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Die Kunst des Fliegens

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    #31
    Zitat von Jannes Beitrag anzeigen

    Einen Hund kann ich führen, selbst auf der Jagd habe ich die Chance ihn abzurufen, um ihn selbst und auch den Gejagten zu schützen. Mit einem Hund kann ich trainieren und Lernprozesse anschieben, aber nicht mit einem Luchs (jedenfalls sagt mir das mein Gefühl).
    Hmmm, ... das "Gezähmte in dir, das "Erzogene, Erlernte" gehorcht dir (der Hund?). Das "Wilde, ungezähmte, nach freier Bahn strebende und unabhängig(er)-sein-wollende in dir", hast du (noch) nicht unter "Kontrolle", will sagen: das beherrschstdu noch nicht (der Luchs?).

    Beide verkörpern maßgebliche Anteile in dir, von denen du (sag ich mal so) einen "integrierst hast" (den erzogenen Hund), den anderen nicht. Der Hund ist unter anderem die erworbene Kopflastigkeit, der (kognitive) verinnerlichte rationale Gehorsam - der Luchs ist die noch zu erlernende, kennen-zu-lernende und als Anteil zu integrierende Emotionalität. Die "durchschaust" du noch nicht.

    Das würde allerdings bedeuten, dass ich das Bedürfnis nach Nähe, Schutz, Zuwendung im Rahmen eines Rudels beschneiden kann, aber keine Möglichkeit sehe den Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit anzupassen.
    Da bist du sehr nahe dran.
    Die Rechnung geht also so nicht auf, der Gewinner stünde schon fest.
    Jein. Der Kopf weiss es, das "Herz" wird es noch lernen, ... wenn du bereit bist, es zu öffnen.
    Mir fällt selbst auf, dass ich beides wieder getrennt voneinander betrachte. Wenn der Luchs hier unbedingt bleiben soll, dann braucht er ein größeres, abgetrenntes Territorium. Hund und Katze kriege ich wohl nicht gemeinsam an einen Tisch. Das kann ich wohl auch nicht von ihnen verlangen. Der Mensch muss also für angemessene Bedingungen sorgen.
    Wenn du mit "der Mensch" euch beide (deinen Lebensgefährten und dich) meinst, dann sehe ich für den Hund und den Luchs (in dir) zwar noch ein Stück Arbeit, jedoch auch eine fruchtbare Kohabitation.

    Edit:
    Dränge ich den Luchs in die Ecke, gebe ich ihm nicht genug Raum, dann beginnt er mich zu beißen.
    Yep.
    Gib ihm den Raum, den er braucht. Mehr will er gar nicht.

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      #32
      Darf ich dir nochmal ein paar (archaische) Bilder dalassen?

      Nehmen wir einmal vereinfacht an der Luchs (Katze) steht für dein Gefühl und der Hund steht für deinen Verstand.

      Das "Territorium" ist dein momentanes Leben. Der Hund (Verstand) lässt sich auf Beschränkungen des Territoriums ein, er gehorcht sozusagen. Und andersrum "gehorchst" auch du ihm. Denn deine Gedanken beeinflussen dich ja in deinem Tun.

      Dein Gefühl schert sich einen Dreck um irgendwelche territorialen Ansprüche. Es ist völlig frei. Das macht dir Angst und glaube mir, das macht vielen Angst, wenn nicht gar jedem Menschen.

      Du "denkst" (Verstand) du musst dich entscheiden. Dein Gefühl wird das nicht tun. Deshalb der Kampf zwischen beiden. Gefühle kann man nicht beherrschen, nicht steuern, nicht eingrenzen.
      Man kann sie nur akzeptieren, fließen lassen und genießen oder verfluchen in dem sicheren Wissen sie vergehen auch wieder

      Die meisten Menschen denken sie müssen sich entscheiden. Das dachte ich auch lange. Aber heute glaube ich, es stimmt nicht. Man kann gleichzeitig frei und ungebunden sein und trotzdem in einer Gemeinschaft leben und sich darin geborgen fühlen.
      Man kann nur nicht beide Gefühle gleichzeitig "fühlen". Wenn du dafür sorgst dass deine inneren Anteile alle zu ihren Bedürfnissen kommen, werden sie sich nicht mehr bekämpfen.

