Lieber Serafin,
Aber ist dieser Zustand, wenn er ein alltäglicher, permanenter ist, denn dann noch "Zauber" zu nennen? Ich weiß selbst keine Antwort darauf, tendiere aber dazu es so zu sehen, das es erst zum "Zauber" wird, wenn man es bewusst als etwas Besonderes wahrnehmen kann. Kleinere Kinder, die ganz im Hier und Jetzt leben, kennen noch keine anderen Zustände, von denen sich dieser Zauber abheben könnte. Deswegen fällt es mir auch schwer, Tieren die Fähigkeit zuzusprechen, "Zauber" wahrzunehmen. Im Hier und Jetzt leben sie zweifellos, aber erschließt sich einem dadurch alleine der Zauber eines Orts, eines Anblicks etc?
Das hieße, dass der Zauber wirklich im Ort, im Objekt selbst liegt und jeder, der die Offenheit dazu mitbringt, diesen Zauber auch wahrnehmen kann? Mir fällt es leichter zu glauben, dass das, was im Objekt liegt, eine wie auch immer gerartete Form von "Schönheit" ist und "Zauber" erst durch den Blick des Betrachtest, durch das Ohr des Hörenden etc. entsteht. In Bildern wird dieser Blick des Malers oder Fotographen dem Bildbetrachter mitgeliefert, insofern kann der Zauber im Kunstwerk gewissermaßen im Objekt liegen. Aber das, was in der der Natur als Zauber wahrgenommen wird, kann ich für mich schlecht der Natur als "Objekteigenschaft" zusprechen. Zauber ist in meinem Verständnis eher etwas, das zwischen Objekt und Wahrnehmendem stattfindet.
Vor ein paar Tagen gab es bei uns einen extremen Regentag: die Sturzbäche, die da vom Himmel kamen, konnten kaum abfließen und die Straßen standen richtig tief unter Wasser. Auf meinem Fußweg zur Arbeit wurde ich in 10 Minuten wirklich komplett von unten und oben durchnässt, aber mir hat dieses Wetter ein wunderschönes, tiefes Erlebnis beschert - es war so etwas wie eine Wassermeditation. Alle anderen, mit denen ich gesprochen haben, haben nur über das Wetter geschimpft. Gut, das sind auch Gesprächskonventionen, aber es schien mir nicht so, als sei der Zauber, den ich in diesem Wetter erlebt hatte, für andere besonders gut nachvollziehbar...
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
Chaja
Zitat von Serafin
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Aber ich bin sicher, dass dieser Ort mehr als nur einen Baum verloren hat, nämlich auch seinen Zauber. Seither ist es halt eine gewöhnliche Wiese und es fühlt sich auch nicht mehr speziell an, dort zu verweilen, während früher im Sommer immer wieder Leute unter diesem Baum anzutreffen waren.
Vor ein paar Tagen gab es bei uns einen extremen Regentag: die Sturzbäche, die da vom Himmel kamen, konnten kaum abfließen und die Straßen standen richtig tief unter Wasser. Auf meinem Fußweg zur Arbeit wurde ich in 10 Minuten wirklich komplett von unten und oben durchnässt, aber mir hat dieses Wetter ein wunderschönes, tiefes Erlebnis beschert - es war so etwas wie eine Wassermeditation. Alle anderen, mit denen ich gesprochen haben, haben nur über das Wetter geschimpft. Gut, das sind auch Gesprächskonventionen, aber es schien mir nicht so, als sei der Zauber, den ich in diesem Wetter erlebt hatte, für andere besonders gut nachvollziehbar...
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
Chaja




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