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Das Leben - verschiedene Grundauffassungen

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    Das Leben - verschiedene Grundauffassungen

    Hallo Ihr Lieben,

    ich hatte in letzter Zeit mehrere spannende Gespräche, in denen es um das ging, was häufig als der "Sinn des Lebens" bezeichnet wird. Was wir - ob wir es nun in Worte fassen können oder nicht - als den "Sinn des Lebens" ansehen, hängt - so denke ich - ganz eng damit zusammen, wie wir das (menschliche) Leben aufgrund unserer Erfahrungen wahrnehmen, verstehen, empfinden...

    Ein Verwandter z.B. schilderte mir seine Auffassung von Leben so: Das Leben sei wie ein Puzzle, in dem es für jedes Teil einen einzigrichtigen Platz gebe. Die Aufgabe im Leben bestehe darin, das Puzzle vollständig und richtig zusammenzusetzen. Wenn etwas nicht zusammenpasse, habe man etwas falsch gemacht oder sei "vom Hersteller" betrogen worden, der einem ein inkomplettes Puzzle-Set oder gar die vermischten Teile von verschiedenen Puzzlen in die individuelle Kiste gepackt habe. Er verzweifele aktuell über seinem Teile-Set, weil er nicht wisse, ob er alles falsch gemacht habe oder er gar keine Chance habe, die nicht-zusammengehörigen Teile korrekt miteinander zu verbinden.

    Von anderer Seite hörte ich: Das Leben sei wie eine Fahrt in einem Bus, der mit absoluter Sicherheit auf einen Abgrund zusteuere und aus dem man nicht aussteigen könne. Das beste, was man tun könne, sei es deswegen, die Aussicht und die Fahrt so intensiv wie möglich zu genießen, denn an dem radikalen Ende der Fahrt könne man sowieso nichts ändern.

    Mein eigenes Lebensgefühl ist weder mit der ersten noch mit der zweiten Auffassung vereinbar. Es ist vielmehr von der Vorstellung geprägt, dass man die Aufgabe oder gar die Pflicht habe, die Welt am eigenen Platz ein kleines bisschen besser zu machen, auch wenn das auf Kosten des eigenen Genusses ginge.

    Bevor Ihr fragt: ich sehe die Problematik nicht nur an den mir fremden Entwürfen, sondern auch an meiner eigenen, kann sie aber nur in einem gewissen Maße modifizieren, jedoch nicht vollständig umkrempeln.

    Mich würde einfach interessieren: Was ist das (menschliche) Leben für Euch? Könnt Ihr in Worte oder sprachliche Bilder (wie das vom Puzzle oder der Busfahrt) fassen, was Eure Grundauffassung vom Leben ist? Was leitet Ihr dementsprechend als Lebensaufgabe oder "Sinn des Lebens" ab?

    Liebe Grüße in die Runde!
    Eure Chaja

    #2
    Ich sehe den Zweck meines irdischen Daseins darin, möglichst genau das zu werden, was ich bin, mit allen Schönheiten und allen Widersprüchlichkeiten. Nur wenn ich es wage, so zu sein, wie mich das Leben erträumt hat, bin ich auch so, wie mich die Welt zu dieser Zeit und an diesem Ort braucht.

    Just my two cents ...

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      #3
      Danke liebe Chaja für dieses Thema.
      Ich muss erst nachdenken darüber.
      Habe aber auch innere Bilder dazu.

      Rosie

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        #4
        Liebe Tintenweberin,

        Zitat von Tintenweberin Beitrag anzeigen
        Ich sehe den Zweck meines irdischen Daseins darin, möglichst genau das zu werden, was ich bin, mit allen Schönheiten und allen Widersprüchlichkeiten. Nur wenn ich es wage, so zu sein, wie mich das Leben erträumt hat, bin ich auch so, wie mich die Welt zu dieser Zeit und an diesem Ort braucht.
        Das könnte ich auch unterschreiben.

