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Mein Leben als Autist

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    Zitat von Condor Beitrag anzeigen
    Nach langer Pause bin ich mal wieder hier.
    Schön wieder von dir zu lesen.

    Zitat von Condor Beitrag anzeigen
    Dafür jede Menge sogenannte Fachleute, von denen ich mich mehr wie einen "Fall" behandelt gefühlt habe, als denn wie einen gleichwertigen Menschen. Es ist nicht schön, wenn über einen geredet und gelacht wird, während man anwesend ist. Das hat mich doch sehr getroffen.
    Nunja, das ist üblicher Fachjargon. Asperger Autismus gilt ja als Krankheit. Das wäre bei einer anderen Krankheit über die eine Tagung abgehalten wird (die auch NT's haben) vermutlich sehr ähnlich.
    Ich komme mir wenn ich beim Arzt bin auch des öfteren wie ein Fall vor und weniger wie ein Mensch.


    Zitat von Condor Beitrag anzeigen
    Ich liebe meine eigene, innere Welt. Ich bin gern dort und genieße die Zeit, wie einen immerwährenden Urlaub. Aber ich muss auch in eurer Welt leben, die mir so fremd ist, die mir große Angst macht und die oft so brutal und undurchsichtig ist. Zurzeit ist es für mich sehr schwer, das irgendwie auf die Reihe zu bekommen...
    Das kann ich wiederum gut verstehen. Ich bin zwar kein Aspie, habe aber auch so eine "innere Welt" die manchmal ganz schön heftig mit der äußeren Welt kollidiert.

    Danke für deinen Bericht. Es ist schön zu lesen, dass du nach und nach beginnst genau der zu sein, der du bist und das auch zu zeigen.

    Kommentar


      Hallo Nordhimmel,

      Autismus hat man nicht, Autist ist man. Asperger Autisten halten sich nicht für krank, sondern es ist eine andere Art zu sein und inzwischen auch nicht mehr so selten, denn ca. jedes 300. Kind wird derzeit auf Autismus diagnostiziert. - Gut, man könnte sagen, erst ADHS, jetzt ist es Autismus, aber so einfach ist das nicht. Wenn ich mich in meinem Umfeld umschaue, hat fast jeder 2. zumindest autistische Züge, was diese Leute aber nicht zwangsläufig zu Autisten macht.
      Autismus ist mehr, viel mehr, aber krank? Nein, ich fühle mich nicht krank. Auch nicht gestört, da es jetzt ja Autismus Spektrums Störung genannt wird, auch wieder von sogenannten "Fachleuten". Von denen ist die überwiegende Mehrheit natürlich nicht Autist.

      Ich will in erster Linie als Mensch gesehen, akzeptiert und respektiert werden, egal, wie ich aussehe, wie ich spreche, wie ich mich bewege. Leider muss ich dafür immer ins nordische Ausland fahren, um so behandelt zu werden. Dort bin ich in all den Jahren noch nie (und echt noch nie) von Einheimischen angestarrt worden.

      Und was die Ärzte anbetrifft... ich habe so lange gewechselt und zwar alle Ärzte, bis ich die hatte, die mich als Menschen behandeln und nicht als Fallbeispiel, denn das ist falsch. Dadurch habe ich viele Ärzte kennen gelernt.

      Ja, danke, ich komme zu mir zurück... ein langer Weg, zu Ende ist er aber noch nicht. Und wenn ich dann bei mir sein werde, dann beginnt ein neuer, ein anderer Weg, lebenslanges Lernen bis irgendwann der Deckel zu geht. Meine Ansicht vom Leben.

      In meinem neuen Asperger Buch beschreibt Jerry Newport über seine Partnerschaft (schöner hätte ich es selbst nicht ausdrücken können und mir kamen bei den Zeilen die Tränen, da meine Sehnsucht nach einer neuen und schönen Partnerschaft noch nicht erloschen ist):
      Wir nahmen einander in die Arme, und ich schloss die Augen und legte meine Wange auf ihre Schulter. Es war, als umarmte ich ein ganzes Leben voller Hoffnungen und Träume. Mir war schwindelig. Alles, was ich mir je im Leben gewünscht hatte, hielt ich in meinen Armen. Der Augenblick war so vollkommen, dass ich beinahe in Ohnmacht fiel. (Newport u. Newport 2005, 17)
      Condor

      Kommentar


        Mein Leben spielt sich in inneren Bildern und Geschichten ab. Sie sind ein Spiegelbild dessen, wie ich mich fühle, was ich mir wünsche oder was in der sogenannten realen Welt mit mir geschieht oder geschehen ist, da ich dies oft nicht bewusst wahrnehmen kann.

