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    Außenreaktionen: Vergebungsfrage

    Hey ihr,

    ich habe heute Post von einer mütterlichen Freundin bekommen, der ich ein paar Hintergründe mitgeteilt habe.
    Sie ist gläubige Christin und äußerte einerseits große Betroffenheit zu der Thematik mit meinen Eltern, meinte aber auch, dass -Zitat- "Vergebung nötig" sei.

    Mcih würde interessieren, wie definiert ihr das? Zu allem Ja und Amen sagen, auch zu großen Verletzungen? Im erstem Moment hat mich diese Äußerung wütend gemacht. Es klingt so... fromm-oberflächlich....

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      Zitat von ladymaryann Beitrag anzeigen
      Hey ihr,
      meinte aber auch, dass -Zitat- "Vergebung nötig" sei.

      Mich würde interessieren, wie definiert ihr das? Zu allem Ja und Amen sagen, auch zu großen Verletzungen? Im erstem Moment hat mich diese Äußerung wütend gemacht. Es klingt so... fromm-oberflächlich....
      sicher nicht Zustimmen und Ja und Amen sagen, eher loslassen und Amen sagen!

      Vergebung ist ein schwieriges Thema, weil es ein Prozess ist indem jeder woanders steckt, ich persönlich denke, dass Vergebung erst wirkliche Freiheit bringt, sie aber nicht unbedingt bedeutet Kontakt zu pflegen, Vergebung ist doch meist nur ein Verstehen des anderen, man kennt sich also selber auch gut und weis, dass man nicht vollkommen ist, so verdient jeder Vergebung wie man selber auch möchte dass einem vergeben wird, wenn man sich vergessen hat und eine Dummheit machte.

      Vielleicht liest Du mal ein Buch über Vergebung, da findet man Dinge auf die man selber gar nie gekommen wäre.

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        Zitat von ladymaryann Beitrag anzeigen
        Hey ihr,

        ich habe heute Post von einer mütterlichen Freundin bekommen, der ich ein paar Hintergründe mitgeteilt habe.
        Sie ist gläubige Christin und äußerte einerseits große Betroffenheit zu der Thematik mit meinen Eltern, meinte aber auch, dass -Zitat- "Vergebung nötig" sei.

        Mcih würde interessieren, wie definiert ihr das? Zu allem Ja und Amen sagen, auch zu großen Verletzungen? Im erstem Moment hat mich diese Äußerung wütend gemacht. Es klingt so... fromm-oberflächlich....
        frag sie doch einfach, wie sie es meint.

        ich stimme viva zu, vergeben hat etwas mit loslassen zu tun. gram und bitterkeit loszulassen. manchmal hat vergeben auch mehr mit einem selbst als mit dem anderen zu tun. (oder immer?) es bringt ja nichts, heute noch wegen dingen wütend zu sein, die 20 jahre her sind, davon abgesehen, dass die erinnerung ein fieses, trügerisches ding ist ...

        ich habe meinen eltern ihr verhalten "damals" vergeben, weil ich heute das gefühl habe, sie haben ihr bestes gegeben. im rahmen ihrer möglichkeiten.

        und heute begegnen wir uns nach möglichkeit so erwachsen wie es geht (ja da ist luft nach oben!!!).

        und "ja und amen" kann ganz befreiend sein, ist nur nicht jedermanns ding. das urteilen jemand anderem zu überlassen, ist aber bestimmt befreiend. oder was meinst du?

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          Ich kann viva58 und Fortuna nur zustimmen.

          Für mich bedeutet vergeben auch, zu sehen, dass jeder zu jedem Zeitpunkt immer das Beste, was er tun konnte, getan hat; (sonst hätte er es sicher anders gemacht)

          Ja, das ist sehr schwer - aber es wird immer leichter (für mich)

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            Ich finde, vergeben ist etwas ganz persönliches und kann überhaupt nicht von außen "verordnet" werden.

            Ich konnte einmal einem Menschen, der mir sehr nahe stand, Dankbarkeit statt Vergebung entgegenbringen, für etwas was er "mir an-" getan hatte. Dankbarkeit für die Erfahrung, aufgrund derer ich eigene Stärke entdecken und weiterentwickeln konnte.
            Für mich war das sehr befreiend und bestärkend und ich wurde aus voriger Passivität wieder aktiv.

