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Mein Leben als Autist

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      Danke Bonny, hat mich gefreut.

      __________________________________


      Mir gehts wieder besser. Hab viel im Garten zu tun, hab im Thread Gartenjahr mal was eingestellt.

      Habe festgestellt, dass Gartenarbeit mich beruhigt, aber alles in allem muss ich an meinem Stress arbeiten, ich bin so oft gestresst, das ist schon nicht mehr normal. Zunächst habe ich für mich aufgeschrieben, wann und warum ich gestresst bin. Das war schon mal nicht schlecht und hat mir schon hier und da die Augen geöffnet. Und ich frage mich natürlich dann auch, was ich dagegen tun kann oder ob ich es wohl oder übel akzeptieren muss.

      Ein paar Beispiele:
      1.) Ich bin gestresst, wenn jemand ungefragt an meine Sachen geht. - Weil ich sowas aus meiner Kindheit kenne, meine Mutter hat mir nicht nur hinterher spioniert, sondern mir meinen Zimmerschlüssel weggenommen, wodurch ich keinen Rückzugsraum mehr hatte, meinen Lieblingspulli einfach so weggeschmissen und andere Leute haben mir ungefragt über den Kopf gestrichen, mir Küsschen verpasst und so was, was letztendlich auch dazu geführt hat, dass ich Männern erlaubt habe, mit mir ungefragten Sex zu haben...
      Ich habe ein Recht auf meine Sachen, sonst wären es nicht meine Sachen. Und ich habe ein Recht darauf, dass man mich fragt, wenn man etwas von meinen Sachen haben will.

      2.) Ich bin gestresst, wenn ich mich selbst unter Druck setzte. - Weil ich dann mehr von mir verlange, als ich geben kann. Ich muss lernen, dass ich nunmal nicht so viel kann, wie NTs und dass es nicht schlimm ist, dass ich nicht so viel kann, wie sie. In meiner Kindheit haben meine Eltern, Lehrer und andere Menschen immer viel mehr von mir verlangt, als ich geben konnte, so sehr ich mich damals auch angestrengt habe, so konnte ich ihre Erwartungen an mich kaum erfüllen. Ich habe mich damals immer als Versager gefühlt, der niemandem etwas recht machen konnte.
      Heute bin ich erwachsen, ich brauche mich selbst nicht fertig zu machen. Ich bin kein Versager, ich bin Autist.

      3.) Ich bin gestresst, wenn ich mit mehr als einem Menschen zusammen sein muss. - Weil das zu meiner Persönlichkeit als Autist gehört. Weil ich mich nur auf eine Person zur selben Zeit konzentrieren kann. Ich kann es nicht ändern, ich kann es nur akzeptieren lernen.

      Bisher bin ich auf gut 20 Punkte gekommen, die mich tagtäglich stressen, aber da sind bestimmt noch mehr.

      Tja und dann bin ich mal wieder bei meinem Partner und seiner Psyche hängen geblieben... weil mich das auch irgendwie immer stresst, wie er so ist und so.

      Ein Soziopath ist er demnach nicht, hat zwar Anteile davon, aber mehr auch nicht.
      Ich beobachte ihn viel, so wie ich die meisten Menschen viel beobachte und oft doch nicht verstehe.

      Fakt ist, dass er Gefühle hat, wenngleich diese, wie soll ich sagen, eher zu einem 4jährigem Kind passen. Deswegen hat er hier immer gesagt, dass er ein Mädchen sei und keine Frau. Ich glaube ihm, dass er sich so selbst empfindet. Dazu passen auch andere Dinge, die ich hier nicht näher erläutern will. Irgendwie bin ich darüber dann auch darauf gekommen, dass er ADS haben könnte. Auch da passt vieles zusammen.

      Nun denn... für mich ist das zwar zum einen erleichternd, zum anderen könnte ich mich auch selbst ohrfeigen, denn ich hatte jahrelang Angst vor ihm... völliger Quatsch, wäre nicht notwendig gewesen.

      Ich muss noch mehr dazu lesen, auch wenn unsere gemeinsame Freundin natürlich das nicht so sieht, aber da bin ich eh vorsichtig geworden, was die so von sich gibt, schließlich hat sie bereits über 10 Jahre zwischen meinem Partner und mir Zwietracht gesäht...

      Condor

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        Viele Menschen haben Angst vor Andersartigkeit

        Es geht meist um das Überleben, es ist schwer mit Anderartigikeit zu überleben, daher ist Dein Beispiel ein guter Gegenbeweis!

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          @Sivasangaran
          Wenn du meinst, dass ich das tu...

          Ich denke, ich könnte, sollte es besser machen, aber scheinbar kann ich das nicht... noch nicht... vielleicht irgendwann...

          ______________________________________

          Vor 7 Jahren sagte mir meine damalige erste Freundin irgendwann ganz erschrocken, dass ich jeden Tag von meinem Partner seelisch vergewaltigt werden würde.

          Mein Verstand wusste das schon und ich antwortete ihr: "Ich weiß."

          Mein Gefühl nahm zwar den Schmerz und die Lieblosigkeit in dieser Ehe wahr, aber mehr konnte ich dazu nicht fühlen und somit auch nicht unternehmen.

          Ich kannte das alles ja schon, seelische Gewalt, Erniedrigungen, Missachtungen meiner Grenzen usw., meine Kindheit und auch die Erwachsenenzeit mit meinen Eltern war nichts anderes gewesen. Ich bin mit psychischer/seelischer und physischer Gewalt groß geworden. Ich hatte verinnerlicht, dass ich nicht liebenswert war, dass ich eigentlich überhaupt nichts war und dass ich nicht richtig war.
          Und als mein Partner mich seit der Hochzeit (vor fast 16 Jahren) genauso behandelte, war das für mich nichts Neues. Ich kannte unbewusst nichts anderes. Das war fast normal für mich.
          Und da mein Partner vor der Hochzeit anders war, also liebevoll und nett, dachte ich lange, dass es an mir liegen müsse, ja gar nicht anders ginge, dass es so sei, dass ich die alleinige "Schuld" für sein eigentlich inakzeptables Verhalten mir und unserem Kind gegenüber hatte.

