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Mein Leben als Autist

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    #76
    Zitat von just me Beitrag anzeigen
    das verstehe ich jetzt nicht.
    müsste nicht der, der einteilt auf diese vorurteile stossen?
    er müsste schon, aber nur wenn die die sich einteilen lassen,
    dagegen wehren.
    aber warum wehren wir uns gegen seine einteilung?
    es ist doch nur "seine" einteilung....

    wenn wir uns, um bei dem beispiel bibiliothek zu bleiben, an unterschiedlichen plätzen
    wiederfinden, dann kann es uns doch egal sein, wohin uns condor platziert? oder nicht?
    wir wissen dass wir an mehreren orten sind und condor findet uns da wieder
    wo er uns einsortiert hat

    Kommentar


      #77
      Zitat von Condor Beitrag anzeigen
      @Shepherd
      Da muss ich nachfragen, meinst du deinen Satz so nach dem Motto, Condor ist schon so unsympathisch, da kommt es auf diese drei Dinge auch nicht mehr an oder meinst du damit, Condor ist eigentlich ganz nett und diese drei Dinge schaden ihm auch nicht, weil das vielleicht gar nicht so schlechte Eigenschaften sind.

      Bitte nicht so zweideutig schreiben, da weiß ich nie, was gemeint ist.
      Sorry, aber ich bin anscheinend manchmal etwas kompliziert.

      "Als Querulant, Sonderling und Einzelkämpfer wirst du (mir) noch sympatischer, als du es ohnehin schon bist" - das wollte ich ausdrücken.

      Ich kann mir vorstellen, dass die Kommunikation zwischen dir und und "uns" (NT´s) für dich nicht einfach ist. Vielleicht ist sie in gewissen Punkten und Ansichten sogar unmöglich, weil jeder - der Autist und der NT - auf ihrem Standpunkt beharren ?

      Nur, vielleicht tröstet es dich, wenn ich dir sage, dass selbst die NT´s sehr oft große Schwierigkeiten haben, einander unter sich zu verstehen. Sie sprechen zwar die gleiche Sprache, sie meinen auch oft dasselbe und doch gibt es sehr oft gravierende Missverständnisse ... weil ihre Wahrnehmung verschieden ist und nicht einer genauso so reflektiert wie der andere.

      Nobody´s perfect


      @ Chaja

      Im Prinzip hast du recht, nur mag ich sie nicht "alle". Es hängt davon ab, aus welchem "Lager" sie kommen und welche Ansichten sie wie vertreten, bzw. leben.
      Zuletzt geändert von Shepherd; 06.03.2012, 20:48.

      Kommentar


        #78
        @just me
        Zitat von just me Beitrag anzeigen
        man kann natürlich durchaus versuchen, menschen "logisch" einzuordnen, aber ich befürchte, dass dein system ziemlich schnell an ihre grenzen stösst.
        Du versuchst mich mit deinen Massstäben zu beurteilen, das wird nicht funktionieren, glaub mir einfach, es geht nicht, es wird dich immer enttäuschen. Ich denke anders, nicht weil ich das so will, sondern weil es in mir drin ist.
        Du kennst mein System nicht und weißt nicht, wie groß es ist, weil du daran denkst, wie du es machen würdest, wenn du ich wärst. Aber du bist nicht ich.
        Ich wüsste nicht, an welche Grenzen ich stoßen könnte.

        Zitat von just me Beitrag anzeigen
        noch ein wort zu den von dir angesprochenen vorurteilen autisten gegenüber. ich für meinen teil, habe bisher nur über sie gelesen und fand es interessant hier im forum im direkten austausch mit dir zu stehen. so gesehen, bist du also der erste "autist", mit dem ich in (mehr oder weniger) direktem kontakt stehe ....... woher sollten dann irgendwelche vorurteile kommen?
        Die Menschen verurteilen meistens aus Angst und Angst haben sie vor dem, was sie nicht kennen.
        Warum schreibst du Autist in Anführungszeichen?

        -------------

        Mit den Komplimenten ist das so eine Sache. Gerade hier im Internet. Man bedankt sich dafür, also schreib ich jetzt mal Danke.

