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Mein Leben als Autist

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    Hallo Naima,

    Ich denke das verlängerte Wochenende wird dir helfen, deine innere Ruhe wiederzufinden. Eine Internetfreie Zeit schadet niemanden und gibt einen Zeit sich mehr um sich zu kümmern.
    Hoffentlich hast du was schönes zu berichten, wenn du wieder Heim kommst
    Dafür ist es sicher zu kurz, aber mehr Zeit kann ich mir nicht freischaufeln und würde ich derzeit nicht durchhalten.

    Mir kam dazu gestern Nacht ein Gedanke, den ich ich danach bearbeitet habe:
    Ich denke, dass es falsch ist am WE weg zu fahren.
    1.) Entspricht dieser Gedanke der Wahrheit? - Weiß ich nicht.
    2.) Hilft mir dieser Gedanke, mich gut zu fühlen? - Nein, weil er mir ein schlechtes Gewissen macht.
    3) Wie kann ich diesen negativen Gedanken in einen hilfreichen Gedanken umwandeln?
    Psychisch wird mir das WE allein gut tun.
    Es ist, wie es im Buch (Rolf Merkle, Wenn das Leben zur Last wird) stand, dass die richtigen Gedanken sich falsch anfühlen können.

    Eigentlich ist der Gedanke kein Gedanke, sondern ein negatives Gefühl, welches von negativen Gedanken kommt, die da wären:
    - Ich denke, dass es egoistisch ist, allein wegzufahren, während zu Hause so viel Arbeit auf mich wartet.
    - Ich denke, dass ich nicht das Recht habe, so etwas für mich selbst zu tun.
    Und nun wieder von vorn...
    1.) Wahrheit? - Nein, weiß nicht, vielleicht
    2.) Hilft? - Nein!
    3.) Hilfreich:
    - Auch ich darf egoistisch sein, wenn es mir gut tut und niemandem schadet.
    - Wenn ich mal ein paar Tage weg fahre, dann schadet das niemandem.
    - Es sind nur zwei volle Tage, die schaden meinem Sohn nicht, wenn er an diesen beiden Tagen mehr Computer spielt und Fastfood isst (weil meine Frau nicht kochen kann und es auch noch nie versucht hat und wird).
    - Meine negativen Gedanken versuchen mir ein schlechtes Gewissen zu machen, damit ich mich schlecht fühle.
    - Ich will mich nicht schlecht für etwas fühlen, was mein Recht ist und mir gut tut.
    - Wenn ich nicht negativ denke, werde ich mich nicht mehr schlecht fühlen.
    - Die Arbeit läuft mir nicht weg und es muss nicht perfekt sein, wenn meine Eltern zu Besuch kommen.

    So geht das immer wieder mit anderen Gedanken und das schreibe ich alles auf, damit ich es immer wieder nachlesen kann.

    Die gute alte Pferdesalbe ist auch mein ständiger Begleiter und immer vorrätig im Medizinschrank. Hast du schon mal eine Thermosalbe ausprobiert? Sie wärmt und lindert den Schmerz ebenso, für mein Gefühl sogar schneller als Pferdesalbe. Rosmarin und Wachholderholzöl sind die Bestandteile der Salbe.
    Ja, zu warm mag mein Knie aber nicht.

    Wir Frauen können manchmal sehr undurchsichtig sein, hat auch manchmal was mit unserem Hormonhaushalt zu tun. Vielleicht legt sich das ja wieder.
    Sicher, für eine Zeit...

    Eine tolle Übung. Hilft dir diese Übung denn auch? Welche Erfahrungen konnstest du bislang sammeln?
    Ich arbeite mit dem Buch von Rolf Merkle - Wenn das Leben zur Last wird. Es ist sozusagen eine kognitive Verhaltenstherapie, die ich in Eigenregie mache.
    Es hilft, es ist reine Übungssache. Vielleicht mach ich daraus noch mal einen eigenen Thread, das ist nämlich sehr umfangreich.