        Die Bilder und Geschichten entwickeln sich eigenständig, ich plane sie meistens nicht. Erst danach habe ich die Möglichkeit, zu analysieren, was mit mir los ist.

        In meiner Kindheit zersplitterte meine Seele in viele Teile, da sie dem Druck und der Gewalt, der sie ausgesetzt war, nicht standhalten konnte.

        Lange Zeit war ich wie ein Ein-Mann-Raumschiff, das ohne Antrieb im Weltall herum trieb. Irgendwann jedoch beschloss ich, meinen Antrieb selbst zu reparieren. Oft hatte ich dabei Rückschläge, aber in letzter Zeit scheint der Motor zu halten und ich beginne damit, die Richtung, in die ich fliegen will, selbst zu bestimmen.

        In diesem Jahr ist es mir gelungen 6 Teile wieder zusammen zu bekommen. Sie alle sind bestimmten Personen/Wesen zugeordnet, um besser mit ihnen kommunizieren zu können. Sie alle kommen aus dem inneren Licht, dem inneren Teil der Seele und sie wissen, dass sie nach dem Tod auch dahin zurückgehen werden.

        Vor 6 Jahren etwa schrieb ich mir mit einer anderen Person sehr intensive Geschichten. Über das, was ich schrieb, fand diese Person heraus, dass ich von meinem Partner jeden Tag emotional vergewaltigt wurde.
        Ich spielte das damals herunter, weil ich es unbewusst zwar wusste, aber es mir bewusst nicht möglich war, es zu erfassen.

        Doch diese Person hatte Recht.

        Gestern Nacht träumte mein Verstand (zugeordnet eine männliche Person), dass er vergewaltigt worden war. Er wachte auf und die Liebe (das Herz, zugeordnet eine weibliche Person, mit der der Verstand inzwischen eine intensive Liebes- und Arbeitsbeziehung hat), die neben ihm im Bett lag, merkte sofort, dass mit ihrem Freund, dem Verstand, etwas nicht stimmte.
        Sie versuchte durch Fragen herauszubekommen, was denn los sei.
        Doch er war verwirrt, wusste nicht, was er sagen sollte, fühlte sich machtlos. Er dachte, dass er einen Traum im Traum gehabt hatte, schaute unter die Bettdecke, aber da war alles, wie immer, als wäre nichts passiert.
        Zunächst lehnte er sich einfach nur an das Herz an, die ihn sanft in seine Arme nahm. Ihm war kalt und er schämte sich. Doch das Herz küsste ihn und hielt ihn, wie nur sie es konnte. So schliefen sie zusammen ein.
        Heute morgen war der Verstand bereit, dem Herzen zu sagen, was ihm in der Nacht wiederfahren war, das Gefühl von einer Vergewaltigung, die aber wohl nicht in real stattgefunden hatte.
        Das Herz nickte und sagte ihm, dass sie es wusste, dass er emotional vergewaltigt worden war... so... wie alle anderen 5 Teile der Seele eben auch schon in ihrem Leben seelisch vergewaltigt worden waren. Sie hatte Verständnis für seine Pein, seinen Schmerz und seine Scham.
        Der Verstand sah zu den anderen Teilen der Seele, weil das Herz ihn dazu aufforderte, sie sagte, ob er sich daran erinnern konnte, wo das innere Kind seine Kreativität verlor (Schreibblockade) oder wie der Schatten immer größer und mächtiger wurde, weil alle negativen Erfahrungen in ihn hineinfließen oder wie das alte ich (weiblich, vor der Angleichung, vor dem Beginn von Testosteron) immer kleiner und ängstlicher wurde... und da verstand er, dass sie alle von dieser Gewalt betroffen waren, obwohl er immer gedacht hatte, dass sie ihm nichts anhaben könnte, weil er doch so cool und so sachlich gewesen war.

        (Ich habe noch nie diese Gedanken irgendwo für andere öffentlich gemacht. Hier ist das erste Mal. Ich bin mir bewusst, dass es vielleicht ziemlich abgedreht klingt und ich bitte darum, davon abzusehen, mich jetzt als verrückt abzustempeln.)