        Mit meiner Frage wollte ich allerdings auf eine andere Ebene hinaus, die ich wohl noch nicht richtig herausarbeiten konnte: Es ging mir bei meiner Frage nicht so sehr um eine Entwicklungsaufgabe, die man im Laufe des Lebens als solche erkennt, zu der man sich also schon hinentwickelt hat, sondern mehr um so ein ursprüngliches Grundgefühl, das einen das ganze Leben hindurch - auch durch alle Entwicklungen hindurch - begleitet und irgendwie unterschwellig präsent ist, auch wenn man es längst überwunden hat.

        Bei mir ist das eben dieses Gefühl, dass es im Leben darum geht, gewisse Aufgaben zu erledigen, die einer Verbesserung im unmittelbaren Umfeld dienen. Auch wenn ich mich im Leben z.B. zu der Auffassung hinentwickle, dass ich mich deswegen nicht für alles und jeden in meinem Umfeld zuständig fühlen muss, werde ich an dieser Stelle immer wieder leicht Hudel haben, weil ich eben so geprägt bin und diesem Grundgefühl zunächst kopfmäßig, dann zunehmend auch gefühlsmäßig etwas entgegensetzen muss, um nicht immer wieder in dieselbe Falle zu tappen. Wenn es mir mal schlechter geht, bin ich leichter in Gefahr, in dieses alte Grundgefühl zurückzufallen, als wenn es mir gut geht. Etc...

        Mit anderen Worten lautete meine Frage eigentlich: Von welchem Grundgefühl hast Du Dich wegentwickelt, um zu Deiner heutigen Auffassung vom Leben zu gelangen?

        Liebe Grüße und vielen Dank für Deinen Beitrag!
        Chaja

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          #5
          Liebe Rosie,

          Zitat von Rosie Beitrag anzeigen
          Danke liebe Chaja für dieses Thema.
          Ich muss erst nachdenken darüber.
          Habe aber auch innere Bilder dazu.
          Ich bin gespannt! Aber lass' Dir bitte alle Zeit, die Du brauchst! Das Ganze ist ja auch ein sehr persönliches Thema! Entsprechend mutig ist jeder persönliche Beitrag dazu!

          Liebe Grüße!
          Chaja

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            #6
            Bei mir ist das eben dieses Gefühl, dass es im Leben darum geht, gewisse Aufgaben zu erledigen, die einer Verbesserung im unmittelbaren Umfeld dienen (Zitat Chaja)

            Dieses Gefühl hatte ich von Anfang an, weshalb ich z.B. auch Lehrerin geworden bin, im Personalrat und in der Gewerkschaft aktiv mitgearbeitet habe.
            Diese gewissen Aufgaben haben sich dann mit der Zeit erweitert in die Aufgabe, Menschen beim Sterben zu helfen. So gehäuft, wie das der Fall war, ist das kein Zufall.
            Hinzugekommen ist dann noch das Grundgefühl, mich selbst so weiterzuentwickeln, bis ich "richtig" bin, so wie ich geplant war bei meiner Geburt.
            Erst wenn ich dies alles geschafft habe, darf ich sterben.

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              #7
              Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
              Mit anderen Worten lautete meine Frage eigentlich: Von welchem Grundgefühl hast Du Dich wegentwickelt, um zu Deiner heutigen Auffassung vom Leben zu gelangen?
              Es ist kein Grundgefühl sondern eher die Grundidee, dass es in unserem physischen Leben darum geht, die unterschiedlichsten Erfahrungen zu machen und durch diese Erfahrungen mehr über das Menschsein zu lernen. Außerdem geht es darum, mit den vielfältigen Erfahrungen Spaß zu haben (auch wenn sie aus unserer beschränkten Sicht ganz und gar nicht spaßig wirken).

