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Mein Leben als Autist

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    Danke Sabine, aber irgendwie hat das Ganze auch seinen Preis für mich, ich bin nämlich total erschöpft. Ich kriege den Tag bis zum Mittagessen, welches bei mir jedoch erst nachmittags stattfindet, ganz gut hin und danach geht dann aber nichts mehr. So müde und körperlich total erschlagen, dass ich immer nur könnte.

    Dieses umlernen ist sehr anstrengend, vor allem, wenn einer immer nur lernt und lernt und lernt und die andere bleibt, wie sie ist. Ob sie jetzt Mann oder Frau ist, spielt kaum eine Rolle, denn und das habe ich schon geahnt, ein Narzisst bleibt, ohne Therapie, ein Narzisst, da ändern auch ein anderer Name und ein anderes Geschlecht nichts daran.

    Wenn sie dann woanders arbeitet und ein paar Tage nicht zu Hause ist, dann bin ich erst mal platt, obwohl das schon eine Verbesserung ist, vor meinem Lernprogramm hatte ich Tage lang Diarrhoe, wenn sie weg war und Tage lang, wenn ich wusste, dass sie wieder kommt, also fast immer.

    Es ändert sich was in mir, aber sehr langsam und ich gebe mir große Mühe mehr Geduld mit mir zu haben.

    Condor

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      Hallo Condor,

      du hast nicht nur Geduld mit dir, auch mit den anderen. Wenn du so viel schlafen musst, dann mach das. Ich habe das oft im Urlaub, die erste Woche ist immer nur Tiefschlaf angesagt (blöd, man möchte ja eigentlich etwas "machen") und wenn ich nur eine Woche habe --- dann.... schlaf ich nur. Ist eben so. Fertig.

      Hauptsache, du gewinnst und bisher tust du das. Abwarten, wo das hinführt. Und dann entscheiden, ob das das Leben ist, das du führen möchtest.

      Man kann andere nie ändern, nur sie selber können sich ändern. Mache das gerade an anderer Stelle in anderer Weise auch durch, deswegen kann ich deine Müdigkeit gut nachvollziehen, ist bei mir auch so. Das müssen wir einfach akzeptieren: Arbeit an uns und hin zu Verbesserungen braucht auch Phasen der Regeneration.

      Schön, dass es dir so viel besser geht.

      VG

      Sabine

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        Hallo Sabine,

        so viel Selbstbewusstsein, wie du es hast, habe ich noch nicht. Ich könnte mir nicht mal annähernd vorstellen, eine Woche meines Urlaubes zu verschlafen... da bin ich noch weit von entfernt.

        Naja, jeder so, wie er kann.

        Der Urlaub...

        jaaaa... ich bin ja schon gestresst, wenn ich mit nur einem Teil meiner Familie über ein paar Tage, genannt Ferien, zusammen sein muss... so ein Urlaub, mich beiden, Frau und Teenager... das ist schon eine Herausforderung und so langsam kapiere ich das auch, dass es für einen Autisten auch so ist.

        Wir kamen Samstag an und hatten bis einschließlich Mittwoch Sturm. So sehr, dass wir wegen starkem Wellengang und Flugsand nicht an den Strand konnten.

        Samstag und Sonntag hatte unser Standwasser Whirlpool nur bescheidene 15 Grad... zu kalt, um ihn zu benutzen. Erst am Montag hatte der Monteur scheinbar das richtige Teil dabei, um den zu reparieren, so dass wir am Montag Abend in den Whirlpool steigen konnten. Leider hatte er ihn so stark gechlort, dass für mich das Baden nicht so angenehm war und ich nun eine Chlorallergie vorweisen kann.

        Ich wollte diesen Urlaub eigentlich, um mich vom Sommerurlaub, der sehr mit Terminen vollgestopft war, zu erholen. Ich dachte, dass ich noch ein Mal mit meinem Partner fahren könnte, aber dies machte er einige Wochen vorher jäh zu Ende. Ich musste also mit meiner Frau fahren, da mein Partner sein Geschlecht zumindest äußerlich von Mann zu Frau verändert hatte.

        Ich mag es nicht, wenn man mich zu etwas zwingt, aber es war nicht zu ändern, das Haus schon bezahlt.

        Also habe ich versucht, das Beste daraus zu machen, und den Urlaub dafür zu nutzen, um mich an meine "Frau" zu gewöhnen, vor allem, was den Umgang in der Öffentlichkeit anging.

        Ich habe kein Problem mit dem Wunsch meines Partners, eine Frau sein zu wollen.