          All die Jahre habe ich alles versucht, mich zu wehren, auch wenn ich nicht wusste, wie... habe ich versucht, immer wieder, immer erfolglos, wie in der Schule, wo sie mich mobbten und ich auch nicht wusste, wie ich mich erfolgreich hätte wehren müssen.
          Ich habe mich analysiert, ihn, uns... brachte alles nichts. Ich habe Therapien gemacht, noch und noch, habe an mir gearbeitet ohne Ende, aber das Leben mit diesem Menschen wurde für mich immer unerträglicher.

          In Foren habe ich versucht, mich mitzuteilen, aber meistens wurde ich nicht verstanden, den Rest der Zeit habe ich geschwiegen, habe ich meinem Partner den Rücken freigehalten, wie es so schön heißt. Geholfen hat auch das nicht.

          Ich wollte eine lange Zeit nicht mehr leben, da wir aber ein Kind haben, habe ich mich nicht umgebracht und ihn auch nicht.

          Ich habe mir gewünscht, dass er mich doch mal schlagen und sexuell vergewaltigen sollte, damit ich Beweise der Misshandlungen hätte. Hat er aber nicht.

          Kurz bevor ich mich als Transsexueller geoutet habe, dachte ich an eine Flucht in ein Frauenhaus, aber was sollte ich als Transmann dort?

          Es gibt so viele Anlaufstellen für Frauen und auch für Männer, aber für Transmänner, die in Beziehungen missbraucht werden, gibts gar nix.

          Ich habe ohne Ende Bücher gelesen, auch solche, wie "Die Masken der Niedertracht", aber ich konnte nicht glauben, dass mein Partner so etwas wirklich täte, obwohl ich las, was auch mir angetan wurde, verdrängte ich und kann es auch heute noch nicht wirklich glauben.

          Bevor ich meine Rente bekam, hatte er mich auch noch finanziell voll unter der Knute. Um jedes bisschen Geld musste ich ihn anbetteln und er wollte immer, dass ich ihm sagte, wofür ich es brauchte oder was ich dafür gekauft hatte. Oft hat er mit mir gescholten, weil er nicht wollte, wenn ich Pflanzen für den Garten oder anderes unsinniges Zeugs gekauft hatte.
          Wenn ich ihn damals fragte, ob er mir vom Einkaufen Zigaretten mitbringen könnte, waren es höchstens 2 Schachteln, damit ich ihn nach kurzer Zeit wieder fragen musste.

          Wenn ich nach Haushaltsgeld fragte, hat er mich jedes Mal angebrüllt, dass ich ja das Wort "Haushaltsgeld" nicht mehr erwähnen sollte.

          Seit 3 Jahren ist damit immerhin Schluss, ich bekomme meine kleine Rente, eigentlich mein Geld, aber auch da versucht er ständig, dass ich das für Einkäufe abgebe. Nur so zum Vergleich... er verdient in nicht einmal 9 Stunden, was ich im Monat an Rente bekomme... deswegen bin ich offiziell bei ihm angestellt, wo ich Geld verdiene, dass er mir meistens zu spät bezahlt und welches ich für Lebensmittel ausgeben soll, welches aber nicht reicht und ich doch wieder an meine Rente gehen muss...

          Wir schlafen schon seit Jahren in getrennten Schlafzimmern. Oft lasse ich meine Zimmertür ein wenig auf, damit die Katze rein und raus kann, letzte Nacht aber nicht, da war unsere Katze draußen geblieben (macht sie oft im Sommer). Heute mussten wir früher aufstehen, weil meine Eltern zu Besuch waren.

          Plötzlich stand er heute morgen in meinem Schlafzimmer, ohne anzuklopfen, ohne Vorwarnung und meinte, dass ich aufstehen sollte... ich habe einen Wecker, ich kann selber aufstehen, mein Schlafzimmer war mein letzter wirklicher Rückzugsort... soll ich den jetzt abschließen?

          In meinem Innern war irgendwas anders heute Morgen.

          Ich konnte für einige Minuten fühlen, was er mit mir in all den Jahren gemacht hatte, wie ich still gehalten hatte, wie ich mich selbst verloren hatte und wie sehr ich mich nach Sicherheit, Nähe und Liebe eines anderen Menschen sehne... ich hatte damit begonnen, mich selbst zu streicheln, weil mir das seit über 15 Jahren fehlt.

          Jetzt ist das Gefühl wieder weg und ich kann über all das nur so schreiben, wie ich auch übers Wetter schreiben würde.

          Während ich hier in meinem Büro gesessen und geschrieben habe, hat er mich 3 Mal unterbrochen, um mir z.B. zu sagen, dass er jetzt duschen ginge... schön für ihn.

          Condor

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            Hallo Condor,

            ich glaube, für nichtautistische Menschen ist es echt schwer, sich in die Gefühls- und Vorstellungswelt von Autisten hineinzuversetzen.
            Ich zum Beispiel hätte es überhaupt kein bisschen schlimm gefunden, wenn mein Mann ohne Anzuklopfen in mein Zimmer gekommen wäre. Für dich dagegen scheint es eine schlimme Grenzverletzung zu sein.

            Bist du nicht vielleicht ein bisschen zu streng mit deinem Partner? Könnte es sein, dass er gar nicht weiß, was er in deinen Augen alles falsch macht?

            LG

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              Zitat von Condor Beitrag anzeigen
              (...)Es gibt so viele Anlaufstellen für Frauen und auch für Männer, aber für Transmänner, die in Beziehungen missbraucht werden, gibts gar nix.(...)
              Wer differenziert denn hier? Du oder die Mitarbeiter in den Anlauf-/Beratungsstellen?
              Was ich meine: Grenzt Du dich aus oder tun es die Beratungsstellen?

