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Therapie und Selbsterfahrung

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    #31
    Hallo,

    meine Erfahrungen haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, ein gutes gemeinsames Tempo zu finden.
    Bei einigen Therapeuten ging es mir zu langsam, schien mir v.a. Smalltalk zu sein, bei anderen ging es mir manchmal zu schnell, bei wieder anderen war es möglich ein Tempo zu finden, in dem sich für mein Empfinden genug bewegte.

    Welches Tempo angemessen war, hing aber auch von meiner Tagesform ab. Manchmal war ich auch zu optimistisch und dachte, daß ich stabil genug wäre, um mit etwas umzugehen - nur um dann festzustellen, daß ich doch noch nicht soweit war. Der Therapeut hat natürlich auch eine Tagesform, die Schwankungen unterliegt.

    Dieses Austarieren zwischen Therapeut und Patient ist garnicht so einfach, weil es sich um eine Dynamik handelt. Ich denke, daß da viel Erfahrung, Empathie und genaues Beobachten zu gehört.

    Ich neige zu Ungeduld und Leistungsdenken. Für mich war es eine seltene Erfahrung, daß ein Therapeut nachsichtig damit umgeht, wenn es mal zeitweise nicht "weitergeht".

    Ich fand es gut und hilfreich, zu Beginn, während der Therapie und am Ende klar und gemeinsam zu benennen, was die Ziele sind und zu überprüfen, ob wir zusammen noch auf dem richtigen Weg sind.

    Außerdem hat es mir geholfen, auch auf die Dinge zu achten, die ich schon gut beherrsche, statt nur auf die Defizite.
    Manche Therapeuten waren darin erstaunlich schlecht und hatten ein sehr verzerrtes Bild, weil sie sich - wie ich auch - auf die Defizite konzentrierten. Ich war so auf Defizite fixiert, weil mir immer eingetrichtert worden war, daß Höchstleistungen selbstverstädnlich sind und der Blick immer aufs nächste Ziel zu richten sei. Defizite mußten behoben werden weil sie ein Zeichen von Nichtfunktionieren waren.

    Ich bin der Auffassung, daß Vertrauen wichtig ist. Nur wenn ich ausreichend Vertrauen in die Kompetenz eines Therapeuten habe, kann ich mich öffnen und komme an bestimmte wichtige Aspekte heran. Aber ich muß meinen Therapeuten dafür nicht mögen.

    Das Geschlecht von Therapeutin oder Therapeut ist für mich unwichtig, aber ich kann verstehen, daß das nicht jedem so geht.

    Ich habe auch schon grenzüberschreitendes Verhalten von Ärzten, Krankengymnasten oder Psychotherapeuten (sowohl von Männern als auch von Frauen und sowohl seelisch als auch körperlich) erlebt. Menschen in solchen Berufen sind genauso fehlbar wie andere Menschen auch. Leider befinden sich ihre Patienten in einer besonders verwundbaren Lage. Deswegen müssen die Ausübenden solcher Berufe m.e. ihre Position sehr bewußt und selbstreflektiert ausüben, um Schaden weitgehend zu vermeiden (ganz wird das nie gelingen können). Ich gehe hier jetzt nicht ins Detail, aber es sollte selbstverständlich sein, daß die Rechte und Würde von Patienten gewahrt werden. Umgekehrt sollten Patienten keine Wunder erwarten.

    Liebe Grüße,
    Freundin der Weisheit

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      #32
      Ich bin beeindruckt von der Entwicklung, die dieser Faden genommen hat. Anfangs dachte ich noch, er müsse gehütet und (im schlimmsten Fall mit Klauen und Zähnen) vor großen Füßen in schweren Stiefeln geschützt werden. Inzwischen habe ich jedoch den Eindruck, dass er selbst auf sich aufpassen und die richtigen Leute zum Austausch ihrer Erfahrungen und Gedanken einladen kann.

