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Das Leben - verschiedene Grundauffassungen

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    #16
    Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
    Auch wenn Du im letzten Abschnitt erwähnst, dass Du bei dieser konkreten Wanderung nicht alleine unterwegs warst, klingt Deine Schilderung für mich erstmal nach dem Weg eines Einzelnen, der sich zu einer sich ihm darbietenden Landschaft verhält.
    Tatsächlich hatte ich noch einen Abschnitt angefangen, in dem ich etwas zu den Weggefährten geschrieben hatte. Ich habe es wieder gelöscht, ohne großartig darüber nachzudenken - irgendwo in einem anderen Faden hat jemand (Bonny?) mal geschrieben, dass im Grunde jeder allein ist. Und eben auch wieder nicht, denn bei einer Wanderung bin ich nicht allein, auch wenn ich vielleicht gerade keine menschliche Gesellschaft habe.
    Ich würde mich da auf keinen Fall als Einzelkämpferin sehen, ganz abgesehen davon, dass das Wort "Kampf" in diesem Fall sowieso ein ganz falsches für mich wäre.
    Es ist mehr so etwas völlig selbstverständliches - die Weggefährten sind da, selbst wenn sie nicht da sind.

    Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
    Dabei finde ich bemerkenswert, wie frei die Entscheidungen für oder gegen einen bestimmten Weg getroffen werden. Ein Berg scheint offenbar weder den Imperativ "erklimme mich" noch dessen Gegenteil "vermeide mich" mit sich zu führen, sondern er wird dann erklommen, wenn der Wanderer es will und sonst eben nicht.
    Ich würde noch nicht einmal von Wollen sprechen. Der Berg bzw. der Weg ist eben da und ich gehe ihn.

    Lustigerweise habe ich gerade ein Buch über eine Bergwanderung gelesen, Niedergang von Roman Graf - es hat mich zunehmend genervt, wie der Prota den Berg (und sich selbst?) bezwingen wollte. Weil es quasi nur darum ging, der größte, tollste und schnellste Bergerklimmer zu sein, am besten noch ein paar Schmerzen erleiden, mit denen man hinterher angeben kann bzw. die es zu überstehen gilt, damit man sich erneut bewiesen hat, der Größte, etc. zu sein.
    Das war ziemlich schwer auszuhalten, so als Leserin, ich schwankte zwischen "Du armer Kerl" und "Du Volldepp!"

    Insgesamt also so ziemlich das Gegenteil dessen, wie ich so eine Wanderung angehen würde.

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      #17
      Ja, die Aufgaben haben einen lebenserhaltenden Effekt.
      Die Ärzte sagten mir damals, dass mich lediglich mein überstarker Überlebenswille gerettet habe.

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        #18
        Liebe Chaja.

        Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
        Liebe FirstSunshine,

        Im allerersten Moment sah ich, als ich von dem "Gitternetz" der Wege und den "Paketen" las, die es einzusammeln gelte, eine Art Computerspiel vor mir. Aber hier scheint kein einzelnder Wanderer unterwegs zu sein. So wie ich Dich verstehe, sind diese Wege im Gitternetz vielfach aus Kommunikation geknüpft, aus Begegnungen mit anderen, mit bzw. an denen man diese Erfahrungspäckchen sammeln kann. Jedenfalls werden die Wege von allen gemeinsam genutzt und es findet in dieser gemeinsamen Nutzung auch so etwas wie ein gemeinsamer Ausbau des Weges statt (im Sinne dieser Veränderungen). Oder gehe ich da jetzt in meiner Ausdeutung Deiner Worte zu weit?
        Als alter Zocker und berufsbedingt kann es durchaus sein, dass mein Weltbild von Computerspielen und Programmstrukturen nicht ganz unbeeinflusst geblieben ist.

        Aber das Gitter ist nicht wirklich symmetrisch. Es soll nur ausdrücken, dass ich nicht an EINEN Weg glaube, der uns bestimt ist, sondern dass das Leben uns vielfältige Angebote macht, uns und das Leben zu erkunden. Manchmal überschauen wir den Weg bis zu einer Kurve und entscheiden uns dafür, weil uns das, was wir sehen, attraktiv erscheint, ohne zu wissen, dass auf dem anderen Weg direkt hinter der Kurve etwas liegt, das uns erstrebenswerter erscheinen wäre. Wenn wir uns an einer Kreuzung z.B. wegen eines tollen Jobangebotes für einen Umzug in eine andere Stadt entschieden haben, werden wir bestimmten Menschen, die am alten Wohnort leben, auf unserem Weg nicht begegnen, aber dafür werden uns andere Menschen begegnen, die uns eine bestimmte Erfahrung (trotzdem) ermöglichen. Für jede konkrete "verpasste Gelegenheit" tut sich in meiner Vorstellung also eine andere Möglichkeit auf, auch wenn sie im Detail anders ausgesteltet ist als die ursprüngliche. Und diese Möglichkeiten sind die Geschenke des Lebens, die Päckchen, auf dem Weg.