              Kommentar


                Hallo Schnucke,

                die Grenzverletzung hat nichts mit meinem Autismus zu tun, sondern mit den ständigen Misshandlungen und Grenzverletzungen, denen ich in meiner Vergangenheit ausgesetzt war.
                Diesbezüglich bin ich vermutlich übersensibilisiert. Andererseits hat es meiner Meinung nach auch mit Respekt und Achtung zu tun, die ich einem anderen Menschen entgegenbringe. Wenn mir z.B. jemand sagt, dass er es nicht möchte, dass ich einfach so in seinen Privatbereich eindringe, dann respektiere ich dies doch, vor allem, wenn ich mit diesem Menschen eine Beziehung (Freundschaft, Ehe o.ä.) habe.
                Aber mein Partner respektiert nichts davon, egal, wie oft ich ihm das sage und ich habe es ihm in den letzten 15 Jahren oft gesagt. Nicht immer, wenn er es getan hat, aber immer wieder, freundlich, höflich, auch bettelnd, am Boden liegend, wütend, verzweifelt, unter Tränen, aber narzisstischen Menschen ist das egal, weil sie sich nicht in andere Menschen hineinversetzen können und kaum eine soziale Kompetenz besitzen (das sag ich als Autist, schon ein Lacher für sich sollte man meinen... ).

                Zu streng bin ich vor allem mit mir selbst, was ihn betrifft, hat mein Verhalten nichts mit Strenge zu tun.

                ____________________________

                Hallo Mistral1,

                naja, ich hab halt nach was gesucht, woran ich mich wenden könnte, auch wenn ich den Mut noch lange nicht habe und nichts gefunden, was meinem Bedürfnis entsprechen würde. Ich habe auch nicht immer Lust, mich andauernd als TS (Transmann) zu outen, aber in diesem Fall wäre das wohl unumgänglich, sonst versteht der andere die Zusammenhänge nicht.

                ____________________________

                Das Wochenende war sehr anstrengend, erst Geburtstag mit unserem Sohn und deren Freunde mit deren Eltern nachfeiern (9 Stunden in Legoland) und gestern kamen dann auch noch meine Eltern, auch um Geburtstag nachzufeiern und mit uns zum Hoffest hier vor Ort zu gehen.

                Gestern abend schon und heute auch, war ich dann total kaputt. Ich habe regelrecht neben mir gestanden. Ich kriegte keine innere Geschichte mehr zusammen... meine inneren Anteile standen nur irgendwie bedröppelt nebeneinander und keiner wusste was zu sagen.

                Ich konnte nichts mehr fühlen.

                Und eben fiel mir dann ein, warum das so war, komme nämlich langsam wieder zu mir.
                Ich war in einer Art "Überlebensmodus", ein Zustand, der es mir ermöglicht an Aktionen mit anderen Leuten teilnehmen zu können, der mir aber gleichzeitig jegliches Gefühl des bewussten Seins nimmt.

                Je nach Situation schaltet sich dieser "Überlebensmodus" ganz automatisch ein. Es gibt ihn in stärkerer und schwächerer Variante. Er beschützt mich also und behindert mich gleichzeitig. Ein Relikt aus meiner Vergangenheit, denn ohne diesen Überlebensmodus hätte ich meine Vergangenheit nicht überlebt.

                Mein Partner gehört, wie meine Eltern, zu denjenigen Menschen, die mich dazu veranlassen in den Überlebensmodus zu wechseln. Dies geschieht nicht bewusst, also völlig unbewusst und automatisch.

                Condor

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                  Heute war ich mal wieder richtig gut drauf.

                  Inzwischen hatte mein Hausarzt ja festgestellt, dass ich zu viel Zucker im Blut habe, aber dank meiner Ernährungsumstellung, Tabletten und gutem Willen ist der Langzeitzucker schon wieder runter gegangen. Meine Psyche spielt ne große Rolle bei meinem Zuckerwert. Bin ich gut drauf, geht der Wert runter, rege ich mich auf, geht der Zuckerwert genauso schnell mit hoch. Aber mein Arzt ist erstmal zufrieden mit mir.

                  Ich rede viel mit meinem Hausarzt, er lässt sich auch viel Zeit mit mir, das finde ich toll. Dafür muss ich dann auch mal längere Wartezeiten in Kauf nehmen, aber das ist es mir wert. Mein Leben erzähle ich ihm Häppchenweise, sonst wäre es wohl zu viel aufeinmal. Er fragt mich auch, ob ich Tipps von ihm möchte und ich nehme das auch gern mal an. Auch hält er sich an die Verhaltensregeln, die ich ihm auferlege, z.B. hasse ich es, ständig angeschaut zu werden und ich hab ihm auch erklärt, warum das so ist: Mein Leben lang schon werde ich von meinen Mitmenschen angestarrt, wird mit dem Finger auf mich gezeigt, angefangen zu lachen, wenn ich irgendwo bin, werden Gespräche beendet, wenn ich vorbei gehe oder ich werde grundlos angepöbelt. Man hat mir schon auf verschiedenste Weise den Tod gewünscht, leise und auch lautstark und mir immer wieder deutlich zu verstehen gegeben, dass ich unerwünscht bin... - ich habe es so satt.
                  Letztes Mal hat er sich einfach neben mich gesetzt, so konnte er, wenn er hochschaute, aus dem Fenster sehen. Das finde ich gut.

                  Ich habe ihm auch erzählt, dass ich mich in meiner Ehe oft wie auf einer Insel im Moor gefangen fühle, dass ich zwar die Bretter und den Werkzeugkasten neben mir stehen sehe, um eine Brücke zu bauen, aber dass ich einfach nicht damit anfangen kann. - Er verglich das alles mit einem Berg und meinte, dass ich sehr wohl schon losgegangen sei. - Und ja, er hat recht, ich bin schon losgegangen, habe schon ein Stück Brücke gebaut, aber ich kann mich in der Geschwindigkeit leider auch nicht selbst überholen und schneller machen, auch wenn ich mehr und mehr Vorstellungen davon bekomme, wie es auf der anderen Seite aussehen könnte. Ich habe Wünsche und Träume und die sind wichtig für mich, ganz wichtig.

                  Ich denke auch noch über meinen Partner nach und seine Transsexualität. Irgendwie scheint es, dass mein Gefühl seine TS durchaus verstehen und annehmen kann, aber der Verstand nicht. Mein Verstand möchte eine plausible und logische Erklärung.
                  Das Dumme daran ist, dass mein Partner sich ab und zu in Frauenklamotten schmeißt und auch eine neue Perrücke gekauft hat, aber dass ich trotzdem immer noch den Kerl in ihr sehe.