        Gestern war kein schlechter Tag. Ich hatte meine Übungen gemacht, die ich durch die Tools gelernt und für mich abgeändert hatte, die positiven Gedanken, die ich mir aufgeschrieben hatte und die ich eigentlich jeden Tag lesen muss, damit es mir besser geht und ich mich besser schützen kann.
        Und doch... nachdem wir beim Essen waren und einkaufen fuhren, bewertete mein Partner jede meiner Erzählungen im Auto mit negativen Sprüchen über mich. Ich kann die nicht wiedergeben, weil ich sie zu vergessen versuche, aber es waren so Sätze wie z.B. "Na du kannst ja sowieso nix"
        Die tun mir so weh. Die höre ich mein Leben lang schon, wie blöde ich bin, wie dumm ich bin, wie einfältig, wie naiv usw.

        Sie tun mir jedes mal aufs Neue weh.

        Das habe ich ihm eben gesagt, hat ihn aber nicht interessiert, wie immer.

        Ich habe ihn gefragt, ob er sich durch mich provoziert fühlt, weil ich im neuen Asperger Buch gelesen hatte, dass sich die meisten Menschen von dem was Aspies sagen und tun provoziert fühlen. Aber er meinte, dass ich ihn nur nerven würde. Damit kann ich aber nichts anfangen und Beispiele kann er nicht geben.

        Morgen bringt er mich zum Arzt, weil er gerade mal da ist. Ich bin auf ihn angewiesen, denn viele Dinge schaffe ich allein nicht mehr.

        Ich würde so gern einen Menschen finden, an dem ich mich mal anlehnen darf und der mich liebt und den ich lieben darf, so wie es das Herz mit dem Verstand macht.

        Condor

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          Lieber Condor,

          Deine Geschichte hat mich sehr berührt.

          Für mich klingt sie alles andere als abgedreht. Im Gegenteil, für mich bringt sie sehr klarsichtig zum Ausdruck, wie Deinen vielen Aspekten Leid angetan wurde und wie wichtig Trost und Angenommenwerden ist.

          Leider scheint sich viel von dem Leid zu wiederholen durch Deinen Partner, der Dich nicht annimmt, wie Du bist, sondern Dich auf ähnliche Art und Weise verletzt wie Deine Eltern es getan haben. Daß Du trotzdem immer weiter auf dem Weg zu Dir selbst vorangehst, finde ich ermutigend. Gerade unter im Prinzip retraumatisierenden Bedingungen erscheint mir das sehr schwer.

          In gewissen Punkten ähneln sich unsere Geschichten. Ich war ein sehr intelligentes Kind, das sich nicht in die übliche Mädchenrolle pressen lassen wollte (weder vom Erscheinungsbild her noch in meinen vielen Interessen und Spielen). Ich wollte alles tun und denken, was mich interessierte, und das war eine Menge.
          Meine Eltern sahen sich außerstande mir Liebe zu geben, weil sie selbst sehr beschädigt waren. Ich hatte zu funktionieren, meiner suizidgefährdeten Mutter als Rettungsanker zu dienen und meinem Vater als intellektueller Sparringpartner. In der Schule hatte ich dauernd Konflikte mit meinen LehrerInnen und MitschülerInnen. Mir ging es um die Sache und um Gerechtigkeit, ihnen ging es mehr um das Wahren des eigenen Gesichts und um Konformität.
          Das alles hätte ich beinahe nicht überlebt, habe mich damals aber aus eigener Kraft aus dem Schlimmsten herausgeholt. Geblieben sind chronische Schmerzen und Zweifel.

          Ich wünsche Dir, daß Du Deinen Weg zu Dir selbst weiter unbeirrt gehen wirst und einen Menschen findest, der Dich so behandelt, wie Du es Dir wünschst!

          Liebe Grüße,

          Freundin der Weisheit

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            Hallo Freundin der Weisheit,

            Danke für Deine lieben Worte. Und auch für Deine Geschichte.

            Aber die Menschen sind unterschiedlich, manche schaffen es aus eigener Kraft, meinen Respekt! Andere brauchen therapeutische Hilfen und schaffen es erst nach jahrzehntelangen Leiden und andere schaffen es auch nie.

