Ich erlaube mir, das Thema, das ich seit einiger Zeit mal gerne erörtern würde, zum Thema des Monats zu machen.
Bekanntlich (?) bin ich ja ein Kommunikations-Freak, seit der Entdeckung der Gewaltfreien Kommunikation eröffnet sich mir das Wunder der Art und Weise, wie Menschen miteinander kommunizieren, immer wieder neu. Und eher selten als ein positives Wunder
Was mir immer wieder begegnet und mich immer wieder neu erstaunt ist, wie oft wir wählen, auf eine Art und Weise zu kommunizieren, die genau das NICHT klar ausdrückt, worum es uns geht - sondern irgendwelche Nebendinger.
Ich möchte mit einem eigenen Beispiel hier aus dem Forum beginnen, allerdings mit einem "fiktiven" - weil ich es geschafft habe, nicht so zu kommunizieren, wie es mein erster Impuls gewesen wäre. Aber ich weiß ganz genau: Wäre diese Situation IRL passiert, ohne den Abstand zwischen innerer und äußerer Reaktion, sprich hätte ich unmittelbar verbal reagiert, hätte ich u.U. genau so eine indirekt-unklare Kommunikation gewählt.
"Stein des Anstoßes" war die folgende, kurze Frage von Bonny. Und gleich vorweg: Ich hoffe, Bonny, das ist für Dich jetzt kein Problem, daß ich hier ein wenig indirekt "über" Dich schreibe. Letztlich sagt das, was ich schreibe, ja mehr über mich als über Dich aus, Du hattest ja nur eine Frage gestellt.
als Antwort auf diesen Beitrag von mir.
Mein erster Impuls, als ich diese Frage las, war, total übertrieben etwas in der Art von "du, meine Warzen sind alle verschwunden, ich sehe viel besser - vorher war ich stark kurzsichtig, und plötzlich kann ich ein Buch auf 2 km Entfernung lesen, ..." zu antworten.
Im Geist habe ich durchaus an so einer "witzigen" Antwort gebastelt, gleichzeitig aber schon bemerkt, die entspringt nicht reiner, harmloser Spiellust. Da steckt Aggression dahinter. Und im Forum gibt es ja dieses Hindernis, daß Antworten Zeit braucht, weil es sich nicht so schnell tippt, wie es sich spricht, also habe ich diese Antwort mal nicht getippt.
Abends im Bett dachte ich wieder an Bonnys Frage, habe meine "witzige" Reaktion mal weggeschoben und stattdessen mal hingespürt zur Aggression, und da tauchte Frust und Überdruß auf, formuliert als "geh bitte, darum geht es doch gar nicht". Aha. "Darum geht es doch gar nicht", was heißt das genau? Es heißt, darum geht es mir nicht. Genau. Meine Motivation für mein Posting, auf das hinauf Bonny ihre Frage gestellt hatte, war nicht, zu klären, inwieweit Bewegung mir gut tut, oder warum ich mich mehr bewegen wollte - ich wollte in etwas Anderem gesehen werden, etwas anderes teilen, nämlich die verspielte Freude meines Zahlenspiel-Statistikschweins. Es ging um eine kindliche Freude, in die ich aber viel Zeit und Aufwand investieren kann, die ich teilen wollte - jenseits der Sinnhaftigkeit.
Als ich das formuliert hatte, konnte ich auch sehen: Ok, Bonnys Frage signalisierte mir tatsächlich nicht, daß sie diesen Teil, um den es mir ging, gesehen hatte. Aber: Ich war ja durchaus schon in genau dem gesehen worden, worin ich gesehen werden wollte, hatte schon drei Antworten bekommen, die mir signalisierten "he, ich sehe dich, und ich kann das nachvollziehen", worüber ich mich auch schon sehr gefreut hatte - d.h. grundsätzlich war mein Bedürfnis ja schon erfüllt worden. Und ich weiß ja, daß nicht alle Menschen diese Art der Freude nachvollziehen können, ich hatte ja sogar schon geantwortet
Genau. Und dieser Gedanke von mir hatte dazu geführt, daß noch etwas in mir abgelaufen war, als ich Bonnys Frage gelesen hatte: Ich hatte ein Urteil darin gelesen. Ich hatte gelesen "jaja, netter Kinderkram, aber sag mir mal, was der Sinn von dem Ganzen ist". Sicherheitshalber hatte ich auch noch das, was ich über Bonny "weiß" (Hier wechsle ich mal in die direkte Anrede, Bonny, es tut mir nämlich durchaus leid, daß ich da jetzt so "über Dich" schreibe, statt mit Dir zu reden!), daß Dir nämlich das Leben gerade so einiges hinknallt, das sich Deiner Einflußmöglichkeit entzieht, wo "Kontrolle" und "Erfolge" sich sehr relativieren, dazugepackt um zu interpretieren, daß Du, Bonny, Anderen gerade die harmlose Freude vermiesen willst und auf den Boden der Realität zurückholen willst. Ist es nicht spannend zu erfahren, wie Andere eine Frage interpretieren können? 
