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Grenzen ziehen, ohne zu verletzen

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    Grenzen ziehen, ohne zu verletzen

    Grenzen ziehen, ohne zu verletzen- geht das?


    Zur Zeit bin ich etwas ratlos, und ich hoffe deshalb, dass ihr mir vielleicht einen hilfreichen Hinweis geben könnt.
    Es geht um eine Frau, eine Frau, die nie mein Herz erobern oder meine Gefühle in Wallung in bringen könnte. Aber diese Frau hat es auf mich abgesehen, wobei ich davon ausgehe, dass sie mich nicht als Partner angeln will.
    Es begann am Heilig Abend letztes Jahr. In meiner Kirchengemeinde fand ein Gottesdienst statt, der bereits am späten Nachmittag begann und der nahtlos in ein gemeinsames Abendessen im Gemeindezentrum überging. Im Grunde war es ein schöner Abend, den viele Alleinstehende gemeinsam mit den Familien verbrachten.
    Bis zu einer kurzen Andacht um Mitternacht hatten wir Gelegenheit zur Unterhaltung und zu Gesellschaftsspielen.
    An diesem Abend trat Hilde (Name geändert) in mein Leben. Sie sprach mich unvermittelt an, fragte ob ich Schach spiele, was ich bejahte. Sie spielte nicht schlecht, überraschte mich geradezu.
    So nebenbei wollte sie wissen, wo ich wohne. Ich ahnte nichts Schlimmes und gab meine Adresse preis.
    Das war ein Fehler, denn bereits am zweiten Feiertag tauchte sie bei mir auf. Wieder spielten wir Schach. Nur wenige Tage später kreuzte sie erneut auf, brachte zwei Dosen Eintopf mit und erklärte zu meinem Erstaunen, wir könnten ja lecker essen und es uns dann gemütlich machen.
    Ich saß in der Falle. Ihren Dosen-Eintopf lehnte ich dankend ab, sondern bereitete einen Imbiss.
    Mein Besuch harrte aus bis nach Mitternacht.
    Seitdem „überfällt“ sie mich ziemlich regelmäßig, wobei sie schon wiederholt zu verstehen gab, dass sie keine neue Partnerschaft suche. Das käme für mich und mit ihr auch gar nicht in Frage.
    Dennoch: Nach wie vor taucht sie regelmäßig bei mir auf. Vor allem aber zur Unzeit, nämlich abends, um dann locker bis Mitternacht bei mir zu verharren.
    Wenn es abends gegen 20 Uhr bei mir klingelt, kann ich mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass Hilde vor der Tür steht. Letztes überreichte sie mir ein Info-Blatt der katholischen Gemeinden mit diversen Veranstaltungen, meistens mit gemeinsamen Imbiss, Kaffeetrinken oder auch Seniorenfrühstück. Meine Wohnung liegt im Mittelpunkt dreier Kirchengemeinden und diese klappert sie nacheinander ab, verbringt also ganze Tage in Kirchen und kirchlichen Gemeindezentren. Dabei führt sie einen Trolly mit sich, in dem sie eine Notration für den Tag, eine Taschenlampe, auch Essbares mit sich führt.
    Im Grunde, so mein Eindruck, verbringt die 60jährige den Tag draußen, springt von Veranstaltung zu Veranstaltung. In den „Pausen“ versucht sie dann, bei mir unterzukommen.
    Dabei wohnt sie gar nicht in unserer kleinen Stadt, sondern in einer etwa 10 Km entfernten Nachbar-Gemeinde. Im Winter habe ich manchmal Befürchtungen gehabt, sie könne auf dem Nachhauseweg dem Frost zum Opfer fallen.
    Inzwischen bin ich ratlos, will ihr nicht die Türe nicht vor der Nase zuknallen, aber ich fühle mich gleichwohl erheblich bedrängt.
    Habt ihr eine Idee?


    Paperback

    #2
    Hast du denn schon ein einziges Mal "nein" gesagt, wenn sie vor deiner Türe stand?

    Wie oft würdest du sie denn sehen wollen? Gar nicht? Stört dich die Häufigkeit mit der sie aufkreuzt oder eher, dass sie sich nicht anmeldet? Stört dich, dass sie so lange bleibt?

