Wenn ich eines Tages sterbe – was würde ich wohl auf meinen Grabstein schreiben?
Zur Zeit fiele mir ein: „Ungeliebt und schnell vergessen“
Ja, das klingt hart – aber genauso sehe ich mich. Ich führe eine Abrechnung mit meinem bisherigen Verhalten durch. Versuche zu analysieren, warum ich heute dort stehe, wo ich angekommen bin. Und versuche zu ergründen, was denn in meinem Leben bisher so schief gelaufen ist.
Warum bin ich der Einzelgänger ohne viele Freunde und meide inzwischen den Kontakt zu meinen Mitmenschen?
Es ist die Angst vor Enttäuschung, vor weiterer Verletzung, des Mißverstehens von Worten und Taten. Ich bin lieber mit mir allein, obwohl ich dieses Alleinsein hasse und doch so gerne einen Menschen um mich hätte, der mich so nimmt, wie ich bin. Mit all meinen Fehlern und Schwächen – einen, dem ich nicht etwas beweisen muß. Einer, der nicht nur nimmt, sondern mir auch etwas zurückgibt.
Ich umgebe mich lieber mit meinen beiden treuen Gefährten – die akzeptieren mich so wie ich bin. Die sortieren mich nicht in eine Schublade ein, sie lieben mich und ich liebe sie. Sie stellen keine Ansprüche an mich, machen mir nicht etwas vor. Aber sie können mir nicht das geben, was mir ein Artgenosse geben könnte. Sie sind auf die Kommunikationstechniken ihrer Spezies beschränkt. Dennoch sind sie mittlerweile der einzige Halt in meinen Leben. Das einzige, wofür es sich noch lohnt, weiterhin zu kämpfen und durchzuhalten.
Ich habe diese Woche zur „Woche der Selbsterkenntnis“ erkoren. Mit einem Schlag wurde mir bewußt, warum ich bisher allein durchs Leben laufe. Es ist eine Erkenntnis, die starke seelische Schmerzen bei mir verursacht hat – viele Tränen, weil ich ihr so ohnmächtig gegenüber stehe. Ich, der rational denkende Mensch, habe nicht gemerkt, nach welchen Mustern ich mich verhalte. Ich, der ich die Logik in Person bin und nur nach Fakten urteile, habe mich jahrzehntelang von meinem Inneren einlullen lassen. Habe mich in ein emotionales Hamsterrad begeben, aus dem ich nicht mehr aussteigen konnte. Immer, wenn ich wieder mal Schiffbruch erlitten hatte mit einem potentiellen Partner, dann katapultierte es mich hinaus, um Luft zu holen. Dann ging ich komplett auf Rückzug, schwor mir, mich nie wieder verletzen zu lassen, mein Herz niemandem mehr zu öffnen. Aber bereits beim nächsten Versuch wiederholte sich alles.
Sobald ich den Eindruck hatte, aus einer Freundschaft könnte mehr werden, erwachte mein Leistungsdrang. Ich wollte ja gefallen – und wenn man der Meinung ist, daß man mit seinem Äußeren nicht punkten kann, dann will man das auf andere Art kompensieren. Und woran war ich seit meiner Kindheit gewohnt? An Leistung!
Ja, durch gute Leistungen machte ich ja immer schon auf mich aufmerksam: meine Mitschüler, meine Lehrer, meine Chefs, meine Bekannten. Aber irgendwie war mir meine Leistung zur Selbstverständlichkeit geworden in all den Jahren. Sie war nichts Besonderes für mich. Nichts, auf das ich übermäßig stolz sein konnte. Sie gehörte zu mir – man erwartete ja nichts anderes von mir.
Und was in Ausbildung und Beruf funktionierte, konnte ja im Privaten nicht verkehrt sein. Damit könnte ich ja meine optischen Defizite prima kompensieren. Positive Aufmerksamkeit erhalten, Beachtung, Anerkennung – und das brauche ich so wie jeder andere Mensch. Aber es ist ein Trugschluß, wie ich wieder einmal erkennen mußte. Liebe kann man sich nicht verdienen, jedenfalls nicht durch Leistung. Nicht, indem man gibt und gibt und noch mehr gibt, wenn immer weniger vom Erhofften zurückkommt.
