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August - Entschleunigung

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    #31
    Zitat von Mane Beitrag anzeigen
    ich habe mal aus dem Zufallsfaden diesen Beitrag von Dir in diesen Faden geholt, der, in meinen Augen, gut zu Deinen folgenden Worten (und zu den Gedanken, die ich mir aufgrund meiner momentanen (aufgezwungenen?) "Entschleunigung" mache) passt:

    Was ist der Sinn hinter diesen Geschehnissen? Ich komme nicht drauf.

    Gruß Mane
    Vielleicht zeigt der Körper damit, daß er die Entschleunigung durchsetzt, so oder so.

    Das kann vielleicht als "Tritt gegens Schienbein" gesehen werden. Und ist somit ein deutliches Zeichen, mal langsam zu machen und "mit dem Rennen aufzuhören".

    Mir ist gestern Abend eine Entschleunigungs-Wahrnehmungs-Übung eingefallen, vielleicht kann sie dich ja ein wenig beschäftigen.
    Man wählt einen Raum und konzentriert sich nur auf die Gegenstände, die z.B. rot sind, dann macht man die Augen zu und zählt die Gegenstände auf. Ganz erstaunlich dabei, wie wenig wir die Dinge, die wir ständig vor Augen haben, noch wahrnehmen. Aber vielleicht bist du besser in der Übung als ich (konnte mir nur 3 Dinge merken, Rest war gleich wieder vergessen).

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      #32
      Danke an Bonny, Shepherd und Chrysothemis - ich werde es versuchen.

      Mane

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        #33
        Nicht versuchen, tun!

        (Unsere Sprache verrät uns!)

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          #34
          Zitat von Mane Beitrag anzeigen
          Hallo Shepherd,
          ich habe mal aus dem Zufallsfaden diesen Beitrag von Dir in diesen Faden geholt, der, in meinen Augen, gut zu Deinen folgenden Worten (und zu den Gedanken, die ich mir aufgrund meiner momentanen (aufgezwungenen?) "Entschleunigung" mache) passt:
          Ja!
          Die Gründe des Zweijährigen können wir nur "vermuten", wiewohl sie wahrscheinlich zutreffend sind: er war, wie die meisten in seinem Alter "begeistert" (von sich) etwas zu tun, oder tun zu wollen, was ihm einen Erfolg versprach. Was auch immer das gewesen sein mag.
          Anders ausgedrückt wollte er in seinem kindlichen Eifer und ohne jegliche Ressource, auf die er (wenn er älter gewesen wäre) erfahrungsgemäß hätte zurückgreifen können, etwas "herausfordern". Mit zwei Jahren kann ein Mensch kaum Gefahren erkennen und ebenso wenig abschätzen und unterscheiden und wenn, dann höchstens über vage bekannte "Körpersensationen", nicht über den Verstand oder über Emotionen.
          Mir fällt es schwer, tiefere "Ursachen, Gründe und Motive" zu sehen, die zu dem Unfall geführt haben, der vor etwas 6 Wochen passiert ist. Ich wollte meinen zweijährigen Enkel vor einem Sturz bewahren und bin selber schwer gestürzt. Ein Schienbeinkopfbruch, der erst nicht als solcher erkannt wurde und dann nach Wochen eine aufwändige Operation nötig machte.
          Die Gefahr hast du als erfahrene Erwachsene - nicht zu vergessen auch durch den oft unterschätzten "Mutterinstinkt", welcher auch der Oma noch erhalten bleibt - erkannt. Du hast die Konsequenzen "intuitiv" und durch gemachte Erfahrungen quasi schon vorausgeahnt und bist schnellstmöglich interveniert. Deine Entscheidung zu dieser Intervention hast du nicht mit "vollem Bewusstsein" getroffen, denn sonst wärst du wahrscheinlich zu spät eingeschritten. Es kam also sozusagen auf Bruchteile von Sekunden an.
          In solchen prekären Situationen ist unser "Vollhirn" auf die Schnelle überfordert und es schaltet "zurück" auf arschaiche Erfahrungswerte. Das Gehirn reduziert sich selbsttätig auf die Funktionen seines(unseres) Stammhirns (Reptilienhirn), welches dann entsprechend schnell eine Re-Aktion(Gegen-Aktion, sozusagen "reflexartig") trifft:
          du kannst wegrennen (in deinem Fall verzagen und von vorneherein aufgeben), du kannst vor Schreck erstarren (in deinem Fall erschreckt und unfähig einzugreifen stehenbleiben) und du kannst kämpfen und eingreifen (in deinem Fall handeln und zwar auf die augenscheinlichste und in dem Moment offen-sichtlichste und denkbar hilfreichste Art und Weise)
          Im übertragenen Sinn hast du sofort die "Kampfsituation" gewählt und bist aktiv eingeschritten.