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              Zitat von Fortuna Beitrag anzeigen
              ich hatte das große glück, dass ich streiten mit einem kollegen gelernt habe, der mir immer sagte: du weißt, wie sehr ich dich als mensch mag und schätze, aber die sache hier müssen wir anders machen, da flipp ich aus (oder so ähnlich). das war richtig gut. und dann hab ich es bei anderen kollegen auch probiert, und der effekt ist SOOO großartig, wenn du jemand sagst, boah, das find ich doof, will ich nicht, und dein gegenüber guckt dich mit großen augen an, entschuldigt sich und dann wird gemeinsam nach einer lösung gesucht. das macht süchtig.
              Das klingt total schön!

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                Liebe Fortuna,

                ich hatte das große glück, dass ich streiten mit einem kollegen gelernt habe, der mir immer sagte: du weißt, wie sehr ich dich als mensch mag und schätze, aber die sache hier müssen wir anders machen, da flipp ich aus (oder so ähnlich). das war richtig gut. und dann hab ich es bei anderen kollegen auch probiert, und der effekt ist SOOO großartig, wenn du jemand sagst, boah, das find ich doof, will ich nicht, und dein gegenüber guckt dich mit großen augen an, entschuldigt sich und dann wird gemeinsam nach einer lösung gesucht. das macht süchtig.
                Ich habe einen (!) Kollegen, mit dem das geht. Mit dem kann ich mich über alle möglichen Sach- und arbeitsrelevanten Themen streiten - er mag mich dennoch.
                Aber er ist ein Einzelfall! Bei allen anderen Menschen bemerke ich nach einem Streit (oder auch nur einer Meinungsverschiedenheit - und mag sie noch so glimpflich abgelaufen sein) eine Reserviertheit, eine Distanz. Klar, so dürfen sie auch reagieren, aber darum geht es ja jetht gar nicht. Es geht darum, dass sie es tun. Zumindest nehme ich es wahr - ob berechtigt oder nicht, sei mal dahingestellt.

                Insofern... ja, es wäre toll, solche Menschen zu haben, mit denen ich üben könnte. Hab ich aber nicht.

                Klar, ich könnte Freunde fragen. Sie würden mir sicher auch helfen. Aber darum geht es nicht, sondern darum, zu verinnerlichen, dass nun mal nicht jeder so ein ausgeglichener Mensch ist wie mein Kollege, der niemandem böse sein kann.

                Kommentar


                  Zitat von queenie Beitrag anzeigen
                  ...
                  Aber er ist ein Einzelfall! Bei allen anderen Menschen bemerke ich nach einem Streit (oder auch nur einer Meinungsverschiedenheit - und mag sie noch so glimpflich abgelaufen sein) eine Reserviertheit, eine Distanz. Klar, so dürfen sie auch reagieren, aber darum geht es ja jetht gar nicht. Es geht darum, dass sie es tun. Zumindest nehme ich es wahr - ob berechtigt oder nicht, sei mal dahingestellt.

                  Insofern... ja, es wäre toll, solche Menschen zu haben, mit denen ich üben könnte. Hab ich aber nicht.
                  hm, heißt das, du kannst es nicht aushalten, wenn dein gegenüber zeit braucht nach einer auseinandersetzung? brauchst du diese zeit nicht? ich brauch die oftmals schon.
                  Klar, ich könnte Freunde fragen. Sie würden mir sicher auch helfen. Aber darum geht es nicht, sondern darum, zu verinnerlichen, dass nun mal nicht jeder so ein ausgeglichener Mensch ist wie mein Kollege, der niemandem böse sein kann.
                  nein, ich meinte mit üben nicht, dass dein gegenüber bescheid weiß, sondern schon, dass du dich ernsthaft traust, dich und deine bedürfnisse dem anderen zuzumuten. und dass du dies aber zuerst an menschen "ausprobierst", wo es dir weniger ausmacht, wenn die verkrätzt reagieren.

                  kann es sein, dass dein "lieber kollege" streit genau so wenig aushalten kann wie du?

