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mutters emotionale erpressung

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    mutters emotionale erpressung

    hallo ihr lieben,

    ich denke gerade über den aktuellen brief meiner mutter nach...
    es ist mal wieder so weit, die hälfte des briefes handelt davon, wie schlecht es ihr doch geht, weil sie mich so lange nicht mehr gesehen hat, wieviele nächte sie sich meinetwegen in den schlaf weint...bestimmt überlebt sie es nicht, bis ich mir das überlege, meine mutter oder meine eltern mal wieder sehen zu wollen...es macht mich WÜTEND!

    kennt das jemand von euch und wie geht ihr damit um?

    ich hab vor einigen jahren den kontakt abgebrochen, als mir bewusst wurde, wieviel altlasten ich mit mir rumschleppe. in der zeit darauf ergab sich ein vorsichtiger briefkontakt mit meiner mutter, wo wir das erste mal in unserem leben herzlich miteinander umgehen konnten...
    leider kommt das immer wieder und ich bin es ein bisschen leid, schon wieder zu sagen, hallo, ich will gerade nicht, akzeptier das bitte...
    nein, ich habe keinen guten kontakt zu ihnen, ihre nähe ist mir nicht angenehm und im großen und ganzen haben wir uns nicht viel zu sagen.

    vor allem will ich nicht, dass so eine show abgezogen wird. herrjeh, so richtig kann ich meine wut nicht rauslassen, oder vielleicht hab ich das auch schon einfach zu oft getan, vielleicht bin ich einfach müde und will meine ruhe.

    ich bin nicht dafür verantwortlich, dass es meiner mutter gut geht. ich KANN sie gar nicht glücklich machen, sie wäre ein fass ohne boden und würde mich verschlingen mit haut und haar, ich könnte quasi tag und nacht an ihrer seite sitzen und ihre hand halten und es würde bestimmt nicht genügen...hmmm...fiese sache, wie ich finde...

    puh, hoffentlich bin ich nicht genau so, und rücke anderen genau so unangenehm auf die pelle...naja, vermutlich mache ich aus angst genau das gegenteil...und wie finde ich die mitte?

    muss ich mich zum hundersten mal abgrenzen, oder wäre es angebracht, konsequenzen zu ziehen, und wenn ja, welche? momentan hab ich tatsächlich echt gar kein interesse an kontakt, ohne großen hintergrund, relativ emotionslos...oder schwebt dieser druck doch von mir unterdrückt im hintergrund???

    und nein, ein besuch, einfach nur damit meine mutter erstmal ruhe gibt, kommt für mich nicht in frage. das hab ich bis vor 5 jahren gemacht, regelmäßig die besuche meiner eltern über mich ergehen lassen. hinterher ging es mir immer sehr schlecht, ich war dermaßen erschöpft und ausgelaugt und verspannt, das könnt ihr euch nicht vorstellen. das will ich nicht...

    ratlose, müde grüße

    #2
    Hallo liebe Fortuna,

    da ich nie (selten) die richtigen Worte finde, nur eine kurze Antwort für dich. Mir tut es sehr leide, dies lesen zu müssen. Gleichzeitiig kann ich dich irgenwie verstehen. Ich kann dir nur meine Geschichte erzählen:

    Von meinen Eltern werde ich kaum (gar nicht - meiner Ansicht nach) gesehen. Wir sind drei Geschwister - nur meine jüngere Schwester wird heftigst bedaudert und umsorgt ... Anfangs tat mir das sehr weh; inzwischen habe ich ich mich ein Stück "daran gewöhnt" ... Manchmal habe ich den Eindruck, sie bemühen sich mehr, gleichzeitig denke ich, "es ist nur zweckgebunden". Im Sommer kann mich als Hilfe (für meine Schwester und meine Eltern) gebrauchen. Das allerblödesteste ist, dass ich es, da ich sehr gerne GESEHEN UND WAHRGENOMMEN werden möchte, mich noch "anbiete" für solche Aktionen.

    Ich weiß auch nicht so genaui, ob es besser ist, mich abzugrenzen, mein Leben zu leben. Ich habe auch das Gefühl, viel zu sehr (noch) mit meiner Verwandtschaft verbunden zu sein, helfen zu möchten. Aber: wer ist für mich da? Wer hilft mir?

    Liebe Fortuna, ich weiß dir selber keinen Rat, kann allerdings einigermaßen nachvollziehen, wie weh es tut, keinen oder schlechten Kontakt zur Familie zu haben.

    Hoffnungsvolle

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      #3
      Hallo Fortuna,

      ich würde ihr zurück schreiben. Wie es mir gerade so geht, was ich tue, was ich als nächstes plane, womit ich meine Zeit verbringe.... Was immer Du erzählen willst.

      Sich gar nicht zu melden... klar, da nervt das anerzogene, schlechte Gewissen. Und vielleicht wäre es tatsächlich besser, sich überhaupt nicht mehr zu melden. Aber... irgendwie geht das auch nicht...

      Also würde ich ihr - wie gesagt - schreiben. Von Hinz und Kunz, von Gott und der Welt, vom Wetter, davon, wie oft der Nachbar seinen Rasen mäht und von Deinem Erlebnis mit Zettel-fressenden Schnecken... Alles... aber kein Wort, keine Erwiderung auf ihre emotionalen Erpressungen. Keine Entschuldigungen, keine Erklärungen in dieser Hinsicht.

      Sie wird denken, Du seist jetzt (endgültig??) durchgeknallt. Das kann Dir egal sein. So wie Du es schreibst, hat sie sich (scheinbar) eh längst ihre Meinung über Dich gebildet und ist auch nicht mehr gewillt, davon abzurücken.

      Also... was soll's? Schreib ihr zurück, damit hast Du Dein (evtl.) schlechtes Gewissen befriedigt, Du hast Dich dann gemeldet. Niemand kann Dir vorschreiben, wie Du Dich melden sollst.

      Ignoriere ihre Attacken... genieß' das Gefühl, Dich gemeldet zu haben, ohne sie sehen zu müssen.

      Verschließe den Brief, kleb ne Briefmarke drauf, werf' ihn in den nächsten Briefkasten und dann... vergiß' ihn.