    Grenzen setzen ohne zu verletzen ist manchmal nicht möglich. Hilfreich sind dann oft Lügen, ich vermute aber, damit möchtest du eher nicht arbeiten

    Ich vermute, du bist aufgrund der Lage deiner Wohnung eine gute Anlaufstelle für sie. Wenn du dich verweigerst, wird sie aber sicherlich jemand anderen finden.


    Grüssle
    Nordhimmel

    Kommentar


      #3
      Zitat von Paperback Beitrag anzeigen
      Habt ihr eine Idee?
      Geschlossene Frage, geschlossene Antwort: NEIN

      Aber ich weiß, was Du meinst. Es kann zwar sein, das Hilde mit Dir keine Beziehung will, aber halte ich für unwahrscheinlich, da eine Beziehung ja nicht nur auf sexueller Basis stattfindet. Irgendeinen Grund wird es haben, das diese Frau immer wieder bei Dir auftaucht.

      Ich verstehe Dich zwar, dass Du einen Schlussstrich ohne Verletzungen ziehen willst, aber das wird meiner Meinung nach nicht gehen. Ich denke da jetzt mal an ein altes Sprichwort: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

      Kommentar


        #4
        Wie meine Vorredner bin ich der Meinung, dass es nicht möglich ist, Grenzen zu ziehen ohne zu verletzen.
        Was spricht aber gegen ein offenes Gespräch?
        Frage sie doch frei heraus, was sie sich von diesen häufigen Besuchen verspricht.

        Mal eine andere Frage:
        Könntest du dir denn einen freundschaftlichen Kontakt zu ihr vorstellen?

        Kommentar


          #5
          Lieber Paperback!

          Ich hatte letztes Jahr bei meiner GFK (Gewaltfreie Kommunikation)-Trainerausbildung ein ausgesprochenes Aha-Erlebnis bei einer Übung, die mich an Dein Problem erinnert.

          Die Übungs-Aufgabe war folgendes Rollenspiel:

          Ich habe als Nachbarin seit einiger Zeit ein nettes älteres Ehepaar, dem ich beim Einziehen ein paar mal geholfen habe. Seitdem hat sich die Frau angewöhnt, mich immer wieder mal für Dinge um Hilfe zu bitten, bei denen sie sich schwer tut und mehrmals wöchentlich bei mir anzuklingeln und auf einen Tratsch vorbeizuschauen. Sie betont dabei immer, wie dankbar sie ist, so eine sympathische, hilfsbereite Nachbarin zu haben. Ich selbst mag die zwei Leute auch total gerne, helfe auch gerne, aber ich bemerke in letzter Zeit, daß es mich zunehmend stört, daß die Frau so oft vorbeischaut. Sanfte, indirekte Hinweise versteht sie nicht. Also beschließe ich, das Thema anzusprechen.

          So. Ich habe dieses Rollenspiel zwei mal gespielt: Einmal spielte ich die, die versuchte, das Problem zu lösen, und einmal die alte Frau. Und beide Male "gewann" die alte Frau, es ging mir und der Kollegin, die sich auch an dem Rollenspiel versuchte, absolut gleich:

          Wir begannen in bester GFK-Manier, Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis auf den Tisch zu legen (Planbarkeit und Selbstbestimmung unserer Zeiteinteilung, mehr Zeit für Ruhe). Wir ernteten dafür Verständnis von der älteren Frau, Sympathie für unser anstrengendes Leben, Dankbarkeit für die Zeit, die wir uns immer nehmen - und wir hörten zu, hatten ein schlechtes Gewissen, plauderten. Versuchten dann noch einmal, zu unserem Problem zurückzukommen und zu einer Lösung (fixer Kaffeetermin einmal die Woche/einmal alle 14 Tage) - und ernteten enttäuschtes Verständnis, bekamen ein schlechtes Gewissen, versuchten der älteren Frau die Enttäuschung zu nehmen, sie plauderte wieder nett und verständnisvoll, betonte, wie nett wir doch seien, zeigte ihre Enttäuschung - und wir weichten unsere Bitte wieder auf, waren wieder bei einem "sie kann ja anläuten und schauen".

          Die Rollenspiele wurden beide zum ewigen Kreisel-Strudelteig: Gefangen in unserem schlechten Gewissen, weil wir die ältere Frau verletzten, kamen wir nicht und nicht zum Punkt, wo es "gut" war, diejenige, die die ältere Frau spielte schaffte es immer mit viel typischem Verständnis einer älteren, total lieben Frau, unseren Entschluß aufzuweichen und wieder eine vage "naja"-Vereinbarung, die eigentlich einen Erhalt des Status Quo bedeutete, zu treffen.