          Das ist in Kurzform das, was passiert ist, wie es möglich ist, dass wir in bestimmten Situationen so reagieren, wie wir reagieren. Dass es sich anders entwickelte und zu "Kollateralschäden" kam, hat nichts mehr mit deiner Eingangs-Reaktion zu tun, sondern ist eine Folgeerscheinung ... die sich unter anderem aus deinem persönlichen Muster ergab ... wie auch deine Rettungsaktion sich aus deinem Muster ergab.

          Mir fällt es schwer, tiefere "Ursachen, Gründe und Motive" zu sehen
          Da wir uns ein bisschen (wirklich nur ein bisschen) kennen und vieles von dem, was wir voneinander zu kennen glauben, lediglich Vermutungen sind, kann Nachstehendes ergo nicht zwingend richtig oder verbindlich sein.

          Du hast dich hier im Forum schon oft als hilfsbereite und "sich kümmernde" Person geschildert, unter anderem auch und wahrscheinlich besonders in familiären Bereichen.

          Deine "Motive" sind an sich "offen-sichtlich" und werden (so nehme ich mal an) von einem moderaten "Kontrollsky" gesteuert, der "gerne den Überblick hat und überall dort, wo er sich nützlich wähnt, wo er "helfen" kann, wo er glaubt, es besser und schneller und effektiver zu können, wo er gerne Aufmerksamkeit, Beachtung und Anerkennung erhalten will, seine HIlfe anbietet und seine Hilfe manchmal auch aufdrängt, ... ohne sich dessen selbst bewusst zu werden.

          So ein Kontrollsky ist an sich gar nichts Schlimmes, solange er nicht zu einem Zwangsverhalten mutiert. Es ist nur manchmal hinderlich für andere, denen du dadurch vielleicht den Eindruck vermittelst, dass "sie es nicht könnten, jedenfalls nicht so gut wie du."

          Dieser Kontrollsky ist eine "emotional gesteuerte und über den Kopf verwaltete" Handlungsbereitschaft. Es ist mehrheitlich eine "Frauenangelegenheit" und bei Männern eher selten, ... weil sie keine "Mütter" sein können und ihnen deshalb das, was "Mutterinstinkt" genannt wird, abgeht. Dieser "kleine Kontrollsky" ist natürlich und menschlich, ... solange seine psychischen Auswirkungen "für dich" nicht schädlich sind, solange sie nicht dein soziales und kulturelles Leben beeinträchtigen.

          Dein "Motiv"ist ergo ein sehr, sehr altes, etwa so alt wie die Menschheit(die Mutterschaft). Es wird nur dadurch etwas komplizierter, weil im Laufe der Menschheits-Entwicklung noch andere, meist moralisch eingefärbte und ethisch verschachtelte Werte "hinzugefügt" wurden.

          Die "Ursachen und Gründe", die dieses archaisch motivierte Verhalten unterstützen sind hingegen individuell und allesamt anerzogen(erworben), oder durch die Erziehungs-Umstände bedingt. Sie bilden sich bei jedem Menschen anders aus, wiewohl sie von der Basis her demselben Zweck folgen und alles "in guter Absicht" tun.