Jedenfalls: Das steht alles nicht da, das alles hatte ich in diese Frage hineingeschrieben. Aber das alles war so blitzschnell abgelaufen, daß ich den Satz las und sofort meine emotionale Reaktion des Überdrusses da war, die mich dazu verleiten wollte, "der bösen Fragerin" eine blöde Antwort reinzuwürgen.
Nachdem ich all das, was da blitzschnell abgelaufen war, entschlüsselt hatte, war der Überdruß weg: Es war ja keine Basis mehr da. Ja, ok, diese Frage zielte auf etwas Anderes als das, was ich teilen wollte - aber das ist ja kein Verbrechen, ich habe ja keine Deutungshoheit über das, was wen in welcher Hinsicht zu interessieren hat. Ich hatte meines eh schon bekommen - alles gut.
Und so konnte ich am nächsten Tag die Frage einfach aufrichtig beantworten, ohne irgendeinen bösen Hintergedanken, was sich auch für mich viel besser anfühlte, als "witzig" zu werden und damit die Frage nicht ernstzunehmen. Weil es nämlich durchaus eines meiner Anliegen ist, Menschen in ihren Anliegen ernstzunehmen.
ABER:
IRL hätte ich u.U. die blöde Antwort gegeben, weil ich selbst gar nicht genau gewußt hätte, was gerade in mir abläuft. Ich hätte diesen Überdruß gespürt und auf den hinaus u.U. genau so etwas gesagt.
Und wer weiß, wie dieses Gespräch dann gelaufen wäre? Vermutlich hätte mein Gegenüber sehr wohl den Subtext meines Überdrusses wahrgenommen - aber auch nur indirekt auf den reagiert? Also nicht mit "hast du jetzt einen Vogel, kannst du mir keine klare Antwort geben" - worauf wir das vermutlich geklärt hätten.
Aber wenn dieser Mechanismus des "wir blödeln über Unangenehmes hinweg" gut eingespielt ist, wäre vielleicht ein scheinbar einverstandenes Zurückblödeln gekommen, das dann aber eine subtile Spitze gegen mich enthalten hätte. Und wir beide hätten wahrgenommen, irgendwie ist die Stimmung gerade gekippt, da stimmt etwas nicht, aber keine hätte es angesprochen, und das, was eigentlich da war, dieses
"He, ich wollte etwas von mir teilen, was mir durchaus kostbar ist, bitte sieh genau das!"
wäre nie angesprochen worden. Dabei ist das doch etwas Kostbares, zu sagen "schau, das bin auch ich, ich hätte gerne, daß du diesen Teil von mir auch kennenlernst". Und im Grunde finde ich, daß genau diese Aspekte Verbindung schaffen, wo wir auch mal zeigen "he, ich brauche gerade etwas, kannst du mir das geben?"
Ja, das war jetzt also ein ganz frischer Moment, wo ich wieder mal bemerkt habe: Wahnsinn, wie oft wir nicht das sagen, was wir meinen. Aus den unterschiedlichsten Gründen. In diesem Fall: Mangelnde Zeit, um selbst überhaupt wahrzunehmen, worum es geht - und auch eine gewisse Abwehrtendenz, ja nicht verletzlich zu werden oder es gar zu zeigen.
Und zu bemerken, was für einen riesigen Unterschied in der Reaktion es gemacht hat, mir die Zeit zu nehmen zu entschlüsseln, WARUM ich eigentlich reagieren wollte, wie ich es tat - und wie die komplette Grundlage dafür, all meine negative Energie, nach diesem Ergründen weg war, das ist für mich ein - positives - Wunder.
Ja, mit diesem Beispiel eröffne ich mal dieses Thema das Monats.