          Vielleicht kannst Du dir ja ungefähr vorstellen, wie diese Gespräche - getragen von wechselseitiger Sympathie und dem Wunsch, den Anderen zu verstehen und ja nicht zu verletzen mit dem entsprechenden vorsichtigen "ich mag Sie ja wirklich gerne"-Geeiere - liefen.

          Meine Kollegin und ich verzweifelten jedenfalls beide bei unseren Versuchen, unseren Wunsch durchzusetzen und gaben auf.

          Dann fragten wir unseren Trainer, und der spielte uns das Gespräch vor. Ich war die ältere Frau.

          Mein Trainer begann genau wie wir, sinngemäß mit: "Liebe Frau Nachbarin, seitdem Sie hier eingezogen sind hat sich eingespielt, daß Sie mehrmals die Woche bei mir anläuten und wir gemeinsam Kaffee trinken. Ich bemerke nun, daß ich zunehmend frustriert bin, weil mir ein großer Wert ist, meine Freizeit planen zu können, und ich zur Entspannung ungestörte Zeit für mich brauche. Da es mir auch wichtig ist, weiterhin mit Ihnen guten nachbarschaftlichen Kontakt zu pflegen, würde ich gerne diese Kaffeebesuche auf einen fixen Termin legen, für mich wäre ein Kaffeekränzchen alle 14 Tage sehr schön. Wie ist das für Sie?"

          So.

          Und ich begann als die ältere Frau, genauso zu reagieren, wie zuvor bei meiner Kollegin: Enttäuscht, gleichzeitig auch mit Verständnis, und plaudernd, und versuchend, doch noch mehr herauszuschlagen.

          Und wie reagierte mein Trainer?

          Er reagierte mit: "Sind Sie jetzt enttäuscht, weil Sie sich mehr Zeit von mir gewünscht hätten?"

          Ich: "Ja, wissen Sie, ich bin ja so froh, so einen sympathischen, hilfsbereiten Nachbarn zu haben, da draußen sind ja so viele Menschen, die nur an sich denken."

          Er, nickend. "Aha. Sie sind ein wenig traurig, weil Sie gerne die Sicherheit hätten, daß es Menschen gibt, die für Sie da sind."

          Ich: "Ja."

          Er, nickend, mich einfach nur anschauend. "Ja, das verstehe ich."

          Und er sah mich an, voller Mitgefühl. Und ich wiederholte noch ein bißchen, daß ich ihn ja so sympathisch fände, und daß ich unsere Kaffeekränzchen so genieße, und er nickte, und wiederholte, daß er sähe, daß ich enttäuscht sei, und dann kam von ihm: "Ja. Und gleichzeitig ist ein Kaffeekränzchen alle 14 Tage das, was ich Ihnen wirklich aus ganzem Herzen gerne zusagen kann, und worauf ich mich dann auch freue. Ist das für Sie also ok?"

          Ganz ehrlich, Paperback, ich wollte es ihm wirklich schwer machen, aber es ging nicht. Ich habe gespürt: Ich kann hier nicht in dieses kreisende verständnisvolle, enttäuschte, mich wieder zu meinem Wunsch hinlavierende Geplapper gehen - er hat mir den Wind aus den Segeln genommen, hier ist Ende.

          Und meine Erkenntnis war: Das ist, weil er mir meine Enttäuschung zugemutet hat. Dieser Mensch, der mir gegenübersaß, saß da mit der inneren Klarheit, daß er nicht zuständig für meines ist: Er ist nicht zuständig für meine Gefühle, er ist nicht zuständig dafür, mir meine Wünsche zu erfüllen, er ist nicht zuständig dafür, mir Enttäuschungen zu ersparen. Er sieht mich als einen erwachsenen, eigenständigen Menschen, eine ältere Frau, die bestimmt im Leben auch schon einige Enttäuschungen erlebt hat und in der Lage ist, damit umzugehen. Und vor allem akzeptiert er meine Enttäuschung. Er erwartet nämlich umgekehrt von mir jetzt nicht, daß ich nicht enttäuscht bin - er akzeptiert, daß ich hier nicht alles bekomme, was ich will, und er akzeptiert, daß Menschen nunmal enttäuscht sind, wenn sie nicht alles bekommen, was sie wollen. Und das ist ok. Er sucht nach einer Lösung, mit der beide leben können, und das reicht.

