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Die Kunst des Fliegens

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    #76
    Darf ich fragen wie du mit deinen Schwiegereltern zurecht kommst?

    ansonsten einfach ignorieren...
    lg

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      #77
      Liebe Muttutgut,

      Zitat von Muttutgut Beitrag anzeigen
      Darf ich fragen wie du mit deinen Schwiegereltern zurecht kommst?

      ansonsten einfach ignorieren...
      lg
      ganz prima. Sie helfen und unterstützen uns an vielen Enden und Ecken, sind sehr zuvorkommend und haben auch mal ein offenes Ohr, allerdings nicht mit soviel Tiefgang. Sie erzählen sehr, sehr viel und gerne. Das kann dann unter Umständen schon mal anstrengend werden Aber da sich unsere Eltern längere Zeit nicht mehr gesehen haben und die Schwiegereltern auch noch Freunde mitbringen, kann ich mich diesmal ein Stück rausnehmen, zurück lehnen und eher Zuschauer sein.

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        #78
        das hört sich gut an,
        da kannst du wahrnehmen wie es ist,
        nicht den Unterhalter und Animateur zu sein.
        Sehr schönes Übungsfeld, wie ich finde.

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          #79
          Ja Wir essen auch nicht hier bei uns, sondern gehen essen. Der Tumult hier zu Hause hätte mir jetzt sonst auch noch gefehlt. So habe ich auch was davon.

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            #80
            Ich bin derzeit wieder etwas ruhiger. Sollte ich mal einen (Wut- oder was auch immer) Ausbruch haben, so ist das relativ schnell vorbei. Dabei habe ich momentan auch wenig Angriffsfläche, wahrscheinlich denkt er sich solange einfach seinen Teil und springt gar nicht darauf an. Heute war es mir hinterher auch möglich später, nachdem ich mich beruhigt hatte, nochmal zu ihm zu gehen und mich nochmal ruhig zu erklären und alles wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen.
            Da wir beide derzeit sehr lange unterwegs sind, er teilweise auch später kommt als ich, läuft es gerade gut. Zwar haben wir wenig gemeinsame Zeit, aber wir können wieder gemeinsam lachen Ich merke, wie er sich freut, dass es mir auch wieder besser geht und ich auch wieder von mir aus auf ihn zugehen kann. Darüber freut er sich sehr und ich mich auch.

            Das Essen mit der Bagage lief ganz gut. Da noch Freunde der Schwiegereltern dabei waren, blieben für meine Mutter auch genug Möglichkeiten zum Unterhalten. Es war tatsächlich so, dass ich mich zurück lehnen konnte und mich nur dann eingebracht habe, wenn es für mich interessant war und ich wollte. Das erste Mal, dass ich nicht wirklich auf der Lauer lag, dass meine Mutter sich wieder mal im Thema oder im Wort vergreift. Eigentlich war mir das diesmal ziemlich einerlei. Sollen sich doch alle ihr eigenes Urteil bilden.
            Ich hoffe, die Phase hält jetzt mal eine Weile an bzw. hoffe ich, dass es noch besser wird.

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              #81
              Mir fällt da ein ulkiger Vergleich ein, wenn ich deine Ent-Wicklung/Ent-Faltung verfolge.
              Eine Lawine bildet sich aus einer Schneeflocke, die sich an eine andere klebt usw. bis sie sowas wie ein kleiner Ball ist, der durch Erderschütterung und sein Eigengewicht langsam in Rollen kommt. Der Ball wird größer und kräftiger, zusehends.
              Wenn er zu einer richtigen Lawine angewachsen ist, wird er "umwerfend".

              Vielleicht bist du gerade der kleine Ball, der langsam und unaufhörlich ins Rollen kommt.

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                #82
                Manchmal fühle ich mich eher wie eine Verschüttete unter der Lawine
                Aber du hast recht, gerade rollt es mal wieder ein Stück. Es ist nur immer anstrengend, es am Rollen zu halten.

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                  #83
                  Das glaube ich dir. Da sind so viele Hecken, Sträucher, Felsbrocken und Schluchten, die den kleinen Schneeball auf seinem Weg zur Lawine immer wieder bremsen und manchmal auch zurückwerfen.
                  Das wird ihn jedoch nicht davon abhalten, sich zu einer umwerfenden Lawine zu entwickeln.

