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Die Vergesslichkeit

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    Die Vergesslichkeit

    Hallo an alle!

    Ich denke, jeder kann von sich behaupten mehr oder weniger vergesslich zu sein. Ich versuche seit einiger Zeit gezielt dagegen anzugehen und versuche meinen Tag/ meine Arbeit durch mehr Struktur zu erleichtern. Ich helfe mir mit To Do Listen oder ähnlichem. Dennoch bin ich für Vergesslichkeiten sehr anfällig. Dinge, die mir Menschen erzählen, habe ich manchmal kurze Zeit später vergessen. Ich halte das nicht für krankhaft, sondern für eine fehlende fokussierte Aufmerksamkeit beim Zuhören. Mir fällt auf, dass ich vieles "abnicke" und abhake, es aber nicht bewusst wahrnehme. Natürlich dann, wenn ich sowieso schon viel im Kopf habe, teilweise wird es auch ein Aussortieren meines Gehirns sein, weil einiges weniger wichtig ist als anderes.
    In schlimmen Zeiten der Depression und der Dissoziation ging es sogar soweit, dass ich Menschen von Erlebnissen erzählt habe, bei denen diese Menschen selbst mit anwesend waren, etwa auf die Art: "ich war letztens im botanischen Garten und hab pfeiffende Frösche gesehen!" und derjenige sagt mir dann, dass wir doch zusammen dort waren. Meine Therapeutin sah das in Zusammenhang mit den folgen einer PTBS, offenbar arbeitete mein Gehirn in der Zeit eben in Separationen. Damals habe ich wirklich sehr an mir gezweifelt.
    Das kommt wohlgemerkt nicht mehr vor, nur letztens ging mir wieder so ein Gedanke durch den Kopf, mir fiel aber noch rechtzeitig ein, dass derjenige mit anwesend war.
    Meine Freunde bemerken das natürlich, bei ihnen bin ich die Chaotin, die manchmal ein wenig durcheinander ist Ich schreibe mir jetzt vieles in den Kalender, um einen Überblick zu behalten.
    Mich interessieren eure Gedanken und Erfahrungen hierzu. Geht es jemandem ähnlich? Wie behaltet ihr Dinge besser? Vielleicht hat es generell etwas mit dem Thema Aufmerksamkeit zu tun?

    gespannte Grüße
    Jannes

    #2
    Über das Thema Vergesslichkeit habe ich mich neulich mit einem jungen Mann mitte 50 unterhalten.
    So hin und wieder stelle ich mein behalten von Informationen in Frage.
    Vor allem wenn ich mich dann mit älteren Menschen vergleiche, die genau wissen, wann wer gestorben ist und wann ins Krankenhaus gekommen ist.

    Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, das es normal ist Sachen die erst vor ein paar Tagen passiert sind nicht mehr auf dem Schirm zu haben.
    Das da andere Prioritäten herschen als in späteren Jahren.

    Behalten tue ich Dinge auf jeden Fall besser wenn ich sie mir aufschreibe.
    Ich habe da ein extra Büchlein zu, wer schreibt bleibt.

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      #3
      Ich bin ein visueller Typ.
      Was ich gelesen habe, behalte ich länger.
      Allerdings hat mein Gedächtnis erheblich nachgelassen, habe ich bemerkt. Das meines Mannes auch.
      So diskutieren wir öfter miteinander, was wann geschehen ist.(gestern? vorgestern? heute Nachmittag?)
      Ansonsten hängt es eben damit zusammen, was für mich wichtig ist.
      Meine Cousine z.B. kann auf Knopfdruck erzählen, wer wem zu welchem Geburtstag was geschenkt hat und was die Leute an Kleidern trugen und Schmuck.
      Das ist für mich derart unwesentlich, ich könnte euch davon nichts nennen.
      Was ich aber interessiert gelesen habe oder auch noch selbst aufgeschrieben habe, das prägt sich mir fest ein.

