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Mein Leben als Autist

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    lieber Condor,

    Dein aktueller Zwischenbericht klingt für mich sooooo normal, wie eben das Leben in jeder Familie abläuft.
    Ich finde, Du schaffst doch sehr viel - Deko eingeschlossen. Für diese hab ich gerade in diesem Jahr fast keinen Sinn. Statt einem Weihnachtsbaum gibt es nur einen geschmückten Tannenstrauß.

    Ich wünsche Dir schöne Weihnachtstage

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      Condor, du kannst sooo stolz auf dich sein! Was du alles angegangen bist und geschafft hast, ist doch toll. Die Sache mit dem Schlaflabor ist doch super gelaufen, und dann noch beim Zahnarzt, alle Wetter!
      Du wirst auch alles andere schaffen, ob Weihnachtsdeko oder Struppi.

      Kommentar


        @Tamina
        N-o-r-m-a-l???
        Dieser ganze Stress ist für NTs normal??
        Wie könnt ihr so leben?

        Für mich ist das Horror hoch 10!! Und mein Körper, vor allem gerade meine Haut reagiert darauf sehr heftig, so dass nur noch Cortisonsalbe hilft.

        Ich weiß von anderen Autisten, dass sie sich genau aus diesen Stress-Gründen gegen die Gründung einer Familie mit Kindern entschieden haben. Und manchmal beneide ich sie darum.

        Aber ich verstehe nun, warum meine Mutter und andere Leute, die mich nicht gut genug kennen und nicht viel von Autismus verstehen, es unverständlich finden, dass ich von solch "normalen" Gegebenheiten fix und fertig bin, sie mich total erschöpfen.

        Deswegen dank ich dir für das Wort "normal", denn so war es mir noch nicht bewusst gewesen.

        @Bonny123
        Ich bin sehr streng mit mir selbst und sehe diese Fortschritte nicht so, wie du. Mir geht es viel zu langsam.

        Aber, wenn ich an Früher denke... so vor 15 Jahren etwa, da habe ich noch einen beinahe Nervenzusammenbruch bekommen, wenn bei meinen Spiegeleiern in der Pfanne das Eigelb kaputt gegangen war, diese eigene Unperfektion konnte ich nicht ertragen.

        Ja, das war schon krass, damals...

        Und auch noch vor 10 Jahren konnte ich es nicht ertragen, mit meinem Sohn Plätzchen zu backen. Ich stand damals so dermaßen unter Druck, dass ich ständig das Gefühl hatte, dass mein, wohlbemerkt, 4jähriger Sohn mich kontrollieren würde, mich beobachten würde, ob ich auch ja alles perfekt machen würde.

        Darüber habe ich geschwiegen, habe versucht, mir nichts anmerken zu lassen, aber das ging natürlich nicht und oft genug bin ich ausgeflippt, weil ich das nicht ertragen konnte.

        Mir egal, was du jetzt denkst oder irgendjemand sonst hier. Ich habe das aufgearbeitet, weiß woher es kommt und es langsam abgebaut.

        Wirklich Spaß macht es mir noch immer nicht, mit meinem Sohn Kekse zu backen, aber wir tun es und ich flippe nicht mehr dabei aus, sondern kann auch schon dabei scherzen und lachen. Hinterher bin ich auch nicht mehr so kaputt, wie einst, aber ich bin doch froh, wenn es dann geschafft ist.

        Heute habe ich die letzten Kekse für Weihnachten gebacken. Ich selbst mag eigentlich gar nicht gern Kekse, schon gar nicht welche, die knusprig sind. Also verschenke ich viele davon und lasse sie von meiner Familie aufessen.

        Struppi hat heute Blödsinn gemacht, mein Sohn hört mir nicht zu und die Katze hat mich gekratzt. Mir reichts für Heute.

        Condor

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          Es freut mich Condor, dass das Wort 'normal' für Dich einiges relativiert zum Positiven.

          Das einzige an Deiner Beschreibung, was ich nicht verstehe, ist, dass du jeden Tag 2 Maschinen Wäsche wäscht. Wir sind auch z. Zt. 3 Personen im Haus und ich wasche durchschnittlich nur 1 - 2 x in der Woche eine Maschine.
          Ich vermute, Du bist doch etwas perfektionistisch veranlagt.
          In meiner Haushaltsführung bin ich das gar nicht

          Kommentar


            Hallo Tamina,

            nun ja, ich müsste 2 Maschinen pro Tag waschen, die Realität liegt dann meist bei einer Maschine pro Tag.

