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    #61
    Nichtsdestoweniger biite zurück on topic.

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      #62
      @Chrysothemis

      Hast du wirklich Kontrolle? Ich denke, das ist etwas, was nicht nur du - sondern auch ich - verstehen müssen....
      Dass ich keine Kontrolle über das Leben und dessen Verlauf habe, habe ich als ich 12 Jahre alt war, sehr schmerzlich erfahren müssen. Damals ist in mir die Illusion der "heilen" Welt und der unbeschwerte, offene, bejahende Umgang mit ihr zerbrochen.

      Davor war das Leben für mich einfach eine Sache, die gelebt werden wollte. Es gab schöne und weniger schöne Tage, aber im Regelfall habe ich mich, wenn ich morgens die Augen aufschlug, sehr auf jeden einzelnen Tag gefreut, habe das Leben und meine Mitmenschen geliebt und war unter meinen Klassenkameraden auch beliebt.

      Aber von diesem Tag an war auf einmal die ganze Welt anders, als wäre ich aus einem schönen Traum erwacht und stehe auf einmal in einer Parallelwelt. Alles war auf einmal so schwer. Ich stand draußen auf dem Balkon. Ganz allein. Alles Zeitlupe. Am liebsten hätte ich aufgehört zu atmen. Die Sonne schien, doch sie strahlte keine Wärme aus. Alle um mich herum waren verzweifelt und weinten. Die Zeit scheint still zu stehen. Ich musste jetzt sehr stark und tapfer sein. Ich bin ja jetzt schließlich der älteste Mann in der Familie.
      Dann dieses Gefühl der Enttäuschung, des verlassenseins, Zorn und Wut. Wie konnte er mir das nur antun? Hatte ich mich so in ihm getäuscht? Habe ich ihn überhaupt jemals richtig kennen gelernt? Es waren so viele Fragen in mir, auf die er mir nie eine Antwort geben kann. Meine Leitfigur war auf einmal weg. Ich fühlte mich total orientierungslos. Und diese Orientierungslosigkeit, Wut, Angst Trauer und Gefühlskälte sollte noch viele weitere Jahre ,bis ich vor ein paar Jahren meine erste Therapie anfing, mein Leben bestimmen.

      Ich habe erst heute einen Artikel über einen "Kontrolleur" gelesen. Ein sehr erfolgreicher junger Unternehmer, dessen Leben ....
      Ja solche Geschichten lesen sich schön. Ich könnte bei mir sämtliche Bücherregale mit entsprechender Literatur füllen (z. B. Wu Wei).

      Das wirklich Schwierige finde ich nur, daß es so verdammt schwer fällt, die Kontrolle aufzugeben
      Genau das ist der springende Punkt. Egal wie nett und einleuchtend sich die ganzen Geschichten lesen, sie helfen nicht wirklich. Es ist nämlich nicht der Verstand das Problem. Der hat schon lange begriffen, dass wir nicht kontrollieren können. Aber dieses tiefe sitzende Gefühl der Angst, dass wieder etwas Schreckliches passieren könnte, lässt uns kontrollieren. Wir wollen doch nur nie wieder so schlimm verletzt werden.


      @Tamina
      Die Hypnose welche von Therapeuten eingesetzt wird, hat nichts mit den Bühnentricks zu tun, welche in irgendwelchen Dorf-diskotheken oder Fernsehshows gezeigt werden.
      Es soll auch keine Wunderheilung, so nach dem Motto: "Klick und alles ist gut" geben.
      Bei der Hypnotherapie wird lediglich ein leichterer Zugang zu deinem Unterbewusstsein ermöglicht. Es ist trotzdem genauso viel Arbeit (Mitarbeit) wie bei jeder anderen Therapieform notwendig. Also trau dich, wenn du denkst, dass es dir helfen kann.


