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Sterblichkeit und Tod

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    Sterblichkeit und Tod

    Hallo Zusammen,

    ich würde gerne mit euch über das Tabuthema "Sterblichkeit und Tod" reden.

    Mich fasziniert das Thema aus dem Grund, weil ich mit Angststörungen vertraut bin und ich in meiner Therapie den Zusammenhang zwischen -keiner Angst mehr vor dem Tod- (wenn sowas wirklich geht) und keinen Angststörungen mehr, bearbeitet habe.

    Des Weiteren haben wir uns in dieser Gruppe wirklich mal intensiv über Tod unterhalten und es war einfach toll, die Sache einmal auszusprechen.

    Ich kann sterben, schon morgen...was möchte ich in meinem Leben nach erleben, bevor ich sterbe???
    Sollte ich nicht lieber direkt damit anfangen MEINE Ziele zu erreichen, als sie mir von meinem Chef, von der Gesellschaft vorgeben zu lassen???

    WAs denke ich, was da ist, wenn ich sterbe???

    Wie ist es wenn ich mir die Angst vor den Tod mal anschaue??? Wovor habe ich Ansgst??
    Das ich in der Welt vergessen werde?? Das ich Menschen mit ihrer Trauer alleine lasse???

    Mir haben diese Gespräche sehr geholfen meine wirklichen Ziele zu erkennen und diese auch ins Auge zu fassen (nicht zu sagen..irgendwann mache ich mal das und das..).
    Mir wurde klar, dass ich nur ein Leben habe, das ich mir nicht aus der Hand nehmen lassen darf und ich selber lenken darf...

    und das schöne war, als ich mich ein bißchen daran gewöhnt hatte mein eigenes Leben zu führen (vorher haben ich eher das getan, was andere von mir erwartet haben) hat das sogar angefangen richtig spass zu machen

    #2
    Liebe Ena,

    mir geht es ähnlich Ich habe es hier schon ein paarmal erwähnt, ich hatte vor 1,5 Jahren einen schweren Autounfall, der nur mit einer Riesenportion Glück und mehr als einem Schutzengel für mich ohne einen Kratzer ausging.

    Von einem Moment auf den anderen mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert zu werden, ist hart. Zu realisieren, dass durch einen einzigen Moment, eine kleine Unaufmerksamkeit, sich das ganze Leben verändern kann - oder zuende sein kann. Das hat mich damals richtiggehend schockiert.

    Inzwischen hat sich das gewandelt, zur Freude, hier sein zu dürfen. Zur puren Lebensfreude. Ich habe nach Monaten mit meiner Therapeutin den gesamten Unfallhergang inkl. aller Details, an die ich mich erinnert hab, durchgesprochen.

    Am schlimmsten war für mich der Moment, als ich realisiert hab, dass ich die Kontrolle über mein Auto verloren hatte. Ich konnte da nichts mehr tun - nur warten. Diese tiefe Hoffnungslosigkeit hatte sich tief in mir eingenistet. Und genau den Punkt hab ich dann mithilfe meiner Therapeutin bearbeitet und "erleichtert".

    Seit dem fahr ich anders - langsamer, vorausschauender, und denke für die anderen Verkehrsteilnehmer viel mehr mit... aber das nur am Rande.

    Jedenfalls, ich habe auch begriffen, dass jeder von uns ein "Ablaufdatum" hat. Meine Zeit war damals noch nicht um, und dafür bin ich dankbar. In Wahrheit haben wir überhaupt keinen Einfluss darauf, wann unsere Zeit abläuft. Gar keinen. Wir dürfen da in vollem Vertrauen die Kontrolle, die wir in Wirklichkeit eh nicht haben, abgeben. An Gott, an wen immer. Der weiß schon, was er mit uns tut.

    Darauf zu vertrauen, erleichtert ungemein.

    Und abgesehen davon, macht man sich weniger Sorgen, und lebt viel mehr im Hier und Jetzt. Sicher möchte ich in meinem Leben auch noch einiges erreichen - aber selbst wenn es jetzt unmittelbar zuende sein sollte: Ich habe mir weder etwas vorzuwerfen, noch ungelöste Baustellen die mich belasten, noch etwas, das mir in meinem Leben wirklich schmerzlich fehlt. Für meinen Geschmack - lebe ich, so gut, und so intensiv, wie ich kann - und es fühlt sich genaus so sehr richtig an.

