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    #16
    Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
    @ Paperback
    (@ MIssPig: bei meiner Mutter hätte dein Trainer wahrscheinlich versagt und hätte vielleicht den Wolf zu HIlfe gerufen) )
    Nein, das glaube ich nicht.

    Ich glaube vielmehr, daß, wenn immer noch mehr "und und und" käme, er einfach die Empathie ausschalten und den Giraffenschrei einsetzen würde. Und das wäre ein entschiedenes, und unter Umständen auch lautes, wütendes: Ich möchte das Gespräch hier beenden. Schluß und Punkt. Unter Umständen auch unter Einsatz einer Körpersprache von Entschlossenheit, um den Menschen bei der Türe hinauszukomplimentieren.

    Das ist ja gerade dieses riesige GKF-Mißverständnis, Wut wäre "nicht erlaubt", wütend zu sein wäre "schlecht", "wölfisch". Überhaupt nicht: Wut gibt eine unheimliche Kraft, um mich um mich zu kümmern.

    Ich bin gerade erst letzte Woche im Geschäft gestanden und habe einem Menschen, der ohne Termin hier stand und gefordert hat, daß ich jetzt sofort mein Geschäft alleine lasse, damit ich ihm einen Wasserschaden in meinem Lager zeigen kann, mit unheimlicher Wut im Bauch erklärt, daß ich in keinster Weise daran denke, das zu tun. Daß es zwar sehr unglücklich ist, wenn er jetzt schon eine halbe Stunde darauf wartet, daß endlich meine Verstärkung kommt, so daß ich weg kann, aber daß nicht mein Problem ist, daß er unangemeldet und in der Annahme, hier seien eh immer genug Menschen, hier auftaucht. Mein Geschäft ist mein Geschäft, und ich sperre das zu Ladenöffnungszeiten nicht seinetwegen zu, und zwar schon überhaupt nicht, wenn er mir erklärt, ich sei dazu verpflichtet.

    Und nach 5 Minuten, in denen ich immer entschiedener und wütender wurde, hatte ich seinen Respekt. Die Wut hat ihm klar gemacht: Mir ist es ernst, und ich werde das, was mir wichtig ist, mit Zähnen und Klauen verteidigen. Ich hätte ihn bei der Tür rausgeschmissen, wenn er nicht verstanden hätte, und das hat er wohl erkannt.

    Dafür ist Wut gut, und zwar auch als Giraffe.

    (Wobei ich zugebe: Ich war zu diesem Zeitpunkt keine eindeutige Giraffe. Aber ich war auch kein Wolf. Ich war einfach nur wütend und determiniert. Erwähnte ich schon einmal, daß Wut das Gefühl ist, daß ich am besten kann, daß ich eine richtige Furie sein kann )

    Kleines OT Ende, wobei ich finde, so OT ist es gar nicht, sich bewußt zu machen, daß die Wut unser Freund ist, und uns dabei hilft, unsere Grenzen zu wahren und uns für uns selbst einzusetzen. Daß es nur darum geht, unsere Wut "sozialverträglich" auszudrücken. Und das übe ich halt jetzt die nächsten 40 Jahre ...

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      #17
      Zitat von MissPig
      (Wobei ich zugebe: Ich war zu diesem Zeitpunkt keine eindeutige Giraffe. Aber ich war auch kein Wolf. Ich war einfach nur wütend und determiniert. Erwähnte ich schon einmal, daß Wut das Gefühl ist, daß ich am besten kann, daß ich eine richtige Furie sein kann )
      Friedrich würde sagen: menschlich, allzu menschlich.

      OT

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        #18
        Hallo Ihr Lieben,

        zum Problem habe ich nicht viel beizutragen. Möchte aber ganz kurz da lassen, daß mich die Schilderung von MissPig sehr fasziniert habt, wie Ihr Trainer die Geschichte gelöst hat. Danke dafür!
        Das ist mir in meinem Leben auch schon passiert...wenn ich mir nur klar genug war, was ich wollte und entschlossen dazu...dann gab es keine Probleme. Irgendwie merken das andere Leute ganz schnell, daß hier das Ende der Fahnenstange erreicht ist und reagieren dann erstaunlich schnell.

        Leider habe ich diese Klarheit und Entschlossenheit nur selten. Und insofern ist das doch ein Hinweis zum Thema: das exakte Wissen, was man will, hilft bei der Kommunikation enorm!

        Liebe Grüße
        Glühwürmchen

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          #19
          auch von mir danke an MissPig! andere zu enttäuschen und die enttäuschung auszuhalten ist für mich persönlich auch absolut die hölle - allerdings diesen schritt vor sich zu haben, rauszuschieben, auch! übrig bleibt die frage: meine enttäuschung oder deine enttäuschung, welche lösung bringt beiden seiten etwas?

          lieber Paperback, sag mal, ist Hilde obdachlos? ich habe da so den verdacht ... ist zwischenzeitlich mitleid die basis eurer freundschaft? gibt es noch sympathie von deiner seite aus? vielleicht gilt es, diese punkte zu klären, bevor du mit ihr zusammen an einer lösung arbeiten kannst. nicht aus jeder bekanntschaft entwickelt sich freundschaft, manchmal gehen wir ja nur einen kleinen teil unseres weges mit anderen personen. und das ist okay. was würdest du dir wünschen?

          lieber Shepherd, das linsensuppenproblem kenne ich nur zu gut, deshalb sage ich menschen nach möglichkeit wertschätzend, diplomatisch aber ehrlich, wenn mir etwa nicht soooo gut gefällt/schmeckt. damit der andere gleich gar nicht auf die idee kommt, mich wieder damit zu belästigen, äh zu beehren.