            Heute Morgen habe ich mich von meinem Partner zum Arzt fahren lassen, immer sehr unangenehm, nüchtern zur Blutentnahme. Ein hungriger Autist ist kein angenehmer Zeitgenosse.

            Ich wachte auf und hatte folgende Geschichte im Kopf:
            Meine beiden Hauptakteure, der männliche Verstand und das weibliche Herz, schliefen zusammen im Bett. Es war gegen Morgen, wo die Frau (Herz) etwas hörte. Sie wollte gerade aufstehen und nachsehen, da wurde auch der Mann (Verstand) wach. Er ging mit hier nach unten ins Wohnzimmer, mit Taschenlampe und Waffe (die Geschichten spielen in der Zukunft, als mit Faser und so was ).
            Aber anstatt auf einen Einbrecher zu treffen, saß auf dem Boden ein Waschbär. Beiden atmeten erleichtert aus. Der Mann richtete seine Waffe auf leichte Betäubung aus, als er hinter sich etwas hörte. Im selben Moment wurde auch er durch einen Schlag bewusstlos.
            Als beide wieder aufwachten, befanden sie sich in einem Gefängnis und die Stimme ihres Erzfeindes war zu hören, der laut lachte. Dieses Mal bekam die Frau panische Angst. Doch der Mann fasste der Frau an die Schultern und sah ihr direkt in die Augen. Er fragte sie, ob ihr Erzfeind sie beide schon mal hätte umbringen können und sie verneinte. Er sagte ihr, dass der Erzfeind sie zwar schon gequält und verletzt hätte, aber es war ihm niemals gelungen, sie umzubringen.
            Das beruhigte die Frau ein wenig und sie war nicht mehr so panisch, als sie sich an ihn lehnte. Jetzt hielt er sie in seinen Armen und überlegte, wie sie aus diesem Gefängnis fliehen konnten, denn er war sich sicher, dass er nicht darauf warten wollte, dass der Erzfeind sie wieder quälen oder verletzen würde.

            Danach habe ich noch ein paar andere Dinge getan, um die Angst vor meinem Partner wieder los zu werden.
            Die Personen haben natürlich auch Namen, es sind Helden meiner Kindheit, aber die tun hier nichts zur Sache.

            Früher konnte ich kaum sagen, wie ich mich gerade fühlte. Mein Gefühlsspektrum ist auch längst nicht so umfangreich, wie bei NTs. Ich fühle Glück, Freude, Dankbarkeit, Liebe, Wut, Hass und Traurigkeit. Mehr nicht. Und wenn ich etwas anderes fühle, von dem ich nicht weiß, was es ist, kommen mir meistens die Tränen.
            Ich kann weder Eifersucht noch Neid fühlen. Diese Gefühle besitze ich nicht.

            Oft sind Gefühle zu viel für mich, weil sie so groß und tief sind.

            Um aber in Partnerschaften, die ich auch vor meiner Ehe hatte, meine Gefühle verständlicher rüber zu bringen, habe ich mich der Musik bedient und meinen jeweiligen Partnern passende Musikstücke zukommen lassen, wo ich die Texte oder Textteile angestrichen hatte, die für mich ausdrückten, was ich fühlte und keine Worte dafür hatte.

            Diesen Umstand weiß ich inzwischen noch anders für mich zu nutzen. Es gibt immer wieder Songs, die mich besonders ansprechen. Ich habe gelernt, dass diese Songs dann auch etwas mit meiner aktuellen Situation zu tun haben. Derzeit sind es sogar 3 Songs.

            [Vietsub+Kara] La La La (feat. Sam Smith) - Naughty Boy - YouTube
            Dieser Song sagt mir, was ich tun muss, wenn mich mein Partner oder andere Leute mit ihrem Gerede wahnsinnig machen.

            Avicii Wake Me Up Official Video - YouTube
            Ich bin sogar schon mal aufgewacht und habe den zukünftigen Menschen neben mir liegen sehen, der mich gestreichelt hat und sagte: "Endlich bist du wieder da." - Und ich wusste, alles war nur ein böser Traum...

            Family of the Year - Hero (Official Music Video) - YouTube
            Ich würde auch gern gehen, manchmal auch ganz, aber ich werde hier noch gebraucht...

            Ich brauche dafür keinen Musikabspieler. Wenn ich einen Song oft genug gehört habe, kann ich ihn im Kopf so abspielen, als würde ich ihn über Kopfhörer hören.

