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Mein Leben als Autist

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    Hallo Chaja,

    Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
    warum muss es eine moralische Kategorie sein, mit Hilfe derer Du die Menschen einteilst, um die unübersichtliche Welt zu ordnen? Könnte es nicht auch eine Deines eigenen Erlebens sein, also statt "gut" und "böse" z.B. "freundlich mir gegenüber " und "unfreundlich mir gegenüber"?
    Ich empfinde diese Art der Einteilung nicht als moralisch, sondern als praktisch. Ich mag alles, was praktisch ist.
    Für mich sind Gut und Böse die Zusammenfassungen von freundlich oder unfreundlich mir gegenüber. Warum sollte ich es so kompliziert machen, wenn es doch auch viel einfacher geht.

    Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
    Schon deswegen passen sie für mich nicht auf Menschen, aber vor allem berücksichtigen sie nicht, dass diese Zuordnungen aus meiner Perspektive entstehen und für jemand anderen ganz anders ausfallen können.
    Natürlich ist es meine Ansicht, die auf meinen Erfahrungen beruht und andere haben vielleicht eine andere Ansicht von dieser Person, aber die Ansicht der anderen Menschen interessiert mich nicht, weil sie auf deren Erfahrungen beruht und nicht auf meinen.

    Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
    So gesehen hat es für mich auch etwas Anmaßendes, in dieser massiven Weise urteilen zu wollen.
    Bitte erklären, verstehe ich nicht.

    Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
    Zudem resultiert aus so einer Zuordnung eine Haltung dem Menschen gegenüber, die anders ist, als wenn eine andere, weniger harte Unterscheidungkategorie zugrundeläge.
    Das ist bei mir nicht so.

    Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
    Man spüt z.B. sehr, dass Deine Frau und Dein ehemaliger Freund mit dem Borderline-Syndrom inzwischen für Dich zu den "bösen" Menschen gehören. Das schränkt die Kommunikationsmöglichkeiten, die ihr sonst miteinander haben könntet, aus meine Sicht enorm ein.
    Die Borderline-Freundin ist böse, oh-ja und wenn du sie kennen würdest, könntest du mir vielleicht zustimmen.

    Bei meiner Frau bin ich mir nicht sicher, entweder ist sie gut, aber verhält sich meistens böse oder sie ist böse und verhält sich ab und zu gut, damit niemand sie für böse hält. Das wird vermutlich noch einige Zeit dauern, bis ich das durchschaue.

    Ich gehe nicht leichtfertig mit der Einteilung um, es kann Jahre dauern, bis diese Einteilung fällt, aber dann ist sie endgültig, weil meine Erfahrungen diesbezüglich dann ausreichend sind.

    Die Borderline-Ex-Freundin hat sehr an meinem Menschenbild gerüttelt.

    Eigentlich gehe ich erstmal immer davon aus, dass ein Mensch gut ist. Ich bin sehr naiv und leichtgläubig, ein autistisches Merkmal, welches ich nicht abstellen kann.

    Ich sage zwar oft, dass ich niemandem vertraue, aber das stimmt nicht, das ist eher ein Selbstschutz. Die Wahrheit ist, dass ich jedem Menschen, der sich mir gegenüber nett verhält, bereits nach 5 Minuten völlig vertraue. Du kannst dir vielleicht vorstellen, wie oft ich schon enttäuscht, verraten und hintergangen wurde? - Ich mach den Leuten, die das getan haben, keinen Vorwurf mehr, ich weiß ja, dass es bei mir ganz einfach ist, weil ich die zwischenmenschliche Kommunikation einfach nicht beherrsche und diesbezüglich keine empathischen Fähigkeiten besitze.

    Ich würde fast alles dafür geben, ein Mal den richtigen Riecher im Umgang mit meinen Mitmenschen zu haben... ein Mal nicht raten müssen, ein Mal nicht enttäuscht werden, ein Mal wissen, ja, das ist richtig, ein Mal keine Balance auf einem Drahtseil, wo jedes Wort falsch sein kann, wo jede Betonung wichtig ist, wo jede Mimik zum Wort passend sein muss, wobei ich keine Ahnung von dem habe, was passend ist und was nicht... nur ein Mal... aber das ist nun mal nicht so.

    Deswegen versuche ich mir seit fast 40 Jahren die Welt ein wenig einfacher zu machen. Das ist doch nicht falsch...

    Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
    Wie geht es Dir sonst zur Zeit?
    Unterschiedlich.

    Gut ist, dass meine Frau derzeit viel auswärts arbeitet und somit die ganze Woche nicht zu Hause ist.

    Schlecht ist dabei, dass sie an den WE auch nicht viel zu Hause ist.

    Gut ist, dass ich einen möglichen Weg gefunden habe, um mit meiner Frau besser auszukommen, bzw. mir nicht immer alles so zu Herzen zu nehmen, was sie tut und sagt und nicht tut und nicht sagt.

    Bei mir laufen im Innern immer Geschichten ab, den ganzen Tag lang, in der mein männlicher und mein weiblicher Teil miteinander kommunizieren. - Das habe ich selbst erst vor ein paar Jahren festgestellt, wofür diese Geschichten dienen.

    Die jeweilige Geschichte (man kann sich das auch wie einen Film vorstellen) ist ein Spiegelbild dessen, wie ich mich in der Realität fühle. Da ich selten benennen kann, wie ich mich fühle, schaue ich auf die Geschichten und deute daraus, wie ich mich fühle.

    Die Geschichten entstehen immer von selbst und handeln von meinem männlichen und meinem weiblichen inneren Anteil. Es sind Abenteuergeschichten, basierend auf den Figuren einer Fernsehserie von 1981. Damals war ich 11 Jahre alt. Diese Serie hat mir damals mein Leben gerettet und ich habe schon Leute getroffen, bei denen das genauso war. Die Hauptakteure dieser Serie (bitte nicht raten, ich verrate es sowieso nicht ) waren ein Mann und eine Frau, die sich so sehr in meine Seele gebrannt haben, dass sie inzwischen jeweils ein Teil meiner Seele geworden sind.

    Anfangs hat mich das erschreckt und ich dachte, ich sei nun komplett verrückt, aber so nach und nach habe ich mich damit arrangiert, sie sind ja nun mal ein Teil von mir und helfen mir, warum sollte ich sie also entfernen.

    Ich stehe mir ihnen auf und ich gehe mit ihnen ins Bett und manchmal gehen sie miteinander ins Bett.

    Bisher kamen diese Geschichten automatisch, jetzt versuche ich aber die Art der Geschichten zu steuern, wenn ich mit meiner Frau zusammen bin, denn ich habe schon gemerkt, dass ich dadurch entspannter bin. Ich kann meine Frau dann viel besser um mich haben und ich bin viel freundlicher zu ihr.

    Und wie gehts dir?

