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Schweigen ist ... ja was, außer Gold?

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    #61
    Zitat von Simon Beitrag anzeigen
    Das Schweigen großer Menschengruppen ist...
    ... ver-schweigen!

    Und auf Deine Frage: ich glaube, daß es für einige eher Über-leben ist, als Leben. Ob das lebenswert ist, kann ich nicht beurteilen.

    Ja, auch ich verschweige ab und zu. Dann, wenn meinen direkten Gegenüber die ganze Wahrheit zu sehr verletzen würde. Auch auf die Gefahr hin, daß dann das, was ich nicht sage, mich selbst ebenfalls verletzt. (Es geht in diesen Fällen um Antworten, die nur mich und ihn / sie betreffen und nicht allgemein zur Diskussion stehen.)

    Aber es gibt Dinge, die man nicht verschweigen sollte. Ganz eindeutig.

    Schweigen hat für mich viele positive Seiten (was in diesem Faden ganz allgemein ja auch schon zum Ausdruck kam); das ver-schweigen ordne ich für mich allerdings definitiv auf der negativen Seite ein.

    Die Frage ist, wie man dem begegnet.

    Wird bewusstes ver-schweigen zur Lüge? Dann wäre Aufklärung und das Recht auf Wahrheit die Antwort darauf.

    Das Schweigen, das Du ansprichst, hat viele Gesichter. Und mehr als eine Antwort.

    LG
    Spunk

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      #62
      Hallo Spunk,

      ich stimme Deinen Gedanken zu. Es wird deutlich, dass das Schweigen viele Facetten hat.

      Vielleicht, gibt es so etwas wie ein Motiv für das Schweigen, das man näher betrachten sollte.

      Mir geht es in meinem Beispiel um eine Art des kollektiven Schweigens, welches ich negativ empfinde. Es ist ein Schweigen, dass aus Machtinteressen Weniger "verordnet" wird, welches sich vermischt mit den Motiven des Einzelnen, an diesem fremdbestimmten Schweigen, dann mehr oder weniger freiwillig festzuhalten. Die große Masse wird zur Marionette.

      Die kollektive Komponente eliminiert die Eigenverantwortlichkeit mit verheerenden Folgen, wie die Geschichte gezeigt hat.

      Ich sehe auch heute solche Tendenzen, die mit plausibel klingenden Gründen einhergehen. Die Destruktivität ist aber nicht an den Zielen sondern an den Methoden zu erkennen.

      Bewusstes Verschweigen wird immer dann zur Lüge, wenn der Öffentlichkeit ein anderes Bild vorgegaukelt wird.

      LG Simon

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        #63
        hallo Simon, hallo Spunk,

        das ist ja spannend...

        schweigen der masse. es gab auch zu kriegszeiten menschen, die nicht geschwiegen haben und überlebt haben...ja, es gab momente, wo nicht-schweigen gefährlich war...aber ich glaube, hier geht es dann doch eher darum, an der richtigen stelle zu schweigen und trotzdem an anderer stelle zu handeln.
        das schweigen verpflichtet einen doch nicht zum nichtstun...wenn ihr wisst was ich meine...

        ver-schweigen...spontan dachte ich, ja, klar, machen wir alle. wie geht es uns damit? letztendlich merke ich, wie ich dann oft innerlich an einer formulierung "arbeite", um dem anderen das, von dem ich weiß, dass er es nicht gerne hören wird, möglichst schmackhaft zu machen.
        banalstes beispiel: ich mag die neue frisur meiner freundin nicht...

        nee, verschweigen ist keine gute sache, find ich...

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          #64
          Hallo Fortuna,

          im Krieg oder in einer etablierten Diktatur verhält es sich mit dem Schweigen wieder etwas anders. Hier werden die, die vermeintlich die Macht gefährden zum Schweigen gebracht.

          In diesen Verhältnissen, die Wahrheit zu sagen, erfordert schon sehr viel Mut! Du hast Recht, es gab sie, die überlebt haben und die, die dafür gestorben sind.