      Ich bin überzeugt davon, dass dieser offene, mitfühlende Austausch viel dazu beiträgt, alte Wunden zu heilen, die durch Unachtsamkeit, Inkompetenz (im schlimmsten Fall) böse Absicht verursacht (oder verschlimmert) wurden. Die Resilienzforscher sind sich darüber einig, dass Menschen ziemlich schreckliche Dinge relativ unbeschadet überstehen können, wenn sie damit nicht allein sind. Wenn sie jedoch mit ihren Erfahrungen allein sind und bleiben, kann jedoch aus einem Schock oder einer Verletzung ein Trauma werden, das auch dann noch weiter wirkt, wenn eigentlich schon alles "vorbei und vergessen" ist. Doch selbst dieses Trauma kann seinen Biss verlieren, wenn das ursprüngliche Entsetzen nicht länger verdrängt und verschwiegen werden muss sondern mit mitfühlenden geduldigen Menschen geteilt werden kann.

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        #33
        Zitat von DasSchaf Beitrag anzeigen
        wobei ich mich manchmal ertappe und dann denke, es könnte der selbe Therpeut gewesen sein ... so was gibt es doch nicht nochmal. Oder doch ?

        Doch, solche Therapeuten gibt es, leider. Sie sind zum Glück nicht die Mehrheit. Und das Entsetzen, auch die Angst, daß einem sowieso keiner glauben würde, kenne ich auch. "Die" sind so renommiert und man selbst kriegt sein Leben nicht auf die Reihe, sonst wäre man ja nicht bei dem gelandet... das sind so Gedanken, die einen dann knebeln.


        Ich hab viele Therapien "durch" und fast ausnahmslos (bis auf eine) habe ich alle so durchlaufen, daß keiner "alles" von mir erfuhr. Weiß nicht, ob das an der Art der Erkrankung (bei dem Wort an sich kräuselt sich mir schon das Fell, ich finde, daß Dissoziationen im Grund genommen eine extrem effektive Überlebensstrategie sind, auch wenn sie später zur Last werden) lag, aber damit bin ich halt gut gefahren.

        Meine Therapien waren sehr unterschiedlich, zum Teil psychoanalytisch orientiert, vor allem in den Anfangsjahren (damals gab es m.W. in Deutschland nur eine psychoanalytisch arbeitende Klinik in Stuttgart-Sonnenberg, wie's heute aussieht weiß ich nicht). Ich fand nicht alle Therapien hilfreich, manche schlichtweg bescheuert (ein Therapeut z.B. riet einer Mitpatientin, weibliche Tätigkeiten wie stricken zu lernen, weil sie als Lesbe ein positiveres Frauenbild entwickeln sollte - sexistischer Idiot in meinen Augen). Manches auch grenzwertig - den Ansatz, ALLES auf die Psyche zu schieben, fand ich nie so gut, weil "ganzheitlich" bedeutet, daß auch der Körper Auslöser von Symptomen wie Schwindel sein kann - so'n Spruch: "Wem schwindelt, der schwindelt" kann da schon ganz schön folgenreich sein (ich hatte eine Zeit lang epileptische Anfälle bis hin zu Grand mals - heute weiß ich, daß die Ursache dafür in der Psyche lag, aber in der akuten Situation hat mir die Erkenntnis nix genützt, Krampfanfälle sind Krampfanfälle und haben doch ziemlich massive Folgen).

        Wie auch immer. Ziemlich zu Beginn meiner "Therapiekarriere" also ein 10-monatiger Klinikaufenthalt, dort bekam ich analytische Einzeltherapie, Psychodrama, Körpertherapie war ich nicht gewachsen, also Storno, Kunsttherapie, Sporttherapie. Mir hat diese Zeit viel gebracht, war auch eher ungewöhnlich, daß jemand so lang in der Klinik bleiben durfte, üblich waren 3 - 6 Monate. Aber kein Wunder, ich war "Heimstrukturen" ja gewöhnt und fand mich dort sehr schnell in diesem institutionalisierten Lebensumfeld zurecht. Ich fühlte mich behütet, geschützt, wahrgenommen - und natürlich war ich hier und da auch renitent, wenn es um die Einhaltung von Regeln ging.

        Ich dachte, daß damit das Ding "abgeschlossen" wäre. Und als ich entlassen war, fiel ich in ein fast bodenloses Loch. Da war ich nicht die einzige, mit ein paar Mitpatient/innen hatte ich später noch Kontakt, zwei von ihnen haben sich das Leben genommen. Und ich war dann entsetzt, weil ich dachte, alles wäre umsonst gewesen. Das, was vorher so vage belastet hatte, schien nun bloßgelegt, aber schutzlos, die Strategien, mit so offen liegenden Wunden klarzukommen, fehlten mir noch.

