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Februar 2016: Indirekte/Unklare Kommunikation

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    #76
    Zitat von packs Beitrag anzeigen
    Vielleicht wären mehr Menschen bereit, auch Wildfremden Gutes zu tun, wenn wir zeigen würden, dass wir Hilfe brauchen?
    Ich kenne mindestens zwei Leute, die viel, viel mehr um Hilfe fragen, als ich das jemals tun würde (ich komme, was das angeht, leider ganz schlecht vom Gedanken "bloß niemanden belästigen" weg).

    Jedenfalls, die beiden fragen andauernd nach Hilfe. Mit Erfolg.
    In unserer Zeitung gibt es auch immer wieder mal Berichte über Menschen, die Hilfe brauchen. Die Dame, die ihren Geldbeutel geklaut bekam, die Familie, deren Wohnung ausgebrannt ist, etc. Und wenn damit zum Helfen aufgerufen wird, dann folgt eigentlich immer ein Bericht, wie überrascht man von den vielen Helfern gewesen ist.

    Vielleicht auch eine Idee für einen Faden? Man schreibt, was man braucht und findet jemanden, der genau das nicht mehr braucht.
    Ich könnte zum Beispiel eine Rutsche gebrauchen

    Ich hätte es jedenfalls durchaus für möglich gehalten, dass du, MissPig, deinen Geldbeutel zurückbekommen hättest, hätte er nicht auf dem Schreibtisch gelegen.

    Wir waren heute übrigens einkaufen, stellten uns an der Kasse an und die Frau vor uns sagte von sich aus, sie lässt uns gern vor. Wir hatten ein schreiendes Baby dabei - man könnte das natürlich auch so auslegen, dass ihr das Geschrei mächtig auf die Nerven ging

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      #77
      Ich kenn das auch: Bloß niemand belästigen.
      Als ich auf dem Glatteis ausgerutscht war und mir die Schulter zertrümmert hatte, hab ich auch nicht um Hilfe gerufen.
      Da brauchte es schon die Frau, die auf mich zukam und mich fragte, ob ich Hilfe bräuchte. Und wie ich die brauchte, weil ich alleine nicht mehr hochkam.

      Mir ist bewusst, dass ich das aus meiner Kindheit mit schleppe: bloß nicht jemanden zur Last fallen, vor allem nicht meiner Mutter. Alles selbst regeln und am besten unsichtbar bleiben.
      Ich weiß auch nicht, ob ich das jemals wieder aus mir raus bekomme.

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        #78
        Dieses "bloß nicht fragen" ist für mich ja sehr verwandt mit der indirekten Kommunikation, die ja auch oft vermeidet, genau das zu erfragen, was man will, weil ... da eben die Hemmung ist, etwas brauchen oder noch schlimmer: wollen zu dürfen.

        Ich habe in diesem Monat weiterhin indirekte Kommunikation beobachtet, und mich zuletzt spielerisch gefreut, als ich sie am Wochenende bei meinem Lebensgefährten entdeckt habe und ihm genüßlich unter die Nase reiben konnte.

        Wir sitzen beim Frühstück, ich habe das Fenster geöffnet und sitze davor, er kommt, setzt sich: "Sag, ist dir kalt?" - Normalerweise ist ja immer mir kalt, da ist es völlig logisch, mich, die ich vor dem offenen Fenster sitze zu fragen, ob mir kalt ist, anstatt mich zur Not noch zu fragen, ob mir heiß ist, um - auch eher indirekt - abzuklären, ob es einen Grund gibt, der gegen das Schließen des Fensters spricht. Wenn man schon nicht klar den eigenen Wunsch "Mir ist kalt, könnten wir das Fenster bitte schließen" aussprechen will, im Vertrauen darauf, daß ich schon Einspruch erheben werde, wenn es mir nicht paßt. Im Grunde völlig absurde Kommunikation, weil der gewählte Satz ja fast nichts klärt, was nicht ohnehin schon klar ist: "Ist dir kalt?" - "Nein". Und jetzt? Muß er erst recht nachlegen

        Und da steckt meiner Meinung nach auch genau das dahinter: Ui, ich brauche etwas - und sei es nur so etwas Lächerliches, wie ein geschlossenes Fenster - aber ich traue mich nicht, zu diesem Wunsch zu stehen. Weil? Weil dann möglicherweise erst abgeklärt wird, ob dieser Wunsch "gerechtfertigt" ist? Als ob es ein absolut richtiges Wärme-/Kälte-Empfinden gäbe, als ob man sein eigenes Wärmeempfinden erst absegnen lassen müßte!