          Vorzuwerfen brauchst du dir wahrhaftig nichts. Zufall war es auch keiner, weil jeder von euch beiden (Oma und Enkel) ihre ureigensten Gründe hattet, um so zu handeln wie ihr es getan habt.

          (Nachträglich noch meine Hochachtung für deine Intervention. Es ist nicht evident, dass Menschen(Omas) so (spontan und schnell) reagieren.)

          Ohne jetzt im Geringsten schadenfroh oder gehässig sein zu wollen, ist "deine Belohnung" in weitesten Sinn "eine Rechnung, die vielleicht schon längst hätte beglichen werden sollen". Damit will ich sagen, dass dein (wahrscheinlich ausgeprägter) Helfer_Sinn schon längst einen Dämpfer gebraucht hätte.
          Vielleicht hast du in Lauf deines Lebens auch schon etliche solcher Dämpfer erhalten, ihnen jedoch nicht die richtige "Interpretation" gegeben? Vielleicht bist du mit einem symbolischen Schulterzucken (das ist halt so) darüber hinweg gegangen, oder du glaubtest, dass es "normal" sei, dass du dich überall und immer mit voller Kraft und vollem Herzen einbringen musst, oder ... es gibt zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten und ich denke, du wirst die in etwa schon kennen, welche für dich passt.

          Wenn wir (alle die wir da sind) helfen wollen, gehen wir mindestens von zweierlei aus: erstens, dass wir es gut könnten, vielleicht sogar noch besser könnten als andere und zweitens, weil wir uns das selbst auch immer wieder beweisen wollen, wiewohl wir uns dieser "Möglichkeit des Interpretierens" nicht immer bewusst werden, ... oder insgeheim nicht wahrhaben wollen.

          Manchmal ist unsere Hilfe berechtigt, manchmal unerlässlich und notwendig, manchmal voreilig und schusselig, manchmal sogar berechnend und eigennützig, ... oder jedesmal ein wenig von allem.

          Wir sind so "konditioniert" worden, das heisst, das Grundmotiv liegt im Wesen des Menschen und hat sich Zeit seiner Evolution entwickelt. Es heisst auch, dass unsere primären Erzieher (Eltern, Geschwister und direkte Umwelt) zu der kulturellen Prägung (siehe erstens) noch das Ihrige hinzu geliefert haben, ... alles in guter Absicht.
          Wie diese Konditionierung bei uns ankam, steht auf unserem individuellen Blatt geschrieben. Jeder von uns hat seine Geschichte und jeder von uns reagiert auf "scheinbar" Allgemeingültiges individuell und verschieden. Deshalb sind wir, wie Rogers sagte, "innerlich" alle einzigartig, ... wiewohl wir alle auf dieselbe Art und Weise "funktionieren".

          Bleib wie du bist, denn du kannst so mit dir am besten leben. Sei vielleicht und lediglich etwas achtsamer mit dir selbst, ... denn wenn du nicht "voll in Form bist", können die, denen du helfen eillst, auch nicht mit deiner "Höchstform" rechnen. In anderen WOrten: erst wenn es dir gut geht, kannst du anderen erst dabei helfen, dass es ihnen auch gut geht".
          Und in noch anderen Worten, passend zu einem anderen Faden hier: erst wenn du dich selbst so liebst (so akzeptierst) wie du bist, kannst du diese Liebe auch ausstrahlen und weitergeben. Wir geben nur das weiter, was wir selbst sind.

          Ich wünsche dir, dass du trotz den gegebenen Umständen mit deiner Mutter, mit ein wenig Einsicht und "Selbstkontrolle" doch noch zur Ruhe kommst und deine Verletzung auskurieren wirst. Omas sind gefragt und - wie der Zufall es so will - wollen auch gefragt bleiben.
          Lass dich selbst zur Abwechslung mal ein wenig verwöhnen. Ich weiß, dass das nicht so leicht anzunehmen ist, weil man als Kontrolleuse selbst immer besser weiß, was man braucht, als andere.

          Gute Besserung ... und jederzeit gerne.


          Und ja,... in Anlehnung an Bonnys Worte: Wenn wir nichts tun, geschieht auch nichts.