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        #4
        Liebe Jannes,

        ich hatte früher ein sehr gutes Gedächtnis und keinerlei Konzentrationsprobleme. Im Zuge meiner schweren Depression bekam ich verschiedene Denkstörungen und konnte mir irgendwann nichts mehr merken. Als z.B. Freunde von uns heiraten wollten, habe ich mich mehrmals hintereinander über die überraschende Nachricht gefreut Am schmerzhaftesten war aber, dass ich immer wieder vergaß, was mir meine Kinder erzählt hatten.

        Im Zuge der Psychotherapie (die ich nur machen konnte, weil ein Antidepressivum meine Denkstörungen soweit beeinflussten, dass ich mich wenigstens wenige Minuten lang konzentrieren konnte) wurde es besser, aber noch nicht richtig gut. Ich dachte, dass ich wohl immer mit den Folgen dieses Depressionslochs würde leben müssen. Aber durch eine Akupunkturbehandlung, die ich aus anderen Gründen machte, wurden diese Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme dann doch noch kuriert. Inzwischen habe ich damit keine Schwierigkeiten mehr.

        Liebe Grüße,
        Chaja

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          #5
          @ Muttutgut und Bonny:

          ein Büchlein habe ich inzwischen vor allem für die Schule und den Unterricht. wann habe ich was mit meinen Schülern gemacht, wo bin ich mit welcher Klasse stehengeblieben, was hat mir Schüler xy an diesem Tag gesagt/ mich gefragt etc.
          Ich bin auch ein Visueller Typ, ich habe mir sogar eine Magnettafel für zu hause gebastelt, an die ich schreiben und Dinge heften kann, damit ich sie nicht vergesse. Das Ding ist präsent und man läuft immer mal dran vorbei, lässt sich also schlechter vergessen.

          @Chaja: ich bin erleichtert, dass dir das auch so ging. Dann besteht wohl doch ein Zusammenhang. Ich kenne mich mit Akupunktur überhaupt nicht aus. Was für eine war das denn? Gibt es da Unterschiede? Vielleicht gibt es ja auch genau für dieses Problem eine Akupunktur. Es ist ja nicht so, dass ich nicht zurecht komme, aber es kann frustrierend zu sein nicht die Kontrolle über den eigenen Kopf zu haben.

          Liebe Grüße
          Jannes

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            #6
            Liebe Jannes,

            Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
            @Chaja: ich bin erleichtert, dass dir das auch so ging. Dann besteht wohl doch ein Zusammenhang.
            Der besteht auf jeden Fall! Denk- und Merkfähigkeitsstörungen sind wohl oft bei denjenigen Menschen zu beobachten, die auch mit Depersonalisation/Derealisation zu tun haben. Wie Du weißt, ging das auch bei mir sehr in diese Richtung.

            Vor zweieinhalb Jahren habe ich mich psychisch wieder ziemlich stabil gefühlt, hatte aber noch (wenn auch nicht mehr so schwere) Gedächtnisprobleme. Damals habe ich bei meinem Gynäkologen, der auch Arzt für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist, wegen körperlicher Probleme eine Akpunkturbehandlung angefangen. Ich wusste damals auch nichts darüber, hatte aber im Zusammenhang mit meiner körperlichen Hochsensibilität so schlechte Erfahrungen mit Hormonpräparaten gemacht, die die Alternative gewesen wären, dass ich es einfach versuchen wollte. Das hat dann auf allen Ebenen so gut gewirkt, dass ich einfach dabei geblieben bin (anfangs 1x wöchentlich, jetzt alle 2-3 Wochen einmal)

