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    Liebe Bonny,

    Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
    Wobei seine Situation sich von meiner dadurch unterschied, dass er sich ja hat behandeln lassen.
    Bei mir würde es ja darum gehen, ob ich, je nach Diagnose, überhaupt noch was machen ließe.
    Soweit ich mich erinnere, war Dein Mann eher zögerlich, als es darum ging, über seine Erkrankung Bescheid zu wissen und Behandlung anzunehmen.

    Wir leben in einer Gesellschaft, in der für viele Menschen der Zugang zu teurer medizinischer Diagnostik und Behandlung besteht. Durch diese Möglichkeit etwas zu wissen oder zu tun wird jede Situation zu einer, zu der man sich verhalten muß. Das erzeugt Druck, weil man Entscheidungen fällen muß, die man vielleicht garnicht fällen will.
    Das gilt für Pränataldiagnostik genauso wie für Krebsfrüherkennung und für Bluthochdruckbehandlung.

    Ich vermute, daß viele deswegen nicht oder erst sehr spät zum Arzt gehen, auch wenn es schon Anzeichen gibt, daß sie schwer erkrankt sind. Solange sie nicht wissen, daß sie z.B. Krebs haben, müssen sie nicht entscheiden, ob sie sich behandeln lassen wollen. Dabei geht es nicht nur um die mit Chirurgie, Bestrahlung oder Chemotherapie erzielbaren Erfolge, sondern auch die Neben- und die Langzeitwirkungen solcher Behandlungen.

    In den Niederlanden gibt es die Möglichkeit, sich beim Sterben helfen zu lassen, wenn das Leid unerträglich und nicht zu lindern ist oder wenn jemand sagt, sein Leben sei abgeschlossen. Ich gehöre zu den Kämpfern, aber die Vorstellung im Notfall nicht weiterleben zu müssen empfinde ich als tröstlich.
    Ich habe sehr mit mir gerungen, ob ich so egoistisch sein darf, meine Organe nicht zu spenden - aber ich habe so viel für andere gelebt und geleistet und bin so wenig in Ruhe gelassen worden, daß ich wenigstens in Ruhe sterben will.

    Liebe Grüße
    Freundin der Weisheit

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      Liebe Bonny,

      während ich schrieb ging Eure Diskussion schon weiter.

      Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
      Du, es wäre mir sehr schwer gefallen, aber ich hätte ihn gelassen.
      Ich bin in dem Punkt anders gestrickt.
      Wir hatten diese Diskussion ja schon öfter; er passt ja auch gar nicht auf seinen Zucker auf. Er sagt: Er lebt jetzt und will gut leben , sich nicht einschränken; wenn er dann früher stirbt, dann ist das halt so.
      Nur wenn es um mich geht, da fordert er eine Behandlung bis zum bitteren Ende.
      Wenn er das so fordert finde ich das unfair. So eine Haltung ärgert mich sehr!

      Ich lebe nach dem Grundsatz, daß ich von anderen nur fordern darf, was ich selbst bereit bin zu tun - und meistens sogar weniger fordere.

      Liebe Grüße
      Freundin der Weisheit

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        Ich habe in meinem Organspendeausweis auch ein "Nein" angekreuzt.
        Ich möchte vollständig sein, wenn ich tot bin.
        Ich würde aber auch kein Spenderorgan von jemand anderem annehmen.
        Das könnte ich psychisch nicht verkraften. Ein künstliches Gelenk ist eine andere Sache, aber ein Organ von einem anderen Individuum, das kann ich nicht.

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          Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
          Es ist eine Thematik, die mich schon beschäftigt, seit meine Schwester wegen ihres Mannes 6 Jahre Quälerei und den totalen Verlust ihrer Lebensqualität auf sich genommen hat.
          Ich will niemandem zu nahe treten, aber ich halte es für fragwürdig, ob sie es tatsächlich für ihren Mann gemacht hat. Man macht etwas immer für sich selbst. Irgendeinen Gewinn bringt es für einen. Und wenn es die Zeit mit einem geliebten Menschen ist.

          Auf Behandlung zu verzichten, weil die Kraft zu kämpfen endgültig erschöpft ist wie bei dem Mann, den Packs beschrieben hat, kann ich nachvollziehen. Aber von vorn herein zu sagen, ich will mich nicht behandeln lassen, wenn ich einen Tumor habe, nicht.

