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mutters emotionale erpressung

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    Liebe Fortuna,

    mir spukt dein folgender Satz immer noch durch den Kopf:
    und manchmal fährt man auch mit der wahrheit am besten, wie ich zuletzt bei meinen eltern: ich bin erschöpft hoch zehn, ich kann nicht. da wagen die wenigsten zu sagen: ach komm, stell dich nicht so an.
    Echt? Ich kann mich an viele Situationen erinnern, wo ich so etwas gesagt habe, und es kam dennoch die Rückfrage "Wieso? Wovon bist du denn kaputt?".

    Es mag ja durchaus ein ernsthaftes Interesse hinter der Frage stehen. Rübergebracht wird sie jedoch meist mit dem Unterton "Ich weiß gar nicht, was du hast, du siehst gar nicht so erschöpft aus, dir geht's doch noch recht gut, nun stell dich nicht so an...".

    Oder bilde ich mir das alles nur ein, weil ICH glaube, dass ich noch nicht genug getan hätte? Dass andere viel mehr Grund haben, kaputt zu sein? Die Freundin von nebenan mit zwei kleinen Kindern, Ehemann, großem Haus, eigenem Job, die nie Zeit hat? Der Kollege, der Tag und Nacht arbeitet, weil terminierte Projekte falsch geplant wurden und nun alles an ihm hängt?

    Ich weiß nicht, ich bin es so unsagbar satt, jedem immer wieder etwas erklären zu müssen - egal, ob das meine Eltern sind oder sonst wer. Es kann doch nicht sein, dass Kommunikation unter Menschen sich nur noch damit beschäftigt, einander zu erklären, warum man sich so und so fühlt und "wieso, du hast doch neulich gesagt, dass du ...?" - "Ja, aber jetzt ist es anders." - "Wieso, das verstehe ich nicht, du könntest doch...?" ... Mann, da könnte ich inzwischen ausrasten! Da möchte ich schreien: "Nun halt doch mal einfach die Fresse und höre zu!"

    Ist es das, was mich so annervt an meiner Mutter? Und auch an anderen? Dass nicht mehr zugehört wird? Dass nichts mehr einfach mal so stehen bleiben darf? Dass jeder Furz und Feuerstein immer und immer und immer und immer wieder bis zum Erbrechen hinterfragt wird? "Mann, ich weiß nicht, warum ich kaputt bin! Das ist einfach so... ja, die Reise mag ein Grund sein, ich habe sie aber nicht als anstrengend empfunden, denn ich hatte nette Mitreisende. Nein, auf der Arbeit war es auch nicht stressig und nein, ich habe gut und ausreichend geschlafen... ich weiß nicht, warum ich kaputt bin, aber ich bereue es gerade, dir überhaupt davon berichtet zu haben. Warum pflückst du das jetzt so auseinander? Was bringt dir das? Was soll mir das bringen? Welchen Sinn hat das Zerpflücken?"

    Wie soll ich denn auf so etwas reagieren? Was ist die adäquate Reaktion auf so ein Nachbohren? Welchen Wert hat dieses verbale Geplätscher? Wen interessiert's, wovon ich kaputt bin? Ich bin kaputt. Punkt!!!

    Und dann kommt mir wieder in den Sinn, dass meine Mutter mir mal gesagt hat (und sie hat es nicht vorwurfsvoll, sondern eher hilflos-mitfühlend gesagt), dass ich schon als Kind nie jemanden an mich herangelassen hätte. Und so denke ich, dass es zwar nicht meine Schuld ist, dass das Verhältnis zwischen ihr (und vielen anderen Menschen) und mir so ist, wie es ist, dass es aber sehr wohl an mir liegt. Und wenn ich das Verhältnis ändern will, muss ich etwas ändern. Meine Mutter wird nichts änfdern. Denn dazu müsste sie ja erst einmal verstehen, worum es geht. Das kann ich aber nicht erklären. Das ist ja der Scheiß... ich verstehe doch selber nicht, wie es zusammenhängt. Ich kann es doch nicht beschreiben und erklären. Also was soll ich tun? Ich fühle mich hilflos jemandem ausgeliefert, der immer nur Erklärungen will. Ich habe aber keine Erklärungen. Ohne Erklärungen werden wir aber nicht zusammen kommen. Ein Teufelskreis! Ein Teufelskreis, aus dem ich raus will! Aber wie???

    Ich glaube, was mich zudem an dem oben zitierten Absatz (bzw. an der dort beschriebenen Situation) stört ist, dass die Aussage "Ich bin kaputt!" doch auch nicht wahr ist. Also so habe ich das jedenfalls verstanden, dass du das auch durchaus mal benutzt, um deine Ruhe zu haben. Was ich verstehe und auch nachvollziehen und gutheißen kann.

    Aber: gibt es dir Frieden, so, - nämlich unaufrichtig - reagiert zu haben? Ich meine, klar, es ist in dem Moment sicher die beste Reaktion. Aber ist es die, die du möchtest? Möchest du so reagieren? Oder möchtest du nicht viel lieber anders reagieren können und dürfen, ohne dass wieder von dem, was du sagst, ein Fass aufgemacht wird und sich endlose Jammereien und Vorwürfe über dich ergießen?

    Wäre es nicht schön, wenn du so sein dürftest, wie du bist?