    ____________________

    Hallo Mistral,

    Ob ein Mensch gut oder böse wird bzw. handelt, hängt mit all seinen Erfahrungen etc. zusammen und wird nicht ausschließlich in den drei ersten Lebensjahren in Stein gemeißelt.
    Ich meinte nicht, ob sich ein Mensch gut oder böse verhält, sondern ob er im Kern seiner Seele, also wenn man alles andere drumherum weggenommen hat, gut oder böse ist.
    Zumindest geht man wissenschaftlich davon aus, dass in den ersten 3 Jahren die Grundbausteine für den Rest des Lebens gelegt werden. Ich kann dazu nur sagen, dass dies bei den Menschen, die ich kennen gelernt habe, zu 100% zutrifft.


    ____________________________

    Hallo Hubert1,

    Des einen Tod ist des anderen Brot.
    Genau!



    Condor

    Kommentar


      Lieber Condor,

      Zitat von Condor Beitrag anzeigen
      Ich empfinde diese Art der Einteilung nicht als moralisch, sondern als praktisch. Ich mag alles, was praktisch ist.
      Für mich sind Gut und Böse die Zusammenfassungen von freundlich oder unfreundlich mir gegenüber. Warum sollte ich es so kompliziert machen, wenn es doch auch viel einfacher geht.
      Da scheinen wir unterschiedliche Wahrnehmungen bezüglich der Wortbedeutung zu haben. Für mich sind "gut" und "böse" eindeutig moralische Kategorien und auf einer vollkommen anderen Ebene angesiedelt als "freundlich mir gegenüber" oder "unfreundlich mir gegenüber". Was für Dich also eine pragmatische Vereinfachung ist, verkompliziert die Sache für mich, weil da aus meiner Sicht Kategorien durcheinandergewürfelt werden, die nicht in einem Topf gehören. Wohlgemerkt: aus meiner Sicht und alles nur erklärend, nicht wertend gemeint. Wenn ich weiß, dass Du den Worten "gut" und "böse" diese ganz subjektive Bedeutung beilegst, kann ich mich darauf einstellen und mir Deine Aussagen entsprechend "übersetzen". Ich wollte nur auch meine Sicht ausführen, weil sie vermutlich etwas typisch NT-mäßiges hat und ich vermute, dass im Zusammenhang mit diesen Begriffen immer mal wieder Missverständnisse auftreten könnten.

      Natürlich ist es meine Ansicht, die auf meinen Erfahrungen beruht und andere haben vielleicht eine andere Ansicht von dieser Person, aber die Ansicht der anderen Menschen interessiert mich nicht, weil sie auf deren Erfahrungen beruht und nicht auf meinen.
      Einfach aus Interesse: Kannst Du Dich entsinnen, wann Du erstmalig die Worte "gut" und "böse" Menschen zugeordnet hast? Bruno Bettelheim arbeitet ja in seinem berühmten Buch "Kinder brauchen Märchen" heraus, wie wichtig diese Zuordnungen für Kinder in bestimmten Altersstufen sind, wieviel Halt und Orientierung im besten Sinne sie ihnen geben.

      Zitat von Chaja
      So gesehen hat es für mich auch etwas Anmaßendes, in dieser massiven Weise urteilen zu wollen.
      Bitte erklären, verstehe ich nicht.
      Das ist sicherlich so ein NT-Ding: Die Erfahrung, dass die eigene Sichtweise nicht die einzige und damit eine eingeschränkte ist, spielt dafür eine entscheidende Rolle. Um es grundsätzlich aufzurollen: Natürlich hat jeder zunächt nur seine eigene Perspektive. Wenn mehrere Leute um einen Globus herumsitzen, wird der eine Amerika sehen, der andere Europa, der nächste Asien etc. Alle begucken das selbe Ding, aber jeder wird es - seinem Standpunkt entsprechend - anders wahrnehmen. Wenn sie dann anfangen darüber zu spechen, werden sie diese Unterschiede bemerken und es kommt dann darauf an, wie sie damit umgehen. Wenn jeder sagt: "Nein, ich sehe das doch mit eigenen Augen. Die Welt besteht nur aus einem Kontinenent und das ist Amerika (oder Europa oder Asien)", dann werden sie in Streit geraten. Wenn sie aber sagen: "Hmm, interessant, ich sehe zwar nur Amerika, aber ich glaube Dir, dass aus Deiner Perspektive nur Asien zu sehen ist. Erzähl mir doch mal mehr von Asien", dann erweitern sie damit ihren Horizont über ihre eigentliche Perspektive hinaus. Je mehr ich mit anderen Menschen kommuniziere und interagiere, desto mehr bemerke ich also, welch kleinen Ausschnitt meine eigene Perspektive bietet und wieviele andere Standpunkte ich vielleicht einnehmen müsste, um etwas Gültiges über den gesamten Globus sagen zu können. Insofern erscheint es mir anmaßend, ein Gesamturteil, das aus meiner eingeschränkten Perspektive gefällt wurde und das ich auch brauche, um mich austauschen zu können, so absolut zu setzen. Um also zu Deiner Frage zurückzukehren: Weil Gut und Böse für mich moralische und damit sehr "große", wirkgewaltige Kategorien sind, erscheint es mir - wenn ich nicht weiß, dass Du die Wörter anders einsetzt - anmaßend, sie so absolut und ohne Graustufen, Differenzierungen etc. anzuwenden, weil mir die Einzelperspektive dafür nicht ausreichend erscheint. Aber wie gesagt: dies nur zur Erläuterung. Wenn Du die Begriffe ohnehin anders einsetzt, kann ich sie auch anders beziehen.

      Die Borderline-Freundin ist böse, oh-ja und wenn du sie kennen würdest, könntest du mir vielleicht zustimmen.
      Ich habe bisher noch keinen Menschen kennengelernt, den ich als "böse" bezeichnen könnte. Aber ich weiß ja jetzt, dass für Dich "böse" nicht dasselbe bedeutet wie für mich.

      Ich gehe nicht leichtfertig mit der Einteilung um, es kann Jahre dauern, bis diese Einteilung fällt, aber dann ist sie endgültig, weil meine Erfahrungen diesbezüglich dann ausreichend sind.
      Wiederum aus Interesse gefragt: Was muss passieren, damit Du Dir endgültig sicher bist?

      Du kannst dir vielleicht vorstellen, wie oft ich schon enttäuscht, verraten und hintergangen wurde?
      Ja, ich kann es ahnen.

      Ich würde fast alles dafür geben, ein Mal den richtigen Riecher im Umgang mit meinen Mitmenschen zu haben... ein Mal nicht raten müssen, ein Mal nicht enttäuscht werden, ein Mal wissen, ja, das ist richtig, ein Mal keine Balance auf einem Drahtseil, wo jedes Wort falsch sein kann, wo jede Betonung wichtig ist, wo jede Mimik zum Wort passend sein muss, wobei ich keine Ahnung von dem habe, was passend ist und was nicht... nur ein Mal....
      Ja, das ist nur allzu verständlich! Tut mir wirklich leid, dass Dir das so zu schaffen macht!