Meine Anregung mit diesem Thema geht dahin, daß, wer Lust hat, mal selbst beobachtet: Wie oft passiert es mir eigentlich, daß ich nicht das sage, was ich wirklich meine. Zu bemerken ja oft daran, daß nachher ein unzufriedenes Gefühl zurückbleibt.
Und vielleicht hinzuspüren - worum wäre es denn eigentlich gegangen? Oder auch hier gemeinsam danach zu suchen, wie hätte die direkte Kommunikation denn klingen können?
Ich selbst habe auch noch so einige Beispiele.
Bekanntlich (?) bin ich ja ein Kommunikations-Freak, seit der Entdeckung der Gewaltfreien Kommunikation eröffnet sich mir das Wunder der Art und Weise, wie Menschen miteinander kommunizieren, immer wieder neu. Und eher selten als ein positives Wunder

Was mir immer wieder begegnet und mich immer wieder neu erstaunt ist, wie oft wir wählen, auf eine Art und Weise zu kommunizieren, die genau das NICHT klar ausdrückt, worum es uns geht - sondern irgendwelche Nebendinger.
Ich möchte mit einem eigenen Beispiel hier aus dem Forum beginnen, allerdings mit einem "fiktiven" - weil ich es geschafft habe, nicht so zu kommunizieren, wie es mein erster Impuls gewesen wäre. Aber ich weiß ganz genau: Wäre diese Situation IRL passiert, ohne den Abstand zwischen innerer und äußerer Reaktion, sprich hätte ich unmittelbar verbal reagiert, hätte ich u.U. genau so eine indirekt-unklare Kommunikation gewählt.
"Stein des Anstoßes" war die folgende, kurze Frage von Bonny. Und gleich vorweg: Ich hoffe, Bonny, das ist für Dich jetzt kein Problem, daß ich hier ein wenig indirekt "über" Dich schreibe. Letztlich sagt das, was ich schreibe, ja mehr über mich als über Dich aus, Du hattest ja nur eine Frage gestellt.
Zitat von Bonny123
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Mein erster Impuls, als ich diese Frage las, war, total übertrieben etwas in der Art von "du, meine Warzen sind alle verschwunden, ich sehe viel besser - vorher war ich stark kurzsichtig, und plötzlich kann ich ein Buch auf 2 km Entfernung lesen, ..." zu antworten.
Im Geist habe ich durchaus an so einer "witzigen" Antwort gebastelt, gleichzeitig aber schon bemerkt, die entspringt nicht reiner, harmloser Spiellust. Da steckt Aggression dahinter. Und im Forum gibt es ja dieses Hindernis, daß Antworten Zeit braucht, weil es sich nicht so schnell tippt, wie es sich spricht, also habe ich diese Antwort mal nicht getippt.
Abends im Bett dachte ich wieder an Bonnys Frage, habe meine "witzige" Reaktion mal weggeschoben und stattdessen mal hingespürt zur Aggression, und da tauchte Frust und Überdruß auf, formuliert als "geh bitte, darum geht es doch gar nicht". Aha. "Darum geht es doch gar nicht", was heißt das genau? Es heißt, darum geht es mir nicht. Genau. Meine Motivation für mein Posting, auf das hinauf Bonny ihre Frage gestellt hatte, war nicht, zu klären, inwieweit Bewegung mir gut tut, oder warum ich mich mehr bewegen wollte - ich wollte in etwas Anderem gesehen werden, etwas anderes teilen, nämlich die verspielte Freude meines Zahlenspiel-Statistikschweins. Es ging um eine kindliche Freude, in die ich aber viel Zeit und Aufwand investieren kann, die ich teilen wollte - jenseits der Sinnhaftigkeit.
Als ich das formuliert hatte, konnte ich auch sehen: Ok, Bonnys Frage signalisierte mir tatsächlich nicht, daß sie diesen Teil, um den es mir ging, gesehen hatte. Aber: Ich war ja durchaus schon in genau dem gesehen worden, worin ich gesehen werden wollte, hatte schon drei Antworten bekommen, die mir signalisierten "he, ich sehe dich, und ich kann das nachvollziehen", worüber ich mich auch schon sehr gefreut hatte - d.h. grundsätzlich war mein Bedürfnis ja schon erfüllt worden. Und ich weiß ja, daß nicht alle Menschen diese Art der Freude nachvollziehen können, ich hatte ja sogar schon geantwortet
Zitat von MissPig
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Jedenfalls: Das steht alles nicht da, das alles hatte ich in diese Frage hineingeschrieben. Aber das alles war so blitzschnell abgelaufen, daß ich den Satz las und sofort meine emotionale Reaktion des Überdrusses da war, die mich dazu verleiten wollte, "der bösen Fragerin" eine blöde Antwort reinzuwürgen.