                  Hm, wie soll ich das besser umschreiben...

                  Er selbst glaubt, dass es reicht, sich Frauenkleidung und ne Perrücke aufzusetzen und "schwubbs" ist er eine Frau, so als wenn man in eine Drehtür reinginge, auf der einen Seite geht er als Mann hinein und wenn er wieder kommt, kommt er als fertige Frau wieder raus. Doch so geht es ja nun leider nicht. Wer von uns TSlern (Transsexuellen) würde sich so eine Drehtür nicht wünschen, aber die Realität hat eben mit ganz viel Arbeit an sich selbst zu tun, doch diese Arbeit kann oder will mein Partner nicht leisten.
                  Aufgrund seiner narzisstischen Persönlichkeitsstruktur fehlt ihm vermutlich das Gefühl für einen "echten" weiblichen Auftritt. Außerdem ist ihm nichts peinlich, so dass ihm ein schlechtes Passing (wie man auf seine Umwelt wirkt) nicht auffällt.
                  Und da er ja immer alles besser weiß (und wirklich immer!!), lässt er sich von niemandem helfen.

                  Ich sehe diese Frau (er hat sich auch schon weibliche Namen gegeben, natürlich nicht einen oder einen Doppelnamen, das wäre für einen Narzissten viel zu normal... 4 neue Vornamen mussten es sein) unter ihrem neuen Vornamen nicht, weil unter der Frauenkleidung immer noch der Kerl steckt, mit dem ich seit über 15 Jahren verheiratet bin.

                  Ich finde das alles ziemlich schwierig... und ich muss eigentlich mehr wieder bei mir bleiben... was nicht leicht ist...

                  Heute war er gut drauf, dann ist alles ok und wir können eigentlich ganz gut miteinander... aber, ich habe immer im Hinterkopf, dass sich seine Laune von eben auf jetzt komplett ändern kann und er mich, ohne ersichtlichen Grund, beleidigt, belügt, bedroht oder einfach nur seinen ganzen Weltschmerz auf mich ablädt, damit es ihm danach wieder besser geht.

                  Es ist wirklich nicht einfach, erstaunlich manchmal, dass ich trotzdem nicht aufgebe.

                  Condor

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                    Hallo Condor,

                    Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                    Er selbst glaubt, dass es reicht, sich Frauenkleidung und ne Perrücke aufzusetzen und "schwubbs" ist er eine Frau, so als wenn man in eine Drehtür reinginge, auf der einen Seite geht er als Mann hinein und wenn er wieder kommt, kommt er als fertige Frau wieder raus. Doch so geht es ja nun leider nicht. Wer von uns TSlern (Transsexuellen) würde sich so eine Drehtür nicht wünschen, aber die Realität hat eben mit ganz viel Arbeit an sich selbst zu tun, doch diese Arbeit kann oder will mein Partner nicht leisten.
                    Aufgrund seiner narzisstischen Persönlichkeitsstruktur fehlt ihm vermutlich das Gefühl für einen "echten" weiblichen Auftritt. Außerdem ist ihm nichts peinlich, so dass ihm ein schlechtes Passing (wie man auf seine Umwelt wirkt) nicht auffällt.
                    Und da er ja immer alles besser weiß (und wirklich immer!!), lässt er sich von niemandem helfen.

                    Du schreibst, ihm genügt es sich als Frau zu verkleiden und "schwubbs" ist er eine Frau. Ich habe mich gefragt, als ich das gelesen habe, ob es möglich ist, dass ihm das schlicht genügt? Dass ihr vielleicht unterschiedliche Bedürfnisse habt und es ihm einfach ausreicht, wie du schreibst, sich zu verkleiden, um sein Bedürfnis danach eine Frau zu sein zu befriedigen? Für dich gehört noch einiges mehr dazu, ständige Arbeit an sich selbst bspw. Doch vielleicht trifft das auf deinen Partner nicht zu und er ist glücklich so wie er es handhabt. Da deine Vorstellungen von einer gelebten Transsexualität anders aussieht schiebst du ihm vielleicht unbewusst deine eigenen Ansprüche dafür unter. Das könnte natürlich Konflikte schüren.
                    Nur so ein Gedanke.

                    Liebe Grüße
                    Jannes

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                      Hallo Jannes,

                      danke für deine konstruktive Antwort.

                      Du hast sicher nicht unrecht. Sicher sehe ich das mit der Transsexualität und wie sie auszusehen hat usw. anders als er.

                      Ich habe ihn gefragt und er findet sich selbst ok so, wie es jetzt ist.

                      Das Problem daran ist, dass er wirklich nicht weiblich aussieht, sondern wie ein Mann, der sich als Frau verkleidet hat. So, wie im Fasching. Er spricht nicht anders, wenn er sich umgezogen hat, er isst nicht anders, er geht nicht anders, er benimmt sich generell weiter so, wie er es als Mann tut, kurzum er benimmt sich kein Stück weiblich, glaubt aber, wenn er sich umgezogen hat, dass das reicht.

                      Ich finde das peinlich. Er nicht, weil er keine Peinlichkeit empfinden kann.

                      Sicher kennt hier jeder Lilo Wanders oder Olivia Jones, beide Frauen sind keine Transsexuelle, sondern Transvestiten, aber beide empfinde ich definitif als Frauen, denn sie benehmen sich, wenn sie sich als Lilo oder Olivia fertig gemacht haben, auch wie Lilo oder Olivia, ganz authentisch, ganz real weiblich. Das alles fehlt meinem Partner und er glaubt, dass eine Frau das nicht braucht.

                      Glücklich ist er so nicht, sagt er, aber es ist für ihn so ok.

                      Wie unser Sohn das empfindet oder ich oder andere Leute, die ihm begegnen, interessiert ihn nicht. Es ist ihm völlig egal.

                      Ich empfinde das alles, als wenn mir etwas aufgezwungen werden soll, hinter dem ich nicht voll und ganz stehe.