      LG
      Spunk

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        #4
        Wut über Mutter

        Liebe Fortuna,
        was du da schreibst, kenne ich nur zu gut! Lass dich bloß nicht weichkloppen durch die Schuldgefühle, die sie dir wirklich massivst versucht einzureden! Das nennt sich ja wohl emotionale Ausbeutung in der reinsten Form! Da werde ich gleich zusammen mit dir wütend, bei so extremem egoistischen Getue von deiner Mutter! Wie wäre es, wenn du dir jetzt erst mal ein Kissen schnappst und darauf einprügelst, stellvertretend anstelle auf deine Mutter? Wenn bei mir die Wut so richtig hochgekocht ist, hat mir das sehr gut getan. Nicht gut ist es meiner Meinung nach, in solch einer Situation die Wut zu unterdrücken, sie ``wegzurationalisieren`` und dabei womöglich auch noch Schuldgefühle zu bekommen, weil es der armen Mutter doch so schlecht geht und man deshalb doch nicht wütend sein darf. Oder du joggst noch ne Runde um den Häuserblock, das kann auch Stress abbauen.
        Wie du dich fühlst, kann ich nur zu gut nachvollziehen. Meine Mutter heult auch schon seit Jahren rum, wie schlecht es ihr geht - und je mehr ich versuche, ihr deutlich zu machen, dass ich mein eigenes Leben leben will und je mehr ich versuche, mich abzugrenzen, desto mehr leidet sie.
        Ich habe viele viele Therapiestunden gebraucht, um über meine Schuldgefühle hinwegzukommen - mittlerweile klappt es schon ganz gut.
        Ich gebe dir volkommen recht, wenn du sagst, dass D U sie nicht glücklich machen kannst - das ist ganz allein I H R E Sache und auch ganz bestimmt nicht D E I N E Aufgabe - schließlich ist sie deine Mutter und du nicht ihre. Ich gebe dir auch recht, dass deine Mutter ein Fass ohne Boden wäre und dich mit Haut und Haaren verschlingen würde.
        Ganz krass hat sich dies bei meiner Mutter bei mir jetzt gezeigt: Ich leide an Depressionen, aus denen ich mich gerade mühsam herausarbeite - aber selbst das reicht meiner Mutter nicht, um mich in Ruhe zu lassen. Auch ich habe sie seid drei Jahren nicht mehr gesehen und mich abgegrenzt. Vor ca 1 Jahr haben wir wieder vorsichtigen Kontakt zueinander aufgenommen und telefonieren jetzt auch ab und an wieder - und siehe da: Ich musste leider feststellen, dass alles beim Alten geblieben ist: Es geht meistens immer nur um sie, um ihre Krankheiten, wie schlecht es ihr geht - und es kommen jedesmal neue Krankheiten hinzu. Für meine Depressionen interessiert sie sich nur wenig und es kommt nur sehr wenig Empathie von ihr rüber. Gestern Abend hat sie mich angerufen und es ging schon wieder so los: 20 Minuten ohne Unterbrechung hat sie nur von sich erzählt und wie schlecht es ihr doch geht. Nun haben sich bei mir in den letzten zwei Wochen meine Depressionen auch wieder verstärkt und ich konnte ihr gar nicht richtig zuihören - hat sie aber auch nicht gemerkt - Hauptsache, sie konnte ihren Müll loswerden.
        Ich habe während des ganzen Gesprächs gedacht: Wann geht es hier eigentlich endlich mal um M I C H ??? Selbst wenn ich Depressionen habe, scheint sie ja vor nichts zurückzuschrecken - das meinte ich im Bezug auf ``mit Haut und Haaren verschlingen``. Wie ich damit umgegangen bin?
        Ich habe es gestern zum ersten Mal geschafft, mich gut abzugrenzen. Als sie mich dann endlich gefragt hat, wie sie mir in meiner jetztigen Stimmung helfen kann, habe ich ihr gesagt, dass es das beste ist, wenn wir nur noch alle drei Monate miteinander telefonieren, da mich der gedanke an ihre Krankheiten immer so traurig macht und das neue Depressionen bei mir auslöst. Da konnte sie dann ja nicht anders, als zu sagen, dass sie dafür Verständnis hat, auch wenn ich gemerkt habe, dass ihr das ziemlich zugesetzt hat. So ganz die Wahrheit habe ich ihr damit zwar nicht gesagt, denn die Depressionen werden nicht dadurch ausgelöst, dass ich so traurig über ihre Krankheit bin, sondern weil ich mich so schlecht von ihr abgrenzen kann durch die Schuldgefühle, die sie mir seit Jahren einredet - aber ich bin sehr zufrieden mit mir, denn durch ihr Rumgejammere hat sie nun genau das Gegenteil von dem bewirkt, was sie sich eigentlich erhofft hatte.
        Also liebe Fortuna, bleib schön abgegrenzt - zur Not würde ich es deiner Mutter klipp und klar sagen und ihr direkte Handlungsanweisungen geben, dass sie ihr Rumgejammere lassen soll - ich befürchte, dass sie sonst immer so weitermachen wird.
        Alles Liebe einschönertag

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          #5
          Liebe Fortuna,
          ich muß sagen das zu lesen hat mich sehr berührt. Ich hatte selber einige Zeit lang zu meiner Mutter einen schlechten Kontakt. Meine Eltern waren damals in der Trennungsphase und sie hat mir üble Sachen an den Kopf geworfen.
          Aber mittlerweile habe ich ihr verziehen, jedoch nicht vergessen, denn ich weiß es war die schlimmste Zeit in ihrem Leben.
          Ich kann mir ein Leben ohne Kontakt zu meiner Familie überhaupt nicht vorstellen. Natürlich hat man zu dem einem mehr Bezug als zu dem anderen, Z.B. habe ich zu meiner Cousine mehr Kontakt als zu meinen Brüdern. Und trotz allem weiß ich wie sie sind und kann immer auf sie zählen!!! Und das ist wirklich so!
          Deswegen kann ich Deine Situation aus meiner Sicht nur bedauern und finde es schade für Dich. Denn der Zusammenhalt innerhalb der Familie ist enorm.
          Natürlich hat man Tage an denen man niemand sehen oder hören will und oftmals können Verwandte sehr nervig sein. Dennoch versuche ich viele Sachen mit einem Augenzwinkern zu sehen, da ich ohne sie verloren bin in dieser Welt.
          Ich kann Dir wirklich nur wünschen, daß Du und Deine Eltern irgendwann wieder eine Beziehung zueinander aufbauen könnt. In der es allen Kraft und positive Energie gibt.

          Viel Erfolg

          Liebe Grüße Sonnentanz

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            #6
            Hallo ihr 2 Lieben!

            Zitat von Fortuna
            ... kennt das jemand von euch und wie geht ihr damit um?
            Auch ich hatte vor ca. 10 Jahren den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen, einfach weil es unerträglich war. Immer diese Erwartungen, hilf uns und trotzdem jeden Rat ignorieren und dann ging es schlussendlich auch noch um Geld, dass sie mir bis heute nicht zurückgegeben haben. Das lief dann so, ich bin mal wieder vorbeigekommen und meine Mutter wollte von mir die Absolution für ihr Handeln - die hab ich natürlich verneint. Darauf gab's einen hysterischen Anfall und ich wurde von meinem Vater aus dem Haus geleitet. Nach dem 5. Mal bin ich halt nicht mehr hin.

            Das Problem das dann entstand war aber, dass meine Schwester immens darunter zu leiden hatte. Einerseits hat sie den Kontakt zwischen den Fronten hergestellt, andererseits musste sie sich den ganzen Schund anhören.

            Also haben wir begonnen gemeinsame Familienfeste an neutralen Orten abzuhalten, meist bei meiner Schwester. Da musste meine Mutter nix vorbereiten und wusste wenn sie sich nicht benimmt fliegt sie raus. Und das war dann auch der erste Schritt wieder ein Stück weit aufeinander zu.