          Um so bedenklicher ist es, wenn Menschen anfangen in der Demokratie zu schweigen.

          "...das schweigen verpflichtet einen doch nicht zum nichtstun...wenn ihr wisst was ich meine..."

          Das sehe ich genauso!!!

          LG Simon

          Kommentar


            #65
            Das habe ich im Haiku-Faden gefunden:
            Zitat von Orange Seahorse Beitrag anzeigen
            schweigen kann gut tun,
            wieso tust du es nicht mal?
            so lang, bis es schmerzt...

            PS: ... ich habe einfach das wort schweigen übernommen und geschrieben, was mir dazu einfällt......
            Auf dem Hintergrund Eurer letzten, zur Courage anspornenden Beiträge habe ich es mit neuen Augen gelesen. Aus der Kraft des Schweigens handeln kann auch manchmal heißen, sich zu Wort melden und "Klartext reden" ...

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              #66
              Schweigen hat für mich vielerlei Gesichter

              zu wissen dass ein Priester das Beichtgeheimnis wahren muss, schweigen muss über das was man ihm erzählt - kann für den Beichtenden befreiend, zugleich aber für den Priester belastend sein

              zu wissen dass Ärzte der Schweigepflicht verpflichtet sind, kann für den Patienten befreiend sein, Angehörige und auch den Arzt belasten

              zu wissen dass ich einer sehr guten Freundin/einem guten Freund/dem Partner etwas anvertrauen kann und darauf vertrauen darf dass sie/er drüber schweigt kann für mich befreiend sein, ihr/ihm aber das Gefühl von Hilflosigkeit oder Überforderung vermitteln

              wenn über jemand geschimpft wird kann schweigen vielleicht silber sein, reden aber Gold, wenn ich für denjenigen eintrete

              Wenn ich schweige kann
              -Schweigen für mich bedeuten dass ich 'ins Fühlen gehe'
              -Schweigen bedeuten dass ich mich zurückziehe weil ich mich nicht wahrgenommen fühle
              -Schweigen bedeuten dass ich mich mit jemand eins fühle
              -Schweigen bedeuten dass ich genieße
              -Schweigen bedeuten dass mir einfach die Worte fehlen, ich mich hilflos fühle
              -Schweigen bedeuten dass ich mich verletzt fühle

              Durch Schweigen kann ich mein Gegenüber manipulieren, kann ich jemand ein schlechtes Gewissen 'einreden', aber auch ich kann manipuliert werden
              Durch Schweigen kann ich jemand vermitteln dass ich mitfühle und umgekehrt das jemand mit mir mitfühlt

              Schweigen hat zwei Seiten - wie wohl alles im Leben - und ich wünsche mir dass ich immer mehr spüren kann ob ich besser reden oder ob ich besser schweigen sollte.


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                #67
                Zitat von Fortuna Beitrag anzeigen
                ...aber ich glaube, hier geht es dann doch eher darum, an der richtigen stelle zu schweigen und trotzdem an anderer stelle zu handeln.
                das schweigen verpflichtet einen doch nicht zum nichtstun...wenn ihr wisst was ich meine...

                Hallo Fortuna,

                das würde ich absolut unterschreiben. Gibt es nicht so einen Spruch, sinngemäß "Wer schweigt, macht sich mitschuldig"?

                An der richtigen Stelle zu schweigen und an anderer Stelle zu handeln... das drückt es - glaube ich - ganz gut aus.

                Auch wenn mir klar ist, daß das sehr schwer sein kann. Es ist für mich heute undenkbar, in Situationen, in denen die Wahrheit ans Licht kommen sollte, zu schweigen. Aber mir ist auch klar: ich habe nie in einer Diktatur gelebt, es steht mir z. B. nicht zu, über die Menschen zu urteilen, die in der Nazi-Zeit geschwiegen haben. Ich kann nicht beurteilen, wie ich gehandelt hätte. Ich habe es nie erlebt.