        Ich habe aber so gesehen ein Problem damit, wenn sie es Transsexualität nennt, denn damit hat ihr Wunsch nun wahrlich nichts zu tun.

        Ich habe im Urlaub nicht nur gelernt, mich mit meiner Frau öffentlich zu zeigen, ohne im Boden zu versinken, denn sie hat das Recht, so zu leben, wie sie es möchte, selbst wenn sie glauben würde, sie sei Micky Maus.

        Sondern ich habe auch gelernt, dass ich die Meinung anderer nicht zu teilen brauche, mich aber auch nicht dadurch aus der Fassung bringen lassen muss. Ich kann meine Einstellung ändern und gleichzeitig meine Meinung behalten. Ein Meilenstein für mich.

        Leider kam mir im Urlaub auch die Erkenntnis, dass ich meine "Mutter" geheiratet habe, eine sadistische Narzisstin.

        Das macht alles ein wenig anders... was vorher vielleicht unter Unterbewusstsein gelaufen ist, läuft jetzt unter Absicht.

        Ich versuche bei mir zu bleiben, ich mache weiter das Programm mit Doris Wolf, aber auch das Programm mit dem Buch "Emotionale Erpressung", da ich die Dinge jetzt anders verstehe.

        Ich habe immer noch Angst, aber ich lerne an dieser Angst zu wachsen.

        Vor meiner Ehe hatte ich 3 emotionale Zustände: Freude/Glück/Fröhlichkeit, Trauer/deprimiert und Angst.

        Mehr nicht. Aber es reichte mir auch.

        Dann kamen Psychologen und meinten, sie müssten mir Wut und Ärger beibringen. Heute, 20 Jahre später, bemühe ich mich, krankmachenden Ärger und Wut wieder los zu werden...

        Ich arbeite sehr viel an mir und kann deswegen nicht so oft hier sein.

        Condor

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          Hallo Condor,

          du schaffst da wahnsinnig viel... also ist es gut, wenn du "bei dir" und nicht so viel "bei uns" bist.

          Deine Entwicklung ist enorm, ich drück ganz fest die Daumen, dass du Wut und Ärger wieder los wirst, klar gehört das "Wüten" auch zum Menschsein dazu, aber ohne ist es einfach schöner ;) Oder nutz die Wut als Motor, manchmal, wenn ich richtig wütend werde, mach ich auch tolle Sachen, die ich ohne Wut nicht schaffen würde... Ich wandele die Wut sozusagen um - in Energie für mich. Leider viel zu selten, aber vielleicht kann man das ja auch in der Häufigkeit "vermehren".

          Alles Gute für dich

          Sabine

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            Hallo Sabine,

            danke für deine Anerkennung. Das tut mal ganz gut.

            Wenn man immer nur für sich alleine schafft, dann ist es auch mal schön zu hören/lesen, dass man wirklich was schafft.

            Heute habe ich so gedacht, dass ja nur ca. 5% der Weltbevölkerung Narzissten und Psychopaten etc. sind und ganze 95% sind keine Narzissten.

            Daran erinnere ich mich immer wieder. Denn früher habe ich gedacht, dass die meisten Menschen so wie meine Eltern seien, nämlich Narzissten. Nur mein einer Opa war ebenfalls Autist, was ich damals zwar so nicht wusste, Heute aber durchaus Sinn macht, denn wir haben uns nicht nur sooooo toll verstanden, sondern auch auf die selbe Art und Weise kommuniziert, oftmals ohne Worte. Das war sehr schön. Er hat mir gezeigt, was Liebe bedeutet, sonst wüsste ich das Heute nicht.

            Die anderen Erwachsenen in meiner Kind- und Jugendzeit können das nämlich nicht.

            Manchmal glaube ich, dass ich von den 5% Narzissten, Psychopathen und anderen mehr als genug kennen gelernt habe.

            Morgen treffen wir uns mit meinen Eltern, dann sind schon 3 Narzissten um mich herum. Früher hat mich das regelmäßig umgehauen, heute, finde ich, kann ich da ganz gut mit umgehen, ohne größeren Schaden davon zu tragen.

            Heute habe ich viel geschafft, ich bin sehr stolz auf mich.

            Condor

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              Nun ja, der Tag mit 3 Narzissten hatte es in sich.

              Ich kann immer wieder nur mir selbst danken, dass ich schon so viel an mir gearbeitet habe. Früher hätten mich die paar Stunden für Monate aus den Socken gehauen, heute nur noch einen Tag.