            Condor

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              lieber Condor.

              ich mag Dir einen lieben Gruß da lassen :)
              es begeistert mich, wie Du Schritt um Schritt durchs Leben gehst, vielseitig!

              alles Liebe!

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                Danke Küstenkind, auch ich freue mich über kleine Grüße und Anteilnahme.

                So, Weihnachten ist erst mal geschafft und irgendwie war ich dieses Jahr noch weniger in Weihnachtsstimmung als letztes Jahr. Selbst als wir den Baum gesägt haben, dachte ich, dass der Baum mir eigentlich Leid tat, dass ausgerechnet wir jetzt ausgerechnet diesem Baum ein jähes Ende bereiten mussten. Aber ohne Baum wäre auch irgendwie doof. Er hat sich dann auch gerächt, weil er total schief ist.

                Ich glaube, dass Weihnachten, insbesondere Heiligabend, seinen Zauber verlor, als meine inzwischen längst verstorbene Schwiegermutter, mir an Heiligabend, wo wir sie im Krankenhaus besucht hatten, vor meinem Kind ins Ohr zischen musste, dass sie mir schon vor Jahren den Hals hätte umdrehen sollen...
                Danach bin ich gegangen und habe sie bis zu ihrem Tod nicht mehr besucht. Ich habe mich all die Jahr so angestrengt mit ihr, habe ihr geholfen, wo ich konnte und sie ihre eigenen Kinder im Stich ließen, habe meinen Partner immer bestärkt, seine Eltern zu besuchen, obwohl der gar keine Lust hatte und wohl gar nicht hingefahren wäre, wenn ich nicht so viel geredet hätte und was war der Dank? Ich wurde dafür verantwortlich gemacht, dass der liebe Sohn seine Eltern so selten besuchte und mein Partner hat das bis Heute auch nicht richtig gestellt. - So habe ich und unser Sohn inzwischen auch, denn der wurde nach dem Tod der Oma von seinem Opa völlig ignoriert, den Kontakt zu dieser Familie völlig eingestellt.

                Seitdem ist Weihnachten irgendwie kaputt und ich bin froh, wenn es vorbei ist. Früher fand ich das Singen von Weihnachtsliedern zu Hause immer doof, heute vermisse ich es, denn hier will keiner singen.

                Ich sehne mich schon nach schönen und lieben Weihnachten, damit der Weihnachtszauber vielleicht mal wieder kommt. Ich will an Weihnachten Ruhe und keinen Stress, habe dann doch wieder vorher an 3 Tagen 3 verschiedene Plätzchen gebacken, obwohl ich mir jedes Jahr vornehme, diese rechtzeitig zu backen, um keinen Stress zu haben... naja, ich arbeite daran.

                Dieses Jahr habe ich viel an die Leute gedacht, die Weihnachten nicht so feiern können, wie wir, an all die Menschen auf der Straße, in Kriegsgebieten, nach Naturkatastrophen... ich weiß ja, dass das zum Leben auf unserer Erde dazu gehört, dennoch fühle ich fast so was wie Scham, wenn ich dann das Weihnachtsfest nicht so genießen kann, wie ich es gern möchte, obwohl ich viel mehr habe, als diese Leute...

                Mein Partner war die letzten Tage wie immer, mal gut, mal blöd, immer so abwechselnd, nicht vorhersehbar, schwierig.

                Bei meinen Eltern war es ganz schön, aber meine Schwester meidet den Kontakt zu mir nach wie vor. Im nachhinein empfinde ich es so, dass meine Eltern Angst vor ihr haben und sie mich wohl eher hasst, als dass sie mich nur nicht leiden kann. Naja...

                Aber wenn ich an Sylvester denke, dann freue ich mich schon, weil unser Sohn Besuch von seinem besten Freund bekommt und die dann gemeinsam den Fernseher belegen. So brauche ich nicht aus Höflichkeit mit meinem Partner irgendwelche dummen Sendungen anschauen und kann an den Rechner.
                Dann wird noch ein bisschen geböllert und gut ist. Wieder ein Jahr rum gekriegt... und doch ne Menge geschafft.

                Condor

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                  Eigentlich mache ich zu Sylvester immer einen persönlichen Jahresrückblick in voller Länge, aber dieses Jahr nicht mehr. Sicher, ist eh bald vorbei, aber meine Gedanken und Gefühle sind bei Michael Schumacher.

