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Zauber

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    #16
    Lieber Serafin,

    Zitat von Serafin Beitrag anzeigen
    Ich könnte mir vorstellen, dass kleine Kinder voll in diesem Zauber leben, ihn also als ganz natürlichen Zustand wahrnehmen.
    Aber ist dieser Zustand, wenn er ein alltäglicher, permanenter ist, denn dann noch "Zauber" zu nennen? Ich weiß selbst keine Antwort darauf, tendiere aber dazu es so zu sehen, das es erst zum "Zauber" wird, wenn man es bewusst als etwas Besonderes wahrnehmen kann. Kleinere Kinder, die ganz im Hier und Jetzt leben, kennen noch keine anderen Zustände, von denen sich dieser Zauber abheben könnte. Deswegen fällt es mir auch schwer, Tieren die Fähigkeit zuzusprechen, "Zauber" wahrzunehmen. Im Hier und Jetzt leben sie zweifellos, aber erschließt sich einem dadurch alleine der Zauber eines Orts, eines Anblicks etc?

    Aber ich bin sicher, dass dieser Ort mehr als nur einen Baum verloren hat, nämlich auch seinen Zauber. Seither ist es halt eine gewöhnliche Wiese und es fühlt sich auch nicht mehr speziell an, dort zu verweilen, während früher im Sommer immer wieder Leute unter diesem Baum anzutreffen waren.
    Das hieße, dass der Zauber wirklich im Ort, im Objekt selbst liegt und jeder, der die Offenheit dazu mitbringt, diesen Zauber auch wahrnehmen kann? Mir fällt es leichter zu glauben, dass das, was im Objekt liegt, eine wie auch immer gerartete Form von "Schönheit" ist und "Zauber" erst durch den Blick des Betrachtest, durch das Ohr des Hörenden etc. entsteht. In Bildern wird dieser Blick des Malers oder Fotographen dem Bildbetrachter mitgeliefert, insofern kann der Zauber im Kunstwerk gewissermaßen im Objekt liegen. Aber das, was in der der Natur als Zauber wahrgenommen wird, kann ich für mich schlecht der Natur als "Objekteigenschaft" zusprechen. Zauber ist in meinem Verständnis eher etwas, das zwischen Objekt und Wahrnehmendem stattfindet.

    Vor ein paar Tagen gab es bei uns einen extremen Regentag: die Sturzbäche, die da vom Himmel kamen, konnten kaum abfließen und die Straßen standen richtig tief unter Wasser. Auf meinem Fußweg zur Arbeit wurde ich in 10 Minuten wirklich komplett von unten und oben durchnässt, aber mir hat dieses Wetter ein wunderschönes, tiefes Erlebnis beschert - es war so etwas wie eine Wassermeditation. Alle anderen, mit denen ich gesprochen haben, haben nur über das Wetter geschimpft. Gut, das sind auch Gesprächskonventionen, aber es schien mir nicht so, als sei der Zauber, den ich in diesem Wetter erlebt hatte, für andere besonders gut nachvollziehbar...

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Chaja

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      #17
      Hallo Chaja,

      ich denke, dass es beides gibt: Orte/Dinge, die einen gewissen Zauber ausstrahlen als auch Orte/Dinge, die erst durch Betrachtung oder Erleben einen Zauber bekommen.

      Im ersteren Fall denke ich, dass der Zauber auch da ist, wenn kein Betrachter da ist.

      Liebe Grüße,
      Martin

      PS: Sehr schöner Faden, Danke Serafin!

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        #18
        Zitat von Serafin Beitrag anzeigen
        Und welcher Zauber hat dich positiv berührt?
        Speziell eindrücklich fand ich die Zeitrafferaufnahmen in der Nacht, in denen der Mondschein über die uralten, längst vergessenen Skulpturen wandert. Oder den Sonnenaufgang in der Wüste zu sehen, wie die Sanddünen förmlich zu glühen beginnen...! Das möchte ich gern mal in Natura miterleben!
        Ich habe, aufgrund der Musik, den Film nicht zu Ende gesehen, aber auch schon die ersten Bilder der tanzenden Frauen haben mich sehr abgeschreckt. Solche Bilder habe ich dann Monate im Kopf, da ich ja nun mal in Bildern denke.

        Zauber, der mich berührt, ist in Fotos nicht festzuhalten... in Filmen mit ganz viel Technik oder am Besten live.

        Condor

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          #19
          Lieber Martin,

          Zitat von LiLeLo Beitrag anzeigen
          ich denke, dass es beides gibt: Orte/Dinge, die einen gewissen Zauber ausstrahlen als auch Orte/Dinge, die erst durch Betrachtung oder Erleben einen Zauber bekommen.

          Im ersteren Fall denke ich, dass der Zauber auch da ist, wenn kein Betrachter da ist.
          Spannend! Kannst Du sagen, was den Zauber eines Ortes (ohne Betrachter/Wahrnehmenden) von seiner Schönheit unterscheidet? Oder anders herum: was ist dann Zauber, wenn er ohne Betrachter auskommt?

          Liebe Grüße,
          Chaja

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            #20
            Sehr schönes Thema.

            @Chaja: über deine Worte bin ich "gestolpert" mit dem Regentag neulich. Ich weiß ja nicht, wie deine Kollegen zur Arbeit kommen; jedoch so einen Zauber kann man meiner Ansicht nur erleben, wenn man mit allen Sinnen unterwegs ist. Draußen, an der frischen Luft, sich bewegt dazu und alles völig anders wahrnimmt als aus dem Auto raus zum Beispiel.