            Es gibt durchaus unterschiedliche Schulen innerhalb der Akupunktur (manche schwören auf weniger, andere auf viele Nadeln usw.) aber damit kenne ich mich nicht aus. Ich würde nicht unbedingt zu einem Orthopäden mit Akupunkturdiplom gehen. Der Hintergrund ist folgender: Die Krankenkassen zahlen Akupunktur in wenigen Fällen, die ins orthopädische Fach fallen (Knie und Rücken) so dass einige Orthopäden sich schnell noch ein paar Nadelkenntnisse in Wochenendkursen angeeignet haben, ohne wirklich in die TCM eingestiegen zu sein, weswegen sie einen meist nicht so unfassend behandeln können. Mein Gyn ist jetzt praktisch mein Hausarzt, der - je nach Bedarf - bei mit alles zugleich behandelt, also z.B. eine weitere Nadel gegen dies oder das setzt. Bei mir war er da bisher genauso erfolgreich bei Beckenbodenproblemen, Gallenkoliken und Endometriose wie bei seelischen Tiefs. Von den Gedächtnisstörungen wusste er gar nichts, aber das, was er bei mir über Fragen sowie die traditionelle Zungen- und Pulsdiagostik wahrgenommen hat, hat wohl gereicht, um auch hier die richtigen Maßnahmen zu ergreifen und alles wieder ins Lot zu bringen. Ich kann diese Methode also nur empfehlen! Und im Gegensatz zu vielen anderen alternativen Heilmethoden, ist sie auch noch erschwinglich (ich zahle 30 EUR pro Stunde)

            Es ist ja nicht so, dass ich nicht zurecht komme, aber es kann frustrierend zu sein nicht die Kontrolle über den eigenen Kopf zu haben.
            Das kann ich gut verstehen! Ich dachte auch, dass ich mich eben damit arrangieren müsste. Die Schulmedizin (die ich ansonsten nicht schlecht machen will - ich arbeite selbst in diesem Bereich) hat dafür einfach kein Konzept.

            Alles Gute!
            Chaja

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              #7
              Wenn ich in Gedanken bei einer anderen Sache bin, vergesse ich auch einiges.
              Ich wollte gestern zum Gynäkologen fahren, fand mich aber dann pötzlich vor der Praxis meiner Hausärztin wieder.
              An die Strecke kann ich mich gar nicht erinnern.

              Vermutlich hat Mystery doch Recht, dass die Grippeimpfung Alzheimer auslöst.

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                #8
                Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
                Liebe Jannes,

                ich hatte früher ein sehr gutes Gedächtnis und keinerlei Konzentrationsprobleme. Im Zuge meiner schweren Depression bekam ich verschiedene Denkstörungen und konnte mir irgendwann nichts mehr merken. Als z.B. Freunde von uns heiraten wollten, habe ich mich mehrmals hintereinander über die überraschende Nachricht gefreut Am schmerzhaftesten war aber, dass ich immer wieder vergaß, was mir meine Kinder erzählt hatten.

                Im Zuge der Psychotherapie (die ich nur machen konnte, weil ein Antidepressivum meine Denkstörungen soweit beeinflussten, dass ich mich wenigstens wenige Minuten lang konzentrieren konnte) wurde es besser, aber noch nicht richtig gut. Ich dachte, dass ich wohl immer mit den Folgen dieses Depressionslochs würde leben müssen. Aber durch eine Akupunkturbehandlung, die ich aus anderen Gründen machte, wurden diese Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme dann doch noch kuriert. Inzwischen habe ich damit keine Schwierigkeiten mehr.

                Liebe Grüße,
                Chaja
                Hallo Chaja,
                ich befinde mich momentan auch in Therapie und kenne diese Probleme sehr gut. Aber ich hatte nie so wirklich darüber nachgedacht, dass da ein enger Zusammenhang bestehen könnte. Lose schon, aber nie so richtig.
                Es nervt mich gewaltig, sich nur noch schwer Informationen von anderen merken zu können und dann meist erst nachdem es mir zum dritten mal mitgeteilt wurde.
                Darf ich fragen was für Akupunkturbehandlung du gemacht hast? Ich bin sehr neugierig.

                Grüße

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                  #9
                  Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
                  Wenn ich in Gedanken bei einer anderen Sache bin, vergesse ich auch einiges.
                  Ich wollte gestern zum Gynäkologen fahren, fand mich aber dann pötzlich vor der Praxis meiner Hausärztin wieder.
                  An die Strecke kann ich mich gar nicht erinnern.

                  Vermutlich hat Mystery doch Recht, dass die Grippeimpfung Alzheimer auslöst.
                  naja wenn dem so ist, ist es nun eh zu spät

                  Oh ja, ich stand damals auch schon zu einer falschen Zeit vor der Tür meiner Therapeutin oder an der Bushaltestelle und stellte dann fest, dass ich eine Stunde zu früh dran war...
                  Oder ich will jemanden anrufen, habe plötzlich jemand anderen am Apparat, weil ich wie automatisiert eine Nummer eingetippt habe.

