Dein Wein am Abend - Lieblingsbild ist sehr, sehr intensiv - wirkt irgendwie auf den ganzen Körper. Besser kann ich es nicht ausdrücken!
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Von Spinnen und Grenzen
Gestern war ich zur Einschulungsfeier meines kleinen Neffen... und gerade eben habe ich mal die Fotos, die ich gemacht habe, auf den PC geschubst und durchgesehen... Bei einem fiel es mir eben wie Schuppen von den Augen (Haaren?): Großmütterchen Spinne hat echt Humor!
Auf dem Hinweg habe ich mir noch Kopf und Herz über das Thema "Grenzen" und Grenzverletzungen in meiner Familie gemacht. In meiner Familie tobt das Leben, das reine Chaos, Strukturen und Grenzen sind Mangelware. Und an meinem kleinen Neffen wird das gerade so schön deutlich. Auf ein "Nein" reagiert er mit heftigen Aggressionen, das ist buchstäblich sein "Unwort", er klaut wie ein Rabe, "meins" und "deins" sind für ihn Fremdworte. Er benimmt sich buchstäblich wie ein "kleines Arschloch". Und in den mittlerweile rar gesäten Besuchen meinerseits bringt er mich ruck-zuck an meine Grenzen. Und ich wünschte mir von Herzen, dass ich den großen Tag für den kleinen Knirps ohne Wut im Bauch erleben kann.
Mit solchen Gedanken und mulmigem Gefühl saß ich also im Auto (war auch noch zu spät dran, keine Ahnung, ob ich die Turnhalle in dem kleinen Kuh-Kaff, in dem er eingeschult wird, auf Anhieb finden würde), bekam eine Stress- und Hitzewelle, kurbelte das Fahrerfenster runter und durch den reinsausenden Fahrtwind kam eine kleine Vertreterin von Großmütterchen Spinne an ihrem Faden ordentlich ins Wehen und trullerte mir wie ein Pendel vor der Nase herum. Eifriges Pusten ließ sie nur umso schneller wieder auf mich zu schweben.... Oh neee.....
Richtig Panik hatte ich nicht (das wäre vor Jahren der Fall gewesen!), aber egal was es ist, alles was in meinem Sichtfeld nahe auf mich zugeschossen kommt, ist einfach "No-Go" oder besser "Geh wech!".
Nie waren rote Ampeln so wertvoll wie gestern!
Ich durfte anhalten, das Spinnlein samt Faden holte sich ein und verkroch sich unter die Fensterdichtung nach oben.
"Gehst du bitte nach draußen!" hörte ich mich laut sagen. Tzzz.... Scheinbar spreche ich "spinnisch" - sie tat es wirklich! - Ich schloss schnell das Fenster und wünschte ihr beim wieder Losfahren noch "gute Fahrt auf dem Autodach"...
Ich kam sogar noch rechtzeitig! Konnte die ersten Fotos schießen, als der Zug Knirpse aus der Kirche Richtung Turnhalle marschierte. Der Kurze freute sich wie Bolle , mich zu sehen, winkte fröhlich rüber - und ich konnte mein Tantenherz laut aufploppen hören.
Dann erzählte mir meine Schwester auf dem gemeinsamen Weg in die Turnhalle auch noch, dass er gerade eben, als er sie aus der Kirche kommend, zu fassen kriegte, sie völlig bedrückt gefragt hätte, ob die da in dieser Kirche "ein' umgebracht hätten, den, der da so komisch an diesem Kreuz gehangen hätte, und ob der dann vor Schreck zu Stein geworden wäre". - Da hätte ich ihn doch glatt abküssen können - konnt' mich aber beherrschen....
Turnhallen-Feier, große Foto-Session, kleinere Foto-Sessions, dann zu Hause endlich das Plündern der Schultüte - alles im grünen Bereich.
Dann fand er u. a. einen kleineren Lupen-Behälter, in den man Käfer, Würmer und Co buggsieren und genauer beäugen kann. In den hatte man schon mal eine große Gummi-Spinne eingelassen. Hmmmm..... lecker! Und irgendwie hatte er wohl aus den Augenwinkeln bemerkt, dass ich kurz "gezuckt" hatte.
Kramte das Teilchen blitzschnell raus, hielt es mir so was von dicht vor die Nase und wollte es mir auf den Kopf setzen.
"Stopp!" hörte ich mich sagen. "Das ist mir zu dicht! Das mag ich nicht!" und ich drückte ihn samt Gummi-Spinnen-Tier sanft aber bestimmt in den für mich richtigen Abstand.
Es folgte eine genaue Erklärung seinerseits, dass das doch nur Gummi ist, er zeigte mir, dass da sogar eine Nummer auf dem Spinnen-Pöter ist, völlig ungefährlich, ich bräuchte keine Angst zu haben. Und nahm einen neuen Anlauf!
