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    #61
    Zitat von Chrysothemis Beitrag anzeigen
    Liebe Jannes,
    das ist wirklich sehr gut geschildert, da erkenne ich vieles.
    Du kannst es wunderbar in Worte fassen, was ich nur im Kopf herum schwirren habe.
    Ja, Jannes, du kannst sehr schön schreiben. In vielem erkenne ich mich wieder, so als würdest du mich kennen. Das hatte ich dir ja an anderer Stelle schon gesagt. Vielleicht haben wir ähnliche Erfahrungen gemacht aus denen ähnliche Probleme resultieren.

    Liebe Grüße, mikie

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      #62
      Danke euch Es hilft mir auch immer, wenn jemand anderes etwas formulieren kann, was ich nicht über die Lippen bringe. Ich mag solche "Ja, ganz genau!" - Momente, weil endlich ausgesprochen ist, was man fühlt und weil es gleichzeitig bedeutet, dass es Menschen gibt, denen es ähnlich geht und/oder die einen verstehen. So geht es mir oft hier im Forum und darüber bin ich sehr froh Dann kann es auch mit den Beiträgen á la "noch-eine-Schippe-drauf-legen" weiter gehen, die sich nicht mehr an der Vergangenheit, im Hier und Jetzt orientieren, sondern auf die Zukunft gerichtet sind.

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        #63
        Gestern war ich auf einer Familienfeier, einem runden Geburtstag. Der Gastgeber stellte die Gäste mit Namen und einer ausführlicheren Beschreibung seines beruflichen Werdegangs, seiner beruflichen Leistung vor. Da gab es Datenbankentwickler, Ratsherren, Lehrer… Bei mir kam er ins Stocken und konnte nicht viel sagen. :O

        Das Ganze wirkt bei mir heute komisch nach. Identifiziert sich der Mensch in der heutigen Zeit hauptsächlich durch seine berufliche Leistung? Identifiziert Ihr Euch hauptsächlich durch Eure berufliche Tätigkeit?

        Ich habe es trotz Schwierigkeiten immer wieder versucht und auch jetzt ist das Thema noch nicht ganz abgeschlossen. Aber in erster Linie sehe ich mich als Privatmensch. Und trotz persönlicher Schwierigkeiten und finanzieller Engpässe haben mein Mann und ich zwei ganz hervorragende Kinder großgezogen, unser Häuschen halten können, ein geregeltes Familienleben auf die Reihe bekommen, haben jeder ein kleines Ehrenamt, für das wir uns engagieren… Ich gehe kreativen Hobbies nach, die ich, wenn nachgefragt, in den Dienst der Gemeinschaft stelle.

        Nichts davon wurde erwähnt. Allmählich reagiere ich auf die Frage „Und was machst du so, beruflich?“ allergisch.

        Das musste ich jetzt einfach mal erzählen.

        Liebe Grüße, mikie

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          #64
          Hallo Mikie,

          ich denke schon, dass die meisten Menschen sich über ihren Beruf definieren. Ehrlich gesagt, es interessiert mich auch, was mein Gegenüber beruflich macht. Irgendwie kann ich den Menschen dann besser 'einordnen' .Klingt wirklich blöde............ aber ich muss es zugeben.

          Selber befinde ich mich in der gleichen Position wie Du sie von Dir beschrieben hast. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich mit einer 'Berufslosigkeit' abgefunden habe.

          Es wäre allerdings die Aufgabe des Gastgebers gewesen, Dich mit netten Worten vorzustellen, sich vorher darüber Gedanken zu machen.
          Denn wer hält die Familien/Gemeinden/Freundeskreise etc. zusammen, kümmert sich um die alten Eltern? Ganz häufig sind es doch die Frauen, die dafür Zeit haben.
          Vllt. sind Du und auch ich nicht so ganz zufrieden mit unserem Status?

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            #65
            Zitat von mikie Beitrag anzeigen
            Nichts davon wurde erwähnt. Allmählich reagiere ich auf die Frage „Und was machst du so, beruflich?“ allergisch.
            Das geht mir ganz ähnlich wie Dir. Bei mir ist es so, dass mein Beruf eigentlich nicht wirklich zu mir passt, ich bin damals eher wegen einer Fehlentscheidung nach der Schulzeit da reingerutscht und bislang da kleben geblieben. Umso mehr kann es auch mir passieren, dass ich allergisch drauf reagiere, wenn man zu viel über mein Berufsleben wissen will - schon allein deswegen, weil ich mich dann in eine falsche Schublade gesteckt fühle.