    _____________________________

    Ich bin vermutlich auch nicht so gut drauf, weil ich, als wir neulich bei meinen Eltern waren, von meinem Vater erfahren habe, dass sie den Hauskomplex, wo wir zur Miete gewohnt haben, letztes Jahr abgerissen haben. Und das einfach nur, weil unser Exvermieter Geld machen wollte. Das Haus war über 100 Jahre alt. Sicher, es war feucht und hätte saniert werden müssen, aber dazu hatte unser ehemaliger Vermieter keine Lust. Das fing schon vor ein paar Jahren an, als seine Mutter starb verkaufte er bereits das ganze Land drumherum, alles wegen Geld... in unserem alten Garten wurde ein Haus gebaut, im großen Garten mit den alten Obstbäumen steht heute noch ein Haus...

    Alles, wie es wahr, nur noch in meiner Erinnerung, noch mehr Platz schaffen im Kopf, um es bloß nicht zu vergessen. Ich war da gar nicht glücklich damals, aber da konnte ja die Wohnung nichts für.

    Ich kann mich noch genau erinnern, wie die Wohnung roch, wie kalt die Fliesen unten im Flur waren, wie sich unser Türgriff an der Haustühr angefühlt hat und die Arbeitsplatte in der Küche...

    Meine Eltern sind dort vor über 10 Jahren weggezogen und sie haben es nie vermisst, auch jetzt nicht, es lässt sie kalt.

    Mich nicht. Das war mein zu Hause, da bin ich groß geworden! Alles weg...

    Condor

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      So, da bin ich wieder.

      Vor zwei Monaten war mein WE toll und dieses Mal war es total daneben.

      Ich muss lernen, auf mich zu hören. Wenn ich schon vorher lange überlegen muss, ob ich überhaupt weg fahren möchte, dann werde ich es das nächste mal nicht tun.

      Ich weiß nicht, ob es überhaupt dafür ein nächstes Mal geben wird. Ich hatte extreme Schmerzen (Arthrose im Knie), einen extremen Neurodermitisschub, gepaart mit unglaublichem Heimweh.

      Ich denke auch, dass ich diese Art von Auszeit nicht mehr brauche. Ich denke, dass ich einen anderen Weg finden muss, um nicht mehr so gestresst zu sein.

      Mal sehen, was sich so ergibt. Jetzt freue ich mich nur auf mein Bett.

      Condor

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        Lieber Condor,

        es tut mir leid, dass es Dich an diesem Wochenende so erwischt hat!

        Ich habe für mich auch immer wieder feststellen müssen, dass sich Erholung nicht so starr planen lässt. Vielleicht gelingt es ja anderen, an zuvor festgelegten Tagen auch tatsächlich eine solche Auszeit zu genießen. Für mich passt das jedenfalls nicht immer so. Vielleicht geht es Dir ja ähnlich?

        Zitat von Condor Beitrag anzeigen
        Ich denke auch, dass ich diese Art von Auszeit nicht mehr brauche. Ich denke, dass ich einen anderen Weg finden muss, um nicht mehr so gestresst zu sein.
        Wie sieht es bei Dir denn mit Erholungs- und Entspannungsmöglichkeiten im Alltag aus? Ich denke da an diese kleinen Dinge, die sich für jeden irgendwie umsetzen lassen: Eine Teepause nur für sich alleine, ein paar Entspannungsübugen, eine 5minütige Phantasiereise zur Entspannund etc.

        Auf jeden Fall hoffe ich, dass Deine Beschwerden wieder am Abklingen sind!
        Alles Gute wünscht Dir
        Chaja

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          Hallo Chaja,

          Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
          Ich habe für mich auch immer wieder feststellen müssen, dass sich Erholung nicht so starr planen lässt. Vielleicht gelingt es ja anderen, an zuvor festgelegten Tagen auch tatsächlich eine solche Auszeit zu genießen. Für mich passt das jedenfalls nicht immer so. Vielleicht geht es Dir ja ähnlich?
          Das Planen ist nicht mein Problem, eher das Gegenteil, je mehr Planung desto besser.
          Ich denke, dass ich einfach nicht auf mein Gefühl gehört habe, welches im Vorfeld ja schon Bedenken hatte. Naja, jetzt bin ich schlauer.


          Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
          Wie sieht es bei Dir denn mit Erholungs- und Entspannungsmöglichkeiten im Alltag aus? Ich denke da an diese kleinen Dinge, die sich für jeden irgendwie umsetzen lassen: Eine Teepause nur für sich alleine, ein paar Entspannungsübugen, eine 5minütige Phantasiereise zur Entspannund etc.

          Auf jeden Fall hoffe ich, dass Deine Beschwerden wieder am Abklingen sind!
          Meine Beschwerden sind, bis auf Athroseschmerzen, weg. Sagt ja alles, oder?
          Diese kleinen Dinge reichen mir nicht, um mich zu entspannen. Ich habe ja schon sehr viel Zeit für mich, zumindest in der Schulzeit, da kommt mein Sohn erst nach 15 Uhr nach Hause. Schwierig wird es für mich nur dann, wenn Ferien sind und er permanent um mich herum schwirrt. Und er sucht vor allem dann meine Nähe, wenn ich sie nicht so gut gebrauchen kann.

          Mir graut jetzt schon ein wenig vor den 6 Wochen Sommerferien, bis dahin muss ich mir was einfallen lassen, um nicht von meiner Familie verschlungen zu werden...

          Die meisten Autisten, von denen ich weiß, habe keine eigene Familie. Hätte ich damals schon von meinem Autismus gewusst, hätte ich vermutlich auch keine. Bitte nicht falsch verstehen, ich wollte immer Kinder, schon als ich noch selbst Kind war, habe ich immer gesagt, entweder eins oder eine ganze Fußballmanschaft. - Ok, Heute bin ich froh, dass es bei einem geblieben ist.

          Und ich liebe meinen Sohn von ganzem Herzen.

          Aber da hängt ein enormes Stresspaket dran und ich kann jeden Autist verstehen, der sagt, dass er das nicht möchte oder sich nicht zutraut.

          Ich habe vieles im Umgang und in der Erziehung falsch gemacht, hätte ich noch ein Kind, würde ich vieles ganz anders machen. Aber ich habe immer mein bestes gegeben, dazugelernt, mich hinterfragt usw. Ich denke, mehr konnte ich nicht tun, konnte ich nicht geben. - Es ist schon mehr, als meine eigenen Eltern haben tun und geben können. Meine Mutter lernt erst jetzt etwas dazu, mein Vater nicht mehr.

          Ich wurde als Kind geschlagen. So richtig, mit Vorsatz, mit allem, was greifbar war. Von meinem Vater und von meiner Mutter. Von meinem Vater, wenn ich es von seiner Seite aus verdient hatte, also wenn ich mich nicht so benommen hatte, wie er es erwartet hatte und das war selten der Fall. Sie wussten ja nichts von meinem Autismus, sie haben wirklich! gedacht, ich sei ein böses Kind, das ihnen das Leben versauen will...
          Von meiner Mutter auch mitten ins Gesicht, wenn ich gesagt hatte, dass mein Vater blöde oder so was sei.
          Meine Mutter weiß heute, dass Kinder schlagen nicht zu einer guten Erziehung dazu gehört, mein Vater nicht.

          Meine Geschwister sind nie geschlagen worden, sie waren so, wie meine Eltern sie wollten. Sie wurden für mich als unerreichbares Vorbild hingehalten. Sie sind keine Autisten. Sie wollen keinen Kontakt zu mir, für sie bin ich gefährlich, sie haben Angst vor mir. Ich habe sie sehr lieb, sind ja meine Geschwister.

          Als mein Sohn jünger war, habe ich ihm dann und wann auch mal einen Klaps gegeben. Das war immer dann, wenn ich völlig verzweifelt war und nicht mehr wusste, was ich sonst tun konnte. Es war nie mit Vorsatz und nie habe ich ihm ins Gesicht geschlagen. Aber es hat ihm weh getan. Ich habe mich immer dafür geschämt und immer mit ihm hinterher darüber geredet und mich entschuldigt. Aber das entschuldigt nichts. - Vor gut 6 Jahren habe ich damit aufgehört, als ich merkte, dass ich nicht besser als meine Eltern war.