        Im Grunde sind mir Komplimente fremd und unangenehm, denn an Komplimente sind meistens Erwartungen geknüpft und ich war noch nie gut darin anderer Leute Erwartungen zu erfüllen.

        Meistens enttäusche ich die Menschen.

        --------------

        Motorische Defizite sind bei Autisten nicht die Regel, kommen aber häufig vor. Ich lief erst mit 18 Monaten, mein Sohn erst mit 23 Monaten.
        Damit ihn nicht im Erwachsenenalter das selbe Schicksal treffen würde, wie mich, haben wir ganz viele verschiedene motorische Therapien mit ihm gemacht. Er fand das immer toll. Am meisten hat die Krankengymnastik und die Psychomotorik was gebracht, die Ergotherapie hätten wir uns auch schenken können.

        Mit mir war keiner zur Therapie, meine Eltern dachten, dass sich das von selbst geben würde und dass ich mich nicht genug anstrengen würde.
        Aber so was gibt sich nicht von selbst.
        Ich konnte nie Rollschuh-, Schlittschuh- und Gleitschuhfahren. Skifahren habe ich gar nicht erst versucht. Ich kann nicht auf einem Balken balancieren. Ich falle um, wenn ich auf einem Bein stehe und die Augen dabei zu mache.
        Ich hab Fahrradfahren als 6jähriger gelernt und mit 39 wieder verlernt.
        Ich muss immer auf den Boden schauen, wenn ich gehe, sonst stolper ich und hinfallen ist bei meinen kaputten Knien nicht ratsam.
        Sport war nicht mein Lieblingsfach, schon gar nicht auf dem Gymnasium, wo meine lieben Mitschüler nur auf mich warteten, um mich mit Bällen abzuschießen.
        Ich kann zwar schwimmen, so grade eben, aber das wars auch schon. Ich bin stolz auf meinen Sohn, denn er macht Sport trotz seiner Defizite gern und im Schwimmen ist er einer der Besten (und dass, obwohl er mal panische Angst vorm Wasser hatte).
        Ich kann nicht auf Barhockern sitzen, ich komm da nicht rauf und wenn ich es doch mal schaffe, dann habe ich panische Angst, runter zu fallen.
        Ich kann über keinen Kasten springen, Stufenbarren hat mir eine Heidenangst eingejagt, aber das Schlimmste von allem war das Trampolin, grauenhaft.
        Mein Sohn dagegen liebt es Trampolin zu springen, der kann gar nicht damit aufhören.

        Also nicht jeder Autist hat motorische Störungen, es gibt auch eine Menge, die super reiten und andere Sportarten machen können.

        Vielleicht kommt das bei mir daher, dass ich beidhändig veranlagt bin. Ich kann sowohl mit rechts, als auch mit links lesbar schreiben, obwohl ich das meiste mit rechts mache. Man sagte mir mal, dass dem Körper dann die Mitte fehle und der Mensch nicht richtig auspendeln könne, also eben schlecht Gleichgewicht halten kann.

        Ich fahre Heute wieder Rad, ein dreirädriges Liegerad, auch Trike genannt. Damit kann ich nicht umfallen.

        Condor

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          #79
          Hallo Condor,

          irgendwie finde ich es zu vereinfachend, die Welt nur in Autisten und in NTs einzuteilen.
          Es gibt zwischen einzelnen „NT“s bestimmt genauso große unterschiede wie zwischen einem NT und einem Autisten (genauso wie es auch unter Autisten wohl erhebliche Unterschiede gibt).

          ich fühle mich auch oft als außenseiter, fühle mich nicht zur breiten masse gehörend.

          motorische störungen sind soviel ich weiß nicht typisch für asperger-autismus.


          lg naranja

          Kommentar


            #80
            Hallo Condor,

            ich lese nun schon eine Weile mit und finde es sehr informativ und auch spannend was du schreibst.

            Eine Frage habe ich an dich. Ich las vor einiger Zeit einmal irgendwo das Autismus auch "erwerbbar" ist, also nicht zwingend bei Geburt vorliegen muss. Es kann auch durch eine große Hirnverletzung geschehen. Ist das richtig?

