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Konfliktscheu?

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    #16
    Hallo Ihr Lieben,

    ein interessantes Thema hast Du da angeschnitten, liebe A*star. Das Wort "konfliktscheu" ist allerdings eines, das ich - wie ich eben feststelle - nie verwende. Es unterstellt ja, dass jemand sich um einen Konflikt herumdrückt. Aber ist denn immer so klar, ob überhaupt ein Konflikt gegeben ist?

    Ich nehme sehr oft wahr, dass es einerseits Menschen gibt, die aus allem und jedem einen Konflikt basteln können, und andererseits solche, die aus meiner Sicht von Konflikten umgeben sind und selbst keine wahrnehmen. Aber man kann wohl schwerlich jemandem vorwerfen, einen Konflikt zu meiden, den er überhaupt nicht als solchen wahrnimmt.

    Deswegen würde ich "Konfliktscheu" nur mit echter Angst vor einem Konflikt, den man selbst als solchen sieht, verstehen. Und Angst kann wiederum sehr unterschiedliche Gründe haben.

    Ich persönlich kann mich in fast allem dem anschließen, was Lib+2 bereits geschrieben hat. Bisher konnte ich mich Konflikten immer stellen, aber ich suche sie nicht. Spaß habe ich daran nicht, denn dem Kämpfen kann ich generell nichts abgewinnen. Ich tue es nur, wenn es sein muss. Aber mir geht es damit wie mit Sport: Es ist für mich persönlich ein Kraftaufwand, aus dem ich selbst im Verhältis zum Einsatz viel zu wenig Gewinn ziehe. Ich weiß, dass es vielen Menschen anders geht, dass sie aus dem Sport Kraft ziehen, daran Freude und Spaß haben etc.. Aber zu denen gehöre ich nunmal nicht.

    Zitat von Lib+2 Beitrag anzeigen
    Vielleicht spielen so generelle Wesensarten da schon auch eine Rolle...
    Ich denke schon, dass das viel ausmacht. Und dass der familiäre Hintergrund und das, was man dort erfahren durfte, eine große Rolle spielen. Mein Mann z.B. kann das "Kämpfen" in gewissen Bereichen durchaus genießen, sei es in beruflichen Debatten oder auch bei Gesellschaftsspielen. Dann wird es für ihn interessant und erst so richtig lebendig. Er kommt aus einer Familie, in der viel spaßhaft debattiert wurde, man sich viel gegenseitig aufzieht, sich im Spaß Dinge vorwirft und den anderen mit nichte ernstgemeinten Argumenten zum Spaß in die Enge treibt.

    Für mich ist das Kämpfen eher stressig. In meiner Familie ging immer alles sehr ruhig und friedlich zu. Wenn es zu Konflikten kam, waren die immer ernstgemeint, wurden dann ausgetragen und endeten in irgendeiner Form der Versöhnung oder Einigung.

    Bei meinem Mann habe ich den Eindruck, dass es ihn stresst, wenn es zu harmonisch zugeht. Er erträgt auch idylllische Geschichten und Filme nicht, denn auf ihn wirkt Harmonie/Idylle immer irgendwie unecht, wie etwas Normal-Konflikthaltiges, das mit Idylle übertüncht wurde. Meine Erfahrung ist aber, dass das Normale das Harmonische ist, und der Konflikt sich störend darüberlegt. (Mit Harmonie meine ich hier natürlich unbedingt ECHTE Harmonie, keine gespielte, wie es sie ebenfalls in vielen Familien gibt).

    Mit alledem will ich einfach nur sagen: Vielleicht hängt es einfach von unseren prägenden Erfahrungen ab, ob für uns das Konflikthaltige oder das Harmonische der Grundton des Lebens ist. Entsprechend unterschiedlich werden wir eine Abweichung davon empfinden: Für den Konflikt-Typ muss es entsprechend mehr "Konfliktscheue" geben, die alle zu sehr auf "Kuschelkurs" sind, sich unerträglicherweise mit "Samthandschuhen" anfassen und einen auf "Friede, Freude, Eierkuchen" machen. Für den Harmonietyp wird es dafür mehr "Harmonieunfähige" geben, die nervigerweise aus allem einen Konflikt machen, gleich größere Geschosse auffahren und einen damit zu einer unnötigen Kraftvergeudung zwingen.