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                    Liebe Fortuna,

                    oje, ich sollte nicht mit schnupfenvernebeltem Hirn komplexe Sachverhalte versuchen zu beschreiben. Geht eh schief... Deine Fragen und Anmerkungen zeigen mir allerdings auch ganz gut, wo ich mich unklar ausgedrückt habe. Und da sich der Nebel in meinem Hirn inzwischen etwas gelichtet hat, wage ich noch einmal einen Antwortansatz.

                    Aaaalso...
                    Insofern... ja, es wäre toll, solche Menschen zu haben, mit denen ich üben könnte. Hab ich aber nicht.
                    hm, heißt das, du kannst es nicht aushalten, wenn dein gegenüber zeit braucht nach einer auseinandersetzung? brauchst du diese zeit nicht? ich brauch die oftmals schon.
                    Nee, anders. Es geht nicht darum, ob jemand Zeit braucht nach einer Auseinandersetzung. Sondern dass ich nach einer Auseinandersetzung eigentlich nur noch wahrnehme, dass der andere zu mir auf Distanz gegangen ist. Und zwar nicht nur drei Tage lang oder drei Wochen, sondern... ja, eigentlich permanent.

                    Und ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, dass der andere diese Signale überhaupt nicht sendet - einfach auch, weil er gar keinen Anlass dazu hat. Vielmehr bin ICH es, die (wohl antrainiert und daher völlig un(ter)bewusst) dann ausschließlich die mich (vermeintlich) abwertenden und zurückweisenden Signale von dem anderen registriere. Signale und Gesten der Zuwendung erkenne ich gar nicht. Bzw. halte sie, wenn ich sie erkenne/wahrnehme, für nicht aufrichtig, sondern glaube, dass der andere tief in sich drin von mir total genervt ist und sich halt bloß nicht traut, das auch auszusprechen, weil er mich nicht verletzen möchte.

                    Und besagter Kollege ist halt der einzige, der mit mir (und ich mit ihm) streiten kann, der aber anschließend ganz normal freundlich ist. Der Auseinandersetzung und Uneinigkeit trennen kann von genereller Sympathie für den Anderen - eine Fähigkeit, die meiner Ansicht nach 98 % aller Menschen abgeht. Im Prinzip genau so wie der Kollege, von dem du sprachst. Nur mit dem Unterschied, dass dein Kollege das halt auch ausgesprochen hat, wie es zwischen euch läuft.

                    Bei allen anderen (Kollegen, Nachbarn, bekannten und auch Freunden und Familie) habe ich immer das Gefühl, die mögen nicht aussprechen, was sie wirklich von mir denken, weil sie mich nicht verletzen wollen.

                    Wobei das ja auch ein Zuneigungsbeweis ist, denn wem ich egal bin, dem ist es auch egal, ob er mich verletzt. Ich weiß. Aber DENNOCH ist in mir diese Grundhaltung des "der andere ist nicht ehrlich zu mir, versucht zu überspielen, was er in Wahrheit denkt, um ja keinen Ärger zu verursachen und damit alles schön harmonisch bleibt". Dabei bin ich definitiv selber so!

                    Irgendein Teil von mir filtert (?) dennoch offenbar alle mir zugewandten Gesten aus und lässt nur die in mein Bewusstsein, die - selbst nur im weitesten Sinne - mir eher abgeneigt sind oder zumindest so interpretiert werden können. Das weiß ich inzwischen, aber dennoch erkenne ich die Zeichen von Zugewandtheit und Sympathie nicht. Und je mehr ich danach suche (und sie nicht finde), um so mehr bin ich davon überzeugt, dass die meisten Menschen mich nicht sonderlich mögen.

                    Zeigt mir aber ein Mensch, dass er (mehr) Kontakt mit mir will (und da schlage ich auch wieder den Bogen zu meiner Mutter), dann scheine ich das auch nicht zu wollen. Oder will ich den Kontakt nur nicht zu meiner Mutter? Sind das zwei verschiedene Dinge?