            Was mich noch bewegt. Kennst du außerhalb deines Familienumfeldes andere Autisten? Wo liegen für dich die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede. Kannst du pauschal sagen mit Autisten kommst du besser zurecht als mit NT*s?

            Spannend finde ich das mit deiner beidhändigkeit. Ich bin Linkshänderin wurde als Kind aber umgestellt auf die rechte Hand. D.h. ich schreibe nun mit rechts, mache aber viele Dinge mit links. Wenn ich etwas neu erlerne bevorzuge ich die linke Hand. Ich kann auch mit beiden Händen schreiben, mit der rechten schneller, mit der linken schöner. Und ich habe auch gewisse Unsicherheiten bei mir festgestellt was das Gleichgewicht angeht. Möglich das also an dieser Theorie was dran ist.

            Grüssle
            Nordhimmel

            Kommentar


              #81
              Zitat von Condor Beitrag anzeigen
              Du versuchst mich mit deinen Massstäben zu beurteilen, das wird nicht funktionieren, glaub mir einfach, es geht nicht, es wird dich immer enttäuschen. Ich denke anders, nicht weil ich das so will, sondern weil es in mir drin ist.
              Wenn Menschen (vielleicht auch nur NTs) nicht auch Spaß daran haben könnten, sich in andere Lebens- und Erlebniswelten hineinzudenken und zu fühlen, würde sicher niemand einen Mittelalter-Roman oder eine Fantasy-Geschichte lesen. Ich schreibe die Dinger sogar und meine Ausflüge in das Leben völlig anders tickender Menschen machen mir sehr viel Spaß ...

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                #82
                Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
                Ich bin Linkshänderin wurde als Kind aber umgestellt auf die rechte Hand. D.h. ich schreibe nun mit rechts, mache aber viele Dinge mit links. Wenn ich etwas neu erlerne bevorzuge ich die linke Hand. Ich kann auch mit beiden Händen schreiben, mit der rechten schneller, mit der linken schöner. Und ich habe auch gewisse Unsicherheiten bei mir festgestellt was das Gleichgewicht angeht. Möglich das also an dieser Theorie was dran ist.
                Ein bisschen OT
                Deine Gleichgewichtsunsicherheiten können verschiedene Ursachen haben.

                Eine davon wäre die Konsequenz aus der Umschulung. Bei "Einhändern" wird idR eine Hirnhälfe weitaus stärker beansprucht als die andere.
                Bei umgeschulten "Einhändern" wird zu der ursprünglich führenden Hirnhälfte nun auch die zweite (zum Handeln) beansprucht, während die erste unter Umständen ihre Hilfsfunktion einstellt oder zurückschraubt.
                Bei "Beidhändern" werden ergo beide Hirnhälften gleichermaßen (oder unterschiedlich stark, je nach Beanspruchungsfrequenz) aktiv.
                Wenn sich die Aktivitäten beider Hirnhälften "überschneiden", sind leichte bis schwere Störungen, wie z.B. Gleichgewichtsprobleme möglich, sogar relativ häufig. Wenn ein Beidhänder zudem noch eine Gleitsichtbrille trägt, wird er in Punkto Orientierung und Gleichgewichtskallibrierung noch zusätzlich gefordert, weil sein Hirn ( in diesem Fall beide Hälften) auch noch den dauernd wechselnden Fokus der Augen inklusive die visuelle Wahrnehmung (mit)verarbeiten muss, was wiederum das Orientierungsvermögen und besonders das Gleichgewicht betrifft.

                Echt schwere Probleme der psychomotorischen Art wurden besonders bei solchen Menschen festgestellt, die als Linkshänder begannen, dann umgeschult wurden und später (meist auch noch während der Pubertät, wenn der Mensch ohnehin seelisch fast schon überfordert ist) wieder "rückgeschult" wurden. Bei vielen wurden nicht nur psychomotorische, sondern ebenfalls die Persönlichkeit betreffende "Schäden" festgestellt - u.a. depressive Schübe, leichter Realitätsverlust u.ä.
                OT Ende

                lG
                Zuletzt geändert von Shepherd; 07.03.2012, 08:15. Grund: Fehler