              Noch vor einigen Jahren habe ich so gerechnet: Je 1 Stunde mit meinen Eltern und meinen Geschwistern zusammen = je 1 Monat Depressionen. Wenn wir also 3 Stunden bei meinen Eltern zu Besuch waren, dann hatte ich danach 3 Monate schwerste Depressionen.

              Jetzt ist es so, als wir wieder hier waren, war ich zwar sehr traurig, hatte zwar Bauch- und Muskelschmerzen und einige Male Durchfall, aber schon am nächsten Tag konnte ich damit beginnen, den Besuch und was dieser mit mir gemacht hatte, aufzuarbeiten. Dazu habe ich dann ein ABC der Gefühle gemacht. Das hat mir dann sehr geholfen und es ging mir dann wieder gut.

              Manchmal denke ich, bzw. bin ich von mir selbst überrascht, wie ich all das aushalten und überleben konnte, was mir in meiner Kind- und Jugendzeit und auch noch danach alles passiert ist. Auch wenn meine Seele damals unter dem Druck und der Gewalt wie ein Spiegel, den man auf Steine fallen lässt, in viele kleine Stücke zerbrochen war, so schaffe ich es scheinbar doch, meine Seele Stück für Stück wieder zusammen zu setzen. Das macht mich glücklich und auch stolz auf mich.

              In einem Buch stand neulich etwas von Integrität, das musste ich erst einmal nachschlagen, was das bedeutet:
              Integrität ist eine ethische Forderung des philosophischen Humanismus, nämlich die Übereinstimmung zwischen idealistischen Werten und der tatsächlichen Lebenspraxis.
              http://de.wikipedia.org/wiki/Integrität_(Ethik)
              Ich hatte vergessen, was meine Werte und Vorstellungen sind. Ich habe also derzeit keine Integrität, aber ich hatte mal eine, daran kann ich mich noch erinnern. Das war vor 40 Jahren, also als ich so ungefähr 4 Jahre alt war. Da stimmten meine Werte noch mit meiner Lebenspraxis überein.

              Doch meine Lebensumstände ließen eine weiterführende und sich aufbauende Integrität nicht zu und so habe ich mich bereits als Kind von ca. 7-8 Jahren verloren.

              Heute kann ich mir das selbst kaum noch vorstellen, wie das damals war...

              • Ich habe jeden Tag von meinen Eltern gesagt bekommen, dass ich ein schlechter, dummer, fauler und nichtsnutziger Mensch sei, jeden Tag, wann immer ich mit ihnen zusammen war. - Kein Wunder also, dass ich am liebsten Draußen gespielt habe.
              • Und wenn mir etwas passiert war, wie z.B. Fahrradunfall oder so was, dann hat mich vor allem mein Vater stundenlang angebrüllt, wie unfähig ich sei und dass das natürlich nur wieder mir passieren konnte. - Kein Wunder also, dass mir andauernd was passierte.
              • Wenn etwas bei uns kaputt war, was ja in jedem Haushalt mal vorkommt, dann brüllten sie zuerst immer nach mir und schrien mich so lange an, bis ich gestand, es gewesen zu sein, auch wenn ich es nicht war, aber dann waren sie ruhig. Sie haben mir beigebracht zu lügen und die Schuld auf mich zu nehmen, was als Autist gegen meine Natur ist. - Kein Wunder also, dass ich mich für alles, was anderen passierte, schuldig fühlte und mich für alles, was mir passierte, zum Tode verurteilte.
              • Wenn ich mich zaghaft wehrte, also mal sagte, "Papa ist blöd" oder so was oder aussprach, was alle dachten, dann gab es von meiner Mutter Schläge ins Gesicht und von meinem Vater Prügel mit dem Kochlöffel. - Kein Wunder also, dass ich erst jetzt lerne, mich zu wehren und es vorher nicht gewagt habe.
              • Und wenn ich eine eigene Meinung hatte und nicht das tat, was sie wollten, dann zog ich mir ihren Zorn zu und sie versagten mir auch noch das kleinste Lächeln, die winzigste Zustimmung oder das, was sie Liebe nannten. - Kein Wunder also, dass ich heute meine Integrität nicht mehr kenne.

              Ich glaube aber, dass meine Integrität nicht verloren ist, sondern ich sie lediglich verlegt habe. Also wird sie sich finden lassen.

              Ich möchte meine Integrität endlich wieder haben. Daran arbeite ich.