                    Hm, nee.. ich merke auch bei anderen, wenn mir jemand nahe kommen will, Zeit mit mir verbringen will, ich hingegen aber gar nicht weiß, was ich dem anderen geben soll/will... dann gehe ich lieber von mir aus auf Distanz, als mich all diesen Unsicherheiten auszusetzen, ob ich denn nun das "liefere", was der andere von mir will.

                    Oder nee, anders. Es geht viel mehr darum, dass ich manchmal bestimmte Dinge eben NICHT liefern will, mir aber gar nicht klar ist, welchem Anspruch und welcher Erwartung genau ich da gerade nicht entsprechen will. Oder warum ich ihm nicht entsprechen will. Ich will X oder Y einfach nicht, weil es sich in mir nicht gut anfühlt. Punkt.

                    Aber in dieser alles-analysieren-und-verstehen-wollenden Zeit (und ich bin da keine Ausnahme!!!) darf ein "einfach, weil ich das sage" meist nicht stehenbleiben, sondern wird nicht nur hinterfragt und bis ins Kleinste seziert, sondern obendrauf gibt es auch noch haufenweise Ratschläge, wie man es denn für sich selber möglich machen kann, den Wünschen und Bedürfnissen des Anderen (des Fordernden) entsprechen kann.

                    Wir hatten das ja bereits...

                    Und DAS ist es, wogegen sich in mir immer alles wehrt und sträubt.

                    Und so scheue ich dann meist, meinen Weg durchzuziehen, weil mir die Argumente fehlen. Und da bin ich wieder an dem Punkt "ich traue mich nicht, Dinge einfach so zu wollen, ohne mich dafür zu rechtfertigen oder das ultimativ perfekte und unwiderlegbare Argument für mein Nichtwollen zu haben, gegen dass der andere nichts sagen KANN"...

                    Hier noch ein Zitat aus einem älteren Beitrag von dir:
                    ... der andere darf mir sagen was er will und was er sich wünscht. aber die wenigsten haben einen anspruch darauf.
                    Hm, und da liegt für mich immer ein Zwiespalt. Denn umgekehrt habe ich ja auch keinen Anspruch darauf, dass der Andere mir meinen Anspruch (in diesem Fall, dem Anspruch des Anderen nicht zu entsprechen) erfüllt oder zumindest zugesetht.

                    Und so entsteht für mich genau an der Stelle immer ein Machtkampf. Wer gewinnt, wessen Bedürfnis wird erfüllt? Meines oder das des Anderen? Mir ist aber mein Bedürfnis wichtiger. Also muss ich gute Argumente liefern, denn sonst wird der Andere mein Bedürnis nicht erfüllen bzw. nicht einsehen, warum er das sollte.

                    Ich wiederum möchte aber sein Bedürfnis auch auch nicht befriedigen, weil dann mein - mir sehr wichtiges - Bedürfnis nicht erfüllt wird.

                    Siehst du die Zwickmühle...?

                    nein, ich meinte mit üben nicht, dass dein gegenüber bescheid weiß, sondern schon, dass du dich ernsthaft traust, dich und deine bedürfnisse dem anderen zuzumuten. und dass du dies aber zuerst an menschen "ausprobierst", wo es dir weniger ausmacht, wenn die verkrätzt reagieren.
                    Ja, das hatte ich auch so verstanden. Das Problem liegt aber darin (wie hoffentlich aus dem, was ich jetzt gerade vorher geschrieben habe, klar wird), dass es mir bei JEDEM etwas ausmacht, wenn ich DAS GEFÜHL HÄTTE, ihn vergrätzt zu haben.

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                      liebe Queenie,

                      ich sehe deine zwickmühle. ich kenne sie gut. ich glaube, die kennen viele hier, nämlich all jene mit schwieriger kindheit, die aus verschiedenen gründen ihre "antennen" besonders gut ausbilden mussten, um jederzeit auf die stimmungsschwankungen von mutter/vater zu reagieren ...

                      trifft das auch auf dich zu?

                      wenn du so wie ich diese "besondere antenne" hast, entgeht dir keine gefühlsregung deine gegenübers. und ja, besonders die negativen ... ich kann dir von mir nur sagen, mir wird es egaler. ich kann es immer besser aushalten, dass mein gegenüber das gerade nicht dolle findet, dass ich mein "gehorsam" verweigere. weil, um gehorsam gehts, oder?