          Die letzte Ohrfeige meiner Mutter habe ich bekommen, da war ich 19.


          Condor

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            Zitat von Condor Beitrag anzeigen
            ...Ich denke, dass ich einfach nicht auf mein Gefühl gehört habe, welches im Vorfeld ja schon Bedenken hatte....
            Manchmal steht man aber auch mitten in einem Gefühlschaos und man weiss einfach nicht, was das beste ist, damit es innen drin im Bauch, im Herzen oder wo auch immer einfach stimmig ist. Meistens ist die Lösung ein Kompromiss. Ich möchte dir ein kleines Buch ans Herz legen, das dir Helfen könnte das Beste aus einem solchen Gefühlswirrwarr zu machen. Es heisst "Das Geheimnis kluger Entscheidungen" von Maja Storch und handelt davon Entscheidungen zu treffen und dabei Gefühle UND Verstand mit einzubeziehen. Wenn also dein Gefühl sagt: "Ich möchte einige Zeit mit mir ganz alleine verbringen", dein Verstand aber meint, dass dies egoistisch wäre, weil dann die Familienzeit zu kurz kommt, dann könnte dir dieses Büchlein eine Hilfe sein eine Entscheidung zu treffen, die allen gerecht wird.

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              Heute gab es kein Vorankommen, die Depression hatte mich mal wieder fest im Griff.

              Auslöser war vielleicht meine gestrige Reaktion auf den Fahrradsturz meines Sohnes. War nicht so schlimm, aber schmerzhaft genug. Eigentlich sollte man mit so einem Rad nicht mehr umfallen können, aber er hats doch geschafft und sich den Arm auf dem Asphalt aufgerissen.

              Ich habe da halt blöde reagiert, weil ich darüber sauer war. Ich weiß, ist völlig unverständlich diese Gefühlsregung, aber sie war nun mal da. Also hab ich nur gefragt, was los war, anstatt mich mal angemessen um meinen Sohn zu kümmern. Später hab ich ihm den Arm dann versorgt, als ich mich erstmal am Gemüsebeet abreagiert hatte.

              Mein Vater hat mich früher in solchen Momenten mindestens 2 Stunden lang angebrüllt, wie blöde und dumm ich sei, und meine Mutter hat dann peinlich weggeschaut.

              Mit meinem Sohn habe ich heute darüber geredet und mich bei ihm entschuldigt, aber das ändert natürlich nichts daran, dass ich die Sache voll verbockt habe.

              Meine Frau macht das ganz anders. Wenn sie einen Fehler macht, dann entschuldigt sie sich nie, sondern schiebt immer die Verantwortung auf mich oder unseren Sohn.

              Wenn ich so zurück blicke, gibts eigentlich kaum etwas, was ich im Umgang mit meinem Sohn richtig gemacht habe, mir fällt gerade auch nichts ein. Ich hab mich halt immer so durchprobiert, ich wusste nicht, wie man Kinder richtig erzieht, an meiner Erziehung hat man so gut wie alles falsch gemacht.

              Geh jetzt zu meinem Gemüsebeet, sonst wird das dieses Jahr nicht mehr fertig, vielleicht gehts mir danach besser. Eigentlich müsste ich weinen, aber seit ich Testosteron nehme, kann ich immer weniger weinen. Früher ging das viel einfacher.

              Condor

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                hallo Condor,

                beim Lesen Deines Beitrages kam mir der Kurs 'Starke Eltern - starke Kinder' in den Sinn, der m. E. überall vom Kinderschutzbund angeboten wird. Ich hab es hier bei uns schon öfter mal in der Zeitung gelesen.
                Dort lernen Eltern richtig mit ihren Kindern umzugehen bzw. ihr Selbstwertgefühl zu stärken.
                Vielleicht gibts so etwas bei Euch in der Nähe?