            Seit knapp 2 Jahren hat sich dieses statische Konstrukt dann aber erheblich verändert:
            Um das mit meiner Mutter überhaupt aushalten zu können hab ich als Kind begonnen mich völlig zu kontrollieren und keinerlei Gefühle mehr zuzulassen - prima Ausgangslage für eine erfüllte Partnerschaft, oder!?!.

            Im Sommer 2007 war dann der Druck bei mir (Schlafstörungen, enormes Schwitzen, Probleme mit den Armen, dem Greifen "begreifen") so groß, dass ich mich entschlossen habe wieder den Weg zurück ins Gefühls-Leben zu suchen. Eine "zufällig" in mein Leben huschende Schulfreundin war mittlerweile als Heilpraktikerin tätig.
            Und so konnten die ersten Missverständnisse / Glaubenssätze aufgelöst werden und ich begann parallel einiges an Büchern zu lesen.

            Und da bin ich über 3 Gedichte / Zitate gestolpert die mir immer bewusst waren, ich aber nie mir gegenüber zugegeben hätte.

            Zitat von Fritz Riemann - Tragikomik
            Fragen, die man falsch gestellt,
            Schafft man nicht mehr aus der Welt;
            Man verbringt dann seine Tage
            Grübelnd über solcher Frage,
            Und man kanns noch Gnade nennen,
            Stirbt man ohne zu erkennen
            Dass man sich umsonst geplagt
            Weil man eben falsch gefragt.
            Dann vermacht man - Trost im Sterben! -
            Jene Fragen seinen Erben.
            Und als ob das noch nicht genug wäre hat mich nachfolgendes auch noch angesprungen:

            Zitat von Bert Hellinger (Vater des Familien-Stellens)
            "Wenn wir einen oder beide unserer Eltern nicht achten, übernehmen wir automatisch alle negativen Eigenschaften dieser Person und der Zugang zu deren positiven Eigenschaften und ihrer Kraft bleibt uns verschlossen. Wenn wir beide Eltern achten, übernehmen wir automatisch ihre Kraft und alle positiven Eigenschaften, ohne die negativen übernehmen zu müssen."
            Und dieses Zitat hat mich tage- und nächtelang beschäftigt - einfach weil ich meine Eltern zu dieser Zeit weder annehmen konnte noch wollte. Und mir damit überhaupt nicht klar war, dass die Familie genau so wie mein Partner ein Spiegel von mir selbst ist. Was andersrum gesehen natürlich bedeutet, dass wenn ich meinen Partner und meine Familie nicht annehmen kann, so kann ich mich selbst auch nicht annehmen.
            Wenn man jetzt das Wort "annehmen" durch "lieben" ersetzt kommt man relativ direkt auf das Thema Selbstliebe und da stach mir dann ein Zitat von Meister Eckhart ins Auge:

            Zitat von Meister Eckhart
            "Hast du dich selbst lieb, so hast du alle Menschen lieb wie dich selbst. Solange du einen einzigen Menschen weniger lieb hast als dich selbst, so hast du dich selbst nie wahrhaft lieb gewonnen, - wenn du nicht alle Menschen so lieb hast wie dich selbst, in einem Menschen alle Menschen: und dieser Mensch ist Gott und Mensch. So steht es recht mit einem solchen Menschen, der sich selbst lieb hat und alle Menschen so lieb wie sich selbst und mit dem ist es gar recht bestellt."
            Jetzt sind 1,5 Jahre ins Land gegangen und wir haben in der Familie samt Onkels und Tanten ein Verständnis und eine Liebe zueinander gefunden, das war vorher unvorstellbar.
            Mir geht das alles immer noch zu langsam, aber meine Schwester spiegelt mir dann ab und an unsere familiäre Entwicklung - ich glaub sie ist mächtig stolz auf uns alle!

            Sorry für den vielen Text! Ich hoffe ich hab nicht all zu sehr das Thema verfehlt - ich hab's irgendwie auch für mich geschrieben.

            Danke an alle die bis hierher durchgehalten haben und pflegt den Kontakt zu euren Eltern so lange wir sie noch haben!

            Es umarmt euch, der !Wot!

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              #7
              Liebe Fortuna,

              ich kann (und will) dir keinen Rat geben, aber ich kann dir meine Geschichte erzählen, die (wie die Geschichte von !Wot!) einen sehr versöhnlichen Ausgang hat.

              Ich hatte zu meinen Eltern schon immer ein sehr gespanntes Verhältnis, auch wenn nie etwas dramatisches passiert ist. (Es gab in unserer Familie keine Armut, keine schweren Krankheiten, keine Drogen und keine Misshandlungs- oder Missbrauchsgeschichten.) Ich möchte meine Familiengeschichte nicht in epischer Breite hier aufrollen, aber zusammenfassend sei gesagt, dass ich seit ich mich erinnern kann um Unabhängigkeit und Anerkennung gekämpft habe und meine Mutter um Nähe und Kontrolle. (Die Geschichte mit meinem Vater ist genau so schmerzlich aber völlig anders gelagert und ich will sie an dieser Stelle außen vor lassen.)

              Bis vor zwei Jahren gab es zwischen meiner Mutter und mir immer das gleiche Theater: Die Sehnsucht nacheinander wurde irgendwann so groß, dass wir Kontakt zueinander suchten und wenn wir dann tatsächlich miteinander telefoniert oder uns getroffen haben, waren wir anschließend beide verletzt und gekränkt, ohne dass irgendetwas dramatisches passiert wäre. Die implizite Botschaft meiner Mutter lautete: "Wenn du mich wirklich lieben würdest, dann würdest du so etwas (Unmögliches!) nicht sagen oder tun und dann könnte ich dich endlich lieben." Und meine Antwort war jedesmal: "Wenn du mich lieben würdest, dann wäre es dir egal, was ich sage oder tue und ich könnte dich endlich lieben." Dem Rest der Familie (vor allem meiner beiden Schwestern) zuliebe haben wir diese Grummeligkeiten dann jedesmal so lange wegignoriert und unter den Teppich einer guten Feiertagslaune gekehrt bis wir (für gewöhlich gleichzeitig wenn auch an getrennten Orten) in bittere Tränen über die vielen Lieblosigkeiten und Kränkungen ausgebrochen sind...

              Als ich zu meiner letzten Visionssuche aufbrach, gab mir unsere Leiterin die Aufgabe mit, meine Eltern um ihren Segen zu bitten, denn in den erdverbundeneren Völkern ist es dieser elterliche Segen, der den Kindern die Erlaubnis gibt, von nun an offiziell neben (und nicht länger "unter") ihnen zu stehen, die eigene Kraft und alle Talente zum eigenen Wohl und zum Wohl der Gemeinschaft einzusetzen und nicht länger als Kind Rechenschaft schuldig zu sein oder einen Anspruch auf Schutz und Versorgung geltend machen zu können.

              In den beiden ersten Tagen meiner Visionssuche habe ich immer wieder versucht, mir vorzustellen, dass meine Eltern mich segnen, aber die Bilder blieben blass und leblos. Ich habe ihnen geschrieben, laut mit ihnen geredet, geweint und geschrien... - Ich habe sogar vor ihnen auf den Knien gelegen und sie unter bitteren Tränen um ihren Segen angefleht, aber es ist nichts passiert.