            Und zwar arbeite ich im IT-Bereich (also mit Computern und EDV), fühle mich aber ganz und gar nicht wie ein Computermensch, sehe da auch gar nicht viele Gemeinsamkeiten. Trotzdem werde ich da oft gleich mal in die "Nerd-Ecke" geschoben, obwohl meine Interessen eigentlich in eine ganz andere Richtung gehen...

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              #66
              Liebe mikie,

              ich kann gut verstehen, daß Dich das gestört hat und ich finde auch, daß der Gastgeber sich vorher damit hätte auseianndersetzen sollen. Auch solipsists Perspektive, daß er sich in die falsche Schublade gesteckt vorkommt, kann ich nachvolziehen. Meine Eltern haben ihre Berufe mehrfach gewechselt und sind mehr als die Summe ihrer Berufe.

              Allerdings scheint mir das früher noch extremer gewesen zu sein. Auf Friedhöfen aus der deutschen Kaiserzeit habe ich viele Grabsteine gesehen, auf denen die Berufe der bestatteten Männer aufgeführt waren. Der Vater einer Freundin war im Telefonbuch ausdrücklich als Diplomingenieur, ein anderer als Lehrer vermeldet.
              Und einige Ehefrauen bestanden darauf, als "Frau Professor ", also Frau eines Professors, nicht Professorin angesprochen zu werden.
              Was ich bis heute nicht kapiere: warum Studierende bei bestimmten Personen oft schlecht angesehen waren, aber sobald sie den Abschluß in der Tasche hatten von denselben Personen auf einmal mit "Herr oder Frau Doktor" (Arzt/Ärztin) hofiert wurden...

              Liebe Grüße,
              Freundin der Weisheit

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                #67
                Zitat von mikie
                Der Gastgeber stellte die Gäste mit Namen und einer ausführlicheren Beschreibung seines beruflichen Werdegangs, seiner beruflichen Leistung vor.
                Nimm es gelassen, Mikie.
                Manche Menschen brauchen das, unter anderem um sich selbst "aufzuwerten". Das ist der "m-as-tu-vu-Wunsch", was umgedacht soviel aussagt, als würde ich mich mit Obama ablichten lassen und ihm auf dem Foto die Hand kameradschaftlich auf die Schulter legen, ... in der Hoffnung, dass sich jeder fragen würde: "Wer ist dieser Mann da an der Seite von Shepherd?"

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                  #68
                  Zitat von Freundin der Weisheit Beitrag anzeigen
                  Allerdings scheint mir das früher noch extremer gewesen zu sein.
                  Ja, ich glaube auch, dass der Beruf früher noch eine wesentlich größere Rolle gespielt hat als heutzutage. Früher wurde man noch viel stärker über den Beruf definiert, und die Mitglieder verschiedener Berufsgruppen unterschieden sich wohl auch wirklich relativ stark voneinander.

                  Heute sind die Dinge nicht mehr ganz so klar und eindeutig, da es auch immer mehr Menschen gibt, die sich beruflich mal umorientieren oder einen fächerübergreifenden Job haben.

                  Ich könnt mir bei mir schon vorstellen, dass ich mich auch mehr über meinen Beruf definieren würde, wenn ich mich damit identifizieren könnte, und wenn ich mich für das Themengebiet wirklich begeistern könnte.

                  Umgekehrt habe ich schon erlebt, dass Leute sich zwar für ihren Beruf begeistern, aber trotzdem nicht darauf angesprochen werden möchten. Beispiel: eine Zufallsbekanntschaft stellte sich als leitender Mitarbeiter eines großen Opernhauses heraus. Obwohl er sicherlich gern dort arbeitete, wollte er nicht viel drüber reden und reagierte beinahe allergisch, wenn man sich für seinen Beruf interessierte.

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                    #69
                    Zitat von Tamina Beitrag anzeigen
                    Vllt. sind Du und auch ich nicht so ganz zufrieden mit unserem Status?
                    Ja, bei mir ist das so. Ich bin immer noch am überlegen, wo ich mich mehr einbringen könnte, wo ich etwas für die Allgemeinheit leisten könnte, mit dem ich mich identifiziere. Bislang fällt es mir selbst schwer, meinen Status selbstbewusst zu vertreten, wenngleich es mir immer mehr dämmert, dass auch ich in den vergangenen Jahren etwas geleistet habe.