        Ein Eindruck, den ich auch später mit/durch andere Therapien hatte. Ich bekam von der Kasse scheinbar unbegrenzt Therapien bewilligt, erst weiter Analyse, dann analytisch orientierte Gesprächstherapien, schließlich (obwohl ich erst nicht wollte, weil ich "Dressur" befürchtete) Verhaltenstherapien. Überwiegend hatte ich gute bis sehr gute Therapeut/innen, ein bis zwei Vollpfosten waren dabei (einer hatte Gespräche abgerechnet, obwohl ich ihn nach 3 Vorgesprächen abgelehnt hatte. Flog natürlich auf, als ich einen anderen Therapieplatz beantragt hatte und die Kasse ablehnte mit der Begründung, ich wäre doch schon in Behandlung). Unmittelbar "gewirkt" hat fast keine Therapie, jedenfalls nicht in der Form, wie ich mir das gewünscht hatte. Und ich dachte, ich wäre therapie-resistent. Therapie-Unwilligkeit warf mir einer der letzten vor, bevor er mich rausschmiß, der war richtig grantig auf mich. Heute lache ich drüber, dieser eitle Gockel fand mich zu Beginn so spannend, der meinte, ich wäre so eine interessante Patientin mit meiner Hochbegabung. Und dann sitzt so 'ne Patientin in der Praxis, lernt grad, Menschen gern zu haben und benimmt sich wie'n Teenager, wenn er zum ersten Mal verschossen ist - ich war zu der Zeit ständig in neue Frauen verknallt und hab mich entsprechend "doof" benommen. War nix mit seiner "besonderen" Patientinnen

        Unabhängig von den Therapien hab ich mein Leben trotzdem weitergeführt, nach außen relativ erfolgreich, ich hatte verschiedene Stellen, manche nicht so gut, in anderen "erfolgreich", parallel dazu dann eben die "Therapiewelt". Und dann viele Jahre gar nix mehr, wo es mir unterschiedlich gut oder weniger gut ging. Innerlich hab ich sozusagen diese "Psychowelt" verlassen, die hing mir zum Hals raus, ist schon eine eigene Welt mit eigenen Dynamiken, die an der Realität manchmal ganz schön vorbeischlendert, fand ich. War auch gut so. In der Zeit merkte ich dann, daß manches, was ich in Therapien erreichen wollte, einfach von selbst plötzlich "da war", vielleicht weil ich losgelassen habe. Vieles, auch heute noch viele Jahre später, macht plötzlich "Klick" im Kopf und paßt auf einmal. Das finde ich gut, immer mehr habe ich das Gefühl, daß die Therapien doch nicht für'n Huf waren, mir was gebracht haben - nicht gleich, aber insgesamt doch. Und so ein "Gesamtgefühl" auch: selbst die Therapeuten, die ich bis heute als nicht gut bezeichnen würde, haben mich weitergebracht. Und sei es darin, daß ich ihnen gegenüber NEIN sagen konnte. Vielleicht nicht das angestrebte Therapieziel, aber sehr nützlich.

        Ungefähr vor 12 Jahren habe ich zum letzten Mal Therapiegespräche in Anspruch genommen, nicht offiziell beantragt, sondern in einem Frauentherapiezentrum bei einer der fähigsten Traumatherapeutinnen, denen ich je begegnet bin. Ich hatte dieses Zentrum eigentlich anläßlich eines Jubiläums, über das ich für ein Magazin berichten sollte, kennengelernt und vorsichtig angefragt, ob es möglich wäre, dort einige Stunden zur Beratung zu kommen. Das war ein Glücksfall für mich. Es war so um die Zeit, als ich auch meinem jetzigen Mann begegnet bin - eine schwierige Zeit. Mein damaliger Arbeitgeber war auf dem Weg in die Insolvenz, meine Großmutter war gestorben, was zur Folge hatte, daß ich wg. Erbschaftsangelegenheiten polizeilich gesucht und gefunden wurde, meine Brüder waren damit plötzlich wieder präsent in meinem Leben, da hatte ich den Kontakt rd. 20 Jahre durch ebenso viele Umzüge vermieden, solche Dinge eben. Als ich mich in meinen jetzigen Mann verliebte, brach dann auch noch mein soziales Netz buchstäblich zusammen, Lesben können ziemlich brutal sein, wenn eine der ihren zum "Feind" überläuft.