                      aber es ist anstrengend. deswegen schöpfe ich kraft aus dem alleinsein. deswegen schaffe ich mir bewusst inseln, wo ich komplett unabhängig sein kann. es war auch ein langer weg, hin zu diesem gefühl: was will ich, wer bin ich? und eins verrat ich dir: das verändert sich auch noch ständig! aber es entsteht so eine art grundbasis. im idealfall erkenn ich sofort, was ich möchte, und wenn ich ein komisches gefühl hab, macht es sinn, darüber nachzudenken. und ja, manchmal geht man kompromisse ein, das ist völlig in ordnung, wenn du es dir selber eingestehst.

                      man kann nicht immer kämpfen und sich abgrenzen und diskutieren. wobei ich mir das rechtfertigen ziemlich abgewöhnt habe. ich erkläre gerne meine gründe, aber nicht endlos.

                      tja, und nu? ich glaube uns hilft es am meisten zu akzeptieren, dass es diese hypersensiblen antennen gibt. die uns ja auch oft nutzen. die aber anstrengend sind. hilft dir das ein bisschen?

                      liebe grüße

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                        Verschissenen Scheiße, vermaledeite!!!! Ich habe gerade einen ellenlangen Text aus dem Bauch heraus getippt. Das Handy piepte, ich beugte mich vor, um es in die Hand zu nehmen und die SMS zu lesen - und da bin ich wohl (mal wieder) an die universelle "Ich schließe jetzt mal alles, was du an Programmen und Fenstern auf hast, ohne rückzufragen"-Taste gekommen.

                        Keine Ahnung, ob ich das jetzt nochmal - auch nur ansatzweise - wieder hinbekomme....

                        Ich bin so angefangen, dir, liebe Fortuna, zu sagen, dass deine letzten Fragen mir klar gemacht haben, dass es bei meinen Eltern gar nicht so sehr um Stimmungsschwankungen ging, sondern vielmehr darum, dass ich immer irgendwie das Gefühl hatte, dass da noch etwas anderes ist hinter der alltäglichen Freundlichkeit. Ich war nie verbunden mit meinen Eltern, weder meiner Mutter noch meinem Vater. Und auch nicht mit meiner Oma, die mich sicher nicht nur mochte, weil ich die Tochter symbolisierte, die sie immer gerne gehabt hätte.

                        Ich habe nie eine wirkliche Verbindung zu irgendjemandem in meinem Leben verspürt. Jeder scheint einen Mauer aus "Alles gut!" um sich herum aufzubauen. Nie durfte ich an der Trauer, der Wut, der Verzweifelung anderer Menschen teilhaben. Ich bekam immer nur (im übertragenen Sinne) die getrockenten Tränen zu sehen, nie das, was eine Verbindung hätte erzeugen können.

                        Und so ist es wohl auch kein Wunder, dass ich fast ausschließlich Freunde habe, die mir nur ihr Schönwettergesicht zeigen, während ich spüre, dass da noch etwas anderes ist. Nicht, dass sie mir etwas verheimlichen, aber sie alle scheinen nicht zu ertragen, dass es Sorgen GIBT und dass sie durchlebt und durchspürt werden wollen, damit man da durch kommt. Sie alle haben Strategien, alles Unangenehme mit einem Schwall von "Ach, alles halb so wild" zu übertünchen. Allen (nicht nur meinen Freunden) scheint es blendend zu gehen, kleine Alltagssorgen, Kümmernisse etc., werden verharmlos und mit "Alles halb so wild!" abgetan. Für mich kommt da indes immer das Signal "Ich will meinen Schmerz und meine Sorgen nicht mit dir teilen, weil mir das Ausmaß dieser Sorgen zu sehr weh tut."

                        Aber was bleibt dann noch übrig? Welche Basis hat eine Freundschaft, hat überhaupt der zwischenmenschliche Kontakt irgendwann noch, wenn nur noch das Schöne, das Gute und das Positive zur Sprache kommen darf?

                        Das Handy zeigte mir gerade eine SMS meiner Mutter. Und da war es wieder: "Haben sich deine Erkältung und somit diene Heisrekeit verzogen?". Übersetzt: "Ist das Problem weg?"