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      Bei uns war es halt so, dass es ja niemandem in der Familie so schlecht gehen konnte wie meiner Mutter. Bei anderen wurde das von ihr einfach ignoriert.Depressionen? Hat man nicht. Man muss sich nur zusammenreißen.
      Und an ihrem Unglücklichsein waren wir ja alle schuld; wir sollten uns so verhalten, dass sie glücklich war. Taten wir das nicht, wurden wir nicht nur mit Liebesentzug bestraft, sondern mit einer stundenlangen Tirade über ihr Leben, bei Adam und Eva angefangen.
      Heute frage ich mich, warum ich eigentlich dann nicht einfach gegangen bin, sondern mir das immer und immer wieder angehört habe.

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        liebe Queenie,

        ich verstehe sehr gut, was du meinst.

        ich selber erlaube mir, so zu sein, wie ich bin. aber ich erwarte nicht mehr, dass andere das auch sehen. oder sehen können. oder wertschätzen, wertschätzen können.

        wer bestimmt, ob du kaputt bist?

        und ja, ich höre diesen unterton, der dich zur verzweiflung bringt, weil er suggeriert: stell dich nicht so an (und erfülle MEIN bedürfnis). ich fühle mich wie eine 288 jahre alte frau, die darauf keine böcke mehr hat. der andere darf mir sagen was er will und was er sich wünscht. aber die wenigsten haben einen anspruch darauf.

        ich gebe. freiwillig. (doch, meistens klappt das inzwischen. nicht immer ohne schlechtes gewissen oder zweifel, aber immerhin).

        weißte, die menschen sind so grundverschieden. was wir sehen, ist ja nur die spitze des eisberges. jeder hat andere motive für sein handeln, seine bedürfnisse. ich mache gern den erklärbär, weil ich beleidigtes schweigen und passive aggressivität extrem unangenehm finde. aber auch das hat seine grenzen. ständig das gleiche wieder durchzukauen ist mühsam, kräftezehrend und meist sinnlos.

        DANN darf es auch mal eine notlüge sein, oder eine nicht-erklärung. ich bin müde, fertig, habe einen termin. punkt.

        ich glaube, oft wird deshalb nicht zugehört, weil gefühlt immer der andere seine bedürfnisse wichtiger nimmt. deswegen auch das zerpflücken: ich widerlege deine argumente, damit ich bekomme, was ich will. und mit großer wahrscheinlichkeit agieren wir genauso, vielleicht an anderen punkten (tun wir bestimmt und merken es auch nicht nicht, gehe ich mal von aus).

        ich denke, es geht um die größe des dramas. deine mutter verliert ihr gesicht vor den nachbarn, wenn du weihnachten nicht kommst, deine freundin kann es partout nicht ertragen, alleine zu sein ... da versuchen sie halt, dich dazu zu überreden, ihr "leck" zu reparieren.

        das ist kein angriff gegen dich! auch wenn es oft genau so aussieht und sich so anfühlt ... ok, manchmal ist es vielleicht auch einer, bzw ist auch das gefühl, dass dem anderen deine gefühle weniger wert sind, alles andere als schön.

        weißte, es gilt, seine bedürfnisse an erste stelle zu stellen. ich kenne das, wenn man etwas mit absicht macht, um "zurückzuverletzen". der klassiker ist bei mir das jobs hinwerfen, weil ich mich so über den narzissmus meiner chefs ärgere. da hab ich mein gegenüber aber mal hart getroffen. der guckt sich kurz um und stellt die nächste ein. für diese genugtuung opfer ich ein gutes gehalt und nette kollegen. toll, oder? und im nächsten job hab ich dann wieder einen vorgesetzen, der sich für ein göttliches, unfehlbares wesen hält, weil das in dieser etage einfach gang und gäbe ist (sonst wären sie nicht chef). glaub mir, mir gehen da regelmäßig die gäule durch, aber klüger wäre es auch hier, einfach den deppen deppen sein zu lassen und nur meinen vorteil des ganzen im auge zu behalten. da haben letztendlich sogar beide seiten mehr von!

        was ich damit sagen will: ehrlichkeit und direktheit ist nicht immer der beste weg, und wir sollten IMMER bei uns bleiben.

        was halte ich für eine adäquate reaktion? dem anderen seite motive zugestehen (das heißt nicht, sie gutzuheißen, sondern lediglich, sie zu erkennen und stehen zu lassen - ändern lassen sie sich meist eh nicht). abwägen, welche möglichkeiten dir zur verfügung stehen: erklären - diskutieren - streiten - grenzen aufzeigen.

        du hast grenzen. zeig diese. gerade bei eltern. WEIL ich kaputt bin, kann und will ich das thema nicht mit dir ausdiskutieren. aktiver themenwechsel.

        du lässt niemand an dich heran? du lässt deine mutter nicht so nah an dich heran, wie sie es gerne hätte. das problem hat meine mutter auch. WIR entscheiden, wie nah wir jemand an uns heran lassen, niemand anders. da kann auch keiner bewerten oder verurteilen. das ist eine hilflose aktion deiner mutter, mehr nähe zu dir herzustellen. was so nicht funktionieren kann. in dir kann die bereitschaft zur nähe wachsen, wenn sich die beziehung im lauf der zeit positiv entwickelt. einer von beiden altersmilde wird.

        ich weiß nicht, ob ihr ohne erklärungen zusammen kommen könnt. du arbeitest an dir, alleine dadurch wird sich etwas verändern, weil sich dadurch die rahmenbedingungen ändern. aber das dauert. und es gibt keine garantie. wenn deiner mutter die eigenen bedürfnisse immer wichtiger sein werden, weil sie nicht anders kann (so sehe ich es bei meiner) ... dann ist das verdammt schwierig. aber du hast viele stellschrauben, um es für dich insgesamt angenehmer zu gestalten.