      Ich fand es z.b. sehr interessant das dein Eindruck im Traum der war, dass dein Partner die Situation für vollkommen "normal" hält. Das könnte darauf hinweisen das er diesen inneren Kampf nicht (mehr) kämpft.

      Ich glaube so lange du denkst es gibt da einen "Gewinner" und einen "Verlierer" beschränkst du deine Möglichkeiten. Es ist nicht so. Es geht beides

      Ein ganz banales Beispiel. Du hast Hunger und Appetit auf etwas Deftiges UND etwa Süßes. Kippst du dann den Pudding über die Lasagne, rührst beides zusammen und isst es dann?
      Wohl eher nicht. Du genießt beides nacheinander

      Genauso funktioniert das auch mit dem Befriedigen deiner inneren Anteile. Ich fühle mich z.b. total frei wenn ich einen langen (mindestens 2 Stunden) Spaziergang mache (alleine). Verbunden fühle ich mich wenn ich mit Freunden z.b. essen gehe.

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        #33
        @ Jannes

        Zitat von Nordhimmel
        Man kann gleichzeitig frei und ungebunden sein und trotzdem in einer Gemeinschaft leben und sich darin geborgen fühlen.
        Wie "funktioniert" das?

        Begriffe wie Abhängigkeit und Freiheit werden oft in Unterhaltungen und Streitgesprächen erwähnt oder sie sind das Thema mitunter hitziger ideologischer Diskussionen. Manch einer pocht auf seine "innere Freiheit", die er sich nehmen dürfe, da sie ihm zustünde. Da er denken könne - so heißt es - sei der Mensch an sich ein freies Wesen, das sein Leben logischerweise auch frei gestalten können dürfe. Diese Behauptung ist alles andere, aber nicht logisch.

        Wir leben ausnahmslos alle in einem System gegenseitiger (sozialer) Abhängigkeit - in physischer und sinnlicher Abhängigkeit zu unserer Umwelt - in geistiger Abhängigkeit zu unserem erworbenen Wissen, unserem Glauben, unseren Reflexionen, unserem kollektiven Gedächtnis und unseren Emanationen aus dem Unbewussten. All diese Abhängigkeiten wirken interaktiv. Auf die soziale, die physische und sinnliche Abhängigkeiten können wir einen bedingten Einfluss nehmen. Wir können sie aber nicht beherrschen. Unsereu Gedanken und unser Unbewusstes können wir nicht einmal kontrollieren, wir haben keinerlei Einfluss darauf. Wir sind ergo alle in einem dicht gestrickten symbiotischen System eingebunden, und als Individuen von vorneherein nicht frei. Ohne diese Abhängigkeiten würden wir nicht überleben.

        Obwohl uns das einleuchtet, fällt es uns nichtsdestotrotz schwer, diese Interdependenz zu akzeptieren und die Freiheit bleibt nach wie vor ein erstrebenswertes Ziel. Einige “trösten” sich damit, dass sie ersatzweise, sozusagen als Kompensation für die nicht mögliche "große Freiheit", eine kleinere, bescheidenere "persönliche Freiheit" beanspruchen, die allerdings - wenn wir es wiederum fundamental betrachteten - ebenfalls nicht erreichbar ist.

        Bei beiden "Freiheiten" handelt es sich um Glaubensbilder, um Vorstellungen, um Wünsche und Erwartungen, um Verlangen und Sehnsüchte - um vermeintliche Ansprüche. Wie wir es auch drehen und wenden, die von uns erstrebte(n) Freiheit(en), und seien sie noch so bescheiden, wäre(n) immer abhängig "von etwas" und sind deshalb von vorneherein absurd.