        Naja, also in der Zeit war ich dann bei dieser Traumatherapeutin. Und zum ersten Mal in meinem Leben - mit Ende 30 - habe ich jemandem gestanden, daß ich dissoziiert hatte, was mit mir los war. Und daß ich nicht versprechen könnte, daß ich immer "dabei" bleibe, mein ganzes Leben hatte ich immer irgendwie "Spuren verwischt", wenn's mir zu brisant wurde. Ich sagte ihr, daß sie sich von mir nicht hinter's Licht führen lassen solle, weil es mir so sehr in Fleisch und Blut übergegangen ist, Therapeuten sozusagen "beschäftigt" zu halten mit irgendwelchen Nebenschauplätzen, wenn mir etwas zu nah kommt, daß sie u.U. gar nicht mitkriegt, woran ich gerade wirklich arbeite. Und sie verstand, war nicht schockiert, im Gegenteil, sie konnte mir Dinge erklären, die ich bis dahin selbst nicht verstanden hatte. Zum Beispiel diese epileptischen Anfälle, die mich von Jugend an immer wieder umgeschmissen hatten, auf den EEGs immer zu sehen, zeitweise hatte ich dagegen Tabletten geschluckt - plötzlich war nix mehr davon zu sehen, die EEGs plötzlich sauber, als wäre alles weggeblasen. Ich dachte, ich spinne. Sie konnte mir erklären, daß das bei DIS gelegentlich vorkommen kann, nichts mit hirnorganischen Schäden zu tun hatte.

        Wir haben ungefähr 1 Jahr lang zusammen gearbeitet, im Grund genommen sehe ich diese Zeit sozusagen als "abschließendes Sortieren und Aufräumen". Dafür bin ich dankbar. Diese Frau war auch dabei, als ich mit den Vertretern des Kinderdorf-Vereins nach 30 Jahren zusammentraf, um über das, was passiert ist, zu sprechen. Alleine hätte ich das nicht durchgestanden, sie war da und hat mir kleine "Tricks" gezeigt, die ich anwenden konnte, wenn mir etwas zu viel wurde (z.B. sich selbst bissl in den Finger kneifen, damit man sich spürt, nicht "abdriftet" - ganz pragmatische, kleine Tricks eben).

        Ist nicht so, daß ich heute problemlos durch's Leben ginge, wär ja auch bissl viel verlangt bei meiner Biografie. Aber es ist nicht mehr so dauerpräsentes Hauptthema wie früher. Vielleicht so, wie wenn man als Kind unter'm LKW gelandet ist und das nur knapp überlebt hat. Folgeschäden sind da, werden vielleicht auch immer wieder mal hier, mal da weh tun oder Krankengymnastik erforderlich machen, ist halt so. Aber mein Haupt-Lebensinhalt ist das alles schon lange nicht mehr, meine Lebensschwerpunkte sind halt einfach - tja. Im Leben, in der Beziehung mit meinem Mann, in verschiedenen Interessen, den Hunden und lauter solchen Dingen.

        Wird hier vielleicht anders wirken, logisch - hier ist ein Raum, in dem ich mit "Restschäden" rumhantieren kann. Aber das Wesentliche hab ich durch Therapien, mit Therapeuten "abgearbeitet", und im Rückblick bin ich dankbar, daß ich dazu immer wieder die Möglichkeit hatte.

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          #34
          Ich komme aus einer sehr behüteten Kindheit, und in meiner Jugend musste ich nicht den mehr oder weniger bissigen Stadtratten, sondern der Wachsamkeit ländlicher Nachbarinnen entkommen. Meine "Überlebenskämpfe" fanden alle im "Sandkasten" statt und manchmal frage ich mich, wie ich (als Lehrerin an einer Schule für Erziehungshilfe oder als Therapeutin) einen Menschen unterstützen kann, der seine Kindheit in einem seelischen Kriegsgebiet verbracht hat.