        Das Traurige ist ja nur, daß dieses Phänomen nicht nur absurd-lustig ist. Sondern daß ich z.B. bei der Tochter meines Lebensgefährten bemerke, daß sie kaum jemals ihre eigenen Wünsche direkt ausspricht, sondern fast nur indirekt. Ich höre diese versteckten "ich würde gerne"'s meistens - aber ihr Vater z.B. hört, obwohl er selbst auch oft ein indirekt Kommunizierender ist, diese versteckten Botschaften meist gar nicht.

        Und ich denke an meinen eigenen Lernzprozeß, aber auch so manchen Faden hier, z.B. den Selbstoptimierungsfaden, wo es auch darum geht, wie schwierig es ist, als Erwachsene zu lernen, zu den eigenen Wünschen zu stehen, wenn man als Kind primär gelernt hat, sie hintanzustellen. Und dann lese ich so etwas wie die letzten Kommentare, und wirklich, es trifft mich, Bonny, wenn ich lese, daß Du nicht einmal um Hilfe bittest, wenn Du Dir gerade die Schulter zertrümmert hast.

        Umso mehr ein Grund für mich, in meinem Umfeld uns alle, aber besonders die Tochter immer und immer wieder darauf zu stoßen, was sie mit ihrer indirekten Aussage denn eigentlich gemeint hat.

        Immer wieder hole ich die direkte Aussage hervor, führe ihr vor Augen, daß sie nicht gesagt hat, was sie gemeint hat und frage sie, was sie daran hindert, ihren Wunsch direkt auszusprechen. Und mache ihr klar, daß indirekt Geäußertes halt nicht immer verstanden wird.

        Wenn ich's nicht tue, geht ihr Wunsch unter:

        Z.B. am Weihnachtsmarkt letztes Jahr. Dort ließ sie beim Essen, als wir frisch angekommen waren "Dort ist der Schneeflocken-Stand, wo wir letztes Jahr die Schneeflocke gekauft haben" fallen. Danach hat sie's, während unserer kompletten, der Kälte wegen verkürzten, Markt-Runde, nicht mehr angesprochen, und erst als wir in den Bus einstiegen, fiel ein enttäuschtes "jetzt waren wir gar nicht beim Schneeflocken-Stand" - "Warum hast du denn nichts gesagt?" - "Hab ich doch!".

        Und dann machte ich ihr klar: Nein, Mädel, leider, hast du nicht - du hast zu einem noch nicht relevanten Zeitpunkt, als wir uns noch gar nicht bewegten sondern standen, eine Bemerkung fallen gelassen, die dein Papa z.B. bestimmt nicht als "ich möchte dorthin" wahrgenommen und interpretiert hat. Rückfrage bei ihm - oder hast du? - Nein, hatte er nicht, er konnte sich an die Bemerkung erinnern, aber nein, für ihn hatte sie genau das bedeutet, wie sie formuliert war. Und Sie selbst erinnerte sich auch ganz genau, daß sie nicht "ich will dorthin gesagt" hatte. Tja. Dann legte ich offen, daß ich zwar den Wunsch dahinter gehört und sogar noch neugierig gewartet hatte, ob sie ihren Wunsch noch aussprechen würde, er kam aber nicht. Ich hatte aber gerade keine Lust, schon wieder penetrant zu sein und indirekte Kommunikation aufzudröseln, und ich dachte, sie würde uns später schon erinnern, und sei es noch einmal indirekt. Tat sie nicht - und ich habe auch darauf vergessen.

        Ich bin mir ziemlich sicher, ab dem Augenblick, wo wir beschlossen, die Runde abzubrechen und nach Hause zu gehen, hat sie selbst daran gedacht, und in ihr war sehr wahrscheinlich dieses "ich will aber ja doch noch zum Schneeflocken-Stand" - aber rauslassen konnte sie's erst, als der Bus kam und ihre Enttäuschung ob der Endgültigkeit der Entscheidung, daß wir dort nicht mehr hingehen, riesig wurde.

        So wurde das ein für sie sichtlich sehr enttäuschendes Lehrstück für: Indirekt Gesagtes wird nicht immer gehört.

        Und so geht es immer und immer wieder: Indirekte Sätzchen, wo ich immer wieder höre, daß eigentlich ein "ich will so gerne" dahintersteckt - aber es wird nicht ausgesprochen. Und das finde ich im Grunde fast schon tragisch, wenn ich das in die Zukunft extrapoliere, jedenfalls aber traurig!

        Übrigens, nur um mich vom Image der bösen Stiefmutter reinzuwaschen: Wir gingen dann später auf meine Initiative zum Weihnachtsmarkt und kauften ihr so eine Schneeflocke zu Weihnachten. Alles gut also, ich bin gar nicht so böse, wie ich immer tue Sie hat die Lektion samt Enttäuschung vom Leben bekommen, was ich durchaus auch mal gut fand, weil ich hoffe, daß so in ihr die Erkenntnis wächst, daß es gut und hilfreich ist zu sagen, was man will. Aber sie hat ihre Schneeflocke letztlich auch bekommen, und die war für sie dann die umso größere Freude.