        Wir werden also nicht wirklich „frei“ sein können. Wir können hingegen "frei-von" der lästigen Behinderung durch diese absurden Wunschvorstellungen werden - "frei-für"die Verwirklichung unseres Selbst in einem Ganzen … wenn wir die Freiheit als Wunschtraum akzeptieren und die Erwartungen, die wir an die vermeintliche Freiheit stellen, als illusorisch anerkennen.

        Wir können nicht ohne, sondern nur durch die Gemeinschaft wachsen – quasi in “Unfreiheit” - weil wir von der Gemeinschaft abhängig sind. Ohne sie hätten wir kein Gegenüber, an dem wir uns messen und an dem wir wachsen könnten. Ein Individuum allein und frei "von allen Bindungen" hat keinen Bezug.

        Im Grund gibt unser Wesen uns das Beispiel. Das eine geht nicht ohne das andere - Psyche und Physis sind interdependent. Allein für sich, sind sie zu nichts fähig.
        In der Gemeinschaft/Gemeinsamkeit gibt es reichlich Raum, um trotzdem "sich selbst sein zu können" und sich entfalten und wachsen zu können. Die Gemeinschaft gibt, bzw. ermöglicht uns diesen Raum erst, denn ohne die In-Sich-Geschlossenheit der Gemeinschaft wäre Raum gar nicht denkbar, da es für ihn keinen Rahmen gäbe.

        Die Gesamtheit der Gemeinschaft ist keinesfalls „freiheitsraubend“, sondern eine wertfreie Größe, da sie als Rahmen in sich allen anderen (kleineren) Gemeinschaften und dem Einzelnen - unabhängig von deren Qualität - Raum gibt, sich zu entfalten, in einer permanenten, interaktiven Wechselwirkung. Außerhalb der Gemeinschaft (isoliert) würde jeder sich zwangsläufig verlieren.

        Innerhalb der Gemeinschaft kann der Einzelne seine innere Ausgeglichenheit(Akzeptanz seiner selbst im Zusammenhang/Zusammenspiel mit allem) erreichen. Die Ausgeglichenheit ermöglicht es uns, das "äußere Leben" zuzulassen, wie immer es sich auch anbietet. Wir können zwar mit individualistischen Ideen und Handlungen darauf einwirken, würden aber - bildlich gesehen - lediglich eine Handvoll Sand in einem Sandsturm werfen. Unser Einwirken geht nicht nur in die von uns angepeilte Richtung, sondern wird durch die Interdependenz von den kausalen Vernetzungen aufgesogen und folgt in stetig steigender Potenz den Kausalitätsprinzipien. Wir befinden uns in einer unausweichlichen permanenten Wechselbeziehung zu unserer gesamten Umwelt.

        Das Akzeptieren dieser Gegebenheiten hat nichts mit Fatalitätsdenken zu tun, sondern mit Vernunft. Die Akzeptanz verleiht uns eine innere Ausgeglichenheit, eine gewisse Souveränität. Bildlich gesehen, stehen wir dadurch zwar nicht "über den Dingen", aber wir sehen und erkennen die Struktur, finden uns selbst darin wieder und verstehen, warum alles interdependent ist - letzten Endes werden wir auch verstehen, warum die Menschen so handeln, wie sie handeln und warum sie so sind, wie sie sind.

        "Freiheit" ist ergo nicht die Ausklammerung aus oder das „Losgelöst-Sein“ von allem, sondern die Akzeptanz der Zusammenhänge. Durch die Akzeptanz der Zusammenhänge (im Gegensatz zu ihrer Bekämpfung oder der Resignation) entsteht eine gewisse "Leichtigkeit des Seins".... ein sehr starkes Glücksgefühl - die Freiheit.


