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Konfliktscheu?

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    Konfliktscheu?

    Aus gegebenen Anlass, frage ich mich, warum "wir" eigentlich heutzutage - je "zivilisierter" desto mehr - so konfliktscheu geworden(?) sind.

    Es gehört zum guten Ton, "gewaltfrei" zu kommunizieren.
    Es ist üblich, Worte auf die berühmte "Goldwaage" zu legen und Schuldzuweisungen zu verteilen, und dann die Arme hochzureißen nach dem Motto "ich war´s nicht" und auf den anderen zu schielen. Oder die Probleme auszuschweigen.

    Warum können wir heutzutage keine Wortgefechte mehr aushalten? Warum ist es nicht ok, zu schimpfen und zu meckern, wenn einem danach ist?

    Überall wird "weichgespült".

    Ich muss gestehen, ich persönlich schätze einen handfesten Streit. Für mich ist das zwischenmenschliche Leben zu wendisch wie das Wetter. Ich kann problemlos mit ein und dem selben Menschen heute Sonnenschein genießen und morgen ein heftiges Gewitter wo es nur so kracht und blitzt aushalten. Natürlich geht das nur, wenn auch die Basis stimmt. Von einem Fremden würde ich mich tendenziell eher nicht so "freudig" anfahren lassen

    Aber nichts desto trotz habe ich den Eindruck, dass unsere Gesellschaft in dieser Hinsicht immer ängstlicher wird, und an allen Ecken und Enden tunlichst daran gearbeitet wird, Konflikte zu vermeiden.

    Geht es Euch genauso? Und wie geht ihr damit um?

    #2
    Ja, diesen Eindruck habe ich auch.

    Viele Menschen sind der Ansicht, dass sie sich nur Schwierigkeiten einhandeln, wenn sie etwas ansprechen, was nicht in Ordnung ist. Sie ziehen sich lieber zurück, legen die Scheuklappen an.

    Leider ist es nämlich oft so, dass nicht derjenige der "Buhmann" ist, der was "angestellt" hat, sondern derjenige, der das öffentlich macht oder anspricht.

    Mich wundert dieses Sich-Zurückziehen in die Privatsphäre nicht, wenn ich sehe, wie bereits in den Grundschulen Kuscheln gepflegt wird. Wo lernen denn die Kinder noch, mit Konflikten umzugehen, sie auszuhalten? Nur keinen Fehler machen, geschweige denn, ihn zugeben. Und wenn's dann wirklich nicht klappt, steht im Zeugnisbericht: Kann einwandfrei im Zahlenraum bis 10 rechnen.
    Dass eigentlich schon bis 20 gerechnet werden müsste, wird verschwiegen.
    Das ist sogar angeordnet; es darf im Bericht nichts Negatives stehen.
    Man will Schaden vom Kind abwenden.
    Nur, das Kind wird auch mal erwachsen. Hat nicht gelernt, wie es sich im Konfliktfall verhalten soll, zieht sich dann logischerweise zurück. Kann nicht mit negativen Erlebnissen umgehen.
    Das sind dann die konfliktscheuen Erwachsenen.

    Ich persönlich finde das ganz schlimm, denn vorwärts kommen wir in unserem eigenen Leben und auch für die Gesellschaft nur dann, wenn Dinge angesprochen werden, die uns negativ auffallen.

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      #3
      Hm,
      ich persönlich hab es schon eher gerne harmonisch und heb mir Konflikte für wirklich wichtige Dinge auf. Mir gehen Auseinandersetzungen an die Substanz und kosten unendlich viel Kraft.

      Vielleicht liegt das bei mir an unserem "modernen" Leben, wo man permanent gefordert wird bis an die Grenzen und darüber hinaus. Ich habe für Auseinandersetzungen oft keine Kraft mehr und frage mich, ob das Ergebnis den Aufwand rechtfertigt. Dann ziehe ich mich in der Tat lieber zurück.

      Außerdem gehört auch das richtige Streitverhalten dazu. Das hat mit Respekt und Augenhöhe zu tun und mit Sachlichkeit.
      Leider wird oft auf der Beziehungsebene gestritten und nicht auf der Sachebene. Ich glaube, das ist auch das, was mich so Kraft kostet.

      Generell kann ich die Beobachtung aber nicht teilen, dass Konfliktscheue zunimmt.