      @shepherd
      Such dir einen erfahrenen Gestalt-Therapeuten (in der Regel sind die nicht KK-rückvergütet) Du hast in der Vergangenheit sehr viel erlebt und "gedeckelt".
      So habe die Tage mal nach ein paar Gestalt-Therapeuten in meiner Gegend geschaut. Und ich habe Glück, es gibt tatsächlich bei mir in der Nähe (10 min Fahrt) welche.
      Jetzt weiß ich auch schon, wie ich mein Weihnachtsgeld gut anlegen kann. 80€ für 50 min ist nicht gerade wenig.
      Aber vielleicht motiviert der hohe Preis zusätzlich zu intensiver Mitarbeit.

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        #63
        @ Bewusstsein

        Eine lange Rede, deren kurzer Sinn am Ende des Beitrags steht.


        @Tamina
        Es ist nämlich nicht der Verstand das Problem. Der hat schon lange begriffen, dass wir nicht kontrollieren können. Aber dieses tiefe sitzende Gefühl der Angst, dass wieder etwas Schreckliches passieren könnte, lässt uns kontrollieren.
        Wir werden - um es einfach darzustellen - von zwei "Sorten" Ängsten bewegt:

        da ist einerseits die Angst als solche, eine "Grundbefindlichkeit", die ausnahmslos jeder Mensch "hat". Sie ist sozusagen einer unserer "Treibstoffe" und gleichzeitig die "Voraussetzung, Angst überhaupt empfinden zu können", ergo eine Eigenschaft, eine Eigenart, bzw. eine Empfindungs-Fähigkeit. Manche nennen sie Existenzangst. Wir tragen sie sozusagen in uns, nur tritt sie nicht gleichermaßen stark und gleichermaßen häufig bei jeden Einzelnen auf.
        Aber sie ist "da".

        andrerseits sind da die Ängste, die sich im Laufe unserer kindlichen Entwicklung und auch noch später entwickeln. Sie werden selbstverständlich erst ermöglicht durch die Grundbefindlichkeit Angst, sind an sich jedoch "individuell verschiedene Ängste(Angstzustände, Angstgefühle)" die auf Prägung und eigener Erfahrung (z.B. traumatisierende Erlebnisse) beruhen.

        Jede Angsterfahrung bewirkt bei uns (von der Kindheit an und lebenslänglich) "ein Gefühl dazu", oder löst bei uns schon durch Prägung vorhandene Emotionen aus. Diese Gefühle/Emotionen sind/werden im Unbewussten mit Stichworten (beim Computer sind es z.B. tags) sozusagen abgespeichert. Außerdem sind sie (wie alles im Unbewussten) untereinander und mit allen anderen abgespeicherten Emotionen sozusagen "verlinkt".
        Das heisst, dass alle im Unbewussten vorhandenen Informationen interkativ funktionieren. Das geschieht durch Abgleich untereinander.

        Wenn du beispielsweise mit neununddreissig Jahren eine - sagen wir mal - bittere Erfahrung machst, "kramt" das Unbewusste in seinem Fundus und findet eine Bezugs-Emotion. Durch die Verlinkung untereinander werden zudem noch andere Emotionen, die mit der Bezugsemotion in Verbindung stehen, aufgerufen. Im Verbund "überkommen" sie dich (deine Empfindung und quasi im gleichen Atemzug dein Bewusstsein) mit einem vielleicht schwachen, vielleicht aber auch sehr "hammerharten" Emotions-Schub - je nach deinem "seelischen und kognitiven Paket".
        Der gesamte Mensch reagiert darauf mit "Gefühlsausbrüchen und Gedankengängen(Reflexionen)" und wird für einen Moment oder für eine Weile unter Umständen "hart und nachhaltig erfasst, emotional und gedanklich durchgerüttelt." ... und reagiert !
        Da dieser ganze Prozess, der bspw. auf eine Erfahrung zurückzuführen ist, seinerseits "Spuren hinterlässt", ergo wiederum eine "neue Erfahrungs-Emotion" schafft, ist es folgerichtig, dass auch sie wiederum im Unbewussten abgespeichert wird ... und irgendwann möglicherweise getriggert und ausgelöst wird.