        Das Gitter ist nur eine Ebene meines Weltbildes. Die Ebene, die uns "Input" verschafft. Was wir aus dem, was wir da vorfinden, "Sichtbares" machen, wirkt sich auf der Ebene aus, die wir als "Realität" wahrnehmen. Ich möchte das mal die "Ausdrucks-Ebene" nennen.

        Die Wege gestalten wir also nicht selbst weiter aus, das Gitter dient nur der Orientierung, Begegnung und Erfahrung. Und natürlich sehe ich mich in meiner Welt nicht alleine. Wir können in diesem Gitter auch selbst ein "deponiertes Päckchen" für einen anderen Wanderer sein, der ihm auf seinem Weg eine Erfahrung ermöglicht. Was er dann aus dieser Erfahrung macht, drückt sich dann aus, wie er seine "fassbare" Realität gestaltet.

        Aber die aktive Gestaltung ist in meinen Augen nicht der "höchste Zweck" des Lebens, er ist ein Nebeneffekt, der sich von ganz alleine ergibt, wenn wir uns selbst erkennen und durch unser Handeln selbst erfahren und ausdrücken. Indem wir "wir selbst" sind, füllen wir unseren Platz im (gemeinschaftlichen) Leben aus.

        Es geht auch nicht um eine (Persönlichkeits-)Entwicklung im moralischen Sinne zu "besser" oder "schlechter", es geht darum, das, was wir (moralisch ganz neutral) von vorneherein SIND, im Inneren zu erkennen und im Äußeren zu leben. Und natürlich drücken wir dabei auch gewisse "Entwicklungsstufen" aus. Unser Selbstbild ist während des Weges ja im Wandel und sorgt dafür, dass wir uns auf eine bestimmte Weise nach außen präsentieren (mal Arsch, mal Engel sozusagen). Für mich geht es darum, alle meine Möglichkeiten zu nutzen. Ein anderer mag mit (aus meiner Sicht) "weniger" zufrieden sein und das ist dann eben "er" und "das ihm entsprechende Optimum". Wichtig ist in meinen Augen, dass er zufrieden ist. Und ich möchte noch anmerken, dass ich mit "zufrieden" nicht "stets himmelhochjauchzend glücklich" meine. Ich bin in Krisen Menschen begegnet, die wichtig für mich waren und ich hätte manches Glücksgefühl nicht empfunden, wenn ich nicht als Gegenpol den Schmerz und die Verzweiflung gespürt hätte. Und die Summe dieser Gefühle gibt mir ein Gefühl der Zufriedenheit. Das Gefühl, mein Leben gelebt und meine Möglichkeiten ausgekostet zu haben.

        Und auch wenn die inneren Voraussetzungen und äußeren Umstände für den Einzelnen ganz unterschiedlich sind, so sind doch allen die gleichen "Grund-Erfahrungen". möglich. Ein aktiver Sportler wird "Selbstzufriedenheit und Glück" vielleicht nach einem Marathon erfahren, ein Schreiner mit dem letzten Schliff an einem individuellen Möbelstück, ein Musiker beim Spielen eines Stückes. Das Gefühl ist für alle das gleiche, die "Lebensaufgabe" besteht darin, für sich selbst heraus zu finden, was einem dieses Gefühl vermittelt, also zu erkennen, ob wir Sportler, Schreiner, Musiker oder was auch immer sind. Und damit meine ich nicht "begnadeter" Sportler oder "Ausnahme-Musiker". Je nach Veranlagung fühlen wir diese Freude schon bei einem gelungenen Purzelbaum oder erst nach einem gelaufenen Marathon. Entscheidend ist, dass wir "uns entsprechend" handeln und fühlen und nicht im Vergleich mit einem Spitzensportler unser "persönliches Erfolgsgfühl" über ein "lächerliches" geschlagenes Rad als "nicht angebracht" entwerten, sondern in "unserem" Gefühl aufgehen. Das war jetzt natürlich in schlichtes Beispiel, aber vielleicht drückt es aus, was ich mit "uns selbst so gut wie möglich erkennen" meinte.

        Lass mich raten: mehr Erklärungen werfen mehr Unklarheiten auf.

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          #19
          Liebe Chaja,

          Danke für dieses spannende Thema!