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                    #84
                    Das ist ja das Heimtückische: Lawinen sind unberechenbar. Einmal am Rollen reißen sie alles ein oder mit. Irgendwann hat der innere Teufel einfach keine Wahl mehr, er wird über kurz oder lang mitgerissen. Wir werden sehen und ich werde wohl merken, wenn es soweit ist.

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                      #85
                      Ich grübele gerade nach, warum es so schwierig ist man selbst zu sein und zwar so ehrlich, echt, authentisch und facettenreich wie möglich. Warum kann ich manchen Leuten soviel von mir zeigen, viel preisgeben und anderen nicht? Die Antwort scheint erstmal banal zu sein. Aber es kommt noch ein wichtiger Punkt hinzu. Über Dinge zu reden, sie zu benennen und auf diese Art und Weise viel von mir preiszugeben heißt nicht, dass ich es vor der anderen Person auch emotional ausfüllen kann. Eben dann habe ich oft das Gefühl, je nachdem, worum es geht, von meinen Gefühlen abgetrennt zu sein. Vielleicht kann ich mir in diesem Moment gar nicht mehr erklären, wie ich zu so einem Gefühl oder einen Handlung komme. Gefühle lassen sich dann besonders schwer in Worte fassen, weil ich sie nicht fühlen kann. Es ist, als würde ich mich selbst regelmäßig im Stich lassen. Wie wirkt das wohl auf andere? Ich denke gerade an meine Therapeutin. Wenn es mir hundmiserabel ging, ich vielleicht nur noch auf dem Zahnfleisch gekrochen bin, war ich froh einen Termin zu haben. Möglicherweise habe ich überlegt, wie ich mein Problem darlegen und ihr beschreiben werde. Doch wenn ich ihr gegenüber saß war es weg! Und ich konnte es nur noch aus einer Erinnerung heraus beschreiben, die es natürlich bei Weitem nicht so darstellte und vor allem die Dringlichkeit und den Leidensdruck nicht ausdrückte. Das verunsicherte mich und ebenso, dass ich den Eindruck hatte, dass sie natürlich gar nicht wusste, wovon ich sprach und wie es mir ging. Mir fällt auch auf, dass ich in vielen Situationen lache oder lächle, wenn ich jemandem (vor allem meinem Partner) von unangenehmen Gefühlen berichte und ihm sagen will, dass es mir schlecht geht. Das macht mich noch in dem Moment wütend, aber ich kann es nicht zeigen. Wut bekomme ich dann nur auf ihn, weil er es dann möglicherweise abtut, abschwächt oder relativiert. Was sollte er auch sonst tun, ich sende völlig widersprüchliche Signale. Wenn ich mich zurück erinnere sagte mir meine Therapeutin auch oft, dass ich lächle, wenn ich von etwas Unangenehmen spreche. Sie fragte dann immer, woher das Lächeln dazu kommt. Woher soll ich das denn wissen?! Ich meine das trotzdem ernst und es ist mir unangenehm, dass sich wie automatisch ein Lächeln dabei formt. Ich komme mir ja selbst merkwürdig dabei vor weil ich weiß, dass ich so nicht ernst genommen werde und vor allem weil ich mich selbst betrüge! Ist das ein verlegenes Lächeln, weil ich etwas über mich preisgebe? Erwarte ich schon, dass ich nicht ernst genommen werde und nehme diese Wertung vorweg?
                      Sollte diese Reaktion dann schließlich kommen, bin ich wütend und dann kommen auch Wuttränen. Ich habe aber auf dieses anstrengende Spiel mittlerweile auch keine Lust mehr.

