Ich möchte noch ein hübsches Beispiel geben für das, was ich mit indirekter/unklarer Kommunikation meinte; nach meinem Eindruck geht es gerade doch sehr allgemein um alles, was bei Kommunikation schwierig sein kann, und da gibt es ja tausendundeine Aspekte.
Und ich habe mich gerade gestern wieder an das ursprüngliche Beispiel erinnert, das mich erstmals überlegen ließ, diesen Faden zu eröffnen, weil es das gestern nächste Telefonat zum selben Thema gab, aber wesentlich kürzer und klarer. Das nämliche Beispiel ist jetzt 4 Wochen her.
Mein Lebensgefährte und ich hatten uns ausgemacht, am Abend zum offenen Training im Improtheater Spielen zu gehen; untertags hatten wir einen kurzen Mailwechsel, in dem er erzählte, daß er eine beschienene Nacht gehabt hatte, mit aufgrund mehrerer Bereitschaftsanrufe gerade mal 4 Stunden (unterbrochenen) Schlafes.
Wir telefonierten also am Abend um zu klären, wann und wo wir einander treffen, seine Müdigkeit (O-Ton: Ich bin fix und fertig) war einleitend kurz Thema, und dann entspann sich folgender Dialog.
Ich: Sag, wenn du so müde bist, willst du dann überhaupt zum Improspielen gehen?
Er: Ich weiß nicht, ich bin echt fertig. Aber andererseits gibt das Spielen ja auch immer Energie.
Ich: Ja, klar. Ich dachte nur, du klingst, als ob du am liebsten gleich ins Bett fallen würdest, ...
Er: Ja eh!
Ich: ... und Improspielen heißt halt doch, daß du frühestens in 4 Stunden im Bett bist.
Er: Ja, ich weiß nicht, irgendwie will ich und irgendwie nicht. Ich bin schon fertig.
Ich: ...
Diese Schleife drehten wir sinngemäß noch ein paar Mal, bis ... ja ich vermute, daß dann meine Ungeduld zuschlug, weil ich merkte, wir kommen nirgends hin.
Ich: Du, warte mal, anders. Wenn es dich nicht gäbe, wir uns nicht ausgemacht hätten, wir gehen, wenn ich das nur so alleine vorgehabt hätte, würde ich heute entscheiden, daß ich nicht hingehe, weil xyz, und das kann ich eigentlich sowieso unabhängig von dir entscheiden: Ich will heute nicht zum Impro, egal ob du gehst oder nicht.
Er (deutlich munterer als zuvor): Ja klar kannst du das auch ohne mich entscheiden. Paßt, wir treffen uns also nicht, du machst in Ruhe fertig, was du machen willst und gehst dann heim, ich arbeite jetzt noch ein bißchen, dann gehe ich zum Impospielen.
Das für ich absolut Faszinierende war, wie er, kaum daß ich in den Modus der klaren statt der versteckten, manipulativen Kommunikation gewechselt hatte, sofort wußte, was er wollte - was er die ganzen Schleifen davor nicht wußte. Weil er, wie ich vermute, nämlich wohl die ganze Zeit unbewußt schon wahrnahm, daß es mir gar nicht darum ging, ob er gehen wollte, sondern darum, ob ich gehen wollte, das aber auch nicht so richtig klar kriegte, und weil er sich unbewußt dagegen wehrte, daß ich ihm die Entscheidung zuschanzen wollte.
Und es erschüttert mich wirklich wahrzunehmen, daß ich doch auch immer wieder in Kommunikationsmuster falle, wo ich ich vor meiner eigenen Entscheidung drücke. Das wurde mir nämlich dann danach klar: Ich war zwischen zwei Wünschen gefangen. Dem unmittelbaren Wunsch nach einem ruhigen Abend, nachdem ich in der Firma noch eine Arbeit in Ruhe beenden konnte, und dem, mein Bild - vor mir selbst und ihm - als aktives, freudvolles Wesen, das Dinge unternimmt, nicht zu verlieren. Ich war nämlich zu den letzten 2 Trainings davor, aus verschiedenen Gründen, auch schon nicht gegangen, und da gab es einen Teil in mir, der maulte "Du wirst auch immer fauler und langweiliger." Und dem wollte ich mich nicht aussetzen, oder dieses Urteil womöglich auch noch von meinem Lebensgefährten bestätigt bekommen, also habe ich versucht, die Situation zu schaffen, wo ich mir beide Wünsche erfüllen kann. Hat halt nicht geklappt.
Gerade die Partnerschaft birgt so eine unheimliche Verführung, sich nicht selbst zu entscheiden. Da spiele ich, obwohl ich darauf achte und sicher nicht oft, aber doch auch gelegentlich dieses dämliche "was willst duuuuuu denn, Schatzi"-Spiel, das mich in zwei Urlauben mit mehreren Paaren in meiner Single-Zeit in den Wahnsinn getrieben hatte, weil ich da saß mit meiner eigenen Entscheidung und dachte "Himmel, das erlebe ich nicht mehr, daß irgendwer sagt, was er will!" Wenn da nämlich drei Paare sitzen, die dieses Spiel spielen, da kann das dauern, bis klar ist, welche(s) Tagesprogramm(e) es für diesen Urlaubstag gibt und wer daran teilnimmt. Damals ist mir das erstmalig so richtig aufgefallen - tja, und jetzt sitze ich selbst im Partnerschafts-Glashaus
Übrigens mit einem Partner, der damals mit einer anderen Frau zusammen war und miterlebte, wie ich mich in meiner charmanten Art genau über dieses Pärchen-Gedöns-Nicht-Entscheidungs-Spiel mokierte. Ist dann immer besonders nett, wenn er mich bei ebendiesem Spiel ertappt.