            Zum einen sind wir alle drei sehr große und nicht schlanke Menschen, mein Partner ist gut 2m, unser Sohn hat mich überholt und ist gut 1,85m und ich bin etwas über 1,80m groß. Wenn ich also eine Hose in die Wäsche gebe, kannst du dafür 3 Hosen in die Wäsche geben.

            Zum anderen und das ist weniger erfreulich, leidet unser Sohn unter Enkopresis, was bei Autisten häufiger vorkommt, da er eine geringe Körperwahrnehmung hat. Verstärkt wird dies bei ihm noch durch die äußerst geringe Frustrationstoleranz, also er regt sich extrem schnell auf. Auch gerade vor großen Ereignissen, wie Weihnachten oder Geburtstag, tritt es verstärkt auf.
            Vor seinem 10. Lebensjahr hatte ich bis zu 10 Hosen pro Tag zu waschen, bzw. vorher in kaltem Wasser einzuweichen, dann auszuwaschen und dann erst in der Maschine zu waschen. Inzwischen hat es sich auf 3 bis 15 Hosen pro Woche verringert. Darauf sind wir schon sehr stolz, aber es hat vor allem mir alles abverlangt. Seit einem Jahr etwa wäscht sein Papa die Hosen aus, da ich den Gestank nicht mehr ertragen kann und es ihm nichts ausmacht (hätte er auch früher sagen können).

            Nun ja, das ist ein Thema über das man in unserer Gesellschaft nicht spricht. Und es hat uns von der Gesellschaft zusätzlich isoliert.

            Leider hat unser Sohn irgendwann damit begonnen, seine dreckige Wäsche zu verstecken, auch das nicht untypisch für autistische Jungen (Mädchen sind da anders), wie wir inzwischen wissen. So habe ich dann immer irgendwann einen ganzen Berg mit seiner Wäsche und die kann ich auch nur allein waschen.

            Wir haben mit unserem Sohn alles an Therapien gemacht, was es gab und wir uns leisten konnten. Er wurde neurologisch, psychisch und medizinisch untersucht, es wurden uns von therapeutischer Seite Ratschläge ohne Ende gegeben und die meisten waren für den Hintern. Wir bekamen als Eltern massig Druck vom Jugendamt, von Lehrern und von Verwandten, was wir doch für schlechte Eltern wären, die ihr Kind nicht trocken kriegten.

            Als Kind konnte er nirgendwo hin, wo wenigstens einer von uns mitkommen musste, um ihm bei einem Maleur helfen zu können. Denn das war das zweite Problem daran, er bemerkt es nicht, wenn es passiert ist und auch der Geruch stört ihn nicht. - Mein Geruchssinn ist, wie auch der Gehör- und der Sehsinn, extrem empfindlich und ich rieche es immer.

            Inzwischen haben wir uns damit arrangiert. Ich kann es nun auch lustig verpacken, indem ich, wenn ich etwas in seinem Zimmer rieche, was auf diese Sache hindeutet, ihm sage, dass er mal wieder auf Schatzsuche gehen soll. Meistens findet er auch was und ist darauf auch stolz. Dann weicht er die Sachen selbstständig in Eimer ein. Immerhin.

            Schön ist diese ganze Sache trotzdem nicht, auch wenn es langsam besser zu werden scheint. Unsere Hoffnung ist, dass es nach der Pubertät verschwindet. Wenn er Pech hat, bleibt es sein Leben lang.

            Wäsche habe ich also immer viel, das lässt sich leider nicht umgehen. Ja, und ich sehe natürlich viel mehr Flecken, als andere, dass hat der Rest der Familie langsam auch kapiert. Und da wir Eltern beide Allergiker sind, haben wir auch keinen Trockner. Ich hänge die Wäsche auf zwei Wäscheständer auf die Veranda und nachts kommen sie rein. Und am nächsten Morgen ist die Wäsche trocken.