                        Ich glaube, ich sehne mich auch ganz einfach danach, endlich, endlich, endlich mal einfach ein Problem haben zu dürfen. "Problem? Aha. Hm, doof. Watt nu? Tut weh? Jau, glaube ich."

                        Kein "Ach, das wird schon!", kein "Sieh nicht immer alles so schwarz!", kein "Du musst nicht so viel nachdenken!". Alle Welt schwätzt pausenlos davon, dass man sich selber annehmen soll so wie man ist. Keiner redet indes davon, dass man vielleicht auch mal den anderen einfach so lassen soll, wie er ist und ihn nicht pausenlos mit einer Optimierungsdecke überzieht, die alles erstickt, was an Gefühlen, an Ängsten und Sorgen nun mal einfach in einem lebendig ist.

                        Ich glaube, das war so ungefähr das, was ich vorhin geschrieben habe.

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                          liebe queenie,

                          vermaledeite technik!
                          ch habe nie eine wirkliche Verbindung zu irgendjemandem in meinem Leben verspürt.
                          wirklich nie nienicht? mit niemand? spontan dachte ich, hatte ich auch nicht zu meinen eltern. aber so stimmt es nicht. die verbindung zu meiner mutter war oft nicht da oder schwierig. eine innige verbindung haben wir nicht. aber es gab innige verbundenheit mit meinem vater, meinen tanten, meiner oma (insofern man das bei schwerer demenz so nennen kann).

                          die meisten menschen zeigen nach außen ihr schöwettergesicht, und viele leben auch in einer retuschierten schönwetterwelt. glaub ich jedenfalls, so wie du auch.

                          so war ich auch, vor meinen panikattacken. 2004. vor verzweiflung fing ich an , mit den menschen um mich herum darüber zu reden. und plötzlich waren da menschen, die mir erzählten, dass sie das auch kennen, die mir sagten, was ihnen geholfen hatte.

                          einer muss den ersten schritt machen. weg von schönwetter-smalltalk.

                          schreib deiner mutter, wenn die erkältung noch da ist. das kostet überwindung. ich hab letztes jahr meinen eltern erzählt, dass es mir nicht gut geht, weil mein freund sich getrennt hat. kurz darauf rief meine tante an, weil meine eltern verlauten ließen, dass es mir richtig megaschlecht ginge. wenn dein gegenüber dich nie down erlebt hat, erschrickt er sich erstmal!

                          nicht jeder wird sich sofort darauf einlassen. und manche auch gar nicht. aber man muss auch nicht mit allen menschen die gleiche tiefe an freundschaft erreichen. das ist halt auch ein geschenk, wenn es geht.

                          ich spüre eine gewisse sehnsucht danach bei dir?

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                            Liebe Fortuna,

                            wirklich nie nienicht? mit niemand? ...
                            Nein. Wirklich nie nicht. Und auch niemanden. Da war IMMER diese trennende ...Mauer, Wand...? nein, eher ein unsichtbarer Schild, den ich niemals zu überwinden vermochte.

                            Und mir kommt gerade der Gedanke, dass dieser unsichtbare Schild vielleicht die Stimme in mir sein könnte, dass mich sofort daran erinnert, dass ich mit Sicherheit nicht die Erwartungen desjenigen erfülle, dessen Nähe ich suche. Er wird mich also eh zurückweisen. Und dann muss ich wieder hinter ihm herrennen und betteln und fragen, ob nicht doch... Und ich bin es müde, immer wieder nur zu sehen, dass ich mich engagieren muss und mich bemühen und einbringen muss und dennoch nichts dabei herumkommt.

                            Also versuche ich gar nicht (mehr) erst, mit jemandem eine Verbindung zu erzeugen, weil diese Verbindung ja eh nicht von Dauer ist. Über kurz oder lang wird für den anderen etwas anderes wichtiger sein. Und damit bricht die Verbindung ab, denn er wird eh nicht wieder zu mir zurück kommen und die Verbindung aufnehmen. Und dann stehe ich alleine da.