      Im speziellen Fall Internet kommt dazu, dass lediglich Schrift für das Streiten da ist - das ist oft unzureichend, leistet Missverständnissen Vorschub und der große Abstand verleitet, mal richtig Dampf abzulassen. Man sieht denjenigen ja nicht am nächsten Morgen wieder und muss dann mit ihm auskommen...

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        #4
        Danke, dass Ihr Euch zum Thema Gedanken gemacht und sie hier aufgeschrieben habt!
        Zitat von Mensch Beitrag anzeigen
        Wo lernen denn die Kinder noch, mit Konflikten umzugehen, sie auszuhalten?
        Genau das dachte ich im Nachgang meines Themenstarts auch. Ich seh´s noch wie heute: schon in der Krabbelgruppe gingen die Mütter auf die Barrikaden (und sich gegenseitig hart an!), wenn die Krabbelkinder sich an den Haaren zogen oder gegenseitig das Spielzeug "wegnahmen". Da mußte sofort interveniert werden, und das setzte sich dann relativ nahtlos im Kindergarten fort. Erst in der Schule kam dann erstmalig das Thema auf, dass Kinder auch mal etwas "aushalten können müssen" und lernen, mit Konflikten konstruktiv umzugehen. Das scheint allerdings inzwischen auch überholt zu sein.


        Zitat von Lib+2 Beitrag anzeigen
        Mir gehen Auseinandersetzungen an die Substanz und kosten unendlich viel Kraft.
        Ja, das tun sie!

        Aber auch körperliche "Auseinandersetzungen" (nein ich meine keine Hauereien) beim Sport, kosten Kraft, und wir betreiben sie trotzdem, sogar freiwillig und oft mit Vergnügen! Und warum? Weil der vorübergehende Verlust von Kraft, die totale körperliche Verausgabung, das TRAINING, den Körper STÄRKT.


        Um konfliktfähig zu sein bzw. zu werden, muss ich das trainieren, da geht kein Weg dran vorbei. Und wie Mensch schon richtig bemerkt hat, wird das unter Umständen ein schwieriges Unterfangen, wenn ich erst als Erwachsenenalter mühsam erarbeiten kann (und muss) was mir als Kind verwehrt wurde.

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          #5
          Ich bin auch beim Sport ein Verfechter des Miteinander, nicht des gegeneinander und mag generell keine Situationen, in denen es "Gewinner" und "Verlierer" gibt.

          Ich bin Einzelkind, vielleicht fehlt einem da generell eingeübtes Konkurrenzverhalten. Ich kann da gut drauf verzichten.

          Das ist auch nicht, worum es bei einem Streit gehen sollte, finde ich.
          Sondern darum, Differenzen konstruktiv überbrücken zu können.

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            #6
            Zitat von Lib+2 Beitrag anzeigen
            Ich bin auch beim Sport ein Verfechter des Miteinander, nicht des gegeneinander und mag generell keine Situationen, in denen es "Gewinner" und "Verlierer" gibt.
            Dann spielst Du auch keine Gesellschaftsspiele?

            Ich bin Einzelkind, vielleicht fehlt einem da generell eingeübtes Konkurrenzverhalten. Ich kann da gut drauf verzichten.
            Ich bin auch Einzelkind... naja, allerdings hatte ich viele Konflikte mit meinen Eltern

            Das ist auch nicht, worum es bei einem Streit gehen sollte, finde ich.
            Sondern darum, Differenzen konstruktiv überbrücken zu können.
            Das sehe ich genauso, ich meinte damit auch nicht, dass wir (Menschen) mehr miteinander konkurieren sollten (das tun wir beileibe schon genug).

            Wie überbrückst Du Differenzen konstruktiv, Lib+2?

            Nachtrag:
            "Gewinner und Verlierer" gibt es bei einem Streit auch nicht zwingend, selbst wenn es erstmal so scheint, weil man sich am Ende nicht einig geworden ist. Wenn ich in einem Streit meinen Willen (mein Anliegen, meine Meinung, etc.) nicht durchsetzen kann, dann nehme ich doch trotzdem etwas daraus mit, mit dem ich wieder etwas "machen" kann.
            Der Grund, warum ich nicht "durchgekommen" bin kann vielfältig sein. Zum Beispiel paßt mein Ansinnen vielleicht einfach nicht an diesen Ort oder zu diesem Menschen. Oder ich war mir meiner eigenen Sache nicht richtig klar.
            Auch lasse ich mich manchmal vorschnell auf eine Diskussion ein, bei der ich eigentlich wissen müßte, dass ich dabei nur verlieren kann. Darüber kann ich mich dann ärgern, oder es mit Humor nehmen.
            Und so weiter...
            Zuletzt geändert von A*star; 21.04.2012, 19:09. Grund: Nachtrag

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              #7
              [quote]Wie überbrückst Du Differenzen konstruktiv/quote]
              Ich habe nicht behauptet, dass ich das kann...