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                #8
                Liebe Bonny,

                Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
                Dieses Gefühl hatte ich von Anfang an, weshalb ich z.B. auch Lehrerin geworden bin, im Personalrat und in der Gewerkschaft aktiv mitgearbeitet habe.
                Diese gewissen Aufgaben haben sich dann mit der Zeit erweitert in die Aufgabe, Menschen beim Sterben zu helfen. So gehäuft, wie das der Fall war, ist das kein Zufall.
                Hinzugekommen ist dann noch das Grundgefühl, mich selbst so weiterzuentwickeln, bis ich "richtig" bin, so wie ich geplant war bei meiner Geburt.
                Erst wenn ich dies alles geschafft habe, darf ich sterben.
                Darin sind wir uns wohl sehr ähnlich! Bei mir würde ich nicht sagen, dass ich vorher nicht sterben dürfe. Aber das Gefühl, dass ich (in Verbindung mit den anderen "Aufgaben" in meinem Leben) die Aufgabe habe, mich weiterzuentwickeln, kenne ich auch von mir.

                Liebe Tintenweberin,

                Zitat von Tintenweberin Beitrag anzeigen
                Es ist kein Grundgefühl sondern eher die Grundidee...
                Stimmt! Für viele Menschen ist das kein Grundgefühl, sondern eine Grundidee - das habe ich in meiner vorherigen Formulierung noch nicht berücksichtigt! Danke für die Erinnerung, dass es - um es mal vor dem Hintergrund des Ennegramms zu sagen - neben den Herz- und Bauchtypen auch Kopftypen gibt, für die eben eine Grundidee und kein Grundgefühl diesbezüglich vorherrscht. Die Busgeschichte ist in diesem Sinne übrigens auch eine Grundidee.

                ... dass es in unserem physischen Leben darum geht, die unterschiedlichsten Erfahrungen zu machen und durch diese Erfahrungen mehr über das Menschsein zu lernen. Außerdem geht es darum, mit den vielfältigen Erfahrungen Spaß zu haben (auch wenn sie aus unserer beschränkten Sicht ganz und gar nicht spaßig wirken).
                Spannend! Vielen Dank dafür! Wie hat sich das bei Dir als Kind geäußert (falls Du davon erzählen magst)?

                Liebe Grüße und besten Dank!
                Eure Chaja

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                  #9
                  Ich war schon öfter in Lebensgefahr, als Kind und auch als Erwachsene.
                  Gleich in welcher Situation, ich wusste, dass ich nicht sterben würde, weil noch Aufgaben vor mir lagen.
                  Dieses Wissen kam von ganz innen, als kein Arzt mehr einen Pfifferling für mich gab.
                  Als ich z.B. auf der Intensivstation aus dem Koma erwachte und meine Schwester bei mir saß, wusste ich sofort: Hier ist was falsch. Es muss umgekehrt sein.
                  Richtig bewusst war mir das noch nicht, dazu war ich noch zu benommen.
                  Aber so war es dann ja auch später.

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                    #10
                    Das Leben ist wie eine Schachpartie, nur nicht so flach.

                    *hat mein Sohn (24J) gesagt.

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                      #11
                      Liebe Chaja.

                      das ist ja mal ein interessantes Thema. Ich selbst habe ein "Bild im Kopf" und bin (natürlich, wie immer ) sehr neugierig auf anderer Leute Bilder.

                      In meiner Vorstellung läuft das Leben durch ein "Gitternetz" von Wegen. Man kommt immer mal an eine Abzweigung, an der man sich für eine Richtung entscheidet. Auf dem Weg sammeln wir Erfahrungen, lernen an Situationen und Begegnungen etwas über uns selbst (und andere) und Erweitern damit unser Wissen und somit auch unseren Erfahrungsschatz und Handlungssppielraum. Ganz im Gegensatz zum "Puzzle-Bild" glaube ich nicht, dass wir jede Entscheidung nur einmal treffen können und dass es eine richtige oder eine falsche Möglichkeit gibt, an einer Abzweigung zu entscheiden (bzw. ein Puzzlestück einzufügen). An verschiedenen Kreuzungen und Wegen liegen gleichartige "Päckchen" für uns bereit. Wenn wir eine Erfahrung auf einem Weg verpasst haben, wird sie uns an anderer Stelle (durch weitere Situationen und Begegnungen) nochmals ermöglicht. Wenn wir mit unserer Entscheidung für einen Weg auf eine bestimmte Erfahrung gezielt haben, mag uns das wie ein Umweg erscheinen, eine "Fehlentscheidung", die es für uns komplizierter gemacht hat, das gewünschte "Ziel" zu erreichen. Insofern habe ich schon gewisse Zielvorstellungen, die ich erreichen möchte, bin aber offen für das, was mir das "Schicksal" stattdessen (oder einfach zu einem früheren Zeitpunkt) an den Weg gelegt hat.