    Liebe Grüße,
    Chaja

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      #17
      Zitat von A*star Beitrag anzeigen
      Aber nichts desto trotz habe ich den Eindruck, dass unsere Gesellschaft in dieser Hinsicht immer ängstlicher wird, und an allen Ecken und Enden tunlichst daran gearbeitet wird, Konflikte zu vermeiden.

      Geht es Euch genauso? Und wie geht ihr damit um?
      den eindruck kann ich nicht bestätigen.
      es gibt sehr viel aggressivität. wenn auch manchmal nur versteckt.
      gerade mit dieser umzugehen finde ich auch oft schwierig.

      konflikte gehören zum leben, sie lassen sich nicht vermeiden. entscheidend ist jedoch wie wir mit ihnen umgehen.
      Eine sachliche meinungsverschiedenheit darf bestehen, muss aber nicht in einem streit enden.

      der umgang mit konflikten ist leider meist destruktiv, entweder sie werden unter den teppich gekehrt oder emotional ausagiert, mit der folge, dass der konflikt sich verschärft.

      Ein konstruktiver umgang mit konflikten wird meiner meinung nach jedoch zu wenig praktiziert.

      Zitat von A*star Beitrag anzeigen
      Es gehört zum guten Ton, "gewaltfrei" zu kommunizieren.
      Es ist üblich, Worte auf die berühmte "Goldwaage" zu legen und Schuldzuweisungen zu verteilen, und dann die Arme hochzureißen nach dem Motto "ich war´s nicht" und auf den anderen zu schielen. Oder die Probleme auszuschweigen.

      Überall wird "weichgespült".
      wer schuldzuweisungen verteilt schürt aber gerade den konflikt.

      Warum können wir heutzutage keine Wortgefechte mehr aushalten? Warum ist es nicht ok, zu schimpfen und zu meckern, wenn einem danach ist?
      hilft das denn weiter?
      ich finde es wichtig, dass unstimmigkeiten benannt werden, bedürfnisse ausgesprochen werden. aber ohne abwertung oder beschuldigung des anderen, denn das führt nur dazu, dass er zurück schießt.

      den konflikt zu verleugnen und harmonie vorspielen scheint der einfache weg zu sein, löst den konflikt jedoch nicht.

      die ursache für den konflikt (bzw. unsere emotionale reaktion) liegt jedoch nicht im anderen, sondern in uns selbst. sich damit auseinanderzusetzen ist eben unbequem.

      Kommentar


        #18
        Ich finde nicht, dass die Ursache in uns selbst liegt.
        Sie liegt im Interesse an der Gesellschaft, am anderen, am Umfeld.

        Wenn mir Dinge auffallen, die ich nicht in Ordnung finde, spreche ich sie an. Wie willst du in einer Gesellschaft und/oder einer Gruppierung etwas verändern, wenn du es nicht ansprichst?
        Für mich ist es nicht machbar, Sachen einfach laufen zu lassen, weil ich mir keine Schwierigkeiten einhandeln will.
        Dabei denke ich gar nicht an Streit.

        Ich kann z.B. in der Kindererziehung nicht die Augen verschließen vor dem, was meine Kinder anstellen. Das führt automatisch zum Konflikt, aber nicht undedingt zum Streit.
        Es gibt für mich zumindest übergeordnete Werte, die ich nicht einfach "den Bach runter gehen lassen möchte", weil ich lieber meine Ruhe habe.

        Wenn ich allerdings merke, dass Hopfen und Malz verloren ist, weil der/die anderen mich einfach nicht verstehen, dann stürze ich mich auch nicht in einen Konflikt und eine nutzlose Auseinandersetzung, sondern ziehe meine Konsequenzen.

        Kommentar


          #19
          Ich denke auch, dass es an den verschiedenen Persönlichkeiten liegt, wie mit Konflikten umgegangen wird.

          Ich spreche Dinge an, die mir unangenehm auffallen und möchte dann eine Erklärung. Wenn es die nicht gibt, frage ich nach, das mache ich sogar mehrmals. Wenn die Erklärung schlüssig ist, ist alles okay, wenn nicht, kann ich weiterbohren, wenn es mir wichtig ist. Und ja, das kann auch mal Streit geben, aber dagegen habe ich nichts, das klärt die Situation.
          Wenn ich im Unrecht war, gebe ich das zu und entschuldige ich mich.