    Sollte es jetzt bald zuende sein, ist es genauso in Ordnung - ich kann es eh nicht ändern, wie wenn ich 100 werde (was ich vorhabe ).

    LG
    Kathi

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      #3
      Guten Morgen, ena,

      hier schreibt Morgenfrau zum Thema.

      Ich glaube, die Angst vor dem eigenen Tod rührt daher, weil wir nicht wissen, was danach kommt. So ähnlich wie Angst vor dem Ungewissen.

      Da habe ich eine Geschichte:

      Zwillinge unterhalten sich in der Gebärmutter (ca. 6. Schwangerschaftsmonat).
      Fragt ein Zwilling den anderen Zwilling:
      "Glaubst Du, ob es ein Leben nach der Geburt gibt?"
      Sagt der andere Zwilling: "Glauben heisst nicht Wissen. Aber ich würde gerne meine Eltern kennen lernen."

      In der Hospizarbeit habe ich für mich gelernt:

      Wenn ich bereit bin zu sterben, geniesse ich jeden Tag meines Lebens intensiv.

      Nachdenkliche Grüße
      Morgenfrau.

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        #4
        Zitat von ena111 Beitrag anzeigen
        ...ich würde gerne mit euch über das Tabuthema "Sterblichkeit und Tod" reden.
        Liebe Ena,

        obwohl mich dieses Thema auch immer interessiert, habe ich gerade zu wenig Zeit (und Lust) meine Gedanken darüber noch einmal aufzuschreiben. Wenn sie dich trotzdem interessieren, dann kannst du sie (neben vielen anderen interessanten Beiträgen dazu) unter dem Titel "Einige Gedanken über Gott, die Welt, das Leben und den Tod" in der Archiv-Box unter "Sonstiges" nachlesen...

        Liebe Grüße
        von der Tintenweberin

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          #5
          Inzwischen hat sich das gewandelt, zur Freude, hier sein zu dürfen. Zur puren Lebensfreude.(Zitat Cinqueterre)

          Soweit bin ich noch nicht, seitdem ich vor 6 Wochen auf dem OP-Tisch fast verblutet und dann im Koma fast gestorben wäre.
          Ich hadere immer noch ein bisschen mit mir, weil ich der Ansicht bin, einen "angenehmen Tod" verpasst zu haben.
          Mein Therapeut sagt allerdings auch, es sei nicht mein Zeitpunkt gewesen, mein Überlebenswille sei zu stark, und ein solch zugegebener Maßen angenehmer Tod sei uns leider meistens nicht vergönnt.
          Wobei ich mit Tod eigentlich das Sterben meine, denn davor habe ich Angst, nicht vor dem Totsein.

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            #6
            Liebe Menschfrau,

            ich glaube schon, dass es einen Unterschied macht, ob man körperlich dran hängt bzw. in Mitleidenschaft gezogen wurde, oder nicht. Vor dem Unfall war ich ausgiebig schwimmen, das heißt mein ganzer Körper war sehr gut aufgewärmt, und das hat mit Sicherheit Schlimmeres verhindert. Ich hatte "nur" eine tiefe und lang andaudernde Verspannung im linken Nackenbereich, eine große Beule auf dem Kopf und einige große blaue Flecken. Wohl auch deshalb ist es mir leichter gefallen, schneller wieder nach vorne zu schauen...

            Das Sterben selbst... ich glaube, es gibt so viel, das wir nicht erahnen können, und die Erfahrung, zu sterben gehört da dazu. Wir können es ohnehin nicht verhindern, aber können es uns - wie vieles - wünschen, wenn es denn soweit ist, dass es schnell geht, bzw. ich möchte ja mit 100 sanft entschlafen...

            Ich habe aufgehört, mir über größere Dinge Gedanken zu machen, die ich ohnehin nicht beeinflussen kann. Dazu gehört zB auch, meinen Herzensmann zu finden - ich weiß, dass da so viele Faktoren, die mir zum Großteil nicht bewusst sind, mitspielen. Meine Theorie, wenn ich mich da zu sehr einmische oder "durchteste", verwässere ich höchstens meine Wahrnehmung. Wenn es so weit ist, wird er vor mir stehen, und ich werde es wissen.