                      Sinn des Ganzen ist für mich, möglichst viele Erfahrungen zu sammeln, möglichst viele "Gefühlslagen" zu durchleben, um uns selbt so gut wie möglich zu "erkennen". Und jede weitere Erkenntnis gibt uns einen Hinweis auf unseren Platz im Leben, auf unsere Fähigkeiten und unsere Möglichkeiten, sie in die Gemeinschaft aller "Wanderer" einzubringen.

                      Denn da komme ich wohl aus der gleichen "Ecke" wie Du: Sinn des Lebens ist das Leben zu leben, dem Leben zu dienen (anstatt ihm zu schaden) und es lebenswert zu gestalten, auch für andere. Da sehe ich eine Parallele zu Deinem Grundgefühl "die Umstände in der unmittelbaren Umgebung zu verbessern". Das Leben ist für mich nur "im Zusammenhang" mit dem Rest der Welt möglich, also den Mitmenschen, der Umwelt, ... Wenn ich "dem Leben diene", dann ist es auch zu meinem "Nutzen", wenn ich Veränderungen bewirke, die nicht zuerst mir zugute kommen.

                      Ich glaube nun nicht daran, dass uns alles "vorbestimmt" ist, aber ich glaube, dass jedem gewisse Erfahrungen "zugedacht" sind, die ihm emöglichen sich selbst kennen zu lernen oder auch sein Potential zu entfalten.

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                        #12
                        Seit ich vor ein paar Jahren beschlossen habe, dass mein Leben keinen Sinn haben muss, lebt es sich viel besser. Leichter, vor allem.

                        Ich würde es am ehesten mit einer Wanderung vergleichen. Die hat im Grunde auch keinen Sinn. Da ist ein Berg und ich will nach oben. Da ist ein Weg und ich gehe ihn. Manchmal ist es mühsam, manchmal regnet es drei Tage am Stück, aber manchmal scheint eben auch die Sonne und man hat die großartigsten Erlebnisse.

                        An meiner Wand hängt ein Foto von einer dieser Wanderungen, da kamen wir an einem Marterl vorbei, auf dem stand: "Jeder Weg hat mal ein Ende."

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                          #13
                          Spannende Frage.

                          Auch ich komme von einem Weg, wo ich nach "dem Sinn" gesucht und ihn für mich formuliert habe, und bin - glaube ich, was weiß ich schon genau - jetzt über eine Wegkreuzung gegangen, wo ich an "den Sinn" nicht mehr glaube, weil "Sinn" untrennbar mit einer Instanz verbunden ist, die ihn mittels eines Wertekataloges definiert. Da für mich eine absolute, schöpferische und zweckorientierte Instanz nicht existiert bzw. sich mir noch nicht zweifelsfrei offenbart hat, verbleibt "Sinn" eben subjektiv und somit als etwas von mir zu definierendes. Da ich mich selbst jedoch wandle, wandelt sich auch mein Sinn-Bild, und es ist für mich müßig zu versuchen, etwas sich Wandelndes festschreiben zu wollen.

                          Dennoch habe ich ein für mich sehr stimmiges Bild für das Leben in genau seiner Veränderlichkeit, und das ist eines von Frage und Antwort. Ich sehe "das Leben" in Form dessen, was außerhalb von mir ist/scheint, sowie "mein Leben" als das, was in mir geschieht, als ein ständiges Wechselspiel von Frage und Antwort: Ich suche und lebe Antworten auf Fragen, die mir gestellt werden und stelle wiederum Fragen, auf die ich (vielleicht) Antworten bekomme oder selbst suche: Fragen führen zu Antworten, bringen neue Fragen hervor, die wiederum zu neuen Antworten führen.