            Condor

            Kommentar


              O ja Condor, bei Deiner Erklärung kann ich nun gut nachvollziehen, weshalb Du so viel waschen musst.
              Es war sicher ein schwerer Weg für Euch alle diese 'Krankheit' zu akzeptieren. Ich kenne dieses Phänomen nicht, daher weiß ich keine treffendere Bezeichnung zu schreiben.

              Aber ich kann mir gut vorstellen, wie viel Kraft Dein Alltag kostet.
              Ich wünsche Dir eine schöne Weihnachtszeit

              Kommentar


                Hallo,

                zunächst wünsche ich euch allen Frohe Weihnachten! Kann man ja Heute auch noch machen. Früher wusste ich immer nicht, wann wünscht man jemandem Frohe Weihnachten, wann ist es zu früh, wann zu spät, war für mich sehr sehr schwierig. Heute mach ich es nach Gefühl, meistens ist es richtig.

                Ich hatte mich auf meinen Partner gefreut, weil der ja die letzten zwei Wochen fast ständig außer Haus war. Ich hatte mich auch auf Weihnachten gefreut, wie jedes Jahr...

                Nun ja... ich habe mir schon abgewöhnt, meinem Partner oder auch meinem Sohn zu zeigen, was ich dekoriere, was ich schön finde, damit sie sich daran auch erfreuen könnten, denn es interessiert sie nicht. Sie schauen beide entweder gar nicht hin oder ich kriege Kommentare wie z.B. "langweilig" oder "aha, naja". Erst auf Nachfragen würde ich dann ein "ja, ist toll" oder so was bekommen. Mache ich nicht mehr. Ich schmücke, wie es mir gefällt.

                Eigentlich wollte ich etwas von dieser Arbeit abgeben und hatte meinen Partner und unseren Sohn gefragt, ob sie dieses Jahr den Weihnachtsbaum schmücken wollten. Da ich ein allübliches "Jaja" als Antwort bekam, dachte ich, dass sie es wohl machen würden... haben sie aber nicht. Am 23. stand ich im Wohnzimmer allein vor einem nackten Baum und niemand ließ sich blicken. Also habe ich ihn dann geschmückt, wobei mir mein Partner auch nicht alle Sachen vom Dachboden geholt hatte (ich geh nicht selbst da rauf, weil ich nicht auf Leitern steigen kann, denn ich habe Tiefenangst und kriege schon auf der ersten Stufe einer Leiter das große Flattern ). So hatte der Weihnachtsbaum dieses Jahr keine Spitze und war etwas mager geschmückt, was ich im nachhinein gar nicht so schlecht fand.

                Das einzige Interesse meiner Familie bestand am Weihnachtsbaum nur daran, die neuen Kerzen mit Fernbedienung zu bedienen, wie der Baum geschmückt war, war ihnen egal.

                Auch wenn ich nichts gesagt habe, es tut doch weh. Wer will denn so ein Weihnachten?

                Ich habe die ganzen Tage die Tools gemacht, vor allem, um nicht zu verzweifeln und an Selbstmord zu denken, würde denen wahrscheinlich nicht mal auffallen, wenn ich plötzlich weg wäre.

                Am Heiligen Abend haben wir dann das gemacht, was wir immer machen, wir sind in den Wildpark gefahren. War dieses Mal spannend, wegen Struppi. Sie hat sehr sehr sehr viel gebellt, aber ich habe es gut durchgestanden und mit Humor genommen. Struppi hilft mir, ein dickes Fell zu bekommen.

                Gegen Abend essen wir dann vom heißen Stein. War sehr lecker, wir hatten Demeter-Hähnchenbrustfilet, Hirsch- und Rentierfleisch, dazu Baguette, süß-saueren Bio-Kürbis und Steinpilze.

                Während des Essens fragte mich mein Sohn, ob ich schlecht gelaunt sei, obwohl ich wirklich versucht habe, mir ihre Gemeinheiten nicht anmerken zu lassen, die sie schon den ganzen Tag auf mich herunter haben regnen lassen. - Meinem Sohn sag ich in solchen Momenten, dass mir grad einiges zu viel, zu anstrengend sei, das versteht er so am besten. - Mein Partner macht das sehr geschickt, indem er zu mir blöde Sachen sagt und unser Sohn plappert es dann nach, ohne darüber nachzudenken.