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            #35


            Hallo Shepherd,

            lieben Dank für Deinen einfühlsamen, umfassenden Beitrag, in dem ich mich in weiten Teilen "wiederfinde". Auch die theoretischen Erläuterungen sind sehr hilfreich für mich.

            Mit zwei Jahren kann ein Mensch kaum Gefahren erkennen und ebenso wenig abschätzen und unterscheiden und wenn, dann höchstens über vage bekannte "Körpersensationen", nicht über den Verstand oder über Emotionen.
            So sehe ich das auch, die Eltern (mein Sohn und meine Schwiegertochter) gehen jedoch davon aus, dass der Kleine fähig ist, Gefahrensituationen einschätzen zu können und lassen ihn weitgehend "laufen". (Die Unfallsituation haben sie erst, als es schon passiert war, mitbekommen).
            Deine Entscheidung zu dieser Intervention hast du nicht mit "vollem Bewusstsein" getroffen, denn sonst wärst du wahrscheinlich zu spät eingeschritten. Es kam also sozusagen auf Bruchteile von Sekunden an.
            ....und du kannst kämpfen und eingreifen (in deinem Fall handeln und zwar auf die augenscheinlichste und in dem Moment offen-sichtlichste und denkbar hilfreichste Art und Weise)
            Im übertragenen Sinn hast du sofort die "Kampfsituation" gewählt und bist aktiv eingeschritten.
            So war es, ich habe quasi nur reagiert und nicht vorher darüber nachgedacht. Ich war die einzige von 6 Erwachsenen (Familienurlaub), die mitbekam, wie der Kleine sich, in meinen Augen, in Gefahr begab.

            Deine "Motive" sind an sich "offen-sichtlich" und werden (so nehme ich mal an) von einem moderaten "Kontrollsky" gesteuert, der "gerne den Überblick hat und überall dort, wo er sich nützlich wähnt, wo er "helfen" kann, wo er glaubt, es besser und schneller und effektiver zu können, wo er gerne Aufmerksamkeit, Beachtung und Anerkennung erhalten will, seine HIlfe anbietet und seine Hilfe manchmal auch aufdrängt, ... ohne sich dessen selbst bewusst zu werden.
            Tja, so kann man es sehen.
            Gut, dass Du den letzten Halbsatz angehängt hast, denn ich denke, dass ich meine Hilfe nicht aufdränge. Unbewusst? Da werde ich drüber nachdenken.

            Du hast recht, ich helfe gerne und mag die Anerkennung, die mir daraufhin geschenkt wird.

            Vorzuwerfen brauchst du dir wahrhaftig nichts. Zufall war es auch keiner, weil jeder von euch beiden (Oma und Enkel) ihre ureigensten Gründe hattet, um so zu handeln wie ihr es getan habt.

            (Nachträglich noch meine Hochachtung für deine Intervention. Es ist nicht evident, dass Menschen(Omas) so (spontan und schnell) reagieren.)
            Danke!

            Auf den zweiten Teil Deines Beitrags werde ich später eingehen.

            Gruß Mane

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              #36
              Ohne jetzt im Geringsten schadenfroh oder gehässig sein zu wollen, ist "deine Belohnung" in weitesten Sinn "eine Rechnung, die vielleicht schon längst hätte beglichen werden sollen". Damit will ich sagen, dass dein (wahrscheinlich ausgeprägter) Helfer_Sinn schon längst einen Dämpfer gebraucht hätte.
              Diesen "Dämpfer" habe ich nun über den Unfall bekommen?

              Ich bin schnell bereit, Verantwortung für andere zu übernehmen, ihnen meine Hilfe anzubieten - das stimmt. Ziehe mich zurück, wenn diese Hilfe nicht gewollt wird, überlege warum sie nicht angenommen wird und frage nochmal nach, wenn ich glaube, dass sie nötig ist. Doch dann lasse ich den anderen selber mit der Situation klarkommen.