                          Ich mag dabei, so nebenbei bemerkt, die Phasen, in denen ich glaube, Antworten zu kennen, viel mehr als die, in denen ich mich als riesiges Fragezeichen, umgeben von noch mehr Fragezeichen fühle

                          Die Quelle dieses Bildes ist für mich das Zitat von Rilke hier im vollen Wortlaut

                          "Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein."

                          Das wurde mir vor sieben Jahren von meiner Therapeutin geschenkt und hat dort sofort Wurzeln geschlagen, sich als eine Antwort etabliert, die vielen Fragen stand hält

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                            #14
                            Liebe Chaja,

                            die Frage finde ich schwierig. Bei mir ist das mal so und mal so. Ich sehe es nicht als Weg, der irgendwo hinführt, auch nicht zu einer "besseren" Persönlichkeit, je mehr man an Päckchen aufnimmt ....

                            An manchen Tagen ist es nicht mal wie ein Bus, denn einen Bus kann man lenken. Da würde ich eher die Metapher eines Zuges auf einer einzelnen Schiene nehmen. Oder, um es aus dem Film 23 zu "zitieren" ... manchmal ist es, als würde ich eine kurvige Strecke hinunterfahren und merke dann, dass ich weder lenken noch bremsen kann.

                            Was ich als sehr beruhigend empfinde, ist, dass man jederzeit aus dem Gefährt aussteigen kann.

                            Dass ich eine bestimmte Aufgabe hier hätte, sehe ich nicht so. Vielleicht liegt das daran, dass ich nicht gläubig bin (an eine Religion). Ob es mich als Zahnrad im Getriebe gibt oder nicht, spielt keine Rolle. Die Entwicklung, die wir auch als Menschheit nehmen ist weder gut noch schlecht, sie IST einfach - oder ?

                            Was dein Problem mit dem Dich zurückstellen für andere angeht. Ich denke, es ist eigentlich wichtig, da weder das eine noch das andere als Extrem auszuleben, man sollte wohl den Mittelweg wählen. Dieser ist aber meist unspektakulär grau ....

                            Grüße, unscheinbar

                            Kommentar


                              #15
                              Wow! So viele Antworten! Vielen Dank Euch allen!

                              Liebe Bonny,

                              Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
                              Gleich in welcher Situation, ich wusste, dass ich nicht sterben würde, weil noch Aufgaben vor mir lagen.
                              Dieses Wissen kam von ganz innen, als kein Arzt mehr einen Pfifferling für mich gab.
                              Also hat es Dir auch geholfen zu wissen, dass da noch Aufgaben auf Dich warten, dass Du noch gar nicht aus dem Leben scheiden kannst? Damit bekommen diese Aufgaben, die sich in manchen Lebensphasen ja auch sehr belastend anfühlen können, auch einen lebenskraftschenkenden und antriebsstärkenden Aspekt, oder?

                              Liebe Möglichkeiten,

                              Zitat von Möglichkeiten !? Beitrag anzeigen
                              Das Leben ist wie eine Schachpartie, nur nicht so flach.

                              *hat mein Sohn (24J) gesagt.
                              Also ein Strategiespiel und zwar eines mit einem Gegner, den es zu besiegen gilt? Geht er selbst eher strategisch an das Leben heran?

                              Dazu fällt mir ein: Mehrere Menschen aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis beziehen sich eher kämpferisch auf ihre Mitwelt und brauchen u.a. ein gegnerisches Gegenüber, dem sie sich entgegenstellen können. Bei manchen geht das eher direkt und ohne viel Gedöns vonstatten, andere bevorzugen elegantere, strategischere Methoden, ganz im Sinne eines solchen Denksports wie Schach...

                              Liebe Hobbes,

                              Zitat von hobbes Beitrag anzeigen
                              Seit ich vor ein paar Jahren beschlossen habe, dass mein Leben keinen Sinn haben muss, lebt es sich viel besser. Leichter, vor allem.