          Zu verstehen, wie sich jemand mit einer Krebsdiagnose fühlt, wenn man selber noch nicht mit dem Sterben konfrontiert wurde, halte ich auch für nicht möglich. Es fühlt sich ganz anders an, als man vorher denkt. Das ist wie plötzlich Mutter oder Vater sein. Das kann man vorher auch nicht im geringsten fühlen. Daher halte ich so eine Entscheidung für äußerst abstrakt und wahrscheinlich unrealistisch. Darüber sollte man sich wirklich erst Gedanken machen, wenn es soweit ist.

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            Zitat von Immerglut Beitrag anzeigen
            Ich will niemandem zu nahe treten, aber ich halte es für fragwürdig, ob sie es tatsächlich für ihren Mann gemacht hat. Man macht etwas immer für sich selbst. Irgendeinen Gewinn bringt es für einen. Und wenn es die Zeit mit einem geliebten Menschen ist.
            Naja, Immerglut, in der Psychologie redet man von "Sekundärgewinn" oder so, was anscheinend sagt, dass man selbst auch etwas gewinnt, auch wenn es wie ein Verzicht aussieht. Aber manchmal ist der Sekundärgewinn nur der, dass man sein eigenes Selbstbild aufrecht erhält, statt sich wirklich mal selbst ehrlich im Spiegel zu betrachten. Oder dass man erfolgreich ausweicht und nicht wirklich zu sich selbst und den eigenen Bedürfnissen stehen muss, weil man dafür die Kraft nicht zu haben glaubt. Oder dass man dem Schmerz entkommen will, den man empfinden würde, wenn man einen anderen Menschen enttäuscht. Oder...
            Der Sekundärgewinn kann die hauptsächliche Motivation sein, etwas zu tun oder zu lassen. Aber der ist wahrhaft nicht immer positiv....


            Zitat von Immerglut Beitrag anzeigen
            Zu verstehen, wie sich jemand mit einer Krebsdiagnose fühlt, wenn man selber noch nicht mit dem Sterben konfrontiert wurde, halte ich auch für nicht möglich. Es fühlt sich ganz anders an, als man vorher denkt. Das ist wie plötzlich Mutter oder Vater sein. Das kann man vorher auch nicht im geringsten fühlen. Daher halte ich so eine Entscheidung für äußerst abstrakt und wahrscheinlich unrealistisch. Darüber sollte man sich wirklich erst Gedanken machen, wenn es soweit ist.
            Das hab ich früher auch immer so gesehen. Aber inzwischen habe ich in meinem Leben immer wieder erlebt, dass ich mich doch inzwischen sehr gut kenne, mit meinen Mustern, die ablaufen, sozusagen per Du bin. Und ich habe auch genug erlebt - sowohl selbst als auch bei Menschen, die mir nahe stehen - dass ich das Gefühl habe, es wäre für mich eher wie "das zweite Mal Mutter werden" - natürlich ist es in realiter anders. Ganz klar. Aber ICH bin nicht anders...

            Und zudem haben diese Gespräche, die wir jetzt hier führen, der Erfahrungsaustausch, die verschiedenen Fragen, die auftauchen, sehr viel mit "Vorbereitung" zu tun. Es geht meiner Meinung nach hier weder darum, Bonny zu sagen, was sie zu tun oder zu lassen hat, noch irgendetwas moralisch zu bewerten, sondern darum, mit unseren eigenen Erfahrungen und Überlegungen das Feld zu erweitern, den Denk-Raum zu vergrössern. So können alle, die einmal in eine ähnliche Situation kommen, von einem grösseren Radius profitieren.

            Vielleicht wäre "Dialog" statt Diskussion das bessere Wort.

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              Zitat von packs Beitrag anzeigen
              Aber manchmal ist der Sekundärgewinn nur der, dass man sein eigenes Selbstbild aufrecht erhält, statt sich wirklich mal selbst ehrlich im Spiegel zu betrachten. Oder dass man erfolgreich ausweicht und nicht wirklich zu sich selbst und den eigenen Bedürfnissen stehen muss, weil man dafür die Kraft nicht zu haben glaubt. Oder dass man dem Schmerz entkommen will, den man empfinden würde, wenn man einen anderen Menschen enttäuscht. Oder...
              Der Sekundärgewinn kann die hauptsächliche Motivation sein, etwas zu tun oder zu lassen. Aber der ist wahrhaft nicht immer positiv....
              Nur? Wer entscheidet, was positiv und nicht positiv für einen selber ist?
              Die Entscheidung, leben zu wollen anstatt zu sterben halte ich für keinen Sekundärgewinn, sondern für DAS existentielle Bedürfnis schlechthin. Unser ganzen Leben dreht sich darum, zu überleben.