      Deswegen versuche ich mir seit fast 40 Jahren die Welt ein wenig einfacher zu machen. Das ist doch nicht falsch...
      Nein, das ist nicht falsch. Irgendeinen Weg musst Du schließlich für Dich finden, mit diesem Chaos der NT-Welt umzugehen. Ich bin nur immer wieder froh und auch dankbar, wenn Du uns hier erläuterst, wie sich das alles für Dich anfühlt und wie Du versuchst damit umzugehen. Ohne diesen Austausch kommt es nur immer wieder zu Missverständnissen und ungewollten Verletzungen.

      Gut ist, dass meine Frau derzeit viel auswärts arbeitet und somit die ganze Woche nicht zu Hause ist.

      Schlecht ist dabei, dass sie an den WE auch nicht viel zu Hause ist.
      Ja, das Alleinsein mit Deinem Sohn hat sicherlich Vor- und Nachteile...

      Bei mir laufen im Innern immer Geschichten ab, den ganzen Tag lang, in der mein männlicher und mein weiblicher Teil miteinander kommunizieren. - Das habe ich selbst erst vor ein paar Jahren festgestellt, wofür diese Geschichten dienen.

      Die jeweilige Geschichte (man kann sich das auch wie einen Film vorstellen) ist ein Spiegelbild dessen, wie ich mich in der Realität fühle. Da ich selten benennen kann, wie ich mich fühle, schaue ich auf die Geschichten und deute daraus, wie ich mich fühle.
      Das ist sehr interessant. Auch NTs müssen ja erst ihre Gefühle deuten lernen. Oft sagen Kinder dann, dass sie Bauchweh haben, weil sie sich irgendwie unwohl fühlen und das, was sie fühlen, noch nicht genauer als Wut oder Trauer oder was auch immer benennen können. Aber die Möglichkeit dieser Benennung bekommen sie im Laufe der Zeit dann eben über den Vergleich mit anderen die z.B. taurig sind und dies auch benennen, also über den Austausch, die Übertragung von anderen auf sich selbst. Das ist für Autisten so natürlich nicht oder nur eingeschränkt möglich. Im Grund musst Du dann also Dein eigener Bildübersetzer werden, weil sich das, was sich in Dir abspielt, nicht unmittelbar erschließt?

      Die Geschichten entstehen immer von selbst und handeln von meinem männlichen und meinem weiblichen inneren Anteil. Es sind Abenteuergeschichten, basierend auf den Figuren einer Fernsehserie von 1981. Damals war ich 11 Jahre alt. Diese Serie hat mir damals mein Leben gerettet und ich habe schon Leute getroffen, bei denen das genauso war. Die Hauptakteure dieser Serie (bitte nicht raten, ich verrate es sowieso nicht ) waren ein Mann und eine Frau, die sich so sehr in meine Seele gebrannt haben, dass sie inzwischen jeweils ein Teil meiner Seele geworden sind.
      Wie gut, wenn Dir diese äußeren Bilder helfen konnten, Deine inneren Bilder klarer zu kriegen.
      Bisher kamen diese Geschichten automatisch, jetzt versuche ich aber die Art der Geschichten zu steuern, wenn ich mit meiner Frau zusammen bin, denn ich habe schon gemerkt, dass ich dadurch entspannter bin. Ich kann meine Frau dann viel besser um mich haben und ich bin viel freundlicher zu ihr.
      Das ist doch toll, dass Du da eine Steuerungsmöglichkeit entdeckt hast! Schön!

      Und wie gehts dir?
      Danke der Nachfrage. Es rumort derzeit mal wieder etwas in mir. Davon habe ich in meinem Problem-Faden geschrieben. Außerdem habe ich übermorgen eine Abschlussprüfung und ab Montag eine Kollegin weniger und dadurch noch mehr Arbeitsstress. Aber im Großen und Ganzen geht es mi trotzdem recht gut.

      Feierst Du heute den Männertag? Bedeutet er Dir etwas?

      Auf jeden Fall alles Gute und liebe Grüße!
      Chaja

      Kommentar


        Hallo Chaja,

        der Austausch mit dir im Besonderen erfreut mich jedes Mal, danke dafür.

        Kannst Du Dich entsinnen, wann Du erstmalig die Worte "gut" und "böse" Menschen zugeordnet hast?
        Mit ca. 3-4 Jahren, also lange vor meiner Lieblingsserie, in der es übrigens sehr stark um Gut und Böse ging.
        In dieser Zeit nahm ich die Erziehung meiner Eltern zum ersten Mal als böse wahr. Es hat fast 35 Jahre gedauert, um zu erkennen, dass sie nicht böse sind.

        Bruno Bettelheim arbeitet ja in seinem berühmten Buch "Kinder brauchen Märchen"
        Ich glaube nicht, dass Kinder Märchen brauchen, weil die meisten Märchen sind unglaublich brutal, weil sie meistens für Erwachsene geschrieben worden sind.
        Ich hatte im Kindergarten eine Lieblingsgeschichte, die aus heutiger Sicht, meinen emotionalen Stand in dieser Zeit wiederspiegelt. Als Erwachsener habe ich mir das Buch gekauft: von Leo Lionni "Alexander und die Aufziehmaus" - http://www.amazon.de/Alexander-die-Aufziehmaus-Leo-Lionni/dp/3407760760/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1337260303&sr=8-1

        Ich vertrete den Standpunkt, dass Kinder Helden brauchen.

        Danke für deine ausfürliche Erklärung, aber das Wort anmaßend hat für mich überhaupt keine Bedeutung. Ich weiß, dass im Zusammenhang mit mir dieses Wort oft Verwendung gefunden hat, aber ich konnte damit nie etwas anfangen.

        Gerade diese Wörter, mit denen ich nichts anfangen kann, interessieren mich. Anmaßend... sagt mir so nichts. Aber wenn ich es benutzen wollte, dann würde ich den Papst als anmaßend empfinden, ohne zu wissen, ob dies der Richtigkeit entspricht. Was glaubt er, wer er ist, denke ich dabei. Für mich, im übrigen, Blasphemie pur.

        Ist das anmaßend? Oder ist es anmaßend, so etwas zu denken, wobei ich dann immer noch nicht wüsste, was anmaßend ist.

        Ich habe bisher noch keinen Menschen kennengelernt, den ich als "böse" bezeichnen könnte.
        Dann sei froh und schätze dich glücklich, denn die, die wirklich böse sind, möchtest du nicht kennen lernen.

        Was muss passieren, damit Du Dir endgültig sicher bist?
        Ich muss alle anderen Eventualitäten ausschließen können.

        Ohne diesen Austausch kommt es nur immer wieder zu Missverständnissen und ungewollten Verletzungen.
        Ich denke, es kommt trotzdem zu ungewollten Verletzungen und Missverständnissen, weil es in der Natur des Menschen liegt, zu verletzen und Missverständnisse zu haben. Auch ich habe schon viele Menschen verletzt, die meisten ungewollt, einige wenige gewollt.