                            Und so bin ich im Laufe der Jahre so weit gekommen, dass ich nun sage "Ja,eigentlich sollte ich meiner Mutter zurückschreiben, dass die Erkältrung noch nicht ganz weg ist.". Aber ich will es nicht! Da ist so viel Fremdes, Oberflächliches, so viele Worte und so wenig Verstehen.... ich ertrage das einfach nicht mehr. Und ich ertrage es wohl auch deshalb nicht mehr, weil ich nicht mehr weiß, wie ich diesen Wust entwirren soll.

                            Ich will nicht meine Schwächen vor meiner Mutter (oder meinem Vater) ausbreiten, denn außer einem mitleidsbekundenden Schulterzucken und "Tja, das ist ja nicht so schön...!" kommt da eh nix. Sie öffnen sich nicht, können es nicht. Das alles verstehe ich und habe es wohl auch akzeptiert.

                            Ich bin es dennoch müde, immer wieder diesen Kampf zu kämpfen, der da lautet "Wir sind so, wie wir sind, pass du dich gefälligst den Gegebenheiten an.". Da war nie ein Entgegenkommen.

                            Und dennoch stehe ich all diese Jahre immer noch da und kämpfe mit meinem schlechten Gewissen meinen Eltern gegenüber, dass ich mich nicht so um sie kümmere oder sie so nehme, wie man es doch nun mal als Kind tut.

                            Diesen Kampf habe ich (unbewusst) als Kind und als Jugendliche in mir ausgefochten, und ich habe bis heute den Reflex, es allen recht machen zu wollen, damit sie mich nur ja liebhaben... aber all das hat mir NICHT EINE EINZIGE Bindung eingebracht, bei der ich spüre "da kann ich hingehen, da bekomme ich Schutz und Verständnis, da gehöre ich hin."

                            Und dennoch kann ich meinen Eltern einfach nicht sagen "Lasst mich einfach in Ruhe, vergesst mich, es klappt einfach nicht mit uns." (Ob mich das wirklich glücklicher machen würde, weiß ich auch nicht und ist Anlass für weitere Zweifel, was zu tun oder zu lassen ist.).

                            Denn ja, es ist wahrscheinlich auch zu einem nicht geringen Teil die Sehnsucht danach, irgendwo hin zu gehören. Nicht dauernd alleine auf weiter Flur durch die Welt zu streifen, sondern jemanden an meiner Seite zu haben, der den Weg gemeinsam mit mir geht und der mir über schwierige Wegstrecken hilft und dem ich umgekehrt auch über schwierige Pfade helfen darf. Den ich nicht immer erst anrufen muss oder (denn das alleine wäre ja noch nicht so schlimm) mit dem/der ich immer erst Terminpläne wälzen und mich hinter Familie, Kindern, Freund, Job, Yoga, Kegelclub und der neuesten gehypten Kunstausstellung anstellen darf, damit ich dann in frühestens dreienhalb Wochen auch mal endlich dran bin.

                            schreib deiner mutter, wenn die erkältung noch da ist.
                            Warum? Was soll das bringen? Dann weiß sie, dass die Erkältung noch da ist. Und dann? Sie wird mir deshalb kein Quäntchen mehr Empathie entgegen bringen. Und ich meine hier nicht die Empathie á là "Oje, du Arme, immer noch krank?", sondern etwas darüber hinaus. Ich kann es gar nicht benennen, weil ich es nicht kenne, mich aber dennoch (wie du ganz richtig vermutest) danach sehne.

                            Meine Mutter würde jedoch an der Oberfläche bleiben, Symptome abfragen oder fragen, wieso denn dieses oder jenes Symptome noch nicht weg sein,"also bei mir war das beim letzten Mal nach zwei Tagen weg...". Was soll ich damit? Schön, dass wir drüber geredet haben? Ich will keine Symptome diskutieren, denn die sind scheißegal, die habe ich nun mal gerade, die gehen auch wieder weg.

                            Eben genau das kotzt mich so an: detaillierte Schilderungen von Autofahren und dass da und da kurz hinter der Raststätte Dingsbums zähfließender Verkehr war und man aber gar nicht erkennen konnte,woran das lag... bla bla bla". Verdammt nochmal, der Stau ist doch längst weg, er wird nie wieder in dieser Form so auftauchen, was ist das nur für ein Geschwätz die ganze Zeit?

