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Warum bin ich von Menschen so genervt?

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    Warum bin ich von Menschen so genervt?

    Hallo an alle,

    Ich denke schon seit einigen Jahren ueber mich und mein Leben nach, habe einige Krisenzeiten hinter mir und auch schon Versuche gestartet mein Leben zu veraendern und kann mich dennoch nicht als gluecklich bezeichnen.

    Heute habe ich ein zentrales Problem erkannt, welches sich ueber die letzten Jahre bei mir entwickelt hat und, das mich, glaube ich, sehr einschraenkt.

    Und zwar habe ich ein sehr grosses soziales Problem im Umgang mit anderen Menschen. Einfach gesagt - mir gehen anderen Menschen sehr leicht auf die Nerven.

    Bisher habe ich das nie besonders ernst genommen, aber durch ein Gespraech mit einem Freund, ist mir heute aufgefallen, wie sehr dieses Problem mein Leben beeinflusst.

    Zum Beispiel bin ich angenervt bei der Arbeit von Kunden, die sich beschweren oder von Kollegen, die mich stressen. Solche Dinge koennen mir ein ganzes Wochenende verderben, weil sie mich ewig lange beschaeftigen. Aber auch in vielen anderen Bereichen nerven mich Menschen - wenn ich durch die Fussgaengerzone gehe und jemand vor mir langsam laeuft, geht es mir auf den Zeiger. Aber gleichzeitig bin ich auch sauer, wenn jemand hinter mir draengelt. Das kann doch nicht normal sein?

    Und wie haeufig, habe ich mich selbst schon dabei erwischt, dass ich Menschen, denen ich zum ersten Mal begegne, sofort als unsymphatisch bewerte. Das ist unfair von mir, aber ich komme einfach nicht dahinter, warum ich so geworden bin.

    In den letzten Jahren habe ich auch privat den Rueckzug begonnen, indem ich mich emotional, aber auch raeumlich so weit distanziert habe von anderen, um ja nicht gestoert zu werden.

    Ich frage mich, ob es auch andere gibt, die dieses Problem kennen und mir vielleicht sagen koennen, woran es liegt, dass ich so graetzig geworden bin. Oder ist es ein normales gesellschaftliches Problem, weil Menschen tatsaechlich unfreundlicher und motziger geworden sind und wir uns alle gegenseitig auf die Nerven gehen? Was ist mit den Leuten, die gerne mit anderen Leuten zusammen sind? Ich habe schon haeufig Aussagen gehoert von anderen wie z.B. - Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen...Was motiviert diese Leute? Oder lassen Sie Meckereien oder Draengeleien von anderen einfach besser an sich abprallen?

    Ich waere euch sehr dankbar, wenn ihr mir berichten wuerdet....

    Viele Gruesse
    Tequilla

    #2
    Hallo Tequilla,

    also ich kenne das Thema sogar sehr gut.

    Wenn ich im Auto sitzen gehen mir immer die leute auf die nerven, die vor mir nicht schnell genug fahren und die , die von hinten draengeln, der Typ insbesondere, der gerade vor mir ueber nicht mehr ganz gelbe Ampel gezogen ist und der mich jetzt in erster Reihe vor der haltelinie stehen laesst und uebrigens erst recht der Busfahrer, der sich beim abbiegen einen viel zu großen Wendekreis erlaubt und mir fast im kotfluegel steht und im uebrigens, warum koennen diese ganzen Typen nicht zu anderen Zeiten sich auf der Straße breitmachen, schließlich muss ich zu einem Termin.
    20 vor 10, ich bin am Ziel, jetzt muss ich nur wieder so lange warten, bis die Besprechung losgeht. Warum koennen diese Ingenieure nicht mal ein wenig frueher kommen . Gut, 10 Uhr war festgelegt worden, aber die wissen doch, dass ich extra fuer die runde hierherkomme. Man koenntest die Zeit doch sinnvoller nutzen. Die Typen gehen mir auf die nerven. Jetzt ist 5 nach 10, alle sind da, aber die Telefon und das netmeeting laufen immer noch nicht, das haette man aber besser vorbereiten koennen, der Sekretärin wuerde ich gerne mal den Marsch blasen, so etwas von Inkompetenz. Aber das gilt eh fuer die ganze runde, fuer das Thema haette man sich dieses Meeting sparen koennen, reine Zeitverschwendung. Ich glaube, man merkt mir meine genervtheit in der runde an, denn am Ende verlassen die Kollegen den Raum zum Mittagessen. Einer dreht sich noch kurz um und nuschelt was von "sie wollen wahrscheinlich gleich zurueck...."
    vier Minuten spaeter Sitze ich wieder im Auto und haenge sieben Minuten spaeter im naechsten Stau .
    " ihr geht mir alle ja so auf die nerven. Ich will nur noch meine Ruhe haben!!!!!! Vielleiicht ist es besser, wenn ich den kneipenbesuch heute Abend Absage. Die Leute, die kommen wollten, liegen mir eh nicht so. all das dumme Gequatsche .Ist wohl besser, wenn ich nicht hingehe. Ich fuehl mich einfach heute nicht so wohl