                Kommentar


                  Hallo Tamina,

                  bitte immer genau lesen... ich schrieb Eingangs:
                  Heute gab es kein Vorankommen, die Depression hatte mich mal wieder fest im Griff.
                  Im Grunde darf man das, was danach kommt, überhaupt nicht ernst nehmen, es sind halt Depressionen und manchmal sind sie so stark, dass ein sich dagegen wehren, überhaupt keinen Sinn macht. Ablenkung ist dann gut, nach meinem Gemüsebeet ging es mir wieder gut.

                  Ja, ich weiß, dass es sowas gibt, aber ich habe ein autistisches Kind, da ist vieles anders, da funktionieren Standarderziehungsmaßnahmen oft nicht.

                  Unter einem Depressionsschub denke ich außerdem völlig überzogen negativ. Dem ist in Wahrheit nicht so.

                  Ich glaube, dass ich stark genug bin, weil 1.) habe ich seit über 34 Jahren zum Teil schwere Depressionen und habe sie bisher überlebt - wie stark muss man da sein, 2.) ich bin ein Überlebender von emotionalem und physischen Missbrauch, in meinem alten "Leben" als sogenannte "Frau" habe ich mich von all meinen Beziehungspartnern vergewaltigen lassen - wie stark muss man sein, um das auch noch zu überleben und 3.) ich lebe mit einem Soziopathen zusammen und lebe noch - stärker kann ich nicht sein.

                  Sicher hätte ich einiges besser machen können, wenn ich es gekonnt hätte.

                  Dass es bisher mit unserem Sohn sehr anstrengend war, liegt auch an seinem Autismus, aber liegt auch an unseren Problemen als Paar, sicher liegt es auch an der Transsexualität und liegt sicher auch an unserer Erziehungsweise, da wir ihn weder autoritär, noch antiautoritär, sondern eher demokratisch erziehen, ihm also demokratisches Mitspracherecht einräumen. Das ist zu weilen sehr anstrengend, aber ich glaube, dass sich das in seinem Erwachsenenalter auszahlen wird. Ich bin mir sicher, dass unser Sohn seinen ganz eigenen Weg gehen wird, ob uns das nun passt oder nicht.

                  Heute gehts mir ganz gut.


                  Hallo Lady Nivea,

                  Danke für deinen Buchtipp, aber ich denke, ich lerne diesbezüglich mehr durch selbst gemachte Erfahrungen.

                  Condor

                  Kommentar


                    Condor, ein wenig wundere ich mich über Deine Antwort.
                    Heißt das jetzt, dass alles was Du schreibst wenn es Dir schlecht geht, nicht stimmt?
                    Dass Du schon sehr viel in Deinem Leben ausgehalten hast/musstest, hat m. E. nicht so viel mit dem Thema zu tun, welches ich mit diesem Kurs angesprochen habe.

                    Kommentar


                      Hallo Tamina,

                      in einem Depressionsschub (man hat nicht immer Depressionen, die kommen in Wellen, es gibt auch gute Stunden, Tage, Wochen dazwischen, die relativ normal sind) fühle ich mich, als gäbe es KEIN vorankommen, NIEMALS würde etwas wieder besser werden, IMMER bin ich der Versager... also die Fakten stimmen schon, dass mein Sohn einen Radunfall hatte, wie meine Frau sich in bestimmten Situationen verhält usw. Was aber nicht stimmt, sind meine negativen Gedanken dazu, also...
                      Wenn ich so zurück blicke, gibts eigentlich kaum etwas, was ich im Umgang mit meinem Sohn richtig gemacht habe, mir fällt gerade auch nichts ein.
                      Richtig daran ist lediglich, dass mir im Depressionsschub wirklich NICHTS Positives zu meinem Leben und zu allem, was damit etwas zu tun hat, einfällt.
                      Falsch ist daran, dass ich nichts im Umgang mit meinem Sohn richtig gemacht habe. Das stimmt nicht.