        liebe grüße

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          Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
          Bei uns war es halt so, dass es ja niemandem in der Familie so schlecht gehen konnte wie meiner Mutter. Bei anderen wurde das von ihr einfach ignoriert.Depressionen? Hat man nicht. Man muss sich nur zusammenreißen.
          Und an ihrem Unglücklichsein waren wir ja alle schuld; wir sollten uns so verhalten, dass sie glücklich war. Taten wir das nicht, wurden wir nicht nur mit Liebesentzug bestraft, sondern mit einer stundenlangen Tirade über ihr Leben, bei Adam und Eva angefangen.
          Heute frage ich mich, warum ich eigentlich dann nicht einfach gegangen bin, sondern mir das immer und immer wieder angehört habe.
          hilflosigkeit. mitleid. ein gewaltiges druckmittel, dass erfolgreich funktioniert.

          weißte, meine mutter ist ja profi-hypochonder. hatte schon alle krankheiten der welt mehrmals und war schon zigmal so gut wie tot. mein vater hat sich arrangiert und fährt sie täglich von arzt zu arzt zu krankengymnastik zu massage zu ...

          ich nehme es nicht mehr ernst, seit sie mir mal von ihrer dramatischen diabetes erzählt hat, und ich mit ihr fachsimpeln wollte, weil ich mal mit einem diabetiker zusammen gewohnt habe. wie oft spritzt du täglich insulin? gar nicht ... zack, erwischt! ich behandle es heute so, wie wenn andere von lästigem schnupfen erzählen.

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            Liebe Fortuna,

            danke für deine einfühlsamen Worte. Ich fühle mich gehört, gesehen, jemand - nämlich du - durchleidet das selbe wie ich bzw. hat es durchlitten. Manchmal gibt es so Phasen in meinem Leben, da fühle ich mich sowas von alleine mit dem, was mich beschäftigt und bekümmert, da tut es alleine schon gut zu wissen, dass ich eben nicht damit alleine bin, sondern es anderen Menschen genauso geht wie mir.

            ich glaube, oft wird deshalb nicht zugehört, weil gefühlt immer der andere seine bedürfnisse wichtiger nimmt. deswegen auch das zerpflücken: ich widerlege deine argumente, damit ich bekomme, was ich will. und mit großer wahrscheinlichkeit agieren wir genauso, vielleicht an anderen punkten (tun wir bestimmt und merken es auch nicht nicht, gehe ich mal von aus).
            Ja, das kenne ich auch. Und ich kenne es auch von beiden Seiten: einerseits kann ich das selber prima, da ich das vor Jahren in einer Clique sehr intellektueller Freunde, die Diskutieren um den Diskutierens willen betrieben, wo es ganz schnell nicht mehr um den wirklichen Austausch ging, sondern darum, wer die "besten" (= nicht widerlegbaren) Argumente hatte. Die Anerkennung in dem Freundeskreis bestand darin, dass man sich ernsthaft mit den Argumenten auseinandersetzte. Leute, die das nicht konnten, wurden gleich links liegen gelassen, bzw. Unterhaltungen liefen sehr schnell ins Leere.

            Ich habe mich irgendwann von den Leuten ferngehalten, weil es mir zunehmend auf den Geist ging, dass emotionale "Gründe" keinen Bestand hatten, weil man sie ja rational widerlegen konnte.

            Inzwischen stelle ich diese Diskutierwut als ein allgemeines gesellschaftliches Phänomen fest. Egal, was man sagt, möchte, braucht, nicht geregelt kriegt - es wird garantiert einen geben, der dir ungefragt sagt, wie du es (besser) machen kannst und wieso du noch nicht dies probiert und das versucht hast usw. usw. usw. Das geht mir mittlerweile sowas von auf den Keks...

            Ist es am Ende so, dass selbst der hilfreiche Tipp der Freundin gar nicht für mcih ist, sondern sie sich in Wahrheit nur selber als unersetzbare Helferin in der Not darstellen will? Helfen wir, ja drängen wir sogar anderen unsere Hilfe auf, damit wir selber von uns das Bild bekommen, das wir ein toller, Mensch sind, der von anderen gebraucht wird?

            du hast grenzen. zeig diese. gerade bei eltern. WEIL ich kaputt bin, kann und will ich das thema nicht mit dir ausdiskutieren. aktiver themenwechsel.
            Aktiver Themenwechsel... das gefällt mir, damit kann ich etwas anfangen.

            du lässt niemand an dich heran? du lässt deine mutter nicht so nah an dich heran, wie sie es gerne hätte. das problem hat meine mutter auch. WIR entscheiden, wie nah wir jemand an uns heran lassen, niemand anders. da kann auch keiner bewerten oder verurteilen.
            Na ja, ich stelle halt fest, dass ich irgendwie mit kaum jemandem aus meinem direkten Umfeld noch wirklich eine tiefgehende Beziehung habe. (Und dabei meine ich wirklich die rein freundschaftlichen Beziehungen!) Ich will mich ja öffnen, tue das doch auch an sich sehr gerne (wie ich doch hier schon wohl des Öfteren unter Beweis gestellt habe), aber ich weiß einfach nicht mehr, was ich den Leuten erzählen soll. Ich will doch gar nicht dauernd über Probleme reden, ein einfaches Gespräch über "Hast du dieses Buch gelesen?", "Ich habe mir neulich total geile Schuhe gekauft", "Ich habe gestern einen interessanten Artikel gelesen über Stickkunst" oder auch "Menno, mich nerven die Kirchenglocken!" wäre doch prima. Ein echtes Gespräch ist für mich etwas, was sich "von Höcksken auf Stöcksken" entwickelt, wo man von einem Thema zum anderen kommt und dabei die Zeit vergisst. Nichts ist wirklich wichtig, aber der Austausch hilft, die Batterien der Vertrautheit und der Zugehörigkeit wieder aufzuladen.