"Nein"! war meine Antwort. Ich schob ihn wieder auf Abstand und schaute ihn fest an. "Hey! Grenze"!.... Für Bruchteile von Sekunden checkte er meinen Blick darauf ab, ob jetzt "macht-rangeln" möglich ist.... Ich hielt den Blick. Wandte mich dann seiner großen Schwester zu. Und die Nummer war für ihn durch!
Beim Essen später schauten wir uns noch mal in die Augen - und dann fragte er meine Schwester, ob sie alle nicht bei mir wohnen könnten! Und das "Nö" und die kurze Erklärung dazu konnte er "nehmen". "Schade", sagte er nur.
Bevor ich nach Hause fuhr, fragte er dann allen Ernstes, ob ich von der Spinne im richtigen Abstand noch ein Foto machen würde. Ja. Das ging gut!
Und jetzt beim Wieder-Finden des Fotos merke ich erst, dass hier das Großmütterchen Spinne mir eine wunderbare Gelegenheit gegeben hat:
Live im Auto, mit ihrer kleinen Vertreterin, konnte ich genau wahrnehmen, wo meine Grenze verläuft, um dann mit meinem Nefferich, mit einer ihrer "Gummi-Vertreterinnen" spielerisch Grenzen setzen zu üben. Ich sag es ja: Das Großmütterchen hat Humor!
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Tellerrand -
Eine sehr schöne Geschichte !
Doch bei dem Bild ... lief mir ein Schauer durch den Körper.
Ich habe Großmütterchen Spinne noch nicht verinnerlicht.
Aber ich näher mich ihr an !
Freitag beim Kastanien sammeln entdeckten die Kinder ein Größmütterchen an einem Laternenpfahl.
Es hat mich schon Überwindung gekostet dieses doch so harmlose Bild zu machen.
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Überwindung (von Angst) und Annäherung (an das darunter liegende Thema), das klingt wunderbar, liebe Oyakali.
Meine Annäherung an das (mein?) Spinnenthema war heftig. Ich kenne keine größere Spinnen-Phobikerin als mich (na ja, sooo viele kenne ich gar nicht
), aber mein Gebrüll und Gezitter bei Sichtung eines solchen Achtbeins war jahrelang legendär. Mir hat es oft buchstäblich die Zehen in die Erde gebohrt.... puh!
Und eines schönen Tages hatte ich ein solch "strammes" Spinnen-Exemplar in meiner Wohnung, dass ich sofort meinen damaligen Lieblings-Rocker angerufen habe, damit er mich "rettet". Er kam auch sofort (Held, der er nun mal ist
) und musste selbst ganz schön "pumpen", bevor er das Tierchen raus befördern konnte. Das wiederholte sich an mehreren Tagen hintereinander - und die Teilchen wurden immer größer - bis mein "Rocker" verkündete, er wisse nicht, wie ich das anstelle, aber sie würden ihm jetzt zu groß. "Das kann ich nicht mehr!" - 
Als dann zum guten Schluß gleich mehrere solcher "Riesen" auf mich zukamen, als ich nach Hause kam, und auch kein rettender Nachbar greifbar war, war ich am Ende.... Ich merkte ja selbst, dass da irgendwas "vorgeht"
Ich rief eine Freundin an (auch eine "Verreibe"-Tante), die ein Talent hat, rauszufinden, was solche "Phänomene" zu bedeuten haben....
Sie fragte erst mal nur: "Was machst du gerade? Verreibst du gerade was?" - Ja, tatsächlich, ich hatte gerade "Muttermilch" im Rühr-Pott. - Ihre Antwort: "Ohgottogott - ich find's raus, ich rufe zurück, bleib in Telefonnähe!"
Wie sie das immer anstellte, Infos zu finden, das ist mir jetzt im nachhinein ein Rätsel - das war nämlich noch zu Zeiten, als "Internet und Google" noch Zukunftsmusik waren - aber sie wurde immer "fündig"....
Als das Telefon klingelte, war ich gespannt....
"Muttermilch / Mutter-Thema", sagte sie als erstes.
Wie jetzt??? - Bisher hatte sich auf den Verreibestufen das Thema nährend und wollwollend gezeigt ...
"Hast Du gerade die 6. Stufe am Wickel?"
"Jepp!" - ???
"Der Bereich der Archetypen - was sich dir gerade zeigt/zeigen will, ist die 'Zerstörungskraft der Mütter' - du wirst dich auch mit dem Aspekt beschäftigen müssen, wenn du die Achtbeiner loswerden willst!"
Uags.... aber sie hatte Recht.
Das Weibliche, das "Erschaffende" und Nährende, das ist das Eine....