              Condor

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                Hallo Condor,

                ich finde auch dass du stolz auf dich sein kannst und bei dem was du erlebt hast ist es auch kein Wunder, dass du viel aufzuarbeiten hattest und/oder hast.

                Was ich dagegen nur schwer nachempfinden kann ist, warum du mit den dir schadenden Personen in Kontakt bleibst. Gäbe es keine Möglichkeit, sich von den Eltern mehr oder ganz zu distanzieren oder sich vom Partner zu trennen?
                Das klingt jetzt etwas extrem und ich weiß dass das in der Praxis ganz ganz schwer oder sogar fast unmöglich sein kann, aber es interessiert mich was du darüber denkst.

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                  Hallo Maika,

                  mit meinen Eltern habe ich eine lange Odyssee der Aufarbeitung durch. Ich hatte vor ein paar Jahren den Kontakt zu ihnen für knapp 3 Jahre eingestellt. Das hat uns allen sehr geholfen, auch wenn es meine Eltern nicht so sehen.

                  Meinen Eltern habe ich im großen und ganzen verziehen. Sie konnten nicht anders, als sie es getan haben. Sie haben es als das Beste für mich angesehen und es war ihre Art der Liebe für mich, auch wenn ich es nicht so erlebt habe.

                  Ich habe inzwischen verstanden, dass ich meine Eltern, sowie jeden anderen Menschen, nicht ändern kann.

                  Ich habe die Wahl, ob ich es akzeptieren möchte oder nicht, ob ich den Kontakt halten möchte oder nicht. Ich habe mich für den Kontakt entschieden. Früher hatte diese Entscheidung viel mit unserem Sohn zu tun, der auf den anderen Opa väterlicherseits bereits verzichten muss, da dieser ihn ignoriert (weil der Schwiegervater mich nicht mag). Da habe ich gedacht, soll unser Sohn wenigstens meine Eltern als Großeltern haben, die ihn mögen und ihm Geschenke machen und Geld geben. Unser Sohn mag seine Großeltern, auch wenn sie nicht so viel für ihn getan haben, aber sie sind freundlich und lieb zu ihm und das respektiere ich.

                  Heute denke ich, dass ich auch zu meinen Eltern Kontakt hätte, wenn ich kein Kind hätte. Bei allem, was sie getan und auch nicht getan haben, sind sie meine Eltern. Vor ihnen zu flüchten, wäre für mich, wie vor meiner Vergangenheit zu flüchten. Das kommt für mich aber nicht mehr in Frage, schon lange nicht mehr. Ich habe meine Vergangenheit größtenteils aufgearbeitet, auch wenn die Narben immer noch dann und wann schmerzen.

                  Genauso verhält es sich mit meiner Frau (vorher Partner, hat ja von Mann zu Frau gewechselt). Ich bin von vielen Leuten gefragt worden, warum ich nicht gehe? Und ich konnte es nie beantworten. Irgendetwas hielt mich hier.

                  Ich denke, dass ich noch hier bin, liegt daran, dass ich nicht flüchten will. Ich will nicht mehr weglaufen. Ich will hier vor Ort meine Probleme, meine Ängste und all das andere Zeugs angehen. Wenn ich vor meinen Problemen weglaufe, kann ich sie nicht mehr lösen lernen. Ich habe hier die Chance, ohne um mein Leben oder das meines Sohnes fürchten zu müssen, ein für alle mal mein Leben zurück zu bekommen.

                  Wenn diese Beziehung irgendwann zu Ende ist und das wird sie irgendwann sein, dann will ich ohne Angst gehen können, mit erhobenem Haupt sozusagen.
                  Und dann will ich auch nicht aus Angst, Schuld- oder Pflichtgefühlen zurückkommen.

                  Das kann ich aber nicht, wenn ich weglaufe. Dann kommt irgend ein anderer und macht mir das Leben zur Hölle, weil ich nicht genug dazu gelernt habe. Das ist mir in meinem Leben schon so oft passiert und damit ist nun Schluss.

                  Ich merke das vor allem dann, wenn ich für ein WE allein wegfahre. Sobald meine Frau weg ist, ist die Angst, der Druck und alles andere, was mich belastet, fort. Das ist für den Moment sehr schön und ich genieße diese WE allein in einer Hütte, die ich mir anmiete, aber es gibt dann auch keinen Grund mehr für mich, mich weiter zu entwickeln, an mir zu arbeiten. So lange also mein Problem um mich herum ist, kann ich an mir arbeiten. Klingt wahrscheinlich ziemlich paradox, oder?