                Gestern habe ich mit meinem Sohn darüber geredet, dass er sowohl sich nicht mit mir gegen seinen Vater verbünden soll, indem er das nachplappert, was ich so sage und dass er sich auch nicht mit seinem Vater gegen mich verbünden soll, indem er alles nachplappert, was der so von sich gibt. - Hat er verstanden.

                Dann gabs Geschenke, jeder war glücklich und zufrieden, aber ich fand es schade, dass die Beiden nicht mal eine CD mit Weihnachtsliedern im Hintergrund abspielen lassen wollten. Sie sind in der Mehrheit, was soll ich da machen? Für mich ist das dann nicht so richtig Weihnachten, ich würde auch gern was singen, aber ich stell mich nicht allein hin und singe was, bin ja kein Animateur.

                Was ich auch noch echt blöde fand, war, dass mein Partner den ganzen Tag lang uns daran erinnerte, dass er ja eine Frau sei und er ja eigentlich sich habe umziehen wollen. Wir haben immer gesagt, dass unser Sohn dabei das letzte Wort hat, weil sein Vater ja nun noch nicht in der Öffentlichkeit geoutet ist und unser Sohn, weil selbst in der Pubertät, verwirrt genug sei.

                (Man macht seinen Wechsel vor oder nach der Pubertät der eigenen Kinder und nicht mittendrin, sagt jeder Psych und ist auch logisch, weil die eigenen Kinder haben schon genug mit dem TS zu tun und wenn sie selbst in der Pubertät sind, ist es einfach zu viel für sie. - Ich habe meinen Wechsel lange vor der Pubertät unseres Sohnes gemacht, weil das für mich selbstverständlich war und ich nicht bis nach der Pubertät hätte warten können, denn irgendwann ist der Druck einfach zu groß und man muss den Wechsel machen. Wir, mein Partner und ich, haben damals lange über seine TS geredet und er meinte, dass er bis nach der Pubertät seines Sohnes warten würde. - So viel zur Theorie... er fing an, als unser Sohn gerade in die Pubertät kam. )

                Unser Sohn wollte nicht, dass sein Vater sich komplett zum Weihnachtsabend umgezogen hätte, hätte aber den Klamotten ohne Perrücke zugestimmt. Das wiederum wollte sein Vater aber nicht, ganz oder gar nicht, seine Devise und wenn gar nicht, dann den ganzen Abend herumnörgeln ist dann die Alternative.

                Gestern hat er dann verkündet, dass er sich heute zum Mittagessen komplett umziehen wird, egal, was wir davon halten. - Mir egal, für mich sieht er aus, wie ein Mann in Frauenklamotten mit einer billigen Perrücke auf, der sich auch benimmt, wie ein Kerl, also nix wie Olivia Jones oder so, leider. Aber ich sag dazu nix mehr.

                Gestern sind wir zu meinen Eltern gefahren und davor wie mein Partner sich verhalten würde, hatte ich am meisten Angst. - Meine Mutter vielleicht auch, denn die hatte sich, wie schon so oft, wenn wir kommen, den Magen "verdorben", es ging ihr also nicht ganz so gut. - Früher dachte ich immer, dass es an mir liegen würde, weil sie mich nicht mögen würden, aber dem ist wohl nicht so. - Zunächst aber benahm sich unser Sohn völlig daneben, was sich erst mit der Bescherung änderte. Ich hab ihm hinterher gesagt, dass, wenn er sich noch ein Mal so bei seinen Großeltern benimmt, die ihn wirklich lieben und ihn immer beschenken, wartet er die ganze Zeit ohne DS oder sonst was im Auto. - Ich glaube, das hat er verstanden.

                Mein Partner hat nichts gesagt, wie immer. Hinterher meinte er, dass er zum einen nichts gesagt hätte, weil er mich ja nicht unterbrechen soll und zum anderen, weil ich die ganze Zeit geredet hätte. Ich habe ihm gesagt, dass zwischen jemanden unterbrechen und sich unterhalten ja wohl ein ziemlich deutlicher Unterschied liegen würde und dass ich nicht nur, aber mehr geredet hätte, weil er ja nur geschwiegen habe...