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                Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
                Das ist richtig.
                Aber: Ginge mein Leben nicht ganz anders zu Ende (vielleicht gottgewollter), wenn es nicht die neuesten "Errungenschaften" der Medizin gäbe, die uns oft die Lebensqualität nehmen?
                Für mich stellt sich also die Frage: Muss ich die annehmen?
                Du lebst in dieser "deiner" gottgewollter Zeit.
                Und du alleine entscheidest, ob du was annehmen willst

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                  Mir gefällt Packs Beitrag sehr gut.
                  Vor allem die Stellen, an denen es um Dialog und den größeren Radius geht.

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                    Bei mir bestand der Verdacht auf Lymphdrüsenkrebs als ich schwanger war. Die Entscheidung die im Raum stand war, nach durch OP gesichererter Diagnose: Abtreibung und sofortiger Beginn der Chemotherapie oder, falls ich solange überleben sollte, das Kind bekommen, dann aber keine Chancen auf Heilung mehr zu haben. Die Entscheidung sollte ich "gefälligst" schon vor der OP, bei der der betroffene Lympfknopten (den man vorher punktiert hatte, woraufhin man die Erstdiagnose gestellt hatte) entfernt wurde, getroffen haben. Die Ärzte haben ausnahmslos auf Abtreibung gedrängt. Für mich kam das überhaupt nicht in Frage. So hart das Wissen, dass ich dann sterben und mein Kind nicht aufwachsen sehen würde war, ich hatte mich für das Kind und gegen Chemo etc. entschieden. Der Hammer war dann, dass es gar kein Krebs war! Da wird man einfach mal so "prophylaktisch" durch die Hölle geschickt. Und ich rede hier nicht von EINEM Arzt, das war gleich eine ganze Handvoll!

                    Ich will nicht sagen, dass diese Ausandersetzung und dieses Ringen mit mir selbst, mir nichts gebracht hätte (ganz im Gegenteil), aber, ich bin trotzdem der Meinung, dass die Ärzte viel zu schnell mit Horrordiagnosen bei der Hand sind. Wenn es sich um einen Verdacht handelt, dann finde ich sollte man dem Patienten doch bitteschön auch die Zeit geben, die er selbst haben möchte, um sich mit der eventuell möglichen Diagnose auseinanderzusetzten und nicht direkt die totale Konfrontation mit allen schlimmsten Variationen starten, bevor überhaupt gesicherte Gründe dafür vorliegen.

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                      Wenn meine BZ-Werte heute stabil bleiben, das wird sich in den nächsten Stunden herausstellen, tendiere ich auch immer mehr dazu, dass die Anfangsvermutung des Arztes nicht stimmt.
                      Ich werde die 3 Tage in die Klinik gehen, wenn sich dabei aber nichts ergibt und die Zuckerauffälligkeiten sich nicht wiederholen, werde ich keine weiteren Untersuchungen machen lassen.

                      Vielleicht trübt mir meine neu aufkeimende Hoffnung jetzt den Blick, ich weiß es nicht, aber ich kann mir, nach dem 1. Schock, einfach nicht vorstellen, dass mein Körper mich derart getäuscht hätte. Wir haben uns bisher stets gut ausgetauscht, und ausgerechnet bei solch einer Erkrankung sollte es kein übereinstimmendes Bauchgefühl geben? Das glaube ich einfach nicht.

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                        Heute morgen habe ich im Radio eine christliche Sendung gehört.
                        In den USA verbreitet sich die Angewohnheit, am Handgelenk ein Bändchen zu tragen, auf dem steht: WWJD (What would Jesus do?)
                        Man solle sich in jeder Situation fragen, was Jesus jetzt wohl getan hätte.

                        Ich hab dann grad mal kurz überlegt und bin zu folgendem Schluss gekommen.
                        Jesus würde in meiner jetzigen Lage zum Diabetologen gehen und sagen: Meine Zuckerwerte haben sich gebessert, ich verzichte auf den Klinikaufenthalt.

                        Ich bin aber nicht Jesus.
                        Deshalb werde ich die 3 Tage Zuckeruntersuchung mal machen lassen.

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                          Jesus würde ein Wunder wirken und sich selbst heilen.

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                            Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
                            Jesus würde ein Wunder wirken und sich selbst heilen.
                            Ja. Siehste, ich bin nicht gläubig genug.

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                              Sehr, sehr ärgerlich! Heilungswunderkräfte sind immer nützlich.

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                                Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
                                Sehr, sehr ärgerlich! Heilungswunderkräfte sind immer nützlich.
                                Und ein vertrauen darauf wirkt verstärkend!

                                Kommentar

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