        Die "Angstzustände" die wir (auch körperlich) wahrnehmen sind inzwischen schon aus dem Fundus unserer Phantasie angereichert worden. Bilder tauchen vor unserem geistigen Auge auf und werden von damit verbundenen Gedanken begleitet: >>> eine Vorstellung entsteht, ein Phantasiebild entsteht, welches uns sehr plastisch (und mitunter sogar akkustisch) darstellt, "was passieren könnte, wenn ..." ... denn es gibt in der Regel schon ähnliche Erfahrungen, die wir schon gemacht haben und deren Konsequenzen nun unsere Vorstellungen füttern.

        Angstzustände (selbstverständlich nicht alle und insofern sie nicht auf Hirnschädigungen zurückzuführen sind) sind meist oder sehr oft "die Resultate unserer Phatansie und unserer Vorstellungen".
        "Was um Gottes Willen könnten geschehen, wenn ich ...".
        oder
        Das kann nicht gutgehen, denn ich bin schon mal gehörig reingefallen ...
        oder
        "Das war damals so und wird möglicherweise auch diesmal so sein ..."
        oder
        "Das war damals schon schlimm. Wie schimm wird es denn diesmal sein ..."
        oder
        "Das war schon immer so, also auch diesmal ..."

        Wir können diese "Glaubenssatz-Serie" beliebig fortsetzen. Für jede Angstsituation gibt es zig passende "Erklärungen", die uns in unserer Angst zementieren.

        Wir haben ergo keine Angst, weil wir "angst-krank" sind, sondern wir haben Angst vor unseren manchmal "kranken" Phantasien/Vorstellungen.

        Wir gehen in einer sternenlosen Nacht allein durch einen uns unbekannten dunklen Wald. Einige von uns werden über kurz oder lang eine aufkeimende Angst empfinden, Angst vor Gefahr, vor allen möglichen Dingen und Zuständen.
        Der Wald seinerseits ist banal, ein Wald, wie wir ihn zu hunderten kennen. Harmlos. Wir wissen, dass uns eigentlich gar nichts passieren kann. Und doch haben wir Angst ... nicht vor dem, was "tatsächlich passieren könnte", sondern vor dem, was uns unsere Phantasie und unsere Vorstellungen uns aufdrängen.

        Wir unterliegen (als bewusste Menschen und mit unserem rationalen Wissen) der Macht unserer Phantasie und unserer Vorstellung ... und werden dadurch manchmal sehr krank.
        Deswegen sind unsere Phantasie und unsere Vorstellungen keineswegs "unsere Feinde". Sie sind lediglich ein (wichtiger) Teil von uns, ohne den wir so oder so nicht leben könnten, denn nichts wirkt nur in eine Richtung. Vorstellungen können auch sehr Nützliches bewirken. Es hängt davon ab, wie wir seelisch beschaffen sind.


        Der langen Rede kurzer Zweck: wende diese Überlegungen nur mal versuchweise auf deinen "Zustand auf dem Balkon" an, nachdem dem Vater gestorben war.
        Du wirst erkennen, dass das "Erlebnis" dich markiert hat, und du wirst erkennen, dass dein Vater "keinerlei Schuld" daran hat. Du auch nicht.

        Es ist so passiert und du hast entsprechend deinem seelischen Paket darauf reagiert.
        Das klingt jetzt verdammt kalt und vielleicht berechnend, doch warum haben wir sonst die Eigenschaft "vernünftig" du reflektieren, wenn nicht um uns etwas zu erklären und um unsere diesbezügliches Erlebnis von diversen Gespenstern zu befreien ... denn es kommen immer nur die Geister, die wir selbst rufen.

        lG
        Zuletzt geändert von Shepherd; 01.11.2013, 14:11. Grund: ergänzt

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          #64
          @ Bewusstsein

          Ein kleines Lied für dich und die, die sich davon angesprochen fühlen.

          Reinhard Mei

          Text:

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            #65
            Ich hatte mit meinem Sohn ein ganz tolles Wochende.

            Wir haben zusammen gespielt, gelacht und leckeres Essen gekocht.
            War einfach super mal wieder so eine Harmonie zu spüren.