              Manchmal ist unsere Hilfe berechtigt, manchmal unerlässlich und notwendig, manchmal voreilig und schusselig, manchmal sogar berechnend und eigennützig, ... oder jedesmal ein wenig von allem.
              Unerlässlich und notwendig empfinde ich meine Hilfe, wenn es um meine Mutter geht.
              Alle anderen brauchen mich nicht wirklich. Ich verstehe, wie Du es meinst und sehe die anderen Gründe für meine Hilfsbereitschaft in allen genannten Punkten gegeben.

              Bleib wie du bist, denn du kannst so mit dir am besten leben. Sei vielleicht und lediglich etwas achtsamer mit dir selbst, ... denn wenn du nicht "voll in Form bist", können die, denen du helfen eillst, auch nicht mit deiner "Höchstform" rechnen. In anderen WOrten: erst wenn es dir gut geht, kannst du anderen erst dabei helfen, dass es ihnen auch gut geht".
              Und in noch anderen Worten, passend zu einem anderen Faden hier: erst wenn du dich selbst so liebst (so akzeptierst) wie du bist, kannst du diese Liebe auch ausstrahlen und weitergeben. Wir geben nur das weiter, was wir selbst sind.
              In "Höchstform" war ich während unseres Urlaubs nicht, als ich mit gebrochenem Schienbeinkopf/vermeindlicher starker Prellung meine Enkelkinder bespaßte (manchmal mit der Angst, dass sie mein wehes Bein "übersehen" würden). Doch ich schaffte es, mehr daran zu denken, dass die Eltern ihren Urlaub genießen konnten, und mich nicht so wichtig zu nehmen. Da wäre mehr Eigenliebe nötig gewesen und dass ich mir zugestehe, Schwäche zu zeigen und Rücksicht einzufordern.

              Es war meine Interpretation und meine Kinder glaubten sie mir und überließen mir die Kleinen gerne. Das soll keine Schuldzuweisung an meine Lieben sein, ich machte es "aus vollem Herzen" und hatte auch Spaß daran.
              Was ist es denn, wenn nicht Liebe, die ich ausstrahle? Ich finde, auch wenn ich mir selbst nicht genügend Liebe gebe, kann ich diese anderen trotzdem geben.

              Ich wünsche dir, dass du trotz den gegebenen Umständen mit deiner Mutter, mit ein wenig Einsicht und "Selbstkontrolle" doch noch zur Ruhe kommst und deine Verletzung auskurieren wirst. Omas sind gefragt und - wie der Zufall es so will - wollen auch gefragt bleiben.
              Lass dich selbst zur Abwechslung mal ein wenig verwöhnen. Ich weiß, dass das nicht so leicht anzunehmen ist, weil man als Kontrolleuse selbst immer besser weiß, was man braucht, als andere.
              Danke, lieber Shepherd, Du hast mir viel Stoff zum Nachdenken gegeben.

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                #37
                Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
                Wer befürchted, er würde an dem Ort, wo er sich entspannen will, unpassenderweise einschlafen, kann "im Liegen, Sitzen oder Stehen" einen Schlüsselbund in die Hand nehmen. Wenns dann rasselt und klirrt, (weil er wegen der Entspannung aus der Hand fällt) weiss er, dass es Zeit ist, wieder in den Alltag zurück zu kommen.
                Hej Shepherd,

                danke für die Idee, ich schlafe nämlich ständig vor meinem Rechner ein. Mal sehen, ob ich das Schlüsselbund dann auch höre, wenn es mir herunter fällt.

                ________________

                Ich habe auch oft das Gefühl, als wenn die Zeit rast, aber ich finde das nicht schlimm. Schlimm ist für mich nur, wenn ich in der Zeit nicht anwesend bin und die Zeit an mir vorbei läuft...

                Condor

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                  #38
                  Dieses Thema - Entschleunigung - hat mich heute Morgen angeblinzelt. Ich habe eure Beiträge dazu bewußt noch nicht gelesen, weil ich meine Gedanken dazu unbeeinflußt formulieren möchte.

                  Wird ein längerer Beitrag, weil es eines "der großen Themen" in meinem Leben ist. Ich hoffe, es wird nicht zu weitschweifig.