                Kommentar


                  #83
                  Also über Linkshängigkeit, Umschulung und Rückschulung kann ich auch was sagen. Nachdem Condor die "Beidhändigkeit" angesprochen hat ist es ja auch nicht so off-topic.
                  Ich bin Linkshänderin, wurde in der Grundschule damals umgeschult und schule mich jetzt wieder zurück.
                  Ich bin offen für die Dinge die da kommen und sich entwickeln - und es geht mir sehr gut. Jetzt muss ich nicht mehr dauernd überlegen, welcher Weg ansteht, sondern ich fange an ein Gefühl für "meinen" Weg zu haben.
                  Aber darüber steht in speziellen Foren genaueres und auch ausführlicher.

                  Grüße

                  Kommentar


                    #84
                    Hallo,

                    @naranja
                    Zitat von naranja Beitrag anzeigen
                    irgendwie finde ich es zu vereinfachend, die Welt nur in Autisten und in NTs einzuteilen.
                    Es gibt zwischen einzelnen „NT“s bestimmt genauso große unterschiede wie zwischen einem NT und einem Autisten (genauso wie es auch unter Autisten wohl erhebliche Unterschiede gibt).
                    Ich verstehe nicht, warum du geschrieben hast, was du geschrieben hast. Ich für meinen Teil habe diesen Bereich genug erläutert und gehe nun darauf nicht mehr ein.

                    Zitat von naranja Beitrag anzeigen
                    motorische störungen sind soviel ich weiß nicht typisch für asperger-autismus
                    Du musst nicht wiederholen, was ich schon geschrieben habe.
                    Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                    Motorische Defizite sind bei Autisten nicht die Regel, kommen aber häufig vor.
                    Ich habe dazu jetzt kein Buch zur Hand, weil das eine liest meine Mutter und das andere die Klassenlehrerin meines Sohnes, aber meine Erfahrungen sind dementsprechend, was ich schrieb.

                    @Tintenweberin
                    Ich verstehe den Zusammenhang zwischen meinem Geschreibsel und deiner Antwort nicht.

                    @Nordhimmel
                    Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
                    Eine Frage habe ich an dich. Ich las vor einiger Zeit einmal irgendwo das Autismus auch "erwerbbar" ist, also nicht zwingend bei Geburt vorliegen muss. Es kann auch durch eine große Hirnverletzung geschehen. Ist das richtig?
                    Das weiß ich nicht. Denkbar wäre in Kombination mit einer geistigen Einschränkung.
                    Ich kenne bisher nur die Vererbung von Autismus. Das muss nicht direkt sein, kann auch eine Generation überspringen.
                    Die meisten Menschen wissen nichts davon, ob sie autistische Züge haben oder gar Asperger Autisten sind. Die meisten Menschen schieben ihre Eigenarten auf Charakterzüge, die sie eben haben.
                    Ich denke, nur wer schwere Probleme mit seinen "Charakterzügen" hat oder ein autistisches Kind bekommt, beginnt vielleicht mal nachzudenken. Aber das muss auch nicht, meine Eltern haben beide autistische Züge und nur meine Mutter beginnt mit über 70 langsam mal mit dem Denken. Für meinen Vater existiert das alles gar nicht so, das ist ihm, so glaub ich, zu anstrengend, über so was jetzt noch nachzudenken.

                    Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
                    Was mich noch bewegt. Kennst du außerhalb deines Familienumfeldes andere Autisten? Wo liegen für dich die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede. Kannst du pauschal sagen mit Autisten kommst du besser zurecht als mit NT*s?
                    Ja, kenne ich, sowohl Kanner Autisten mit geistiger Behinderung, mit High Function und Aspies.
                    Das ist zuviel mit den Unterschieden und Gemeinsamkeiten, da musst du vielleicht selbst mal ein bisschen googlen und die erkennbaren Unterschiede und Gemeinsamkeiten gegeneinander stellen. So im real life ist das sehr schwer.
                    Selbst Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen mir und meinen Sohn zu erkennen und festzustellen, ist schwierig.

                    Autisten unterscheiden sich im Speziellen voneinander und sind gemeinsam Autisten im Allgemeinen, aber das wird dir jetzt kaum helfen, denk ich mal.