                      Ein weiterer Gedanke. Ich komme auf Arbeit sehr gut mit meinen Kollegen zurecht und auch mit meiner „speziellen Freundin“ bin ich dabei einen Weg zu finden, mit ihrer Eigenart umzugehen. Ich habe schon mal geschrieben, dass ich dort so bin, wie ich bin. Tatsächlich war ich vorher nie so wie ich dort sein kann und darf. Ich habe mich gefragt, wie das kam. Menschen, denen ich nichts von mir und meinem Gefühlsleben erzählen muss, denen erzähle ich auch nichts. Warum auch, ich kenne sie womöglich nicht gut und wer weiß, was sie mit dem Wissen anfangen. Aber mir kam der Gedanke, dass mein kleiner Zusammenbruch auf Arbeit letztes Schuljahr der Schlüssel war. Mich so zu zeigen (einfach weil es nicht mehr anders ging und ich keine Kontrolle mehr darüber hatte!) wie ich mich tatsächlich fühlte und es zeigen zu können zog verschiedene Gefühle nach sich. „Glauben sie, ich bin nicht ganz dicht? Das war gerade eine ganz banale Sache, wieso heult man wegen einer Kopie?“ Davon hörte ich aber nichts sondern sah, dass man mich in den Arm nahm, dass man meinen Unterricht übernahm, dass man mit mir sprach. Hier war ich gezwungen, mich zu zeigen. Das war nicht schön, aber ich vermute, dass ich daher jetzt viel offener bin und auch noch mehr von mir preisgebe. Vielleicht kann ich deswegen auch mittlerweile bestimmten Kollegen gegenüber eher meine Interessen vertreten oder vielleicht geht mir deswegen auch mal eher was am A*** vorbei.
                      Andere Leute betreffend möchte ich aber nicht in so was hinein gezwungen werden. Gerne würde ich überhaupt so sein wie auf Arbeit, ich selbst. Ich weiß, dass man sich nie allen Menschen
                      100%ig zeigt, das funktioniert einfach nicht. Man wählt immer aus einem Spektrum einiges aus, je nach Person, Situation, Tageszeit und Umgebung. Aber warum fällt es mir so schwer? Warum lächle ich alles weg? Und warum gerade bei der wichtigsten Person? Warum komme ich von einer auf die nächste Sekunde nicht mehr an meine Gefühle ran?

                      Letztendlich führt doch dieser Zustand früher oder später auch zu einer Vereinsamung. Wenn ich meine Gefühle nicht fühlen, sie also nicht zeigen kann oder jemandem lächelnd sage, wie schlecht es mir geht, werde ich mich eher hüten über Gefühle zu sprechen, weil ich sie entweder nicht empfinden und somit auch nicht mit jemandem teilen kann oder nicht missverstanden werden will.
                      Gestern war ich einfach nur frustriert, heute kann ich wenigstens diese Gedankengänge zustande bringen.

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                        #86
                        Mir kam dabei ein spontaner Gedanke. Gab es in deiner Kinderzeit jemanden in der Familie den du "beschützen" wolltest?

                        Das würde für mich dieses widersprüchliche Senden erklären.

                        Ist dir dein Lächeln in dem Moment bewusst? Also wenn du etwas unangenehmes erzählst? Falls ja, kannst du dann deine Mimik verändern?

                        Versuche das doch einmal mit dir selbst vor dem Spiegel und schaue, welche Gefühle sich dabei einstellen.

                        Ich glaube, man ist in dem Moment authentisch wo man sich selbst sehr nahe ist. Deshalb sind authentische Menschen meiner Ansicht nach auch selten.
                        Vermutlich fühlst du dich bei der Arbeit sehr sicher und strahlst das auch aus. Störende Gefühle leistest du dir dort nicht und da es auch keine engen/komplizierten Bindungen gibt dort, kommst du selbst nicht in innere Konflikte. Das heißt bei der Arbeit bist du deshalb authentisch weil du da in dir selbst ruhst.

                        Im privaten Bereich gibst du mehr von dir preis. Das ist logisch und üblich. Da kommen dann aber auch deine inneren Kämpfe zum tragen. Es kommen alle Anteile von dir zu Wort und somit wird es für dich schwieriger in dir selbst zu ruhen. Deshalb denke ich, du bist im privaten authentischer, auch wenn es dir selbst nicht so vorkommt.