            Und das gibt es in meinem Leben nur noch mit einer einzigen RL-Freundin und mit einer VL-Freundin. Alle anderen... ich weiß nicht, das kann doch kein Zufall sein, dass genau die Schwierigkeit, die ich mit meinen Eltern habe, diese Sprachlosigkeit, dieses gefühl von "ich werde eh nicht gehört" sich im Laufe der Zeit (ohne dass ich es bemerkt habe) auf mein restliches soziales Miteinander gelegt hat. Ich meine, das kann doch nicht immer nur an den anderen liegen...?

            Das klingt jetzt vielleicht etwas OT, aber für mich gehört die Frage von Mutters emotionaler Erpressung mit dieser Frage zusammen. denn auf beide reagiere ich (offenbar) mit Rückzug und mit Niemanden-an-mich-heranlassen. Ich will das gar nicht, tue es aber offenbar...

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              Je näher du jemand an dich heranlässt, desto größer ist die Gefahr, dass du verletzt wirst.
              Ich habe diese Erfahrung leider schon als Kind gemacht und mich dann völlig verschlossen. Auch heute mach ich noch oft zu; dieses Verhalten wieder rauszubekommen, fällt mir unheimlich schwer.

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                Liebe Bonny,

                ich habe das Gefühl, inzwischen verlernt zu haben, wie ich jemanden an mich heranlasse. Offenbar hat sich meine Genervtheit über die ewigen Herumdiskutierereien nicht nur mit meiner Mutter (da gibt es gar nicht so viel Diskussion, sondern meist Schweigen auf beiden Seiten, weil keiner dem anderen etwas mitzuteilen weiß) sondern auch mit Freundinnen und Kollegen für ein reflexartiges Abwehren gesorgt, welches mir gar nicht bewusst ist.

                Jede soziale Interaktion bedeutet für mich, auf der Hut zu sein, damit nicht schon wieder jemand die Oberhand über mich bekommt, mir Aufgaben, Verantwortungen und Zuständigkeiten (für alle Bereiche des Lebens, nicht nur mein Job!) zuschiebt und ich dann das Gepangele habe, während der andere seine Scheiß los ist.

                Dass dabei all die Gespräche und Interaktionen untergehen bzw. vermutlich von Anfang an einen falschen Weg nehmen, liegt daran, dass ich gar nicht mehr glaube, dass mir jemand noch begegnen kann, ohne primär Seins/Ihrs durchsetzen zu wollen.



                Liebe Fortuna,

                noch ein Nachtrag:
                ich selber erlaube mir, so zu sein, wie ich bin. aber ich erwarte nicht mehr, dass andere das auch sehen. oder sehen können. oder wertschätzen, wertschätzen können.
                Aber das bedeutet doch, dass ich dann im Grunde ganz alleine auf der Welt bin. Dass sich im Notfall niemand dafür interessiert, was mit mir ist.

                Das ist meine riesige Baustelle: nicht glauben zu können, dass man mich auch mag, wenn ich Erwartungen nicht erfülle, sondern so bin, wie ich bin. Da ich das nie wirklich gelebt habe, habe ich inzwischen wohl im Grunde vergessen, wer ich bin und was meine Werte sind. Und mit so wenigen Menschen, die es wirklich kümmert, was mit mir ist, traue ich mich gar nicht mehr, irgendwelche zwischenmenschlichen Experimente zu machen...

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                  Liebe Queenie,

                  Zitat von queenie Beitrag anzeigen
                  Inzwischen stelle ich diese Diskutierwut als ein allgemeines gesellschaftliches Phänomen fest. Egal, was man sagt, möchte, braucht, nicht geregelt kriegt - es wird garantiert einen geben, der dir ungefragt sagt, wie du es (besser) machen kannst und wieso du noch nicht dies probiert und das versucht hast usw. usw. usw. Das geht mir mittlerweile sowas von auf den Keks...
                  Das habe ich auch beobachtet und war manchmal genervt.

                  Aber ich habe mich auch selbst dabei ertappt, so zu handeln, v.a. wenn ich einem anderen das Leid ersparen wollte, was mir widerfahren war, weil mir die nötigen Informationen gefehlt hatten.


                  Zitat von queenie Beitrag anzeigen
                  Ist es am Ende so, dass selbst der hilfreiche Tipp der Freundin gar nicht für mcih ist, sondern sie sich in Wahrheit nur selber als unersetzbare Helferin in der Not darstellen will? Helfen wir, ja drängen wir sogar anderen unsere Hilfe auf, damit wir selber von uns das Bild bekommen, das wir ein toller, Mensch sind, der von anderen gebraucht wird?
                  Das kann gut sein, besonders bei einem bestimmten Typ.