                      Depressive Gedanken sind EXTREM negative Gedanken, die unter Umständen auch zum Selbstmord führen können. Und aus diesem ausschließlich negativen Gedankenkarussell gibt es in dem Moment kein Entrinnen. Kein Gedanke kann mich dann daraus holen, kein Mensch, kein Sonnenschein, nur Ablenkung, wie z.B. Unkraut im Gemüsebeet jähten oder so was. Zu mehr kann ich mich dann auch nicht aufraffen, denn Depression befällt den ganzen Körper, wie z.B. Antriebsarmut.

                      Ich sag immer, solche Depressionsschübe sind ein Nicht-können-wollen.

                      Vielleicht kommt es so deutlicher rüber.

                      Und meine negativen Erfahrungen haben sehr wohl etwas damit zu tun, wen ich in mein Leben lasse und wen nicht. Eine Erziehungsberatung dürfte definitiv nicht dazu gehören, bzw. hatte ich schon mehrere, die sich allesamt als ungeeignet heraus gestellt haben, vor allem, weil sie sich nicht mit Autismus ausgekannt haben und ihre allgemein gültigen Erziehungsmuster auf ein Kind übertragen wollten, welches damit nicht zu erziehen ist.

                      Ein Beispiel: Mein Sohn isst mehr Dinge nicht, als er welche isst, sein Speiseplan ist sehr begrenzt. Ich habe ihm sein Leben lang immer andere Speisen angeboten, er hat aber nur ganz selten, etwas Neues probieren mögen. Es gibt Autisten, die sind so. Das muss man akzeptieren. - Uns wurde dagegen geraten, als unser Sohn 1 Jahr alt war, ihn mal richtig hungern zu lassen, dann würde er schon irgendwann alles essen. Hallo? Gehts noch?

                      In der Wohngruppe, in der er mal war, hat man ihn dann, ohne unser Wissen, zum Essen gezwungen, sprich, er musste aufessen, was er nicht mochte, erst dann durfte er das Zimmer verlassen. Er hat es schließlich gegessen und gleich danach ausgekotzt. Werden so Kinder zur Bulemie erzogen? - Bei ihm hatte es zur Folge, dass er zum einen übergewichtig wurde und zum anderen, dass er ein echtes Trauma davongetragen hat und jetzt, jedes Mal, wenn es nicht das zu Essen gibt, was er isst, dass er dann Panik bekommt, er könnte verhungern.

                      Die letzten Erziehungsberater habe ich höflich vor die Tür gesetzt, weil sie so entsetzt waren, dass unser Sohn eine eigene Meinung haben darf, die sie ihm ganz schnell wieder aberziehen wollten.

                      Ich weiß, dass du auf etwas anderes hinaus wolltest, aber auch so etwas lehnen wir dankend ab.

                      Condor

                      Kommentar


                        danke Condor für Deine ausführliche Antwort.

                        Ich verstehe Deine Abneigung vor der Einmischung von außen, nachdem was Du erzählt hast.
                        Ich selbst habe mir immer mal wieder Hilfe/moralische Unterstützung geholt und ich habe keine schlechten ERfahrungen gemacht.

                        Mein Vorschlag war ein spontaner Gedanke - gut, ist nun abgehakt

                        Kommentar


                          Im Bereich Philosophie & Spiritualität fragte ich im Thread Gut und Böse, wer da wen anzieht. Meine Stellungnahme dazu in jenem Thread.

                          Aber wie komme ich überhaupt auf Gut und Böse?

                          Da ich die NT-Welt-Gesellschaft als absolutes Chaos, ähnlich einer Anomie, erlebe, in der für mich nichts sicher ist, es keine klaren Regeln im Umgang miteinander gibt (außer dass man seine Mitmenschen nicht schlagen, vergewaltigen, töten und bestehlen soll, was aber auch nicht bedeutet, dass dies nicht täglich geschieht), muss ich mir diese Welt so einteilen, dass sie für mich überschaubarer und weniger chaotisch wird.