            Detto, wenn meine Lebenszeit um ist. Meine beiden Großväter haben es auch gewusst (sind 2004 und 2007 gestorben), der eine hat sich von mir am Morgen davor im Schlaf verabschiedet (er war 300 km entfernt - ich habe nichts vernommen, außer sein typisches, erfreutes Lachen), der andere hat bewusst eine überlebensnotwendige Operation nicht angetreten und ist mitten in seiner Arbeit (seinem Lebensmittelgeschäft - seinem Lebenswerk), im Kreis seiner Lieben, zusammengebrochen und war tot.

            Darum glaube ich, man weiß es, wenn es kommt, was für mich inkludiert, dafür bereit zu sein (abgesehen von Verkehrsunfällen und tragischen Ereignissen - wenn nicht der Körper geht, sondern "gegangen wird", weil eine Technik versagt, ein Flugzeug abstürzt o.ä.) - wenn man sein Leben gelebt hat, und es für einen genau so auch genau richtig war, man nicht das Gefühl hatte, etwas verpasst zu haben.

            Und bis dahin - mache ich mir keine Gedanken, sondern lasse diesen Platz frei, für die schönen Dinge des Lebens... Heute etwa: In der warmen Herbstsonne auf der Terrasse sitzen, die Schmetterlinge beobachten, die Wärme auf der Haut spüren,...

            Wovon ich mir sehr viel abschauen kann und ich sehr viel lerne, ist die Natur. Mein Nachbar hat Schafe. Diese kommen im Stall auf die Welt und kennen ihr ganzes Leben lang nur den Stall und die Weide. Verbringen ihren Tag mit fressen, laufen, blöken und sich vermehren. Ich glaub, das ist bei uns genauso. Wir haben auch keine Ahnung, was sich außerhalb des Stalls abspielt. Deshalb haben wir Angst. Was aber, wenn es gar keinen Grund zur Angst gibt? Vielleicht gibt es da draußen jemanden, der uns behütet, uns hegt und pflegt, wie der Bauer seine Schafe? Dass man bemüht ist, uns ein schönes, lebenswertes Umfeld zu erreichten und zu erhalten? Der möchte, dass es uns gut geht und wir leben können? Leben dürfen? Ich vertrau einfach drauf, dass dem so ist.

            LG
            Kathi

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              #7
              Ich sagte ja schon, vor dem "außerhalb des Stalls" habe ich keine Angst.
              Angst habe ich vor einem langsamen, qualvollen Sterben mit Schmerzen, körperlichem Unwohlsein, Ersticken, ggf ein unwürdiger Tod im Pflegeheim o.ä.
              Das wäre mir alles erspart geblieben, wenn ich eben einfach in der Vollnarkose oder im Koma hätte gehen können.
              Aber es war halt nicht so, und ich weiß, was mir alle gesagt haben, dass ich eben noch eine Aufgabe vor mir habe, nämlich die, meiner Schwester beim Sterben zu helfen.Sie ist schwer an Krebs erkrankt, und es ist eine Frage der Zeit, bis es soweit ist.
              Ich bin halt irgendwo auch ein bisschen feige, und mein Hirn sagt mir, dass ich mich ganz gerne schmerzlos vom Acker gemacht hätte; meine Seele wollte das aber nicht. Deshalb habe ich es auch überlebt, obwohl es nach Aussage aller Ärzte sehr dramatisch und äußerst knapp war.

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                #8
                Zitat von cinqueterre Beitrag anzeigen
                Verbringen ihren Tag mit fressen, laufen, blöken und sich vermehren.
                Verbringen nicht auch wir Menschen den Grossteil unseres Lebens mit genau diesen Dingen?
                Ergänzt vielleicht noch um den Punkt: "Angst haben"!
                Angst vor Verlust, vor der Zukunft, vor Schmerzen, vor Alter, vor dem Unbekannten, vor dem Tod ...
                Angst, unsere Lebenszeit nicht sinnvoll genutzt zu haben ...

                Serafin

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                  #9
                  Zitat von Mensch Beitrag anzeigen
                  Angst habe ich vor einem langsamen, qualvollen Sterben mit Schmerzen, körperlichem Unwohlsein, Ersticken, ggf ein unwürdiger Tod im Pflegeheim o.ä.
                  Ich fühle mich eigentlich nicht befähigt, geschweige denn ausreichend informiert oder "erfahren", das Folgende hier niederzuschreiben.