              In der zweiten Nacht im Wald träumte ich mich in das Esszimmer meiner Eltern. Obwohl ich wusste, dass ich träumte, konnte ich den Duft des frischgebrühten Kaffees und der aufgebackenen Brötchen riechen (was am vierten Fastentag nicht nicht wirklich zu meiner guten Laune beigetragen hat). Meine Mutter lud mich zum Frühstück ein, und ich erklärte ihr, dass ich nichts essen und höchstens ein Glas Wasser trinken würde weil ich gleich wieder in meinem Visionssucheplatz zurück kehren wollte. Ich sei nur kurz hier vorbei gekommen, um ihren Segen zu erbitten. Über dieses Thema gab es dann noch eine längere Diskussion (vor allem deshalb, weil mein Vater - ein unerbittlicher Spötter - mein Anliegen kilometerweit durch den Kakao ziehen musste), aber schließlich stand meine Mutter auf, während ich vor ihr nieder kniete, sie legte ihre Hand auf meinen Kopf und sprach die Segensworte, die ich in meiner Fantasy-Welt zu einem gängigen Reisesegen erklärt habe: "Meine guten Wünsche mögen dich begleiten aber meine Hoffnungen und meine Ängste werden diese Schwelle nicht überschreiten." Als ich wieder aufgestanden war und mich bei ihr bedankt hatte, küsste sie mich noch (sehr förmlich) rechts und links auf die Wange, bevor ich mich wortlos abwandte und so schnell wie möglich in mein einsames Lager im Wald zurück eilte, wo mein Körper bereits am Aufwachen war...

              Ich habe meiner Mutter nie von diesem Traum erzählt aber trotzdem hat sich unser Verhältnis von da an grundlegend geändert und inzwischen mögen wir uns von Herzen gern. Wir sehen uns in unregelmäßigen Abständen ohne aneinander herum zu zerren oder uns irgendetwas vorzuwerfen und von meinen Schwestern weiß ich, dass meine Mutter auch bei ihnen ganz anders über mich spricht. Ich bin nicht mehr die verrückte älteste Tochter, um die man sich immer noch Sorgen machen muss (obwohl sie schon eine Großmutter sein könnte, wenn sie es denn geschafft hätte, eine Familie zu gründen) sondern die Abenteurerin, die verrücktesten Geschichten erlebt... - Es ist mir sogar zu Ohren gekommen, dass sie gelegentlich bei ihren Freundinnen mit mir angibt...

              Ich weiß nicht, ob du etwas mit dieser Geschichte anfangen kannst, liebe Fortuna. Aber ich wünsche dir, dass dir dieses kleine Kapitel aus meinem Leben den Funken Hoffnung in deinem eigenen Leben zeigt. Manchmal können ziemlich alte und reichlich verquere Geschichten ein Happy End finden, wenn man ihnen nur ausreichend Zeit und die Gelegenheit dazu gibt...

              Diesmal etwas mehr als nur zwei Cents
              aus der Tasche der Tintenweberin

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                #8
                guten morgen zusammen, und vielen dank für eure anteilnahme und das teilen eurer erfahrungen. das bedeutet mir viel. es rattert wie wild in meinem oberstübchen...und in meinem herz:

                liebe Hoffnungsvolle,
                es tut gut, deine anteilnahme zu spüren. ich hab jetzt auch gemerkt, dass ich tatsächlich gar nicht wütend bin, sondern traurig. früher wär ich wütend gewesen, deshalb dachte ich, es wäre jetzt auch so- dann wär ich allerdings wirklich joggen gegangen, um die wut abzubauen. aber danach war mir nicht. es ist schmerz. nicht wut.

                liebe einschönertag,
                es erstaunt mich immer noch, wenn ich sehe, das andere ein sehr ähnliches schicksal/verhältnis zu den eltern/mutter haben...einer meiner gedanken war auch, ich powere zurück, ich behaupte einfach, dass mich ihr brief so getroffen hat, dass ich wieder panikattacken bekommen habe und mir aufgrund des unerträglichen drucks die luft weggeblieben ist...
                aber so war es nicht und dieser panikattacken-"trick" scheint mir nicht der richtige weg. das fühlt sich an wie ein altes bekanntes spiel...
                ich geb dir recht, es gibt nur den weg, mich abzugrenzen und für mich zu sorgen. ich finde es super, dass du so konsequent aufgetreten bist, da kannst du auf dich stolz sein. ich wünsche dir, dass es bei deiner mutter nachhaltiger wirkt als bei meiner. ich hab das gefühl, an dem punkt waren wir eben schon öfter...deswegen

                liebe Spunk,
                finde ich deinen vorschlag, überhaupt gar nicht auf das gejammer und die emo-erpressung einzugehen, ziemlich spannend!
                sobald ich darauf reagiere, hab ich mir ja den schuh angezogen und jammer zurück, oder wüte, dass mir die schlappe nicht passt...! aber der entscheidende schritt scheint mir zu sein, ihn wirklich erst gar nicht anzuziehen...
                in der tat hab ich meinem bruder gerade aktuelle fotos von mir gemailt, damit er sie meiner mutter ausdrucken kann. ich hätte eher mit einem freundlichen dankeschön gerechnet als DAMIT...

                liebe Sonnentanz,
                ja, ein bisschen mehr leichtigkeit und augenwinkern wäre wohl nicht schlecht. wenn ich es schaffe, mir diesen dicken schuldgefühle-stiefel nicht mehr anzuziehen (ich hab ihn am fuss, ich merks!), dann wird das hoffentlich eines tages möglich sein zu sagen, ach ja, so ist sie eben. hallo mama, ist gut, lass gut sein, ich hab verstanden. du hast deine bedürfnisse und ich meine...muss das schön sein, da angekommen zu sein...

                liebe !Wot!,
                hab deine geschichte wie einen krimi so gespannt gelesen...die konfrontation gab es bei uns auch, ich hatte panikattacken, die besser wurden als ich mich mit meiner kompletten lebensgeschichte und dem anerkennen des schmerzvollen auseinandergesetzt habe, ich hab nämlich auch meine gefühle weitesgehend verdrängt und einen deckel drauf gehalten, bis es nicht mehr ging...hatte therapie gemacht...
                meine mutter wollte auch absolution, hat sie nicht gekriegt, mit meinen vater hab ich seitdem keinen kontakt mehr, meine mutter hatte sich dann auch ohne absolution bei mir entschuldigt und es schien so weit erstmal alles gut...
                zwei deiner zitate/gedichte, das 1. und 3. kann ich absolut verstehen und nachfühlen, die mag ich sehr. am 2. arbeite ich mit großem fragezeichen im kopf, da wollen kopf und herz noch nicht zusammen arbeiten...leider...