            Mein Sohn ist echt ein tolles Kerlchen.

            Kommentar


              #66

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                #67
                Lieber Bewusstsein,

                das freut mich sehr für Euch beide!

                Kommentar


                  #68
                  Zitat von BewusstSein Beitrag anzeigen
                  Mein Sohn ist echt ein tolles Kerlchen.

                  Sei Vater auch, ...

                  Wenn du "die Welt draussen" genauso unbefangen schaust, wie dieses Wochenende mit deinen Sohn, wird sie für dich auch sehr oft "eine tolle Welt" sein.
                  Akzeptiere sie wie sie ist und genieße das, was sie dir bietet. Solange du dich von deinen schadbringenden Erwartungen und Vorstellungen führen lässt, wird die Welt draussen dir auch nur solche anbieten, will sagen: wirst du auch nur solche finden.
                  Wer immer nur das Gleiche tut, wird nichts Neues lernen.

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                    #69
                    Ich habe in letzter Zeit doch sehr viel gejammert. Ich fühle mich mit der Medikation wirklich (noch) nicht gut.
                    Die Erdanziehung scheint die letzten Wochen aus irgendwelchen, für mich nicht ersichtlichen Gründen, stark zugenommen zu haben
                    Liegt vielleicht auch an meinem Körpergewicht. Ich habe seit Beginn der Medikation 6kg zugenommen.

                    Meine Leberwerte werden von Woche zu Woche besser. Das Prednisolon konnte bereits deutlich reduziert werden. Das Azathioprin ist auf Zieldosis. Scheint also alles so zu laufen wie es sollte.

                    Die Forumels in dem Leberforum sind alle sehr nett und hilfsbereit. Auch wenn mir das ein oder andere was ich dort lese Angst macht. Es hat mich wirklich sehr viel Überwindung gekostet mich dort vorzustellen und das erste mal zu posten. Ich musste erst eine innere Barriere überwinden. Wahrscheinlich gibt es in mir einen Anteil, der sich überhaupt nicht mit der Krankheit auseinandersetzen will.

                    Jetzt erwacht auch langsam wieder mein alter Kampfgeist. Ich bin immer mehr dazu bereit mich auf mein niedrigeres Leistungsniveau einzustellen.
                    Da es mir mit meinen bisherigen Trainingseinheiten schlecht wird und ich Kreislaufprobleme bekomme, gehe ich jetzt einfach öfters und dafür kürzer ins Training.
                    Ich will auf jeden Fall dem körperlichen Verfall so gut es geht entgegenwirken.

                    Ich bin sehr froh, dass ich zwischen Weihnachten und Neujahr frei habe. Endlich mal ein bisschen Zeit ohne berufliche Herausforderung. Endlich runterfahren und zur Ruhe kommen. Zeit haben alles um mich und in mir zu betrachten. Wieder zu mir selbst zu kommen.

                    Durch die Erkrankung und meinem nicht dazu passenden Leistungsanspruch ist es mir nämlich wieder passiert, dass ich sehr viel Distanz zu mir selbst aufgebaut habe. Ich habe mich wieder zu viel mit den anderen verglichen und was die alles auf die Reihe kriegen. Ich habe mich wieder kleiner gemacht als ich eigentlich bin.

                    Dabei mache ich das doch eigentlich alles so gut wie ich es eben kann und wie es meine Kräfte momentan zulassen. Ich habe mir das doch alles wirklich nicht ausgesucht. Mir auch noch Schuldgefühle wegen meiner Erkrankung einzureden, macht doch alles nur noch schlimmer.

                    Ich werde jetzt einfach schauen, wie ich mein (mir noch verbleibendes) Leben unter diesen veränderten Bedingungen zu gut wie Möglich auf die Reihe bekomme.

                    Und los gehts...

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                      #70
                      Heute brodelt es in mir ganz gewaltig.

                      Es geht mir voll auf den Keks nach außen hin immer wieder so zu tun als sei alles in bester Ordnung. Auf die Frage: "Wie geht´s?" Hat man ja immer zu antworten: "Gut." Haben wir irgendwie aus dem amerikanischen übernommen.