        Zitat von Nordhimmel
        Wenn du dafür sorgst dass deine inneren Anteile alle zu ihren Bedürfnissen kommen, werden sie sich nicht mehr bekämpfen.
        Und das können sie nur, wenn sie "sich in dir daheim" fühlen, wenn sie sich gegenseitig in ihren Eigenschaften ergänzen und nicht mehr so benehmen, wie aufeinander-lauernde oder sich-aus-dem-Weg-gehende oder sich-bekämpfende Unbekannte.

        Wenn der Hund und der Luchs sich gleichwertig "in dir daheim" fühlen, hat jeder von ihnen auf deinem Territorium seinen Raum in einem Ganzen, seine "Freiheit " in "deinem System" ... was nach sich zieht, dass du als Territorium dann die Voraussetzungen erfüllst, dich deinerseits leichter und vielleicht nahtlos in "das große Territorium" einbinden zu können.

        lG

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          #34
          Liebe Nordhimmel,

          Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
          Dein Gefühl schert sich einen Dreck um irgendwelche territorialen Ansprüche. Es ist völlig frei. Das macht dir Angst und glaube mir, das macht vielen Angst, wenn nicht gar jedem Menschen.
          Es kommt mir rückblickend so vor, als wäre ich bislang immer zwischen Hund und Luchs hin und hergependelt. Hatte ich das Bedürfnis nach Anschluss, Rückhalt und Gemeinschaft dann war ich in einer Beziehung. Da dieses Bedürfnis sehr groß ist, hat es eine Weile gedauert, bis es "gesättigt" war. Irgendwann meldete sich immer das, was nun mein Luchs ist und ich habe mich in vergangenen Beziehungen dann nicht mehr in der Lage gesehen diesen inneren Kampf auszuhalten, was wohl, so aus heutiger Sicht, im letzten Schluss auch zur Beendigung der Beziehung führte. Daher passt folgendes und trifft es auch:

          Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
          Du "denkst" (Verstand) du musst dich entscheiden. Dein Gefühl wird das nicht tun. Deshalb der Kampf zwischen beiden. Gefühle kann man nicht beherrschen, nicht steuern, nicht eingrenzen.
          Man kann sie nur akzeptieren, fließen lassen und genießen oder verfluchen in dem sicheren Wissen sie vergehen auch wieder
          Letzteres habe ich versucht, der Luchs hat sich von hinten angeschlichen und "kratzte an der Tür", ich habe ihn wohl ignoriert und ihm zu wenig Beachtung geschenkt.
          Gestern habe ich mir noch die Frage gestellt, woher er nun auf einmal kommt. Aber er ist ja nicht plötzlich da, ich habe ihn nur nicht gesehen oder wollte es auch nicht, weil Hund und Luchs für mich nicht wirklich zusammen passen. Ich nehme ja auch in solchen Situationen nicht wahr, was eigentlich hinter diesen diffusen Gefühlen steckt und vermutlich hat sich das alles auch schon hochgeschaukelt. Das Kind schreit einfach lauter und ausdauernder, wenn ichs beim ersten Mal nicht höre. Dann ist es plötzlich so laut, dass ich es nicht mehr ertragen kann und auch nicht mehr weiß, was es überhaupt will. Mein Fazit ist dann, dass ich dem Kind nicht helfen kann, die Sache ist verkorkst und nicht zu retten.

          Eins noch: Das Bild von Pudding auf Lasagne geht mir jetzt erstmal nicht mehr aus dem Kopf



          @ Shepherd:

          Zu deinen Worten kommt mir das ökosystemische Modell von Bronfenbrenner in den Sinn (Individuum eingebettet in ihn umgebende Systeme - alles steht in wechselseitiger Beziehung).

          Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
          Das Akzeptieren dieser Gegebenheiten hat nichts mit Fatalitätsdenken zu tun, sondern mit Vernunft. Die Akzeptanz verleiht uns eine innere Ausgeglichenheit, eine gewisse Souveränität. Bildlich gesehen, stehen wir dadurch zwar nicht "über den Dingen", aber wir sehen und erkennen die Struktur, finden uns selbst darin wieder und verstehen, warum alles interdependent ist - letzten Endes werden wir auch verstehen, warum die Menschen so handeln, wie sie handeln und warum sie so sind, wie sie sind.