                liebe Tintenweberin,
                auch deine geschiche hab ich mit spannung verschlungen! die aussage meiner mutter ist wohl eher: ich liebe dich über alles, aber weil du nicht so bist wie ich dich gerne hätte bin ich sehr unglücklich und mache mir sorgen.
                und ich sag ihr seit jahren, dass sie sich keine sorgen machen braucht...
                hmmm....
                "Meine guten Wünsche mögen dich begleiten aber meine Hoffnungen und meine Ängste werden diese Schwelle nicht überschreiten." -der hätte original auch von meiner mutter sein können, boah!
                hmmm....zwischen meiner mutter und mir hat sich auch schon richtig viel verändert, zum besseren...auf jeden fall...irgendwie kommt mir das gerade wie ein rückfall vor...das ist das spiel, dass meine mutter 60 jahre lang "gespielt" hat, und die letzten paar jahre nicht mehr funktioniert. je weniger ich allerdings entgegensetze, umso eher scheinen die alten mechanismen wieder zu greifen...ich will aber nicht mehr kämpfen. keine bekommt hier die kind-rolle (kümmer dich!!!), wir sind doch beide erwachsen...nee, die alten mechanismen greifen nicht...sie haben zwar in meinem kopf einen wirbelwind ausgelöst, aber ich reagiere nicht wie früher.

                wenn ich nicht darauf eingehe, aus dem "spiel" aussteige, und akzeptiere, dass sie eben so ist, wie sie ist, und ich eben so bin, wie ich bin, und das eben auch mal nicht zusammenpasst, dann könnte sich etwas verändern. ich weiß ja, dass es reicht, wenn ein mensch etwas anders macht. dann kann der andere nicht wie gewohnt weitermachen, weil der rahmen sich ja verändert hat...es tut mir leid für meine mutter, dass sie ihr unglück auf mich projeziert (das tut mir auch für mich leid, echt). aber es ist ihre verantwortung...und zeigt mir mal wieder umso deutlicher, wie unsinnig sowas ist...bei sich bleiben, sich selber lieben. keinem anderen die verantwortung dafür geben.

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                  #9
                  guten morgen,

                  fortuna, danke für das thema! ich bin hier auch eher ratsuchende als eine, die rat spenden könnte. meine familienkonstellation war in sich so verworren gewesen und ist es zum teil immer noch, dass ich den kontakt zu einigen familien-mitgliedern immer mal wieder oder auch ganz abgebrochen habe, weil "es" mich sonst wohl erdrückt hätte. seitdem habe ich phasenweise viel entwirrt und sortiert und das thema auch mal einige zeit völlig an die seite geschoben, um mich auch auf meinen persönlichen kram konzentrieren zu können. aber es hängt mir nach.

                  aus dem völlig verfilzten wollknäuel sind nun einzelne fäden geworden, die ich - bei den menschen, die mir ans herz gewachsen sind - gerne wieder miteinander verflechten möchte. bei meiner mutter erlebe ich jedoch, dass meine regelmäßigen vorsichtigen verflechtungs-versuche (auf sie zugehen, mailen und telefonieren, von meinem leben erzählen usw.) ganz schnell zu einem erneuten verfilzen führen, zu erwartungen, vorwürfen, komischen manipulations-versuchen und so einem schuldgemantsche. mensch, ich wäre gerne mal bei einem solchen telefonat am ultraschall angeschlossen, ich wette, es wäre sichtbar, wie sich dann alle organe in mir verkrampfen. dann sind wir beide wieder in unseren uralt-mustern drin. und eigentlich wirds genau da spannend, denn da zeigt sich, wie ich meine neuen glaubenssätze (der renner: ich bin nicht für das glück anderer verantwortlich) verinnerlicht hab.

                  ich sehe das so, dass ich erstmal an mir zu arbeiten habe. nicht erstmal, sondern ausschließlich. jahrelang hab ich meine mutter kritisiert und sie in teilen abgelehnt. ich hab erklärt und geschimpft und gesäuselt und geflucht, und ne ganze menge ist auch angekommen, aber letztenendes hat das unser grundproblem auch nicht gelöst. und es macht mich traurig, dass ich sie nicht annehmen kann, wie sie ist. ich weiß ja selbst, wie weh das tut, von menschen abgelehnt zu werden, die ich liebe. da sind so viele verletzungen, auf beiden seiten, aber da ist auch so viel heimliche liebe. und ich spüre das ganz genau, dass der schlüssel zur "lösung" in mir liegt. nur find ich ihn nicht. vielleicht suche ich am falschen ort? stelle mir die falschen fragen?

                  Zitat von Fritz Riemann - Tragikomik
                  Fragen, die man falsch gestellt,
                  Schafft man nicht mehr aus der Welt;
                  Man verbringt dann seine Tage
                  Grübelnd über solcher Frage,
                  Und man kanns noch Gnade nennen,
                  Stirbt man ohne zu erkennen
                  Dass man sich umsonst geplagt
                  Weil man eben falsch gefragt.
                  Dann vermacht man - Trost im Sterben! -
                  Jene Fragen seinen Erben.



                  mich spricht das auch sehr an, das zitat. auch, weil ich nun immer öfter denke, dass uns nicht endlos zeit bleibt, auf antworten zu warten. hm. ich habs bisher mit rilke gehalten und hab versucht, die fragen lieb zu haben:


                  Man muss Geduld haben

                  Mit dem Ungelösten im Herzen,
                  und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
                  wie verschlossene Stuben,
                  und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
                  geschrieben sind.

                  Es handelt sich darum, alles zu leben.
                  Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
                  ohne es zu merken,
                  eines fremden Tages
                  in die
                  Antworten hinein.

                  wahrscheinlich gehts darum, die richtigen fragen lieb zu haben?

                  ich mag auch das andere zitat:

                  "Wenn wir einen oder beide unserer Eltern nicht achten, übernehmen wir automatisch alle negativen Eigenschaften dieser Person und der Zugang zu deren positiven Eigenschaften und ihrer Kraft bleibt uns verschlossen. Wenn wir beide Eltern achten, übernehmen wir automatisch ihre Kraft und alle positiven Eigenschaften, ohne die negativen übernehmen zu müssen."

                  das klingt, als wäre es eines dieser ko(s)mischen gesetze, die zunächst absurd und auch paradox erscheinen. worüber man wohl erst ein paar mal stolpern muss, bevor es "klick" macht. von der (psycho-) logik her erinnert es mich an die gesetzmäßigkeit, dass z.b. eine eigenschaft viel leichter zu ändern oder abzulegen ist, wenn man sie zunächst angenommen und akzeptiert hat.