Wo in meiner weiblichen Linie, in meinem Leben das mütterlich Zerstörerische wirksam war/ist, da galt es hinzusehen!
Und mit meiner damaligen Bereitschaft/Entscheidung, mich auch mit dem Aspekt zu beschäftigen, hörte das Phänomen sofort auf, und die Achtbeiner konnten endlich wieder ihrer eigenen Bestimmung nachgehen und mussten nicht mehr weiter auf mich zumarschieren.
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Da kennst Du mich nicht als Spinnen-Phobikerin !
Ich könnte zig Geschichten erzählen in denen ich fast einen Herzinfakt bekommen hätte.
Aber weil ich nicht will , dass die mir anvertrauten Kinder von meiner Spinnen - Angst angesteckt werden, reiße ich mich zusammen. Wie ich das schaffe weiß ich nicht.
der Gedanke nur daran lässt mich erschauern.
Ich sage immer :
Wer mich umbringen will und es so aussehe lassen will, dass es auf natürliche Weise geschah, braucht mir nur ein paar kleine , oder grosse dieser Tierchen auf den Kopf setzen, Ich würde einen Infakt bekommen,
Schön das Du es geschafft hast von der Phobi los zu kommen.
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Die Angst vor Spinnen ist ja eine Angst die wie die Höhenangst und die Angst vor Schlangen einen durchaus realen Hintergrund hat.
Das "Spinnen" auch ein Mutterthema anzeigen können, wusste ich bereits. Dass du es aber beim Verreiben so massiv angezogen hast, finde ich schon erstaunlich.
Falls es nicht zu persönlich ist würde mich interessieren, wie du dich dem "zerstörerischen Aspekt" genähert hast.
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Ist nicht zu persönlich - ich mag mal reinlauschen, wie ich mein "Nähern", das über einen langen Zeitraum ging, in Worte tun kann...Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen.....
Falls es nicht zu persönlich ist würde mich interessieren, wie du dich dem "zerstörerischen Aspekt" genähert hast.
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Mei-ne Gü-te - ich drück mich hier um's Antworten....
Dabei könnte ich ja einfach posten: "Och nö.... ist mir doch zu persönlich!" Hm.... ist es wohl auch....
Einige Erinnerungen ums "Annähern" sind die letzte Zeit hochgeploppt.... wären vielleicht spannend zu lesen, wenn ich die alten Geschichten re-animieren (sprich: noch mal tiefer reinkrabbeln, noch mal fühlen, dann in Worte tun) würde.... da fällt mir die Anleitung für das "Reiten toter Pferde" wieder ein....
So viel kann und mag ich aber zu dem Thema sagen:
Steilvorlagen für das Annähern kamen damals von meiner Mutter herself.... und bemerkt, also so richtig gemerkt, dass da was absolut „schräg“ läuft, habe ich erst in ihrem Verhalten ihren Enkeln (also meinen Neffen und Nichten) gegenüber.
Da konnte ich klarer fühlen, das war quasi wie eine Nebenbaustelle, die mir ermöglichte, „Anwalt“ für die Kids zu sein (mein eigener Anwalt sein, das kam komischerweise erst später)…
Ihr Verhalten mir gegenüber war manchmal so „verquer“, so ohne Bezug zur Realität, dass sogar meine Neffen/Nichten den Kopf schüttelten, wenn ihre „Omi“ mich mit Vorwürfen oder Schuldzuweisungen bombardierte.
Ich konnte nicht lösen, bis ich in den Genuss des Familienstellens kam - dort konnte ich endlich mit Irrtümern "kämpfen" (und verlieren
)... eigenen und familien-internen.
Die eigenen waren dabei die heftigsten in der Wirkung...
Wobei eine äußere gab es doch, die mir sehr viel klargemacht hat: Es gab eine Aufstellung, da weigerte sich die Stellvertreterin meiner Mutter, mich einfach nur als ihre Tochter zu nehmen…
Ich habe alles versucht, sie dazu zu bewegen, zu sagen: „Du bist meine Tochter – ich bin deine Mutter“ – auch der Leiter der Aufstellung hatte keine Chance… Das war verwirrend für alle….
Und irgendwann habe ich geschnallt, dass es das ist, und zwar nur das: Ich wollte doch nur ihre Tochter sein (dürfen)! Und das war ihr zuviel! – Oder war es ihr zu wenig? – Keine Ahnung…. Diese einfache Tatsache von ihr bestätigt zu hören/wissen/erleben, nicht mehr und nicht weniger, darum habe ich so hart gerungen – und verloren…
Was das im Alltag für „Blüten“ getrieben hat im Miteinander mit ihr…. Ach nee: Ich will immer noch kein totes Pferd reiten!