                  Liebe Chaja, danke dir nochmal für deine ausführlichen Hinweise! Ich habe inzwischen jemanden hier in der Nähe gefunden, der sowohl TCM als auch Osteopathie betreibt. Ich bin sehr gespannt und werde das in den Ferien mal in Angriff nehmen! Ich habe mich in der Zwischenzeit auch mal belesen und bin wirklich überrascht, dass diese beiden Themen wohl sehr eng zusammenhängen (also Depression und Denk-, Leistungs- und Aufmerksamkeitsstörungen). Von derlei psychischen Belastungen kann ja wirklich eine Vielzahl an Leistungsstörungen des Gehirns zurück bleiben. Da ich weiß, dass ich früher anders denken konnte, habe ich auch noch Hoffnung, dass es sich vielleicht wieder an den früheren Zustand angleicht.

                  Liebe Grüße und nochmals Danke

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                    #10
                    Hm. Interessanter Faden. Ehrlich gesagt geht es mir auch so. Vielleicht bin ich weniger vergesslich (?); jedoch merke/spüre ich, dass ich oft nicht so wirklich aufmerksam sein kann. Manchmal im Gespräch (kommt allerdings auch wesentlich auf meine Gesprächspartner/die Themen an). Oder auch Lesen (Zeitung/Buch/Bücher). Oftmals fehlt mir die Geduld, das länger durchzuhalten. Oder auch beim Fernsehen (hört sich jetzt wahrscheinlich komisch an ....). Ich schaffe es einfach nicht (oder wirklich nur bei "fesselnden" Filmen), davor sitzen zu bleiben ...

                    Auf jeden Fall fällt mir diese Unkonzentriertheit auch auf. Dieses Unstete/Unrastige (so empfinde ich es). Im letzten Winter z. B. habe ich das Stricken eines Schals angefangen. Keine zwei Maschen konnte ich ohne Strichliste stricken ... (Bis heute übrigens ist er nicht fertig ).

                    Habe mich bisher nur immer gewundert bzw. wundere mich ständig darüber ... Vielleicht ist das (von euch) nun alles eine Erklärung dafür!?

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                      #11
                      Hallo Alex,

                      entschuldige bitte, dass ich erst jetzt zum Antworten komme.

                      Es tut mir leid, dass es Dich auch so erwischt hat, dass Du Dich mit diesen Problemen herumschlagen musst!

                      Zitat von AlexM Beitrag anzeigen
                      Darf ich fragen was für Akupunkturbehandlung du gemacht hast?
                      Natürlich darfst Du fragen! Ich weiß nur nicht so recht, wie ich darauf antworten soll, weil ich nicht verstehe, wie Du diese genau Frage meinst. Meinst Du den Unterschied zwischen Ohr- und Körperakupunktur? Es gibt natürlich verschiedene Schulen innerhalb der TCM, die sich auch darauf auswirken, wie die Nadeln gesetzt werden, aber zunächst einmal ist eine Akupunkturbehandlung einfach eine Akupunkturbehandlung. Bei mir ist es Körperakupunktur (wirkt i.d.R. stärker als Ohrakupunktur). Wo die Nadeln gesetzt werden, entscheidet der Akupunteur je nach Patient, dessen Konstitution und Beschwerden.

                      Frag bitte weiter nach, wenn Du noch etwas wissen möchtest. Ich schreibe gerne noch mehr dazu, wenn ich weiß, was Dich diesbezüglich interessiert!

                      Liebe Jannes,

                      es freut mich, dass Du jemanden gefunden hast, mit dem zusammen Du die Sache in Angriff nehmen kannst!

                      Ganz liebe Grüße an Euch alle!
                      Eure Chaja

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                        #12
                        Hey, ich hoffe es passt hier etwas hinein.
                        Also ich habe gelernt, dass man sein Gehirn auch trainieren kann. Da möchte ich zu aller erst auf Vera F. Birkenbihl verweisen. Leider ist sie schon verstorben, aber sie hat sich sehr mit gehirngerechtem Lernen auseinander gesetzt und viele nützliche Tipps in ihren Bücher veröffentlicht. Die sich zudem gut lesen lassen. Kann man sich vllt in der nächsten Bücherei ausleihen und mal reinschnuppern.