                  spunk, ich finde deinen tipp super. weil er so schön praktisch ist und ganz viele fliegen mit einer klappe schlägt. eine neue leichtigkeit hineinbringt. und weil man sich damit nicht auf das ganz große drama dahinter konzentriert und das alte manifestiert, sondern was neues wagt. einer muss ja schließlich damit anfangen, aus dem bisherigen system auszusteigen. ich denke, er hilft, den fokus neu auszurichten und das vorzuleben, was man selbst möchte. mir fällt es auch total schwer, über solche briefe (wie der von deiner mutter, fortuna) nicht wütend zu werden. und beim letzten mal hab ich die passagen, die mich aufgeregt haben, ignoriert. nein, natürlich nicht, ich hab mich bei bestimmt 3-4 personen darüber ausgelassen wie ein rumpelstilzchen. aber bei meiner antwort hab ich mich ein bisschen blöd gestellt und hab getan, als hätte ich es nicht kapiert. das fiel mir sehr schwer. nicht das blöd stellen aber das ignorieren. im nachhinein hatte es aber so einen schönen den-wind-aus-den-segel-nehmen-effekt. und ich will mich ja nicht streiten, will niemanden erziehen. wie man das beim kampfsport lernt: man könnte sich prügeln, sich aufreiben und verausgaben, man kann aber auch einen schritt zur seite treten und den gegner ins leere laufen lassen.

                  sich ständig abzugrenzen und einen "kampf" daraus werden zu lassen empfinde ich als sehr mühsam und anstrengend. es muss noch einen anderen weg geben. bei mir sehe ich, dass meine stacheldrahtigen grenzen gar nix gebracht haben. sie werden akzeptiert und ich hab meine ruhe, das schon. ich will aber gar keine ruhe, ich will ja begegnung. und zwar so, dass beide sich dabei wohlfühlen. besuche oder irgendwas "über mich ergehen zu lassen" kommt für mich daher ebenfalls nicht in frage. ich versuche, auf das gemeinsame zu bauen. ich stell mir meine bedürfnisse wie ein kreis vor und die meiner mutter ebenfalls. wenn man beide kreise zunächst aneinander und dann ganz vorsichtig aufeinander schiebt, ergibt sich eine gemeinsame schnittstelle, eine überlappung beider kreise. das ist das, was für uns beide gerade möglich ist.

                  im grunde vermeide ich, darüber nachzudenken, dass sie mich vermisst und darunter leidet, mich nicht bzw. so selten zu sehen. ich weiß ja auch gar nicht, wie sich das anfühlt, kinder zu haben. ich kenne es nur, kind zu sein. kürzlich hab ich einen bericht gesehen über elternteile, deren kinder den kontakt abgebrochen haben und darüber, wie jene damit umgehen. einige haben selbsthilfegruppen gebildet. eine mutter wurde gezeigt, die gelegentlich den halben tag lang im cafe vor der wohnung ihres sohnes sitzt und auf einen blick von weitem auf ihn hofft. oh man, da zieht sich das herz schon gewaltig zusammen. so richtig an mich heranlassen kann und will ich es trotzdem nicht.

                  manchmal passiert es trotzdem und was da noch immer an die oberfläche kommt, puh, das haut mich um. ich bin damit überfordert und stecke es schnell wieder dorthin zurück, wo es hervorgekrochen kam. aber vielleicht muss das alles erst einmal, noch einmal, heraus, denn sonst steht es ja ständig zwischen uns. steht im weg.

                  tintenweberin, deine erlebnisse haben mich sehr berührt. danke fürs teilen.

                  liebe grüße

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                    #10
                    Hallo Fortuna,
                    ich kann es so gut nachfühlen, weil es mir ähnlich ergeht.
                    Meine Mutter und ich haben seit 2 Jahren keinen Kontakt mehr. Ich habe ihn auch meinerseits abgebrochen weil mir ihre ewigen Vorwürfe Beschuldigungen Verbesserungsvorschläge, ihre emotionale Erpressung, etc den letzten Nerv raubten.
                    Ich führe mitlerweile mein eigenes Leben ( was alle außer sie mitbekommen haben) ich habe mein eigenen Vorstellungen vom Leben. Ich möchte keine ungefragten Ratschläge mehr.
                    Telefonate mit ihr, fangen immer gleich an und enden immer in Streitigkeiten, ich habe beschlossen meine Kraft für mich einzusetzen und nicht für endlose Debatten zu verschleudern.
                    Ich stehe nicht mehr zur Verfügung.

                    Nicht deto trotz hat jeder seine eigenen Erlebnisse mit seiner Mutter....

                    Ich bin mir bewußt darüber das es von mir auch eine Art Flucht vor der wirklichen Auseinandersetzung mit ihr ist. Ich weiß nicht wie es dir damit geht.
                    Ich denke das ich das eher auf der therapeutischen Basis ausagieren möchte, ich hege die Hoffnung nicht mehr das meine mutter und ich uns in diesem Leben nochmal einig begegnen können.

                    LG Puste

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                      #11
                      Hallo Wot
                      wie bitte kann man seine Eltern achten wenn die Wut im Vordergrund steht? ich würde auch gerne eine Familienaufstellung machen. ich fühle mich nur wütend und ungerecht behandelt wenn ich an sie denke. Achtung ? wie kann ich sie Empfinden ?


                      LG Puste

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                        #12
                        Liebe Fortuna,

                        oha... das ist ein Thema, daß es in sich hat - auch für mich - aus vielerlei Hinsicht.

                        Ich wünschte, ich könnte jetzt sagen: "mach x, dann y, und wenn das nicht hilft, dann würd ich z versuchen, das klappt immer... "

                        Aber auch bei mir ist die Beziehung zu meiner Mutter eine Dauer- und Wanderbaustelle, bei der ich am Ausgraben, Umpflügen, Betonschichten aufhämmern, Umleiten, Neuanlegen - und Einbahnstrassen- und Stop-schilder am auf- und wegstellen bin.

                        Was Du und auch die anderen so geschrieben haben von ihrem gefühlten, erlebten, gehörten Verhalten der Mutter mit euch ist auch mir nicht unbekannt - und auch ich weiss um: Erpressung, Schuldzuweisungen, Wut, Erwartungsdruck, Enttäuschung, Hoffnung und Verletzung.

                        Ich habe Begegnungsvermeidung ebenso hinter mir, wie offensives Auf-Sie-Zugehen, Rückzug wie Zuwendung, Offenheit wie Verschlossensein.
                        Meine letzten Erfahrungen waren strategisch diejenige zu sein, die zuerst anruft, weil ich dann zwar zunächst einen sterbenden Schwan am Telefon habe, aber die Dynamik des Gespräches besser beeinflussen kann, weil ICH den Zeitpunkt auswählen kann, an dem ich mich "gerüstet" genug für einen Anruf fühle... - besser, als wenn sie mich "erwischt" - wenn ich gerade ausgepowert von der Arbeit komme (feige? -- möglich, aber für mich eine Alternative zum "garantiert" leidvollen Telefonat)

                        Das mit Spunks Tip mit diesen Briefen habe ich auch schon versucht - also gar nicht auf ihr "Leiden" eingehen, sondern sie über Brombeeren, Schwalben, Sonnenblumen und Kohlrabipflänzchen zu informieren....

                        ... und damit komm ich zu einer Erfahrung, die ich gemacht habe, die mir - zumindest teilweise hilft und auch unbewusst "ACHTUNG im Sinne von Wertschätzung" in mir hervorruft.