          Ich habe für mich das Gefühl, ich werde hier im Forum gar nicht oft wahrgenommen, und oft schreibe ich auch gar nichts mehr zu einem Thema, weil ich nicht so gerne lange "Aufsätze" schreibe, sondern mich bemühe, alles klar und deutlich und kurz zu formulieren. Deshalb denke ich oft, ich bin hier falsch, weil es die meisten doch ganz anders handhaben


          Und weil einige Menschen gar nicht gelernt haben, mit Konflikten umzugehen, können sie sich auch nicht entschuldigen. Das ist mir schon ziemlich oft begegnet, dass jemand sich dann lieber gar nicht mehr meldet statt einmal zu sagen: es tut mir leid.

          Mit dem letzten Absatz spreche ich nicht vom Forum - nicht falsch verstehen bitte
          Zuletzt geändert von Anke56; 22.04.2012, 07:27. Grund: letzten Satz ergänzt

          Kommentar


            #20
            Zitat von Mensch Beitrag anzeigen
            ...
            Ich kann z.B. in der Kindererziehung nicht die Augen verschließen vor dem, was meine Kinder anstellen. Das führt automatisch zum Konflikt, aber nicht undedingt zum Streit.
            Was ist für Dich der Unterschied zwischen Konflikt und Streit?

            Kommentar


              #21
              Zitat von MissPig Beitrag anzeigen
              Und ich bin, ehrlich gesagt, auch schon fast ein wenig verzweifelt, wenn ich regelmäßig "Kuscheln" und "weichgespült" lese, wenn ich irgendwie versuche, Konflikte auf eine Art und Weise anzusprechen, die die Chancen erhöht, daß sie gelöst werden.

              Einen Konflikt einfach so richtig explosiv auszutragen, da gehört meines Erachtens überhaupt nicht viel dazu. Ein bißchen Emotion zur rechten Zeit, möglichst nicht nachdenken, sondern schnell und unreflektiert reagieren, und zack, schon schüren wir den Konflikt bis zur dramatischsten Explosion.
              Danke für diesen Beitrag, MissPig.

              Unreflektiertes Zähnefletschen, Knurren und im Zweifelsfall zubeißen. Das ist ein Erbe aus der Zeit, in der wir uns noch nicht sehr von unseren fellbedeckten Verwandten unterschieden haben. Mit dieser Methode haben wir in 6000 Jahren Zivilisationsgeschichte (falls wir das sumerische Uruk als älteste Stadt gelten lassen) gefühlte 100.000 Kriege (zwei davon immerhin weltumspannend) angezettelt, diverse Arten ausgelöscht und große Teile der Erde (für anspruchsvollere Spezies) unbewohnbar gemacht. Angesichts dieser Bilanz könnten wir doch - wenigstens spaßeshalber - versuchen, unser Konfliktlösungsverhalten zu ändern.

              Kommentar


                #22
                Zitat von Mensch Beitrag anzeigen
                Es gibt für mich zumindest übergeordnete Werte, die ich nicht einfach "den Bach runter gehen lassen möchte", weil ich lieber meine Ruhe habe.
                Es geht mir ganz genauso. Und es zweifelt wohl keiner daran, dass es gut und richtig ist, sich für Dinge, die einem wichtig sind, einzusetzen.


                Wenn mir Dinge auffallen, die ich nicht in Ordnung finde, spreche ich sie an. Wie willst du in einer Gesellschaft und/oder einer Gruppierung etwas verändern, wenn du es nicht ansprichst?
                Es ging meinen Vorschreiberinnen, glaube ich, nicht um das Ansprechen selbst. Es sind ja offenbar alle der Meinung, dass es wichtig ist, seine Bedürfnisse, Ansichten etc. zu äußern. Entscheidend ist aber , wie naranja schon geschrieben hat, WIE man etwas sagt.

                Zitat von naranja Beitrag anzeigen
                konflikte gehören zum leben, sie lassen sich nicht vermeiden. entscheidend ist jedoch wie wir mit ihnen umgehen.
                Eine sachliche meinungsverschiedenheit darf bestehen, muss aber nicht in einem streit enden.
                Das möchte ich unterstreichen: An dem WIE hängt schließlich, ob Meinungsverschiedenheiten zu größeren Konflikten mit verhärteten Fronten ausarten oder konstruktive Lösungsmöglichkeiten möglich werde.