                  Zu Formel 1 Zeiten waren meine ganze Familie ein großer Fan von Michael Schumacher oder Schumi, wie er auch genannt wird. Mein Sohn ist mit 3 Jahren nachts aufgestanden, um Formel 1 zu schauen. Dazu hat ihn niemand ermutigt, er tat das von selbst. Schumi war sein Vorbild... bis zu dem Tag, als er seinen Rücktritt von der Formel 1 bekannt gab. Wir haben die Nachricht im Autoradio gehört und mein Sohn, damals 8 Jahre alt, hat im Auto geweint.

                  Als er Jahre später wieder in der F1 fuhr, war es meinem Sohn egal, auch wenn er zu dieser Zeit mal wieder öfter F1 geschaut hat. Doch leider hat sein Idol nicht mehr so gewonnen, wie zu Ferrari-Zeiten.

                  Mein Sohn ist eine Zeit lang selbst Kart gefahren. Vielleicht besser und erfolgreicher, wenn sein Vater dies öfter mit ihm gemacht hätte. Hat er aber nicht. Ich konnte das nicht, mir war das viel zu laut, zuschauen hat gereicht (ich bin hochsensibel u.a. im Bereich Hören). Aber seinem Vater hat das Spaß gemacht, jedenfalls so lange, wie er selbst auch zu seinem Spaß, sprich fahren kam.

                  Nun denn, mein Sohn wird kein F1 Fahrer und das Jahr ist bald zu Ende. Es war ein schönes und schreckliches Jahr, was schon besser ist, als die Jahre vorher, wo es meistens überwiegend schrecklich war.

                  Meine Gedanken, Gefühle und Wünsche für das nächste Jahr gehen trotzdem überwiegend an Michael Schumacher. Ich hoffe, dass er seinen Unfall überlebt und für sich etwas gewinnt. Und sie gehen auch an seine Familie, die sich Sylvester bestimmt anders vorgestellt hatten. Möge es gut für sie ausgehen.

                  Condor

                  Kommentar


                    ich wünsche Dir ein frohes und ausgeglichenes und gesundes Jahr 2014, lieber Condor!

                    Kommentar


                      Danke Kuestenkind, das wünsche ich Dir und allen anderen, die hier mitlesen, auch.

                      ________________________________

                      In meinem ersten Glückskeks dieses Jahr stand: "Sie haben einen heimlichen Bewunderer".

                      Zunächst dachte ich, was für ein Quatsch, ist doch nur ein Glückskeks... aber dann, so nach und nach, dachte ich, was, wenn es wirklich so ist?

                      Ich glaube, ich habe noch nie einen Bewunderer, ob nun heimlich oder nicht, gehabt. Stattdessen habe ich andere bewundert.

                      Trotzdem hat mich dieser kleine Zettel weiter beschäftigt, denn ich fragte in mich, wie fühlt es sich an, vielleicht einen heimlichen Bewunderer zu haben und wo könnte ich den aufgesammelt haben?

                      Zunächst, es fühlt sich merkwürdig an, fast könnte ich sagen, beschämend, aber auch irgendwie gleichzeitig toll. Es würde mich stolz machen, einen Bewunderer zu haben und mir das Gefühl geben, nicht alles im Leben falsch zu machen.

                      Er könnte hier in diesem Forum sein, denn anderswo bin ich ja kaum zugegen und hier lasse ich eine Menge Leute an meinen Gedanken und Gefühlen teilhaben. Ich denke mir oft, wenn ich mit meinen Worten nur einen Menschen erreicht habe, dann habe ich schon was Gutes getan.

                      Ob das hier so ist? Ich weiß es nicht, aber an die Möglichkeit, dass es so sei, ist schon sehr verlockend.

                      Auf der anderen Seite denke ich, warum gibt sich dieser Mensch denn nicht zu erkennen? Gerade weil ich mich oft so einsam fühle, würde ich mich über jeden schönen Kontakt freuen. Vielleicht traut sich dieser Mensch nicht... oh, bitte, bitte trau dich!