          Umgekehrt habe ich bei meinem Rollenspiel nie akzeptiert, daß die Frau enttäuscht ist. Ich wollte, daß sie "glücklich" reagiert, anstatt zu akzeptieren: So, wie ich ein Recht habe, frustriert zu sein, weil ich mir mehr freie Zeit für mich wünsche, so hat sie ein Recht, enttäuscht zu sein. Und das kann ich verstehen, nachvollziehen, ihr das signalisieren - und trotzdem bei meinem bleiben.

          Für mich war das eine Bomben-Erkenntnis: Daß ich mir Hüte aufsetze, Schuhe anziehe, die nicht meine sind. Die Gefühle des Anderen entstehen in ihm aufgrund seiner Wünsche, seiner Erwartungen - und es ist nicht meine Aufgabe, mich nach den Wünschen und Erwartungen Anderer zu verhalten.

          Vielleicht hilft Dir ja mein Erfahrungsbericht bei Deinem Problem.

          Lieben Gruß,

          MP

          Kommentar


            #6
            Ach, Ihr Lieben, seid bedankt für Eure ausführlichen und verständnisvollen Reaktionen.
            Wie bereits beschrieben, ich will von dieser Frau nichts. Die Vorstellung, mit ihr nur auf einer Couch zu liegen, bereitet mir größtes Unbehagen, ja nahezu ein körperliches Unwohlsein.
            Und sie bricht, so empfinde ich das, in mein persönlichstes Reich ein. Ich habe eine zwar sehr schöne, aber im Grunde eine Ein-Raum-Wohnung, in der auch mein Bett steht.
            Das hat was Intimes. Und wenn sie sich dann nicht an den Esstisch setzen will, nimmt sie ein Stuhlkissen und pflanzt sich mit Stickzeug auf den Fußboden. Da kennt sie nichts.
            Als ihr vor einiger Zeit die Lichtverhältnisse in meinem Apartment zum Sticken nicht gefielen, schleppte sie kurze Zeit später eine Lampe mit bereits ramponierten Lampenschirm an, steckte sie in die Steckdose und begann ihr Stickwerk.
            Ich solle mich nicht stören lassen, gestand sie mir forsch zu.
            Wiederholt habe ich sie dann auch schon weggeschickt, wenn sie abends klingelte.
            Nützt aber nichts, nützt gar nichts. Nur einen, zwei Tage später steht sie dann wieder vor der Tür.
            Dabei wirkt sie widersprüchlich: Einmal wie eine arme, vom Schicksal geschundene Frau, die verloren ist und allein- andererseits aber als eine geradezu berechnende Person, die genau kalkuliert, dass ich nicht nein sagen kann.
            Manchmal denke ich, sie weiß genau, dass sie mir nur heftig genug auf den Geist gehen muss, um zu kriegen, was sie will.
            Und ich mache mir den Kopf, kämpfe mit meinem Gewissen.
            Dabei fühle ich mich zum Kotzen, kurzum: Es tut mir nicht gut, gar nicht.

            Paperback
            Zuletzt geändert von ; 15.10.2013, 14:48.

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              #7
              Das hört sich stark nach einer Stalkerin an, in dem Alter vielleicht selten (weiß ich nicht), aber wie man sieht, nicht ausgeschlossen.
              Du wirst ein offenes Wort sprechen müssen, um dich zu schützen.
              Du schreibst ja selbst, dass dir das nicht gut tut.

              Dabei brauchst du dich nicht zu rechtfertigen. Es genügt, dass du die Besuche nicht möchtest.
              Sag ihr, dass du den Kontakt nicht (mehr) möchtest und ihr die Tür nicht mehr öffnen wirst.
              Wenn du dennoch geöffnet hast, versperr ihr den Weg hinein und sage:" Ich möchte Ihren Besuch nicht."
              Dann schließ die Tür wieder.

