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mutters emotionale erpressung

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    #76
    Guten morgen, zusammen,

    hier schreibt Morgenfrau.

    Indem ich lebe, werde ich verletzt, und verletze ich andere Menschen.

    Als Mutter mache ich Fehler, weil ich ein Mensch bin.

    Vielleicht haben wir alle ein überhöhtes Mutter-Ideal?

    Nachdenkliche Grüße
    Morgenfrau.

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      #77
      Guten Morgen zusammen,

      ich möchte mich aus diesem Faden verabschieden. Dieses Thema wühlt mich sehr auf und bringt mich eher weg davon mich selbst akzeptieren und lieben zu können.

      Ja, ich bin nicht perfekt,
      ja, ich habe Fehler gemacht und werde immer Fehler machen - auch in der Erziehung meiner Jungs war ich nicht perfekt
      Ich liebe meine Jungs und ich genoß es mit Leib und Seele - wenn auch manchmal unsicher ob es richtig ist wie ich es mache - Mutter zu sein.

      Ich komme nicht klar mit der Vorstellung meine Jungs könnten mir Vorwürfe machen weil ich sie falsch erzogen habe, weil ich halt auch nicht perfekt bin.

      Ich komme nicht klar damit mir vorzustellen mein Jüngster könnte wie die drei Schweizer Jugendlichen handeln die vor ein paar Tagen in München einen Mann halbtot geschlagen haben und mir würde Verantwortung aufgedrückt weil ich ihn 'falsch' erzogen haben. Wie könnte ich mich da lieben?

      Momentan fühle ich mich erdrückt von dieser Verantwortung für alles, und 'nur' weil ich Kinder wollte, weil ich meine Liebe weitergeben wollte, weil es für mich einfach das Schönste war Kinder/eine Familie zu haben.

      Wie könnte ich miteinander vereinbaren mich selbst zu lieben - auch meine Fehler und Schwächen - mit dem Bewusstsein verantwortlich zu sein wenn meine Jungs heute unter den Folgen einer Handlung leiden die ich unbewusst oder im Glauben das Beste für sie zu tun, getan habe?

      Wenn ich heute wieder vor der Wahl stünde Kinder oder keine Kinder haben zu wollen - ich weiß nicht ob ich mich wieder für Kinder entscheiden würde, auch wenn ich Kinder liebe, auch wenn ich mir mein Leben ohne Kinder nicht wirklich vorstellen kann.
      Könnte ich es wirklich verantworten Kinder in die Welt zu setzen wenn ich 'nicht perfekt' bin? Könnte ich es aushalten von meinen Kindern hören zu müssen was ich falsch gemacht habe, Vorwürfe zu bekommen und mich dennoch zu lieben und nicht zu verurteilen?

      Sorry, aber momentan ist mir das alles einfach zu viel!
      Anneliese

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        #78
        Liebe Anneliese,

        verabschiede dich nicht aus diesem Faden, sondern von deiner Vorstellung perfekt sein zu müssen, keine Fehler machen zu dürfen und schuldig und verantwortlich zu sein für das Verhalten anderer.

        Ich hatte auch Schwierigkeiten mit meiner Mutter.
        Vielleicht habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt in meinem Posting darüber.
        Ja, meine Mutter hat Fehler gemacht, aber sie war nicht schuldig.
        Ich musste lernen, mit mir umzugehen und auch mit meiner Mutter.
        Schuld war keiner, weder sie noch ich.
        Verantwortlich für mein Leben war und bin immer noch ich, niemand sonst.
        Lediglich ein Kleinkind ist noch nicht verantwortlich, weder im privaten noch im rechtlichen Rahmen.
        Hab also keine Angst, dass deine Jungs "missraten".
        Auch die Schweizer Jugendlichen hatten die Freiheit, nicht zuzuschlagen.
        Der freie Wille ist immer da.
        Natürlich kann es sein, dass deine Jungs mal mit Vorwürfen ankommen, genauso wie ich meine Mutter für schuld hielt. Das war aber ein Fehlschluss von mir.
        Meine Mutter hat getan, was sie konnte. Punkt, Schluss, aus.
        Dafür bin ich ihr dankbar.
        Wenn ich so denken würde, wie du es oben von dir beschrieben hast, hätte ich nie Lehrerin werden dürfen. Ich weiß auch nicht, was ich vielleicht bei einigen Jugendlichen "angerichtet" habe, aber an ihrem heutigen Verhalten bin ich garantiert nicht schuld.