                  Vielleicht ist es bei einem Teil der Menschen auch einfach die Unfähigkeit, einfach nur zuzuhören und auszuhalten ohne gleich ins Ratschläge geben zu verfallen. Es kann nämlich verdammt schwerfallen, nichts zu tun.

                  Die präsentierten Lösungsvorschläge sind vielleicht garnicht das, was die andere Person gerade braucht oder was für sie passen würde, wenn sie aus eigenem Antrieb nach Rat fragen würde. Deswegen wäre es hilfreich, nicht sofort mit Ratschlägen zu kommen, sondern die andere Person erstmal zu fragen, was sie gerade braucht und möchte.

                  Dann gibt es noch diejenigen, die gerade in Phasen eigener Not aufs Helfenwollen bei anderen verfallen - weil sie sich dann von ihrem eigenen Leid ablenken können und gleichzeitig vielleicht noch Erfolgserlebnisse bei anderen haben können. Das meine ich nicht negativ, denn es passiert selten aus Berechnung, sondern ist einfach ein Muster, das man sich bewußt machen kann.

                  Liebe Grüße
                  Freundin der Weisheit

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                    Liebe Bonny,

                    Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
                    Bei uns war es halt so, dass es ja niemandem in der Familie so schlecht gehen konnte wie meiner Mutter. Bei anderen wurde das von ihr einfach ignoriert.Depressionen? Hat man nicht. Man muss sich nur zusammenreißen.
                    Und an ihrem Unglücklichsein waren wir ja alle schuld; wir sollten uns so verhalten, dass sie glücklich war. Taten wir das nicht, wurden wir nicht nur mit Liebesentzug bestraft, sondern mit einer stundenlangen Tirade über ihr Leben, bei Adam und Eva angefangen.
                    Heute frage ich mich, warum ich eigentlich dann nicht einfach gegangen bin, sondern mir das immer und immer wieder angehört habe.
                    Vielleicht aus Mitleid, aus Pflichtgefühl, aus Angst, daß sie sich sonst etwas antut? Vielleicht sogar, weil Du ihr geglaubt hast, daß nur Du ihr das geben kannst, was sie braucht?

                    Ich habe mich als Grundschulkind nicht getraut, mich rauszuziehen und zu schützen, weil ich fürchtete, daß meine Mutter ihre Pläne sich umzubringen in die Tat umsetzen würde.

                    Liebe Grüße
                    Freundin der Weisheit

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                      Zitat von queenie Beitrag anzeigen
                      ...

                      Dass dabei all die Gespräche und Interaktionen untergehen bzw. vermutlich von Anfang an einen falschen Weg nehmen, liegt daran, dass ich gar nicht mehr glaube, dass mir jemand noch begegnen kann, ohne primär Seins/Ihrs durchsetzen zu wollen.
                      ...
                      Das ist meine riesige Baustelle: nicht glauben zu können, dass man mich auch mag, wenn ich Erwartungen nicht erfülle, sondern so bin, wie ich bin. Da ich das nie wirklich gelebt habe, habe ich inzwischen wohl im Grunde vergessen, wer ich bin und was meine Werte sind. Und mit so wenigen Menschen, die es wirklich kümmert, was mit mir ist, traue ich mich gar nicht mehr, irgendwelche zwischenmenschlichen Experimente zu machen...
                      liebe Queenie,

                      etwas wahrnehmen und zu spüren, dass du es gerne anders hättest, ist ein erster wichtiger schritt.

                      menschen aus dysfunktionalen familien sind immer auf der hut, das ist aber nicht nur negativ. wir haben sehr gute antennen, die uns auch oft nützen. ich mach es so, dass ich zeit für mich bewusst plane und nehme. ich tanke nicht IM kontakt mit anderen, sondern im kontakt mit mir alleine. so ist es halt.

                      ich würde dir die leichtigkeit wünschen, zwischenmenschliche experimente ganz bewusst zu machen. wenn du vom schlechtesten ausgeht, kannst du nur angenehm überrascht werden, gell?
                      ich weiß, dass nicht alle mir etwas böses wollen, ich habe wunderbare freunde. und ich gebe zu, die meisten sind mir recht ähnlich, das macht die freundschaft deutlich einfacher, wenn der andere bspw. auch viel ruhe braucht und ähnliche erfahrungen gemacht hat.

                      es ist nichts schlechtes daran, dass andere dafür sorgen, dass ihre bedürfnisse erfüllt werden, genau das dürfen wir auch, gleiches recht für alle! denk deswegen nicht schlecht über sie - aber sei ruhig sauer, wenn sie diese über deine stellen. sie stehen nebeneinander, und menschen die das nicht verstehen, dürfen dann auch mal deine grenzen und ggf. wut abbekommen. die, die das nicht verstehen oder respektieren, sind keine guten freunde (trotzdem müssen wir auch oft mit solchen auskommen, im job, nachbarn, familie, etc.).

                      du, ich hab auch schon öfter den freundeskreis gewechselt. und ich hab das auch schon bedauert. du hast mich zum nachdenken angeregt, gerade weil ich über weihnachten auch eine sentimentale phase hatte. ich bin aus dem dorf in die kleinstadt, weil mir die dörfliche notgemeinschaft keine gute freundschaft hervorgebracht hatte.
                      nach einigen jahren bin ich in die großstadt, weil ich in der kleinstadt die wahl hatte, kinder & familie, drogensucht oder umzug - ich hab mich für umzug entschieden, alles andere passte nicht zu mir.
                      danach gab es noch weitere wechsel, und mal in echt: alle aus gutem grund. ich entwickle mich weiter. ja, ich sehne mich inzwischen nach mehr beständigkeit, aber ich bin auch ein sehr neugieriger und freiheitsliebender mensch.

