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Beruf - Berufung

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    #31
    Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
    Wo er möglicherweise jedoch hingehörte.
    Das ist kein Spott und keine Hähme, sondern lediglich ein Anstoß, das "warum", bzw. das "wozu" (im Zusammenhang mit dem Lebensweg deines Freundes) einmal weiter zu denken.
    Ja, zumindest hat er sich meiner Ansicht nach immer wieder selber ein Bein gestellt, so hab ich das auch wahrgenommen. Manchmal hatte ich fast den Eindruck, er betreibt Selbst-Sabotage. Ich hab damals auch versucht, ihn zu motivieren, ihn zu unterstützen, was er aber nicht wollte. Er meinte nur: "Das schaff ich schon allein".

    (aufgeregt oder geärgert habe ich mich darüber aber nicht; jeder Mensch tickt eben anders).

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      #32
      Ihr Lieben,

      die Analogie zwischen Traummann/Traumfrau und Traumjob funktioniert für mich in einem wichtigen Punkten nicht so ganz:

      Einen Partner kann und will ich nicht ändern. Er soll der Mensch sein können, der er eben ist. Ich finde nicht, dass ich das Recht habe, ihn ändern zu wollen. Es ist also nicht mein Ziel, ihn meinen wie auch immer gearteten Idealvorstellungen anzupassen. Und der Versuch, sich aus einem bestimmten Mann einen "Märchenprinzen" zu backen, ist m.E. immer zum Scheitern verurteilt. Entweder ich liebe ihn, wie er ist, oder ich lasse es sein.

      Ganz anders ist es mit einer Arbeitsstelle, die man auf seine Weise füllen und mitgestalten kann. Teilweise kann man sich die Arbeitsstelle selber schaffen und dadurch auch selber definieren. Hier kann sich nicht nur der "Wirklichkeitssinn" sondern auch der "Möglichkeitssinn" in bezug auf "das Andere", nämlich die Stelle, entfalten*

      Liebe Grüße,
      Chaja


      -----------------------
      * Ich wähle diese Begriffe nach Robert Musils Roman "Der Mann ohne Eigenschaften". Hier ein erklärender Auszug dazu, den ich sehr mag:

      "Wenn man gut durch geöffnete Türen kommen will, muß man die Tatsache achten, daß sie einen festen Rahmen haben: dieser Grundsatz, nach dem der alte Professor immer gelebt hatte, ist einfach eine Forderung des Wirklichkeitssinns. Wenn es aber Wirklichkeitssinn gibt, und niemand wird bezweifeln, daß er seine Daseinsberechtigung hat, dann muß es auch etwas geben, das man Möglichkeitssinn nennen kann.
      Wer ihn besitzt, sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muß geschehen; sondern er erfindet: Hier könnte, sollte oder müßte geschehn; und wenn man ihm von irgend etwas erklärt, daß es so sei, wie es sei, dann denkt er: Nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein. So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebensogut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist. Man sieht, daß die Folgen solcher schöpferischen Anlage bemerkenswert sein können, und bedauerlicherweise lassen sie nicht selten das, was die Menschen bewundern, falsch erscheinen und das, was sie verbieten, als erlaubt oder wohl auch beides als gleichgültig. Solche Möglichkeitsmenschen leben, wie man sagt, in einem feineren Gespinst, in einem Gespinst von Dunst, Einbildung, Träumerei und Konjunktiven; Kindern, die diesen Hang haben, treibt man ihn nachdrücklich aus und nennt solche Menschen vor ihnen Phantasten, Träumer, Schwächlinge und Besserwisser oder Krittler.
      Wenn man sie loben will, nennt man diese Narren auch Idealisten, aber offenbar ist mit alledem nur ihre schwache Spielart erfaßt, welche die Wirklichkeit nicht begreifen kann oder ihr wehleidig ausweicht, wo also das Fehlen des Wirklichkeitssinns wirklich einen Mangel bedeutet. Das Mögliche umfaßt jedoch nicht nur die Träume nervenschwacher Personen, sondern auch die noch nicht erwachten Absichten Gottes. Ein mögliches Erlebnis oder eine mögliche Wahrheit sind nicht gleich wirklichem Erlebnis und wirklicher Wahrheit weniger dem Werte des Wirklichseins, sondern sie haben, wenigstens nach Ansicht ihrer Anhänger, etwas sehr Göttliches in sich, ein Feuer, einen Flug, einen Bauwillen und bewußten Utopismus, der die Wirklichkeit nicht scheut, wohl aber als Aufgabe und Erfindung behandelt. Schließlich ist die Erde gar nicht alt und war scheinbar noch nie so recht in gesegneten Umständen."

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        #33
        ja, *zustimmend nick*, das ist eine gute grenzziehung - der job ist "flexibler", also "biegsamer" als menschen - meistens.

        der text über den wirklichkeitssinn und den möglichkeitssinn gefällt mir sehr gut! danke fürs reinstellen!!!

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          #34
          Zitat von Tanzende Beitrag anzeigen

          hilde domin:

          ich setzte den fuss in die luft - und sie trug
          Liebe Tanzende,

          danke für dieses Zitat. Manchmal gibt es zur richtigen Zeit das richtig Wort und dies ist hier für mich passiert.