                Liebe Grüße,
                Chaja

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                  #23
                  Zitat von NLP-Schnecke Beitrag anzeigen
                  Was ist für Dich der Unterschied zwischen Konflikt und Streit?
                  das ist ein interessantes thema, danke!

                  also für mich sinds vorrangig ganz klar folgende dinge:

                  der konflikt (ich siedle das übrigens sowohl auf der äußeren als auch auf der inneren ebene an) ist eine offensichtlich gewordene unterschiedlichkeit (die in verschiedenen bereichen angesiedelt sein kann) ist die URSACHE, der STREIT ist eine folge eines konfliktes und eine der möglichen "austragungsarten". andere mögliche austragungsarten wären ein diskurs, oder eine diskussion, oder auch eine "aussprache".

                  und die einzelnen austragungsarten" unterscheiden sich mMn. durch die unterschiedlichen haltungen und erwartungen,

                  - die ich bezogen auf mein gegenüber einnehme: beim streit ist es wohl eine kämpferische, auf "gewinnen"/ "verlieren" angelegte haltung, ein entweder/oder-standpunkt, bei einer diskussion oder einem disput eher eine "partnerschaftliche", am thema selbst und den einzelnen argumenten ausgerichtete, klärung suchende haltung, also eher eine "sowohl-als-auch"-haltung (was meiner meinung nach in der gegenwärtigen "konfliktkultur" - ziemlich verloren gegangen ist)

                  - die ich an den ausgang der konfliktsituation hege (oder die vielleicht auch von außen vorgegeben ist): muß es eine ausschließliche "lösung" geben, auf die man sich einigen muß, oder sind kompromisse möglich, gehts um klarheit, analyse oder synthese verschiedener beteiligter aspekte, etc. etc.

                  ich finde, daß es meistens dann schwierig wird, wenn menschen einen gemeinsamen, vielleicht noch unklaren konflikt haben, diesen aber (unausgesprochen) mit unterschiedlichen haltungen kommunizieren (oder den eindruck haben, daß ihr gegenüber in derselben haltung wie sie selbst kommuniziert, das jedoch nicht so ist.)

                  oder auch, wenn die thematik des konfliktes und die art der "austragungsart" nicht zusammenpassen. es gibt sachen, die kann man/ muß man mit kompromissen lösen, und andere, wo das nicht möglich ist, weil eben eine klare entscheidung gefällt werden muß und die anderen lösungsmöglichkeiten ausgeschlossen werden müssen.

                  für mich sind alle die genannten austragungsarten nicht von vorne herein negativ oder destruktiv. für mich werden sie erst destruktives streiten, wenn es nicht mehr um die themen geht, sondern sich die menschen dahinter "treffen" wollen und betehende unterschiedliche sichtweisen als richtig/falsche, gut/schlechte "eigenschaften" des anderen zu bewerten beginnen. oder wenn es nicht mehr klar ist, daß der andere in seinem anderssein oder mit seinen anderen ansichten als PERSON außer frage und akzeptiert bleibt.

                  das mag keiner, und ich glaube, daß "konfliktscheu" nichts anderes ist, als eine angst. nicht immer davor, in frage gestellt zu werden, sondern oft eher davor, "mit seinen ansichten als "nicht akzeptabel" festgeschrieben zu werden.

                  übrigens finde ich, daß gfk kein "weichgespülter kuschelkurs" ist, ebensowenig wie eine straighte diskussion ein schlachtfeld mit siegern und unterlegenen, in dem man terrain erkämpft oder verliert, sein muß.

                  je nach dem, ob entweder/oder haltung oder mit einer sowohl-als-auch-haltung, werden beide austragungsarten völlig andere ergebnisse haben



                  liebe grüße erstmal in die runde,
                  die windfrau
                  Zuletzt geändert von windfrau; 22.04.2012, 09:06. Grund: ausdrucksweise klarer gemacht (hoffentlich :-) )

                  Kommentar


                    #24
                    Guten Morgen

                    Ich freue mich über die vielen neuen Beiträge hier und die intensiven Gedanken, die sich jeder Beitragende zu dem Thema gemacht hat!