                              Ich würde es am ehesten mit einer Wanderung vergleichen. Die hat im Grunde auch keinen Sinn. Da ist ein Berg und ich will nach oben. Da ist ein Weg und ich gehe ihn. Manchmal ist es mühsam, manchmal regnet es drei Tage am Stück, aber manchmal scheint eben auch die Sonne und man hat die großartigsten Erlebnisse.

                              An meiner Wand hängt ein Foto von einer dieser Wanderungen, da kamen wir an einem Marterl vorbei, auf dem stand: "Jeder Weg hat mal ein Ende."
                              Auch wenn Du im letzten Abschnitt erwähnst, dass Du bei dieser konkreten Wanderung nicht alleine unterwegs warst, klingt Deine Schilderung für mich erstmal nach dem Weg eines Einzelnen, der sich zu einer sich ihm darbietenden Landschaft verhält. Dabei finde ich bemerkenswert, wie frei die Entscheidungen für oder gegen einen bestimmten Weg getroffen werden. Ein Berg scheint offenbar weder den Imperativ "erklimme mich" noch dessen Gegenteil "vermeide mich" mit sich zu führen, sondern er wird dann erklommen, wenn der Wanderer es will und sonst eben nicht.


                              Liebe FirstSunshine,

                              Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen

                              In meiner Vorstellung läuft das Leben durch ein "Gitternetz" von Wegen. Man kommt immer mal an eine Abzweigung, an der man sich für eine Richtung entscheidet. Auf dem Weg sammeln wir Erfahrungen, lernen an Situationen und Begegnungen etwas über uns selbst (und andere) und und Handlungssppielraum. Ganz im Gegensatz zum "Puzzle-Bild" glaube ich nicht, dass wir jede Entscheidung nur einmal treffen können und dass es eine richtige oder eine falsche Möglichkeit gibt, an einer Abzweigung zu entscheiden (bzw. ein Puzzlestück einzufügen). An verschiedenen Kreuzungen und Wegen liegen gleichartige "Päckchen" für uns bereit. Wenn wir eine Erfahrung auf einem Weg verpasst haben, wird sie uns an anderer Stelle (durch weitere Situationen und Begegnungen) nochmals ermöglicht. Wenn wir mit unserer Entscheidung für einen Weg auf eine bestimmte Erfahrung gezielt haben, mag uns das wie ein Umweg erscheinen, eine "Fehlentscheidung", die es für uns komplizierter gemacht hat, das gewünschte "Ziel" zu erreichen. Insofern habe ich schon gewisse Zielvorstellungen, die ich erreichen möchte, bin aber offen für das, was mir das "Schicksal" stattdessen (oder einfach zu einem früheren Zeitpunkt) an den Weg gelegt hat.

                              Sinn des Ganzen ist für mich, möglichst viele Erfahrungen zu sammeln, möglichst viele "Gefühlslagen" zu durchleben, um uns selbt so gut wie möglich zu "erkennen". Und jede weitere Erkenntnis gibt uns einen Hinweis auf unseren Platz im Leben, auf unsere Fähigkeiten und unsere Möglichkeiten, sie in die Gemeinschaft aller "Wanderer" einzubringen.
                              [...]
                              Das Leben ist für mich nur "im Zusammenhang" mit dem Rest der Welt möglich, also den Mitmenschen, der Umwelt, ... Wenn ich "dem Leben diene", dann ist es auch zu meinem "Nutzen", wenn ich Veränderungen bewirke, die nicht zuerst mir zugute kommen.
                              Im allerersten Moment sah ich, als ich von dem "Gitternetz" der Wege und den "Paketen" las, die es einzusammeln gelte, eine Art Computerspiel vor mir. Aber hier scheint kein einzelnder Wanderer unterwegs zu sein. So wie ich Dich verstehe, sind diese Wege im Gitternetz vielfach aus Kommunikation geknüpft, aus Begegnungen mit anderen, mit bzw. an denen man diese Erfahrungspäckchen sammeln kann. Jedenfalls werden die Wege von allen gemeinsam genutzt und es findet in dieser gemeinsamen Nutzung auch so etwas wie ein gemeinsamer Ausbau des Weges statt (im Sinne dieser Veränderungen). Oder gehe ich da jetzt in meiner Ausdeutung Deiner Worte zu weit?