                Trotzdem denke ich, daß wir gerade daraus gelernt haben sollten. Sicher wird es immer Einzelne geben, die "mutiger" sind als andere. Das heißt aber nicht, daß "die Anderen" tatenlos zusehen können. Im Gegenteil. Wenn sich mehrere zusammen tun, um das Schweigen zu brechen, sind die Chancen größer, daß die Wahrheit bzw. das, was verschwiegen werden soll, ans Licht kommt.

                Kollektives Schweigen... das ist für mich ein Schreckgespenst. Kollektives Schweigen... das hört sich für mich groß an, mächtig. Rein gefühlsmäßig würde ich spontan sagen, daß man es nur mit einer anderen Energie brechen kann, die ebenfalls groß und mächtig ist... wie schon erwähnt: Information, Aufklärung und die Suche nach der Wahrheit.

                Fortuna, Du hast geschrieben, daß Du innerlich an einer Formulierung arbeitest, mit der die Wahrheit schmackhafter wird. In dem Fall, den Du beschrieben hast, würde mir das leicht fallen. Ich würde ihr sagen: "Na ja... die Frisur, die Du vorher hattest, gefiel mir besser. Aber es ist Dein Kopf, und wenn es Dir gefällt... ."

                LG
                Spunk

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                  #68
                  Liebe Spunk,

                  Aber was ist 'die Wahrheit'?
                  Nicht wieder etwas was 'im Auge des Betrachters' liegt?

                  Wenn ich schweige und mein Schweigen stört einen anderen Menschen weil er glaubt ich müsse doch die Wahrheit sehen und ebenfalls dafür eintreten, geht er dann nicht nur von 'seiner Wahrheit' aus?
                  Sollte nicht jeder Mensch nach 'seiner Wahrheit' handeln dürfen?

                  Wenn ich rede, lege ich meinem Reden nicht 'meine Wahrheit' zugrunde? Kann ich dann 'erwarten' dass andere 'meine Wahrheit' als Wahrheit anerkennen müssen?

                  Ich frage mich grade wie kann ich jedem 'das Seine' lassen, nicht beurteilen oder verurteilen und das Schweigen oder Reden als Ausdruck 'seiner Wahrheit' einfach nur annehmen? Und wie kann ich erkennen was derjenige damit ausdrücken möchte?

                  Liebe Grüße
                  Anneliese

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                    #69
                    Zitat von Hubert1 Beitrag anzeigen
                    Warum soll ich reden,
                    wenn nicht einmal mein Schweigen
                    verstanden wird.

                    Hallo Hubert,

                    ich habe Schweigen teilweise als Manipulation erlebt. Ich empfand Schweigen oft als 'Liebesentzug', denn nur wenn ich das tat was der/die Andere wollte, redete er/sie mit mir.

                    Welche Möglichkeiten hätten nun zwei Menschen die in einer Beziehung leben, miteinander umzugehen, wenn einer das Schweigen als Liebesentzug empfindet und der andere schweigt weil er sich sowieso unverstanden fühlt?

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                      #70
                      Liebe Anneliese,

                      ich kann Deine Fragen schon verstehen. Es ist eine Gratwanderung, in jedem Fall. Es ist schwierig.

                      Ein - zugegeben - krasses Beispiel: Wenn Du von einem Fall von Kindesmissbrauch in Deiner Nachbarschaft wüsstest... Würdest Du Dir dann die Frage nach der Be- bzw. Verurteilung stellen? Oder würdest Du "diese" Wahrheit ans Licht bringen, damit gehandelt und das Opfer geschützt werden kann?

                      Könntest Du dort schweigen, weil Du nicht verurteilen möchtest?

                      Ich denke, es ist wahrscheinlich eine Frage des eigenen Gewissens und der eigenen Moral, wann man schweigt und wann man handelt. Insofern wird das sicherlich jeder für sich anders beantworten.

                      Es ging mir in meinem Antwort-posting um "kollektives Schweigen". Wenn wir also annehmen würden, der Großteil Deiner Nachbarschaft hätte von dem Kindesmissbrauch gewusst und Du würdest jetzt davon erfahren... wie würdest Du dann dieses Schweigen empfinden? Was würde Dein Gewissen dazu sagen?