        Auch NTs müssen ja erst ihre Gefühle deuten lernen.
        Echt? Das müssen sie lernen??? Ich dachte immer, das könnten die von Anfang an.
        Das Problem bei Autisten ist vor allem, dass ihnen nicht eine so große Bandbreite an Gefühlen zur Auswahl steht. Sie haben sie auch, können sie aber nicht benennen.

        Aber die Möglichkeit dieser Benennung bekommen sie im Laufe der Zeit dann eben über den Vergleich mit anderen
        Aha... Ich glaube, das darin zumindest ein Hund begraben liegt, denn Autisten vergleichen sich entweder nicht oder vergleichen sich, aber finden keine Gemeinsamkeiten. Wenn ich mich mit anderen verglichen habe, ist dabei keine Gemeinsamkeit entstanden.
        Autisten fühlen oftmals auch nur Wut, auch wenn sie traurig oder was anderes sind, nur Wut.

        Wie gut, wenn Dir diese äußeren Bilder helfen konnten, Deine inneren Bilder klarer zu kriegen.
        Ist das für Außenstehende zu komplziert oder zu abgedreht?

        Feierst Du heute den Männertag? Bedeutet er Dir etwas?
        Es nennt sich ja Vatertag. Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal etwas meinem Vater geschenkt, weil er früher nie etwas haben wollte. Nun habe ich ihm spontan etwas geschickt, ein Set für echte Kerle, mit Bier, Schnaps und Würstchen, was er total toll fand.
        Ich habe ihm auch gedankt, denn dass ich sowohl zu ihm, als auch zu meiner Mutter wieder so guten Kontakt habe, ist auch ihrer Toleranz zu verdanken.

        Ich bin ja eigentlich kein Vater, jedenfalls nicht im biologischen Sinn. Mein Sohn, so habe ich es gestern gehört, spricht im Beisein meiner Frau allerdings von Papa, wenn er über mich spricht.

        Meine Frau und unser Sohn sind heute zusammen in einen Freihzeitpark gefahren und ich bin hier geblieben und genieße das allein sein, die lauten Selbstgespräche und das Ausleben meiner inneren Geschichten. So gesehen genieße ich den Vatertag schon.

        Und was macht dein Freund/Mann (sofern du einen hast) heute?

        Condor

        Kommentar


          Na, das war ein Freitag...

          Ich musste Waren in zwei verschiedenen Discountern umtauschen. Eigentlich versuche ich immer, dass meiner Frau aufs Auge zu drücken, weil ihr das nichts ausmacht, aber nun war sie nicht da und ich musste es tun.

          Ich hab mich zu Hause gut vorbereitet, versucht ruhig zu bleiben und mir genau vorgestellt, wie ich es machen werde.

          Dann los, war auch erst alles gut, der Weg zum ersten Laden war recht weit, aber ich hab die Strecke gut geschafft. Lief erstmal alles gut. Und irgendwie hab ich Hoffnung gehabt, dass ich es gut hinkriegen würde.

          Im ersten Laden wollte ich etwas umtauschen in eine Nummer größer. Meine Frau meinte, ich könnte mich von hinten an die Kassen stellen und dort jemanden ansprechen oder ich geh durch den Laden, hole das, was ich tauschen wollte und stelle mich dann an die Kasse. Letzteres habe ich gemacht, weil ich mich nicht getraut habe, jemanden an den Kassen anzusprechen, weil alle Kassen total voll waren.

          Ich also durch den Laden mit der alten Ware aufm Arm und dem Bon natürlich und dann die neue Ware geholt, gabs zum Glück noch eine Nummer größer und mich in die Mega-Schlange vor der Kasse angestellt. Mein Adrenalin stieg ins unermessliche, aber ich hatte die Sache voll im Griff und mir genau überlegt, was ich sagen wollte. Das tat ich dann auch als ich dran war und die Kassiererin war auch sehr nett...

          ... aber ihre Kollegin nicht, die hinter ihr stand und raunzte mich an, dass ich die Ware eben vorher an der Kasse hätte anmelden müssen und dass das so nicht geht und dass sie mich im Laden beobachtet hätte usw... sie hat mich nicht angebrüllt, aber ihren ganzen Frust an mir ausgelassen, mich auch gar nicht zu Wort kommen lassen... naja hab die Ware dann getauscht gekriegt und bin raus.

          Eigentlich wollte ich da noch was anderes einkaufen, habe ich dann aber gelassen.

          Im Auto hab ich am ganzen Körper gezittert, hab mich immer wieder ermutigt, die Nerven zu behalten, weil ich ja auch noch woanders hin musste. Fest stand für mich nur, dass ich den Laden nie wieder betreten werde.
          Vor allem habe ich mich über mich selbst geärgert. Ich hasse mich in solchen Momenten, wo mir nichts, aber auch gar nichts einfällt, was ich sagen oder tun könnte... stattdessen steh ich dann da, wie ein begossener Pudel und die Tussie hat wohl gedacht: "Hurra ein Opfer, da hau ich doch gleich mal drauf!"

          Danach zum nächsten Laden, da wollte ich nur was zurückgeben. Zum Glück war eine Frau an der Kasse dort, zu der ich immer ganz gern gehe, weil sie a)nicht so schnell ist und b)immer sehr aufmerksam und freundlich ist.
          Sie sah mich auch gleich und rief dann ne Kollegin, die sich um mich kümmerte.
          In dem Laden habe ich danach noch eingekauft, aber ich war so durcheinander, dass mir ne andere Kundin sagte, dass ich den Käse neben den Wagen geworfen hätte und ich eigentlich und trotz Zettel nicht mehr genau wusste, was ich jetzt einkaufen wollte.

          Danach bin ich nach Hause gefahren, weil meine Knieschmerzen so stark geworden waren, dass ich gar nicht mehr laufen konnte.

          Nach dem Mittag musste ich noch mal los fahren, hab den Rest auch ganz gut hingekriegt und als ich dann wieder zu Hause war, habe ich geheult und war tottraurig, weil ich die Sache im ersten Laden so vermasselt hatte. Ich war so wütend auf mich selbst, ich meine, was ist denn schon dabei, ne Ware umzutauschen???

          Den Rest des Tages hab ich kaum noch was gemacht, ich war total kaputt.

          Ich weiß, ich hab ne Angststörung, ich habe Angst vor fast allen anderen Menschen, außer vor alten Menschen habe ich keine Angst.

          Condor

          Kommentar


            Hallo Condor!

            Solche Situationen kenne ich auch sehr gut und habe sie immer versucht zu meiden. Am schlimmsten war es auch immer, wenn ich vorher wusste, dass ich bewusst den Kontakt zu fremden Menschen suchen muss. Einfach schrecklich! Oder es tauchte plötzlich etwas unerwartetes in der Situation auf (die EC Karte funktionierte nicht und ich hatte kein Bargeld dabei, die Schlange hinter mir wird länger und ich habe das Gefühl alle schauen auf mich und wollen mir den Kopf abreissen).
            Mittlerweile hat sich das sehr stark bei mir abgeschwächt, im Laufe der Therapie wurde es besser und ich kann um einiges entspannter an solche Dinge gehen. Aber ich kann dich gut verstehen, ich war danach auch immer fix und fertig und das hat mich den restlichen Tag dann immer nicht losgelassen. Hast du wenigstens einen guten Weg gefunden dich hinterher wieder relativ rasch zu beruhigen?