                    Ich kannte mal eine junge Aspiefrau, der hast du auf den ersten Moment, wenn du sie so gesehen und vor allem hast sprechen hören, nicht geglaubt, dass sie Aspie war. Sie sprach in Zeitlupe und machte einen ersten Eindruck, als sei sie schwer geistig behindert. Aber, sie war hochintelligent. Sie hat es nur nicht gezeigt.

                    Mädchen/Frauen sind viel schwieriger als Autisten zu erkennen, als Jungs/Männer.
                    Mädchen können viel mehr Andersartigkeit kompensieren und vor anderen verbergen. Ein schüchternes Mädchen fällt nicht auf, ein in sich gekehrter Junge schon.
                    Deswegen ist die Zahl der Jungs bei Autisten so viel höher, als bei Mädchen. Inzwischen vermutet man aber noch ganz viele autistische Mädchen, aber die zu finden ist in unserer Gesellschaftsform sehr schwer.

                    Mit anderen Aspies komme ich definitiv besser zurecht, als mit den meisten NTs.
                    Das kommt, so denke ich, vor allem daher, dass das Grundverstehen das selbe ist. Ich brauche mich bei anderen Aspies kaum oder gar nicht erklären. Was ich sage, wird sofort verstanden. Ich muss auch keine Angst haben, anderen Aspies mit dem, was ich sage oder schreibe, auf die Füße zu treten, denn Aspies sind gerade heraus und Ehrlichkeit von sich selbst gewöhnt, da gibt es kaum Missverständnisse.
                    Aspies sind nicht so auf Äußerlichkeiten, wie Mimik und Gestik fixiert, wie das bei den meisten NTs der Fall ist. So ist eine Konversation viel leichter, weil in meine Gestik, Mimik und Körpersprache nichts hinein interpretiert wird.
                    Und beim Schreiben ist das auch so. Was ich schreibe, wird so gelesen, wie es dort steht. Da wird nichts hineininterpretiert.
                    Interpretationen sind eh meistens falsch und das nervt mich sehr an NTs.

                    ---------

                    Zum Schreiben, ich bin ursprünglich Rechtshänder. Dass ich mit links auch schreiben konnte, habe ich zufällig entdeckt und dann ein bisschen selbst gefördert.

                    Condor

                    Kommentar


                      #85
                      Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                      @hobbes
                      Findest du es für dich stimmiger, wenn ich schreibe, dass du natürlich ein Individuum bist, jedoch in der Mehrheit der NTs?
                      Ich bin ja auch nur ein Individuum in der Minderheit der Autisten.

                      Natürlich sehe ich auch, dass ihr Individuen seid, einzigartig, jeder für sich hat eine ganz eigene Biografie, ein ganz eigenes Leben, eigene Erfahrungen und jeder von euch schreibt sein eigenes Buch.
                      Danke, damit fühle ich mich schon gleich viel wohler.

                      Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                      Ich brauch das so, ich muss die Dinge (damit sind Menschen, Tiere, Pflanzen, Gegebenheiten, Erfahrungen usw. gemeint) sortieren, sonst komme ich durcheinander, sonst kann ich nicht funktionieren (leben), sonst werde ich wahnsinnig.
                      Das würde ich gern noch besser verstehen. Heißt das, ohne "Sortierung" wäre es einfach zuviel an Information (oder was auch immer) für Dich? Oder heißt das, die "Sortierung" erleichtert Dir z.B. den Umgang mit anderen? Da kommt jemand auf Dich zu, Du erkennst "ah, ein NTler" und verhälst Dich dann anders (als wenn es z.B. ein anderer Autist wäre)? Oder bedeutet es etwas ganz anderes?

                      Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                      Interpretationen sind eh meistens falsch und das nervt mich sehr an NTs.
                      Das kann ich gut verstehen. Ein Leben ohne Interpretationen wäre sicher einfacher und unkomplizierter. Aber vielleicht auch ein bisschen fad. Ich denke da an Literatur. Wenn ein Satz wie "Ihre Blicke trafen sich" tatsächlich nur genau das heißen würde (= zwei Leute schauen sich an) und sonst nichts - wozu dann noch Romane schreiben (oder lesen)?
                      Wie ist das bei Dir, kannst Du mit (Unterhaltungs)Literatur etwas anfangen?