        Naja, und so stelle ich fest, ok, interessant, ich stoße ständig auf indirekte Kommunikation und mich fasziniert sie jedes Mal neu, weil hinter ihr für mich so viel verborgen ist - oft der Mensch an sich. Mir kommt aber vor, für viele Andere ist diese versteckte Kommunikation einfach "normal", kein großes Ding, so redet man halt, und das dahinter bleibt eh besser dahinter verborgen.

        Sie erfüllt halt auch Bedürfnisse, die für Andere vielleicht wichtiger sind als für mich mein riesiger Wunsch nach Authentizität und Klarheit: Sicherheit vermutlich, Gemocht-Werden, Harmonie. Und das ist ja auch ok so.

        Für mich kristallisiert sich als Kern der Frage immer mehr heraus: Kann ich beides? Und weiß ich immer, wofür ich mich gerade warum entscheide?

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          #79
          Mein Mann ist da offensichtlich lernfähiger als ich.
          Nachdem wir neulich mit etlichen Schwierigkeiten den neuen PC installiert hatten, saßen wir einigermaßen erschöpft am Tisch; ich war sehr schweigsam und habe vermutlich auch ein entsprechendes Gesicht gemacht, weil mir einfach wegen meines nicht stimmenden Zuckerwertes schlecht war.
          Umso mehr überraschte mich die Frage meines Mannes: "Bist du sauer?"
          Normalerweise fragt er sowas nicht, sondern versucht, zur Tagesordnung überzugehen.
          Dabei war diese direkte Frage die einzig richtige, denn ich war völlig überrascht, dass er meinen Gesichtsausdruck falsch interpretierte und direkt nachfragte.
          So ließ sich das sehr schnell aufklären, anstatt dass wir, beide in Unkenntnis des Zustandes des anderen, sprachlich und verhaltensmäßig umeinander herumgetanzt wären.

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            #80
            Noch ein Link bzw. eine Dokumentation, die gut zu der Frage passt, ob Menschen von Grund auf selbstlos helfen oder nicht: Die Revolution der Selbstlosen.
            (Für alle, die keine Lust zum Anschauen haben: ja, sie tun es (selbstlos helfen). Sagt jedenfalls die(se) Wissenschaft.)

            Ich habe ja in letzter Zeit auch nach indirekter Kommunikation Ausschau gehalten, sie aber erstaunlich selten angetroffen. Kann natürlich auch sein, dass sie unbemerkt an mir vorüberging.
            Gemerkt habe ich es nur, wenn ich sie tatsächlich aktiv angewendet habe. Was dann aber nicht sonderlich ernst gemeint war - in der Kommunikation mit meinem Partner mache ich das oft. Solche Dinge sagen wie "Hab ich einen Durst!" und dann demonstrativ auf mein leeres Glas schauen. Aber das finden wir beide ganz lustig, ich erwarte also nicht, dass er mir das Glas auffüllt bzw. wenn er es nicht tut, weiß ich, dass ich meine Wünsche schon konkreter aussprechen muss

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              #81
              Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen

              Mir ist bewusst, dass ich das aus meiner Kindheit mit schleppe: bloß nicht jemanden zur Last fallen, vor allem nicht meiner Mutter. Alles selbst regeln und am besten unsichtbar bleiben.
              Ja kenne ich auch so Bonny,alles selbst regeln.
              Und nicht drüber reden ,weil, sprechen war verboten.
              Schweigen war angesagt.
              Und Wünsche äußern ging schon garnicht.
              Ich weiß auch nicht, ob ich das jemals wieder aus mir raus bekomme.
              Weiß ich auch nicht Bonny.
              Ich bin dabei und es fühlt sich fremd an .Noch.
              Den Kindern sagen,das mich eine bestimmte Situation geängstigt hat und auch warum und das ich das so nicht mehr möchte.
              Meinem Mann sagen, warum ich Angst habe,wenn er Das und Jenes tut und auch warum.
              Und nicht herumnölen und meckern.
              Hmm,nicht so einfach.
              Rosie

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                #82
                Für mich kristallisiert sich als Kern der Frage immer mehr heraus: Kann ich beides? Und weiß ich immer, wofür ich mich gerade warum entscheide?
                liebe MissPig, ich bin mir sicher, du kannst beides. ich denke, instinktiv wählen wir immer die für uns richtige variante, im zweifelsfall kann man sie ja noch korrigieren, jedenfalls in die eine richtung.

                mit ein bisschen nachdenken erfährt man das warum. dann heißt es nur noch, damit seinen frieden machen ...

                liebe grüße

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