                      LG
                      Spunk

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                        #71
                        Nichts ist lauter als ein Schweigen

                        Zuletzt die spannende Frage:
                        Was geschieht, wenn wir einvernehmlich miteinander schweigen?
                        Wodurch wird solches Schweigen wohltuend, welche Qualitäten unterscheiden es vom feindseligen, verständnislosen Schweigen?
                        Was sind die Voraussetzungen für aktives, gefülltes Schweigen?
                        Eigentlich nichts und doch so viel: Es ist erst mal Ruhe - jeder hängt dabei wohl seinen eigenen Gedanken nach oder kann es kaum erwarten, das Schweigen zu brechen.

                        Wohltuend wird Schweigen evtl. dadurch, dass unmittelbar weitere Kontroversen vermieden werden, z.B. für den Fall, dass ein Mißverständnis oder ein Konflikt vorausging. Eine Art Deeskalationsmaßnahme.

                        Einvernehmliches Schweigen z.B. anlässlich einer Gedenkminute, mit der Respekt, Erinnerung und Trauer evtl. als Gefühle einhergehen.

                        Feindseliges Schweigen - dazu fällt mir nur die Abkehr von Kommunikation - eine Art Aufkündigung jedweder Beziehung ein.

                        Voraussetzungen zu aktivem gefülltem Schweigen? Dafür mag es unterschiedliche Beweggründe geben, je nach Auslöser des Schweigens. Vielleicht ein Rückzug zur Besinnung, eine Vermeidungsstrategie oder auch ein grundsätzliches Desinteresse an weiterem Austausch. Der Ausdruck von Beleidigtsein, die Abkehr von Personen/Gruppen oder einer Beziehung oder eben auch ein Stillstand in einer festgefahrenen Kommunikation. Die Reaktion auf (verbale) Angriffe oder Unterstellungen quasi als ultima ratio.

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                          #72
                          Zitat von Spunk Beitrag anzeigen
                          Liebe Anneliese,

                          ich kann Deine Fragen schon verstehen. Es ist eine Gratwanderung, in jedem Fall. Es ist schwierig.

                          Ein - zugegeben - krasses Beispiel: Wenn Du von einem Fall von Kindesmissbrauch in Deiner Nachbarschaft wüsstest... Würdest Du Dir dann die Frage nach der Be- bzw. Verurteilung stellen? Oder würdest Du "diese" Wahrheit ans Licht bringen, damit gehandelt und das Opfer geschützt werden kann?

                          Könntest Du dort schweigen, weil Du nicht verurteilen möchtest?

                          Ich denke, es ist wahrscheinlich eine Frage des eigenen Gewissens und der eigenen Moral, wann man schweigt und wann man handelt. Insofern wird das sicherlich jeder für sich anders beantworten.

                          Es ging mir in meinem Antwort-posting um "kollektives Schweigen". Wenn wir also annehmen würden, der Großteil Deiner Nachbarschaft hätte von dem Kindesmissbrauch gewusst und Du würdest jetzt davon erfahren... wie würdest Du dann dieses Schweigen empfinden? Was würde Dein Gewissen dazu sagen?

                          LG
                          Spunk
                          Liebe Spunk,

                          ich weiß nicht was ich tun würde wenn ich "wüsste" dass ein Kind in der Nachbarschaft misshandelt/missbraucht wird. Mir gehen grade Fragen und ein sehr tragischer Unglücksfall durch den Kopf.
                          Fragen, die ich mir dann vielleicht stellen würde.
                          Fragen wie:
                          "Wenn der Missbrauch für mich offensichtlich ist, dann ist er auch für andere offensichtlich. Wenn dem so ist, wieso hat bisher niemand was unternommen? Täusche ich mich vielleicht doch? Wird das Kind vielleicht nicht missbraucht? Was, wenn ich eingreife und ich habe es falsch wahrgenommen? Weiß ich wirklich dass das Kind missbraucht wird? Nehme nur ich es wahr/kann nur ich es wahrnehmen, können es andere nicht sehen/erkennen?"