                    Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
                    Das möchte ich unterstreichen: An dem WIE hängt schließlich, ob Meinungsverschiedenheiten zu größeren Konflikten mit verhärteten Fronten ausarten oder konstruktive Lösungsmöglichkeiten möglich werde.
                    Wobei das WIE ja eben auch davon abhängt, wie die miteinander im Konflikt liegenden Parteien geprägt sind.

                    Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
                    Mit alledem will ich einfach nur sagen: Vielleicht hängt es einfach von unseren prägenden Erfahrungen ab, ob für uns das Konflikthaltige oder das Harmonische der Grundton des Lebens ist. Entsprechend unterschiedlich werden wir eine Abweichung davon empfinden: Für den Konflikt-Typ muss es entsprechend mehr "Konfliktscheue" geben, die alle zu sehr auf "Kuschelkurs" sind, sich unerträglicherweise mit "Samthandschuhen" anfassen und einen auf "Friede, Freude, Eierkuchen" machen. Für den Harmonietyp wird es dafür mehr "Harmonieunfähige" geben, die nervigerweise aus allem einen Konflikt machen, gleich größere Geschosse auffahren und einen damit zu einer unnötigen Kraftvergeudung zwingen.
                    Mein Partner und ich streiten wohl beide gerne und sind in dieser Hinsicht, aus unserem Elternhaus, sehr ähnlich geprägt. Daher darf es bei uns auch ruhig krachen, ohne dass uns das nachhaltig schadet oder verhärtete Fronten zur Folge hat.

                    Aber klar, das ist nicht auf die Allgemeinheit übertragbar.

                    Ich finde, Eure Beiträge zeigen sehr deutlich, dass die Tendenz auch gewollt zu einer, wenn schon nicht konfliktfreien, so doch lösungsorientierten Gesellschaft geht.
                    Und ich finde, unsere unterschiedlichen Herangehensweisen an die Lösungsfindung, sind allesamt akzeptabel.

                    Kritisch wird es dann, wenn die Kluft zwischen den Charakteren sehr groß ist und ein übermächtig erscheinender Streithahn einen klein und still erscheinenden Springmäuschen gegenüber steht. Ist es denn dann "fair" dem Hahn zu sagen, "Dein Verhalten ist falsch, Du mußt doch einsichtig sein, dass die Maus sich klein und verloren fühlt wenn Du sie so angehst?" Ist es nicht genauso an der Maus, zu lernen, sich groß zu machen (sich vor ein Licht zu stellen, so der Hahn statt ihrer einen riesigen Schatten zu sehen bekommt)?

                    Oft wird davon geredet, man solle sich "auf Augenhöhe" begegnen um vernünftig, sachlich, unpersönlich und lösungsorientiert zu kommunizieren. Da frage ich mich allerdings: auf wessen Augenhöhe denn dann? Wir sind nunmal unterschiedlich "groß" und "stark".


                    So weit für den Moment, das was mir heute Morgen zum jetzigen Fortgang des Fadens eingefallen ist. Ich wünsche Euch allen einen schönen Sonntag!

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                      #25
                      Auf Augenhöhe des Schwächeren, sonst versteht er/sie mich ja gar nicht.

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                        #26
                        Da bin ich nochmal ...

                        Zitat von windfrau Beitrag anzeigen
                        ich glaube, daß "konfliktscheu" nichts anderes ist, als eine angst davor, nicht in frage gestellt zu werden, sondern als "mit seinen ansichten als "nicht akzeptabel" festgeschrieben zu werden.
                        Ist da ein "nicht" zu viel: "nicht in Frage gestellt zu werden"?

                        Denn ich glaube auch, dass oft ein Konflikt nicht ausgetragen wird, egal ob per Streit, Diskussion, Aussprache, wie auch immer, weil der beteiligte Mensch genau diese befürchtet: "Ich bin nicht ok, wenn ich den Konflikt zur Sprache bringe" - "und erst recht nicht, wenn ich ihn dann auch noch austrage(n will)."
                        Und genau das ist es, was - meiner Meinung nach - in der Erziehung unserer Kinder, von den Krabbelgruppen angefangen, viel zu häufig falsch läuft.