    ist es das gefuehl, von dem du redest???

    Liebe gruesse
    ference

    LG
    ference
    .......

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      #3
      Liebe Tequilla,

      hier schreibt Morgenfrau.

      Dieses Thema war vor vielen Jahren auch mein Thema.

      Ich spreche nur von mir, wenn ich schreibe, dass es daran lag, dass ich selber eine Negativität ausstrahlte und mir durch die Umwelt (sprich andere Menschen) nur mein eigener Spiegel vorgehalten wurde.

      Ich war unzufrieden mit mir selbst, das war meine Wahrheit.

      Dann kam ich an einem Punkt, in dem ich Schritt für Schritt mein gesamtes Leben veränderte.

      Einen Berufswechsel (mit Menschen, sehr viel menschliche Nähe), ein neues Ehrenamt, eine neue Singlewohnung nach gewollter Trennung von meinem damaligen Partner, und, und und ganz vielen Neuerungen in meinem Leben.

      Das war ein Prozeß, der über Jahre andauerte.

      Und Heute bin ich absolut zufrieden, kaum zu glauben, aber wahr.

      Ich tue jeden Tag etwas für mich: ausgewogen für Körper/Geist und Seele.

      Natürlich mußte ich ja erst einmal herausfinden, welchen Weg ich gehen wollte, und was für mich gut ist. Jedenfalls "horchte ich auf mein Bauchgefühl" und dieses Gefühl hat mich auf meinem Weg begleitet und hatte "immer recht".

      Ich möchte jedem Menschen ein zufriedenes Leben wünschen, bitte sich nur auf dem Weg machen und sich das Beste für sich selbst heraussuchen.


      in diesem Sinne
      liebe Grüße
      Morgenfrau.

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        #4
        Vielen Dank schonmal fuer Eure Hilfe.

        Ich habe heute nochmal nachgedacht. Am meisten angenervt bin ich eigentlich von den Leuten, die motzen, draengeln oder sich ueber alles moegliche beschweren. Als ob diese Leute alles besser wuessten. Ich schaeme mich manchmal sogar fuer Freunde, wenn diese sich beim Kellner ueber's Essen beschweren. Ich persoenlich war es immer gewohnt, Dinge zu hinterfragen oder von anderen Perpektiven zu sehen und nicht gleich zu kritisieren. Und wenn Kritik, dann sollte sie doch bitteschoen sachlich und freundlich sein. Ich habe aber zur Zeit das Gefuehl, dass ueberall nur noch kritisiert und gemeckert wird. Und vielleicht, liebe Morgenfrau, hast du ganz recht, dass dies mit einer Negativitaet zu tun hat, die in mir selbst steckt. Vielleicht sind die Menschen um mich herum gar nicht so boese und schlecht...sondern ich selbst stehe mir im Weg. Eigentlich habe ich auch schon so vieles geaendert in meinem Leben - Scheidung, Arbeitswechel, Umzug in eine neue Stadt....Aber anstatt mich ueber mein "neues" Leben zu freuen, werde ich immer nur noch graetziger. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich dieses nur nach innen hin bin. Nach aussen bin ich freundlich und immer ganz ruhig. Ziemlich schuechtern und eher distanziert.
        Mein Freund sagt, ich brauche mehr Lebensfreude und soll mich nicht immer nur mit ernsten Themen beschaeftigen, sondern auch mal lachen. Und ehrlich gesagt, kann ich mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal von ganzem Herzen und richtig lange gelacht habe....

        Lieben Gruss

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          #5
          willkommen im Club, dass kenne ich momentan auch ...