                      vielleicht sind viele damit glücklich, ein ganzes leben am gleichen ort mit den gleichen menschen zu leben. ich gehöre wohl nicht dazu. mein leben ist nicht besser oder schlechter. es ist anders. es ist anderer frust, der auszuhalten ist. die wiese sieht auf der anderen seite nur grüner aus. ist doch so ...

                      liebe grüße

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                        Liebe Fortuna,

                        es ist nichts schlechtes daran, dass andere dafür sorgen, dass ihre bedürfnisse erfüllt werden, genau das dürfen wir auch, gleiches recht für alle! denk deswegen nicht schlecht über sie - aber sei ruhig sauer, wenn sie diese über deine stellen. sie stehen nebeneinander, und menschen die das nicht verstehen, dürfen dann auch mal deine grenzen und ggf. wut abbekommen.
                        Hm, das stimmt mich (im positiven Sinne) nachdenklich. Denn mir wird bewusst, dass ich genau an der (von mir fett gemachten) Stelle immer zurückzucke aus lauter Angst vor einer Konfrontation. Nicht dass ich schlecht über den anderen denke, aber in mir ist offenbar der Glaubensatz einzementiert "Wenn ich meine Wut (Gegenwehr, Grenze) zeige, ist der andere sauer auf mich. Das setze ich gleich mit "von demjenigen nicht mehr gemocht werden" ". Sprich, ich bin überzeugt davon, das der andere dann schlecht von mir denkt.

                        Mir fällt da eine Situation ein: Ich war bereits erwachsen und hatte auch eine eigene Wohnung in einem anderen Dorf. Und natürlich hatte ich auch neue Freunde und Bekannte, mit denen ich abhing und von denen ich auch mal zuhause erzählte, wenn einer was Lustiges gemacht oder gesagt hatte. Dabei fiel wohl öfter der Name "Doro". Irgendwann flippte mein Vater aus dem Nichts (!) aus und meinte "Wer ist eigentlich dieser Doro???". Wohlgemerkt, dieseR Doro!!! Ein Mann war es in den Augen meines Vaters. Erst als ich ich sagte, dass es sich um eine Frau handelt, war mein Vater einigermaßen "beruhigt".

                        Was mir bei dieser Geschichte gerade klar wird ist, dass ich damals (und eigentlich mein Leben lang bei allen möglichen ähnlichen Situationen) angenommen habe, es sei MEINE Schuld, dass mein Vater damals wegen "Doro" so sauer wurde. Dass es meine Schuld war, denn ICH hätte im Vorfeld ja schon mehr erzählen können. Oder sonstwie dafür sorgen müssen, dass mein Vater sich nicht aufzuregen braucht...

                        Da fällt mir ein paralleler Vorfall aus ungefähr der gleichen Zeit ein. Ich arbeite für eine Tageszeitung und in dieser erscheint 1 x im Monat eine Seite mit Artikeln, die vor 50 Jahren im Blatt standen. Zum Zeitpunkt dieses Vorfalls war gerade die Nazizeit aktuell. Ich weiß nicht mehr, was der eigentliche Grund für den Ärger meines Vaters war, auf jeden Fall brüllte er irgendwann (auch wieder völlig aus dem Nichts heraus) los, dass er die Zeitung sowieso wegen Verbreitung von Nazigedankengut verklagen wolle. So ein Schwachsinn, weil davon konnte wirklich keine Rede sein! Ich habe damals dagegen gehalten und ihm (durchaus auch etwas lauter) gesagt, dass er das gefälligst lassen soll, denn es gehe schließlich um MEINEN Arbeitsplatz, den er da ggf. aufs Spiel setzen würde.

                        Auch hier gar nicht mal so sehr die Situation selber, sondern dass ICH mir den Stiefel angezogen habe und meinte, "meine" Zeitung verteidigen zu müssen. Ich war im Zwiespalt und stand zwischen zwei Stühlen: meinem Arbeitgeber (dem ich ja auch Loyalität schulde) und meinem Vater, der auf MICH sauer war, weil ich (so sah ich es) bei einem Verlag arbeitete, der etwas tat, was mein Vater (der einen großen Gerechtigkeitssinn HATTE (!) ) moralisch nicht für richtig hielt. Was also demzufolge auch nicht moralisch einwandfrei sein KONNTE. ICH war jedenfalls Schuld. ICH hätte es besser/anders/richtig machen müssen.

                        So dachte/fühlte ich jedenfalls - und tue es wohl immer noch.
                        Zuletzt geändert von queenie; 06.01.2016, 12:41. Grund: Typo

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                          Liebe Queenie.

                          Zitat von queenie Beitrag anzeigen
                          Das setze ich gleich mit "von demjenigen nicht mehr gemocht werden"
                          Glaubst Du denn, es ist ein "Dich mögen", wenn Du Dich versteckst? Wenn Du gar nicht zeigst (zu zeigen wagst), wer Du tatsächlich und "vollständig" bist?

                          Eine Überlegung ist: der andere mag Deine Nachgiebigkeit, mit der Du ihn immer wieder Deine Grenzen überschreiten lässt... aber mag er "Dich"? So als Gesamtpaket? Was würdest Du verlieren, wenn Du Dich zeigst? Er mag möglicher weise "Dich" weiterhin nicht, es hat sich nichts geändert, er hat es nur offen ausgesprochen.