                Ich hatte mich jedenfalls so auf meine Eltern gefreut, aber als wir da waren, konnte ich mich kaum noch freuen. Ich habe dann einfach versucht, meinen Eltern so nah wie möglich zu sein, ungeachtet meiner Familie.

                Heute essen wir die bestellte Gans, die mein Partner abgeholt hatte und leider nicht darauf geachtet hatte, dass zwei Sachen dabei gefehlt haben. Kann ich also morgen auch wieder hinterher sein. Sind nicht wichtig für das Essen heute, aber es sollte noch ein Glas Gänseschmalz und ein Glas Gänseleberparfait dazu geben und die waren nicht dabei.

                ----------------------

                Was mich aber am meisten an Heiligabend erfreut und überrascht hat, war, dass ich ein Geschenk von meiner Ex-Kumpelfreundin bekommen habe. Wir hatten immerhin jetzt gut ein Jahr kaum miteinander gesprochen, weil ich ja den Kontakt abgebrochen hatte. Ein schönes Geschenk, sie hatte wirklich an mich gedacht.

                Wir haben dann auch noch kurz telefoniert und mir ging danach einiges im Kopf herum.

                Hatte sie mich wirklich manipuliert oder habe ich mir das nur eingeredet, um einen Grund zu haben, mich von ihr zu trennen?

                Zum Schluß unserer Beziehung war es nämlich so, dass sie oft gesagt hat, dass mein Partner dies und jenes gesagt hätte und der hat das immer bestritten. Dafür hat er immer was gesagt, was angeblich sie gesagt hat, was sie immer bestritten hat... das hat mich so verwirrt, dass ich irgendwann niemandem mehr glauben konnte und einen Kontaktabbruch für am sinnvollsten hielt.

                Aber sie fehlt mir. Im letzten Jahr habe ich so oft gedacht, dass diese oder jene Gefühle nur sie verstanden hätte, weil unsere grauenvolle Kindheit eben so ähnlich war, wenngleich wir auch verschiedene Wege gegangen sind. Wir hatten so tiefe Gespräche, die kann man mit niemand anderem haben. Ja, das alles und sie selbst fehlt mir sehr.

                Aber wenn ich mit ihr nochmal Kontakt aufbauen möchte und scheinbar ist auch sie nicht abgeneigt, dann ohne meinen Partner. Sie kann zu ihm allein Kontakt haben und ich mit ihr allein, aber es geht nicht, wenn wir drei zusammen sind, denn dann stand ich immer nur daneben und das will ich nicht mehr.

                Was glaubt ihr, ist das zu viel verlangt?

                Condor

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                  Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                  Was glaubt ihr, ist das zu viel verlangt?
                  Ich denke, vom Grundsätzlichen her nicht, aber es kommt immer auf die Art und die Intensität eines Kontaktes an, in sofern gibt es da wohl keine generell richtig oder falschen Aussagen.

                  Was mich immer noch ein wenig irritiert, aber das liegt wohl daran, dass ich nicht alle Deine Beiträge lese, ist immer noch die Frage, wer bei Euch ist weiblich, wer männlich, wer war fürher weiblich oder männlich und wer ist irgendwas dazwischen.
                  Ich formuliere das mal so laienhaft, weil mir da das Hintergrundwissen fehlt.
                  Das ist im Grund auch egal, aber es würde mir bei der Zuordnung Deiner Aussagen hilfreich sein.

                  Kommentar


                    Hallo Hubert1,

                    Zitat von Hubert1 Beitrag anzeigen
                    ist immer noch die Frage, wer bei Euch ist weiblich, wer männlich, wer war fürher weiblich oder männlich und wer ist irgendwas dazwischen.
                    Ist vielleicht für andere auch verwirrend, für mich ist das normal, deswegen denke ich da beim Schreiben nicht mehr drüber nach. Gut, dass du gefragt hast.

                    Ich bin ein Transmann. Ich wurde in einen weiblichen Körper geboren und galt vor meinem Outing vor 7 Jahren als sogenannte/s Frau/Mädchen. Man sagt dazu auch FzM, Frau zu Mann Transsexueller.