                              Liebe MissPig

                              Zitat von MissPig Beitrag anzeigen
                              Dennoch habe ich ein für mich sehr stimmiges Bild für das Leben in genau seiner Veränderlichkeit, und das ist eines von Frage und Antwort. Ich sehe "das Leben" in Form dessen, was außerhalb von mir ist/scheint, sowie "mein Leben" als das, was in mir geschieht, als ein ständiges Wechselspiel von Frage und Antwort: Ich suche und lebe Antworten auf Fragen, die mir gestellt werden und stelle wiederum Fragen, auf die ich (vielleicht) Antworten bekomme oder selbst suche: Fragen führen zu Antworten, bringen neue Fragen hervor, die wiederum zu neuen Antworten führen.
                              Du spitzt es in Deinem Bild noch stärker auf den Kommunikationsaspekt zu. Demnach ist Leben überhaupt eine Form von Kommunikation, eine Art "Wechselgesang" zwischen Außenwelt und Innenwelt.

                              "Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein."
                              Vielen Dank für das anregende Zitat!

                              Liebe Unscheinbar,


                              Zitat von unscheinbar Beitrag anzeigen
                              Bei mir ist das mal so und mal so. Ich sehe es nicht als Weg, der irgendwo hinführt, auch nicht zu einer "besseren" Persönlichkeit, je mehr man an Päckchen aufnimmt ....

                              An manchen Tagen ist es nicht mal wie ein Bus, denn einen Bus kann man lenken. Da würde ich eher die Metapher eines Zuges auf einer einzelnen Schiene nehmen. Oder, um es aus dem Film 23 zu "zitieren" ... manchmal ist es, als würde ich eine kurvige Strecke hinunterfahren und merke dann, dass ich weder lenken noch bremsen kann.

                              Was ich als sehr beruhigend empfinde, ist, dass man jederzeit aus dem Gefährt aussteigen kann.
                              Das klingt einerseits nach einem stärkeren Ausgeliefertsein (der Zug auf der Schiene anstelle des lenkbaren Busses), andererseits nach einem stärkeren Bewusstsein der Option eines "Not-Ausstiegs" und damit auch nach weniger festen Bindungen, die einen in dem nicht lenkbaren Gefährt halten könnten. Derjenige, der mir das Bus-Bild beschrieb, meinte zwar auch, dass er nicht die Möglichkeit habe, in das Lenken des Busses einzugreifen, sah dabei aber den Absturz des Busses als so unausweichlich an, dass er für sich das Beste herauszuholen meinte, wenn er auf der Busfahrt noch möglichst viel Spaß habe und sich damit ablenke.

                              Dass ich eine bestimmte Aufgabe hier hätte, sehe ich nicht so. Vielleicht liegt das daran, dass ich nicht gläubig bin (an eine Religion). Ob es mich als Zahnrad im Getriebe gibt oder nicht, spielt keine Rolle. Die Entwicklung, die wir auch als Menschheit nehmen ist weder gut noch schlecht, sie IST einfach - oder ?
                              Ich persönlich glaube ja nicht, dass irgendein Mensch so auswechselbar sei wie ein Zahnrad oder auch nur in seiner "Rolle im System" gänzlich aufginge. Aber es stimmt schon: da steckt bei mir eine religiöse Prägung dahinter...

                              Was dein Problem mit dem Dich zurückstellen für andere angeht. Ich denke, es ist eigentlich wichtig, da weder das eine noch das andere als Extrem auszuleben, man sollte wohl den Mittelweg wählen. Dieser ist aber meist unspektakulär grau ....
                              Das trifft es sehr genau! Wenn man aber aus der einen Richtung kommt, ist es nicht mal so leicht festzustellen, wo eigentlich ungefähr die Mitte ist...

                              Ihr Lieben, nochmals herzlichen Dank für Eure spannenden Beiträge! Ich freue mich sehr, dass hier ein solcher Austausch möglich ist!

                              Ganz liebe Grüße in die Runde!
                              Eure Chaja

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