              Ich glaub, wichtig ist den anderen zu sehen und verstehen zu wollen. Wenn man dann noch ehrlich ist und offen, ist das schon eine gute Ausgangsposition...

              Dann spielst Du auch keine Gesellschaftsspiele?
              Doch tue ich. Sehr gern sogar. Aber wegen des Spiels, nicht wegen gewinnen wollen.

              Gewinnen ist mir dann eher peinlich.

              Und am Ende eines Fußballspiels ist mein Mitgefühl mit dem Verlierer manchmal vordergründiger als die Freude des Gewinners.

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                #8
                Zitat von Lib+2 Beitrag anzeigen
                Ich glaub, wichtig ist den anderen zu sehen und verstehen zu wollen. Wenn man dann noch ehrlich ist und offen, ist das schon eine gute Ausgangsposition...
                Ja, das denke ich auch! Schließt das denn aus, dass es laut und temperamentvoll werden darf? Denn selbst wenn beide offen und ehrlich sind, und sich ernsthaft sehen und verstehen wollen, können die Differenzen groß sein.

                Doch tue ich. Sehr gern sogar. Aber wegen des Spiels, nicht wegen gewinnen wollen.
                Ich spiele nicht gerne Gesellschaftsspiele (auch so ein Kindheitstrauma - naja, anderes Thema). Aber vielleicht streite ich ja einfach gerne - um des Streitens willen, ohne unbedingt gewinnen zu wollen.

                Gewinnen ist mir dann eher peinlich.
                Wenn ich einen Streit "gewinne", möchte ich auch nicht, dass mein Gegenüber "beschämt" zurück bleibt. Ich weiß ja dann, dass er mit der Sache im Grunde noch nicht fertig ist. Insofern ist ein gewonnener Streit auch kein echter Sieg. Ein wirklicher Erfolg kann er mMn erst dann sein, wenn man sich am Ende die Hände schütteln und den Ausgang beiderseits akzeptieren kann.

                Es gibt aber auch Situationen, da wird es mir auch zu heftig, da muss ich mich dann auch rausziehen. Aber wenn es mir wichtig genug ist, greife ich das Thema mit demjenigen dann trotzdem wieder auf, sobald wir beide uns abgekühlt haben.
                Umgekehrt geht es mir genauso, wenn jemand, mit dem ich gerade einen Konflikt habe, weggeht und mich einfach stehen läßt. Ich kann das Thema eine Weile ruhen lassen, aber wenn ich den Eindruck habe, es wieder anrühren zu können, dann tue ich das auch.

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                  #9
                  Bist du generell eher ein extrovertierter Mensch, A*star?
                  Vielleicht spielen so generelle Wesensarten da schon auch eine Rolle...

                  Ich bin jemand, der grundsätzlich sehr viel mit sich selbst ausmacht.

                  A*star: wenn ich den Eindruck habe, es wieder anrühren zu können, dann tue ich das
                  Finde ich gut. Kommt bei mir drauf an, wie wichtig mir Thema und Streitpartner sind und wie groß die Chance, dass ein weiteres Gespräch fruchtbar in irgendeiner Form sein wird.

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                    #10
                    Ich kann mich über bestimmte Dinge fürchterlich aufregen, vor allem wenn es sich um Personen handelt, die in jeder Suppe ein Haar finden, auf Datenschutz in den großen Lebenslagen hinweisen und selbst im Kleinen ganz anders handeln und noch nicht mal was dabei finden.

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                      #11
                      Zitat von Lib+2 Beitrag anzeigen
                      Bist du generell eher ein extrovertierter Mensch, A*star?
                      Ja, ich denke schon, dass ich das bin. Ich ziehe mich genauso auch gerne zurück und bin sehr gerne mit mir alleine.
                      Vielleicht spielen so generelle Wesensarten da schon auch eine Rolle...
                      Das denke ich auch.

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                        #12
                        Zitat von Mensch Beitrag anzeigen
                        Ich kann mich über bestimmte Dinge fürchterlich aufregen, ...
                        Ich finde auch, dass Du nicht gerade konfliktscheu rüberkommst

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                          #13
                          ist man automatisch "konfliktscheu", wenn man es vorzieht, konflikte sachlich und ruhig auszutragen?