          "Freiheit" ist ergo nicht die Ausklammerung aus oder das „Losgelöst-Sein“ von allem, sondern die Akzeptanz der Zusammenhänge. Durch die Akzeptanz der Zusammenhänge (im Gegensatz zu ihrer Bekämpfung oder der Resignation) entsteht eine gewisse "Leichtigkeit des Seins".... ein sehr starkes Glücksgefühl - die Freiheit.
          Ich fühle mich nach wie vor nicht frei, sondern eingesperrt, eingezwängt bei diesem Gedanken. Meine Ziele bzw. Vorstellungen meines Lebensentwurfes wackeln ein wenig. Da stürzt noch nichts ein, ich bin nicht auf und davon. Aber ich merke schon, wie ich die Dinge anders gewichte. Wenn ich durch eine Tür gehe, verschließen sich automatisch etliche andere. Ich kann aber nicht durch alle Türen gleichzeitig gehen, es gilt ja auch voran zu gehen. Aber was ist das Endresultat dessen: Ich warte und warte, weil ich hier völlig auseinanderdriftende Bedürfnisse habe, was mich wiederum frustriert. Oder anders gesagt: Ich laufe ständig vor den Türrahmen, sich meine Anteile nicht einig werden.

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            #35
            Ich werde dir gerne noch weitere Gedanken dazu schreiben, wenn du das möchtest. Aber grad finde ich, es ist schon sehr viel und ziemlich starker Tobak.

            Vielleicht lässt du es erstmal sacken?

            Ich glaube ein Lebensentwurf setzt immer voraus, dass ich nicht jedem flüchtigen Gefühl nachgebe. Sonst tauscht man eine gewisse Grundzufriedenheit ein für kurze, flüchtige Glücksgefühle und viel Kummer.

            Es geht hier eher darum, WIE du deine Grundbedürfnisse in deinen Lebensentwurf integrierst. Bislang dachtest du, du musst dich entscheiden. Falls du zum Ergebnis kommst das dies gar nicht so ist, öffnen sie viele völlig neue Türen. Aber dazu brauchst du erst mal ein wenig Zeit.

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              #36
              Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
              Ich werde dir gerne noch weitere Gedanken dazu schreiben, wenn du das möchtest. Aber grad finde ich, es ist schon sehr viel und ziemlich starker Tobak.
              Vielleicht lässt du es erstmal sacken?

              Ich glaube ein Lebensentwurf setzt immer voraus, dass ich nicht jedem flüchtigen Gefühl nachgebe. Sonst tauscht man eine gewisse Grundzufriedenheit ein für kurze, flüchtige Glücksgefühle und viel Kummer.

              Auch das schwankt sehr stark. Jetzt gerade bin ich in einer Position darüber nüchtern schreiben zu können, ohne Gefühlsanteil. Es ist ja auch mal wichtig das alles aussprechen zu können, das habe ich mich lange nicht getraut, weil ich das Gefühl hatte, dass das so alles nicht richtig sein kann. Wie kann man denn nur? Und immer das Gefühl, nicht glücklich sein zu können.
              Mir geht es auf jeden Fall besser als letzte Woche.

              Das mit der Grundzufriedenheit kann ich nur unterschreiben und ich versuche auch schon seit geraumer Zeit, den "flüchtigen Gefühlen" nicht nachzugeben. Dabei habe ich aber vergessen, dass auch diese Gefühle/ Bedürfnisse beachtet werden wollen und nicht immer aufs Neue beiseite geschoben werden dürfen.

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                #37
                Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                Dabei habe ich aber vergessen, dass auch diese Gefühle/ Bedürfnisse beachtet werden wollen und nicht immer aufs Neue beiseite geschoben werden dürfen.
                Ich glaube genau da bist du bei einem wichtigen Punkt. Gefühle sind ein wenig wie kleine Kinder. Sie werden immer quengeliger, je länger man sie nicht beachtet.
                Dafür reicht dann andersrum oft eine Kleinigkeit um sie zu befriedigen.