        Aufmunternde Grüße von der Menschfrau

        Kommentar


          #79
          liebe Anneliese,

          ich hoffe mal, dass du hier noch liest, weil ich dir was wichtiges sagen möchte.

          für mich war es immens wichtig, dass meine mutter, nachdem sie einige wochen mit sich gerungen hatte, als ich ihr die vorwürfe, dass sie mich in meiner kindheit schlecht behandelt hat aufs brot geschmiert hatte, bei mir dafür entschuldigt hat. wobei hier nicht die schuld eine rolle spielt, sondern die verantwortung. es war mir sehr wichtig, dass sie die verantwortung für ihr tun übernommen hat und gesagt hat, das wollte ich nicht, wenn ich dich verletzt habe, tut es mir unendlich leid. ich liebe dich.
          das ist so ein himmelweiter unterschied!
          doch, wenn ich so darüber nachdenke, hat sie mir die schuld von meinen kleinen kinderschultern genommen, dass ich schließlich selber schuld daran hatte, weil wir kinder so unmöglich waren, dass wir verprügelt wurden etc...
          es hat mir geholfen zu verstehen, dass ich nicht falsch bin und mich nicht so verhalten habe, dass ich nicht liebenswert gewesen wäre...

          eltern sind menschen und machen fehler! ich habe keine kinder, aber ich beobachte die menschen um mich herum. ich finde es wichtig, dass eltern sich bei kindern entschuldigen, wenn sie falsch reagiert haben. kinder verzeihen ihren eltern doch alles, und emotionale bindung entsteht doch nicht dadurch, dass einer zum heiligen wird, alles besser weiß und immer die passende antwort parat hat. kinder lernen an ihren eltern, wie konflikte geführt werden, wie man mit frust und niederlagen umgeht, was liebe und kontakt ist, wie wichtig es ist, miteinander zu reden.
          was hätte es mir bedeutet, wenn meine eltern sich bei mir entschuldigt hätten, als ich ein kind war!
          ich finde es wichtig, dass die rollen klar sind, dass der erwachsene die verantwortung trägt und eltern ihre kleine kinder nicht als ebenbürtige freunde behandeln. und ich glaube die gratwanderung ist nicht einfach, derjenige zu sein, der die grenzen feststeckt, die regeln macht, frust aushalten muss. gerade wenn man es selber nie erlebt hat, wie es ist, mit dem anderen einen konflikt zu haben und ihm trotzdem zu zeigen, du gehst mir gerade tierisch auf den sack weil du deine zähne nicht putzen willst, aber das problem kriegen wir in griff das weiß ich und davon völlig ausgenommen steht immer an erster stelle, dass ich dich liebe, weil du ein wunderbarer mensch bist! und jetzt werden die zähne geputzt, damit deine zähne stark und gesund bleiben!

          Anneliese, ich kann deine angst nachvollziehen und ich hab keine ahnung, ob du jemals in die situation kommen wirst, dich deinen kindern "stellen" zu müssen. aber es gibt nichts schlimmeres, als dass menschen einfach wortlos verschwinden. ein konflikt ist ein sehr enger kontakt! ein versuch der klärung. und letztendlich sind die dinge, vor denen wir am meisten angst haben, wenn sie dann eintreten, meist nicht halb so schlimm wie wir sie uns ausgemalt haben. das kann ich dir aus eigener erfahrung sagen.

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            #80
            guten morgen liebe anneliese,

            da schließ ich mich der menschfrau an: verabschiede dich nicht aus diesem Faden, sondern von deiner Vorstellung perfekt sein zu müssen, keine Fehler machen zu dürfen und schuldig und verantwortlich zu sein für das Verhalten anderer.

            ja, so herum wird ein schuh draus. und ich sag dir mal, was ich an meiner mutter "perfekt" finde: dass sie sich allmählich traut, sich mit ihren vermeintlichen fehlern zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. das finde ich großartig und mutig und das bewundere ich insgeheim sehr. und gerade dadurch, dass sie sich auch als fehlbar ansieht, hab ich viel eher das gefühl, dass ich ihr sagen kann, mit welchen ihrer verhaltensweisen ich nicht umgehen kann bzw. wie die auf mich wirken.