                  Ich erinnere mich an mich selbst immer als jemand, der eigentlich "zu schnell" unterwegs ist. "Ups - war da 'ne Mauer?" - so hat mich eine frühere Freundin charakterisiert, "Rennfahrermentalität", "Du brennst nicht nur an zwei Lunten, sondern mindestens an fünf Ecken zugleich" - "Hast du noch einen Termin oder rennst du immer so beim Spaziergang?"

                  Ich war manchmal irritiert, manchmal amüsiert, manchmal auch unwillig ("Verdammt, wann hast du mal für MICH Zeit?" wenn ich grad weiterwollte zu einem meiner Jobs, weil ich über viele Jahre meist 2 - 3 Berufe gleichzeitig machte. Widderfrau eben, antwortet ich manchmal und war schon weg, ohne auf Antwort zu warten).

                  Ich war eben so, dachte ich. Schnell, flexibel, vielseitig interessiert wie man so schön sagt. Zwischendurch mal: ok, hier eine depressive Episode, dort zwei Jahre völliger Rückzug in unendlicher Erschöpfung hinter herabgelassene Jalousien, da eine Therapie, Seelenergründung, schnell Trauma aufarbeiten, dem Therapeuten 'nen Vogel zeigen - ok, geht schon wieder, tschüß - und ab ins nächste Abenteuer, neue Wohnung, noch ein Umzug, oh toll - neuer Job, neue Herausforderung, prima - die Abteilung gehört mir!

                  Ging lange so, ich war ein Kraftpaket, ich war schneller als die anderen, belastbarer, pfiffiger, Probleme - na klar, die löst man, sonst wären sie ja verpulverte Energie... und weiter, und weiter.

                  Daß ich seit vielen Jahren nicht mehr richtig gehen konnte - Knie durch einen Sportunfall verletzt, kein Laufen, kein Rennen mehr... ach naja. Ich träumte eben davon, einen Hang hinunterzurennen, während mein Tempo im körperlichen Leben immer mehr dem einer humpelnden Schnecke glich... Augen zu Boden gerichtet, jede Unebenheit birgt die Gefahr, zu stürzen - Bandscheibenvorfall mit OP vor bald 15 Jahren, na ok, Fuß taub, was soll's... kein Gespür mehr für den Untergrund, aber Achselzucken, weiter, weiter - Arbeit, schnell, viel, noch mehr!

                  Die Fassade ist gebröckelt, meine Leistungsfähigkeit auch, ich wollt's nicht wissen. Stillstand ist Gefahr, Stillstand heißt doch aufgeben, Stillstand ist Jammern, Versagen, kommt ja gar nicht in Frage!

                  Paßt nicht alles in einen Beitrag hinein, die vielen Jahre auf der Überholspur. Ich hab's gestemmt, hab's "geschafft", ich bin richtig gut geworden.

                  Und jetzt hat mich mein Körper endlich doch noch eingeholt. Schon lange - ich hab die Bisse in den Allerwertesten einfach nur nicht wahrhaben wollen. Seit Jahren ziepten und klopften mir die Anzeichen am Hemdzipfel und auf die Schultern, ich wollte sie wie gewohnt abschütteln und weiter "rennen" - niente. Der Körper hat sich nun also endlich vor meine Hufe geschmissen und gesagt: "Renn über mich drüber, dann sind wir beide futsch, du Superhirn".

                  Entschleunigung heißt das Thema. Noch immer fühlt sich mein "äußeres" Tempo an wie Lahmarsch (sorry). Noch immer möcht ich losrumpeln - "Na gut, machen wir also Nägel mit Köpfen, olles Vehikel!" - es macht aber nicht mit. Ich hab's probiert: Knie futsch, Bandscheiben futsch, Hormone aus dem Gleichgewicht (hätt ja mal früher nachhaken können, aber war zu aufwändig, also schon seit vielen Jahren viel zu viele Schilddrüsenhormone geschluckt - Superhirn is'n Trottel!) - alles kein Beinbruch. Läßt sich ja richten.