Nachdem ich all das, was da blitzschnell abgelaufen war, entschlüsselt hatte, war der Überdruß weg: Es war ja keine Basis mehr da. Ja, ok, diese Frage zielte auf etwas Anderes als das, was ich teilen wollte - aber das ist ja kein Verbrechen, ich habe ja keine Deutungshoheit über das, was wen in welcher Hinsicht zu interessieren hat. Ich hatte meines eh schon bekommen - alles gut.
Und so konnte ich am nächsten Tag die Frage einfach aufrichtig beantworten, ohne irgendeinen bösen Hintergedanken, was sich auch für mich viel besser anfühlte, als "witzig" zu werden und damit die Frage nicht ernstzunehmen. Weil es nämlich durchaus eines meiner Anliegen ist, Menschen in ihren Anliegen ernstzunehmen.
ABER:
IRL hätte ich u.U. die blöde Antwort gegeben, weil ich selbst gar nicht genau gewußt hätte, was gerade in mir abläuft. Ich hätte diesen Überdruß gespürt und auf den hinaus u.U. genau so etwas gesagt.
Und wer weiß, wie dieses Gespräch dann gelaufen wäre? Vermutlich hätte mein Gegenüber sehr wohl den Subtext meines Überdrusses wahrgenommen - aber auch nur indirekt auf den reagiert? Also nicht mit "hast du jetzt einen Vogel, kannst du mir keine klare Antwort geben" - worauf wir das vermutlich geklärt hätten.
Aber wenn dieser Mechanismus des "wir blödeln über Unangenehmes hinweg" gut eingespielt ist, wäre vielleicht ein scheinbar einverstandenes Zurückblödeln gekommen, das dann aber eine subtile Spitze gegen mich enthalten hätte. Und wir beide hätten wahrgenommen, irgendwie ist die Stimmung gerade gekippt, da stimmt etwas nicht, aber keine hätte es angesprochen, und das, was eigentlich da war, dieses
"He, ich wollte etwas von mir teilen, was mir durchaus kostbar ist, bitte sieh genau das!"
wäre nie angesprochen worden. Dabei ist das doch etwas Kostbares, zu sagen "schau, das bin auch ich, ich hätte gerne, daß du diesen Teil von mir auch kennenlernst". Und im Grunde finde ich, daß genau diese Aspekte Verbindung schaffen, wo wir auch mal zeigen "he, ich brauche gerade etwas, kannst du mir das geben?"
Ja, das war jetzt also ein ganz frischer Moment, wo ich wieder mal bemerkt habe: Wahnsinn, wie oft wir nicht das sagen, was wir meinen. Aus den unterschiedlichsten Gründen. In diesem Fall: Mangelnde Zeit, um selbst überhaupt wahrzunehmen, worum es geht - und auch eine gewisse Abwehrtendenz, ja nicht verletzlich zu werden oder es gar zu zeigen.
Und zu bemerken, was für einen riesigen Unterschied in der Reaktion es gemacht hat, mir die Zeit zu nehmen zu entschlüsseln, WARUM ich eigentlich reagieren wollte, wie ich es tat - und wie die komplette Grundlage dafür, all meine negative Energie, nach diesem Ergründen weg war, das ist für mich ein - positives - Wunder.
Ja, mit diesem Beispiel eröffne ich mal dieses Thema das Monats.
Meine Anregung mit diesem Thema geht dahin, daß, wer Lust hat, mal selbst beobachtet: Wie oft passiert es mir eigentlich, daß ich nicht das sage, was ich wirklich meine. Zu bemerken ja oft daran, daß nachher ein unzufriedenes Gefühl zurückbleibt.
Und vielleicht hinzuspüren - worum wäre es denn eigentlich gegangen? Oder auch hier gemeinsam danach zu suchen, wie hätte die direkte Kommunikation denn klingen können?
Ich selbst habe auch noch so einige Beispiele.


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