            Bei uns gab es neulich auch so einen Regentag. Vom Auto aus ist es nur fürchterlich: schlechte Sicht (in der Dunkelheit morgens), Angst, jemandem dabei zu übersehen, Fußgänger wie Radfahrer. Es ist - für mich - Stress pur ...

            Anders, wenn ich bei Wind und Wetter zu Fuß gehe. Da spüre ich auch viel mehr einen "Zauber", weil ich bewusster wahrnehmen kann. Den Wind auf meiner Haut spüre. Mir alles ganz anders anschauen und auch wahrnehmen kann.

            Soweit mein "Senf".

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              #21
              Hallo Strandundsonne,

              Zitat von Strandundsonne Beitrag anzeigen
              @Chaja: über deine Worte bin ich "gestolpert" mit dem Regentag neulich. Ich weiß ja nicht, wie deine Kollegen zur Arbeit kommen; jedoch so einen Zauber kann man meiner Ansicht nur erleben, wenn man mit allen Sinnen unterwegs ist. Draußen, an der frischen Luft, sich bewegt dazu und alles völig anders wahrnimmt als aus dem Auto raus zum Beispiel.
              Ja, das stimmt schon. Wobei die Autofahrer dann die wenigen Schritte vom Parkplatz zum Arbeitplatz im Regen erst recht schrecklich fanden und sich überhaupt nicht vorstellen konnten, dass mehr davon schön sein könne.

              Anders, wenn ich bei Wind und Wetter zu Fuß gehe. Da spüre ich auch viel mehr einen "Zauber", weil ich bewusster wahrnehmen kann. Den Wind auf meiner Haut spüre. Mir alles ganz anders anschauen und auch wahrnehmen kann.
              Das geht mir auch so. Aber ich denke, es hängt auch davon ab, ob man den Wind und die Feuchtigkeit eines solchen Wetter generell genießen kann. Für manche Menschen ist das einfach genauso unangenehm wie für mich ein extrem heißer Hochsommertag, den sie vielleicht noch genießen können. Von extremer Hitze bin ich so schnell erschlagen, dass ein Erlebnis von Zauber oder Genuss kaum möglich ist...

              Liebe Grüße,
              Chaja

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                #22
                Ich möchte meinen Worten noch hinzufügen... dass für mich ein Zauber überall (und das meine ich wortwörtlich) entstehen kann, weswegen ich nicht in andere Länder zu fahren brauche.

                Ein Zauber entsteht aus meiner Stimmung und meiner Fantasie... da kann aus einer Pfütze ein schillernder See und aus einem Rinnsal am Straßenrand ein rauschender Wildbach werden... und wenn die Regentropfen ans Fenster trommeln, kann ich mich im tiefsten Urwald wiederfinden... und eine trockene Wiese im Sommer ist wie eine Savanne in Afrika... wo die Hitze über dem Boden flimmert und sich Seltsames in der Ferne abspielt... ist es eine Fata Morgana?

                Überall kann ein Zauber entstehen... auch in einem Raum, wenn Staub im Sonnenlicht tanzt...

                Die ganze Welt kann sich in einem einzigen Augenblick wiederfinden... das ist meine Art von Zauber.

                Condor

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                  #23
                  Für mich entsteht der "Zauber", von dem ihr hier anscheinend redet, in völlig - für mich - unvorhersehbaren Umständen. Meistens im Zusammenhang mit Naturschauspielen. Besondere Sonnenauf- oder - untergänge zum Beispiel. Wolkenbildungen. Oft auch mit dem Auftreten von Tieren. Wenn Wildgänse über mir hinwegfliegen. Oder ein kleines Rotkelchen plötzlich in meiner Nähe erscheint. Dann geht mir das Herz auf. Ich fühle mich so sehr mit allem verbunden. Fühle mich eingebunden. Vielleicht meint dieses ALL-EINS-SEIN etwas in dieser Art.

                  Bäume spielen dabei oft eine große Rolle. Überhaupt Pflanzen. Jetzt gerade die ersten Schneeglöckchen oder Krokusse. Voller Entzücken stehenbleiben - und die Wiederkehr des beginnenden Frühlings bewundern.

                  Aber nochmal zu Bäumen. Die "energetische" Veränderung eines Platzes durch das Fällen eines herrlichen Baumes, kann ich sehr gut nachvollziehen.
                  Welche Ausrede hatte der Bauer denn damals, Serafin? Oder habe ich was überlesen?

                  Vor meiner letzten Wohnung gab es einen Platz mit 3 großen Platanen. Sie streckten ihr Geäst - und ihre Blätter bis zu mir in den 3. Stock. Die Blätter waren wie ein Sonnenschutz im Sommer. Und wenn der Wind wehte, war das Bewegen der Äste wie eine Meditation. Ich habe das so geliebt. Dann wurde der größte dieser Bäume gefällt. Begründung: er wurde damals zu nahe an einem Gemäuer gepflanzt - und würde jetzt mit seinen Wurzeln das Mauerwerk - und sogar die Kanalisation beschädigen. Später musste auch der nächste Baum weichen, weil ein Anbau geplant war.

                  Jedenfalls war ohne meine Bäume... der Zauber weg. Wegen der Sonneneinstrahlung waren jetzt Jalousien notwendig. Und so weiter.
                  Das sanfte Rauschen der Blätter habe ich immer noch im Ohr...

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