                        Ein Tipp den ich so schon mal geben kann:

                        Versucht jeden Tag eine Sache mal etwas anders zu machen als ihr sie sonst tut. Das regt die Gehirnzellen an.

                        Z.B. Zähneputzen mal mit links. Treppe wie ein kleines Kind hinauf gehen (beide Füße auf einer Stufe).
                        Ihr werdet schnell merken, dass sich bei solchen Aktivitäten, die Gewohnheit in euch meldet.

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                          #13
                          Hallo Jannes,

                          auch ich passe hier sowas von rein in den Faden. Vergesslichkeit ist mein zweiter Vorname.
                          Und bitte sei mir nicht böse, aber es beruhigt mich, dass du mit gerade mal 27 Jahren bereits vergesslich bist. Denn es geht vielen deiner Alterskollegen genauso, während ich in deinem Alöter gar nicht wusste, wie Vergesslichkeit sich anfühlt.

                          Ich bin felsenfest davon überzeugt, das Vergesslichkeit etwas zu tun hat mit Permanent-zuviele-Dinge-gleichzeitig-tun. Gerade wir Frauenm sind ja (angeblich) die Expertinnen für Multitasking - etwas, was laut diversen Untersuchungen überhapt nicht möglich ist. Man kann nur eine Sache gleichzeitig tun. Sogar laufen und dabei reden scheint eine antrainierte Fähigkeit zu sein. Ich habe einen Freund, der das (gerade, wenn er angetrunken ist) nicht kann. Heimwege von irgendwelchen Partys dauern daher mit ihm unter Umständen seeeeehr lange... Was beim sogenannten Multitasking abläuft ist wohl das megaschnelle (und unbewusste) Aufmerksamkeit-hin-und-her-switchen zwischen den zwei (oder mehreren) Dingen, die man da machen will.
                          Ich habe etwas in der Art jetzt zweieinhalb Monate lang auf der Arbeit gemacht: meinen regulären Job, dann eine Kollegin angelernt auf einen ähnlichen Job, und dazu jede Menge kreative Arbeit (Grafikentwürfe, Texte etc.). Da ich meine Kollegin nie eigenständig arbeiten lassen konnte, konnte ich mich nie lange auf meine eigentliche Arbeit (geschweige denn die kreativen Dinge) konzentrieren, weil ich permanent mit einem Auge und einem Ohr bei dem seöln musste, was meine Kollegin da fabrizierte. Kreative Arbeit habe ich daher in die Abendstunden verschoben, dann wenn keiner mehr da war. All das war soooo megaanstrengend, dass ich irgendwann wirklich alles vergessen habe.

                          Und da sehe ich dei Parallele zu deinem Job, liebe Jannes. Als Lehrerin (hab ich doch richtig verstanden, oder?) bist du sicher den ganzen Tag lang einem Bombardemnt von Außenreizen ausgesetzt. Scheinbar nimmst du die alle irgendwie wahr und musst Energie darauf verwenden, sie zu analysieren und zu entscheiden, ob die jeweiligen Außenreize wichtig/relevant sind oder nicht. Das denn ganzen Tag zu tun (wenn auch unbewusst bzw. unwillentlich) kann in einer Klasse voller unruhiger Schüler heftig sein.

                          Was sagt denn deine Therapeutin, woran das liegt? Also dein jetziges Aufmerksamkeitsdefizit?

                          Auf alle Fälle ein interessantes Thema!

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                            #14
                            Hallo missy!