                          Zitat von A*star
                          Natürlich geht das nur, wenn auch die Basis stimmt. Von einem Fremden würde ich mich tendenziell eher nicht so "freudig" anfahren lassen
                          die menschen, die mir nahestehen sind sich bestimmt im klaren, dass ich kein mensch bin, der gut damit umgehen kann, angefahren zu werden.

                          ausgetragen werden müssen umstimmigkeiten aber m.e. auf jeden fall. weil ich diese meinung mit grosser überzeugung vertrete und auch mühen dafür in kauf nehme, würde ich mich nicht als konfliktscheu sehen wollen.

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                            #14
                            Zitat von A*star Beitrag anzeigen
                            Ich finde auch, dass Du nicht gerade konfliktscheu rüberkommst
                            Ich weiß.

                            Kommentar


                              #15
                              Zitat von just me Beitrag anzeigen
                              ist man automatisch "konfliktscheu", wenn man es vorzieht, konflikte sachlich und ruhig auszutragen?
                              Danke, liebe just me,

                              für diese Frage, denn genau die stellte ich mir beim Lesen auch. Und ich bin, ehrlich gesagt, auch schon fast ein wenig verzweifelt, wenn ich regelmäßig "Kuscheln" und "weichgespült" lese, wenn ich irgendwie versuche, Konflikte auf eine Art und Weise anzusprechen, die die Chancen erhöht, daß sie gelöst werden.

                              Um beim konkreten Anlaß zu bleiben:

                              Wurde denn in jenem Faden noch irgendjemand, der mit Worten wie "Dünnschiss", "Kasperltheater", "Ihr seid ja alle so ..." um sich warf, noch von denen, die er oder sie meinte, gehört?

                              Meines Erachtens kaum.

                              Ja, wenn einer "Kasperltheater" schrieb, waren u.U. 3 Andere da, die "ja, das finde ich auch" schrieben - aber haben die, denen zugeschrieben wurde, für das Kasperltheater verantwortlich zu sein, noch zugehört und die Kritik auf ihre Richtigkeit geprüft? Oder wurden sie vielleicht doch auch nur immer gereizter und unwilliger, sich mit diesem Wust an Verurteilungen noch auseinanderzusetzen?

                              Ich bin auch ein cholerisches Häferl, ich gehe sehr schnell in die Luft, ich kann hervorragend wolfen. Ich kann tief-ätzend, untergriffig, bösartig, eloquent, sarkastisch, ironisch, zynisch wolfen. Ich kann Menschen genau dort treffen, wo es weh tut, ich kann Punkte einfahren ohne Ende, ich kann den Anderen die alleinige Verantwortung für die beschi..ene Situation zuweisen, weil wenn sie endlich anders wären, wäre alles besser, sie sind nämlich das Problem und sonst gar niemand. Ich kann ein selbstgerechtes, alle Anderen verurteilendes Ar...loch sein.

                              Und das schreibe ich nicht nur so, das ist so - auch wenn man hier in diesem Forum davon (hoffentlich) nicht sooo viel mitkriegt, weil ich mich nämlich nach ungefähr 10 Jahren Forenerfahrung dafür entschieden habe, in meinem Forenleben nicht mein schlechtestes Ich einfach raushängen zu lassen, sondern die Möglichkeiten, die die räumliche und zeitliche Distanz zum Geschriebenen bietet, zu nutzen, um mich zumindest meistens vor dem Schreiben zu fragen: Dient das, was ich gerade schreiben will, dem Frieden oder dem Krieg, dient es der Verständigung, oder erschwert es diese?

                              Einen Konflikt einfach so richtig explosiv auszutragen, da gehört meines Erachtens überhaupt nicht viel dazu. Ein bißchen Emotion zur rechten Zeit, möglichst nicht nachdenken, sondern schnell und unreflektiert reagieren, und zack, schon schüren wir den Konflikt bis zur dramatischsten Explosion.

                              Und?

                              Wie oft hat jemand, dem ich alles, was mir so spontan in den Sinn kam, um die Ohren geknallt habe, in dem Moment, wo ich es ihm um die Ohren knalle, aufrichtig zugehört und wohlwollend geprüft, wo mein berechtigtes Anliegen ist?