                  Vielleicht liegt es auch an meinem Autismus, wir Autisten lernen schließlich oft ganz anders. Vielleicht liegt es auch einfach an mir, an meinen ganzen gesammelten Erfahrungen... wer weiß.

                  Meine Geschwister haben von sich aus den Kontakt zu mir abgebrochen und ich treffe sie seit 7 Jahren nicht mehr. Anfangs habe ich mir dafür die Schuld gegeben, das waren harte Zeiten.
                  Inzwischen weiß ich, dass sowohl der Kontaktabbruch, als auch die Strenge, mir der sie mich meiden - sie nehmen nicht mal ein Glas selbst gekochte Marmelade von mir oder eine Gemüsepflanze, wenn ich zu viele davon habe - hat nichts mit mir und meiner Person zu tun, sondern ausschließlich mit ihren Vorstellungen und Erwartungen, die ich nicht erfülle.

                  Auch wenn es manchmal noch weh tut, aber sie haben das Recht, so zu handeln, denn jeder Mensch hat das Recht auf seine Meinung, auch wenn sie falsch ist und sie mir damit Unrecht tun.

                  Condor

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                    Hallo ihr,

                    vor ein paar Stunden bin ich nach Hause gekommen, weil ich auf meinem WE, ganz allein in einem Ferienhaus war.

                    Die Stille, die Ruhe und einfach mal keine Verpflichtungen zu haben, tun mir immer sehr gut. Alles in mir beruhigt sich sozusagen.

                    Allerdings kamen mir an diesem WE doch wieder ein paar alte Gewohnheiten namens Selbstkritik und Selbstvorwürfe in die Quere.

                    Ich weiß zwar, dass mir Selbstkritik nicht hilft, mich zu verändern und Selbstverurteilung zu Gefühlen von Groll und Depression führen, aber leider merke ich das nicht immer sofort. Das ist dann, wenn ich es bemerke, ein Grund mit mir selbst hart, sehr hart ins Gericht zu gehen. Überhaupt ist der Druck, den ich mir selbst mache, eins meiner größten Probleme, auch wenn mir hierbei inzwischen bewusst ist, dass all meine negativen Gedanken über mich und all die hohen Ansprüche an mich die 1:1 Übernahme dessen ist, was meine Eltern von mir gedacht und wie sich mich behandelt haben.

                    Daraufhin habe ich mit mir geredet und ja klar, ich arbeite mit dem Buch erst seit 3 Monaten, während meine alten Gewohnheiten schon 40 Jahre alt sind.

                    Es ist zum verrückt werden (und ich meine das auch genau so und nicht als Spruch), weil ich habe so unendlich viel Geduld mit anderen, mit meiner Mutter z.B., die bis Heute nichts und wirklich nichts Positives an mir findet und mich am liebsten in ihre Tochter zurücktauschen würde wollen, aber ich habe Geduld mit ihr und nehme sie so, wie sie ist.

                    Und was mache ich mit mir? Ich führe mich zum Schafott, wenn ich auch nur einen kleinen Fehler mache und nicht mal das kann ich hier zu Hause bei mir öffentlich sagen, weil meine Frau mir daraus in einer Woche oder in einem Jahr einen Strick drehen und es gegen mich verwenden könnte.

                    Wie soll ich dabei ich sein?

                    Condor

                    Kommentar


                      Ich sollte mir vermutlich keine Filme von anderen Autisten ansehen und auf der anderen Seite habe ich heute Mittag einer Frau geschrieben, die mir schon seit etlichen Monaten verspricht, eine Selbsthilfegruppe für Autisten aufzumachen, also Räume bereit zu stellen, Anzeige in der Zeitung schalten und so. Bisher hat sie mich nämlich immer vertröstet, aber meine Geduld darauf zu warten, ist so langsam erschöpft.

                      Ich möchte also andere Autisten kennen lernen und bin doch verwirrt, wenn ich davon was im Fernsehen sehe (ins Kino gehe ich schon seit Jahren nicht mehr, zu viel Stress).

                      Was heißt verwirrt, aber wenn ich mir danach Gedanken darüber mache, ob ich wirklich ich bin oder ob das, was ich hier schreibe, wirklich meines inneren Ichs entspricht, dann nenne ich das verwirrt sein.

                      Ich fühle mich nicht ganz, jedenfalls jetzt nicht. Das kann in ein paar Stunden oder auch Minuten wieder ganz anders aussehen.

                      Es fühlt sich so an, als wenn das, was ich jetzt gerade bin, nur eine Hülle über dem ist, wer ich eigentlich bin.