                  Eine gewagte These, man darf mir auch gern widersprechen: Wenn man wirklich bereit ist, zu gehen, und sein irdisches Leben/seinen Körper hinter sich zu lassen, die Angst loszulassen, erträgt man Schmerz dann nicht ganz anders? Ist man dann nicht ruhiger, und evt. unterstützend mithilfe von Schmerztabletten, sodass "qualvoll" relativ wird? Weil man weiß, dass - wenn man dieses Wort gebrauchen mag - die Erlösung auf einen wartet?

                  Sorry, sollte ich damit in irgendwelche Wunden von irgendjemanden stechen.

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                    #10
                    Zitat von Serafin Beitrag anzeigen
                    Verbringen nicht auch wir Menschen den Grossteil unseres Lebens mit genau diesen Dingen?
                    Ergänzt vielleicht noch um den Punkt: "Angst haben"!
                    Angst vor Verlust, vor der Zukunft, vor Schmerzen, vor Alter, vor dem Unbekannten, vor dem Tod ...
                    Angst, unsere Lebenszeit nicht sinnvoll genutzt zu haben ...

                    Serafin
                    ...ein zustimmendes *määäääääääh*!

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                      #11
                      hallo ena,
                      meinen großmutter ging mit mir bereits als kleines kind oft und gern auf friedhöfe....ich verbide darum etwas postives mit diesem ort....wenn ich auf friedhöfe gehe, dann habe ich das gefühl, für ei neige momente wahrzunehmen, was wirklich wichtig ist...da liegen sie alle....sie liegen da und sind tot...egal, was sie vorher für ein leben hatten, reich, arm., dick , dünn, mächtig, ohnmächtig, allein oder mit vielen menschn um sich....nun ist alles gleich, nun st alles ewig....wenn ich durch einen firedhof spaziere, dann empfinde ich auch so etwas wie "ewigenfriden"....die momentanen problemem relativieren sich sehr schnell...

                      an einem bestimmten friedhof zünde ich immer drei kerzen an..einen bei meinr großmutter, die andere bei der anderen und das dritte kerzlien ist mir inziwschen das besonderste von ihnen geworden...da gehe ich zu einem grab, um das sich niemand kümmert...ich scheinen die einzige zu sein, die hin und wider mal ein lichtlein anzündet...es ist das grab einer nachbarin meiner kindheit...sie war einen der haussherrinnen, war sehr wohlhabend, wollte nie heiraten und blieb immer allein.....als kind waren ihre eltern damals schon so reich, dass sie mit der pferdekutsche in die schule geführt worden war....
                      tja, und warum ich da hin gehe?
                      genau dieser grund ist es, der mich so sehr faszineiert....es war mir als kind so was von schnurzpep egal, ob sie reich oder arm war, ob sie allein oder zu zwiet war....woran erinnere ich mich immer, wenn ich an ihr grab gehe? wenn ich sie mit meinr großmutter besuchte, sass ich immer in ihrer eigenartigen küche...sie gab mir jedesmal dasselbe: warme milch, johannisbeersaft und vollkornbrot mit butter...immer dasselbe...manchesmal durfte ich auf ihrem flügel im wohnzimmer spielen.....ja, darum gehe ich hin...weil sie mir als idn diese drei sachen gab und weio cih das in so guter erinnerung habe: warme miclh, johannisbeersaft und vollkornbrot mit butter. eigentlich etwas ganz schlihtes...und immer dasselbe...und genau das mchte es aus.....sie lebt schon sehr lange nicht mehr..niemand verwandter ist da..niemand geht zu ihrem grab...nur ein mensch..und der kommt, weil sie diesem menschen. als er ein kind war dies gab: warme milch, johannisberrsaft und vollkornbrot mit butter.
                      und jedesmal, wenn ich dort ein lichtlein anzünde, dann weiss ich, was ich im leben hinterlassen will......
                      OS