                        Was nun deine Gefühle betrifft. Kann es sein das es in dir eine Instanz gibt die darüber bestimmt was du "fühlen" darfst. Das würde erklären, wieso du im beruflichen Feld keine Probleme hast, im privaten Bereich aber schon. Und es würde auf meine Eingangsfrage hindeuten.
                        Wenn du es dir als Kind nicht "leisten konntest" deine Gefühle zu zeigen, dann wirkt das evt. heute noch nach.

                        Ich finde es übrigens erstaunlich welch klare Worte du für dein Befinden und deine inneren Vorgänge findest. Respekt!

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                          #87
                          Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                          Mir fällt auch auf, dass ich in vielen Situationen lache oder lächle, wenn ich jemandem (vor allem meinem Partner) von unangenehmen Gefühlen berichte und ihm sagen will, dass es mir schlecht geht. Das macht mich noch in dem Moment wütend, aber ich kann es nicht zeigen. Wut bekomme ich dann nur auf ihn, weil er es dann möglicherweise abtut, abschwächt oder relativiert. Was sollte er auch sonst tun, ich sende völlig widersprüchliche Signale. Wenn ich mich zurück erinnere sagte mir meine Therapeutin auch oft, dass ich lächle, wenn ich von etwas Unangenehmen spreche. Sie fragte dann immer, woher das Lächeln dazu kommt. Woher soll ich das denn wissen?! Ich meine das trotzdem ernst und es ist mir unangenehm, dass sich wie automatisch ein Lächeln dabei formt. Ich komme mir ja selbst merkwürdig dabei vor weil ich weiß, dass ich so nicht ernst genommen werde und vor allem weil ich mich selbst betrüge!
                          Ist dieses Lächeln vielleicht ein Teil Deines unbewussten Verteidigungskonzeptes? Lächeln, um beim Gegenüber für "gut Wetter" zu sorgen angesichts einer schlechten Nachricht? Um schon rein präventiv keine Aggression gegen Dich aufkommen zu lassen?
                          Ein Hinweis könnte die Frage liefern, wie gut Du mit fremder Aggression umgehen kannst, die gegen Dich gerichtet ist. Oder auch nur schon mit der Vorstellung davon!

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                            #88
                            Liebe Nordhimmel,

                            Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
                            Mir kam dabei ein spontaner Gedanke. Gab es in deiner Kinderzeit jemanden in der Familie den du "beschützen" wolltest?

                            Das würde für mich dieses widersprüchliche Senden erklären.

                            Ist dir dein Lächeln in dem Moment bewusst? Also wenn du etwas unangenehmes erzählst? Falls ja, kannst du dann deine Mimik verändern?
                            Meine Mutter war sehr aufbrausend und später unberechenbar. Ich weiß, dass ich mir geschworen hatte nicht aufzufallen, keine Probleme zu machen, einfach, weil es schon genug davon gab. Ich kann mich auch an eine Situation erinnern, in der es finanziell sehr schwer war. Sie hatten gerade Insolvenz angemeldet und auf unser Haus stand eine Hypothek aus, es war klar, dass wir es verlieren würden. Mich machte das fertig, damals war ich 8 Jahre. Für mich bedeutete das weit weg zu ziehen, meine Freunde zu verlieren (was aus heutiger Sicht natürlich übertrieben erscheint, aber meine Mutter hatte auch einen Hang zum Drama). Im stillen Kämmerlein machte ich meine Ängste mit mir allein aus und bewertete für mich die Situation neu: Das konnte ja auch ganz interessant sein, neue Leute kennenzulernen und woanders von vorn zu beginnen. Also ging ich zu meiner Mutter und verkündete ihr, dass es mir nichts ausmachen würde, würden wir weiter wegziehen und ich auf eine neue Schule gehen müsste. Das machte ich, damit es ihr besser ging, um ihr eine Entscheidung dahingehend zu erleichtern. Ich glaubte, für sie wäre es eine Last weniger. Von meinem Kampf zuvor, meinen Ängsten und meiner Wut wusste sie nichts und ich zeigte davon auch nichts. Das hielt ich sehr lange und ausdauernd durch.