          Einer meiner Schüler hat mir viele Jahre später erzählt, dass es sehr hilfreich für ihn war, einem Menschen zu begegnen, der sich für ihn (und nicht für seine Störungen) interessiert hat. Er hat mir viele Geschichten aus seinem Leben erzählt und ich habe ihm - wie zum Tausch - Geschichten aus meinem Leben erzählt. Diese Geschichten waren die Basis für eine neue Geschichte, die er für sich selbst erfunden und zum größten Teil auch wahr gemacht hat.

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            #35
            Zitat von Tintenweberin Beitrag anzeigen
            ...und manchmal frage ich mich, wie ich (als Lehrerin an einer Schule für Erziehungshilfe oder als Therapeutin) einen Menschen unterstützen kann, der seine Kindheit in einem seelischen Kriegsgebiet verbracht hat.

            Genau so, Tintenweberin. Durch Erzählen.

            Oft ging es mir so, als ich anfing zu erzählen, was mir passiert ist, daß die Leute um mich herum so stumm wurden. Sie wußten nicht, was sie sagen sollten, waren ungläubig oder betroffen oder unangenehm berührt. Und dann war eine Stimmung wie im Krankenzimmer, fürchterlich.

            Diejenigen, die mir von sich erzählt haben, von ihrer Welt, von ihren Erlebnissen, von "Normalität", die waren mir immer am wertvollsten. Weil: ich wußte am Anfang nicht, ob das, was ich aus Büchern kannte, wirklich existiert. Es war so gut zu hören, von richtigen Menschen, daß es sowas wie Familie, wie Beständigkeit, wie Zuneigung und all sowas wirklich gibt. Das ist so wichtig gewesen, ist es immer noch. Man braucht doch etwas, wo man sich hinwenden kann, wo man sich gerne hinwenden will. Daß man glauben kann, daß es das wirklich gibt.

            Und der Tauschgedanke gefällt mir sehr gut. Weil man dann nicht mehr das "Fürsorgeobjekt" ist, sondern eher so daß man auch was geben kann und dafür was zurück bekommt. Als "Spendenempfänger", als der ich aufgewachsen bin, ist mir das sehr wichtig. Es ist so ein gutes Gefühl, wenn man nützlich sein kann.

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              #36
              Zitat von Tellerrand Beitrag anzeigen
              Und der Tauschgedanke gefällt mir sehr gut. Weil man dann nicht mehr das "Fürsorgeobjekt" ist, sondern eher so daß man auch was geben kann und dafür was zurück bekommt. Als "Spendenempfänger", als der ich aufgewachsen bin, ist mir das sehr wichtig. Es ist so ein gutes Gefühl, wenn man nützlich sein kann.
              Nicht nur "nützlich" sondern hilfreich. Wenn ich aus meiner "normalen" Welt heraus zum ersten Mal höre, was ein Mensch einem anderen (den der vielleicht sogar schützen sollte) zumuten kann, dann verstumme ich auch. Aber nachdem mich dieser Junge (und nach ihm noch einige andere) mit ihren Geschichten beschenkt hatten, war ich nicht mehr sprachlos und konnte meinem Gegenüber helfen, die Goldkrümel im Misthaufen seiner Geschichte zu finden. Vielleicht sollten die Klienten darauf achten, ihre Therapeuten (möglicherweise erst zum Nutzen ihrer Nachfolger) gut zu trainieren ...

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                #37
                *lach* - ich sehe grad so ein großes Lagerfeuer auf einer Lichtung vor mir, um das eine Menge Therapeuten und Klienten sitzen und sich Geschichten erzählen und Lieder und Tänze vortragen. Ich glaub, der Gedanke gefällt mir.

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                  #38
                  Zitat von Tellerrand Beitrag anzeigen
                  Ich glaub, der Gedanke gefällt mir.
                  Mir auch ...

                  Und irgendwann weiß keiner mehr, wer denn nun eigentlich wen therapieren sollte ...

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                    #39
                    Liebe Tellerand,

                    dein Weg, deine Geschichte, deine Therapieerfahrungen machen Mut. Ich bin eben auch an einem Punkt angelangt, an dem ich irgendwie keinen "Bock" mehr habe. Eben vor einem Monat meine Therapie geschmissen.