                      Ich hab mit so vielen anderen TS gesprochen und nicht nur im Internet, auch in real life, aber diese Frauen und Männer waren Frauen und Männer, bis auf meinen Partner, der ist anders, aber der will auch anders sein.

                      Heute abend stand ich schon wieder kurz vor einem Hörsturz, weil mich das alles zu sehr stresst.

                      Am Besten wäre es, wenn mir völlig egal wäre, was er treibt, ist ja sein Leben. Dumm nur, dass er eine Familie hat und da kann man nicht immer nur seinen Weg gehen.

                      Condor

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                        Ich hab heute mit meinem Partner geredet und ihm gesagt, was ich tun kann und was ich nicht (mehr) tun kann.

                        Es ist ja nicht so, dass ich ihn bisher nie unterstützt hätte, das habe ich schon, so weit ich eben konnte. Ich habe ihm zum Geburtstag und zu Weihnachten keine Männergeschenke mehr gemacht, sondern Dinge und Kleidung, die weiblich oder für Frauen waren, in seinen Lieblingsfarben, in rosa, rot und pink.

                        Vor Jahren war ich mit ihm zusammen auf einer Transtagung in Deutschland, aber auch damit habe ich mich überfordert. Inzwischen fährt er da ohne mich hin, was für mich ok ist, denn ich brauche so was nicht mehr, ich lebe in meiner männlichen Geschlechterrolle und gut ist.

                        Ich habe ihm auch gesagt, dass, wenn er mir völlig egal wäre, ich mir keine Gedanken über ihn machen würde und dass ich ihm immer nur helfen und nicht niedermachen wollte. - Allerdings ist es auch sehr schwer, bei ihm herauszufinden, was er denkt oder fühlt oder so, weil er nie über sich selbst spricht. Wenn wir uns unterhalten, dann über alles andere, aber niemals über uns, da schweigt er beharrlich.

                        Ich denke, das hat auch unsere Ehe unter anderem kaputt gemacht. Aber er ist so, hat er neulich mal gesagt, nach 15 Jahren Ehe die ersten Worte über sich selbst. Er sagte, dass er nicht mit anderen über sich redet, eigentlich mag er es überhaupt nicht mit anderen zu reden, außer über die Arbeit oder Politik, Weltgeschehen oder ähnliches... und für mich reicht das in einer Beziehung nicht.

                        Aber ich bin jetzt an einem Punkt angekommen, wo ich ihn nicht mehr in dem Umfang unterstützen kann, wie ich es bisher getan habe und ich denke, dass es für uns beide besser ist. Er muss (so wie die meisten anderen TS auch) seinen Weg allein gehen, seine eigenen Erfahrungen mit seinem Passing und den Mitmenschen machen. Ich kann ihm da nicht helfen. Auch wenn es schwer ist, einem anderen Menschen zuzusehen, den ich im Grunde mag, wie der sich teilweise zum Affen macht.

                        Bei unserem Sohn fällt mir das Loslassen viel leichter, aber da sehe ich auch, dass der auf einem guten Weg ist.

                        Bei meinem Partner fällt mir das viel schwerer.

                        Ich habe ihm auch gesagt, dass ich seinen weiblichen Teil nicht sehen kann, für mich sind seine beiden Anteile, männlich und weiblich gleich, nicht unterschiedlich und damit unterscheidet er sich nunmal von allen anderen Transsexuellen, die ich bisher kennen gelernt habe und wie ich selbst bin.

                        Also ziehe ich hier einen Schlussstrich, gehe einen anderen Weg, denn diesen kann ich nicht weiter gehen, weil ich mich sonst permanent selbst verrate und so unter Druck gerate, dass ich dabei Schaden nehme.

                        Mein Hausarzt würde sich vermutlich jetzt freuen, denn er sagt mir immer, dass ich bei mir bleiben soll. Ich übe noch, bemühe mich.

                        Unser Sohn hat seine eigene Art, um mit dem Transpapa umzugehen, er ignoriert ihn mehr und mehr. Gestern hat er nicht mit uns zusammen Abendbrot gegessen, ich vermute, weil sein Papa eben umgezogen am Tisch saß.
                        Vor einiger Zeit hat unser Sohn mal zu seinem Papa gesagt, dass er aussähe, wie ein Mann, der sich verkleidet hat.

                        Früher hätte ich mich eingemischt und unserem Sohn gesagt, dass man so was nicht zu seinem Vater sagt, heute ist er 15 Jahre alt und ich denke, dass er ein Recht auf seine eigene Meinung hat.

                        Ich fühle mich mit dieser Entscheidung weder gut noch schlecht. Ich weiß nur, dass sie für uns beide richtig ist.

                        Condor

                        Kommentar


                          Hallo Condor,

                          und dir ist es gelungen, dein ursprünglich weibliches Äußeres total in ein männliches umzuwandeln? Würde dich jeder, der dich sieht, sofort für einen Mann halten?

                          Ich kann mir vorstellen, dass dieses Rollenkuddelmuddel in eurer Familie ganz schön verwirrend sein kann für euren Sohn, oder?

                          Wird er nicht in der Schule gehänselt wegen seiner Eltern?

                          Liebe Grüße

                          Kommentar


                            Hallo Schnucke,

                            ja, ich werde überall vom Äußeren her für einen ganz normalen Mann gehalten. Nur wenn ich baden gehe, dann sieht man halt die großen Narben von der Mastektomie (Abbau der weiblichen Brust und Aufbau einer männlichen Brust), aber die sind schon sehr mit Haaren überwuchert und selbst dadurch kommen die Leute nicht unbedingt auf Transsexualität, denn es gibt ja auch Männer, die zu einer weiblichen Brust neigen und sich diese operieren lassen.
                            Von der Stimme her bin ich vom 1. Sopran zum Barriton gewechselt und bin von daher auch nicht mehr als Frau zu erkennen.
                            Ich habe auch einen eigenen Drei-Tage-Bart und auf dem Kopf sind mir die Haare reihenweise ausgefallen, so dass ich diese eh sehr kurz trage, wie ein Mann eben.