                    Mein Partner fühlt sich ebenfalls als Transsexelle(r). Er lebt und arbeitet noch als Mann, hat sich also noch nicht geoutet. Er ist ein MzF, Mann zu Frau Transsexuelle.

                    Wenn es für dich und andere reicht, kann ich das FzM oder das MzF jedes Mal in Klammern dahinter setzen.

                    --------------------------------

                    Ansonsten haben wir gerade unsere Gans gegessen, die superlecker war.

                    Mein Partner (MzF) hatte sich zum Essen umgezogen, Bluse, rote Lederhose, rote Söckchen und eine Perrücke (kein Echthaar).

                    Unser Sohn hat, ohne, dass ich (FzM) etwas gesagt habe, gesagt: "Du siehst aus wie ein Mann, der sich verkleidet hat." - Ich (FzM) habe dazu nichts gesagt.
                    Später, als unser Sohn in seinem Zimmer verschwunden war, haben wir darüber geredet. Mein Partner (MzF) wollte meine ehrliche Meinung hören... ich (FzM) habe es nicht so scharf formuliert, wie unser Sohn, ihm aber versucht, Tipps für sein Passing (das ist die Umschreibung für das Aussehen eines Transsexuellen im Hinblick auf die Gesellschaft) gegeben. Doch wozu? Denn mein Partner (MzF) glaubt, dass sein Passing gut ist.

                    --------------------------------

                    Ist das so besser, Hubert1? Oder würde es reichen, wenn ich das (MzF) und das (FzM) nur eingangs des Beitrages schreiben würde?

                    Condor

                    Kommentar


                      Zitat von Condor Beitrag anzeigen

                      Ist das so besser, Hubert1? Oder würde es reichen, wenn ich das (MzF) und das (FzM) nur eingangs des Beitrages schreiben würde?

                      Condor
                      Für mich persönlich könnten jetzt sogar die Bezeichnungen in den Klammern entfallen.
                      Aber danke für den Hinweis, mir fällt es jetzt viel leichter es einzuordnen.
                      Im Grunde sind es einfach nur umgekehrte Vorzeichen.
                      Dein Partner fühlt wie eine Frau und Du fühlst wie ein Mann, wenn ich das mal so sagen darf, aber früher bzw. teilweise noch heute habt ihr genau die umgekehrten Rollen. (gehabt)

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                        Hallo Hubert1,

                        wenn es so was wie ne Signatur gäbe, dann könnte ich es da rein schreiben.

                        Aber ich kann es ja dann und wann mal wieder erwähnen, vor allem aber dann, wenn es um meinen Partner geht.

                        Es ist für mich immer etwas erschreckend, wie Laien Transsexualität sehen, aber vielleicht ist das Ganze auch zu schwierig, wenn man selbst nicht drin steckt.

                        Ich (FzM) habe mich nie als Frau gefühlt. Schon als Kind mit ca. 4/5 Jahren dachte ich von mir selbst, dass ich ein Junge sei (das ist was anderes, als sich zu wünschen, dass man einer wäre). Deswegen fand ich George von den Fünf Freunden auch blöd und habe mich eher mit Julian identifiziert.
                        Ich hatte leider einen weiblichen Vornamen, aus dem man nichts Männliches hätte ableiten können, trotzdem hielt ich daran fest, ein Junge zu sein, habe dies aber niemandem gesagt. Das war nur für mich.
                        Ich war als Kind nicht so taff und mutig, wie die anderen Jungs, mit denen ich spielte, da kam mir leider mein Autismus oft in die Quere.
                        Meine Pubertät habe ich komplett ignoriert, schon deswegen, weil ich ja irgendwann meine Tage bekam und mir gesagt wurde, dass dies dazu gehörte, wenn man eine Frau werden würde. Der Schock meines Lebens und ich beschloss Kind zu bleiben.

                        Naja, so zieht sich dann etwas durchs Leben, was ich später nicht wahr haben wollte. Ich wollte alles sein, nur nicht transsexuell.

                        Man kann Transsexualität auch im Gehirn nachweisen, macht nur keiner, weil die Untersuchung zu teuer ist. TS ist keine psychische Erkrankung.