Schade, daß ich erst jetzt merke, in welchem Zug ich bisher unterwegs war…
Drei dieser Zugfahrten habe ich jetzt hinter mir, um zu erkennen, daß ich dadurch nie ans Ziel gelangen werde. Immerhin das habe ich jetzt erreicht. Ich weiß jetzt, daß ich im falschen Waggon saß. Und nach der Notbremsung wurde mein Innerstes jetzt nach außen befördert.
Ich weiß, daß es mir an Selbstbewußtsein und Selbstwert mangelt. Warum das so ist? Tja, meine Umwelt zeigte mir stets, was sie von mir hält: ich bin dick und häßlich. Ich bekam abfällige Bemerkungen zu hören, wurde ausgelacht, war beim Schulsport immer die Niete (was ich dann über besonders gute Leistungen in Mathematik kompensierte). Ich wurde stets nach meinem Aussehen beurteilt. Leider bin ich zu sensibel, um mir einen dicken Schutzmantel anzuziehen. Und erst durch bestimmte Umstände in meinem näheren Lebensumfeld, hatte ich die Kraft, vor gut zwei Jahren meine Ernährung komplett umzustellen. Und so wurden bis heute aus ehemals über 162 kg nur noch 97 (was zwar immer noch mehr als normal ist).
Ja, ich höre Euch schon sagen: super Leistung, hast du toll gemacht, Respekt…
Nur leider hat das an meinem Denken nichts geändert. Ok, ich kann mich jetzt schon mal eher im Spiegel betrachten. Und auch die abfälligen Bemerkungen meiner Mitmenschen haben aufgehört. Aber ich selbst denke oftmals noch wie früher.
Und wieder ist es nichts Besonderes für mich, was ich vollbracht habe. Und wieder habe ich mich über eine Art Leistung definiert und versuchte dadurch, mir die so stark herbeigesehnte Liebe zu verdienen. Und wieder einmal habe ich mein Ziel verfehlt.
Ok, es geht mir körperlich mit meinem aktuellen Gewicht deutlich besser – ich bin ausdauernder, bewege mich lieber. Aber ein Fan des aktiven Sports werde ich deswegen dennoch nicht
Dieses Leistungsdenken, dieser Anspruch, den ich an mich habe, der scheint der Dreh- und Angelpunkt meines Problems zu sein. Ich sehe mich zu kritisch, stelle meine Fehler und Schwächen in den Vordergrund. Lege Maßstäbe an mich an, die ich an keinen anderen Menschen je anlegen würde. Ich kenne mich zu gut – und doch überhaupt nicht.
Zumindest habe ich – nicht zuletzt durch das Lesen in diesem Forum hier – herausgefunden, daß der Auslöser für mein Denken und das daraus resultierende Verhalten mangelnde Selbstliebe ist. Ich kann mich selbst nicht lieben, weil ich meinen eigenen Ansprüchen nicht genüge. Weil mir immer wieder gezeigt wurde, was an mir alles so negativ ist – das habe ich dann irgendwann zu meinem eigenen Denken gemacht. Und davon komme ich nicht los.
Ich kann mich nicht vor den Spiegel stellen und sagen: ich bin gut, ich bin schön, ich bin intelligent, ich liebe mich selbst usw.
Das glaube ich ja nicht und würde es nie verinnerlichen können.
Wie sieht dann die Lösung meines Problems aus? Wie kann ich Selbstliebe lernen?
Zur Zeit fiele mir ein: „Ungeliebt und schnell vergessen“
Ja, das klingt hart – aber genauso sehe ich mich. Ich führe eine Abrechnung mit meinem bisherigen Verhalten durch. Versuche zu analysieren, warum ich heute dort stehe, wo ich angekommen bin. Und versuche zu ergründen, was denn in meinem Leben bisher so schief gelaufen ist.
Warum bin ich der Einzelgänger ohne viele Freunde und meide inzwischen den Kontakt zu meinen Mitmenschen?