                      Ja materiell geht es mir bestens. Aber trotz Erkrankungen, die mir an manchen Tagen die ganze Lebensenergie rauben, immer so tun zu "sollen" als wäre alles bestens, ist echt zusätzlich anstrengend.

                      Klar kann ich mit allem was mir im Leben widerfährt umgehen. Egal wie beschissen es mich erwischt, das Leben geht weiter und ich muss damit leben, egal wie. Doch ist es deshalb gut, wirklich so richtig gut?

                      Nein ist es nicht. Wenn ab Mittag bereits der Akku leer ist, ist es dass nicht. Ich bin doch noch keine 70.

                      Auch wenn ich mit meinen Handycaps leben lerne, ist es deshalb noch lange nicht gut und es kostet jeden Tag saumäßig viel Kraft.

                      Nein jetzt mal ohne Scheiß.

                      Ich habe die letzten Monate so gelebt, dass selbst beste Kumpels vergessen, dass meine Leber entzündet ist und mich zu "Sauftouren" in den Fasching einladen.
                      Das ist dann immer voll das beschissene Gefühl wenn ich die Leute immer und immer wieder daran erinnern muss, dass ich mich glutenfrei ernähren muss und dass ich keinen Alkohol mehr trinken darf.

                      Klar gibt es Schlimmeres.

                      Aber versucht es selbst mal, euch ein paar Wochen so zu ernähren. Da geht echt jede Spontanität verloren, wenn es um abendliche Unternehmungen geht, selbst wenn man nur was Essen gehen will.

                      Sofern ich abends überhaupt noch die Kraft habe, etwas zu unternehmen.

                      Ich vermisse diese Freiheit so sehr. Ich komme mir mehr den je wie ein Außenseiter vor.

                      Wenn ich das immer zurückhalten soll, dann staut sich in mir mit der Zeit so ein Druck und ein Frust an, dass ich echt ausflippen könnte,

                      was ich hiermit nun in schriftlicher Form auch getan habe. Punkt.

                      Kommentar


                        #71
                        lieber Bewußtsein,

                        vllt. ist es unter Männern anders, aber wenn eine meiner Freundinnen mich fragt wie es mir geht, dann sage ich manchmal ganz unumwunden: beschissen!
                        Und dann quatsche und kotze ich mich aus. Ein wenig hilft das ja meist.

                        Freunde sollten das aushalten können, dafür sind sie auch Freunde.
                        Versuch es doch mal.........
                        Denn mit solch einer Krankheit leben zu müssen, ist ja wirklich nicht toll, sondern manchmal besonders besch.........

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                          #72
                          Hallo Tamina,

                          es ist bei so chronischen Geschichten immer ein schmaler Grat zwischen dauernder Rumjammerei und sich mal ausweinen.

                          Ersteres geht den Leuten bestimmt mal auf den Zeiger.

                          Und dann ist es ja so, dass ich meine Kumpels vielleicht einmal im Monat sehe und dann gleich mit so einem Thema zu starten ist auch nicht gerade freundschaftsfördernd.
                          Stelle ich mir jetzt einfacher vor, wenn ich Leute öfters die Woche sehe.

                          Im Geschäft wissen es nur ganz wenige. Und da jammere ich höchstens mal meinem Chef die Ohren voll, wenn es gar nicht mehr geht und ich zu Hause bleiben will.

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                            #73
                            So da bin ich mal wieder.

                            Ich habe mir lange überlegt, ob ich hier mal wieder schreiben soll. Ich offenbare mich hier anderen Menschen, die ich nicht mal persönlich kenne und das Internet vergisst nie.

                            Klar könnte ich auch einfach Tagebuch schreiben. Doch da fehlt mir das Gefühl, mit meinen Gedanken auch andere zu erreichen. Es ist immer die Hoffnung da, dass da draußen vielleicht jemand ähnlich tickt wie ich und mich versteht und nachvollziehen kann was mich bewegt.

                            Natürlich bin ich auch über Feedback von anderen die nicht so wie ich ticken dankbar - andere Sichtweise usw...