          Ich stelle fest, dass das Leben manchmal im Fluss ist und man praktisch ohne Zutun voran kommt, während zu anderen Zeiten der Weg unglaublich steinig und beschwerlich ist (sofern überhaupt ein Weg vorhanden ist). Zudem scheint es zu helfen, aktiv nach dem eigenen Weg Ausschau zu halten und den inneren Kompass im Auge zu behalten, anstatt zur falschen Zeit irgend eine fixe Idee durchdrücken zu wollen.

          Das bringt mich zum Bild eines Pfades, an dem wir mit einer Art Gummiseil angebunden sind. Der Pfad selbst verschwindet vor uns im Nebel und mäandert mal nach rechts, mal nach links durch die Landschaft, verzweigt sich dann und wann, zu einem uns weitgehend unbekannten aber doch fixierten Ziel, das wir uns für diese Inkarnation gesetzt haben.
          Unsere Freiheit besteht nun darin, an diesem Gummiseil unseren eigenen Weg zu suchen und an den Abzweigungen eine Wahl zu treffen. Je weiter weg vom "optimalen" Pfad wir uns bewegen, desto steiniger und anstrengender wird der Weg! Auf der einen Seite fällt das Gelände immer steiler ab, auf der anderen Seite steigt es an, übersät mit Felsbrocken, überwachsen mit immer dichterer Vegetation, je weiter wir uns vom Weg entfernen.
          Wir können uns zurückfallen lassen und versuchen zu bremsen, bis wir irgendwann von den Ereignissen mitgeschleift werden und uns die Entscheidungen abgenommen werden. Wir können auch ungeduldig voraus rennen und uns so total verausgaben, ohne im Endeffekt schneller am Ziel zu sein.
          Das Ganze ist auch nicht eindimensional zu sehen, sondern eingebettet in ein riesiges, gesellschaftliches und noch weitaus umfassenderes Netzwerk mit x Kreuzungs- und Berührungspunkten.

          Am besten geht es im richtigen Tempo, zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ganz im Hier und Jetzt, hell wach, Augen und Ohren offen für die Bedürfnisse des Augenblicks.
          Noch gelingt es mir nur gelegentlich, aber ich arbeite daran!

          Dazu passt eine Zeile einer schweizer Mundartband von der ich ein grosser Fan war in meiner Jugendzeit:
          "Mach was d'chasch, am Ort wo d'bisch, mit dem wo d'hesch, mit dem wo d'bisch! ..."
          Mach was du kannst, dort wo du bist, mit dem was du hast, mit dem was du bist! ...

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            #20
            Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
            Mit anderen Worten lautete meine Frage eigentlich: Von welchem Grundgefühl hast Du Dich wegentwickelt, um zu Deiner heutigen Auffassung vom Leben zu gelangen?
            Während ich gerade darüber nachdachte, wie ich meine Gedanken dazu in Worte fassen könnte, ging mir etwas durch den Kopf, das es eigentlich perfekt auf den Punkt bringt.

            Kurz, knapp und schmerzlos: vom MUSS zum KANN.

            (Zur Einsicht zum DARF dauert es bei Dingen wie Fenster putzen u. Ä. wohl noch ein paar Jährchen. )

            LG
            Spunk

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              #21
              Serfain, dein Bild mit Pfad und Gummiband und Nebel gefällt mir sehr! Da dachte ich sofort: wie oft ich schon blindlings in eine Richtung gerannt bin, und dann plötzlich mit einem ruck vom Gummiband zurück geschleudert wurde.

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                #22
                Zitat von Maika Beitrag anzeigen
                Serfain, dein Bild mit Pfad und Gummiband und Nebel gefällt mir sehr! Da dachte ich sofort: wie oft ich schon blindlings in eine Richtung gerannt bin, und dann plötzlich mit einem ruck vom Gummiband zurück geschleudert wurde.
                Auf dieses Modell gekommen bin ich, als ich bei einem Verwandten miterlebt habe, wie er sich so lange gegen eine offensichtlich anstehende Veränderung gesträubt hat, bis ihm die Entscheidung durch äussere Umstände aus der Hand genommen wurde.

                Auch wenn man sich sehnlichst etwas herbeiwünscht, beobachte ich einen ähnlichen Effekt. Man kann noch so viel visualisieren, mit Affirmationen um sich werfen oder Münzen im Wunschbrunnen versenken, wenn die Umstände nicht passen und das Schicksal gerade etwas anderes mit einem vor hat, wird der Wunsch nicht in Erfüllung gehen! Andererseits kann es durchaus auch klappen, wenn der Wunsch quasi in Reichweite des "Gummibandes" liegt oder wir auf eine Abzweigung zusteuern. Von da her ist "richtiges" Wünschen, und erst recht "richtiges" Handeln absolut sinnvoll!