                      Es ist so, als wenn diese Hülle alt und brüchig wird und an einigen Stellen abgeht. Aber ich will das nicht.

                      Viele haben hier in meinem Thread immer wieder geschrieben, dass ich nicht autistisch sei oder dass sie selbst nicht anders wären als ich und das das alles normal sei, was ich denke, was autistisch sein könnte.

                      Mag sein, dass es so rüberkommt, weil ich meinen Autismus verstecke und hier im Forum fällt dann nur noch auf, dass ich ein zu weilen merkwürdiger Sonderling bin, der so manchem auf die Nerven geht.

                      Ich kann mich erinnern, dass ich mir selbst als Kind/Jugendlicher ein Versprechen gegeben habe. Lange konnte ich mich nicht an das Versprechen erinnern, nur daran, dass ich mir eines gemacht hatte. Jetzt denke ich, dass ich weiß, was ich mir damals versprochen habe und was ich bis Heute nicht gebrochen habe:
                      Ich verspreche mir, dass ich niemals mehr irgendeinem Menschen zeigen werde, wer ich wirklich bin.

                      Ich hatte daran lange nicht mehr gedacht. Ob es jetzt hochgekommen ist, weil ich ein bisschen einen Film über einen Autisten gesehen habe (den Film, den jeder kennt, den ich mir aber nie so lange ansehen kann, weil mich Tom Cruise zu sehr nervt) oder liegt es daran, weil ich mit dem Buch von Doris Wolf arbeite und von dort her Dinge in Bewegung kommen, die bisher nicht in Bewegung kommen konnten?

                      Ich habe Angst vor meiner autistischen Seele.

                      Das Wegdrücken des eigenen Seins kann man sich so vorstellen, als wenn man im Schwimmbad die ganze Zeit versucht, einen großen, mit Luft gefüllten Ball unter Wasser zu halten.
                      Auf Dauer ist das super anstrengend und es gelingt einem immer weniger diesen Ball unter Kontrolle zu halten.
                      Und irgendwann fängt man an diesen Ball zu hassen, denn er tut nicht das, was man von ihm verlangt.
                      Man macht alles, damit dieser Ball bloß nicht an die Oberfläche kommt, setzt sich drauf, drückt ihn immer runter usw. und es sieht für andere komisch aus, weil sie nicht verstehen, was man tut.

                      Wie es aussieht, habe ich doch mehr zu verstecken versucht, was nicht versteckt werden kann.

                      Condor

                      Kommentar


                        Hallo Condor,

                        es ist nicht einfach, darauf zu antworten. Jedenfalls ist jemand, der sich zum Schafott führt, wenn er nur einen kleinen Fehler macht, sicher sehr hart gegen sich selbst. Woher kommt diese Härte? Und wie könntest du sie mildern?

                        Zeigst du dir, wer du wirklich bist?

                        Und warum hast du dir dieses Versprechen gegeben? Kann es sein, wenn du es brichst, dass es dir dann noch weiter besser gehen würde?

                        Vielleicht ist es ganz gut, die alte Pelle los zu werden?

                        Sein Sein wie einen Ball unter Wasser zu drücken, ist ja wirklich (auch) eine ganz harte Geschichte. Kannst du den Ball nicht einfach aufschwimmen lassen und dann ignorieren? Das kostet weniger Kraft. Vielleicht wird es gar nicht schlimm, wenn er oben schwimmt?

                        Du arbeitest sehr an dir und ich hoffe sehr, dass du dich weiter und weiter entwickeln kannst ...

                        VG

                        Sabine

                        Kommentar


                          Heute Morgen habe ich mir mal ganz viel Zeit genommen und bin meine bisherigen Aufzeichnungen aus dem Buch von Doris Wolf noch mal durchgegangen. Das hat mir gut getan, jetzt bin ich nicht mehr so durcheinander.

                          Allerdings, denke ich, dass es nun wohl so an der Zeit ist, das letzte Stück Weg zu mir selbst einzuschlagen und das zu befreien, was da in mir schlummert. Ich möchte ja irgendwann mal wieder ganz sein.

                          Es ist schon merkwürdig, wenn man vor sich selbst Angst hat.

                          Es ist auch nicht nur Angst... es ist mehr so eine Mischung aus Aufregung, Angst, aber auch Freude und Überraschung.