                        Ich kann Gesagtes, Erlebtes, Verweigertes, Zerstörtes nicht einfach "gut" machen oder schön reden, und ich kämpfe wirklich sehr sehr oft mit WUT und mit dem Gefühl, nicht verstehen zu können (emotional, vom Kopf her schon), dass ich kein Bedürfnis nach ihr verspüre - ABER... ich habe schon den Wunsch oder besser die Erwartung an mich, dass wenn ich schon versuche ausgeglichen und glücklich zu leben, anderen Menschen achtungsvoll und mit zumindest einem Grundmass an Nächstenliebe begegnen möchte (was sogar manche Arbeitskollegen einschließt) - nicht einfach meine Mutter ausschließen kann.

                        Ich kann nicht so tun, als gäbe es sie nicht. Es wird sie irgendwann nicht mehr geben - aber NOCH ist sie da - und mein Anspruch an mich selber, wenigstens IRGENDWIE in einer für MICH akzeptablen Art und Weise einen Weg der Nähe zu suchen (WIE nah, dass möchte ich selbst herausfinden und bestimmen) , dass ist schon ein sehr starker Wunsch bei mir - und von daher ist sicher ein Teil der Wut auf SIE - auch darin begründet, dass SIE es mir so schwer macht, sie einfach vorbehaltlos lieben zu können...

                        .. und damit bin ich bei einem Denk-Knackpunkt für mich angekommen. Was heisst "vorbehaltlos" -- ?
                        Das hat was für mich mit Erwartungen und einem imaginären Bild zu tun - und ich merke, dass genausowenig, wie ICH wohl dem Wunschbild meiner Mutter entspreche, sie es ja auch für mich nicht tut. Meine Mutter ist keine unkomplizierte, nichtnachtragende, nichtaufrechnende, nichtkomplexbehaftete, fröhliche Allzeit-bereit-Frau. Und ich kenne sie fast nur so
                        - ABER... - ich habe Dinge entdeckt, die ich sehr spannend finde, (und das hat unter anderem mit dem Kohlrabi, den Brombeeren, Brennesseln und Schwalben zu tun) die ich an ihrer ERfahrung schätze, von denen ich lernen und profitieren kann, UND .. für mich ganz wichtig, die ein Gesprächsthema bieten, wo ich ihr wirklich die Aufmerksamkeit schenken kann (ohne mich anzustrengen), die UNS BEIDEN gut tut.
                        Ich stehe häufiger mal neben mir und mir geht durch den Kopf, dass meine Mutter nicht immer 80 Jahre war, sondern z.B. jetzt ich gerade so alt bin wie sie damals als..... - und dann überlege ich ihre Lebenssituation, von der ich jetzt weiss, und lasse meinen Gedanken mal freien Lauf, wie sie sich wohl damals so gefühlt hat, was sie in der oder der Situation gemacht hat ... -und stelle fest, dass ich ihr eigentlich damals schon ab und an mal gerne begegnet wäre, einfach um sie besser kennen zu lernen.

                        Sie ist - was sie ist - genauso wie ich, durch die Geschichte, die IHR Leben schrieb. Ich kann und mag ihr deswegen nicht alles "vergessen" was sie auch "angerichtet" hat - aber ich habe so ganz tief im Innern, ohne es verstehen zu können, das GEfühl, dass sie es nie aus Bosheit oder Absicht getan hat. Vielleicht rede ich mir das auch nur ein - um mich nicht noch mehr verletzt zu fühlen - aber *leisekopfschüttel*... - nein ich glaube meine Mutter ist eine einsame, verletzte, teils auch verbitterte, sich unverstanden fühlende Frau, die z.T. auch jetzt einfach die Konsequenzen erlebt für Verletzungen, die sie anderen zugefügt hat, die sich nach Liebe und Nähe sehnt, die es nicht mehr gibt, weil mein Vater halt tot ist - und ihr den niemand ersetzen kann, - und sie einfach erlebt, dass sehr viele Menschen ihrer Familie mit ihrer erpressenden, jammernden und ich-hab-euch-doch-lieb-und-will-nur-eures-Bestes-Tour nicht gut klar kommen.

                        Ich würde es mir ja auch anders wünschen, aber - ich merke, dass ich (Mist - jetzt hab ich Pippi in den Augen), dass ich am Besten innere Nähe zu ihr zulassen kann, wenn ich schwierige Themen umschiffe, offensiv über ihrer Jammerei weghöre, bei dem üblichen über andere Herziehen STOP-sage, klar darauf verweise, dass ich zu bestimmten Beziehungsproblem von ihr mit anderen nix sagen kann, weil ich die entweder nicht kenne - oder aber halt eine andere, eigene Beziehung zu diesen Menschen habe.

                        Es fällt mir sehr schwer, die "nicht-liebe=böse" Tochter zu sein, wenn ich auch mal in einem Telefonat sage: Mutti, ich möchte jetzt auch mal was sagen - aber ich tue es.
                        Es bedeutet für mich jedesmal eine seelische Anlaufphase, wenn ich vorhabe sie anzurufen.
                        Ich werde mich vielleicht irgendwann mal anders verhalten - aber momentan ist es eben SO für mich eine Möglichkeit mit ihr umzugehen und Achtung vor ihr zu haben.

                        Ich habe Angst davor, so zu sein, wie meine Mutter JETZT ist - aber ich kann versuchen zu reflektieren - was es genau ist, was ich nicht an ihr (und anderen) mag - oder nicht mag - und diese Dinge anzustreben oder mir eben versuchen ab-zu-erziehen (wenn das noch geht).

                        ... Fortuna - ich danke Dir für dieses Thema, es hat mir sehr geholfen wieder ein bischen mehr zu verstehen ... - auch zu verstehen und versuchen zu akzeptieren, dass egal was ich tue oder nicht tue - ich nie so sein werde, wie mein Mutter es gerne hätte - und ich ganz grundsätzlich an ihrem Bild, dass sie von mir hat - nichts ändern kann, - und umgekehrt .. sie ehrlich gesagt auch kaum noch eine Chance diesbezüglich bei mir hat -- ausser eben meinem Wunsch - nach einer gewissen Form von NÄhe, die aber nichts mit meinem (inneren-Kind)-Wunschbild von Mutter mit schützend-umgebenden Armen, die gleichzeitig die Kraft und die Freiheit bedeuten, dass eine Mutter an einen glaubt... - DAS wird es nie geben... - aber vielleicht ein klitzekleines Bischen davon ... - aber dieser Hoffnung gebe ich mich nur mit seelischer Schutzrüstung hin .. sonst tut es viel zu weh

                        Danke Dir Fortuna... - und entschuldige, dass ich mich hier so (textmässig) breit gemacht habe... - aber es gibt nicht soviele Menschen, die so offen über ihren Zwiespalt reden, dass ich das Gefühl habe... hier werd ich verstanden...

                        und Gruß vom fish

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                          #13
                          Hallo zusammen,

                          mich berühren eure Postings sehr - allerdings nicht von der Warte 'Tochter' aus als eher von der Warte 'Mutter'.
                          Ich frage mich ob meine Jungs auch mal so reagieren könnten, ob ich auch bei ihnen das Gefühl auslöse sie ungerecht zu behandeln, zu bevormunden usw. Der Gedanke dass es mal so sein könnte, stimmt mich doch nachdenklich und traurig.
                          Ich frage mich: Was könnte ich als Mutter so 'verkehrt' machen dass mich mein eigenes Kind nicht mehr sehen will, keinen Kontakt mehr mit mir haben will?
                          Wie würde ich mich fühlen wenn meine Jungs den Kontakt abbrechen würden?