                          Mit diesen Fragen würden mich wohl Angst und Zweifel beschleichen - Angst, die Menschen die das Kind missbrauchen 'an den Pranger zu stellen' obwohl es vielleicht keinen Grund geben könnte - also ich mich irre - und Zweifel an mir selbst, an dem was ich wahrnehme, denn "warum reagieren andere Menschen nicht darauf"?

                          Würde mich jemand aus dem Stehgreif raus fragen was ich tun würde, wäre es für mich selbstverständlich zu sagen dass ich handeln würde damit das Opfer geschützt werden kann.

                          Der Unglücksfall: Vor vielen Jahren starben/ertranken drei Kinder im Winter im Olympiasee in München. An der Stelle an der sie starben/ertranken - sie brachen in dünnem Eis ein - war das Wasser nicht so tief, hätten Erwachsene noch stehen können. Es waren damals lt. Bericht viele Menschen vor Ort die zusahen aber nicht halfen. Und manche gingen auch einfach vorbei. Wenn ich mich noch recht daran erinnere, ging erst ein herbeigerufener Rettungsdienst durch ie dünne Eisschicht ins Wasser und barg die Kinder. Aber es war für sie zu spät.
                          Warum hat niemand geholfen? Das war damals eine Frage die in den Medien diskutiert wurde. Warum sahen Menschen zu? Warum griff niemand ein? Warum wartete man nur auf den Rettungsdienst?
                          Ich fühlte mich damals, als ich davon las, ohnmächtig und wütend - wenn es meine Kinder gewesen wären, mein Vertrauen in die Menschheit wäre restlos zerbrochen. Warum hat niemand geholfen?

                          Ein Psychologe schrieb damals sinngemäß dazu "Jeder hat gewartet dass der Andere etwas tut, jeder gab die Verantwortung zuerst zu handeln an den Anderen ab. Wäre einer alleine am See gewesen und hätte das Unglück mitbekommen, hätte er wahrscheinlich eingegriffen, hätte er sich dafür verantwortlich gefühlt.
                          Und: Hätte einer angefangen zu helfen, hätten andere mitgeholfen."

                          Die Worte des Psychologen haben mich damals sehr betroffen gemacht.

                          Ich weiß nicht ob ich die Eine wäre die anfangen würde zu helfen. Ich weiß es nicht!

                          Nichthandeln aus Angst?
                          Schweigen aus Angst?
                          Vor was Angst? Vor der eigenen Courage? Vor evtl. 'falschem' Handeln, 'falschem' Reden?
                          Was bewegt mich/andere Menschen nicht zu handeln oder zu schweigen? Welche 'Wahrheit'/welche Angst steckt dahinter?

                          Im Moment macht mich das doch sehr nachdenklich!

                          Liebe Grüße
                          Anneliese

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                            #73
                            Zitat von Anneliese Beitrag anzeigen
                            Hallo Hubert,

                            ich habe Schweigen teilweise als Manipulation erlebt. Ich empfand Schweigen oft als 'Liebesentzug', denn nur wenn ich das tat was der/die Andere wollte, redete er/sie mit mir.

                            Welche Möglichkeiten hätten nun zwei Menschen die in einer Beziehung leben, miteinander umzugehen, wenn einer das Schweigen als Liebesentzug empfindet und der andere schweigt weil er sich sowieso unverstanden fühlt?
                            Es ging mir darum zu verdeutlichen, dass Schweigen nicht richtig verstanden wird, und zwar da, wo es eigentlich verstanden werden müßte.
                            Und da hilft dann reden auch nicht mehr weiter.

                            Kommentar


                              #74
                              Liebe Anneliese,

                              glaub mir... ich kann Deine Zweifel gut verstehen.

                              Aber... ...wieso hat bisher niemand was unternommen? ... "warum reagieren andere Menschen nicht darauf"? ...jeder gab die Verantwortung zuerst zu handeln an den Anderen ab... ... wir können nicht für andere denken und uns auch nicht vorstellen, wie wir an ihrer Stelle handeln würden. Es geht in solchen Fällen nicht um sie, sondern um uns. Wir sind gefragt, aufgefordert zu handeln.