Und ich habe mich gerade gestern wieder an das ursprüngliche Beispiel erinnert, das mich erstmals überlegen ließ, diesen Faden zu eröffnen, weil es das gestern nächste Telefonat zum selben Thema gab, aber wesentlich kürzer und klarer. Das nämliche Beispiel ist jetzt 4 Wochen her.
Mein Lebensgefährte und ich hatten uns ausgemacht, am Abend zum offenen Training im Improtheater Spielen zu gehen; untertags hatten wir einen kurzen Mailwechsel, in dem er erzählte, daß er eine beschienene Nacht gehabt hatte, mit aufgrund mehrerer Bereitschaftsanrufe gerade mal 4 Stunden (unterbrochenen) Schlafes.
Wir telefonierten also am Abend um zu klären, wann und wo wir einander treffen, seine Müdigkeit (O-Ton: Ich bin fix und fertig) war einleitend kurz Thema, und dann entspann sich folgender Dialog.
Ich: Sag, wenn du so müde bist, willst du dann überhaupt zum Improspielen gehen?
Er: Ich weiß nicht, ich bin echt fertig. Aber andererseits gibt das Spielen ja auch immer Energie.
Ich: Ja, klar. Ich dachte nur, du klingst, als ob du am liebsten gleich ins Bett fallen würdest, ...
Er: Ja eh!
Ich: ... und Improspielen heißt halt doch, daß du frühestens in 4 Stunden im Bett bist.
Er: Ja, ich weiß nicht, irgendwie will ich und irgendwie nicht. Ich bin schon fertig.
Ich: ...
Diese Schleife drehten wir sinngemäß noch ein paar Mal, bis ... ja ich vermute, daß dann meine Ungeduld zuschlug, weil ich merkte, wir kommen nirgends hin.
Ich: Du, warte mal, anders. Wenn es dich nicht gäbe, wir uns nicht ausgemacht hätten, wir gehen, wenn ich das nur so alleine vorgehabt hätte, würde ich heute entscheiden, daß ich nicht hingehe, weil xyz, und das kann ich eigentlich sowieso unabhängig von dir entscheiden: Ich will heute nicht zum Impro, egal ob du gehst oder nicht.
Er (deutlich munterer als zuvor): Ja klar kannst du das auch ohne mich entscheiden. Paßt, wir treffen uns also nicht, du machst in Ruhe fertig, was du machen willst und gehst dann heim, ich arbeite jetzt noch ein bißchen, dann gehe ich zum Impospielen.
Das für ich absolut Faszinierende war, wie er, kaum daß ich in den Modus der klaren statt der versteckten, manipulativen Kommunikation gewechselt hatte, sofort wußte, was er wollte - was er die ganzen Schleifen davor nicht wußte. Weil er, wie ich vermute, nämlich wohl die ganze Zeit unbewußt schon wahrnahm, daß es mir gar nicht darum ging, ob er gehen wollte, sondern darum, ob ich gehen wollte, das aber auch nicht so richtig klar kriegte, und weil er sich unbewußt dagegen wehrte, daß ich ihm die Entscheidung zuschanzen wollte.
Und es erschüttert mich wirklich wahrzunehmen, daß ich doch auch immer wieder in Kommunikationsmuster falle, wo ich ich vor meiner eigenen Entscheidung drücke. Das wurde mir nämlich dann danach klar: Ich war zwischen zwei Wünschen gefangen. Dem unmittelbaren Wunsch nach einem ruhigen Abend, nachdem ich in der Firma noch eine Arbeit in Ruhe beenden konnte, und dem, mein Bild - vor mir selbst und ihm - als aktives, freudvolles Wesen, das Dinge unternimmt, nicht zu verlieren. Ich war nämlich zu den letzten 2 Trainings davor, aus verschiedenen Gründen, auch schon nicht gegangen, und da gab es einen Teil in mir, der maulte "Du wirst auch immer fauler und langweiliger." Und dem wollte ich mich nicht aussetzen, oder dieses Urteil womöglich auch noch von meinem Lebensgefährten bestätigt bekommen, also habe ich versucht, die Situation zu schaffen, wo ich mir beide Wünsche erfüllen kann. Hat halt nicht geklappt.
Gerade die Partnerschaft birgt so eine unheimliche Verführung, sich nicht selbst zu entscheiden. Da spiele ich, obwohl ich darauf achte und sicher nicht oft, aber doch auch gelegentlich dieses dämliche "was willst duuuuuu denn, Schatzi"-Spiel, das mich in zwei Urlauben mit mehreren Paaren in meiner Single-Zeit in den Wahnsinn getrieben hatte, weil ich da saß mit meiner eigenen Entscheidung und dachte "Himmel, das erlebe ich nicht mehr, daß irgendwer sagt, was er will!" Wenn da nämlich drei Paare sitzen, die dieses Spiel spielen, da kann das dauern, bis klar ist, welche(s) Tagesprogramm(e) es für diesen Urlaubstag gibt und wer daran teilnimmt. Damals ist mir das erstmalig so richtig aufgefallen - tja, und jetzt sitze ich selbst im Partnerschafts-Glashaus
Übrigens mit einem Partner, der damals mit einer anderen Frau zusammen war und miterlebte, wie ich mich in meiner charmanten Art genau über dieses Pärchen-Gedöns-Nicht-Entscheidungs-Spiel mokierte. Ist dann immer besonders nett, wenn er mich bei ebendiesem Spiel ertappt.

und wenn wir glück haben kommt doch genau das raus: ich habe einen wesentlichen teil nicht kommuniziert.
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