                            Ich habe kein Problem damit zuzugeben, dass ich vergesslich bin Letzte Woche wieder das perfekte Bsp: Nach der Arbeit bin ich in eine Einrichtung gefahren, um dort ein Angebot für zwei meiner Klassen zu besprechen und habe dort meinen Schlüsselbund liegen lassen, was mir erst drei Tage später auffiel (danach war ich übers Wochenende bei meinen Eltern und brauchte ihn einfach nicht). Erst als ich wieder von meinen Eltern nach Hause fahren wollte bemerkte ich das Fehlen und es war mir ein Rätsel, wo er geblieben war. Ich habe dann am Montag alle angerufen und gefragt, mit denen ich zu tun hatte. Selbst im Parkhaus hätte ich ihn liegen lassen können, ich traue mir dahingehend eigentlich alles zu.
                            Gestern fiel mir dann auf, dass ich vergessen habe meine Klasse zu verabschieden, die nach den zwei Wochen Ferien, die jetzt kommen, ins Praktikum gehen. Am Donnerstag hatte ich noch bei ihnen Unterricht und wusste auch, dass ich danach nicht wieder habe. Am Freitag habe ich noch ein paar Schüler von ihnen gesehen, ihnen sogar eine LK in die Klasse gegeben. Im Laufe der Woche dachte ich auch noch daran, dass ich mit ihnen ein Foto machen wollte, wir das wohl aber nach dem Praktikum machen müssen. Es ist also nicht so, als würde ich an manche Sachen gar nicht denken und sie vergessen, aber ich habe das Gefühl, dass ich viele Gedanken, die eigentlich zusammengehören nicht zusammenbringen und denken kann und sie immer separat voneinander ablaufen (Gedanken 1 am Dienstag: Ich möchte ein Foto mit meiner Klasse machen, das werden wir wohl diese Woche nicht mehr schaffen, sondern erst in der Woche vor Weihnachten, weil nun Ferien sind und sie direkt danach ins Praktikum gehen; GEdanke 2 am Donnerstag: heute habe ich die letzte Stunde in meiner Klasse vor den Ferien; das hätte mich logischerweise zu dem Schluss führen sollen mich von ihnen zu verabschieden und ihnen viel Spaß und Erfolg zu wünschen, dieser Gedanke 3 kam mir aber erst gestern, als es zu spät war und ich habe mich darüber wieder sehr geärgert Es ist doch nicht so, als hätte ich das nicht die ganze Zeit schon gewusst, ich habe doch extra das Praktikum mit ihnen im Unterricht vorbereitet. Aber der Gedanke, dass ich sie nun 8 Wochen nicht mehr sehe, der kam einfach viel zu spät, obwohl ich mich mit anderen thematischen Eckpunkten doch die ganze Zeit damit beschäftigt habe. Versteht ihr, was ich meine?
                            Und das ist genau der Punkt, den du ansprichst, missy: Letztendlich sind es unendlich viele kleine Dinge, die meine Umwelt erfordern. Und ich fürchte es werden in nächster Zeit noch mehr: eine Sozialassistenten Klasse kommt nach den Ferien aus dem Praktikum wieder. Ich habe sie in dem Fach komplett übernommen und muss nun alle ihre Praktikumshefter lesen, obwohl ich nicht weiß, welche Anforderungen an diese gestellt werden. Ich soll jetzt einen Fragenkatalog für die Aufnahmeprüfung für die Erzieherausbildung erstellen, also Fragen, die ein Sozialassistenz/-betreuer oder Kinderpfleger beantworten kann. Woher soll ich wissen, was Sozialbetreuer und Kinderpfleger lernen?! Meine zwei neuen Klassen im 1. Ausbildungsjahr, bei denen ich jeweils 9 Stunden habe, gehen auch Anfang nächsten Jahres versetzt ins Praktikum. Ich hatte mir vorgenommen bestimmte Themen mit ihnen bis dahin zu schaffen, Gott sei dank muss ich im November meinen Stoffverteilungsplan abgeben, damit ich das alles endlich detaillierter Plane, denn dafür fehlte mir bislang der Kopf. Ich hatte mir erstmal nur einen Plan bis zum Freitag gemacht und grob auch bis zu Weihnachten. Alle Klassen haben Projektwochen und Wandertage, die ich immer in meine Planung mit einbeziehen muss. Zusätzlich habe ich nun noch neben den Belegarbeiten im 2. Ausbildungsjahr (ich glaube da habe ich 6 Schüler zu betreuuen) noch 3 Facharbeiten übernommen/ übernehmen müssen. Damit ist immer auch die Betreuung verbunden, also ständig Termine mit den Schülern in den Pausen zur Absprache, Planung neuer Termine.... Und dann kommen in den Praktika die ganzen Praktikumsbesuche und Bewertungen und die Hefter hinzu. Sind die Termine einmal gemacht, ist das kein Problem. Aber die Koordination vorher, daran zu denken in den Einrichtungen anzurufen, daran zu denken, was muss ich alles mtinehmen, dann dort auch noch aufmerksam zu sein... Ok jetzt hab ich mich ein wenig verloren Zwischendurch melden sich noch x Schüler ab oder erzählen mir, dass sie an diesem und jenem Tag aus folgenden Gründen nicht da sind. Ich habe ihnen Anfang des Schuljahres ausdrücklich gesagt, dass sie mir dass schriftlich einreichen sollen, denn was soll ich mir denn noch alles merken...