                            Du wirst es vielleicht nicht glauben, aber noch bevor ich ahnte, dass ich transsexuell sein könnte, drehte unser Sohn, damals 3 Jahre alt, von sich aus die Rollen um. Er nannte mich Papa und seinen Papa halt dann Mama. Wir haben ihn damals gelassen. Nach 1-2 Jahren hat er es wieder umgedreht.

                            Und ja, er wurde wegen meiner Transsexualität bereits in der 2. Klasse gemobbt. Damals hatte ich zu der Zeit mein Outing. Für unseren Sohn sicher nicht einfach, aber nicht so schlimm wie für unsere Umwelt und besonders schlimm für die Eltern der kleinen Dorfschule, denn dass die Sprüche, die unser Sohn zu hören bekam, von den Eltern der anderen Kinder stammten und nicht von den Kindern selbst, war ja klar. - Aber auch in der Zeit gab es Eltern und Kinder, die das überhaupt nicht störte und dann hat man sich halt mehr mit denen beschäftigt.

                            Unser Sohn blieb aber nicht lange auf der Schule, denn der Rektor damals wollte keine besonderen Kinder an seiner Schule. Er erzählte mir damals voller Stolz, dass er auf eine Mutter mit einem Rollstuhlkind so lange eingeredet hatte, bis diese ihr Kind von der Schule genommen hätte. Uns war dann auch klar, dass wir dort nichts mehr verloren hatten.

                            Später wurde unser Sohn nur noch hier und da mal etwas geärgert, weil er als Autist eben anders war und ist. Und ich kenne keinen Autisten, der nicht irgendwann in seiner Schullaufbahn mal nicht gemobbt worden wäre.

                            Heute ist unser Sohn in einer Förderschule für geistige Entwicklung, obwohl er selbst nicht geistig behindert ist, aber aufgrund seiner autistischen Persönlichkeit ist er emotional und sozial auf besondere Förderung angewiesen und kann nur im kleinsten Klassenverband (nicht mehr als 10 Kinder) lernen. Hier hat weder er, noch ich Probleme wegen der Transsexualität. Er ist hier eben ein besonderes Kind unter ganz vielen anderen besonderen Kindern.

                            Aufgrund meiner Transsexualität und der Probleme, die unser Sohn auch aufgrund seines Autismus hatte, hat das Jugendamt vor einigen Jahren versucht, uns unseren Sohn wegzunehmen, was ihnen aber nicht gelang.

                            Stattdessen hätten sie uns besser adäquate Hilfe zukommen lassen sollen, z.B. in Form einer Schulbegleitung, die jetzt natürlich nicht mehr zur Debatte steht, weil unser Sohn an einer regulären Schule nicht mehr beschulbar ist.

                            Auch wenn ich das alles hier vielleicht etwas salopp aufschreibe, so hat mich diese Zeit sehr mitgenommen. Ich hätte alles dafür gegeben, um nur nicht transsexuell sein zu müssen. Aber letztenendes konnte ich nicht gegen meine Natur und habe zumindest den Zeitpunkt für mein Outing und somit auch für meinen Sohn günstig gewählt. Er war damals 7 Jahre alt und somit zugänglicher für dieses Thema, als es z.B. jetzt der Fall gewesen wäre.

                            Natürlich musste sich unser Sohn somit früher mit dem Thema eigenes Geschlecht auseinander setzen, aber ich gehe immer und immer noch mit meiner Transsexualität und mit meinem Autismus sehr offen um und wir haben viel darüber geredet. Und da die Angleichung an das männliche Geschlecht nicht von heute auf morgen passiert ist, sondern Jahre gedauert hat, war es für ihn auch nicht so schwer. Heute haben wir jedenfalls ein sehr liebes und gutes Verhältnis und das war mir jede Anstrengung wert.

                            Condor

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                              Hallo,

                              da bin ich mal wieder.

                              Wir waren letzte Woche in Schweden in Urlaub. Gewohnt haben wir in Nykroppa, das ist ca. 1 Stunde von Karlstad http://karlstad.se/ entfernt (falls es jemand auf der Karte nachsehen will) bei einer entfernten Verwandten meines Partners. Immerhin umsonst, aber das war auch schon alles, was daran schön war. Die Ferienwohnung war muffig, dreckig und sehr alt und die Verwandte war sehr pingelig mit der Einrichtung. Mein Bett war viel zu klein und zu ungemütlich.

                              Das Wetter war ok, ab und zu hat es mal geregnet, aber meistens war es trocken und an den Tagen, wo wir was vor hatten, gab es dann auch Sonne und T-Shirt-Wetter. Zu Nykroppa kann ich nur sagen, dass es wohl die meiste Zeit im Jahr sehr feucht und recht kühl sein muss, denn alle Bäume waren bis zu den kleinsten Ästen mit Moos überwuchert.

                              Und die Verwandte war sehr anhänglich, was ich gar nicht mag.

                              Nun denn, aber es gab ja auch tolle Tage. Was mich davon sehr beeindruckt hat, war die Landschaft um uns herum. Wir sind mal einfach so in den Wald gefahren und hatten die nächsten 1,5 Stunden nur Wald um uns herum. Ab und zu gabs mal ein rotes Haus, wo Leute mitten im Wald wohnten, ein Auto haben wir in der ganzen Zeit gesehen und sonst nur Wald, Wald, Wald und Steine, kleine, mittlere und manche waren so groß, wie ein Haus. Dann waren plötzlichen mitten im Wald Seen, kleine, aber auch große mit Inseln darin... ja und natürlich gab es Mücken ohne Ende.

                              Wir haben insgesamt 4 Elche aus nächster Nähe gesehen, für einen haben wir eine Vollbremsung hingelegt, aber dem Elch ist nichts passiert und uns auch nicht.

                              Und Struppi hatte auch ihren Spass, weil es überall ja so toll nach Wildtieren roch.