            Liebe Grüße
            Jannes

            Kommentar


              Hallo Jannes,

              Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
              Mittlerweile hat sich das sehr stark bei mir abgeschwächt, im Laufe der Therapie wurde es besser und ich kann um einiges entspannter an solche Dinge gehen. Aber ich kann dich gut verstehen, ich war danach auch immer fix und fertig und das hat mich den restlichen Tag dann immer nicht losgelassen. Hast du wenigstens einen guten Weg gefunden dich hinterher wieder relativ rasch zu beruhigen?
              Wie hast du das geschafft, dass es sich bei dir abgeschwächt hat?

              Zuerst habe ich auch gedacht, toll, jetzt ist der Tag im Eimer, aber nachdem ich geheult hatte, habe ich mir das Buch, mit dem ich auch gegen meine Depressionen vorgehe, genommen und angefangen die hilfreichen Gedanken zu lesen und zu lesen und nochmal gelesen, so lange bis es etwas besser wurde. Danach habe ich noch ein paar positive Dinge aus meiner Kladde gelesen und nach ca. 1 Stunde hatte ich es dann überwunden.

              Mein Hauptproblem, im übrigen bei allem, was mir misslingt, ist, dass ich dann immer so total runter kachel, also ich hasse mich dann, halte mich für den größten Idioten aller Zeiten und bin dann auch sofort bei Selbstmordgedanken, weil ich dann denke, dass das alles sowieso keinen Sinn hat und ich es nie schaffe, da mal rauszukommen. Aber da hat ja jetzt immerhin schon mal das Buch von Rolf Merkle geholfen. Aber das habe ich nicht immer dabei...

              _________________

              Und dann ist mir die Tage noch was aufgefallen... was eigentlich gar nicht so toll ist, obwohl ich erst gedacht habe, dass es toll ist... ich sag ja immer, dass ich zwar 42 Jahre alt bin, mich aber wie 22 Jahre fühle. Klingt erstmal gut, oder? Bedeutet aber eigentlich nichts anderes, als dass ich in meiner emotionalen und sozialen Entwicklung 20 Jahre zurückgeblieben bin.

              Mein Sohn ist auch emotional/sozial stark zurückgeblieben. Er wird bald 14 Jahre alt, ist emotional aber nicht älter als 3... das ist sehr anstrengend, weil er geistig schon viel weiter als 14 ist.

              Condor

              Kommentar


                Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                Wie hast du das geschafft, dass es sich bei dir abgeschwächt hat?
                Ich habe mich einfach ausgetrickst und ganz klein begonnen mich ganz bewusst mit diesen Situationen zu konfrontieren. Und zwar habe ich mit den Menschen begonnen, vor denen ich am wenigsten Angst hatte: mit Kindern
                Eine Freundin hatte während des Studiums ein ganz ähnliches Problem mit Menschen. Sie hatte ein Praktikum in einem Museum gemacht und es stellte sich heraus, dass das Museum jemanden suchte, der bereit war Führungen für Kinder im Grundschul- und Kitaalter zu machen. Alleine traute sie es sich nicht zu und fragte mich. wir überlegten lange und taten uns dann zusammen. Es war natürlich schwer zu Beginn, aber die Kinder waren dankbar und es klappte ganz gut mit ihnen. Auch wenn wir dabei gefühlte tausend Tode starben und danach ziemlich fertig waren. Die Lehrer und Erzieher, die dabei waren, waren erst mehr "Beiwerk" und ganz gut, um sich daran zu gewöhnen überhaupt erstmal zu sprechen. Wir wurden besser und mutiger und machten das ein paar Monate. Später machten wir auch Führungen für Kinder im Realschulbereich und dann auch für Erwachsene.
                Natürlich ist das kein Patentrezept, es bot sich als gute Möglichkeit an, wir haben bewusst im Kleinen begonnen und uns darauf dann aber auch nicht ausgeruht sondern sind immer wieder einen kleinen Schritt weiter gegangen. Dafür, dass ich früher nicht mal ans Telefon gegangen bin, weil ich Angst hatte, es wäre jemand fremdes dran, ist das ganz gut!
                Heute bin ich relativ locker, wenn ich einkaufen gehe und wenn jemand denkt, er muss seinen Frust an mir auslassen, dann soll er nur, heute bekommt er auch die passende Antwort, auch wenn nach wie vor mein Herz dabei rast.
                Bitte sei nach solchen Erlebnissen nicht sauer auf dich. Respektiere dich und deine Art und sieh jeden Schritt, den du in die richtige Richtung tust als Fortschritt, denn nichts anderes ist es. Stolz solltest du sein, dass du trotz deiner Angst wieder nach draussen gegangen bist Und dir gleich Mut für das nächste Mal zusprechen!

                Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                Und dann ist mir die Tage noch was aufgefallen... was eigentlich gar nicht so toll ist, obwohl ich erst gedacht habe, dass es toll ist... ich sag ja immer, dass ich zwar 42 Jahre alt bin, mich aber wie 22 Jahre fühle. Klingt erstmal gut, oder? Bedeutet aber eigentlich nichts anderes, als dass ich in meiner emotionalen und sozialen Entwicklung 20 Jahre zurückgeblieben bin.
                Condor
                Für mich ist das lediglich ein Wechsel der Perspektive, den du hier vornimmst, weiter nichts. Ich weiß nicht, warum du es jetzt in dieser Weise sehen willst, wenn es dir mit der vorherigen Sicht doch besser ging.

                Liebe Grüße
                Jannes

                Kommentar


                  Hallo Jannes,

                  da hast du ja Glück gehabt, dass sich dir eine solche Möglichkeit geboten hat, aber ich weiß, worauf du hinaus willst.

                  Bitte sei nach solchen Erlebnissen nicht sauer auf dich. Respektiere dich und deine Art und sieh jeden Schritt, den du in die richtige Richtung tust als Fortschritt, denn nichts anderes ist es. Stolz solltest du sein, dass du trotz deiner Angst wieder nach draussen gegangen bist Und dir gleich Mut für das nächste Mal zusprechen!
                  Ja, sollte ich tun, aber automatisch läuft was anderes ab. In dem Buch von Rolf Merkle steht ein Satz, an dem ich arbeite: "Machen Sie sich keine Schuldgefühle, dass Sie sich Schuldgefühle machen."

                  Genauso ist das hier auch, hasse dich nicht, dass du dich hasst, muss ich mir sagen.

                  Für mich ist das lediglich ein Wechsel der Perspektive, den du hier vornimmst, weiter nichts. Ich weiß nicht, warum du es jetzt in dieser Weise sehen willst, wenn es dir mit der vorherigen Sicht doch besser ging.
                  Weil ich Depressionen habe und die nutzen jede Gelegenheit, um Positives in Negatives zu verwandeln.