                  Vor 3 Jahren wog ich 130 kg. Da fing ich an - Abnehmen. Sport, weniger Essen. Und da kamen sie wieder, die alten Gespenster, die ich so viele Jahre abgehängt hatte. Angst, nächtliche Attacken, Unruhe, Erinnerungen. Mein Hauruck-Verfahren hat nicht mehr genützt - ich mußte mich neu stellen, mußte diesem langsam hinterherhinkenden, verletzten Teil in mir zugestehen: "Ok, du bist dran, laß dir Zeit"...

                  So ist das jetzt mit mir. Entschleunigt, buchstäblich. Langsam abnehmen, langsam Sport machen, auch langsamer werden im Denken - das Hirn scheint seinen Hochleistungskurs eingestellt zu haben.

                  Vermutlich ist das Thema "Entschleunigung" anders gemeint, klingt ja so nach Entspannung und Ruhe, ne?

                  Ich find's anstrengend, wirklich erschöpfend. Mein eigentliches Gefühl ist immer noch so schnell, aber ich komme nicht mehr hinterher.

                  So ist das (beim Durchlesen sehe ich, mein Text "klingt" mauliger, als ich's empfinde. Eine Herausforderung ist in meinem jetzigen Leben drin, immer noch - das läßt mich dranbleiben. Ich bin ziemlich neugierig, ob es mir gelingen wird, die olle Kiste wieder flott zu kriegen. Und das läßt mich hin und wieder ganz selbstzufrieden grinsen - Herausforderungen sind meine Welt, ne?)

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                    #39
                    Spannend, Tellerrand - danke!

                    Kommentar


                      #40
                      liebe Tellerrand,

                      tolle geschichte, und ich finde sie megapassend zum thema entschleunigung.

                      tja, der schnecke und dem faultier brauchste nix zum thema erzählen, viel spannender ist es, darüber mit den rennpferden und geparden zu plaudern.

                      du wurdest also zur entschleinugung gezwungen. immer wieder mal. meinst du, du wirst dich damit anfreunden können? ich bin auch so ein herausforderungs-typ, ich weiß, wie schwer das ist, mal einen schritt zurück zu treten. wobei es mich nur noch bei bestimmten themen "trifft". ich kann gut entspannen. aber wehe, einer packt mich bei der ehre ...

                      liebe grüße

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                        #41
                        Guten Morgen ihr Lieben


                        Den Teil mit dem Entspannen muß ich noch lernen, fürchte ich. Mein Mann sagt manchmal: "Mußt du eigentlich immer alles so absolut machen?"

                        Ich schaffe weniger, so viel ist schon mal sicher. Je mehr ich mich anstrenge, die Dinge in meiner gewohnten Weise zu machen, desto weniger schaffe ich. "Nimm dir doch nicht immer so viel vor, ist doch kein Wunder wenn du dann weniger schaffst" - auch das sagt mein Mann. Dann zieh ich'n Flunsch und schaffe noch weniger...

                        Ich hatte mal einen jungen Kollegen, der war die Ruhe in Person. Der konnte mich wahnsinnig machen, wie langsam der jeden Vorgang in die Hand genommen hat, mit welcher Seelenruhe der einen nach dem anderen von A - Z bearbeitet hat, völlig entspannt dann die Akte wieder an ihren Platz gelegt hat, bevor er sich ganz bedächtig die nächste Akte genommen hat.

                        Am Tagesende hatte er genauso viel geschafft wie ich.

                        Ich würde mich gerne innerlich entschleunigen können. So beim Lesen fällt mir auf, daß es vielleicht kräfteschonender ist, wenn man das innere und das äußere Tempo in Einklang bringen kann. Darin bin ich noch nicht so gut. Bei mir gibt's: Rödeln, Ausklinken, Schlafen. Selbst das Schlafengehen ist "Hau-Ruck" zur Zeit - ich gehe ins Bett, mache das Licht aus und bin normalerweise in weniger als einer Minute im Tiefschlaf.