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                #8
                "Wenn es abends gegen 20 Uhr bei mir klingelt, kann ich mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass Hilde vor der Tür steht. Letztes überreichte sie mir ein Info-Blatt der katholischen Gemeinden mit diversen Veranstaltungen, meistens mit gemeinsamen Imbiss, Kaffeetrinken oder auch Seniorenfrühstück. Meine Wohnung liegt im Mittelpunkt dreier Kirchengemeinden und diese klappert sie nacheinander ab, verbringt also ganze Tage in Kirchen und kirchlichen Gemeindezentren. Dabei führt sie einen Trolly mit sich, in dem sie eine Notration für den Tag, eine Taschenlampe, auch Essbares mit sich führt."
                ...
                "Und wenn sie sich dann nicht an den Esstisch setzen will, nimmt sie ein Stuhlkissen und pflanzt sich mit Stickzeug auf den Fußboden. Da kennt sie nichts.
                Als ihr vor einiger Zeit die Lichtverhältnisse in meinem Apartment zum Sticken nicht gefielen, schleppte sie kurze Zeit später eine Lampe mit bereits ramponierten Lampenschirm an, steckte sie in die Steckdose und begann ihr Stickwerk.
                Ich solle mich nicht stören lassen, gestand sie mir forsch zu."

                Paperback, diese Personenbeschreibung hat mich an diesem grauen Tag zum Schmunzeln gebracht. Ich würde sagen, du hast schriftstellerisches Talent, davon könnte ich mehr lesen.

                Zum Umgang mit diesem Problem hast du ja schon gute Hinweise bekommen. Deine Beschreibung ist erheiternd, aber wenn Hilde vor meiner Tür stände, würde ich sie als äußerst dickfellig und sogar aggressiv empfinden. Ich hoffe, ich würde ihr schnell deutlich sagen können, dass ich lieber allein sein möchte. Je mehr Sympathie im Spiel wäre, umso schwieriger, klar...

                Meine Schwäche ist, dass mich solche skurrilen Menschen auch faszinieren.

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                  #9
                  Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
                  Das hört sich stark nach einer Stalkerin an,
                  Nur, weil ich mich in diesem Faden auch gemeldet habe, mal meine Gedanken zu Aussagen wie diesen.

                  Ich persönlich finde es bei so einem Fall überhaupt nicht hilfreich, einem Menschen ein Etikett wie z.B. Stalkerin umzuhängen, weil es bei der Lösung des Problems überhaupt nicht hilft. Denn was mache ich mit diesem Etikett? Brauche ich es, um mich zu trauen, für meines einzustehen? Dann hätte meiner Meinung nach etwas mit mir selbst.

                  Und dem Menschen diese Bewertung zu sagen, hilft doch auch nichts: Erreiche ich leichter die Bereitschaft des Menschen, zu kooperieren, sich meines anzuhören, wenn ich ihm ein Etikett hinknalle? Womöglich komme ich dann in eine Definitions-Diskussion "hier beginnt stalking" - "nein, hier beginnt es noch nicht". Das ist für mich einfach nicht hilfreich.

                  Mir persönlich reicht es festzustellen: Dieser Mensch tut etwas/hat etwas getan, was meinen Werten/Wünschen zuwiderläuft. Ich möchte es lösen. Was will ich, wie vermittle ich es?

                  Im Falle dieser Frau: Diese Frau sucht vermutlich Kontakt, Gesellschaft, Abwechslung, vielleicht auch Inspiration? Vielleicht will sie zum Leben Anderer beitragen, hat niemanden, der das, was sie kann, nehmen will: Ihr Essen, ihre Hilfe?

                  Ok, und sie wählt, um sich das zu erfüllen, eine Strategie, mit der ich nicht einverstanden bin, eine Strategie, die meinen Wünschen zuwiderläuft. Wobei: Man muß ihr zugestehen, daß sie offensichtlich mit dieser Strategie Erfolg hat. Und vielleicht gibt es ja auch Menschen, die mit dieser Strategie einverstanden sind. Ich bin es jedoch nicht. Genau das kann ich ihr vermitteln. Und da kann's dann auch keine Diskussion geben, ob meine Wünsche zu Recht bestehen oder zu Unrecht: "So ist das für mich, das will ich, das will ich nicht. Hier sind meine Grenzen, ich bitte Sie, die zu akzeptieren. Ich bedauere es, daß ich nicht der bin, der Ihren Wunsch nach Kontakt, Gesellschaft stillen kann, und ich wünsche Ihnen von Herzen, daß Sie bei anderen Menschen das finden, was Sie suchen."