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                        #12
                        der tod oist seit einigen monaten sehr nah um mich...es ist serh seltsam..
                        in meiner indergruppe hatten wir das thema, weil viele opas verstorben waren....einen meiner schülerinnen verlor ihre mutter (und ihr vater ist nun mit 4 kindern allein), einen meiner freundinnen verlor ihren 10-jährigen sohn bei einm autounfall...
                        dertod ist ständig um mich.....
                        in mir hat das die kostabarkeit des momentes ausgemacht...es hat mir auch gezeigt, wieviel ich im leben für selbstverständlich nehme...ich sass manche nächte im zimmer von meinem jüngsten und sah ihm einfach zu, wie er atmet und war gerührt...weil ER noch lebt...er ist noch am leben..und mir wurde klar, dass dies nicht selbstverständlich ist...es ist ein geschenk...jeder tag.....
                        auch des orgens, wenn meinen kindergartenkinder in die gruppe kamen, war mir sehr klar, wie schön es ist, dass sie lebten...es war ein ganz anderes bewusstein...die selbstverständlichkeit wich einer hochachtung und dankbarkeit....
                        in den momenten des todes werden so viele probleme zu nichtigkeiten..und da taucht auch eine scham auf, wie undankbar man manchmal dahinlebt....
                        im angesicht des todes wird dasleben kostbarer...
                        OS

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                          #13
                          Hallo

                          die Angst vor dem Sterben und dem Tod habe ich irgendwann aufgegeben (hatte schon 2 Verkehrsunfälle mit Totalschaden). Dank meiner Oma (Sie hat Schizophrenie) ist mir klar geworden wieviel man verpaßt durch Angst.

                          letztes Jahr ist mein Vater 50 geworden. Dazu hat er uns alle zu einer Schiffahrt auf der Oder eingeladen. Meine Oma (und mein Opa) sind nicht mitgefahren, weil Sie dachte, dass Sie über Bord gehen könnte und dann Sterben. Daraufhin habe ich Sie gefragt ob Sie denn nicht schwimmen könne.

                          Sie antwortete: "Doch aber wenn mir vorher jemand (an Bord waren nur Vewandte) etwas in mein Trinken mischt dann bin ich betäubt und ertrinke."

                          Also zunächst war ich völlig sprachlos (hab's gerade noch geschafft das Gespräch höflich zu beenden)

                          Inzwischen bin ich dankbar für jeden Tag den ich erleben darf.

                          Ich denke dass wir hier sind um anderen zu Helfen und selbst etwas zu lernen.
                          wenn wir beides getan haben spricht doch nichts dagegen zu sterben um sich die nächste Lernaufgabe abzuholen (stark verkürzte Version)

                          Dieses Jahr bin ich zum ersten Mal mit einem Fluzeug geflogen (vorher hatte ich immer große Angst ich könnte Abstürzen) ... was soll ich sagen offensichtlich lebe ich noch Dafür bin ich auch Dankbar

                          Wie ich sterben werde naja darum mache ich mir gedanken wenn es so weit ist und keinen Tag eher.

                          Liebe Grüße
                          Diana

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                            #14
                            Zitat von ena111 Beitrag anzeigen
                            Hallo Zusammen,

                            ich würde gerne mit euch über das Tabuthema "Sterblichkeit und Tod" reden.

                            Mich fasziniert das Thema aus dem Grund, weil ich mit Angststörungen vertraut bin und ich in meiner Therapie den Zusammenhang zwischen -keiner Angst mehr vor dem Tod- (wenn sowas wirklich geht) und keinen Angststörungen mehr, bearbeitet habe.

                            Des Weiteren haben wir uns in dieser Gruppe wirklich mal intensiv über Tod unterhalten und es war einfach toll, die Sache einmal auszusprechen.

                            Ich kann sterben, schon morgen...was möchte ich in meinem Leben nach erleben, bevor ich sterbe???
                            Sollte ich nicht lieber direkt damit anfangen MEINE Ziele zu erreichen, als sie mir von meinem Chef, von der Gesellschaft vorgeben zu lassen???

                            WAs denke ich, was da ist, wenn ich sterbe???

                            Wie ist es wenn ich mir die Angst vor den Tod mal anschaue??? Wovor habe ich Ansgst??
                            Das ich in der Welt vergessen werde?? Das ich Menschen mit ihrer Trauer alleine lasse???

                            Mir haben diese Gespräche sehr geholfen meine wirklichen Ziele zu erkennen und diese auch ins Auge zu fassen (nicht zu sagen..irgendwann mache ich mal das und das..).
                            Mir wurde klar, dass ich nur ein Leben habe, das ich mir nicht aus der Hand nehmen lassen darf und ich selber lenken darf...