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            #20
            Fortuna,

            Du fragst:

            "lieber Paperback, sag mal, ist Hilde obdachlos? ich habe da so den verdacht ... ist zwischenzeitlich mitleid die basis eurer freundschaft? gibt es noch sympathie von deiner seite aus? vielleicht gilt es, diese punkte zu klären, bevor du mit ihr zusammen an einer lösung arbeiten kannst."

            Fortuna, dieser Verdacht beschleicht mich auch langsam. Anhand ihrer Schilderungen kann ich mühelos nachvollziehen, dass sie tagsüber nahezu überall unterwegs ist und so gut wie kaum zu Hause.

            Was ich weiß, ist halt eben nur, dass sie nicht in unserer Stadt lebt. Aber genau dann, wenn Hinweise zutreffen, wo sie angeblich lebt, sind das mal so mindestens sieben bis acht Kilometer, die sie da tagtäglich offenbar hin und herläuft.

            Und so gut zu Fuß ist sie auch nicht. Vor allem auch der Inhalt ihres Trolly stützt diesen Verdacht.

            Eine Beziehung zu ihr auch "nur" auf freundschaftlicher Basis kann ich mir nicht vorstellen. Da gibt es kaum Gemeinsamkeiten.

            Helfen will ich ihr schon, aber ich habe auch das Gefühl, dass zuständige Instanzen dicht machen. Ich bin schließlich keine Amtsperson.

            Gruß

            Paperback

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              #21
              Warum fragst du sie nicht einfach? Ich bin immer für Offenheit, das weißt du ja.

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                #22
                wie könntest du ihr denn helfen, als mensch, als freund? versteh ich dich richtig, gab oder gibt es eine liebesbeziehung zwischen euch, könntest du dir vorstellen, mit ihr zusammen in einer größeren wohnung zu leben? ich hoffe, ich trete dir mit meinen fragen nicht zu nahe ...

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                  #23
                  Fortuna,

                  Du fragst:

                  "wie könntest du ihr denn helfen, als mensch, als freund? versteh ich dich richtig, gab oder gibt es eine liebesbeziehung zwischen euch, könntest du dir vorstellen, mit ihr zusammen in einer größeren wohnung zu leben? ich hoffe, ich trete dir mit meinen fragen nicht zu nahe ..."

                  Aber, da sei - wer auch immer vor - vor allem aber steht alles dagegen, was ich sehe und empfinde. Mit dieser Frau wird es keine Liebesbeziehung geben, nie und nimmer, und eine gemeinsame Whg auch nicht.

                  Wenn es möglich ist, würde ich ihr helfen, ihre äußeren Umstände zu ändern.
                  Mehr nicht.

                  Paperback

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                    #24
                    Zitat von Paperback Beitrag anzeigen
                    Wenn es möglich ist, würde ich ihr helfen, ihre äußeren Umstände zu ändern.
                    Mehr nicht.
                    Warum denn dieses, Paperback?
                    Denkst du nicht, dass du dich so zu ihrem persönlichen "Helden" mausern könntest, wenn du ihr eine helfende Hand reichst?
                    Überhaupt solltest du da einmal genau nachhaken.

                    Es ist schon merkwürdig, dass sie mit einem Trolly durch die Gegend läuft, der einige Habseligkeiten von ihr erhält, aber zwingend muss das nicht heißen, dass sie kein Dach über dem Kopf hat.

                    Vielleicht ist die Dame auch einfach nur einsam und hat in dir jemanden gesehen, mit dem einige gemeinsame schöne Stunden möglich sind.

                    Dass sie sich aufdrängt bemerkt sie womöglich überhaupt nicht.
                    Immerhin öffnest du deine Tür für sie.
                    Auch um sie "nur" fortzuschicken.

                    Wie reagiert sie denn eigentlich, wenn du ihr aufmachst und sagst, sie solle gehen?

                    Wie auch immer, ich glaube eine geschlossene Tür ist ein eindeutigeres Zeichen, als eine offene und würde sogar jedem Deppen deutlich machen, dass man nicht willkommen ist.

                    Es heißt nicht umsonst: "Meine Tür steht dir immer offen."