                      Kommentar


                        #86
                        Hallo hobbes,

                        Zitat von hobbes Beitrag anzeigen
                        Das würde ich gern noch besser verstehen. Heißt das, ohne "Sortierung" wäre es einfach zuviel an Information (oder was auch immer) für Dich? Oder heißt das, die "Sortierung" erleichtert Dir z.B. den Umgang mit anderen? Da kommt jemand auf Dich zu, Du erkennst "ah, ein NTler" und verhälst Dich dann anders (als wenn es z.B. ein anderer Autist wäre)? Oder bedeutet es etwas ganz anderes?
                        Sortieren hilft mir dabei die Flut an Informationen, die ich in dem Moment ja nicht sortieren kann, später zu verarbeiten, zu verstehen und mich daran zu freuen.

                        NTs sortieren ja auch, z.B. sind in einem Wald nicht nur eine Sorte Baum, sondern unterschiedliche Sorten Bäume.

                        Das selbe mache ich mit Menschen, da sehe ich auch keinen Unterschied. Ich kann um einen abgeholzten Baum genauso weinen, wie um einen verstorbenen Menschen (mit einer einzigen Außnahme: mein Sohn, sein Tod vor meinem Tod wäre mein Ende).

                        Da auch ich nicht hellsehen kann und mir somit auch nicht auf den ersten Blick klar ist, um welche Sorte Mensch es sich gerade vor mir handelt, benehme ich mich eigentlich immer gleich. Außer vor Personengruppen, die mir schon immer Angst gemacht haben, da bin ich reservierter.

                        Das klingt jetzt vermutlich hart, aber es ist so, wie bei den verschiedenen Sorten Schokolade, da isst du wahrscheinlich auch nicht alle Sorten, die eine magst du mehr, die andere weniger. So ist es bei mir mit Menschen, die eine Sorte mag ich mehr, die andere weniger.


                        Zitat von hobbes Beitrag anzeigen
                        Ein Leben ohne Interpretationen wäre sicher einfacher und unkomplizierter. Aber vielleicht auch ein bisschen fad. Ich denke da an Literatur. Wenn ein Satz wie "Ihre Blicke trafen sich" tatsächlich nur genau das heißen würde (= zwei Leute schauen sich an) und sonst nichts - wozu dann noch Romane schreiben (oder lesen)?
                        Wie ist das bei Dir, kannst Du mit (Unterhaltungs)Literatur etwas anfangen?
                        Was sollte "Ihre Blicke trafen sich" denn sonst noch bedeuten?

                        Ich würde so einen Satz nie alleine stehen lassen, sondern immer mehr umschreiben.

                        Ich lese Romane eher selten, ich schreibe aber welche.

                        In den letzten Jahren habe ich vor allem psychologische Fachbücher gelesen.

                        Condor

                        Kommentar


                          #87
                          Hallo Condor,

                          Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                          Was sollte "Ihre Blicke trafen sich" denn sonst noch bedeuten?

                          Ich würde so einen Satz nie alleine stehen lassen, sondern immer mehr umschreiben.
                          Du hast natürlich recht, es kommt natürlich auch auf den Kontext an. Wenn da wirklich nur dieser Satz steht, dann wär das tatsächlich nicht viel. Aber wenn vorher ein Mann an der Bar beschrieben wird, dem die Barkeeperin gerade ein kühles Bier reicht, und das "Ihre Blicke trafen sich" sich auf die beiden bezieht - tja, dann habe ich blitzschnell allerlei Interpretationen im Kopf. Von "gleich hüpfen sie miteinander ins Bett" bis zu "jetzt zieht sie die Pistole unter der Theke hervor" könnte das alles Mögliche sein.
                          Es könnte natürlich genauso gut möglich sein, dass es überhaupt nichts zu bedeuten hat. Der Mann stürzt sein Bier hinunter, verschwindet und sieht die Barkeeperin nie wieder.
                          Aber dann wäre der Satz auch nicht notwendig, und ich würde dem Autor vielleicht vorwerfen, dass er unnütze Infos in den Text gepackt hat.