                  Ich glaube einfach daran, daß Menschen bereit sind, meines zu hören, wenn ich ihres stehenlassen kann, wenn ich versuche, ihres zu verstehen, was ja nicht heißt, daß ich einverstanden sein muß. Und da stelle ich für mich fest, daß mir Etiketten nicht helfen: Sie verengen den Raum, sie verengen auch meine Bereitschaft, den Anderen zu sehen und zu akzeptieren. Nach meiner Erfahrung geht es mir besser, wenn ich nicht beim Bewerten des Anderen verharre, oder bei der müßigen Frage nach Recht oder Unrecht, sondern ausschließlich schaue: Was will ich - und zwar in der vollen Überzeugung, daß meine Wünsche ok sind.

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                    #10
                    Nein, ich glaube auch nicht, dass Hilde eine Stalkerin ist. Sie ruft auch etwa nie an. Mir scheint, dass sie gar kein Telefon hat.
                    Mir kommt es eher so vor, als habe sie einen Weg in einer sicher nicht ganz leichten Situation gefunden, mit sich und ihrem Leben über die Runden zu kommen.
                    Allerdings weicht sie auch gezielten Nachfragen ebenso gezielt aus. Selten ist mir ein Mensch so nachdrücklich auf den Geist gegangen, von dem ich im Grunde so wenig weiß.
                    Selbst ihre genaue Adresse hält sie unter Verschluss, denn sie wohnt ja nicht in unserer Stadt, sondern läuft ganz offenbar fast täglich etliche Kilometer aus dem Nachbarort in unsere Stadt.
                    Im Winter bereitete mir das Kopfzerbrechen, wenn sie dann endlich um Mitternacht bei bitterer Kälte zum Nachhausweg aufbrach, und ich mir durchaus Sorgen machte, dass sie unterwegs der Kälte zum Opfer fallen könne.
                    Über allem aber ärgere ich mich dann über mich selbst, dass ich mich so mit ihr beschäftige, und dass ich nicht abschalten kann.

                    Paperback

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                      #11
                      Ich habe den Begriff "Stalkerin" benutzt, um Paperback klar zu machen, dass er sich zur Wehr setzen muss, um nicht total von ihr vereinnahmt zu werden. Rücksichtnahme bringt hier nichts, es geht ihm ja jetzt bereits schlecht; von alleine wird sie mit diesem Verhalten nicht aufhören.
                      Es ist nicht an Paperback, sich mit ihren Beweggründen zu beschäftigen; das läuft jetzt schon fast 1 Jahr. Höchste Zeit, die Belästigung zu beenden.
                      PB, du bist ein Opfer! Befrei dich aus dieser Rolle!

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                        #12
                        Zitat von Paperback Beitrag anzeigen
                        Nein, ich glaube auch nicht, dass Hilde eine Stalkerin ist. Sie ruft auch etwa nie an. Mir scheint, dass sie gar kein Telefon hat.
                        Mir kommt es eher so vor, als habe sie einen Weg in einer sicher nicht ganz leichten Situation gefunden, mit sich und ihrem Leben über die Runden zu kommen.
                        Allerdings weicht sie auch gezielten Nachfragen ebenso gezielt aus. Selten ist mir ein Mensch so nachdrücklich auf den Geist gegangen, von dem ich im Grunde so wenig weiß.
                        Selbst ihre genaue Adresse hält sie unter Verschluss, denn sie wohnt ja nicht in unserer Stadt, sondern läuft ganz offenbar fast täglich etliche Kilometer aus dem Nachbarort in unsere Stadt.
                        Im Winter bereitete mir das Kopfzerbrechen, wenn sie dann endlich um Mitternacht bei bitterer Kälte zum Nachhausweg aufbrach, und ich mir durchaus Sorgen machte, dass sie unterwegs der Kälte zum Opfer fallen könne.
                        Über allem aber ärgere ich mich dann über mich selbst, dass ich mich so mit ihr beschäftige, und dass ich nicht abschalten kann.

                        Paperback
                        Oje. Da gibt es keine softe Lösung.
                        Stell dir mal die Frage, ob sie ein Recht auf dich, deine Gesellschaft, deine Wohnung hat? Vermutlich nein. Also woher nimmt sie sich dieses Recht?
                        Für mich hört sich die Beschreibung von Hilde an, als wäre das eine Mutter, die bei ihrem Kind nach dem Rechten schauen muß und keine Widerworte duldet, ohne dann eingeschnappt zu sein.