                            Was mir in letzter Zeit auch aufgefallen ist, dass das hier doch ein sehr "frauenlastiges" Forum ist und ich mir gar nicht so sicher bin, ob die Mädels hier immer nachvollziehen können was in einem Mann so vor sich geht. Da fühlt man sich doch manchmal missverstanden.

                            Oder mache ich da den Unterschied durch meine Denke und Mann und Frau sind gar nicht so arg unterschiedlich? Wer kann das schon so genau sagen? Mann kann ja schlecht in den Kopf einer Frau (und umgekehrt) hineinschauen.

                            Ich habe mich die letzten Tage vor dem Einschlafen so einsam gefühlt, dass ich sogar ein paar mal geweint habe. Ich war echt so richtig traurig. Ich habe mir so sehnlichst jemanden gewünscht, der mich mal in den Arm nimmt.
                            Doch das war trotz allem gar nicht so schlimm wie es sich vielleicht liest. Es war einfach ein sehr intensiver Moment mit mir in Traurigkeit. So was ist doch ganz normal und darf auch mal sein.

                            Dabei bin ich beruflich viel unter Menschen und meine Kumpels haben auch immer wieder mal Zeit. Ich habe groß keine Langeweile. Die Wochen verfliegen förmlich.
                            Es gibt in meinem Leben trotzdem so gut wie keine zwischenmenschliche Wärme. Das geht mir jetzt doch irgendwie ab. Das können mir die Menschen mit denen ich tagtäglich zu tun habe nicht geben.

                            Wird wohl mal wieder Zeit für eine Wellness-Massage.

                            Beruflich und gesundheitlich läufts ganz gut. Ich kann mich nicht beschweren.

                            Werde dieses Jahr auch mal wieder was Neues ausprobieren, aber davon berichte ich erst, wenn ich´s auch wirklich gemacht habe.

                            Das mal für´s Erste. Gehe jetzt mal ins Training.

                            Grüßle

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                              #74
                              Zitat von BewusstSein Beitrag anzeigen
                              Was mir in letzter Zeit auch aufgefallen ist, dass das hier doch ein sehr "frauenlastiges" Forum ist und ich mir gar nicht so sicher bin, ob die Mädels hier immer nachvollziehen können was in einem Mann so vor sich geht. Da fühlt man sich doch manchmal missverstanden.

                              Oder mache ich da den Unterschied durch meine Denke und Mann und Frau sind gar nicht so arg unterschiedlich? Wer kann das schon so genau sagen? Mann kann ja schlecht in den Kopf einer Frau (und umgekehrt) hineinschauen.

                              Ich habe mich die letzten Tage vor dem Einschlafen so einsam gefühlt, dass ich sogar ein paar mal geweint habe. Ich war echt so richtig traurig. Ich habe mir so sehnlichst jemanden gewünscht, der mich mal in den Arm nimmt.
                              Doch das war trotz allem gar nicht so schlimm wie es sich vielleicht liest. Es war einfach ein sehr intensiver Moment mit mir in Traurigkeit. So was ist doch ganz normal und darf auch mal sein.
                              Hallo BewusstSein,

                              ich glaube nicht, daß es einen großen Unterschied im Denken zwischen M und F gibt. Eher im Sprechen, denn wann gibt ein Mann schon zu, daß er geweint hat ?

                              Weißt du, was ich mir erst kürzlich gedacht habe? In meiner Kindheit und Jugend war ich ja sehr einsam, obwohl ich in einer Großfamilie lebte. Ich hab mich manchmal sozusagen selbst in den Arm genommen (also so gut es eben ging), aber das "tut man doch nicht" und deswegen hab ich es dann gelassen. Was ich mir also neulich dachte - wie clever es doch eigentlich von mir war, mich selbst zu umarmen, als ich es so dringend brauchte.