                        Die Auswirkungen sind dann als Gefühle messbar. Ich habe mich nie wie ein Mädchen oder wie eine Frau gefühlt. Jungs zu verstehen, war für mich immer einfacher als Mädchen. Bei meinen Beziehungen habe ich das gemacht, was eigentlich die Jungs machen, ich habe meine Partner erobert.

                        Durch die ganze Sache mit meinem Sohn und Heirat und so wurde ich dann wieder in die Frauenrolle gedrängt und habe, bevor ich den Transweg begann, noch einmal alle weiblichen Attribute in mir ausgeschöpft, aber da waren kaum welche, nicht einmal Muttergefühle, die kamen erst mit den Jahren.

                        Den ganzen Haushaltskram kann ich nicht ausstehen, wenn wir mal in ein paar Schubladen denken... ich kann nicht nähen und nicht bügeln und ich hass das Zeugs auch. Ich weiß, es gibt auch Frauen, die das alles nicht wollen. Und trotzdem ist es bei TS anders. Letztendlich hab ich mich gefragt, in welcher Kleidung ich beerdigt werden möchte und da wars für mich ganz klar, in männlicher Kleidung.

                        Bei meinem Partner (MzF) ist das alles nicht so deutlich und deswegen für mich ganz schwer zu fassen und zu akzeptieren. Er hat sich viel bei mir abgeschaut, benutzt für seine Erklärungen oft sogar meine Wortwahl. Er wäre gern eine Frau, ist aber nicht bereit, sich weiblich zu geben. Stattdessen ist er so wie immer, trotz bereits genommene weibliche Hormone. Ich sag halt, rosa-rote Klamotten machen noch keine Frau.

                        ------------------

                        Heute habe ich (FzM) unserem Sohn gesagt, dass ihn niemand dazu zwingen kann und darf, wie er seinen Papa anzusprechen hat, auch sein Papa darf das nicht. Ich habe ihm empfohlen, einfach Papa zu sagen und wenn sein Papa sich beschwert, soll er ihn an mich verweisen. Ich werde mich dann mit ihm auseinander setzen.

                        Unser Sohn ist schon genug mit seiner eigenen Pubertät beschäftigt, da braucht er nicht auch noch einen Vater, der ihn andauernd berichtigt, wenn er "er" und nicht "sie" gesagt hat.

                        Auch ich merke, dass ich das eigentlich nicht kann und nicht will...

                        Ich habe Angst. Wie soll das weitergehen?

                        Condor

                        Kommentar


                          Was mich mal interessieren würde: Was für einen Beruf hast du gelernt? Einen "typischen Männerberuf", wenn du verstehst, was ich meine?

                          Kommentar


                            Hallo Die Reifende,

                            weder noch, ich bin gelernter Heilerziehungspfleger.

                            Allerdings ist das nicht mein Traumberuf gewesen, sondern das, was zum Schluss irgendwie übrig blieb.

                            Eigentlich wollte ich Tischler werden und mir danach ein eigenes Beerdigungsunternehmen aufbauen, weil ich die Särge gern selbst gezimmert hätte (ich hatte schon immer so eine morbide Art, war aber kein Gothic oder so was). Bestatter wäre auch noch in Betracht gekommen, sowie Steinmetz, da hätte ich dann wenigstens noch Grabsteine machen können, aber meine Eltern haben mir alle meine Traumberufe damals ausgeredet, dass ausgerechnet ich diese Berufe sowieso nicht hätte schaffen können und damals... tja... da habe ich ihnen irgendwie wohl geglaubt.

                            Auch Tierpfleger, Schauspieler oder Journalist haben sie gnadenlos vernichtet.

                            Das lief dann so ab, dass ich eine tolle Idee hatte, was ich werden wollte und es meinen Eltern erzählte. Meistens haben sie zuerst laut gelacht und dann kam der Spruch, den sie immer gemacht haben: "Was willst du werden? Ausgerechnet du? Das schaffst du doch nie und nimmer. Nimm lieber was anderes." - Und damit war für sie das Thema erledigt.

                            Irgendwann wollte ich Grafikdesigner werden, aber dafür fehlte mir das Talent zum Freihandzeichnen. Technisches Zeichnen und räumliches Denken waren vorhanden, aber ich konnte mit der Hand keinen geraden Strich ziehen, so sehr ich mich auch angestrengt habe.