                              Wir waren in Stockholm und haben uns die „Vasa“ angesehen, kann ich jedem nur empfehlen, auch, wer sich nicht für Schiffe interessiert, es war sehr beeindruckend.
                              Vasamuseet

                              Einen Tag später haben wir dann meinen Onkel, Tante und meine Cousine besucht, die ich Jahrzehnte lang nicht gesehen hatte und zu denen ich immer eine emotional enge Beziehung hatte. Warum nur, wusste ich bis dato nicht. Aber jetzt weiß ich es. Diese Verwandtschaft ist mir am ähnlichsten. Wir hatten einen super tollen Tag, endlich habe ich mich nicht so wie das 5. Rad am Wagen gefühlt. Teilweise haben wir uns dreisprachig unterhalten, also auf Deutsch, Englisch und Schwedisch, was besonders lustig war.

                              Am Ende des Tages hatte ich endlich die Emailadresse von meiner Cousine und ich habe versprochen in absehbarer Zeit wieder zu kommen und ich verspreche selten etwas, aber was ich verspreche, halte ich immer ein.


                              Natürlich war der Abschied von ihnen sehr schwer und unter Tränen, aber auf der Rückfahrt war ich so glücklich, wie selten in meinem Leben zuvor.

                              Drei Dinge habe ich aus diesem Urlaub mitgenommen und gelernt:


                              1. Ich bin nicht allein. – 40 Jahre meines Lebens habe ich geglaubt, ich sei allein. Ich war so einsam in meinem Leben und ich habe so viel geweint, weil ich so einsam und allein war. Meine Eltern sind nicht wie ich, meine Schwestern sind nicht wie ich, andere Verwandte sind nicht wie ich. Einzig mein Opa war wie ich, aber der ist schon über 20 Jahre tot. Nach seinem Tod war ich wieder allein. – Aber jetzt weiß ich, dass in meiner Verwandtschaft noch andere sind, die mir ähnlich sind. Sie leben zwar 1000 Kilometer entfernt, aber ich kann sie besuchen und mich geliebt und aufgehoben fühlen.

                              2. Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben glücklich, dass ich nicht so bin, wie meine Eltern, nicht so bin, wie meine Schwestern. Ich habe mich nicht brechen lassen, ich habe etwas in mir bewahrt, was sie nicht haben verändern und zerstören können. – Ich war zwar ein Wunschkind, aber nur bis zu dem Tag (als ich ca. 3 Jahre alt war), wo ich eine eigene Persönlichkeit ausbilden wollte, die meinen Eltern und Verwandten gar nicht gefiel, weil ich nicht so war, wie sie mich haben wollten. Damals haben sie dann versucht, mich mit aller Gewalt und Macht zu dem zu machen, was sie wollten. Aber es hat nicht geklappt. Der ganze Psychoterror und die vielen Schläge haben nichts genützt. – Zum ersten Mal bin ich auf mich selbst stolz. Ich habe nicht nur überlebt, sondern lebe heute in zwei Welten, in meiner autistischen und in der NT-Welt (die Welt, in der ihr nicht autistischen Menschen lebt). Ich kann in beiden Welten gut leben und mich in beiden Welten weiterentwickeln.

                              3. Ich kann Narzissten erkennen, wenn sie mir begegnen, was ich vor diesem Urlaub noch nicht konnte. Das ist sehr wichtig für mich, denn so kann ich Menschen, die mir nicht gut tun, frühzeitig erkennen und mich in Zukunft von ihnen fernhalten. Bisher habe ich es immer erst gemerkt, wenn es zu spät war und sie mich schon „gefangen“ genommen hatten.

                              Natürlich kamen mir auch Gedanken, was wäre gewesen, wenn ich bei diesen Verwandten aufgewachsen wäre… (ich weiß, so etwas soll man nicht denken)… vermutlich wäre ich heute nicht so autistisch und nicht so körperlich krank. – Dafür hätte ich aber auch nicht so viel an mir gearbeitet und wäre vermutlich noch genauso naiv, wie früher.

                              Alles hat seine zwei Seiten.

                              Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, Schwedisch zu lernen, damit ich mich auch mit meiner Tante mal unterhalten kann, denn das tat mir schon sehr leid, dass dies nicht direkt, sondern nur mit den Übersetzungen meines Onkels möglich war. Und da meine Cousine Deutsch lernt, finde ich es im Gegenzug nur fair, dass ich Schwedisch lerne.

                              Einmal konnte ich immerhin schon mal 2 Sätze auf Schwedisch sagen, als ich mir unterwegs einen Kaffee holte und ich auf Schwedisch angesprochen wurde: Jag verstor inte. Jag kommer fran tyskland. (= Ich verstehe nicht. Ich komme aus Deutschland.)

                              Die Schwedin hat sich sehr gefreut und wir haben uns dann auf Englisch weiter unterhalten.

                              Condor

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                                Nach langer Pause bin ich mal wieder hier.

                                Habe viel Arbeit an mir gehabt. Jetzt habe ich wieder mal ein bisschen Zeit, darüber zu berichten.

                                Ich kann natürlich nicht immer alles erzählen, das wäre zu viel, aber so das Wichtigste versuche ich hier nieder zu schreiben.

                                Der Urlaub in Schweden hat mich einen Kredit von 9000 Euro gekostet. Wie das? Ganz einfach, mein Partner hatte ein paar Monate vorher kein Geld mehr. Das ist für mich immer schwer zu glauben, da er in der Stunde zwischen 75 und 85 Euro verdient. Klar, er hat als Selbständiger auch eine Menge Ausgaben, aber trotzdem ist es viel Geld, welches er verdient und mit dem er nicht umgehen kann, so dass ich oft, leider zu oft, mich dazu hinreißen lasse, mehr Geld von meiner kleinen Rente (700 Euro) und von den 450 Euro, die ich bei ihm dazu verdiene, beizusteuern, damit wir über die Runden kommen. Wo sein ganzes Geld hin verschwindet, frage ich mich seit Jahren, komme aber zu keinem Ergebnis.
                                So, und vor diesem Urlaub nun war es mal wieder so weit, dass er kein Geld hatte und keine Bank dieser Welt ihm noch einen Kredit geben wollte (was ich gut verstehen kann).
                                Ich hatte die Wahl zwischen keinem Kredit aufnehmen und nicht nach Schweden fahren und einem Kredit aufnehmen und nach Schweden fahren. Also habe ich mir alles durchgerechnet, auch den Fall, dass er den Kredit nicht zurückzahlen würde und es schließlich gemacht. Er zahlt ihn bislang zurück, aber ich kenne ihn gut genug, um zu wissen, dass es noch Zeiten geben wird, wo er nicht zahlen kann oder will.
                                Schweden war mir wichtiger. Und ich habe es bisher nicht bereut, denn der Besuch bei meinen Verwandten hat mir innerlich einen gewaltigen Schub gegeben, den ich nicht missen möchte.