                  Ich bin auch immer noch dabei zu ergründen, was mich autistisch macht... was der Autismus für mich bedeutet, wo ich in der Vergangenheit autistisch war und wie ich in der Zukunft damit umgehen will. Und manchmal denke ich, dass Autismus ganz schön doof ist und dann wieder mag ich meinen Autismus auch, denn meine Welt ist eben eine ganz andere... ich erlebe die Welt, mein Leben und das alles so ganz intensiv, intensiv im Geruch, intensiv in den Farben, intensiv in den Formen, intensiv in den Aktivitäten, intensiv in den Gefühlen... eben in allem... manchmal ist es dann auch zu viel... positiv wie negativ.

                  Ich glaube, so intensiv, wie ich mich freuen kann, da brauchen andere Drogen für... aber ich habe nur durch den Besuch in einem Schwimmbad so viel Adrenalin ausgeschüttet, dafür müssen andere mit der Achterbahn fahren...

                  Wo wir wieder beim Schwimmbad wären, da sind Kinder und Jugendliche und vor denen habe ich am meisten Angst. Wenn ich auf Kinder und Jugendliche treffe, werde ich augenblicklich in meine eigene Vergangenheit katapultiert und ich fühle mich wie 10 Jahre alt... ich meine, ich bin 42 und fühle mich diesen Kids völlig unterlegen...

                  Und das geht mir dann auch bei manchen Erwachsenen so.

                  Ich weiß, woher es kommt, aber ich kann es trotz dieser Erkenntnisse nicht abstellen.

                  Condor

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                    Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                    (...)Ich bin auch immer noch dabei zu ergründen, (...) was der Autismus für mich bedeutet, (...)
                    Hallo Condor,

                    Wenn Du die Frage etwas abänderst, gehst Du mit solch einer Frage ans "Eingemachte", forscht Du tief in Dir: Was und wer wäre ich ohne Autismus.

                    Diese Frage stelle ich mir manchmal bezogen auf meine Situation. Von daher weiß ich, dass diese Frage ans Eingemachte", an das Verborgene rührt. (Psychokram halt. Darauf kann man sich einlassen, man kann es aber auch bleiben lassen.)

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                      Zitat von Condor Beitrag anzeigen


                      Weil ich Depressionen habe und die nutzen jede Gelegenheit, um Positives in Negatives zu verwandeln.
                      Ja, das kann sehr heimtückisch sein und da raus zu kommen ist schwer. Ich habe dann immer nur gehofft und mir zugesprochen, dass es ja auch schon bessere Zeiten gab und diese auch wieder kommen werden. Meine letzte Phase ist jetzt 4 Monate her, aber war schon etwas massiver, von daher kann ich es nachfühlen.

                      Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                      Ich bin auch immer noch dabei zu ergründen, was mich autistisch macht... was der Autismus für mich bedeutet, wo ich in der Vergangenheit autistisch war und wie ich in der Zukunft damit umgehen will. Und manchmal denke ich, dass Autismus ganz schön doof ist und dann wieder mag ich meinen Autismus auch, denn meine Welt ist eben eine ganz andere..
                      Ich kann mir vorstellen, wie wichtig dir nach jahrelangem Suchen diese Diagnose ist, weil sie einiges erklärt. Kann es aber sein, dass sie dir ein wenig im Weg steht? Nun rückblickend mit dieser Diagnose einige Dinge neu einzuordnen und zu bewerten kann hilfreich sein. Aber ich finde es auch wichtig unabhängig davon sich zu nehmen, wie man ist und und an individuellen kleinen Situationen zu arbeiten, anstatt alles in die Diagnose einzupassen. So hielt es jedenfalls meine Therapeutin mit mir. Die erste, die wirklich eine "Diagnose" forderte, war meine Mutter. Die Diagnose ist sicherlich wichtig, um weitere Schritte abzuwägen und sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen. Die Probleme, die man hat, bleiben doch aber dieselben. Also "stolpere" auf deinem Weg nicht immer über deinen Autismus. ich hoffe du verstehst mich richtig.




                      Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                      Wo wir wieder beim Schwimmbad wären, da sind Kinder und Jugendliche und vor denen habe ich am meisten Angst. Wenn ich auf Kinder und Jugendliche treffe, werde ich augenblicklich in meine eigene Vergangenheit katapultiert und ich fühle mich wie 10 Jahre alt... ich meine, ich bin 42 und fühle mich diesen Kids völlig unterlegen...

                      Und das geht mir dann auch bei manchen Erwachsenen so.

                      Ich weiß, woher es kommt, aber ich kann es trotz dieser Erkenntnisse nicht abstellen.
                      Das einfach abzustellen ist sicher auch nicht möglich. Allerdings kehrt man in solchen Situationen seine Angst unbewusst nach aussen. Andere können dafür ein Gespür haben und die Situation ausnutzen. Vielleicht kannst du einmal darauf achten und in solchen Situationen bewusst eine andere innere Haltung einnehmen. Nonverbale Kommunikation scheint ein wichtiger Faktor zu sein.

                      Liebe Grüße
                      Jannes

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                        Hallo Mistral,

                        Wenn Du die Frage etwas abänderst, gehst Du mit solch einer Frage ans "Eingemachte", forscht Du tief in Dir: Was und wer wäre ich ohne Autismus.
                        Zuerst musste ich darüber lachen (autistischer Humor ist nicht jedermanns/frau Sache, also bitte nicht böse sein). Ich dachte, damit wärst du der Brüller auf jeder Autistenparty, sofern es denn solche geben würde, da die meisten Autisten lieber für sich sind.

                        Aber dann habe ich mir deine Frage mal angesehen und ich denke, dass ich mich doch inzwischen im Großen und Ganzen ganz gut daran gewöhnt habe, Autist zu sein. Ich finde das auch gar nicht mehr so schlimm, wie das in Büchern immer so dargestellt wird. Ohne meinen Autismus wäre ich nicht ich. Ich würde wahrscheinlich ein einfacherers Leben führen, aber aus meiner Sicht auch ein Grottenlangweiliges. Das mit dem Autismus für mich geht schon in Ordnung.

                        Was mich echt an mir ärgert ist die Transsexualität, glaub mir, ich hätte alles getan, um nicht TS sein zu müssen. Beide Sachen zu haben, empfinde ich als völlig überflüssig. Ich denke immer, dass Gott, sofern es einen gibt, einen verdammt schrägen Humor hat.


                        Hallo Jannes,

                        Ich kann mir vorstellen, wie wichtig dir nach jahrelangem Suchen diese Diagnose ist, weil sie einiges erklärt. Kann es aber sein, dass sie dir ein wenig im Weg steht?
                        Ja, Diagnosen sind mir immer wichtig, ich muss einfach immer wissen, woran ich bin, dann kann ich mich informieren, mir Wissen aneignen, Erfahrungen damit sammeln und es schließlich akzeptieren. Anders geht es bei mir nicht. - Ich finde das im Übrigen sehr autistisch, klare Ansagen zu brauchen, denn mit vielleicht oder eventuell oder wahrscheinlich kann ich nicht umgehen, macht mich ganz kirre.