                            Ich habe viele Praktika gemacht, in einer Druckerei, Schildermalerei, Kindergarten und blieb schließlich im Wohnheim für geistig behinderte Erwachsene hängen. Da habe ich dann beschlossen, Heilerziehungspfleger zu werden, was meinen Eltern auch nicht in den Kram passte, aber da war es mir inzwischen egal geworden.

                            Mir ist die Ausbildung sehr schwer gefallen, habe sie aber durchgezogen und meinen Abschluss mit staatlicher Anerkennung gemacht. Viel gearbeitet habe ich nach meiner Ausbildung nicht, denn es gab zu wenig gute Stellen. Für den Job bin ich ein paar Mal umgezogen und irgendwann schwanger geworden, da wars dann eh vorbei.

                            Seit einigen Jahren bin ich Erwerbsunfähigkeitsrentner.

                            Condor

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                              Résumé 2012:

                              Das Jahr 2012 war insgesamt besser als 2011.

                              Obwohl es mit schweren Depressionen anfing, mit Kontaktabbruch zu meiner langjährigen Kumpelfreundin und einem Sylvester, wo uns die Knaller um die Ohren flogen, entwickelte es sich zu einem arbeitsreichen und nun gutem abschließenden Jahr.

                              Ich habe Wege beschritten, die ich nie zu träumen gewagt hatte, inmitten meiner Depressionen fröhliche und glückliche Tage und bin nunmehr immer noch in diesem Forum, ohne mich selbst entfernt oder zum gehen genötigt worden zu sein.

                              Ich bin transsexueller Autist und habe in diesem Jahr die Zeit genutzt, dies langsam zu begreifen, wobei das Transsexuelle in meinem Leben keine Rolle mehr spielt, da bin ich angekommen, ich bin Transmann, habe alle notwendigen OPs hinter mir und irgendwie in der Realität angekommen.
                              Mit meinem Autismus verhält es sich noch anders, da weiß ich noch nicht, wo ich stehe, was ist mein Autismus, was einfach nur Horrorerziehung, die schmerzvolle Erkenntnis, dass meine Eltern nie begreifen werden, was sie mir mit ihrer Erziehung genommen, was sie angerichtet haben und ich kann ihnen darum nicht mehr zornig sein. Habe einen Weg gefunden, sie trotz allem zu lieben, ohne mich dabei vollständig aufgeben zu müssen.

                              Mein Sohn geht seinen Weg, konsequent, sicher nicht leicht, sein Weg mit uns als Eltern, der eine Trans, der andere noch nicht wirklich. Ich hätte ihm bessere Eltern gewünscht, er muss mit uns vorlieb nehmen, das ist nicht immer leicht für ihn. Doch auch für uns ist er nicht immer leicht, das gleicht sich irgendwie aus.

                              Mein Partner ist was er ist, ich versuche immernoch und wieder das Beste daraus zu machen.

                              Struppi lässt mich lachen und bringt mich an meine körperlichen und psychischen Grenzen und ich bin froh, dass ich die letzten 4 Monate mit ihr durchgehalten habe, sie entwickelt sich zunehmen zu einem tollen Hund.

                              Dann habe ich heute Mittag 4 Stunden mit meiner Ex-Kumpelfreundin telefoniert, wir werden sehen, was sich daraus entwickelt, aber weder sie, noch ich sind sauer aufeinander, das kann nur besser werden.

                              Gesundheitlich geht es mir zunehmend besser, ich freue mich auf mein Schlafapnoegerät, welches ich am 03.01.2013 bekommen werde. Wer hätte das gedacht!

                              Einen neuen Hausarzt habe ich mir in diesem Jahr gesucht und einen tollen gefunden.

                              Ich blicke zurück auf ein arbeitsreiches Jahr voller Höhen und Tiefen. Ich bin zufrieden mit dem, was ich geschafft habe und voller Hoffnung auch das zu schaffen, was ich bisher nicht geschafft habe.

                              Ich wünsche allen Menschen hier und anderswo einen guten Start ins Jahr 2013. Mögen eure Wünsche sich erfüllen und eure Hoffnungen guten Boden finden.

                              Condor

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                                Dasselbe wünsche ich von Herzen auch dir, lieber Condor!

                                Bonny

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