            Zitat von Anneliese Beitrag anzeigen
            Ich komme nicht klar mit der Vorstellung meine Jungs könnten mir Vorwürfe machen weil ich sie falsch erzogen habe, weil ich halt auch nicht perfekt bin.
            zu vorwürfen kommt es doch erst dann, wenn man nicht mehr miteinander reden kann. wenn mindestens eine seite dicht macht und wegkuckt.

            ich knabber durchaus an den auswirkungen meiner erziehung, mehr als mir lieb ist. und ich würde diese energien, die dadurch gebunden werden, auch gerne mal für andere sachen benutzen. das ist das eine. das andere ist, dass ich ein lebensfroher und -fähiger mensch geworden bin. ich hab eine dicke zaubertüte schönes mit auf den weg bekommen, aus der ich mich mein leben lang bedienen kann hätten meine eltern mich nie bekommen, aus angst vor verantwortung, dann hätte es ja auch diesen teil nie gegeben.

            liebe grüße

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              #81
              fortuna, ich hab deinen text erst jetzt gelesen, und stimme dir 1000% zu. haargenau so empfinde ich das auch!

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                #82
                Hallo zusammen,

                Ich habe nicht die Vorstellung perfekt sein zu müssen, allerdings erweckten manche Postings bei mir den Eindruck dass es fast so erwartet wird.

                Ich weiß dass ich Fehler mache und ich finde es auch nicht so schlimm.
                Aber ich würde mir wünschen dass man dann, wenn man mit mir/mit etwas was ich tue, nicht klar kommt, mit mir drüber redet, versucht 'in Beziehung' zu bleiben.
                Oft habe ich aber in euren Postings sinngemäß gelesen "Trenn Dich von Deiner Mutter! Brich den Kontakt ab! usw." Mir wurde jetzt bewusst dass es das ist womit ich nicht klar komme!
                Mit jemand in Konfrontation gehen, sagen was stört, drüber reden, miteinander auch mal streiten - all das ist Beziehung.
                Aber Rückzug - das ist für mich einfach das Schlimmste. Ich hab dann - als Mutter - keine Möglichkeit mehr Stellung zu nehmen, zu sagen was mich veranlaßt hat so zu handeln und/oder meine Ängste und Gefühle zu zeigen.
                Versteht ihr? Wie könnte ich mich zB für ein Verhalten entschuldigen wenn ich nicht mehr die Möglichkeit bekomme mit meinen Kindern zu reden oder überhaupt zu erfahren was sie so verletzt hat?

                Ich habe nicht wirklich Angst davor dass meine Jungs mir Vorwürfe machen könnten, aber ich hätte Angst davor bzw. könnte es nicht aushalten dass sie mich wegschieben, dass sie nicht mit mir in Beziehung bleiben würden weil ich eben fehlerhaft bin.

                @Liebe Fortuna,
                ich verstehe durchaus dass es wichtig ist und war dass die Schuld von Deinen Kinderschultern genommen wurde - aber das wurde doch erst möglich durch Beziehung und nicht durch gänzlichen Rückzug. Und damit gabst Du Dir selbst und auch Deiner Mutter die Möglichkeit zu sich selbst zu stehen und sich selbst zu verzeihen und auch in Beziehung zu bleiben. Und das ist doch eigentlich das Entscheidende.

                Aber gänzlicher Rückzug - damit nehme ich jedem alle Möglichkeiten.
                Ich würde mich als Mutter emotional erpresst fühlen wenn meine Söhne nicht kämen und sagen würden "Mama, damals hast Du uns sehr verletzt....." sondern sich einfach nur zurückziehen würden, mich ablehnen und ausgrenzen würden. Vielleicht würde ich mich beim ersten Mal wenn Vorwürfe kämen auch wehren und beleidigt sein, aber es würde in mir arbeiten. Vielleicht bräuchte es seine Zeit und immer wieder neue Anstöße meiner Kinder um damit klar zu kommen, aber ich würde erkennen können dass es meinen Kindern wichtig ist mit mir in Beziehung zu sein, dass sie möchten dass ich Anteil an ihrem Leben habe so wie ich möchte dass sie Anteil an meinem haben.