                      ______________________________

                      Anderes Thema:
                      Da ich gemerkt habe, dass ich noch immer Angst vor meinem Partner habe, bzw. vor dem, was er sagt und tut, habe ich mir eine neue Strategie überlegt, um der Angst Herr zu werden.
                      Ich gehe davon aus, dass ich mich zuerst innerlich von einem Menschen, einer Vorstellung o.ä. befreien muss und erst danach mich davon auch äußerlich trennen kann, wie z.B. in Form von Trennung.
                      Bestes Beispiel ist dabei für mich der Spruch, meistens von Frauen ausgesprochen: "Beim nächsten Mann wird alles anders"
                      Und dann geraten sie doch wieder an den selben Typ Mann, der nicht besser ist, als der vorherige, weil sie sich selbst innerlich nicht verändert haben und somit immer wieder etwas ausstrahlen, was den selben Typ anzieht.
                      Das will ich aber nie wieder. Nie wieder möchte ich mit einem Menschen zu tun haben, der wie mein Partner ist.

                      Da ich auch meine Seele in mehrere Teile wahrnehme und diesen Teilen verschiedene Personen zugeteilt sind, hatte ich plötzlich die Idee, dies auch mit den verschiedenen Facetten meines Partners zu tun.

                      Ich schreibe mir also gerade die einzelnen Zustände meines Partners auf, um mir dafür passende Reaktionen zu überlegen, die weder mir, noch meinem Partner schaden. - So weit die Theorie.

                      Ob es wirklich funktioniert, wird sich mit der Zeit herausstellen.

                      Angefangen habe ich mit einem für mich angenehmen Zustand, nämlich der, wenn er gut drauf ist. Dann erkläre ich das, was es bedeutet und dann schreibe ich mir meine Reaktion darauf auf.
                      Das Ganze soll mir helfen, meine Angst zu reduzieren, indem er für mich berechenbarer wird, denn jede Unberechenbarkeit löst in einem Autisten Angst aus. Da das Leben oft nicht berechenbar ist, könnt ihr euch vorstellen, wie viel Angst ich habe?

                      Also mache ich mir mein Leben so, dass es berechenbarer wird, denn das gibt mir in all dem Chaos Sicherheit.

                      Es ist nun mal so, dass alles, was NTs vom Gefühl her tun, unsereiner kognitiv erlernen muss. Und das tu ich hiermit. Ich lerne, wie ich auf was reagieren kann und muss. Nach dem Motto, aha, jetzt ist er wieder so und so oder er verhält sich nach Punkt 5, dann weiß ich irgendwann, wie ich entsprechend reagiere.

                      Mal sehen, wie es damit geht.

                      Condor

                      Kommentar


                        Also ich bewundere dich schon mal. Und ich bin mir sicher, andere hier auch.
                        Wie du das alles schaffst und auf die Reihe bekommst.....ich erinnere dich z.B. an die Sache mit dem Schlaflabor.
                        Und nicht nur das alleine!

                        Kommentar


                          Hallo Condor,

                          auch ich lese mit und bin voll erstaunt, wie schwierig Dein Leben ist und wie gut Du es dafür meisterst. Also noch ein Bewunderer.

                          Was Du Dir überlegt hast, Deinen Partner für Dich "berechnenbarer" zu machen, finde ich gut. Wahrscheinlich denkst Du, daß für uns Nichtautisten alle Situationen gefühlsmäßig gut lösbar sind. Ich kann Dir versichern, daß dies nicht der Fall ist. Auch ich stehe oft da und weiß nicht, wie ich reagieren soll. Und habe kein eindeutiges Gefühl, das mir sagt, so oder so mußt Du Dich jetzt verhalten.
                          Manchmal habe ich mir schon vor einem wichtigen Gespräch einzelne Strategien zurecht gelegt, je nachdem, wie der andere sich äußert. Das gibt mir dann auch eine gewisse Sicherheit, mit der ich mich besser fühle.
                          Das ist so ähnlich, wie Deine Strategie, nicht?
                          Berichte bitte mal, wie das bei Dir funktioniert. Das würde mich freuen.