                        Als ich die Diagnose bekam, war ich nicht erleichtert, sondern eher geknickt, ich wollte das nicht wirklich sein.

                        Nein, ich denke, dass mir die Diagnose somit nicht im Weg steht, sondern wichtig für die Bestimmung meines Selbst ist.

                        Also "stolpere" auf deinem Weg nicht immer über deinen Autismus. ich hoffe du verstehst mich richtig.
                        Das verstehe ich nicht.

                        Vielleicht kannst du einmal darauf achten und in solchen Situationen bewusst eine andere innere Haltung einnehmen. Nonverbale Kommunikation scheint ein wichtiger Faktor zu sein.
                        Das habe ich beim Einkaufen schon gemacht, funktioniert auch, aber ich bin nicht immer in der Stimmung dafür, bzw. ich vergesse es oft.


                        _________________



                        Heute war ein Powertag für mich und das bei 28 Grad Außentemperatur und mindestens genauso viel Grad Innen... erst kam der Schornsteinfeger und hat mir erstmal erklärt, dass ein Rohr unserer Heizungsanlage falsch montiert ist, dann musste ich mir was kochen, dann kam mein Sohn nach Hause und dann habe ich die nächsten 3 Stunden das 220 Liter Aquarium sauber gemacht, nicht ganz, aber der Großteil der Fische schwimmt jetzt im Teich... die wollte sonst niemand haben und 30 Fische sind auch in 220 Liter zu viel, zumal da auch noch Welse drin sind... zwischendurch noch Wäsche, Abendbrot und Fernsehen und Katze füttern, im Garten gießen... mir gehts zwar gut, aber ich bin total erschlagen...

                        Condor

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                          Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                          Hallo Mistral,(...) damit wärst du der Brüller auf jeder Autistenparty, sofern es denn solche geben würde, da die meisten Autisten lieber für sich sind.
                          Nun bin ich aber neugierig (nicht böse) und möchte wissen, warum ich mit dieser Bemerkung der Brüller wäre. Humor ist schlecht zu erklären, ich weiß, aber vielleicht kannst Du dennoch ansatzweise erklären, was daran komisch ist?

                          Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                          (...)Ich finde das auch gar nicht mehr so schlimm, wie das in Büchern immer so dargestellt wird. Ohne meinen Autismus wäre ich nicht ich. Ich würde wahrscheinlich ein einfacherers Leben führen, aber aus meiner Sicht auch ein Grottenlangweiliges. Das mit dem Autismus für mich geht schon in Ordnung.
                          Diese Aussage beeindruckt mich, denn sie klingt, als hättest Du weitgehend Deinen Frieden damit gemacht. Und das war vermutlich harte Arbeit.

                          Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                          (...Was mich echt an mir ärgert ist die Transsexualität, glaub mir, ich hätte alles getan, um nicht TS sein zu müssen.(...)
                          Was ist es denn genau, was Dich persönlich daran ärgert? Ich stelle mir vor, dass TS Einfluss auf jeden Lebensbereich hat und sich dadurch das Leben völlig neu definiert und man es persönlich auch völlig neu definiert, und noch mal ganz von vorne anfängt.

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                            Hallo Mistral,

                            ohjeohje... zu erklären, was für mich witzig ist... das ist schwer...

                            Was und wer wäre ich ohne Autismus.
                            Darin steckt für mich eine Art Wortwitz... die Frage ist Frage und Antwort zugleich, das ist der Witz... ohne Autismus wäre ich kein Autist. Deswegen habe ich zuerst gedacht, du wolltest mich veräppeln.

                            Meine Mutter hat auch mal so einen gebracht:
                            Unterbewusstsein? Das würde ich ja wohl wissen.
                            Wobei dabei der Witz noch klarer ist und sie es inzwischen auch kapiert hat.

                            Wie erkläre ich, dass mein Sohn sich vor ein paar Jahren 3 Wochen lang über das Wort Thunfisch und etwas später über Washington kaputt gelacht hat? Das kann man nicht erklären, das ist für einen lustig oder nicht.

                            Mir unterstellt man oft (von NTs), dass ich total humorlos sei. Das stimmt aber nicht, ich habe halt einen anderen Humor. Die meisten Witze von NTs verstehe ich auch nicht oder als Allerletzter. Diese Komik erschließt sich mir oft nicht. Macht aber nix.

                            Ich habe vor meiner Transition (geschlechtsangleichende Maßnahmen), sehr viel mehr gelacht und konnte mich über ganz andere Dinge schlapplachen als Heute. Mein innerer weiblicher Teil ist sehr viel lebenslustiger und lustiger als mein innerer männlicher Teil. Da ich seit 7 Jahren den männlichen Teil lebe, hat sich auch mein Humor verändert.

                            Diese Aussage beeindruckt mich, denn sie klingt, als hättest Du weitgehend Deinen Frieden damit gemacht. Und das war vermutlich harte Arbeit.
                            Ja, das war es, aber Autist zu sein ist meine ganz persönliche Art zu sein. Ich habe durch den Autismus meines Sohnes sehr viel über mich selbst gelernt und sogar meine Mutter kann heute ihre Autistischen Züge sehen und bejaen.
                            Ich bin heute einfach nicht mehr so schockiert, wenn ich im Netz oder in Büchern lese, dass Autismus als eine sehr schwere Persönlichkeitsstörung angesehen wird. Ich empfinde das nicht so.
                            Ich sehe inzwischen, dass es auch Vorteile hat, autistisch zu sein und nicht nur Nachteile. Obwohl natürlich manche Nachteile sehr nachteilig sind.

                            Was ist es denn genau, was Dich persönlich daran ärgert? Ich stelle mir vor, dass TS Einfluss auf jeden Lebensbereich hat und sich dadurch das Leben völlig neu definiert und man es persönlich auch völlig neu definiert, und noch mal ganz von vorne anfängt.
                            Ich bekam die TS Diagnose 4 Jahre vor der Autismus-Diagnose. Ich habe vor der Diagnose 3 Jahre lang mit mir gerungen, ob ich mir glauben kann, dass ich TS bin.
                            Ich wollte das nicht, ich meine, wer würde sich das alles auch freiwillig und ohne inneren Druck antun? - Niemand, der noch alle Tassen im Schrank hat.

                            Ich wäre vor allem so gerne eine ganz "normale" Mutter meines Sohnes geblieben.

                            Mein Sohn wurde wegen meiner TS und der Intoleranz der Eltern seiner Mitschüler gemobbt. Als ich mir damals die Haare abrasierte, wurde hinter meinem Rücken getuschelt, ich hätte Krebs. Dadurch waren die Eltern der Mitschüler eine kurze Zeit etwas netter zu mir, was sich aber schlagartig änderte, als ich mich als TS outete...