                Ich bin mir durchaus bewusst dass man manchmal Zeit braucht um mit sich selbst ins Reine zu kommen, um einen Weg zu finden wieder auf den Anderen zugehen zu können - aber ich hatte hier immer wieder den Eindruck als ob das gar nicht gewünscht ist, als ob einfach die Mutter weggeschoben werden soll wenn sie nicht so funktioniert hat wie sie sollte.
                Es ist nur meine Empfindung und ich verbinde das wohl auch mit etwas was ich (vielleicht als Kind?) erlebt habe. Ich weiß nicht was es ist. Vielleicht wird es noch klarer.

                Fakt für mich ist einfach dass ich Rückzug anderer Menschen als 'Schuld und Verantwortung auf mich abwälzen' betrachte - denn wenn dem nicht so wäre, warum redet dann derjenige nicht (mehr) mit mir sondern zieht sich nur zurück?

                Ich bin mir auch bewusst dass man manchmal Beziehungen einfach beenden muss, vor allem wenn es zwar Gesprächsbereitschaft gab aber diese zu keinem Ergebnis geführt haben und ich möchte das auch nicht verurteilen.

                Aber es klang für mich so verallgemeinernd, quasi "Wenn Du mit Deiner Mutter/Deinen Eltern nicht klar kommst, wenn sie Dich nicht so behandeln wie Du es möchtest, zieh Dich zurück, leb Dein Leben ohne sie".
                Aber auch Mütter/Eltern wollen/müssen wachsen und sich weiterentwickeln und dazu brauchen sie Beziehungen, Beziehungen und damit auch Reibungsflächen mit Menschen die ihnen wichtig sind, die sie lieben zB ihre Kinder.

                Ich weiß nicht ob ich euch verständlich machen konnte wie ich empfinde und es hat im Endeffekt auch nur mit mir zu tun - aber die Vorstellung dass Kinder und Eltern leiden weil man nicht in Beziehung bleibt, weil man sich zurückzieht, macht mich nachdenklich und traurig, berührt mich einfach weil ich denke dass es andere Wege geben könnte.

                Danke für eure Postings in Bezug auf meinen Rückzug.
                Anneliese

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                  #83
                  Hallo liebe Anneliese,
                  schön dass du dich nochmal zu Wort meldest, danke!
                  Eigentlich wollte ich dir vor ungefähr 60 min einen Beitrag schreiben, aber in der Zwischenzeit haben sich meine Eltern telefonisch aus dem Urlaub zurückgemeldet und das geht nicht in 10 oder 15 min - und das ist auch gut so.
                  Ich möchte dir gerne meine Interpretation der für mich wichtigen Eckpunkte dieses Fadens näher bringen:

                  1. Um zu sich selbst zu finden kann es notwendig sein sich eine gewisse Zeit zu isolieren - aber der Weg zur Lösung familiärer Missverständnisse kann nur über die gemeinsame Kommunikation erfolgen.

                  2. Ich hab das Gefühl, dass der Großteil der Mitschreibenden den Weg zur Kommunikation mit den Eltern schon gefunden hat, beziehungsweise erkannt hat dass Schuldzuweisungen nicht die Lösung sein können.

                  3. Und das Wichtigste ist doch gegenseitiges Verständnis und aufeinander zugehen - und auch das lese ich aus diesem Faden für mich heraus. Und zu wissen, dass da immer eine Türe und ein Herz offen ist.

                  4. Und natürlich geht es auch darum die eigenen Ängste, Interpretationen, Kinder, Familie, Eltern letztendlich loszulassen und zu erkennen dass es gut war so wie es war.

                  5. Und mal ganz abstrakt - wenn alle Beziehungen um mich herum nur ein Spiegel von mir selbst sind, wie können dann meine Eltern schuld an irgendetwas sein?

                  Es geht nur um Weiterentwicklung!

                  Es umarmt dich, der !Wot!

                  @all: Euch natürlich auch und danke für alles!

                  __________________
                  Und dann begreifst du, wenn du daran nicht zerbrichst, dann reifst du.
                  Und dann entdeckst du, wenn du das überstehst, dann wächst du. (Thomas D.)

                  Kommentar


                    #84
                    @ Anneliese zur weiteren Klärung der Situation:

                    Als ich in meiner persönlichen Entwicklung soweit war, dass ich hätte mit meiner Mutter sprechen können, war sie leider schon tot.
                    Das wird euch nicht passieren, denn ihr seid heute schon zu dieser wichtigen Erkenntnis gekommen.