                            Zur Zeit bin ich nicht in therapeutischer Behandlung, ich schaffe es jetzt seit vier Monaten ganz allein Über die Probleme hatte ich damals schon mit meiner Therapeutin gesprochen und sie brachte das eben auch mit Langzeitfolgen der PTBS zusammen, meinte aber, dass sie das ausschleichen könnte. Sie hat mir damals empfohlen Hilfsmittel zu benutzen.
                            Unsere heutige Zeit erfordert meist unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, auch wenn das unter vielen Umständen überhaupt nicht möglich ist. Dass da wenig Platz für alles weniger wichtige wie ein Schlüsselbund bleibt ist schon logisch. Die Einarbeitungszeit deiner Kollegin klingt auch wahnsinnig spannend Man muss eben Prioritäten setzen und das Gehirn sortiert ordentlich aus!
                            Trotz des riesen Chaos im Kopf habe ich das Gefühl, dass es dieses Schuljahr etwas besser läuft, die Routine bringt es wohl langsam mit sich. Obwohl es mir auch dieses Jahr passiert ist, dass ich Dinge im Kopf geplant habe (Unterrichtseinheiten) und eingeplant habe, was ich für Materialien brauchte etc. und vergaß die Planung auszuführen...und am Abend vorher fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Im Kopf war ja alles schon fertig gewesen.

                            @Neytiri: Grundsätzlich finde ich die Idee gut sein Gehirn von routinehaften Denkvorgängen abzulenken und es durch anspruchsvolle oder abgeänderte Aufgaben am Arbeiten zu halten. Nachdem, was ich aber gerade alles niedergeschrieben habe, hätte ich jetzt das Gefühl, dass ich das Chaos dadurch nur noch größer mache. Gewohnheiten führen ja zu Erleichterungen des Alltages, natürlich ist die Arbeitsweise des Gehirns dann eingefahren und Denkweisen, die davon abweichen, fordern das Gehirn zu andersartiger Arbeitsweise. Ich weiß gerade nicht, wofür ich mich entscheiden würde Was sind es denn noch für Übungen, die Frau Birkenbihl empfiehlt?

                            Liebe Grüße aus lang ersehnten, entspannten Ferienbeginn von
                            Jannes

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                              #15
                              Hallo Jannes

                              Unsere heutige Zeit erfordert meist unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, auch wenn das unter vielen Umständen überhaupt nicht möglich ist.
                              Ja, genau, das empfinde ich genauso. Und ich zerbreche mir schon länger den Kopf, wie ich da wirkungsvoll gegen angehen kann. Denn leider bin ich ja nicht immer (sogar nur ganz selten) Herrin über die Entscheidung, ob ich mich mit dem, was mir da gerade von außen angetragen wird, augenblicklich beschäftigen kann/will.

                              Ich versuche schon, meine direkte Umgebung, mein Privatleben "auszumisten", aber dann wiederum kann es das ja auch nicht sein, dass ich in meinem Privatleben alles nur auf Sparflamme fahre, weil die Arbeit mich über Gebühr fordert, so dass ich nach einem ganz normalen Arbeitstag nichts mehr auf die Kette kriege...

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