                                Ich komme mehr und mehr zu mir selbst. Das bedeutet aber auch, dass ich immer autistischer werde, dass ich Verhaltensweisen, die ich lange unterdrückt habe, nicht mehr unterdrücken kann, auch wenn ich mir immer noch bewusst bin, dass z.B. Flattern mit den Händen und laute Selbstgespräche in der Öffentlichkeit nicht gut ankommen. - Die meisten autistischen Verhaltensweisen habe ich unterdrückt, damit mein Sohn sie sich nicht abguckt... aber siehe da, er hat eigene entwickelt. Nun ist es an mir, was ich wieder preisgeben möchte und was nicht. - Mein Partner glaubt oft, ich sei zu faul, wenn ich ihn um Hilfe bitte, aber ich kann nicht alles allein bewerkstelligen. Da er aber möchte, dass ihn jeder für einen guten und hilfsbereiten Menschen hält, nutze ich das für mich ein wenig aus. Dafür muss ich mir dann oft stundenlang anhören lassen, was für ein wundervoller Mensch er doch ist. Nun denn...

                                Im Herbst war ich auf einer Autisten Tagung. Was ich nicht wusste, dass sie hauptsächlich für Menschen war, die mit Autisten zu tun haben und weniger für autistische Menschen selbst. Es waren zwar ein paar wenige Autisten vor Ort, aber zu wenige, als dass ich mit dem einen oder anderen hätte ins Gespräch kommen können.
                                Dafür jede Menge sogenannte Fachleute, von denen ich mich mehr wie einen "Fall" behandelt gefühlt habe, als denn wie einen gleichwertigen Menschen. Es ist nicht schön, wenn über einen geredet und gelacht wird, während man anwesend ist. Das hat mich doch sehr getroffen.
                                Ich meine, wie würden sich die NTs (neurotypische Menschen, nicht Autisten) fühlen, wenn wir Asperger Autisten (da wir die nötige Intelligenz besitzen), den Spieß einfach mal umdrehen und den NTs kleine Filmchen zeigen mit den Worten: "Und hier sehen Sie jetzt den NT, Sie sehen gleich, wer das ist..." - Ich glaube, die NTs würden sich so etwas nicht gefallen lassen, oder? Aber wir, wir müssen uns so etwas gefallen lassen... Finde ich nicht, aber ich bin eben Aspie und nicht in der Lage gewesen das vor Ort angemessen zu kommentieren.

                                Einer stach an diesem Tage heraus, ein Vortrag von einem Asperger Autisten mit ADHS. Damit konnte ich echt was anfangen, der hat seinen Vortrag doch sehr lebendig und anschaulich gestaltet.

                                Mitgenommen habe ich an diesem Tag, dass es erschreckend war, wie wenig die NTs über uns Autisten wissen und wie wenig Akzeptanz und Respekt uns entgegen gebracht wird.
                                In erster Linie bin ich Mensch und genauso möchte ich behandelt werden.
                                Aber jedes Schrecken hat auch sein Gutes. Ich habe gedacht, wenn diese Menschen, die tagtäglich mit Autisten zu tun haben, schon so wenig über Autismus wissen, wie wenig wissen dann erst die Menschen, die gar nichts mit Autisten zu tun haben? Eben noch weniger bis gar nichts. - Diese Erkenntnis hat mir geholfen, meinen Eltern zu verzeihen. Sie haben nichts gewusst und auch wenn nicht-wissen oft nicht vor Strafe schützt, so kann ich heute ihre Bemühungen sehen und anerkennen.

                                Ich habe mir zwei neue Bücher gekauft. Zuerst von Luise Reddemann - Eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt. Dieses Buch gefällt mir super, es ist eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe und immer noch lese, denn es ist kein Buch, was ich mal so eben durchlesen kann, sondern es ist mehr ein Arbeitsbuch und enthält viele neue Erkenntnisse, die durch ausprobieren zustande kommen. So etwas gefällt mir immer, da ich sehr pragmatisch bin. Manches in dem Buch kannte ich bereits, manches diente als Auffrischung und manches war mir völlig neu, aber das Wichtigste an diesem Buch ist, dass es kein Du-musst-Buch ist, sondern ein Du-kannst-Buch. Luise Reddemann vertritt nicht ihre Erfahrungen als die einzig Richtigen, sondern macht Vorschläge aus ihrer Erfahrung heraus. - Kann ich jedem empfehlen, der aus seinen Tiefs raus möchte.

                                Das andere Buch kam erst gestern mit der Post und ist von Dr. Christine Preißmann und heißt: Asperger - Leben in zwei Welten
                                Die Autorin ist selbst Asperger Autistin und lässt auch andere Betroffene zu Wort kommen.
                                Das Leben in zwei Welten ist nämlich, je mehr ich zu mir selbst komme und je autistischer ich werde, mehr und mehr mein Problem.

                                Ich liebe meine eigene, innere Welt. Ich bin gern dort und genieße die Zeit, wie einen immerwährenden Urlaub. Aber ich muss auch in eurer Welt leben, die mir so fremd ist, die mir große Angst macht und die oft so brutal und undurchsichtig ist. Zurzeit ist es für mich sehr schwer, das irgendwie auf die Reihe zu bekommen...

                                Ich denke, dass dieses Buch mir ebenfalls helfen wird.

                                Ansonsten habe ich das Gefühl endlich erwachsen zu werden, 8 Jahre Pubertät (durch das Testosteron verursacht) reichen mir langsam auch. Auch das typisch für Autisten... oft verzögerter Pubertätseintritt, aber dafür dauert sie dann auch länger.

                                Condor

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