                          Deswegen teile ich die Menschen in Gut und Böse ein. Ich weiß, dass gute Menschen Böses tun und dass böse Menschen mitunter Gutes tun, aber ich denke, dass sie dennoch das bleiben, was sie sind, Gut oder Böse.

                          Es ist eine Einteilung in Schwarz und Weiß (und ich weiß, dass auch Borderliner dies tun), in der es wenig Grau gibt. Grau sind Ausnahmen. Ich habe aber bisher noch keinen Grau-Menschen getroffen.

                          Ich denke, dass, ob ein Mensch Gut oder Böse wird, seinen Ursprung in den ersten 3 Jahren seines Lebens hat. Die Erfahrungen, die der Mensch in diesen ersten 3 Lebensjahren sammelt, sind bestimmend für den Rest seines Lebens.

                          Dies hat nichts damit zu tun, was der Mensch später in seinem Leben für einen Beruf wählt, sondern es hat was mit dem Essentiellem, dem Wesen einer Sache, in diesem Fall ob man Gut oder Böse wird, zu tun.

                          Condor

                          Kommentar


                            Lieber Condor,

                            warum muss es eine moralische Kategorie sein, mit Hilfe derer Du die Menschen einteilst, um die unübersichtliche Welt zu ordnen? Könnte es nicht auch eine Deines eigenen Erlebens sein, also statt "gut" und "böse" z.B. "freundlich mir gegenüber " und "unfreundlich mir gegenüber"?

                            Ich würde Menschen nie als "gut" oder "böse" kategorisieren. Diese Worte sind mir, wie Du selbst ja schon sagst, zu absolut und zu endgültig. Schon deswegen passen sie für mich nicht auf Menschen, aber vor allem berücksichtigen sie nicht, dass diese Zuordnungen aus meiner Perspektive entstehen und für jemand anderen ganz anders ausfallen können. So gesehen hat es für mich auch etwas Anmaßendes, in dieser massiven Weise urteilen zu wollen. Zudem resultiert aus so einer Zuordnung eine Haltung dem Menschen gegenüber, die anders ist, als wenn eine andere, weniger harte Unterscheidungkategorie zugrundeläge. Man spüt z.B. sehr, dass Deine Frau und Dein ehemaliger Freund mit dem Borderline-Syndrom inzwischen für Dich zu den "bösen" Menschen gehören. Das schränkt die Kommunikationsmöglichkeiten, die ihr sonst miteinander haben könntet, aus meine Sicht enorm ein.

                            Dies aber nur aus meiner Sicht dazu.

                            Wie geht es Dir sonst zur Zeit?

                            Viele liebe Grüße,
                            Chaja

                            Kommentar


                              Hallo Condor,

                              bei mir gibt es Grautöne und dennoch habe ich sehr genaue Vorstellungen darüber, was gut und böse ist, ich habe meine Moralvorstellungen – und ja, auch ich teile ein, bewerte und, um mal dieses unsägliche Wort zu gebrauchen, ich `schubladisiere´.

                              Ob ein Mensch gut oder böse wird bzw. handelt, hängt mit all seinen Erfahrungen etc. zusammen und wird nicht ausschließlich in den drei ersten Lebensjahren in Stein gemeißelt. Alte Erfahrungen können durch neue überschrieben werden und bestimmen nicht zwingend den zukünftigen Weg und Änderung ist möglich.

                              Kommentar


                                Zitat von Mistral Beitrag anzeigen

                                Ob ein Mensch gut oder böse wird bzw. handelt, hängt mit all seinen Erfahrungen etc. zusammen und wird nicht ausschließlich in den drei ersten Lebensjahren in Stein gemeißelt.
                                Gut und Böse gibt es deshalb, weil es ein Wertesystem gibt, oder besser gesagt mehrere.
                                Es ist aber eine Erfindung der Menschen, oder der Evolution, bzw. ein Zustand, der der Evolution dienlich (gut) oder der der Evolution abträglich (böse) ist.
                                Aber auch hier muß man differentieren. Des einen Tod ist des anderen Brot.

                                Kommentar

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