Es ist die Angst vor Enttäuschung, vor weiterer Verletzung, des Mißverstehens von Worten und Taten. Ich bin lieber mit mir allein, obwohl ich dieses Alleinsein hasse und doch so gerne einen Menschen um mich hätte, der mich so nimmt, wie ich bin. Mit all meinen Fehlern und Schwächen – einen, dem ich nicht etwas beweisen muß. Einer, der nicht nur nimmt, sondern mir auch etwas zurückgibt.
Ich umgebe mich lieber mit meinen beiden treuen Gefährten – die akzeptieren mich so wie ich bin. Die sortieren mich nicht in eine Schublade ein, sie lieben mich und ich liebe sie. Sie stellen keine Ansprüche an mich, machen mir nicht etwas vor. Aber sie können mir nicht das geben, was mir ein Artgenosse geben könnte. Sie sind auf die Kommunikationstechniken ihrer Spezies beschränkt. Dennoch sind sie mittlerweile der einzige Halt in meinen Leben. Das einzige, wofür es sich noch lohnt, weiterhin zu kämpfen und durchzuhalten.
Ich habe diese Woche zur „Woche der Selbsterkenntnis“ erkoren. Mit einem Schlag wurde mir bewußt, warum ich bisher allein durchs Leben laufe. Es ist eine Erkenntnis, die starke seelische Schmerzen bei mir verursacht hat – viele Tränen, weil ich ihr so ohnmächtig gegenüber stehe. Ich, der rational denkende Mensch, habe nicht gemerkt, nach welchen Mustern ich mich verhalte. Ich, der ich die Logik in Person bin und nur nach Fakten urteile, habe mich jahrzehntelang von meinem Inneren einlullen lassen. Habe mich in ein emotionales Hamsterrad begeben, aus dem ich nicht mehr aussteigen konnte. Immer, wenn ich wieder mal Schiffbruch erlitten hatte mit einem potentiellen Partner, dann katapultierte es mich hinaus, um Luft zu holen. Dann ging ich komplett auf Rückzug, schwor mir, mich nie wieder verletzen zu lassen, mein Herz niemandem mehr zu öffnen. Aber bereits beim nächsten Versuch wiederholte sich alles.
Sobald ich den Eindruck hatte, aus einer Freundschaft könnte mehr werden, erwachte mein Leistungsdrang. Ich wollte ja gefallen – und wenn man der Meinung ist, daß man mit seinem Äußeren nicht punkten kann, dann will man das auf andere Art kompensieren. Und woran war ich seit meiner Kindheit gewohnt? An Leistung!
Ja, durch gute Leistungen machte ich ja immer schon auf mich aufmerksam: meine Mitschüler, meine Lehrer, meine Chefs, meine Bekannten. Aber irgendwie war mir meine Leistung zur Selbstverständlichkeit geworden in all den Jahren. Sie war nichts Besonderes für mich. Nichts, auf das ich übermäßig stolz sein konnte. Sie gehörte zu mir – man erwartete ja nichts anderes von mir.
Und was in Ausbildung und Beruf funktionierte, konnte ja im Privaten nicht verkehrt sein. Damit könnte ich ja meine optischen Defizite prima kompensieren. Positive Aufmerksamkeit erhalten, Beachtung, Anerkennung – und das brauche ich so wie jeder andere Mensch. Aber es ist ein Trugschluß, wie ich wieder einmal erkennen mußte. Liebe kann man sich nicht verdienen, jedenfalls nicht durch Leistung. Nicht, indem man gibt und gibt und noch mehr gibt, wenn immer weniger vom Erhofften zurückkommt.
Schade, daß ich erst jetzt merke, in welchem Zug ich bisher unterwegs war…
Drei dieser Zugfahrten habe ich jetzt hinter mir, um zu erkennen, daß ich dadurch nie ans Ziel gelangen werde. Immerhin das habe ich jetzt erreicht. Ich weiß jetzt, daß ich im falschen Waggon saß. Und nach der Notbremsung wurde mein Innerstes jetzt nach außen befördert.