                            und das schöne war, als ich mich ein bißchen daran gewöhnt hatte mein eigenes Leben zu führen (vorher haben ich eher das getan, was andere von mir erwartet haben) hat das sogar angefangen richtig spass zu machen

                            Ich habe in meiner Kindheit viele mir nahe stehende Menschen durch den Tod verloren.
                            Zur damaligen Zeit wurde mir als Kind nicht erklärt, warum all diese Menschen plötzlich nicht mehr wiederkamen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, ich hätte sie nur geträumt (ich war damals keine sieben Jahre), zumal in meinem Beisein auch nicht mehr über sie gesprochen wurde.
                            Dadurch habe ich den Tod immer als Verschwinden von Menschen interpretiert und dass sie praktisch von heute auf morgen verschwunden sind, hat mir Angst gemacht,. Ich hatte Angst, ebenso zu verschwinden.
                            Dann wurde ich größer und ich verstand , was Sterben und Tod bedeutet.
                            Es gab noch einige Todesfälle, freiwillige und wegen Krankheit, aber ich begriff, daß sie nicht "einfach so" verschwanden, sondern gestorben sind.
                            Ihr Leben war zu Ende.
                            Ob es etwas danach gab, habe ich lange gehofft, aber nicht wirklich geglaubt.
                            Friedhöfe waren für mich unheimliche Orte, auch im erwachsenen Alter, und ich habe sie nie besucht.

                            Vor ca. 2 Wochen kam ich an einem Friedhof vorbei, den es schon sehr lange gibt. Es stehen noch Grabkreuze aus dem 18. Jahrhundert darauf. Niemand von meiner Familie liegt hier und ich war auch noch niemals dort.

                            In einer seltsamen Stimmung bin ich durch das Tor gegangen, etwas zog mich dahin.
                            Er ist nicht sehr groß, etwa ein Fußballfeld, schätze ich.
                            Und dementsprechend schnell bin ich dadurch gegangen, obwohl ich mir die Inschriften der Grabsteine sehr genau angesehen habe.

                            In einer Ecke kam ich zu einem kleinen Feld, das mehrere Steine und Kreuze hatte.
                            Es war das Feld der Kinder, die kaum Zeit zu Leben hatten.
                            Ihre kleinen Leiber lagen dort, überdeckt von der Erde, und Steine lagen darauf, meist von den Angehörigen selbst bemalt, mit den Vornamen der Kinder, ihren Geburtstagen, und, wenn sie länger als diesen einen Tag leben durften, auch die Sterbetage.

                            Ich stand dort eine lange Zeit und schaute.
                            Ich sah die gepflegten Stätten, die liebevoll mit Kinderspielzeug verziert waren und die anderen Stätten, über die bereits das Unkraut wucherte.

                            ich dachte an diese kleinen Menschen, die nicht erleben durften, älter zu werden, Freude und Sorgen kennenlernen, einen Beruf zu erlernen,selbst Kinder zu bekommen, all das, was allgemein zu einem Lebenskreislauf dazugehört.
                            Sie hatten nur Minuten, Stunden, Tage.

                            Seitdem bin ich in meinen Gedanken oft dort.
                            Auch wenn in meinem Leben nicht alles rund läuft und ich oft verzweifelt bin, ich bin dankbar, dass ich so viel Schönes erleben durfte.
                            Ich bin auch dankbar, dass so manches für mich Schlechte passiert ist.
                            Denn ohne das könnte ich das Gute und Schöne nicht schätzen.
                            Ich habe bereits Ziele erreicht, die ich mir nie geträumt hätte, und ich werde noch Ziele erreichen, die jetzt noch außerhalb meines Vorstellungsvermögens sind.

                            Angst vor dem Tod habe ich immer weniger, ich weiß, ich habe in meinem Leben nicht nur für mich gelebt, sondern auch in Person meiner Tochter, die ich sehr liebe, ein kleines Stück in die Zukunft gewirkt.

                            Mir ist eine Grabstelle nicht wichtig, ich möchte am Liebsten im Friedwald liegen, unter einem alten Baum.
                            Mir ist auch nicht wichtig, wie oft dort mal jemand "nach mir schaut", ob und von wem ich vergessen werde.

                            Ich weiß, daß die Menschen, die mich lieben, mich nicht vergessen, so wie ich die bereits verstorbenen Menschen, die ich geliebt habe, auch nicht vergessen habe.

                            Liebe Grüße

                            ariel

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