                    Bei mir ist das immer so, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass jemand freiwillig Kontakt zu mir hat ... Therapie weil die Therapeuten Geld verdienen wollen ? Ich bringe die Leute im rela life dazu, freiwillig den Kontakt zu mir zu kappen und wenn nicht, beende ich eben den Kontakt.

                    Dumm ? Ja, vielleicht.

                    Darf ich dich fragen, ob du jetzt eigentlich gesund bist ? Gesund im Sinne, funktionsfähig in verschiedenen Bereichen ? Beruf, Familie, Mann oder Frau ... also ein Leben hast, dass dich zufriedenstellt ?

                    In der Klinik hatte ich eine Zimmerkollegin, die hatte auch Krampfanfälle und ich habe mich oft erschrocken ... und manche Ärzte waren nicht gerade einfühlsam ....
                    bei mir sind die Dissos anders ... ich hab Stuporzustände und kann mcih manchmal nicht bewegen ... ohne umzufallen ... oder ich bin weggedriftet und plötzlich befinde ich mich irgendwo und weiß nicht, wie ich da hingekommen bin ...

                    Was die Psyche doch so bewerkstelligen kann. Nicht ?

                    es grüßt, das Schaf

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                      #40
                      Ja, liebe Das Schaf, es ist bemerkenswert, wozu die Psyche imstande ist. Was für eine unbändige Kraft sie hat, ne?

                      Ja, mein Leben ist reich, stabil und fühlt sich gut an. "Nicht perfekt, aber ziemlich gut" ist einer meiner Lieblingssprüche, ich finde der trifft's ziemlich gut.

                      Heute ist so ein Tag (eigentlich Nacht), wo ich nicht so richtig zur Ruhe komme, ich höre Musik und versuche den Tag "auslaufen" zu lassen. Im Workshop "mußte" ich meine Biografie erzählen, mir ist aufgefallen, daß ich noch immer kaum darüber sprechen kann, ich mache das normalerweise in Schriftform. Wie auch immer, war also aufwühlend.

                      Wenn ich höre oder lese, wie manche denken, man würde bei bestimmten Verletzungen für den "Rest des Lebens" leiden, werd ich oft grantig, es klingt so unumstößlich wie ein ins Gehirn gemeißeltes Gesetz.

                      Es ist nicht wahr. Es wird vermutlich nie so unbefangen, unbelastet, völlig frei von schweren Momenten sein, denke ich. Aber wenn ich 30 Jahre zurückschaue - da gab's nur Angst, Haß und so viel Schwere, daß ich mich manchmal fühlte wie in Sirup gegossen, so mühsam war jede Bewegung. Das scheint so unendlich weit weg. Was sind da schon gelegentliche Einbrüche? Sie erinnern mich daran, wer ich bin, wie ich geworden bin. Und ich leb heute gerne.

                      Was du schreibst - das Gefühl, endlich mal raus aus diesen Therapien - wie oft ich es leid war! Kennst du, ne?

                      Manchmal denk ich zurück an einen der ersten, bis heute für mich wichtigsten Menschen, der zwar auch Psychologie (und alles mögliche sonstnoch) studiert hatte, für mich aber als Seelsorger regelmäßig da war, ein Jesuitenpater. Er war einfach da, hat mit mir geredet und diskutiert, was mir eben grad so anstand. Einmal zeigte er mir eine tätowierte Nummer auf seinem Unterarm, die hat man ihm als jungem Mann im KZ verpaßt. Er hat mir erzählt, wie es dazu kam und er war so ruhig und gelöst dabei.

                      Hat mir die Kraft gegeben, weiterzumachen, wenn ich dachte ich kann und will nicht mehr. Bestimmt hat er auch seine schwarzen Momente, aber wenn man ihn erlebt, ihn sieht - er ist jetzt schon sehr alt - erlebt man einfach einen Menschen, der andere Menschen liebt.

                      Weil du dir nicht vorstellen kannst, daß jemand mit dir Kontakt haben möchte: ich glaube, ich verstehe. Früher konnte man mich nicht berühren, nicht mal die Hand geben, ich dachte dann merkt man wie eklig ich bin. Man kann sich davon frei machen. Daran glaube ich nicht, ich weiß es.