          Liebe Grüße
          Glühwürmchen

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            #35
            Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
            Mein Beruf als Lehrerin war Berufung für mich, von Anfang an.
            Und zwar speziell für die Hauptschüler, weil ich dachte, gerade die brauchen mich, weil sie schlechtere Startchancen haben.
            Ich habe es wahnsinnig gern gemacht, den Schülern was beigebracht, ihnen Angst vor bestimmten Fächern zu nehmen, ihnen auch Werte zu vermitteln, ihnen was von der Welt zu zeigen auf Klassenfahrten (bis nach Berlin), in Schullandheimaufenthalten (14 Tage) ein ganz anderes Zusammenleben zu praktizieren, Grenzen aufzeigen, Grenzen einhalten, Spaß machen und haben, großzügig sein, auch mal pingelig, das Gefühl vermitteln, sich auf jemand verlassen zu können.
            War schon toll! Und sie haben es mir gedankt, ich habe heute noch viele Kontakte.
            Ich hätte keinen anderen Beruf haben wollen.

            Liebe Bonny,

            ich möchte gern noch einmal auf Deine Worte zurückkommen. Es hört sich für mich so an, als wärst Du wirklich einer der weinigen Menschen (von denen ich Kenntnis habe), der seine Berufung auch im Beruf ausgelebt hat.

            War es immer schon für Dich klar, daß Du Lehrer werden wolltest? Gab es nie Zweifel? Und auf Deinem Berufs-Lebensweg...gab es nicht auch viele Tage, wo es Dir nicht gefallen hat? Wo es Ärger gab und Du Dich weit, weit weg gewünscht hast? Bitte sei hier ehrlich mit Dir selbst...Du bist ja schon aus dem Berufsleben ausgeschieden und man neigt ja oft dazu, die Dinge in der rückblickenden Perspektive etwas günstiger zu beurteilen. Ich will Dir mit diesen Fragen nicht zu nahe treten und Du brauchst auch nicht zu antworten, wenn ich zu neugierig bin. Ich versuche für mich mit diesen Fragen herauszufinden, wie sich das anfühlen könnte, wenn man genau da ist, wo man sein will. Von wegen "Berufung" und so.

            Liebe Grüße
            Glühwürmchen

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              #36
              Ich habe - mit der Vision meine Berufung anzupeilen - vor ca. 10 Jahren eine Ausbildung zur Psychotherapeutin begonnen und auch abgeschlossen. Neben meinem Beruf, der für mich auch ganz o.k. war und ist. Meine Ausbildung hat sich sehr gut für mich angefühlt, ich habe unglaublich viel Interessantes gelernt und erlebt, ich kann anderen Menschen helfen ohne mich danach ausgebeutet oder zu wenig geschätzt zu fühlen. Das war übrigens der Hauptpunkt - ich hab mein "Helferleinsyndrom" in gute Bahnen gebracht. Jetzt übe ich die Tätigkeit der Psychotherapeutin seit einigen Jahren aus ... nicht alles was ich da tue erfüllt mich, manches belastet mich, einiges habe ich mir anders vorgestellt ... aber im Großen gesehen ist es o.k. für mich und auch für meine Klienten. Und die Tätigkeit bereichert mein Leben.




              PN an dich (Sh)
              Zuletzt geändert von ; 26.08.2013, 11:10.

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                #37
                Vielleicht spielt sich die Berufung ja auch im Privatleben ab. Oder ist nicht geeignet, Geld zu verdienen. Aber trotzdem finde ich es wichtig, das der Job mehr ist als "nur" Mittel zum Geld verdienen. Auch wenn die Berufung möglicherweise außerhalb des Jobs stattfindet. Berufliche Veränderungen können für die persönliche Weiterentwicklung sehr hilfreich sein.

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                  #38
                  Hallo Ihr Lieben,

                  ich zerre meinen alten Faden mal wieder hoch, weil ich denke, daß es bei mir inzwischen so viel Neues gibt und auch Erkenntnisse an dieser Front.

                  Da ich vor einiger Zeit meine Arbeit gewechselt und somit die Arbeitszeit reduziert habe, habe ich inzwischen auch mehr Zeit für meine ganz eigenen Dinge, die ich schon immer machen wollte. Und tatsächlich gibt es Tätigkeiten, bei denen ich ziemlich häufig, oder fast immer, in den Flow komme und beim "Machen" beglückt bin. Leider läßt sich daraus kein Geld machen, so daß ich immer noch auch andere Anteile in meinem Leben habe.

                  Auch nach unserer Diskussion hier habe ich immer wieder über die Sache mit der "Berufung" nachgedacht und bin mir nach wie vor unsicher, ob wirklich jeder Mensch eine hat. Der nachfolgende Artikel aus dem Netz bringt es ganz gut auf den Punkt, was meine derzeitige Sichtweise dieser Dinge ist:
                  Die Selbstverwirklichungsfalle | Christoph Koch

                  Besonders interessant finde ich, was über den "McJob", den wir hier im Forum ja oft "Brötchenjob" nennen, gesagt wird. Auch die Einbettung in den historischen Kontext, also: "Was dachte man früher darüber und war man damit unglücklicher?", ist für mich irgendwie hilfreich.

                  Liebe Grüße
                  Glühwürmchen

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                    #39
                    Zitat von Glühwürmchen Beitrag anzeigen
                    Und tatsächlich gibt es Tätigkeiten, bei denen ich ziemlich häufig, oder fast immer, in den Flow komme und beim "Machen" beglückt bin. Leider läßt sich daraus kein Geld machen, so daß ich immer noch auch andere Anteile in meinem Leben habe.
                    Ja, das ist auch bei mir so: es gibt viele Tätigkeiten, bei denen ich in einen "Flow" geraten kann, doch auch ich kann damit kein bzw. fast kein Geld verdienen.

                    Also bleibt wohl bis auf weiteres nur, den Brotjob aufrecht zu erhalten. Das Problem ist nur, dass dieser Brotjob zeitlich so viel Raum einnimmt und auch so viele mentale Ressourcen bindet, dass die Tätigkeiten, die mir eigentlich wichtig wären, deswegen oft zu kurz kommen müssen.

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