                Entsprechend glaube ich, dass wir eine grosse Autonomie darüber haben, wie wir das tägliche Leben gestalten wollen. Aber die grossen Linien, die sich vielleicht wie eine Baumstruktur vor uns verästeln, scheinen mir vorgegeben zu sein. Wenn jemand täglich eine sauertöpfischen Miene zur Schau trägt und bei jeder Abzweigung den Weg nach unten wählt, wird er zwangsläufig auch in dieser Ecke des Lebens landen!
                Andererseits ist vieles schon vom Start weg gegeben. Zum Beispiel, in welche Familie wir geboren werden, dass wir in einem wohlhabenden Land aufwachsen und eine gute Schulbildung geniessen können!

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                  #23
                  Ihr Lieben,

                  an dieser Stelle schon einmal herzlichen Dank für alle Ergänzungen und neuen Beiträge in diesem Faden! Zum "richtigen" Antworten möchte ich mir aber etwas mehr Zeit nehmen, als ich gerade zur Verfügung habe.

                  Bis bald!
                  Eure Chaja

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                    #24
                    Sinn des Lebens. Das Geheimnis der Anziehung...Punkt 2

                    Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
                    ich hatte in letzter Zeit mehrere spannende Gespräche, in denen es um das ging, was häufig als der "Sinn des Lebens" bezeichnet wird. Was wir - ob wir es nun in Worte fassen können oder nicht - als den "Sinn des Lebens" ansehen, hängt - so denke ich - ganz eng damit zusammen, wie wir das (menschliche) Leben aufgrund unserer Erfahrungen wahrnehmen, verstehen
                    Vielleicht interessieren euch diese Ansichten über

                    Geheimnis der Anziehung, welches hier genauer unter die Lupe genommen wurde

                    http://www.sethverlag.ch/Seth-Newsle...-der-Anziehung

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                      #25
                      Während mein jüngerer Sohn mit 14 Jahren die Aussage machte, dass der Sinn des Lebens der Tod sei, was er aber eher sarkastisch meinte, weil man es eben nicht in der Hand hat diesem Schicksal zu entrinnen als Mensch, sehe ich dies eher optimistisch und behaupte heute, dass der einzige Sinn im Weitergeben von Leben liegt, weil wir sowohl genetisch als auch karmisch in unseren Nachfahren weiterleben und wir das Resultat unserer Ahnenschaft sind.
                      Als junge Frau habe ich auf diese Frage immer geantwortet, dass mein Sinn des Lebens darin liegt so viel Bildung wie möglich zu erlangen. Später dann -und mit zunehmender Reife- war mir klar, dass dieses Ziel viel zu kopflastig ist und so erweiterte ich diesen Sinn auf "so viel wie möglich Erkenntnis in mir aufzunehmen", denn das schließt die Herzensbildung mit ein.

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                        #26
                        Also ist mein Leben sinnlos, weil ich keine Nachkommen habe?

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                          #27
                          Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
                          Also ist mein Leben sinnlos, weil ich keine Nachkommen habe?
                          wenn das so ist, sollten viele ihr Koffer packen

                          Ein guter Einwurf Bonny
                          Welchen Sinn hat denn dann das Leben der kinderlosen? Sie sind ja dann unnütz.

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                            #28
                            Och, als Steuerzahler diene ich noch ganz gut!

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                              #29
                              Du kostest auch Bonny .
                              Und wie deine Prognose für die Zukunft ist, steht noch in den Sternen.
                              Ich sag nur Raucher . Gefährliche Spezies

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                                #30
                                Zitat von Karin7356 Beitrag anzeigen
                                und behaupte heute, dass der einzige Sinn im Weitergeben von Leben liegt, weil wir sowohl genetisch als auch karmisch in unseren Nachfahren weiterleben und wir das Resultat unserer Ahnenschaft sind.
                                .
                                Rein genetisch mag das wohl stimmen, aber wenn das unser einziger Lebenszweck wäre, dann hätten ihn wohl viele Menschen verfehlt (ich auch). Ich denke, es gibt schon noch viele andere Möglichkeiten, seinem Leben einen Sinn zu geben. Da gibt es viele Lebensinhalte, die den Menschen Sinn geben können (z.B. wenn man schöne oder wichtige Dinge schaffen oder entwerfen kann, oder für andere Menschen Unterstützung bieten kann, eigene Ideen verwirklichen kann, und so weiter).

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