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                                #75
                                Lieber BewusstSein,

                                ich habe vor zwei, drei Jahren ein Selbsthilfebuch von einem Mann für Männer gelesen, von Stephen Biddulph "Männer auf der Suche" - nach dem Motto "kenne deinen Feind" Nein, natürlich nicht Feind, aber es hat mich einfach interessiert, mal zu schauen: Wie sieht es denn so "auf Männerseite" aus? Was sieht denn der Autor als männerspezifische Themen.

                                Und dabei ist mir eines erstmalig so richtig bewußt geworden: Nein, ich kann tatsächlich nicht nachvollziehen, was es bedeutet ein Mann zu sein. Denn ich bin eben nicht als Mann sozialisiert worden, ich weiß daher nicht, welche (subtilen oder ausgesprochenen) Erwartungen an Männer von früh an herangetragen wurden und wie es sich anfühlt, mit diesen heranzuwachsen. Ich weiß nicht, welchen Fragen ein Mann sich als Mann stellt, weil ich mich diesen Fragen nie als Mann mit einem männlichen Sozialisierungshintergrund gestellt habe.

                                Von daher würde ich Dir, im Gegensatz zu Chrysothemis, antworten: Nein, ich glaube ganz ernsthaft, daß die meisten Frauen vielleicht glauben, sich einfühlen zu können, dabei aber vergessen, daß Einfühlung auch bedeutet, über zumindest eine ähnliche Erfahrung zu verfügen, auf die man zurückgreifen kann. Doch sie haben diese Erfahrung nicht. Frauen haben die Erfahrung, wie es sich anfühlt, als Frau sozialisiert zu werden, sie haben die Erfahrung, wie sie sich als Frau zu ihrem Frausein stellen, und sie werden mit anderen Fragen konfrontiert.

                                Natürlich, die Erfahrung, mit geschlechtsspezifischen Rollenbildern konfrontiert zu werden und sich mit diesen im Laufe der Entwicklung auseinanderzusetzen, sie zu hinterfragen und für sich zu überprüfen, die machen beide Geschlechter. Und doch sind die Erfahrungen meiner Meinung nach doch unterschiedlich.

                                Für mich war z.B. eine interessante Tatsache, deren Tragweite mir so nie bewußt war, daß Männer im Grunde in unserer Gesellschaft seit Beginn der Industrialisierung immer mehr mit abwesenden Vätern/Männern aufwachsen. Männer werden von Frauen erzogen, Männer haben - wohlgemerkt, immer in der Tendenz, Ausnahmen gibt es immer - in den ersten Jahren ihres Lebens rein zeitmäßig viel mehr Frauen um sich als Männer. Das heißt, daß ihnen viel weniger Zeit zur Verfügung steht, um sich - wie auch immer - mit ihrem eigenen Geschlecht und somit Rollenmodell auseinanderzusetzen, sie da auch großteils weniger Vorbilder zur Verfügung haben. Wohingegen es im Grunde bei Frauen umgekehrt ist: Frauen haben weniger Zeit, um sich mit dem anderen Geschlecht auseinanderzusetzen. Das sind diametral unterschiedliche Voraussetzungen in der Positionierung in meinem Bild von mir als Mann bzw. Frau. Dies nur als ein Beispiel, das mir in seiner Bedeutung nicht so bewußt war, weil mir ja die Tatsache, daß ich mich als Kind und Jugendliche durch Beobachtung und Imitation auch als Frau definiert habe, gar nicht bewußt war - das ist für mich ja quasi nur so passiert

                                Von daher: Ich glaube, in vielerlei Hinsicht können Frauen Männer verstehen und umgekehrt, klar. Jeder Mensch kennt Gefühle von Einsamkeit, Trauer, Mutlosigkeit, ... die fühlen sich geschlechterabhängig vermutlich ähnlich an, und ihre Bedeutung für den Einzelnen ist vermutlich eher typ- als geschlechtsabhängig. Aber es gibt eben diesen Bereich der geschlechterabhängigen Sozialisation, in dem ich mittlerweile mit Demut anerkenne, daß ich mir von diesen Erfahrungen, ihrer Wirkung und ihrer Bedeutung für einen Mann nur erzählen lassen kann - nachvollziehen kann ich sie nicht.

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