                              Vor was Angst? Vor der eigenen Courage? Vor evtl. 'falschem' Handeln, 'falschem' Reden?

                              Es gibt kein falsches Handeln, wenn ein Mensch in Not ist. Zumindest sehe ich das für mich so. Ich kann die Angst vor der eigenen Courage nachvollziehen, aber ich denke, ich würde in so einem Moment gar nicht lange überlegen, sondern "tun".

                              Aber, wie gesagt, das ist meine Art zu denken. Und mir ist klar, daß das tatsächlich für jeden unterschiedlich ist.

                              LG
                              Spunk

                              PS: ein Gedanke noch zu den Zweifeln, ob z. B. ein Missbrauch tatsächlich stattgefunden hat oder noch weiter stattfindet: natürlich ist die Gefahr da groß, daß sich das alles innerhalb kürzester Zeit zu einem Hetztribunal ausweitet. Davon halte ich gar nichts. Aber die entsprechenden Stellen zu informieren, damit sie prüfen, ob der Sachverhalt so ist oder nicht... das ist das Mindeste, was ich tun kann. Ich könnte mir nie verzeihen, wenn ich die Vermutung gehabt hätte (oft gibt es deutliche Anzeichen dafür, wenn man denn hinsieht) und nichts getan hätte... unter Umständen, bis es zu spät und ein Leben zerstört ist. Dieses Schweigen könnte tödlich sein.

                              Kommentar


                                #75
                                Zitat von Spunk Beitrag anzeigen
                                Liebe Spunk,
                                glaub mir... ich kann Deine Zweifel gut verstehen.
                                ich hab nicht wirklich das Gefühl dass Du mich verstanden hast.

                                wir können nicht für andere denken und uns auch nicht vorstellen, wie wir an ihrer Stelle handeln würden. Es geht in solchen Fällen nicht um sie, sondern um uns. Wir sind gefragt, aufgefordert zu handeln.
                                ich will nicht für andere denken oder mir vorstellen wie ich an ihrer Stelle handeln würde. Ich habe mir vorgestellt wie ich vielleicht reagiert hätte wenn ich dabei gewesen wäre - und ich weiß es nicht! Ich weiß nicht ob ich nicht auch wie die Anderen 'schweigend' zugesehen hätte und gewartet hätte dass jemand hilft, quasi "Kollektives Nichthandeln" weil ich es irgendwie nachvollziehen kann - was aber nicht bedeutet dass ich es als richtig empfinde/gutheiße.

                                Es gibt kein falsches Handeln, wenn ein Mensch in Not ist. Zumindest sehe ich das für mich so. Ich kann die Angst vor der eigenen Courage nachvollziehen, aber ich denke, ich würde in so einem Moment gar nicht lange überlegen, sondern "tun".
                                Schön für Dich wenn Du Dir da so sicher bist, ich bin mir nicht sicher ob ich in jeder Situation einfach 'handeln' würde.

                                Ja, ich zweifle. Ich zweifle an mir selbst ob ich in dem Moment das 'Richtige' tun würde, das tun würde was die Situation erfordert.

                                @ Hubert: Und ich zweifle auch dran ob ich immer erkennen kann wann/warum jemand schweigt und wie ich dieses Schweigen verstehen soll.
                                Wenn Schweigen eigentlich verstanden werden müsste - ist das nicht eine Erwartungshaltung des Schweigenden?

                                Vielleicht haben wir nur verschiedene Perspektiven?
                                Ich sehe einen anderen schweigenden Menschen vor mir und frage mich was das Schweigen bedeuten könnte, wie ich es verstehen könnte.
                                Aber vielleicht siehst Du Dich ja selbst als schweigenden Menschen und 'überlegst' was Dir Dein Schweigen aufzeigen/lehren will?

                                Es ist für mich ein Unterschied ob ich mich hinsetze und schweige um in die Stille zu kommen oder ob ich in Beziehung mit anderen Menschen schweige.

                                Nachdenkliche Grüße
                                Anneliese

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