                        Ich bin OK, so oder so, ganz genau so, wie ich bin! Das gilt es zu lernen, und zu verinnerlichen. Das ist die Stärke und Kraft, von der ich sprechen. Und von diesem Standpunkt aus, und nur von diesem, passiert dann auch wirklich die Begegnung "auf Augenhöhe". Denn wer verinnerlich hat, dass er wirklich ok ist, dem ich auch klar, dass das für jeden anderen genauso gilt!

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                          #27
                          Zitat von A*star Beitrag anzeigen
                          Ist da ein "nicht" zu viel: "nicht in Frage gestellt zu werden"?
                          oh, danke, A*star für dein genaues lesen, das muß ich noch ändern.
                          ein "nicht," zu wenig...

                          sollte sagen: es ist mMn oft angst. manchmal sogar weniger davor, in frage gestellt zu werden, sondern oft eher davor, eingeschachtelt zu werden als "du bist so und so, wenn du das und das vertrittst, und tust das nur, weil..., und das ist unakzeptabel"..

                          was heißt, daß ich genau das meinte, was du weiter schreibst:

                          Denn ich glaube auch, dass oft ein Konflikt nicht ausgetragen wird, egal ob per Streit, Diskussion, Aussprache, wie auch immer, weil der beteiligte Mensch genau diese befürchtet: "Ich bin nicht ok, wenn ich den Konflikt zur Sprache bringe" - "und erst recht nicht, wenn ich ihn dann auch noch austrage(n will)."

                          Und genau das ist es, was - meiner Meinung nach - in der Erziehung unserer Kinder, von den Krabbelgruppen angefangen, viel zu häufig falsch läuft.

                          Ich bin OK, so oder so, ganz genau so, wie ich bin! Das gilt es zu lernen, und zu verinnerlichen. Das ist die Stärke und Kraft, von der ich sprechen. Und von diesem Standpunkt aus, und nur von diesem, passiert dann auch wirklich die Begegnung "auf Augenhöhe". Denn wer verinnerlich hat, dass er wirklich ok ist, dem ich auch klar, dass das für jeden anderen genauso gilt!

                          lg, und jetzt aber!
                          raus ausm forum rein in den tag... momentan ist es wieder sehr belebt und spannend hier...


                          liebe grüße, die windige

                          Kommentar


                            #28
                            Zitat von A*star Beitrag anzeigen
                            Kritisch wird es dann, wenn die Kluft zwischen den Charakteren sehr groß ist und ein übermächtig erscheinender Streithahn einen klein und still erscheinenden Springmäuschen gegenüber steht. Ist es denn dann "fair" dem Hahn zu sagen, "Dein Verhalten ist falsch, Du mußt doch einsichtig sein, dass die Maus sich klein und verloren fühlt wenn Du sie so angehst?" Ist es nicht genauso an der Maus, zu lernen, sich groß zu machen (sich vor ein Licht zu stellen, so der Hahn statt ihrer einen riesigen Schatten zu sehen bekommt)?

                            Oft wird davon geredet, man solle sich "auf Augenhöhe" begegnen um vernünftig, sachlich, unpersönlich und lösungsorientiert zu kommunizieren. Da frage ich mich allerdings: auf wessen Augenhöhe denn dann? Wir sind nunmal unterschiedlich "groß" und "stark".
                            oh, , das bild gefällt mir. um darin zu bleiben: der hahn (schreib jetzt extra nicht streithahn...) könnt sich eine feine sandgrube machen und sich niedersetzen, und die maus auf einen baumstumpf hupfen... als ersten schritt... dann kann der wachstums-lernprozeß der maus ja beginnen...

                            aber im ernst jetzt:

                            ich denke, bezogen auf das "kräfteverhältnis jetzt": wenns sinn machen soll, ist es nötig, daß die "maus" meldet, hey, ich seh dich nicht, und daß der hahn die maus dort abholt, wo sie steht... und sich verlangsamt oder zurücknimmt. oder - idealfall - nachfragt.
                            solang die maus angst hat, wird sie nicht gut konfliktlösen können... weil im streß eine total andere reaktionsschiene läuft...

                            andersrum aber: wenn die maus angst hat, obwohl der hahn der maus sagt: ich peck dich nicht, und die maus glaubts ihm nicht, dann wird es nicht am hahn liegen, wenn die maus ihre angst nicht verliert und der konflikt wird nicht durch verkleinerung des hahnes gelöst werden können. da ist der hahn dann plötzlich in der ohnmachtsposition und wird selbst auch konfliktlösungs-unfähig....