Ich weiß, daß es mir an Selbstbewußtsein und Selbstwert mangelt. Warum das so ist? Tja, meine Umwelt zeigte mir stets, was sie von mir hält: ich bin dick und häßlich. Ich bekam abfällige Bemerkungen zu hören, wurde ausgelacht, war beim Schulsport immer die Niete (was ich dann über besonders gute Leistungen in Mathematik kompensierte). Ich wurde stets nach meinem Aussehen beurteilt. Leider bin ich zu sensibel, um mir einen dicken Schutzmantel anzuziehen. Und erst durch bestimmte Umstände in meinem näheren Lebensumfeld, hatte ich die Kraft, vor gut zwei Jahren meine Ernährung komplett umzustellen. Und so wurden bis heute aus ehemals über 162 kg nur noch 97 (was zwar immer noch mehr als normal ist).
Ja, ich höre Euch schon sagen: super Leistung, hast du toll gemacht, Respekt…
Nur leider hat das an meinem Denken nichts geändert. Ok, ich kann mich jetzt schon mal eher im Spiegel betrachten. Und auch die abfälligen Bemerkungen meiner Mitmenschen haben aufgehört. Aber ich selbst denke oftmals noch wie früher.
Und wieder ist es nichts Besonderes für mich, was ich vollbracht habe. Und wieder habe ich mich über eine Art Leistung definiert und versuchte dadurch, mir die so stark herbeigesehnte Liebe zu verdienen. Und wieder einmal habe ich mein Ziel verfehlt.
Ok, es geht mir körperlich mit meinem aktuellen Gewicht deutlich besser – ich bin ausdauernder, bewege mich lieber. Aber ein Fan des aktiven Sports werde ich deswegen dennoch nicht

Dieses Leistungsdenken, dieser Anspruch, den ich an mich habe, der scheint der Dreh- und Angelpunkt meines Problems zu sein. Ich sehe mich zu kritisch, stelle meine Fehler und Schwächen in den Vordergrund. Lege Maßstäbe an mich an, die ich an keinen anderen Menschen je anlegen würde. Ich kenne mich zu gut – und doch überhaupt nicht.
Zumindest habe ich – nicht zuletzt durch das Lesen in diesem Forum hier – herausgefunden, daß der Auslöser für mein Denken und das daraus resultierende Verhalten mangelnde Selbstliebe ist. Ich kann mich selbst nicht lieben, weil ich meinen eigenen Ansprüchen nicht genüge. Weil mir immer wieder gezeigt wurde, was an mir alles so negativ ist – das habe ich dann irgendwann zu meinem eigenen Denken gemacht. Und davon komme ich nicht los.
Ich kann mich nicht vor den Spiegel stellen und sagen: ich bin gut, ich bin schön, ich bin intelligent, ich liebe mich selbst usw.
Das glaube ich ja nicht und würde es nie verinnerlichen können.
Wie sieht dann die Lösung meines Problems aus? Wie kann ich Selbstliebe lernen?


Nichts für ungut, liebe Cosmo 
Ich habe diesen Punkt nur aufgegriffen, um zu zeigen, dass jeder auch selbst herausfinden muss, was ihm im einzelnen gut tut. Als ich tief in meinem Depressionsloch steckte, habe ich z.B. versucht, joggen zu gehen, weil Bewegung ja so gut tut. Es war überhaupt nicht mein Ding und ich wurde, obwohl der Serotoninspiegel sicherlich etwas nach oben getrieben wurde, entsetzlich traurig, weil ich mich mit dem, was ich tat, so fremd fühlte. Bei jedem Jogger, der mir begegnete, dachte ich: "Der arme Kerl! Der ist sicherlich auch depressiv, denn freiwillig macht das doch keiner!" - obwohl ich natürlich wusste, dass es Menschen gibt, die mit großer Freude laufen gehen. Kurz: es war nicht mein Ding, aber ich habe herausgefunden, dass mit lange Spaziergänge (am besten mit der Kamera) und Yoga ganz toll helfen. Man muss in diesen Zeiten wohl einfach ein bisschen herumprobieren. 
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