                            Mittlerweile bemerke ich das Lächeln fast schon zu Beginn, immerhin. Aber wie soll ich es umlenken, ohne dass es albern wirkt? Der einzige Weg besteht bisher darin lauter zu werden, wütend zu sein. Ich unterstelle dem Anderen, dass er doch wissen müsste, dass das ein wichtiges und ernstes Thema für mich ist trotz meines Lachens. Ich bin wütend auf ihn und wütend auf mich und das entlädt sich dann in meiner Art und Weise. Ich kann versuchen mein Lächeln zu beenden, aber da sehe ich schon in seinem Gesicht die Reaktion darauf. Er hat es bereits registriert, sein Gesichtsausdruck sagt: "Na was hat sie denn nun schon wieder für ein Problem...". Er lächelt dann auch leicht und ich habe dann natürlich immer das Gefühl, er würde sich über mich und mein Problem lustig machen. Das bringt mich noch mehr auf die Palme.
                            Was steckt noch hinter diesem Lächeln: vielleicht, sich für unangenehme Gefühle schämen. Jemandem nicht zur Last fallen wollen. Ich kann mich nicht daran erinnern, mal mit Wut oder Angst oder einem Wunsch zu meinen Eltern wirklich offen und eben mit allem Gefühl gegangen zu sein und es geäußert zu haben. AB ca. 7 Jahren war das vorbei, da habe ich alles (zu) gut kontrollieren können. Vielleicht kommt daher auch das Lächeln. Wenn ich mich erinnere erlebe ich meine Eltern als gehetzt, genervt, gestresst und nicht aufnahmebereit. Da war kein Platz für uns. Mein Bruder ist mit seiner Art und Weise, um Dinge zu bitten oder Gefühle auszudrücken, abgeprallt. Da gab es nur Ärger, explosionsartig. Ich hab genau beobachtet, wann ein Zeitpunkt günstig war. Gab es keinen, dann bin ich auch nicht zu meinen Eltern gegangen. Doch wenn, dann habe ich mich "angeschlichen", ein Lächeln aufgesetzt und mein Anliegen möglichst vorsichtig formuliert. Vielleicht sollte das besonders charmant wirken, ich weiß es nicht, aber die Wahrscheinlichkeit war groß, dass man so Gehör bekam und dass einem der Wunsch auch nicht abgeschlagen wurde, vor allem nicht von meinem Vater Mit Geschrei, Geheul, Jammern, Betteln oder anderem wurde man nicht beachtet, man machte es dadurch nur schlimmer.

                            Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
                            Ich glaube, man ist in dem Moment authentisch wo man sich selbst sehr nahe ist. Deshalb sind authentische Menschen meiner Ansicht nach auch selten.
                            Vermutlich fühlst du dich bei der Arbeit sehr sicher und strahlst das auch aus. Störende Gefühle leistest du dir dort nicht und da es auch keine engen/komplizierten Bindungen gibt dort, kommst du selbst nicht in innere Konflikte. Das heißt bei der Arbeit bist du deshalb authentisch weil du da in dir selbst ruhst.
                            Und es geht sogar darüber hinaus, da ich mittlerweile meine Gefühle dort auch zeigen kann. Da verstelle ich mich nicht und kann dennoch mit einigen Kollegen sehr privat werden.

                            Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
                            Im privaten Bereich gibst du mehr von dir preis. Das ist logisch und üblich. Da kommen dann aber auch deine inneren Kämpfe zum tragen. Es kommen alle Anteile von dir zu Wort und somit wird es für dich schwieriger in dir selbst zu ruhen. Deshalb denke ich, du bist im privaten authentischer, auch wenn es dir selbst nicht so vorkommt.
                            Danke für den Hinweis, das stimmt. Jetzt könnte man natürlich auch fragen, ob es die Authentizität überhaupt gibt, immerhin würde das eine Summe aller meiner Anteile bedeuten und ob die jemals alle zusammen kommen ist vielleicht sogar fraglich.

                            Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
                            Ich finde es übrigens erstaunlich welch klare Worte du für dein Befinden und deine inneren Vorgänge findest. Respekt!
                            Ich habe gerade eigentlich das Gefühl auf der Stelle zu treten, aber so ist es wohl, das Problem zeigt sich, es möchte bearbeitet werden und es zeigt sich solange, bis es weiter geht oder es gelungen ist. Aber manche der Gedankengänge sind tatsächlich neu verknüpft und einige Dinge sind mir heute auch erst wieder eingefallen. Ein kleines Licht ging mir heute auf, auch wenn ich damit noch nicht zufrieden bin.