                        Also sagst du folgendes: Hör zu, liebe Hilde, ich habe nichts dagegen, wenn wir uns ab und an treffen (irgendwo-vielleicht ein Cafe), aber diese Besuche in meiner winzigen Wohnung werden mir zu viel. Auch wenn du es nicht verstehen kannst, brauche ich meine Privatsphäre und Zeit für mich allein. Ende.

                        Weshalb solltest du dich verpflichtet fühlen, ihre Gefühle nicht zu verletzen, wenn sie auf deine (z.B. Intimsphäre) auch keinerlei Rücksicht nimmt. Du hast nicht die Möglichkeit, ständig bei ihr anzutanzen, weil du nicht mal ihre Adresse bekommen hast. Also, steh zu deinem Wunsch und erklär ihr deinen Standpunkt.

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                          #13
                          @ Paperback

                          Deine Schilderung triggerte bei mir eine sehr lästige, jedoch (da ich damals noch Kind war) kaum zu vermeidene und "immer wiederkehrende" Situation.

                          Meine Mutter hatte Linsensuppe gekocht. Ich war damals kein absoluter "Linsensuppen-Esser", doch ich aß, weil es Essen war und weil Mittagessen angesagt war.
                          Ich bejahte auch ihre Frage "ob sie lecker gewesen sei", denn ich war damals noch ein höfliches Kerlchen.
                          Mein Schicksal meinte es daraufhin so gut mit mir, dass meine Mutter mir nun jeden dritten Tag einen randvollen Teller mit Linsensuppe vorsetzte ... und ich war nicht in der Lage, ihr zu sagen, "das das zuviel des Guten sei".
                          Ich konnte die Suppe (als sie mir schon zu den Ohren rauskam) nicht ins Klo schütten, denn Mamma saß dabei und schaute mir voller Freude zu, wie ich ihre gute Suppe, die ich so lecker gefunden hatte, ihrer Meinung nach mit Wohlgenuß "herunter würgte".
                          Als sie mich dann auch noch zusätzlich verwöhnen wollte und der Suppe einen Löffel Essig beigab, war das Maß voll.
                          Nein, ich habe ihr die Suppe nicht an den Kopf geworfen. Ich bekam Pickel.

                          Die "Natur" war eingeschritten.

                          (@ MIssPig: bei meiner Mutter hätte dein Trainer wahrscheinlich versagt und hätte vielleicht den Wolf zu HIlfe gerufen) )

                          Ich würde die Dame - da ich keinen besseren Ausweg weiss, also aus selbsterhaltender Hilflosigkeit - an der Tür umdrehen, ... es sei denn, dir geht es wie Mikie:
                          Zitat von Mikie
                          Meine Schwäche ist, dass mich solche skurrilen Menschen auch faszinieren.
                          Hast du schon mal in diese Richtung gedacht?

                          Irgendetwas treibt "Sie" zu dir.
                          Irgendetwas "in dir" lässt sie immer wieder herein.
                          Finde heraus was das ist. Dann hast du ein Mittel um zu kontern, ... oder um sie vielleicht doch noch sympathisch zu finden.

                          Jemand der gleich zu Beginn einer Bekanntschaft schon so ausdrücklich verlauten lässt, er wolle keine Beziehung, ist es zumindest wert, sich über diese Äußerung (und der Dame ihr nachdrückliches Klammern) ein paar zusätzliche Gedanken zu machen, ... besonders dann, wenn es einen so "anmacht", wie du es zur Zeit erlebst.

                          Und ja, fast vergessen: vielleicht bist du lediglich schon viel zu viel "Junggeselle", um noch eine Junggesellin in deiner Hütte ertragen zu können.


                          Viel Glück


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                            #14
                            Shepherd, Du schreibst:

                            "Und ja, fast vergessen: vielleicht bist du lediglich schon viel zu viel "Junggeselle", um noch eine Junggesellin in deiner Hütte ertragen zu können."

                            Mit ihr würde ich das auch bleiben. Aber garantiert.

                            Danke.

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                              #15
                              Mir ist noch etwas eingefallen, als ich so über dein Problem nachdachte.

                              Steckt noch mehr dahinter, als die Dame nicht zu verletzen?
                              Hast du vielleicht Angst davor, was sie dann von dir denkt, oder was sie anderen über dich erzählt und die dann von dir denken?

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