                Und, was auch noch wichtig ist. Du solltest dir diese Gefühle alle gestatten ohne sie zu werten. Sie sind Teil von dir. Natürlich wirst du nicht jedem Impuls nachgeben. Aber kein einziges Gefühl ist verdammenswert.

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                  #38
                  Liebe Jannes,

                  Träume im Wachzustand zu deuten, finde ich ziemlich schwierig. Bei mir sehe ich, dass die Traumbotschaften häufig überhaupt nichts mit den klassischen Deutungen zu tun haben, die sich z.B. im Internet finden, sondern oft sehr viel banalerer Natur sind.

                  Ich habe gemerkt, dass sich mir die Bedeutung eines Traumes am besten im Halbschlaf erschliesst.
                  Wenn ich mich gleich beim Erwachen frage, was dieser oder jener Traum zu bedeuten habe, sind die Bilder meistens erstaunlich klar! Irgendwie scheint die Tür zum Unterbewusstsein noch einen Moment lang geöffnet zu sein, während gleichzeitig der Verstand schon wach genug ist, um die Botschaft im Klartext empfangen zu können. Interessanterweise funktioniert das auch Tage später noch, wenn Dir ein Traum besonders in Erinnerung geblieben ist!
                  Einmal darüber zu schlafen, ist also gar keine schlechte Strategie!

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                    #39
                    Lieber Serafin,

                    ich habe dir noch gar nicht geantwortet. Dann also jetzt Wenn ich so klar träume, dann nehme ich diese Träume gefühlsmäßig mit in den Tag. So, wie ich es beschrieben habe, habe ich es auch empfunden und gefühlt. Ausgehend davon versuche ich ihn zu deuten. Meist ist es wie bei dir, man wacht langsam auf und der Traum geistert noch vor dem inneren Auge. Dann ist die emotionale Bilanz des Traums bei mir auch am deutlichsten. Zusätzliche Impulse können aber dennoch nicht schaden, so wir hier geschehen.

                    Mir geht es gerade besser. Ich habe in der letzten Woche viel für mich allein getan und mir Raum genommen. Ich konnte mich wieder dazu hinreißen laufen zu gehen, mit Hund klappt das nun besser. Der Streithammel in mir setzt immer noch an zum Sprung, ich bin aber gerade schnell genug ihm zuvor zu kommen. Und offenbar habe ich mich auch dazu überreden lassen dieses Wochenende mit Freundinnen wegzugehen, was ich ewig nicht getan habe, weil wir recht weit ab vom Schuss wohnen. Das konnte ich ganz gut genießen, wobei ich das Gefühl habe, dass man irgendwann zu alt dafür ist... Doch kam irgendwann der Wunsch oder der Gedanke, dass es schön gewesen wäre meinen Partner mit dabei zu haben. Das hätte ich so nicht erwartet.

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                      #40
                      Seid ihr schon mal aus dem Leben „erwacht“? Als wäre man plötzlich nüchtern, kann ganz klar sehen und fragt sich plötzlich, wie man eigentlich hier hin gekommen ist?
                      Nicht wie bei einem Filmriss, man ist schon in der Lage sich an alles zu erinnern, aber jetzt, wo man wach ist, erscheint alles unwirklich. Bin das wirklich ich? Wie ist das denn möglich? Als würde man aus einem Traum erwachen. Das klingt, als wäre ich verrückt.
                      Ich lebe ein Leben, wie ich es niemals für möglich gehalten habe, jedenfalls nicht für mich. Einerseits bewundernswert. Andererseits ist aufzuwachen erschreckend, weil ich vieles so viel schwerwiegender erlebe, mit soviel mehr Verantwortung belastet.
                      Möglicherweise lichtet sich ja der Rest eines Deckmantels aus Derealisation. Mir ist schon klar, warum es manchmal schöner ist weniger zu sehen..