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                        #41
                        Liebe Tellerrand,

                        Ja, mein Leben ist reich, stabil und fühlt sich gut an. "Nicht perfekt, aber ziemlich gut" ist einer meiner Lieblingssprüche, ich finde der trifft's ziemlich gut.
                        .
                        Wenn ich in Depressionen versinke, lese ich auch darüber. Nur darüber findet man meist nichts positves geschweige denn Beispiele, dass man da wieder herauskommt. Dabei ist es so wichtig zu wissen, dass es wieder besser werden kann. Und solche positiven geschichten braucht es für Leute, die tief drin stecken. Davon bin ich überzeugt

                        Heute ist so ein Tag (eigentlich Nacht), wo ich nicht so richtig zur Ruhe komme, ich höre Musik und versuche den Tag "auslaufen" zu lassen. Im Workshop "mußte" ich meine Biografie erzählen, mir ist aufgefallen, daß ich noch immer kaum darüber sprechen kann, ich mache das normalerweise in Schriftform. Wie auch immer, war also aufwühlend
                        Vielleicht liegt es ja an dem Workshop ... es ging ums schreiben, nicht ? Schreiben fällt auch mir leichter als reden ... so bin ich ein ziemlich stummer stockfisch
                        Deine Texte hier im Forum waren zum Teil wirklich schön .... lass dich nicht verunsichern, von Menschen, die wissen wie man schreibt und meinen deine Gedanken und Phantasien wären schlecht ... das sind sie nicht ... aber lerne von denen, die Erfahrungen vom Schreiben haben. Ich bin mir sicher, du kannst da viel mitnehmen, ohne dich zu sehr entblösen zu müssen. Du hast Talent ... ehrlich.

                        Wenn ich höre oder lese, wie manche denken, man würde bei bestimmten Verletzungen für den "Rest des Lebens" leiden, werd ich oft grantig, es klingt so unumstößlich wie ein ins Gehirn gemeißeltes Gesetz.
                        Na ja, ehrlich knappere ich immer noch ein bisschen an der Therapie von dem sexbesessenen Analytiker .... liegt aber vielleicht daran, dass ich nie darüber gesprochen habe. Ist ja auch ein bißchen beschämend.

                        Manchmal denk ich zurück an einen der ersten, bis heute für mich wichtigsten Menschen, der zwar auch Psychologie (und alles mögliche sonstnoch) studiert hatte, für mich aber als Seelsorger regelmäßig da war, ein Jesuitenpater. Er war einfach da, hat mit mir geredet und diskutiert, was mir eben grad so anstand. Einmal zeigte er mir eine tätowierte Nummer auf seinem Unterarm, die hat man ihm als jungem Mann im KZ verpaßt. Er hat mir erzählt, wie es dazu kam und er war so ruhig und gelöst dabei.
                        Ja, krass. Da denke ich auch, was die Menschen erleben mussten. Waren jeden Tag in einem KZ Gefahr ausgesetzt, lebensbedrohlich ... was mussten die Opfer erdulden, ertragen.

                        Weil du dir nicht vorstellen kannst, daß jemand mit dir Kontakt haben möchte: ich glaube, ich verstehe. Früher konnte man mich nicht berühren, nicht mal die Hand geben, ich dachte dann merkt man wie eklig ich bin. Man kann sich davon frei machen. Daran glaube ich nicht, ich weiß es.
                        Danke dir ... es ist glaub ich ein tiefes Problem ... dazu kommt, dass ich zu der Borderline-Diagnose noch narzistische Anteile habe und ich mich deshalb als den totalen Unmenschen betrachte ... wer will schon Kontakt zu einem manipulativen Narzissten und Borderliner ?
                        Bin Eremit .... und das ist für mich und andere gut so

                        Liebe Tellerrand,

                        lass dich nicht verunsichern hier ... man kann sicherlich wieder ein lebendiges Forum daraus machen und wenn alle an einem Strang ziehen, gelingt das vielleicht auch wieder ... daran glaube ich

                        Möchte mich auch engangieren .... mir fehlt nur manchmal die Kraft .... aber bemühen tu ich mich

                        Liebe Grüße, das Schaf

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