                          Die andere Überlegung ist: vielleicht würde er Dich mögen, wenn Du ihm überhaupt erst die Chance geben würdest, Dich kennen zu lernen (anstatt nur den Ausschnitt, den Du zu präsentieren bereit bist)? Was würdest Du verlieren, wenn Du Dich zeigst? Du erkennst womöglich, dass er Dich auch mag, wenn Du Anteile von Dir zeigst, die er bisher nicht kannte.

                          Das waren meine Überlegungen in einer ähnlichen Situation. Vielleicht passen sie auch für Dich.

                          Ich finde es auch immer wieder wichtig, sich klar zu machen, dass man einen Menschen auch mögen kann, wenn man einzelne Verhaltensweisen nicht mag. Wegen eines Verhaltens sauer zu sein, bedeutet nicht, de ganze Person "abzulehnen".

                          Erwartest Du von Deinen Eltern, dass sie zu dieser Unterscheidung nicht fähig sind? Kannst Du selbst den Unterschied zwischen Person und Verhalten sehen?

                          Könntest Du Dir vorstellen, auch Deine Wut als Teil von Dir zu zeigen und erst mal abzuwarten, wie der andere darauf reagiert?

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                            Liebe FirstSunshine,

                            ich weiß, was du meinst und ich teile deine Überlegungen.

                            Jedoch waren die aufgeführten Beispiele eher emotionaler Natur. Oder nein, das muss ich anders formulieren. Sie spiegeln den emotionalen Hintergrund wider, denen bislang meine Handlungen in Konflikt- und Konfrontationssituationen zugrunde liegen. Und mit dem Hintergrund, mit den Zusammenhängen beschäftige ich mich gerade. Ich will sie - rational und vor allem emotinal - ergründen, um zu begreifen, wieso ich so reagiere, wie ich nun mal reagiere.

                            Eine Überlegung ist: der andere mag Deine Nachgiebigkeit, mit der Du ihn immer wieder Deine Grenzen überschreiten lässt... aber mag er "Dich"? So als Gesamtpaket? Was würdest Du verlieren, wenn Du Dich zeigst? Er mag möglicher weise "Dich" weiterhin nicht, es hat sich nichts geändert, er hat es nur offen ausgesprochen.
                            Dann hätte ich die Illusion verloren, dass er mich als Gesamtpaket mag.

                            Wie gesagt, das ist keine rationale Erwägung, sondern gespeist aus dem Defizit, welches ich als Kind erfahren habe. Und dieses Defizit will ich erkennen, begreifen, erkunden und - idealerweise - meinem inneren Kind klar machen, dass keine Gefahr droht. Das funktioniert aber (zumindest in diesem Stadium) nicht mit rationalen Argumenten.

                            Im Gegenteil, rationale Argumente zeigen mir in dem Moment lediglich, dass ich in meinem So-wie-ich-BIN-Sein nicht angenommen werde (denn ich soll ja ändern, weil mir jemand von außen sagt, dass das gut für mich ist, während ich da nichts Gutes/Hilfreiches/Tröstliches erkennen kann.)

                            Wegen eines Verhaltens sauer zu sein, bedeutet nicht, de ganze Person "abzulehnen".
                            Das ist aber das, was ich mein ganzes Leben lang gelernt habe.

                            Kannst Du selbst den Unterschied zwischen Person und Verhalten sehen?
                            Da bin ich mir ehrlich gesagt nicht wirklich sicher, ob ich das tief im Inneren kann.

                            Könntest Du Dir vorstellen, auch Deine Wut als Teil von Dir zu zeigen und erst mal abzuwarten, wie der andere darauf reagiert?
                            Nein, zur Zeit kann ich das noch nicht. Das ist ja die Krux!

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                              Liebe Queenie,

                              ich habe Dich so verstanden, dass Dich - allgemein formuliert - gewisse Situationen belasten und Du einen Weg suchst, mit diesen Situationen so umzugehen, dass sie künftig (zumindest) weniger belastend für Dich sind. Du suchst also eine Möglichkeit der Veränderung. Sei es nun, dass diese Änderung äußerlich (durch eine Änderung des Verhaltens zur Änderung der Situation) oder innerlich (durch einen veränderten Blick auf die gleichbleibende Situation) ist. Soweit richtig?

                              Ich lese aus Deiner weiteren Antwort heraus, dass eine "äußere" Veränderung erst mal außerhalb der Möglichkeiten des emotionalen Anteils liegt. Ich verstehe es so, dass ihm die "Illusion" (oder auch: Hoffnung ) als Gesamtpaket geliebt zu werden wichtiger ist als die Gewissheit, dass es so ist (oder im schlimmsten Fall: nicht so ist).

                              Der emotionale Part ist rational direkt nicht erreichbar. Aber er kann auf Erfahrungen (erlebte Gefühle) zurückgreifen. Gibt es da vielleicht Erfahrungen mit Personen, die dem "erlenten Muster" widersprechen? Großeltern, Freunde, ... , bei denen ein Gefühl von "Geliebtsein" auch über vereinzelte Kritik am Verhalten hinaus Bestand hat?