                            sprich: neben bemühen um eine gute augenhöhe ist auch eine gewisse (und auch bewußt gewollte aktive) vertrauensbasis (vertrauensvorschuß) nötig. und daß man dem anderen nicht von vorneherein nicht abnimmt, was er über sich selbst mitteilt, weil man glaubt, selbst weiß man das besser als er ...

                            das mit der gleichen augenhöhe ist der idealfall.
                            oft hilft aber schon eine gute fokussierende blickrichtung aufeinander...
                            Zuletzt geändert von windfrau; 22.04.2012, 09:24.

                            Kommentar


                              #29
                              Es ist genau wie in der Schule:
                              Man muss die Schüler dort abholen, wo sie stehen, und ihnen nicht einen Schwall von Wissen überstülpen, mit dem sie nichts anfangen können.

                              Kommentar


                                #30
                                Guten Morgen!

                                Auch ich will heute rasch raus in den Tag, Fahrrad, Frühstück und Freundschaft warten, aber nur kurz eine Ergänzung, die mir gestern abend im Bett kam (denn ja, ich finde es gerade wieder sehr, sehr anregend hier - danke für diese vielen, vielen Anregungen!) Ihr habt es ja selbst jetzt schon angesprochen.

                                Was genau heißt denn "konfliktscheu"?

                                Konflikte an sich entstehen ja, wie die Windfrau auch schon schrieb, ohnehin von selbst, ob wir sie scheuen oder nicht. In meiner GFK-Trainerausbildung wurde Konflikt als eine Situation beschrieben, in der mindestens zwei - einander zunächst einmal zu widersprechen scheinende - Bedürfnisse unerfüllt sind.

                                "Konfliktscheu" bezeichnet meiner Meinung nach die Haltung, diese Konflikte nicht ansprechen zu wollen. Das ist vermutlich oft ein Resultat der wiederholt gemachten Erfahrung (u.U. nicht einmal der eigenen, sondern der von den Eltern vermittelten), daß sich Konflikte nicht lösen lassen, daß das Ansprechen also nichts bringt. Ja daß im Gegenteil das Ansprechen den Konflikt noch schlimmer werden läßt.

                                Und das ist für mich ganz klar ein Ergebnis dessen, daß wir nicht gelernt haben, Konflikte konstruktiv anzusprechen.

                                Ich würde von mir selbst sagen, daß ich früher - also bis vor zwei Jahren, bevor ich mit der GFK begonnen habe - insoferne deutlich konfliktscheuer war, als ich mich viel mehr scheute, offen zu sagen, daß mich etwas stört, ich aber, wenn mir dann der Kragen platzte, hemmungslos in all die zerstörerischen Streit-Instrumente fiel, die die Lösung zunächst einmal erschweren. Ich bin, ganz Muster meines Vaters, cholerisch herumgerumpelt und habe primär einmal munter Porzellan zerschlagen, und, ich gestehe es, bin sogar einmal meinem Mann gegenüber handgreiflich geworden.

                                Kein Wunder, daß ich nicht gerne in Konflikte ging, wenn ich befürchten mußte, am Ende schlage ich mein Gegenüber: Meine Konfliktscheuheit war reiner Schutz meiner Integrität, weil ich für mich selbst in Konflikten nicht garantieren konnte und im Grunde nicht gerne - körperlich oder seelisch - verletze.

                                Heute trage ich deutlich mehr Konflikte aus, allerdings mit anderen Instrumenten. Ich bin für mein Gefühl weniger konfliktscheu, dafür aber der Streit-Instrumente überdrüssig geworden, die nirgends hinführen.

                                Die Bewertung "konfliktscheu" greift also meiner Meinung nach zu kurz, wenn sie Menschen einfach als ein negatives Etikett umgehängt wird. Menschen sind, meiner Meinung nach, nicht "konfliktscheu", sondern sie schützen sich vor unangenehmen Erfahrungen. Und um sie dahin zu bringen, ihre Angst vor dem Austragen von Konflikten loszuwerden, braucht es positive Erfahrungen mit dem Austragen von Konflikten.

                                Und ob offene Agression, Verurteilungen, verletzende Äußerungen o.ä. zu positiven Erfahrungen zählen, wage ich echt zu bezweifeln

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