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                        #41
                        Liebe Jannes,

                        Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                        Seid ihr schon mal aus dem Leben „erwacht“? Als wäre man plötzlich nüchtern, kann ganz klar sehen und fragt sich plötzlich, wie man eigentlich hier hin gekommen ist?
                        Nicht wie bei einem Filmriss, man ist schon in der Lage sich an alles zu erinnern, aber jetzt, wo man wach ist, erscheint alles unwirklich. Bin das wirklich ich? Wie ist das denn möglich? Als würde man aus einem Traum erwachen. Das klingt, als wäre ich verrückt.
                        Ich lebe ein Leben, wie ich es niemals für möglich gehalten habe, jedenfalls nicht für mich. Einerseits bewundernswert. Andererseits ist aufzuwachen erschreckend, weil ich vieles so viel schwerwiegender erlebe, mit soviel mehr Verantwortung belastet.
                        Möglicherweise lichtet sich ja der Rest eines Deckmantels aus Derealisation. Mir ist schon klar, warum es manchmal schöner ist weniger zu sehen..
                        Nein, ich glaube, ein solch starkes Erlebnis dieser Art hatte ich noch nicht. Gab es irgendeinen erkennbaren Auslöser oder kannst Du Dir sonst erklären, wie es zu diesem "Erwachen aus dem Leben" kam? Ich fände es spannend mehr über dieses Erlebnis zu erfahren - falls Du mehr darüber schreiben möchtest, versteht sich.

                        Herzliche Grüße von Deiner Chaja

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                          #42
                          Liebe Chaja,

                          das erste Mal habe ich das vor einigen Wochen erlebt bei einem gemeinsamen Frühstück am Wochenende. Die Szene erinnert mich im Nachhinein an Kindheitstage. Nach dem Frühstück machte sich der Vater auf nach draußen oder auf Arbeit, die Mutter widmete sich der Hausarbeit. Erwachen hier also im Sinne von Erwachsensein, Dinge tun, die Erwachsene tun. Plötzlich verbunden mit der Erkenntnis: Das bin nun ich, das sind keine anderen Leute. Interessant, dass ich das aber nach wie vor noch aus Kindperspektive betrachte.
                          Diese Klarheit war sehr unangenehm (Ich will keine Dinge tun müssen, die Erwachsene tun - das ist mir zuviel und zu anstrengend).
                          So war es Gott sei Dank seither nicht nochmal, aber am ehesten bei mir bin ich, wenn ich alleine bin, so wie heute und morgen wieder. Dann ist es plötzlich so klar, dass es beängstigend werden kann und blöd, dass ich keinen bei mir haben kann in diesem Zustand. Ich fühle mich plötzlich absolut berechenbar, ich selbst habe die absolute Kontrolle über mich, mein Handeln und meinen Körper. Ich kann mir vorstellen, dass einem das das Leben erleichtern kann, wenn es dauerhaft so ist. Aber sicher wirkt auch das Leben auf einen unmittelbarer, intensiver und eben nicht nur die positiven Dinge.
                          Interessant, ich glaube, ich hatte immer mal Phasen, wo es "besser" war, aber so bewusst ist es mir das erste Mal. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass es jemals so klar war. Nimmt man die Welt wirklich so wahr?

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                            #43
                            Liebe Jannes,

                            vielen lieben Dank für Deine Offenheit! Deine Beschreibung fasziniert mich sehr, auch wenn - oder gerade weil(?) - ich solche Situationen nie (oder zumindest nicht so klar) erlebt habe.