                              Falls keine derartigen emotional zugänglichen Erfahrungen vorhanden sind: kann das "innere Kind" die Chance, neue Erfahrungen zu machen, zulassen? Gibt es Erfahrungen, die dem inneren Kind aufzeigen, dass es dem rationalen Teil (dem inneren Erwachsenen) vertrauen kann? Etwas, dass ihm die Sicherheit gibt, den rationalen Erwägungen zu folgen, im Vertrauen auf die bisherige Zuverlässigkeit, mit der der Verstand "geführt" hat? Damit meine ich: wenn Deine rationalen Überlegungen zu dem Schluss kommen, etwas "Neues" auszuprobieren, kann das Gefühl dem auch folgen, wenn eine gewisse Angst vor dem damit verbundenen Risiko weiterhin spürbar bleibt?

                              Ich bin mir nicht sicher, inwieweit Du "Dir selbst" und Deiner Fähigkeit für Dich gute, hilfreiche Entscheidungen zu treffen, vertraust. Kannst Du da auf Erfahrungen zurückgreifen, die Dich in Deinem Selbstvertrauen bestärken?

                              Jaja, nicht der Weihnachtsmann mit dem Sack voller Geschenke, nur die Frau mit dem Sack voller Fragen, die sich nicht einmal auf einen Tag im Jahr beschränkt.

                              Zitat von queenie Beitrag anzeigen
                              Im Gegenteil, rationale Argumente zeigen mir in dem Moment lediglich, dass ich in meinem So-wie-ich-BIN-Sein nicht angenommen werde (denn ich soll ja ändern, weil mir jemand von außen sagt, dass das gut für mich ist, während ich da nichts Gutes/Hilfreiches/Tröstliches erkennen kann.)
                              Was würde denn Deinem emotionalen Anteil (dem inneren Kind) jetzt Trost oder Hilfe sein können? Die Bestätigung von außen, dass es völlig nachvollziehbar und "logisch" ist, dass es seine Verhaltensmuster - wie sie im Moment sind - aufgrund seines Umfeldes und der Umstände während der Kindheit genau so und nicht anders entwickelt hat und dass diese Entwicklung kein Grund für Selbstzweifel ist sondern einfach eine "gesunde" Reaktion auf ein (für ein Kind) "ungesundes" Umfeld?

                              Wobei wünscht sich Dein emotionaler Anteil Hilfe? Erst mal nur bei der Bestandsaufnahme und der Ergründung der "Vorgeschichte" oder auch bei weiteren Schritten, mit der momentanen "Gesamtlage" umzugehen und sie gegebenenfalls zu verändern? Was möchte es den "tun", bei dem Unterstützung (also Hilfe) möglich ist?

                              Und zu Deinem Doro-Beispiel: ich kenne das Gefühl von "da hätte ich im Vorfeld weiter denken müssen, um zu verhindern, dass xyz passiert" durchaus auch von klein auf. Wobei es ja nicht darum geht, dass "etwas" passiert sondern dass ein Mensch mit eigenem Willen (sozusagen ein "eigenwilliger" Mensch) handelt. Ich habe lange geglaubt, ich müsse dessen "Eigenwilligkeit" so weit ergründen und "vorausberechnen" können, dass ich nur "gewünschte Reaktionen" auslöse und die "unerwüschten" vermeide. Kindliche Allmachtsphantasie würde ich heute dazu sagen. Es ist einem Menschen unmöglich, einen anderen derart "zu lenken", auch wenn der seine eigenen - bewussten oder unbewussten - Entscheidungen mit dieser Ausrede "begründet", um einem den schwarzen Peter zuzuschieben. Aber auch da musste mein rationaler Anteil dem emotionalen immer wieder versichern, dass dem so ist und das schlechte Gefühl "versagt" zu haben nicht auf der eigenen Uzulänglchkeit beruht sondern auf der Lüge, ich müsse diese Fähigkeit besitzen (genau genommen auf der Lüge, es sei überhaupt irgendeinem Menschen möglich, diese Fähgkeit zu besitzen), die ich naiverweise geglaubt hatte. Wobei "naiverweise" nicht abwertend gemeint ist sondern "für ein Kind, das seinen Eltern natürlich vertraut, ganz normal" bedeuten soll.

                              Vielleicht führt mein Ausflug in meine Vergangenheit von Dir weg, vielleicht ist der Auslöser bei Dir ähnlich und hilft Dir bei der Antwort auf Deine Frage "Warum reagiere ich so?"

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                                liebe queenie,

                                könntest du mit menschen, die dir nicht sooo wichtig sind, üben?

                                ich meine das total ernst. letztendlich ist es entscheidend, dass du die erfahrung machst, dass menschen dich trotz aufgezeigter grenze mögen und respektieren.

                                ich hatte das große glück, dass ich streiten mit einem kollegen gelernt habe, der mir immer sagte: du weißt, wie sehr ich dich als mensch mag und schätze, aber die sache hier müssen wir anders machen, da flipp ich aus (oder so ähnlich). das war richtig gut. und dann hab ich es bei anderen kollegen auch probiert, und der effekt ist SOOO großartig, wenn du jemand sagst, boah, das find ich doof, will ich nicht, und dein gegenüber guckt dich mit großen augen an, entschuldigt sich und dann wird gemeinsam nach einer lösung gesucht. das macht süchtig.

                                und ja, du wirst dann auch erleben, dass nicht jeder so positiv reagiert. vor allem wenn die menschen das von dir nicht gewöhnt sind. aber viele werden sich freuen, die echte queenie kennenzulernen. menschen haben macken, ecken und kanten. jeder. du auch. das ist sympathischer. weil man weiß, woran man ist. keine spielchen. macht das leben leichter.

                                liebe grüße

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