ohne Punkt und Komma gesprochen, von früher und wie leid ihr alles tut und dass sie weiß, was sie alles falsch gemacht hat etc. und dass sie froh ist, dass wir so zusammenhalten und froh, dass wir den Kontakt gesucht haben.
                            Ich habe noch keinen Menschen beim Sterben begleitet, für mich klingt das wie ein Abschied und auch am Sonntag war es wie ein Aufleben.

                            Ich nehme mir das heute nicht an, aber es erschüttert mich, dass meine Eltern meinten, so wäre sie immer gewesen, wenn sie damals getrunken hatte.
                            Können Medikamente sowas auslösen?

                            Sie erhält keine lebensverlängernden Maßnahmen.
                            Ihr Lebensgefährte würde sie gerne mit nach Hause nehmen, ich glaube nicht, dass sie das will. Für mich klang das eher wie sterben wollen.

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                              Liebe Jannes,

                              ach Mensch, das tut mir leid! Es ist entsetzlich schwer mitanzusehen, wenn es bei einem Menschen auf das Ende zugeht.

                              Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                              Ich nehme mir das heute nicht an, aber es erschüttert mich, dass meine Eltern meinten, so wäre sie immer gewesen, wenn sie damals getrunken hatte.
                              Können Medikamente sowas auslösen?
                              Ja, auf jeden Fall. Solche Verwirrtheitsszustände können aber auch ohne Medikamente entstehen, wenn der Körper hart am kämpfen ist. In der letzten Zeit vor dem Tod kommt es oft zu so einem mehr oder minder starken Delirium, ausgelöst durch Organversagen, starke Entzündungsprozesse (Sepsis), Minderdurchblutung des Gehirns oder auch ganz banal (und eigentlich vermeidbar) Dehydration.

                              Ach Du, es tut mir leid, dass bei Dir gerade so viel zusammenkommt! Ich wünsche Dir ganz viel Kraft!!!

                              Herzlich,
                              Deine Chaja

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                                Danke liebe Chaja. Wir alle hoffen, dass das möglichst bald ein Ende hat!
                                Leider kann man ihr nicht helfen.

                                Kommentar

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