                            Und ich werde genau das meiner Mutter nicht klarmachen können, denn sie wird fragen "Wieso, das kann man doch mal erzählen...?" Ja, kann man. Aber man darf sich nicht wundern, dass man dann irgendwann keine Verbindung mehr zum anderen aufbauen kann.

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                              Hallo queenie,

                              just mal meine Gedanken, die ich eben beim Lesen hatte (sorry, kenne nur die letzten Beiträge und ein paar zwischendrin, habe nicht alles gelesen):

                              ob und wie du mit deinen Eltern noch Kontakt hast, finde ich gar nicht mehr so relevant - im Prinzip sollte es jetzt nur noch um dich gehen.

                              Diesen Kampf habe ich (unbewusst) als Kind und als Jugendliche in mir ausgefochten, und ich habe bis heute den Reflex, es allen recht machen zu wollen, damit sie mich nur ja liebhaben... aber all das hat mir NICHT EINE EINZIGE Bindung eingebracht, bei der ich spüre "da kann ich hingehen, da bekomme ich Schutz und Verständnis, da gehöre ich hin."
                              Du hast die Schnauze voll, der Topf mit den Enttäuschungen ist voll und der Topf mit der Energie, die du immer wieder aufgebracht hast ist leer und ausgetrocknet.
                              Soweit klar.

                              Schlimm ist aber, dass dich all diese Erfahrungen auch im Heute noch sehr stark beeinflussen.
                              Noch keine Bindung, wie du sie oben beschrieben hast - verständlich, aber eben auch traurig und schlimm.

                              Nicht sauer sein, aber ich denke, im Prinzip bist du immer noch das Kind, das herum läuft mit einer ganz dicken Schutzwand.
                              Und selbst wenn ein Mensch käme, der dir all das bieten könnte, was du dir wünschst - er käme überhaupt nicht mehr so nah an dich heran, weil du viel zu viel Schutz aufgebaut hast und bloß nicht wieder so enttäuscht werden willst. Und ich finde es auch absolut verständlich !
                              Eine Bindung mit deiner gewünschten Tiefe aufzubauen, da braucht es so viel Energie und ein offenes, verletzliches Herz - woher sollst du all das nehmen, wo deine alten Wunden noch immer nicht verheilt sind ?

                              Ja, du kannst dich mit deiner Schutzwand schützen, du kannst andere Menschen abblocken. Aber wenn deine Wunden mal verheilt sind, dann kannst du wieder bedeutend mehr. Dann könntest du auch eine tiefere Bindung eingehen, ein neues Risiko, ganz vorsichtig dosiert.
                              Doch so wie ich dich im Moment verstehe, ist allein die Vorstellung dir schon viel zu viel, viel zu riskant und viel zu schmerzhaft.

                              Langer Rede, kurzer Sinn... ;)
                              Was ich eigentlich sagen wollte ist, dass es nicht damit getan ist, "nur" den Kontakt zu deiner Mutter oder Verwandten abzublocken.
                              In den Beiträgen lese ich, dass es um den Kontakt zu ihr geht - aber das ist meiner Meinung nach nicht mehr das Wichtigste. Dich schützen, ja, ist wichtig.
                              Aber auch all das verarbeiten und aus diesem verletzten Modus raus kommen, wäre ein nächster Schritt. So verletzt wie du immer noch klingst, denke ich zB auch an Therapie. Keine Ahnung, ob du machst, schon mal daran dachtest oder das gar nicht willst.
                              Nur wie gesagt, es geht längst nicht mehr nur um die Beziehung zu deiner Mutter, sondern es geht um die Beziehungen heute, die du heute und morgen eingehen könntest.

                              Lass dich nicht noch mehr verletzen, aber tu auch etwas dafür, dass es heilen kann. Von alleine geht das leider oft nicht.

                              Alles Gute dir !

                              sky

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                                Ich sehe Dich, die Erwachsene!
                                Ich sehe aber auch das tief verletzte Kind, dass gesehen und in den Arm genommen werden möchte.
                                Vielleicht ist professionelle Hilfe für Dich gut?
                                Ganz liebe Grüße

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