                          Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                          Ich lese Romane eher selten, ich schreibe aber welche.
                          Hättest Du Lust, mal einen Ausschnitt einzustellen?

                          Kommentar


                            #88
                            Hallo hobbes,

                            Zitat von hobbes Beitrag anzeigen
                            Wenn da wirklich nur dieser Satz steht, dann wär das tatsächlich nicht viel. Aber wenn vorher ein Mann an der Bar beschrieben wird, dem die Barkeeperin gerade ein kühles Bier reicht, und das "Ihre Blicke trafen sich" sich auf die beiden bezieht - tja, dann habe ich blitzschnell allerlei Interpretationen im Kopf. Von "gleich hüpfen sie miteinander ins Bett" bis zu "jetzt zieht sie die Pistole unter der Theke hervor" könnte das alles Mögliche sein.
                            Hättest Du Lust, mal einen Ausschnitt einzustellen?
                            So was kommt dir dann in den Kopf?

                            Das hätte ich nie. Bei mir ist das so, dass ich die Bilder wie einen Kinofilm im Kopf habe, so als würde ich am anderen Tisch sitzen und zufällig herüber sehen. Und dann sähe ich, dass sich ihre Blicke trafen. Und Punkt. Ich würde eher in diesen speziellen Augenblick eintauchen, aber mir nie vorstellen, was sie danach tun, es sei denn, dass ich es selbst schreibe.

                            In der Autorenbranche wird ohne Ende geklaut, somit musst du warten, bis ich ein Buch fertig habe, so in den nächsten 20 bis 30 Jahren.

                            -------------

                            Interpretationen... habe ich sehr viel gehabt, als ich noch mit der Borderline-Persönlichkeit befreundet war. Er/sie hat alles interpretiert, immer negativ. Irgendwann habe ich es ihm/ihr wohl nachgemacht. Aber können tu ich das nicht gut. Und wollen tu ich es schon gar nicht.

                            Wenn ich etwas interpretiere, dann sind es nur die Geschichten in meinem Kopf, die ich den ganzen Tag durchspiele.

                            --------------

                            Zu den motorischen Defiziten ist mir noch was eingefallen, denn sie beziehen sich bei mir nicht nur auf den Sport oder das Gleichgewicht.

                            Ich erlebe sie jeden Tag, wenn mir ziemlich oft etwas runter fällt, wenn ich die Kindersicherung an einem Putzmittel nicht aufbekomme oder wenn ich gerade nach einer Schere suche, um sämtliche andere Verpackungen auf zu bekommen. Das nervt jeden Tag aufs Neue!

                            Condor

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                              #89
                              Hallo Condor,

                              Zitat von Condor Beitrag anzeigen
                              @naranja

                              Ich verstehe nicht, warum du geschrieben hast, was du geschrieben hast. Ich für meinen Teil habe diesen Bereich genug erläutert und gehe nun darauf nicht mehr ein.
                              sorry, wenn ich überflüssiges geschrieben habe
                              ich hatte einfach das gefühl, in irgendeine schublade gesteckt zu werden, und das wollte ich nicht! deshalb habe ich mich erstmal zurück gezogen.

                              wenn es für dich hilfreich ist, die menschen einzuteilen akzeptiere ich das. aber ich persönlich habe damit schwierigkeiten.

                              lg naranja

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                                #90
                                Zitat von naranja Beitrag anzeigen
                                Hallo Condor,


                                sorry, wenn ich überflüssiges geschrieben habe
                                ich hatte einfach das gefühl, in irgendeine schublade gesteckt zu werden, und das wollte ich nicht! deshalb habe ich mich erstmal zurück gezogen.

                                wenn es für dich hilfreich ist, die menschen einzuteilen akzeptiere ich das. aber ich persönlich habe damit schwierigkeiten.

                                lg naranja
                                Hallo naranja,

                                Warum?

                                Es ist meine Einteilung, die mir hilft, in dieser Welt, die die deine ist, mich zurecht zu finden.

                                Condor

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