                          Ich hatte dann heute im Laufe des Vormittags ein kurzes Schläfchen und darin einen Alptraum, den ich, leicht verändert jedes Mal, schon öfter hatte. Es ging dabei um mein autistisches Selbst, welches raus möchte, aber gleichzeitig auch bereits so viele Menschen erschreckt hat und jedes Mal abgelehnt wurde.

                          Da kommt dann die Angst ins Spiel. Was, wenn ich wieder Menschen erschrecke? Wenn ich wieder abgelehnt und ausgelacht werde?

                          Aber ich sage mir auch, dass ich jetzt erwachsen bin und mich wehren kann, anders wehren kann, als ich das als Kind nicht konnte und ich meine Übungen machen kann, die mir helfen, anders zu denken und mich damit anders zu fühlen.

                          Was meine Beziehung angeht, da haben mir eigentlich alle Ärzte und Psychologen immer dazu geraten, dass ich bei mir bleiben soll. *lach* Eigentlich eine der ureigenen Eigenschaften von Autisten, die ja meistens bei sich sind, aber ausgerechnet das habe ich verlernt, zumindest, wenn ich nicht allein mit mir bin.

                          Meine XX (ich kann die Bezeichnungen meine Frau, meine Freundin und meine Partnerin nicht akzeptieren, deswegen schreibe ich das jetzt so) mag keine Autisten. Pech für sie, sie hat 2 davon hier zu Hause.
                          Wenn ich etwas Autistisches tu, dann zieht sie mich damit auf, äfft mich nach oder sagt mir ganz direkt, dass ich das lassen soll.
                          Das und die Angst, mein Sohn guckt sich meine autistischen Verhaltensweisen ab (hat er nicht, er hat eigene autistische Verhaltensweisen entwickelt ), haben mich dazu gebracht, in meiner Familie auf meine autistischen Verhaltensweisen zu verzichten. Das hat mir nicht gut getan.

                          Ich habe mir jetzt gedacht, dass ich mit meinen autistischen Verhaltensweisen vielleicht langsam wieder anfange, erst nur, wenn ich allein bin und wenn ich dann sicher bin, dann langsam auch vor Publikum... weiß nicht, ob das so geht.

                          Da ist noch viel zu lernen. Manchmal habe ich keine Lust... aber, was ich dann erlebe, treibt mich dann wieder an, weiter zu machen, nicht aufzugeben.

                          Hallo Sabine,

                          unsere Beiträge haben sich überschnitten, deswegen schreibe ich dir hier noch was dazu.

                          Die Härte, mit der ich mir selbst begegne ist die 1:1 Übernahme dessen, was meine Eltern (und auch andere) von mir gedacht haben, wie sie mich erzogen und behandelt haben. Ich weiß das, ich arbeite daran, aber das geht leider nicht von heute auf morgen abzustellen.

                          Noch kann ich mir nicht zeigen, wer ich wirklich bin. Das waren in der neueren Vergangenheit immer nur kurze Sequenzen, heute war es zum ersten Mal etwas länger, etwas deutlicher. Da ist es wohl besser für mich, wenn ich da noch viel Geduld habe.

                          Das Versprechen habe ich mir damals gegeben, damit mich nie wieder irgendein Mensch verletzt, mich ablehnt, über mich lacht oder sonst wie weiter missbraucht. Das hat allerdings nicht funktioniert...

                          Ich gebe generell selten ein Versprechen, weil ich weiß, dass man sie besser einhält. Wenn ich dann ein Versprechen mache, dann halte ich daran fest, auch 40 Jahre lang.

                          Den Ball kann ich nicht ignorieren, denn dann hieße das ja, dass ich mich selbst ignorieren müsste. Das habe ich ja schon so lange getan oder besser gesagt, versucht.

                          Nein, für mich ist es besser, hinzuschauen, anzunehmen und die Angst abzubauen.

                          Schön, dass du geantwortet hast. Das ist vermutlich nicht leicht, es ist ein sehr komplexes Thema. Aber ich würde es hier nicht aufschreiben, wenn ich keine Antworten haben wollte.


                          Condor

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                            Wenn du immer mehr von dir zulässt, wirst du irgendwann erkennen, wer du bist.

                            Ich habe auch nicht zu allem von mir einen klaren Bezug. Ich kann das Bewußtsein für Fähigkeiten weg blenden. Seitdem ich weiß, dass ich Dinge (an mir) nicht sehe, die vorhanden sind, kann ich auch Dinge, die ich an anderen nicht mag, bewusster ausblenden. Das nutze ich erst seit relativ kurzer Zeit, um Blödes nicht zu nah an mich ran zu lassen.