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                      #25
                      Hallo Seelenfrieden,

                      nein "ihr Held" will ich nicht werden. Es gibt nur mehrere Indizien, dass möglicher Weise mit ihren Lebensumständen etwas nicht stimmt.
                      Dabei liegt auch die Frage in der Luft, ob sie evtl. gar keinen festen Wohnsitz hat.
                      Deswegen habe ich in den letzten Tagen mal gezielt telefoniert. Damit reiche ich natürlich gleichzeitig die Dinge weiter, die ich selbst nicht lösen kann.
                      Ihre Reaktionen, wenn ich sie fortschicke, kommen relativ neutral rüber. Ich erlebe sie dabei weder auffällig enttäuscht, noch sauer.
                      Im Großen und Ganzen macht alles den Eindruck auf mich, als könne man es ja mal probieren.

                      Gruß

                      Paperback

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                        #26
                        Wie auch immer, ich glaube eine geschlossene Tür ist ein eindeutigeres Zeichen, als eine offene und würde sogar jedem Deppen deutlich machen, dass man nicht willkommen ist.
                        das sehe ich anders. bei einer geschlossenen tür denke ich (und bestimmt der eine oder andere ebenso): oh, die person ist wohl gerade einkaufen, unter der dusche, schläft. versuch ich es in einer stunde nochmal. mein erster gedanke wäre nicht: krass, der/die lässt mich nicht rein!

                        das verordne ich eher unter konfliktvermeidung und finde ich nicht sonderlich fair. ist wohl eher so als letztes mittel geeignet, wenn alles andere nicht gefruchtet hat!

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                          #27
                          Neues

                          Meine Geschichte mit Hilde geht weiter. Freitag Abend: Ich hatte gerade die Hauptnachrichten gesehen. Es klingelte an der Tür.
                          Ich nahm den Hörer der Sprechanlage auf, meldete mich. Keine Reaktion. Ich saß vorm Schreibtisch, und es trieb mich nach unten. Als ich im Foyer des Hauses ankam, saß Hilde dort mit ihrem Trolly. Ob sie vorhin geklingelt habe, wollte ich wissen. Ja, aber sie habe Stimmen gehört und wahrgenommen, dass ich wohl Besuch habe.
                          Dass ließ wiederum nur den Schluss zu, dass sie bereits vorher an meiner Wohnungstür gewesen war und mitbekommen haben muss, wie ich telefonierte.
                          Ich klärte ihren Irrtum nicht auf und ließ sie einfach ziehen.
                          Aber mir reicht es, reicht es wirklich.
                          Mir ist schon irgendwie klar, dass sie kein komfortables Leben hat und auch in einem umfassenden Sinne bedürftig ist. Daneben aber, und das wird mir bei jeder Begegnung bewusster, hat sie auch ein sehr ausgeprägtes Gespür dafür, bei wem sie landen kann.
                          Und das wiederum hat auch mit mir zu tun und meiner Hemmung, mich deutlich abzugrenzen. Das ist mein Part, und ich bin wild entschlossen, meine Einsicht umzusetzen.

                          Paperback

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                            #28
                            hallo paperback,

                            wie ist denn der stand der dinge? ich könnte mir vorstellen, dass es dir schwerfällt, hart zu bleiben? das ist echt eine dubiose geschichte mit hilde. wenn sie so bedürftig ist, ist ein gespür für hilfsbereite menschen auch echt von nöten ... vielleicht hilft es dir, wenn du dir klar machst, dass sie bestimmt nicht anders kann, es nie anders gelernt hat, oder so ähnlich. ihr verhalten betrifft nicht dich PERSÖNLICH.

                            DU darfst dich abgrenzen - du darfst es sogar freundlich tun. du bist ihr ja zu nichts verpflichtet, und das weiß sie auch, das ist ihrem verhalten anzumerken. wenn du nicht mehr zur verfügung stehst, wird sie jemand anderen finden. oder sich selbst hilfe suchen. du bist nicht für sie verantwortlich. wenn du etwa für sie tun willst, dann mach es, weil du es gerne machst. bei allem anderen quält ihr euch beide, letztendlich.

                            ich drück dir die daumen, dass du dich abgrenzen kannst!

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                              #29
                              Hallo Fortuna,

                              in den letzten Tagen habe ich mal gezielt telefoniert, auch mit einschlägigen Stellen. Obwohl man sich naturgemäß bedeckt hielt, konnte ich aus den Reaktionen schließen, dass man um die Dinge weiß.
                              Somit habe ich für mich erst einmal Verantwortung abgegeben, weil ich mit Sicherheit nicht leisten kann, was zu leisten ist.
                              Die Situation Hildes, so stellt es sich für mich jetzt dar, ist aber nicht so, dass etwa von Amts wegen Maßnahmen ergriffen werden müssten.
                              Im Grunde liegt es an ihr, sich die Hilfe zu holen, die sie braucht.
                              Die allerdings kann ich nicht leisten, und deshalb werde ich sie zwar freundlich, zugleich aber deutlich bitten, sich dahin zu wenden, wo sie Hilfe erwarten kann.

                              Gruß

                              Paperback

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                                #30
                                hallo Paperback,

                                ich freu mich, aus deinen worten eine ruhige klarheit herauszuhören. du hast einen guten weg gefunden, dich selbst darin abzugrenzen, ohne Hilde einfach kommentarlos fallenzulassen. find ich toll.

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