                          Mir würde es einfach nur besch.... gehen. Ich würde sehr darunter leiden. Ich hätte das Gefühl 'auf der ganzen Linie' als Mutter versagt zu haben. Und vielleicht würde ich meine ganze Trauer und auch das Gefühl 'mich als Mutter die ihr Kind liebt nicht gesehen fühlen' in Form von Wut auf meine Jungs oder aber (unbewusst) auf mich selbst (zB in Form von Krankheit) richten.

                          Mir gehen viele Fragen durch den Kopf. Fragen wie:
                          Was hättet ihr euch von euren Müttern/Eltern gewünscht?
                          Wie hätten sie sein sollen?
                          Welche Bedürfnisse hattet ihr die sie nicht erfüllt haben?
                          Ist es eher ein 'gleichgeschlechtliches Problem' - also Mutter und Tochter bzw. Vater und Sohn?
                          Spiegelt die Mutter der Tochter etwas wider was bei ihr oder bei beiden Wut und Enttäuschung auslösen kann?
                          Spiegelt der Vater beim Sohn etwas wider was bei ihnen Wut und Enttäuschung auslösen kann?
                          Welche Bedürfnisse könnten die Eltern/die Mütter haben, die sie auf euch projizieren?
                          Wie könnte eine Abgrenzung aussehen die dennoch zuläßt sich zu achten und zu lieben?
                          Glaubt ihr dass euch eure Mütter/Eltern nicht lieben?
                          Könntet ihr euch vorstellen dass eure Mütter/Eltern auch nicht die Liebe erfahren haben und sich selbst nicht lieben können und deshalb es ihnen schwer fällt euch zu lieben?

                          Ich suche jetzt nicht nach Verständnis für eure Mütter - oder vielleicht doch? Ich weiß nicht genau.
                          Aber ich weiß eines: Festhalten an der Wut, der Enttäuschung und all dem bringt niemanden etwas, im Gegenteil. Damit zerstört man sich auch selbst. Erst wenn ich die Wut loslassen kann, wenn ich soweit möglich 'vergeben' kann oder, was vielleicht 'einfacher' ist, 'akzeptieren kann was war', erst dann - denke ich - kann ich befreiend leben. Solange der Gedanke von Wut in mir ist, solange das Festhalten ist, wird sich diese Wut auch auf mich selbst richten, wird sie auch mich selbst verletzen.

                          Manchmal ist es schwer Menschen zu vergeben von denen man sich sehr verletzt fühlt.
                          Ich möchte euch gerne einen Vorschlag machen, der mir in einer anderen Situation ähnlich gemacht wurde - einfach um 'loszulassen', um sich nicht mehr so schlecht zu fühlen weil man doch eigentlich die Eltern gern haben möchte, weil die Situation doch belastet.

                          Wie fühlt sich für euch die Vorstellung an zB in einer Kirche eine Kerze anzuzünden und Gott zu bitten dass er im Auftrag von euch der Mutter/dem Vater vergibt weil ihr es (noch) nicht könnt?

                          Fühlt euch umarmt!
                          Liebe Grüße
                          Anneliese

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                            #14
                            .

                            Alle "Müttergeschädigten" :

                            Ich schließe mich den Ausführungen von Anneliese an, vor allem was das vergeben angeht.

                            Aber ich weiß eines: Festhalten an der Wut, der Enttäuschung und all dem bringt niemanden etwas, im Gegenteil. Damit zerstört man sich auch selbst. Erst wenn ich die Wut loslassen kann, wenn ich soweit möglich 'vergeben' kann oder, was vielleicht 'einfacher' ist, 'akzeptieren kann was war', erst dann - denke ich - kann ich befreiend leben. Solange der Gedanke von Wut in mir ist, solange das Festhalten ist, wird sich diese Wut auch auf mich selbst richten, wird sie auch mich selbst verletzen.
                            Vielleicht könnt Ihr hiermit etwas anfangen:

                            Die Tipping-Methode ist eine fundamentale, essenzielle Art der Vergebung

                            Aus meiner Sicht sehr wertvolle Anregungen:

                            "Die Tipping-Methode ist eine ungewöhnliche Synthese aus psychologischer und spiritueller Arbeit.
                            Sie unterstützt Sie dabei, mit sich und der Welt in Frieden zu kommen, indem sie Ihnen einen Weg aufzeigt, Opfer-Erfahrungen und selbstzerstörerische Muster aufzulösen, die Sie Ihrer Freude und Lebensenergie berauben und die Entfaltung Ihres vollen Potenzials blockieren."

                            Ist zwar etwas länger, aber ich empfehle dort sehr den Link "Jills Geschichte" (linke Seite) aufmerksam zu lesen. Hat zwar nicht direkt die Mutter-Tochter-Thematik zum Inhalt, gibt aber sehr wertvolle Denkanstöße wie das eigene Verhalten bei Verletzungen überdacht und zu ändern ist um wieder frei zu werden.

                            Unter "Downloads" gibt es sehr gute Arbeitsmittel (kostenfrei).


                            Neeiin, ich bekomme keine Provision, ich halte es nur für eine sehr wertvolle Hilfe auf dem eigenen Weg.
                            Ob das für euch auch zutrifft, das könnt ihr nur selbst entscheiden.

                            Es soll ja auch Menschen geben, die gar nichts ändern wollen und erst mal warten, dass der andere sich mal ändert.

                            Euch allen ein schönes Wochenende

                            .

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                              #15
                              ein spannender faden!
                              auch ich habe ihn aus zwei seelen heraus gelesen: einerseits als tochter, die auch so ihre probleme und ihre wut auf ihre mutter hatte (dass ich mal "hatte" schreiben würde, hätte ich mir vor einigen jahren nicht träumen lassen!!), andererseits als mutter von 4 söhnen.....am liebsten hätte ich geschriehen: "oh mein gott! wie konnte ich nur mutter werden???!!!" da ich selber wutthemen mit meinen eltern (besonders mit meiner mutter) hatte, ist mir traurigerweise bewusst, dass ich sicherlich einiges davon auf meine nächste generation weitergegeben habe....
                              die hoffnung,die in mir schlummert, ist die, dass ich es auch nach vielen jahren geschafft habe, meine mutter zu nehmen wie sie ist (und da ist einiges bewundernswertes und psoszives dabei!), sie gern zu haben und (welch WUNDER!!) GERNE mit ihr auch mal auf einen kaffee oder bummeln zu gehen....
                              ich wünsche meinen kindern auch diese entwicklungsmöglichkeiten in der beziehung zu ihren eltern und ihren kindern, und mögen sie menschen in ihren leben haben, die sie dabei unterstützen...!!
                              die wünsch sich aus tiefstem herzen
                              OS

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