                    Kommentar


                      #85
                      mal so reingeworfen:
                      es gibt ja in der tat auch menschen, die richtig positiv und liebevoll über ihre eltern denken......
                      OS
                      PS: und wenn es nur einziger meiner 4 söhne wäre, der als erwachsener zu diesen wenigen zählt, bin ich ein glücklicher mensch....und wenn es zwei sind ...unbeschreiblich....

                      Kommentar


                        #86
                        PPS: ich erwarte mir gar nicht, dass meine kinder super über mich denken, da ich selber auch lange nicht zu den wenigen gehört habe....wenn erwachsene kinder gut über ihre eltern denken, dann hat das für mich auch etwas mit gnade zu tun...(nicht nur mit dem vermögen oder unvermögen der beteiligten)

                        Kommentar


                          #87
                          Liebe Anneliese,
                          auch ich würde es sehr schade finden, wenn du dich aus diesem Faden verabschieden würdest, denn deine Beiträge sind für mich sehr aufschlussreich und wichtig! Also bleib doch bitte hier!Du hat heute geschrieben, dass du nicht gut damit zurecht kommst, dass du sinngemäß aus unseren postings herausgelesen hast: ``Trenn dich von deiner Mutter!``/ ``Brich den Kontakt ab!, wenn du mit ihr nicht klar kommst``. - und wir als Kinder erwarten, dass die Mütter perfekt sein müssen.
                          Nun bin ich eine derjenigen, die sich auch für eine zeitlang von meiner Mutter abgrenzen will/ muss und ich habe ihr in unserem letzten Telfonat gesagt, dass ich zunächst nur noch alle drei Monate mit ihr telefonieren möchte/ kann. Ich kann nicht für die anderen Forumsmitgleider hier sprechen, wohl aber meine Situation erklären, wie es zu meiner Entscheidung gekommen ist: Ich versuche nun seit ca. einem Jahr, emotionalen Kontakt aufzunehmen - zwei Monate nach meiner Klinikentlassung wegen Depressionen habe ich damit begonnen. Ich habe versucht, ihr meine Krankheit zu erklären, die (tieferliegenden) Gründe dafür, habe versucht, ihr zu erklären, was ich mir von ihr wünsche und wo ich mich in der Vergangenheit von ihr im Stich gelassen gefühlt habe. Ich hatte leider keine Chance, an sie heranzukommen. Sie hat sich zwar sehr gefreut, dass ich mich nach drei Jahren Kontaktabbruch wieder bei ihr gemeldet habe, aber wirklich reden konnte ich mit ihr nicht. Ich habe seit meiner Jugendzeit sehr darunter gelitten, dass es immer nur um sie ging und um ihr Befinden und um ihre möglichen Krankheiten - die sie zu diesem Zeitpunkt gar nicht hatte. Ich war immer nur dafür da, dass es ihr gut geht - was auch beinhaltete, dass sie gar nicht gut damit klar kam, als ich dann endlich auch mal selbständig werden wollte und meine eigenen Erfahrungen sammeln wollte - entweder ich wurde dann kritisiert, lächerlich gemacht oder mir wurden Schuldgefühle eingeredet. Ich hatte nie die Möglichkeit, mitzuteilen, was mich bewegt, wie es mir geht, was ich mir wünsche usw. - es hat sich ganz einfach niemand dafür interessiert.
                          Leider musste ich im vergangenen Jahr feststellen, dass sich daran nichts gändert hat. Mittlerweile hat sie wirklich eine schwere Erkrankung - eine Venenerweiterung im Gehirn, die, wenn sie nicht behandelt worde wäre, zu einem Schlaganfall oder sogar zum Tod geführt hatte, wäre diese Vene geplatzt. Durch einen Eingriff haben die Ärzte diese Venenerweiterung nun deutlich verringert und es besteht erst mal keine Gefahr mehr, Gott sei Dank! Nun ist es bei meiner Mutter so, dass sie jedesmal, wenn ich bei ihr anrufe, sie nur von sich erzählt und rumjammert, wie schlimm es ist, diese Krankheit zu haben, älter zu werden, wer in der letzten Zeit gestorben ist usw. usw. - meine Mutter ist jetzt 67 Jahre alt. Dies löst in mir Verlustängste aus. Mich fragt sie nur selten, wie es mir geht - und hat es in dem ganzen Jahr nicht geschafft, sich über Depressionen zu informieren. Wenn ich ihr meoine Gefühle dazu ausdrücken möchte und auch versuche, mich mit ihr auseinanderzusetzen, warum ich diese Depressionen entwickelt habe, weicht sie aus, geht nur halbherzig darauf ein oder hat dann immer irgendeinen trivialen Grund, warum sie dann plötzlich ganz schnell auflegen muss. Meine Therapeutin und auch mein Neurologe vermuten, dass meine Mutter ganz viel verdrängen und verleugnen muss und vieles nicht an sich heranlassen kann/ will. Ich kann das zwar nun rational erklären, gefühlsmäßig kommt bei mir jedoch folgendes an: ``Ich bin es nicht wert, dass man sich um mich kümmert und sich für mich interessiert, sogar dann nicht, wenn ich unter Depressionen leide - meine Mutter geht immer vor. Das löst bei mir immer wieder neue Depressionen aus und deshalb brauche ich den Abstand.
                          Ich habe dir dies deshalb so ausführlich beschrieben, liebe Anneliese, damit du den Grund für die Kontaktreduzierung mit meiner Mutter verstehst.
                          Ich lese aua deiner letzten Mitteilung heraus, dass du ein ganz anderer Typ von Mutter bist: Du möchtest jederzeit in Kontakt mit deinen Kindern bleiben und für dich bedeutet Beziehung auch, sich auseinanderzusetzen
                          und, wenn nötig, auch Konfrontationen einzugehen. Und das nenne cih doch eine tolle Mutter! Das würde ich mir von meiner Mutter auch wünschen, dass sie das kann. Fazit: Ich an deiner Stelle würde keine Parallelen ziehen zwischen Menschen, die den Kontakt zu ihren Eltern aus vielerlei Gründen abgebrochen haben und deinen Kindern in Beziehung zu dir. Es hängt nämlich immer von den Verhaltensweisen der einzelnen Menschen ab - und bei dir scheint ja alles soweit ``im grünen Breich zu sein``, was mich sehr freut!
                          es grüßt dich ganz herzlich libertas alias einschönertag