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                      #70
                      Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
                      Nimm es gelassen, Mikie.
                      Manche Menschen brauchen das, unter anderem um sich selbst "aufzuwerten".
                      Den Gedanken hatte ich noch gar nicht. Kann aber gut hinkommen. Schließlich hatte das Geburtstagskind selbst einen eher steinigen Berufsweg und ist jetzt in EU-Rente. Vielleicht wollte er sich selbst schmücken, indem er uns gezeigt hat, welch wichtige Menschen er zu seinem inneren Kreis zählt. Das sei ihm gegönnt. Trotzdem hätte er sich bei meiner Vorstellung etwas mehr Mühe geben können.

                      Auch für mich ist es interessant, was jemand beruflich macht. Aber es ist nicht die erste Frage, die ich mir stelle, wenn ich jemanden treffe. Zuerst nehme ich hauptsächlich wahr, wie spricht ein Mensch, wie verhält er sich, wie sieht er aus, was könnte ich mit ihm zusammen unternehmen...

                      Und was du schreibt, solipsist, kann ich auch nachvollziehen. Ich habe in meiner vielfältigen Laufbahn einige Jahre in einer Sozialbehörde gearbeitet. Ich habe meinen Lebensunterhalt verdient, weil ich dachte, keine Alternativen zu haben, wollte aber nach Feierabend nicht unbedingt damit in Verbindung gebracht werden, aus Furcht, in eine falsche Schublade gesteckt zu werden.

                      Danke für Eure Antworten, auch für deine, liebe Freundin der Weisheit, auch wenn ich darauf nicht speziell geantwortet habe.

                      Liebe Grüße, mikie

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                        #71
                        Zitat von mikie
                        Zuerst nehme ich hauptsächlich wahr, wie spricht ein Mensch, wie verhält er sich, wie sieht er aus, was könnte ich mit ihm zusammen unternehmen...
                        *du sinnierst* "Was könnte ich mit ihm zusammen unternehmen"?, ... aufgrund dieser "vorläufigen" Kriterien.

                        Hmmja, aufgrund dieser Kriterien etwas zusammen unternehmen, könnte einige neue Erfahrungen mit sich bringen, zum Beispiel die, dass solch wenige "äusserliche" Kriterien einige andere (bei näherem Kennenlernen) offenbaren. Nur welche, das weiss man ja nicht im voraus?

                        Aufgrund der ersten Kriterien bildest du dir ja eine Vorstellung ("Was könnte ich mit ihm zusammen unternehmen"). Wie weit bist du denn bereit, dich selbst zu offenbaren, um diese Vorstellungen auch umsetzen zu können?

                        Ich weiss nicht, vielleicht war es bis jetzt ja deine Zurückhaltung im "dich offenbaren", die dazu führt, dass Gastgeber in die Bredouille kommen, wenn sie dich "vorstellen" sollen.

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                          #72
                          Nun, der Gastgeber weiß abgesehen von meinen beruflichen Schwierigkeiten vielleicht wirklich nicht so viel von mir. Und in diese Kreise passe ich nicht wirklich, da mein Leben sich deutlich unterscheidet. Es ist nicht so spektakulär. Ich kann nicht von großen Reisen oder Reiseplänen berichten, welches Auto wir uns als nächstes kaufen... und es interessiert mich auch nicht. Von daher bin ich in der Beziehung tatsächlich eher zurückhaltend. Wen interessiert es schon, welche Marmelade ich koche, meine Wege hauptsächlich mit dem Fahrrad zurücklege oder wann ich wo Akkordeon spiele. Und überhaupt, dass ich zur Zeit keine großen Planungen habe, sondern jeden Tag einzeln und aufs Neue lebe. Das ist alles vergleichsweise klein.

                          Um ehrlich zu sein, müsste ich selbst daran feilen, mich kurz in einigen Sätzen vorzustellen. Die Frage, was machst du eigentlich beruflich, positiv und ohne ins Stocken zu geraten, zu beantworten.

                          Offenbaren kann ich mich am ehesten, wenn ich das Gefühl habe, unter Gleichgesinnten zu sein.

                          Und was heißt überhaupt offenbaren? Wer offenbart sich schon bei solchen Gelegenheiten. Das ist jetzt eine rhetorische Frage, die ich gar nicht beantwortet haben möchte.

                          Dieser Sonntag ist für mich jetzt auch abgehakt.