                            Sogenannte Freunde und Bekannte verabschiedeten sich ohne Grund oder riefen einfach nicht mehr an, meine Nachbarn sprechen aus diesem Grund heute noch nicht mit mir, die Frau grüßt mich, aber nur dann, wenn ihr Mann nicht dabei ist...

                            Naja und so weiter halt.

                            Es war für mich richtig, das weiß ich seit dem Tag, seitdem ich Testo nehme. Ich trug damals die Creme auf meine unbehaarten Unterarme auf und exakt 2 Minuten später durchfuhr mich ein Gefühl der Ruhe und Gewissheit, das richtige zu tun. Alle Zweifel, die ich noch hatte, waren auf einmal weg. Zum ersten Mal in meinem Leben erlebte ich eine innere Stille und Harmonie, an die ich mich jedes Mal erinnere, wenn ich Zweifel habe und die sind normal als TS, auch wenn nicht jeder das zugeben würde.

                            Und auch wenn der schönste Tag in meinem Leben der Tag war, andem die Brüste weg operiert wurden, so wäre ich doch lieber "Frau" geblieben, zumindest auf dem Papier. Aber ich habe mich nie als Frau gefühlt, noch kann ich heute gut mit Frauen mitfühlen.

                            Was natürlich als TM (Transmann) schmerzt, ist der Blick in den Spiegel unterhalb des Bauches. Aber diese OP kommt für mich nicht in Frage, der Aufwand ist mir zu hoch (gesundheitliche Risiken) und der Ausgang zu ungewiss (medizinische Machbarkeit).

                            Meine Eltern haben sich inzwischen an mich als TM gewöhnt und sprechen mich mit meinem neuen Vornamen an und auch, wenn sie über mich sprechen fällt immer öfter er, anstatt sie. Das ist schön zu erleben.

                            Mein Sohn akzeptiert mich so, wie ich bin, auch wenn ich glaube, dass er lieber eine halbwegs normale Mutter gehabt hätte.

                            Meine Frau... die hätte lieber ne Frau behalten und da macht sie auch keinen Hehl draus.


                            Ja, ich bin ein TM, keine Zweifel mehr, aber ich hoffe, dass ich mich daran irgendwann auch so gut gewöhnen werde, wie ich das als Autist tu.

                            Condor

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                              Hallo Condor,

                              Du hast mir das mit meiner Frage und ihrer Komik gut erklärt. Wenn ich die Frage jetzt aus Deiner Sicht lese, muss ich grinsen. Ja, klar, wenn man etwas wegnimmt, dann ist es nicht mehr da. So gesehen ist auch für mich meine Frage unfreiwillig zum Grinsen - zum Grinsen blöd.
                              Vielleicht hast Du dennoch die Anregung, die in meiner Frage steckte, verstanden. Wenn nicht, ist es auch nicht tragisch.

                              Bezüglich Deines Autismus´ und dass Du ein TM bist, machst Du auf mich einen selbstbewussten Eindruck und Du sagst `Ja´ zu Dir und beschreibst, dass Du gegen äußere Widerstände, Unverständnis bei anderen Menschen gekämpft hast und es vermutlich noch immer tun musst. Dazu gehört Kraft und innere Stärke.
                              Ich kann nur ansatzweise ahnen, welche Kämpfe Du ausgefochten haben magst, welche Anfeindungen es gegeben hat, aber vermutlich war das Kämpfen, das Ringen mit Dir selbst und die Sorge um das Wohl Deines Sohnes am schwierigsten.
                              Vielleicht war das Rasieren des Schädels ein Akt der Befreiung oder Schmerz und Verzeifelung.

                              Dass es Dich schmerzt, wenn Du `unterhalb des Bauches´ schaust, finde ich aus Deiner Sicht verständlich. “Fehlt“ doch dort ein äußerliches männliches Attribut und ist somit auch eine Erinnerung an Dein Leben vor der Geschlechtsangleichung.
                              Du hast alles getan, was für Dich machbar war und ich finde, etwas Besseres kann man sich nicht sagen.

                              Diesen Satz finde ich herrlich:
                              Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                              (...) Obwohl natürlich manche Nachteile sehr nachteilig sind. (...)
                              Jawollja!!

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                                Hallo Mistral,

                                eigentlich empfinde ich mich selbst also noch gar nicht so selbstbewusst. Im wortwörtlichen Sinne natürlich, aber im Leben noch nicht so, wie ich es gern hätte oder wie ich als Kind schon mal gewesen bin. So mit 4 Jahren war ich das Selbstbewusstsein pur, da würde ich gern wieder hin. Ob das geht, weiß ich nicht.

                                Im Schreiben bin ich klasse, im Reden bin ich eine Niete. Schreiben kann ich so schnell, wie ich denken kann, weil ich dann das Sprachzentrum umgehen kann, wie praktisch. Die Gedanken fließen direkt und ohne Umwege in meine Finger. Nachkorrigieren muss ich selten.

                                Aber beim Reden, tja, das ist schwieriger, nicht mit mir selbst, das ist einfach, ich versteh mich ja schließlich, aber mit anderen? Da kommt dann wieder die Gestik und die Mimik ins Spiel und die passt oft nicht mit dem Gesagten zusammen und dann interpretieren sie in meine Worte etwas anderes hinein, als ich gesagt habe. Das ist sehr verwirrend und anstrengend.
                                Reden tu ich sehr langsam, weil ich mir jedes Wort genau überlegen muss und auch sehr leise, das weiß ich nicht genau, warum.
                                Deswegen fällt es mir so schwer mit Fremden zu telefonieren, weil ich da spontan etwas antworten muss und das kann ich einfach nicht.

                                Inzwischen habe ich schon einiges in der Kommunikation gelernt, z.B. dass ich nicht immer reden muss oder dass ich nicht immer die Wahrheit sagen muss, weil sie andere verletzen kann. Es ist oft ganz gut, einfach nur zu schweigen und dann zu antworten, wenn man was gefragt wird. Wenn ich dann aber mal rede, bin ich leider kaum zu stoppen, weil ich die einfachsten Anzeichen, wenn mein Gesprächspartner gelangweilt ist, nicht erkennen kann. Das kann dann schon mal sehr böse enden.

                                Die Sache, mir die Haare auf 3mm zu kürzen war ein langgehegter und inniger Wunsch von mir. Und da bisher die Haare fleissig ausgefallen sind (man siehe sich dann die Väter und Großväter an, wenn die ne Glatze haben und hatten, kriegt man auch eine ), stehen mir die kurzen Haare auch ganz gut.

                                Weißt du, das dumme an dieser ganze Sache ist wirklich, dass ich transsexueller Autist bin. Bei den Autisten bin ich nicht wirklich zu Hause und bei den Transsexuellen auch nicht. Von transsexuellen Autisten gibts in Deutschland nicht mehr als 10 Leute, würde ich jetzt mal schätzen. Diese Gruppe ist sehr klein und hat bisher noch nicht zusammen gefunden.
                                Und dann kommt noch als Sahnehäubchen obendrauf, was für eine Erziehung man hatte und da teilt sich diese eh schon kleine Gruppe noch mal auf...

                                Condor

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