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                            #88
                            hallo, ihr lieben,
                            bin gerade durch die letzten postings gedanklich angeregt worden, einen neuen dazu passenden faden zu eröffnen..er ist sicherlich auch für die "derzeitigen" mütter unter uns interessant...
                            ich nennen ihn: "was habe ich als kind meiner eltern geliebt und/ oder vermisst?"
                            OS

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                              #89
                              Liebe Stoffel,
                              ich kann sehr gut nachvollziehen, wie schwierig es für dich ist, den Spagat hinzubekommen zwischen ``ich möchte meine Mutter unterstützen`` und ``ich möchte autonom sein und mein eigenes Leben leben``
                              Ich kenne dieses Problem von mir selbst, da meine Mutter auch sehr krank ist, wie in meinem letzten Posting genauer beschrieben.
                              Ich schließe mich Fortunas Meinung an, dass es wichtig und auch gut und gesund für euch beide ist, gut für dich selbst zu sorgen. Du kannst deiner Mutter Unterstützung geben, soweit du es in deinem Rahmen kannst - und kannst gleichzeitig deutlich machen, dass du dein eigenes Leben lebst. Was ich nicht weiß, ist, ob deine Mutter dich für ihre Krankheit verantwortlich macht und/ oder dir versucht, Schuldgefühle einzureden, wenn du dich nicht (immer) um sie kümmerst, sondern dein Recht auf dein Eigenleben deutlich machst. Wie sieht es da in der Beziehung mit euch beiden aus?
                              liebe Grüße von libertas alias einschönertag

                              Kommentar


                                #90
                                Zitat von libertas Beitrag anzeigen
                                Ich kann das zwar nun rational erklären, gefühlsmäßig kommt bei mir jedoch folgendes an: ``Ich bin es nicht wert, dass man sich um mich kümmert und sich für mich interessiert, sogar dann nicht, wenn ich unter Depressionen leide - meine Mutter geht immer vor.
                                So wie obiges bei Dir als 'ich bin es nicht wert' ankommt, so kommt bei mir 'Kontakt abbrechen' an als sei ich es nicht wert dass man sich mit mir auseinandersetzt, dass man mit mir wenn nötig in Konfrontation geht. Und am schlimmsten empfinde ich es bei Menschen die ich mag, an denen mir etwas liegt. Ich weiß zwar dass sie mir etwas damit spiegeln und dass ich dadurch die Möglichkeit habe zu erkennen wo ich einen Mangel habe, wo ich mich selbst nicht sehe/annehme - aber momentan tappe ich ziemlich im Dunkeln.