                            Dass du den Ball (skeptisch) siehst und spürst, ist doch schon sehr viel. Vielleicht kannst du noch viele andere tolle Dinge mit ihm machen, wenn du ihn nicht mehr so dolle unterdrückst. Du könntest mit ihm spielen oder trainieren, wie mit so einer Wassernudel.... Du könntest andere suchen, die mit dir Wasserball spielen... und wenn du ganz cool bist, lässt du Luft raus ;)

                            Ich finde, du machst das wirklich gut. Auch wenn es dich so viel Kraft kostet. Es ist wirklich gut und für dich eingesetzte Energie.

                            Ein schönes Wochenende wünsche ich.

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                              Hallo Sabine,

                              das WE war recht turbulent... am Samstag wollte ich nett kochen und als ich den Backofen einschaltete, war das ganze Haus dunkel. Sicherung war raus. Auch beim nächsten Versuch funktionierte es nicht mehr, also war der Backofen kaputt.
                              Zum Glück war Samstag und meine XX war auch zu Hause, so dass wir in die Metro gefahren sind und einen neuen Herd gekauft haben. Interessanterweise hatte ich genau 2 Tage vorher in der Metro-Post einen tollen und günstigen Markenherd gesehen, vor allem die Herdfläche mit Bräterzone fand ich so toll, weil wir uns die damals, als wir gebaut hatten, nicht leisten konnten. Und ich hatte noch so gedacht, das wäre doch ein toller Herd und dann geht unserer 2 Tage später kaputt...

                              Wenn wir dann schon mal in der Metro sind, kauft man ja immer noch etwas mehr und ich habe mir einen Philips Airfryer geleistet (weil auch gerade in der Werbung mit Grillpfanneneinsatz im Wert von 40 Euro umsonst dazu) mit dem ich schon seit längerem geliebäugelt hatte, da unser Sohn sich überwiegend von Fleisch und von sämtlichen gebratenen Kartoffelspezialitäten ernährt (einseitige Ernährung kommt bei Autisten häufig vor, siehe auch das Buch von Nicole Schuster "Ein guter Tag ist ein Tag mit Wirsing"). Und das ist dann eben nicht so einfach, wenn es nicht nur schmecken, sondern auch nicht so fetthaltig sein soll. - Kann nur jetzt nach kurzem Gebrauch sagen, das Teil ist supertoll, hat sich echt gelohnt.

                              Den neuen Ofen hat meine XX dann erst am Sonntag Vormittag eingebaut und so konnte ich erst danach kochen. Und weil das alles so neu war, bin ich dann auch leicht gestresst, weil wie du vielleicht weißt, mögen Autisten nicht gerne Veränderungen.

                              Es ist schön, dass du manche Dinge nicht an dich heranlassen oder ausblenden kannst. Autisten können das so nicht. Asperger Autisten können das am wenigsten, deswegen sind wir auch immer so schnell kaputt und erschöpft, weil schon einkaufen zu einer echten Herausforderung mutieren kann. Da sind so viele Menschen, so viele Gerüche, Musikbeschallung, so viel zu gucken und zu lesen... das ist so anstrengend, jedenfalls für mich. Mittlerweile gehe ich aber lieber allein einkaufen, als mit XX zusammen, denn dann muss ich nur auf mich aufpassen und nicht auch noch auf sie, die plötzlich mit dem Wagen abhaut und dann völlig geistesabwesend zwischen irgendwelchen Regalen steht oder mir ständig im Weg steht und mich mit belanglosem Zeugs zuquatscht, während ich versuche, mich auf den Einkauf zu konzentrieren...

                              Ich hoffe, dass sich bald die Autistenselbsthilfegruppe zusammenfindet, weil ich denke, dass ich mich dort aufgehobener fühle.

                              Ich schreib gleich noch was anderes, aber das wird in diesem Beitrag zu lang, außerdem muss ich noch die Pumpe vom Aquarium sauber machen.

                              Condor

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                                Hallo Condor,

                                dann wünsche ich dir, dass der Wunsch nach der Selbsthilfegruppen zügig in Erfüllung geht, jetzt, wo du so einen tollen Herd und äh, dieses airdings, da muss ich erstmal goglen, hast....

                                gefunden, das Ding ist ja echt klasse, wie es aussieht

                                Sich ungesund zu ernähren, ist einfach, da haben wir etwas gemeinsam ;)

                                Alles Gute!

                                Sabine
                                Zuletzt geändert von Sabine_nrw; 24.11.2014, 19:12. Grund: Airfryer gegoogelt

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