                          Liebe Grüße
                          Glühwürmchen

                          Kommentar


                            Hallo Bonny und Glühwürmchen,

                            hm, ihr seid ja nun keine heimlichen Bewunderer mehr *Scherz*

                            Ich frage mich mehr und mehr, ob ich wirklich bewundert werden will? - Schließlich liegen in meinem Keller mindestens genauso viele Leichen, wie anderswo auch, vielleicht sogar mehr, weil mir erst jetzt bewusst wird, dass meine autistische Art auf die meisten Leute provozierend bis arrogant wirkt.
                            Dabei versuche ich weder das eine, noch das andere zu sein. Klar, manchmal bin ich das schon, aber gerade nicht in diesen Momenten, wo andere das von mir denken, sondern eher in denen Momenten, wo andere denken, ich sei z.B. besonders tolerant... Denn so, wie wir Autisten in den Gesichtern unserer Mitmenschen selten etwas Emotionales erkennen können, bewerten unsere Mitmenschen unsere Mimik meistens falsch, weil sie selten zum Anlass passt.
                            Das kann sehr krasse Ausmaße annehmen, wie z.B. dass wenn von mir eher ein "mitfühliger" Gesichtsausdruck erwartet wird, ich dann aber lache oder ich weine, wo andere nur mit dem Kopf schütteln würden, weil sie meine Empfindungen in diesen Momenten nicht verstehen (und ich übrigens auch nicht, deswegen weine ich dann sehr oft).

                            Besonders schlimm ist es mit der Wut, wo ich wütend werde, bleiben andere cool oder bemerken den Stress, den mir eine Situation macht, gar nicht erst und wo andere durchdrehen, bleibe ich völlig relaxt. Und das ist typisch autistisch, hab ich schon von vielen anderen Aspies (Asperger Autisten) gelesen/gehört.

                            Deswegen ist es vielleicht gar nicht richtig, dass man mich bewundert. Ich mach ja nix tolles.

                            Ehrlich gesagt, quäle ich mich jeden Tag mal mehr und mal weniger durch ein Leben, welches ich gar nicht will und bin am Ende eines Tages so kaputt, wie andere nach 10 Stunden Arbeit. Und ich arbeite nicht ein mal mehr, ich bin Erwerbsunfähigkeitsrentner. - Ok, ich arbeite an mir, gibt ja auch genug zu tun, aber auch hierbei werden mir mehr und mehr Grenzen bewusst, die ich nicht überwinden kann, weil sie zu meiner Behinderung/Autismus gehören und angeboren sind. - Aber mein Haushalt und was sonst noch so zum alltäglichen Leben gehört, fallen mir schwerer und schwerer, je mehr ich den Autismus zulasse.

                            Das begann alles mit der Transsexualität. Die wollte ich schon nicht und auch wenn es lächerlich klingt, ich habe mich so viele Jahre dagegen gesträubt, dass mir so einige Leute den Schritt, nun doch die Angleichung zu machen, sprich Hormone zu nehmen und Operationen zu machen, gar nicht mehr abgenommen haben und sich von mir trennten.
                            Und als wäre das nicht genug, kommt auch noch der Autismus dazu, den ich nur zu schätzen weiß, wenn ich ganz für mich allein bin. Sonst habe ich daran noch nichts Positives entdecken können.
                            Im Gegenteil, je mehr ich durch die Transsexualität zu mir selbst finde, je autistischer werde ich, das lässt sich nicht mehr aufhalten, nicht mehr verstecken, nicht mehr bekämpfen...

                            Ich möchte auch noch mal betonen, dass Autismus keine Störung (neuerdings heißt es ja Autismus Spektrums Störung, was ich nicht anerkenne) oder Krankheit (denn die Definition von Krankheit, ist die Abwesenheit von Gesundheit und das trifft auf Autisten nicht zu, es sei denn ich habe eine Erkältung ) ist.

                            Es ist eine Behinderung, ja, mir hat sie auf meinem Schwerbehindertenausweis 50% gebracht, was nichts ist, weil ich damit nichts anfangen kann, keine Vergünstigungen, nichts. Ich hatte ihn beantragt, weil ich schon immer das Gefühl hatte, irgendwie behindert zu sein und der Ausweis hat dieses Gefühl lediglich bestätigt. Ich wüsste im Moment noch nicht mal, wo er liegt... irgendwo im Haus.

                            Condor

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                              Hey Condor

                              Du bist in Ordnung
                              so wie Du bist

                              Liebe Grüße
                              Kalua

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                                Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                                (...) Im Gegenteil, je mehr ich durch die Transsexualität zu mir selbst finde, je autistischer werde ich, das lässt sich nicht mehr aufhalten, nicht mehr verstecken, nicht mehr bekämpfen... (...)
                                Du findest Dein wahres Selbst, Dein innerstes Ich. Du brauchst Dir im übertragenen Sinn selbst keine Gewalt mehr anzutun.

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