                        Wenn ich mir Manes Beiträge und Shepherds Gedanken dazu durchlese, entdecke ich auch Parallelen. Einspringen, Zupacken, auch für andere Mitwerkeln. Starke Triebkräfte. Ich habe keine Kinder, aber die Motivation, für andere nützlich zu sein, ist sehr stark ausgeprägt. Ich fühlte mich immer auch getrieben, es war immer wie ein Grundbedürfnis, das Gefühl, für andere nützlich zu sein.

                        Vielleicht ist es das, was im Moment strauchelt. Herausforderungen, ja klar, aber natürlich mißt man sich nicht nur an sich selbst, sondern immer auch an Erwartungen, an Vergleichen, an anderen. Wenn man dann langsamer wird... was passiert dann?

                        Ein tolles Thema, ich werde sicher noch öfter darüber nachdenken.

                        Kommentar


                          #42
                          Wenn man langsamer wird.........geht man in sich! Dort gibt es jede Menge zu entdecken und zu entwickeln, seeeeeeeehr spannend!

                          Kommentar


                            #43
                            Zitat von Tellerrand Beitrag anzeigen
                            (...) Wenn man dann langsamer wird... was passiert dann? (...)
                            Wenn es unfreiwillig ist, bekommt man Sprüche zu hören, in deren Weisheit derjenige, der sie ausspricht, badet und der andere ertrinkt.

                            Wenn man langsamer wird, bekommen z.B. Zeit und Geschwindigkeit Bedeutung sowie ihr Gewinn und ihr Verlust. Es ist die Entdeckung einer Welt, die andere Maßstäbe, fast möchte ich sagen Naturgesetze hat.
                            Zuletzt geändert von Mistral1; 28.08.2014, 07:30. Grund: Komma und Co.

                            Kommentar


                              #44
                              Bewusstheit der Körperlichkeit entsteht und Stimmen im eigenen Geist werden hörbar. Z.B. die Stimmen der unterschiedlichen Persönlichkeitsanteile wie bspw. der histrionische, der depressive, der zwanghafte Anteil etc.

                              Und dennoch: Auch wenn man langsamer wird, kann man immer noch beim Gehen stolpern. Achtung, denn jetzt wird einer der von mir zuvor verpönten vollmundigen Sprüche daraus: Wenn man langsamer wird, kann man immer noch über die eigenen Gedanken stolpern. Und die eigenen Irrtümer.
                              Zuletzt geändert von Mistral1; 28.08.2014, 11:57.

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                                #45
                                Zitat von Mistral1 Beitrag anzeigen
                                Bewusstheit der Körperlichkeit entsteht und Stimmen im eigenen Geist werden hörbar. Z.B. die Stimmen der unterschiedlichen Persönlichkeitsanteile wie bspw. der histrionische, der depressive, der zwanghafte Anteil etc.

                                Und dennoch: Auch wenn man langsamer wird, kann man immer noch beim Gehen stolpern. Achtung, denn jetzt wird einer der von mir zuvor verpönten vollmundigen Sprüche daraus: Wenn man langsamer wird, kann man immer noch über die eigenen Gedanken stolpern. Und die eigenen Irrtümer.
                                jupp, die geschwindigkeit ändert nichts am stolperstein. wobei: man fängt sich schneller, wenn man langsamer stolpert. das meine ich ganz real. bin die letzten tage in Rom ständig über das unebene pflaster gestolpert. einmal nicht auf den weg geachtet, weil ich woanders hin geschaut hab oder es dunkel war, und schon wieder fast auf die fresse gelegt. gut, wenn dann eine hand ist, die einen hält. oder man so geistgegenwärtig ist und gegensteuern kann.

                                einer meiner lieblingssprüche: hochmut kommt IMMER vor dem fall.

                                stimme also total zu, liebe Mistral. und möchte noch ergänzen, zen-weisheit:

                                schnell oder langsam, alles dasselbe. dasselbe und anders gleichzeitig.

                                entschleunigung also nicht als langsamer werden (weil damit nicht automatisch alles auch gut wird), sondern achtsamer werden..

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