                            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
                            das erste Mal habe ich das vor einigen Wochen erlebt bei einem gemeinsamen Frühstück am Wochenende. Die Szene erinnert mich im Nachhinein an Kindheitstage. Nach dem Frühstück machte sich der Vater auf nach draußen oder auf Arbeit, die Mutter widmete sich der Hausarbeit. Erwachen hier also im Sinne von Erwachsensein, Dinge tun, die Erwachsene tun. Plötzlich verbunden mit der Erkenntnis: Das bin nun ich, das sind keine anderen Leute. Interessant, dass ich das aber nach wie vor noch aus Kindperspektive betrachte.
                            Ich weiß noch nicht, ob ich das wirklich richtig verstehe, aber für mich klingt das so, als würdest Du Dein Kindheits-Ich und Dein Erwachsenen-Ich absolut synchron erleben können, also im gleichzeitigen Bewusstsein, dass Du dieser Erwachsene bist, das Erwachsensein von außen betrachten und in Frage stellen. Kommt das so etwas hin?
                            Ich fühle mich plötzlich absolut berechenbar, ich selbst habe die absolute Kontrolle über mich, mein Handeln und meinen Körper. Ich kann mir vorstellen, dass einem das das Leben erleichtern kann, wenn es dauerhaft so ist. Aber sicher wirkt auch das Leben auf einen unmittelbarer, intensiver und eben nicht nur die positiven Dinge.
                            Das klingt irgendwie nach einem richtigen Realitätsflash.

                            Ich frage mich gerade: Wie fühlt es sich denn an, wenn Du NICHT die "absolute Kontrolle über Dich, Dein Handeln und Deinen Körper" hast? Wenn Du nicht selbst steuerst, wer oder was steuert dann? Gibt es eine Bewegung, in der Du dann mitschwimmst, getrieben wirst, ohne eingreifen zu können? Oder habe ich diese Bemerkung jetzt völlig überbewertet und es geht Dir eigentlich darum, ein besonders starkes Gefühl von Selbstkontrolle auszudrücken?

                            Ist es Dir recht, wenn ich hier so ein bisschen herumspekuliere?

                            Herzliche Grüße an Dich!
                            Deine Chaja

                            Kommentar


                              #44
                              Liebe Chaja,

                              Zitat von Chaja Beitrag anzeigen


                              Ich weiß noch nicht, ob ich das wirklich richtig verstehe, aber für mich klingt das so, als würdest Du Dein Kindheits-Ich und Dein Erwachsenen-Ich absolut synchron erleben können, also im gleichzeitigen Bewusstsein, dass Du dieser Erwachsene bist, das Erwachsensein von außen betrachten und in Frage stellen. Kommt das so etwas hin?
                              Ich denke, das trifft es. Wahrscheinlich begegnen sich gerade beide.


                              Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
                              Ich frage mich gerade: Wie fühlt es sich denn an, wenn Du NICHT die "absolute Kontrolle über Dich, Dein Handeln und Deinen Körper" hast? Wenn Du nicht selbst steuerst, wer oder was steuert dann? Gibt es eine Bewegung, in der Du dann mitschwimmst, getrieben wirst, ohne eingreifen zu können? Oder habe ich diese Bemerkung jetzt völlig überbewertet und es geht Dir eigentlich darum, ein besonders starkes Gefühl von Selbstkontrolle auszudrücken?
                              Gute Frage. Beides. Ich fühle mich längst nicht mehr so "nur-funktionierend", ich stehe nicht mehr ganz neben mir. Im Alltag ist es aber meistens so, dass ich mich dem Geschehen hingebe, eintauche und dann ein Stück verschwunden bin. Beides stellt mich gerade nicht zufrieden, weder das eine, noch das andere. Tut mir leid, ich kann es gerade nicht näher erklären.

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                                #45
                                Liebe Jannes,

                                Du erklärst es sehr gut! Und ich danke Dir sehr für Deine Erläuterung, die es mir - so denke ich - wirklich verständlicher machen!

                                Wahrscheinlich begegnen sich gerade beide.
                                Kein Wunder, dass das ein intensives und völlig in Anspruch nehmendes Erlebnis ist und Du entsprechend Zeit und Raum für Dich brauchst!

                                Danke fürs Berichten und alles Liebe!
                                Deine Chaja

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