                                Zitat von libertas Beitrag anzeigen

                                Das löst bei mir immer wieder neue Depressionen aus und deshalb brauche ich den Abstand.
                                Ich habe dir dies deshalb so ausführlich beschrieben, liebe Anneliese, damit du den Grund für die Kontaktreduzierung mit meiner Mutter verstehst.
                                Ich lese aua deiner letzten Mitteilung heraus, dass du ein ganz anderer Typ von Mutter bist: Du möchtest jederzeit in Kontakt mit deinen Kindern bleiben und für dich bedeutet Beziehung auch, sich auseinanderzusetzen
                                und, wenn nötig, auch Konfrontationen einzugehen. Und das nenne cih doch eine tolle Mutter! Das würde ich mir von meiner Mutter auch wünschen, dass sie das kann. Fazit: Ich an deiner Stelle würde keine Parallelen ziehen zwischen Menschen, die den Kontakt zu ihren Eltern aus vielerlei Gründen abgebrochen haben und deinen Kindern in Beziehung zu dir. Es hängt nämlich immer von den Verhaltensweisen der einzelnen Menschen ab - und bei dir scheint ja alles soweit ``im grünen Breich zu sein``, was mich sehr freut!
                                es grüßt dich ganz herzlich libertas alias einschönertag
                                Ich weiß nicht ob ich Parallelen ziehe, es berührt mich und macht mich traurig wenn ich lese dass Menschen die sich doch eigentlich lieben, den Kontakt abbrechen. Ich kann damit nicht umgehen weil irgendwann irgendwas wohl passiert ist was diese Traurigkeit in mir auslöst und es erinnert mich auch an eine besondere Beziehung die beendet wurde und in mir das Gefühl zurückließ 'dass ich nicht wertvoll genug bin um sich mit mir auseinanderzusetzen'. Und auch wenn ich weiß dass dieser Mensch mit etwas spiegelt um etwas in mir zu heilen komme ich mit seinem Rückzug nicht wirklich klar.

                                Du schreibst dass Du in Deiner Jugendzeit sehr darunter gelitten hast dass es immer nur um sie ging.
                                Ich bin der Meinung dass jeder Mensch uns etwas spiegelt. Wenn nun Deine Mutter Dir damit - natürlich unbewusst (über die Seele) - etwas spiegeln wollte, was könnte es sein? Könntest Du Dir vorstellen dass Deine Mutter 'nur' Auslöser ist, aber die Ursache in Dir selbst liegt, dh ein 'Mangel'/ein Bedürfnis vorhanden ist den/das nur Du selbst in Dir beheben kannst? Hast Du Dich selbst wahrgenommen als Jugendliche oder wolltest Du zB lieber ein Kind bleiben weil Du mit der Pubertät nicht zurechtkamst oder ....? Hast Du Dich selbst als Jugendliche irgendwo nicht gesehen, Dich nicht wertgeschätzt - vielleicht weil Du nicht so warst wie andere, weil Du nicht so aussahst wie andere? Konntest Du Dir selbst eingestehen was Du Dir gewünscht hättest, was Dich bewegt hat, hast Du Dich für Dich selbst interessiert?
                                Im Grunde - denke ich - ist das was man von andern gerne hätte das, was man sich selbst nicht zugestehen kann.

                                Tja, vielleicht kann ich mir einen Rückzug nicht zugestehen weil ich mich nicht für wertvoll genug halte mal für mich zu sein oder......? Ich werde es jetzt auf mich wirken lassen.
                                Danke, Du (ihr alle) hast mir sehr geholfen!

                                Ich danke Dir für Deine Offenheit und Deine Erklärungen. Ich möchte auch gerne noch sagen dass ich niemanden verurteilen wollte, sondern dass ich einfach nur aufzeigen wollte was es in mir auslöst.

                                Liebe Grüße
                                Anneliese

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