                              Das kann ich in bald 43 Jahren an den Fingern einer Hand abzählen, wenn ich überhaupt eine Hand dafür brauche. Konkret erinnere ich mich jetzt an genau 1 x, an meinen Mann, da hat er aus irgendeinem kühlen Grunde meine Verzweiflung hinter meinem emotionalen Herumgebrülle sehen können. Aber sonst?

                              Ja, wir streiten manchmal, und ja, manchmal bedarf es auf unserem derzeitigen Entwicklungsniveau des Streits, damit der Andere wahrnimmt, daß es mir ernst ist - aber zugehört wird zumeist erst nach dem Streit.

                              Ich finde es nicht konfliktsscheu, wenn ich mir überlege, worum es mir eigentlich genau geht. Und wenn ich die Verantwortung für das, was mir wichtig ist, und daß es mir wichtig ist, übernehme. Und wenn ich mir bewußt mache, daß der Andere nicht dafür verantwortlich ist, genauso zu handeln, wie ich mir das wünschen würde. Und wenn ich aus dieser Haltung heraus sage:

                              Ich bin ratlos und ich hätte gerne Klarheit, wem es hier eigentlich genau geht. Wenn ich lese, daß jemand "ich hätte gerne die Gewißheit, hier willkommen zu sein" schreibt, als Antwort "du bist hier willkommen" erhält, und darauf meint "ach laß es, lösch mich einfach", dann bin ich unsicher und wüßte gerne, was dieser Mensch eigentlich ganz konkret gebraucht hätte, damit er das Gefühl hat, hier willkommen zu sein, denn die Worte "du bist hier willkommen" von jener Person waren es offensichtlich nicht. Also wünsche ich mir, daß die Menschen bitte ganz konkrete Bitten formulieren, damit die Anderen genau wissen, was sie tun können, damit sie dann entscheiden können, ob sie das erfüllen wollen oder nicht.

                              Das ist für mich eine lösungsorientierte Herangehensweise an einen Konflikt. Ich benenne hier sehr genau, worum es mir geht, und ich bitte um eine konkrete Handlung, damit ich das bekomme, was ich brauche. Ja, im Idealfall führt das dann dazu, daß ich bekomme, was ich brauche, und dann fühlen sich alle wohl, aber deswegen wäre ein Faden mit konkreten Bitten kein "Wohlfühl" und "Kuschelfaden".

                              Sich gegenseitig Schuldzuweisungen an den Kopf zu schreiben ist in meinen Augen eine sinnlose Herangehensweise an einen Konflikt. Das beweist vielleicht, daß wir es aushalten, wenn einer "du bist ein konfliktscheues Ar..loch" zu uns sagt, nur ist dieses mir Beweisen, daß ich das aushalte, nicht das, was ich anstrebe. Ich strebe eine Lösung an, und zu dieser trägt diese Herangehensweise - meines Erachtens - wenig bis nichts bei.

                              Zur Lösung trägt bei, wenn wir zunächst einmal selbst wissen, worum es uns geht, wenn wir es ausdrücken, wenn der Andere uns zuhört, und wenn wir uns dann auf eine Handlungsweise verständigen. Das Herumfetzen ist Ballast, den ich nicht unbedingt im Leben brauche, wenn ich dasselbe Ziele - daß wir einander mitteilen, was uns wichtig ist - auch ohne erreichen kann.

                              Und, kleiner Nachtrag:

                              In eben jenem Konflikt sind mit ziemlich hoher Sicherheit bei unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Bedürfnisse unerfüllt gewesen. Ich persönlich wünsche mir da auch, daß das akzeptiert wird und nicht als "Harmoniesucht" interpretiert wird, wenn jemand ausdrückt, daß es ihn traurig macht zu sehen, wie hier gerade nur noch kritisiert wird, und daß er jetzt gerade zuallererst einmal lesen möchte, was an diesem Forum gut ist.

                              Warum soll das Bedürfnis, jetzt und hier und sofort und auf der Stelle von einer Person eine Entschuldigung haben zu wollen berechtigter sein als das Bedürfnis, jetzt und hier von 5 Personen hören zu wollen, was sie an dem Forum schätzen? Warum ist das eine das Zeichen eines hehren Charakterzug, und das Andere ein Zeichen von schwächlicher Harmoniesucht? Wer bestimmt das?

                              Da wünsche ich mir Respekt, indem man - auch wenn man das Bedürfnis zu diesem Zeitpunkt nicht teilt oder nicht erfüllen will - es zumindest als gültig stehen läßt, indem man es nicht herabwürdigt.

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