Bis ich irgendwann aufgegeben habe und nicht mehr auf sie geschaut habe, sondern mich an der Realität „festgemacht“ und innerlich zu ihr gesagt habe: "Ich bin deine Tochter. Du bist meine Mutter. Punkt. Egal, ob du es bestätigst oder nicht. Fakt ist Fakt. Ende. Punkt. Aus."
Zu entdecken, dass viele "bombenfesten" Überzeugungen aus meiner Kinderzeit herrührten und weniger mit mir zu tun hatten, als ich vermutet habe. Das war schmerzhaft und befreiend zugleich - wobei die "Befreiung" erst nach dem "Verdauen" einsetzte....
Geglaubt zu haben, dass alles, was in der Familie schief lief, nur mit mir zu tun haben konnte, weil ich ja "nicht in Ordnung" war, das hatte unglaubliche Wirkung und Folgen... Zu erkennen, dass das eine Projektion meiner Mutter auf mich war, die ich als Kind gern "genommen" hatte, weil es zumindest den Anschein einer Möglichkeit versprach, wenn ich denn erst alles in Ordnung brächte, könnte ja alles (wieder) gut werden....
Boah, was ein Ding, zu erkennen, dass das ein "Fake" war, dass Lösen/Lösung gar nicht gewollt war, (ging auch gar nicht! Wie denn auch!?) - um über diese "Leitung", alles rüberschieben zu können, was für sie selbst (meine Mutter damals) zu schwer zu (er-)tragen war....
und/aber dass ich machen konnte, was ich wollte, es war nicht genug / kam nicht in Ordnung....
Ich konnte vorher nicht nur nicht lösen – ich sollte auch gar nicht…. Und nun zu sehen: Ich muss auch gar nicht – das hat mir erst mal fast die Beine unter dem Pöter weggehauen…
Diese Leitung "dicht" zu machen, nichts mehr zu nehmen, was nicht meins war, hat mich nach dem Erkennen noch eine Weile in die Position der "Bösen" gebracht... aber auch das konnte ich irgendwann einfach so stehen lassen, ohne mich ihr gegenüber mehr zu erklären, auf Verständnis zu hoffen oder gar gut-machen zu müssen/wollen...
Erst eine Weile vor ihrem Tod vor 2 Jahren hat meine Mutter in einem Gespräch versucht, mir zu erklären, dass ich für sie in Ordnung bin, so wie ich bin.. dass sie ja jetzt da sei, als meine Mutter . zu einem Zeitpunkt, wo ich mir diesen Status längst selbst hart erkämpft/er-lebt / erlaubt hatte.... (Cool, wenn man bedenkt, dass sie da hoch in den 80ern war - und ich Anfang 50... aber egal - mittlerweile rechne ich es ihr hoch an, dass sie das überhaupt noch rausgekriegt hat)
Das sind mal wenige Worte für eine lange Zeit des "Klärens" in mir - wobei:
Reste davon zeigen sich mir immer noch mal kurz.... wenn ich mal wieder über einen Double-Bind stolpere….
Zuletzt geändert von Pitti; 28.09.2014, 19:27.
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Liebe Pitti,
wenn ich das so lese kommt bei mir einiges hoch - auch diese Parallelerfahrung, dass es sehr wohl geht Dinge für einen selber zu lösen, auch wenn es die anderen lange Zeit nicht akzeptieren (manche auch nie).
Ganz schön viel Arbeit, aber - aber wes lohnt...
Und das Bild dazu einfach genial - da läuft es mir heiß und kalt durch den Körper - danke fürs Teilen!!
Mal ein bisschen Gekrabbel
so dalasse.
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Sehr spannend zu lesen Pitti. Vielen Dank, dass du dich doch noch rangewagt hast. Hast du im Prozess bestimmte Substanzen verrieben die dir dabei geholfen haben? Falls ja, magst du sagen welche?Zitat von Pitti Beitrag anzeigenMei-ne Gü-te - ich drück mich hier um's Antworten....
Dabei könnte ich ja einfach posten: "Och nö.... ist mir doch zu persönlich!" Hm.... ist es wohl auch....
Ich habe vor einiger Zeit ein Buch gelesen das mich länger beschäftigt hat. Da geht es um die "dunkle Seite" der Mutterschaft. Die, die nicht in unser Weltbild passt. Denn Mütter müssen ja auf eine ganz bestimmte Weise funktionieren und auch "denken", ansonsten stimmt mit ihnen etwas nicht. Ich fand das Buch ziemlich heftig weil es mit den Schönfärbereien der Mutterschaft ziemlich aufräumt.
Falls es dich interessiert: Der Lilith-Komplex: die dunklen Seiten der Mütterlichkeit von Hans-Joachim Maaz
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