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                            #73
                            Zitat von mikie Beitrag anzeigen
                            Offenbaren kann ich mich am ehesten, wenn ich das Gefühl habe, unter Gleichgesinnten zu sein.
                            Das geht mir auch so (und wahrscheinlich auch vielen anderen). Je weniger ich das Gefühl habe, zu einer Gruppe von Menschen dazuzupassen, umso verschlossener bin ich normalerweise. Das ist auch ein Grund, warum ich im Kollegenkreis wohl eher als Sonderling gelte: ich fühle mich als nicht dazu passend, weswegen ich zurückhaltend und verschlossen reagiere. Ich wüsste auch gar nicht, was ich da groß erzählen sollte, ich habe nicht viel zu berichten, was interessant wäre.

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                              #74
                              Neuerdings geht mir wieder eine Sache durch den Kopf, die ich wohl noch nicht richtig einsortiert habe. Ende letzten Jahres ist meine Tante verstorben. Im Februar bekam ich ein Testament zugeschickt: Mein Bruder bekommt ihr Land, meine Schwester ihr Haus mit Grundstück und ein zusätzliches Baugrundstück. Ich wurde nicht erwähnt. Das Testament war von 1974, also als ich 11 Jahre alt war, ausgestellt und notariell beglaubigt.

                              Erste Reaktion war Traurigkeit. Wie kann die Tante ein Kind aus der Reihe von dreien auslassen? Gefühle von Ungeliebtsein machten sich breit. Ich wartete auf einen Anruf von meinen Geschwistern, nichts kam. Nach drei Wochen habe ich erst meine Schwester und dann meinen Bruder angerufen und ihnen mitgeteilt, dass ich das in dem Ausmaß nicht verstehe und ungerecht finde.

                              Die Reaktion meiner Schwester war, dass sie es vollkommen in Ordnung findet. Schließlich habe ich nicht so viel getan wie sie. Das stimmt. Ich habe die Tante hin und wieder besucht, ihr geschrieben, mehr nicht. Aber ich wohne weit weg. Sie hat sich um den Aufenthalt in einem Heim gekümmert z. B. Auf meinen Einwand, dass das 1974 noch nicht vorauszusehen war lautete ihre Antwort, da müsse wohl irgendetwas vorgefallen sein, ich müsse irgendetwas gemacht haben, was meine Tante schon damals zu diesem Entschluss bewogen habe. (???) Ich konnte noch antworten, dass das in dem Alter wohl nicht sein könne, wusste aber weiter nichts mehr zu sagen, sondern war noch verletzter. Insbesondere da ich in den letzten 10 Jahren glaubte, eine Beziehung zu meiner Schwester aufgebaut zu haben. Wir haben uns besucht, über unsere Kindheit gesprochen, uns bestätigt, dass es teilweise schwer war usw. Ich konnte ihr in Vielem helfen, nach der Scheidung, als sie krank wurde, später auch bei meiner Tante. Und jetzt diese Aussage. Mehrmals habe ich versucht, sie anzurufen (ich wohne von meiner Ursprungsfamilie weiter entfernt), aber sie hat nicht abgenommen und sich von sich aus nicht mehr gemeldet seither. Ich vermute, wenn sie meine Nummer im Display sieht, nimmt sie nicht ab. So habe ich nicht nur nichts bekommen, sondern auch noch meine Schwester als "Freundin" verloren, wenn wir denn jemals Freundinnen waren.

                              Meinem Bruder habe ich die gleiche Frage gestellt, ob er das gerecht finde. Er hat immerhin gesagt, nein, gerecht fände er das nicht. Er wisse, wie sich das anfühlt, schließlich habe er von unserer Oma auch nichts geerbt (ich auch nicht). Damit konnte ich was anfangen. Es hat mich besänftigt, obwohl es an den Tatsachen nichts ändert.

                              Aber das Verhältnis meiner Schwester ist im Eimer. Ich weiß, ich ziehe mich zurück, wenn ich verletzt bin. Deshalb habe ich versucht Kontakt aufzunehmen. Aber jetzt will ich auch nicht mehr.

                              Wenn ich Geburtstag habe, werde ich keinen einladen. Eigentlich strafe ich mich damit zusätzlich, eigentlich hätte ich gerne ausgeglichenen Kontakt zu meinen Geschwistern. Aber zumindest im Fall meiner Schwester ist das wohl nicht mehr möglich.

                              Liebe Grüße, mikie

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                                #75
                                Mikie, ich kann das gut verstehen. Mir ist es ähnlich ergangen; bist du sicher, dass das Testament dir vollständig zugeschickt worden ist?

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