Na ja, es ist nicht so, dass ich gar niemanden habe, der mir hier zuhört. Nur ist es halt so, dass die meisten in ihre Familienpflichten eingebunden sind und kaum einmal wirklich Zeit haben. Was ich garantiert auch niemand übelnehme; das ist ja auch normal!
Als mein Ex-Freund mich vor zwei Jahren wegen einer anderen Frau verlassen hat, da hatte meine Freundin sehr wohl Zeit für mich - TROTZ eines Säuglings, einer pubertierenden Tochter mit Liebesskummer, einem ADS-Sohn, mit eigenen gesundheitlichen Problemen und einem Riesenhaushalt mit meterhohen Stapeln Bügelwäsche und nur zwei Stunden Schlaf pro Nacht. Sie hat sich die Zeit genommen - zumindest für ein Gespräch, für ein Umarmen und Festhalten und der Versicherung, dass ich JEDERZEIT zu ihr kommen könne, wenn etwas sei. Und alleine die knappen anderthalb Stunden haben mir unheimlich geholfen und mich aufgebaut, weil ich gespürt habe, auch wenn der Sch***kerl nichts mehr von mir will, dass ich auf meine Freundin weiterhin zählen kann.
(Es mag sogar sein, dass ich gerne mehr Beistand gehabt hätte. Aber ich wusste, dass sie mir mehr nicht geben konnte. Dass das, WAS sie mir gab, schon wahnsinnig viel war, mehr als ihr zu demZeitpunkt eigentlich möglich war. Verstehst du, sie hat sich für mich in dem Moment ein Bein ausgerissen?! Und zu wissen, dass sich ggf. jemand für mich ein Bein ausreißt, zu erkennen, dass es jemanden gibt, dem ich wirklich SO wichtig bin - das war schon fast wichtiger als das Gespräch selbst. All das hat also auch eine Menge mit der eigenen Erwartung an die Freunde zu tun - und ob diese Erwartungen realistisch sind. Und ob ich erkennen kann, was der Andere geben KANN...)
Und das sollte man nicht unterschätzen.
Was ich sagen will: Jemand, dem ich WIRKLICH am Herzen liege, jemand, den es kümmert, wenn ich leide, wenn es mir schlecht geht... der nimmt sich die Zeit für mich. Weil ICH es ihm/ihr wert bin!
Bitte ziehe daraus NICHT den Umkehrschluss, dass du es niemandem wert bist, dass er sich die Zeit für dich nimmt. Ich habe nämlich nicht darauf gewartet, dass meine Freundin mir ihre Hilfe anbietet, sondern habe ihr gesagt, dass ich ihre Hilfe brauche. Das ist ein riesiger Unterschied! Und gerade du, die meines Erachtens nach außen hin meist die Toughe, Harte spielt und keinen sehen lässt, wie es in ihr wirklich aussieht... woher sollen die Leute wissen, dass du ein Gespräch, eine Umarmung, einen Zuhörer brauchst? Deine Freunde können dir nur VOR den Kopf gucken! Erwarte nicht, dass irgend jemand in dich hinein gucken und deine Bedürfnisse erahnen kann!!! Gerade Frauen neigen dazu, das zu erwarten...

Vielleicht hat der/die ein oder andere Freund sogar schon etwas bemerkt, mag dich aber nicht darauf anspreche, weil du es ja auch nicht ansprichst, sondern versuchst, nach außen hin zu verbergen. Auch wenn die Leute nicht wissen, WAS los ist - DASS etwas nicht so ganz in Ordnung ist, spüren die meisten sehr wohl.
Es ist folglich an dir, den ersten Schritt zu tun. Bitte eine Freundin, ob sie mal Zeit hätte, du müsstest dir mal etwas von der Seele reden und bräuchtest jemanden, dem du vertrauen kannst. Eine ECHTE Freundin wird sich die Zeit nehmen. Weil du es ihr wert bist!
Das bringt mich zu der Frage (wieder eine zum Selberdrübernachdenken
), ob du es dir selber überhaupt wert bist, dass sich deine Freunde Zeit für dich nehmen? Ich lese bei dir gerade so ein wenig hearus, dass es dir eher unangenehm wäre, wenn deine Freunde sich (trotz Familienpflichten) Zeit für dich nehmen - und dafür evtl. auch mal ihre Pflichten vernachlässigen. Glaubst du, dass du es verdient hast, dass man dich jemand anderem vorzieht? Glaubst du, dass du ein Anrecht darauf hast, auch mal an der Reihe zu sein? Oder glaubst du, dass die Wünsche und Befindlichkeiten deiner Freunde IMMER und ALLZEIT über deinen Bedürfnissen stehen?
Manchmal wünschte ich mir, dass ich meinen Eltern offen erzählen kann von verschiedenen Dingen, Dinge, die ich ihnen gerne mitteile. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass sie mir einfach dann auch mal nur zuhören und versuchen zu verstehen. Evtl. ein liebevolles Wort für mich übrig haben oder eben auch nur einmal eine Umarmung; anstatt drei Tage später dann so eine Kehrtwendung wie gestern abend am Telefon ... Ich wünsche mir ernst genommen zu werden mit dem, was ich erzähle.
Du hast somit zwei Möglichkeiten:
1. Du wünschst es dir weiterhin mit aller Kraft bis an dein Lebensende.
2. Du teilst deinen Eltern deine Wünsche klarund deutlich und ohne Umschnörkelungen mit. Du erzählst, wie es dir geht (ohne Wertung, ohne Rechtfertigungen!) und was ihr Verhalten mit dir macht. Betone, dass du ihnen keinerlei Vorwürfe machst, sondern dir einfach nur wünschen würdest, wenn sie dir das geben könnten, was du dir wünscht.
Was dann geschieht... es liegt nicht in deiner Hand. Aber du hast dann erst einmal alles dafür getan, dass sich deine Wünsche erfüllen.


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