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                              #89
                              Lieber Serafin,

                              Zitat von Serafin Beitrag anzeigen
                              Ist dieses Lächeln vielleicht ein Teil Deines unbewussten Verteidigungskonzeptes? Lächeln, um beim Gegenüber für "gut Wetter" zu sorgen angesichts einer schlechten Nachricht? Um schon rein präventiv keine Aggression gegen Dich aufkommen zu lassen?
                              Ein Hinweis könnte die Frage liefern, wie gut Du mit fremder Aggression umgehen kannst, die gegen Dich gerichtet ist. Oder auch nur schon mit der Vorstellung davon!
                              Es wird auf jeden Fall eine Facette sein, die dahinter steckt. Überspitzt würde ich sagen, wäre das schmeichelnd, charmantes Auftreten. Solche Leute kann ich eigentlich nicht leiden und bin durch dieses Lächeln doch ein Stück so. Wobei der Inhalt meines Gesagten ganz und gar nicht schmeichelnd und charmant in der Situation ist, in der dieses Lächeln kommt. Ich habe es auch nicht nötig, jemandem Honig ums Maul zu schmieren, dafür bin ich zu ehrlich. Für meine Interessen und Wünsche kann ich auch anders einstehen und tue das, wenn nötig, sehr vehement und lautstark oder aber diplomatisch. Aber gerade da, wo ich es nicht bräuchte, vor meinem Partner, der mich, meine Situation, meine Geschichte sehr gut kennt, tue ich es immer und immer wieder. ich könnte doch sagen: "Du weißt ja, was ich manchmal für Probleme habe und gerade merke ich es wieder besonders stark und es geht mir nicht gut, es quält mich." Und dann habe ich plötzlich dabei ein Lächeln im Gesicht, sage es mit einem Lachen und im schlimmsten Fall kann ich ihn dabei nicht mal ansehen. Es geht auch ums Gesicht zeigen und darum, es nicht zu verlieren. Und immer wieder um Stolz, Stolz, Stolz.

                              Ob es jetzt mit einer Angst vor negativen Reaktionen zu tun hat, weiß ich nicht. Da klingelt gerade nichts bei mir. Obwohl natürlich hinter dieser "Masche" auch ein Lernprozess steht und letztendlich kann ich auch gelernt haben, Zurückweisungen aus dem Weg zu gehen.

                              Da fällt mir gleich das positive Verstärken ein. Wie oft mein Bruder mit meiner Mutter aneinander geraten ist und wie heftig! Er war irgendwann das schwarze Schaf der Familie und ich wurde ihm als positives Beispiel immer vorgehalten. Für ihn war das ziemlich schlimm und eh ich das Spiel durchschaut habe, vergingen etliche Jahre.

                              Das reißt gerade eine ziemliche Lawine in mir los. So ist mir jetzt erst bewusst, dass ich dabei immer nur auf die Gefühle meiner Mutter geschaut habe, wie ihr es in diesen Auseinandersetzungen ging. Eine schlagende, tretende Mutter, die hinter meinem Bruder her rennt, heult und schreit, dass er nur auf ihren Gefühlen herumtrampeln würde. Ich weiß, dass ich nie verstanden habe, warum mein Bruder so "böse" war und nicht einmal machte, was sie sagte. Offenbar war ich schon so eingeschworen auf sie und ihre Gefühlswelt, dass sich die Kluft zwischen meinem Bruder und mir auch immer weiter vergrößerte.

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                                #90
                                Liebe Jannes, Dein Posting Nr. 85 spricht mich so sehr an, Gerade der Inhalt des ersten Drittels . Du hast dieses Verhalten so wunderbar in Worte verpackt. Ich erkenne mich ganz und gar darin wieder.
                                Das hilft Dir jetzt nicht weiter, aber ich lese mit großem Interesse, welche Überlegungen und Hintergründe Du zu finden suchst.
                                Danke für Deine Offenheit.

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