          Habe meinen Job gekündigt, der mich nur noch genervt hat, meine Wohnung aufgegeben und bin in ein anderes Land gegangen und nun bin ich unzufrieden, da ich auf der Stelle trete und nicht weiss wo momentan meine Wurzeln sind...bin aber zu dem Entschluss gekommen ich bin hier um mich mit mir selber auseinander zu setzen, "altes" aufzuarbeiten bzw. heilen können und die schöne Insel genießen, dass habe ich mir nämlich verdient und einfach schauen, was will/möchte ich in Zukunft machen.

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            #6
            Guten Morgen, Tequilla,

            hier schreibt Morgenfrau.

            Wenn Du Dich selbst nach innen als "graetzig" beschreibst, aber nach außen freundlich und ruhig wirkst, dann meine ich Nachfolgendes:

            Du lebst nicht Dein wahres Selbst,
            sondern Du setzt eine "Maske" auf.

            Wenn ich eine Maske trage (kannte ich von mir selbst), dann kostet diese Maske erhebliche Lebensenergie, die mir an anderen Ecken fehlt.

            Erst seitdem ich meinen Weg in einem jahrelangem Prozeß gefunden habe, geht mir alles "ganz leicht" von der Hand.

            Rückblickend kann ich nur für mich sagen, dass ich diese vorhergehende Erfahrung wohl gebraucht habe, um meinen Weg zum HEUTE zu finden.

            Liebe Grüße
            Morgenfrau.

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              #7
              Hallo Tequilla,
              natuerlich ist es so, dass die anderen mit dazu beitragen, dass du dich genervt fuehlst. Aber meckernde Personen sind nun mal viel leichter zu ertragen, wenn man in sich ruht.
              Wenn du nun staendig bemueht bist, nach außen hin ein ruhiges Gesicht aufzusetzen, obwohl es innen in dir brodelt, dann geht hierdurch in der tat sehr viel Energie verloren.
              Die Frage ist nur: warum genau setzt du diese Maske auf? Gibt es bestimmte Dinge, die du konkret befuerchtest fuer den Fall, dass du die Maske herunternimmst?

              Liebe gruesse aus Japan
              ference

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                #8
                Hallo,

                hm, also, wenn ich richtig ueberlege, dann sind es eigentlich immer die Menschen, die selbst ein sehr offenes und direktes Auftreten haben, welche mir sofort unsymphatisch sind. Wenn diese dann auch noch ziemlich dreist sich nach vorne boxen, um ihre Interessen durchzusetzen, macht mich das sauer. Also, ist es genau das Verhalten, dass ich mir selbst niemals erlauben wuerde, welches mich bei anderen stoert. Vielleicht wuerde ich selbst gerne so sein? Hm...weiss nicht so genau! Wenn ich dann aber direkt mit diesen Personen konfrontiert werde, bin ich so freundlich zu ihnen, als ob sich nie ein boeser Gedanke in mir geregt haette. Ja, gute Frage, wieso setze ich genau dann nicht meine Maske ab? Ich werde darauf spontan wahrscheinlich keine Antwort finden, aber es ist ein guter Ansatz ueber den ich weiter nachdenken werde.

                Auf jeden Fall, kann ich sagen, dass ich es mir auch leicht mache, indem ich Menschen von vornherein unsymphatisch finde. Dann ist die Enttaeuschung nicht so gross, wenn sie es dann auch tatsaechlich sind und die Ueberraschung umso groesser, wenn sich das Gegenteil rausstellt.

                Ich danke euch schonmal sehr fuer Eure Hilfe.

                Und liebe Daggi123, ich habe fuer mich dasselbe erfahren, nachdem ich meine Zelte in der Heimat abgebaut habe und das Land verlassen habe. Bei allem Unmut und aller depressiven Phasen in meiner neuen Heimat, ist mir auch aufgefallen, dass ich seitdem ich hier bin, mich selbst besser kennenlerne. Irgendetwas regt sich bei mir...Und ich hoffe, es wird zum Guten fuehren.

                Liebe Gruesse aus Luxemburg
                Tequilla

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                  #9
                  Zitat von Tequilla Beitrag anzeigen
                  Hallo,

                  hm, also, wenn ich richtig ueberlege, dann sind es eigentlich immer die Menschen, die selbst ein sehr offenes und direktes Auftreten haben, welche mir sofort unsymphatisch sind. Wenn diese dann auch noch ziemlich dreist sich nach vorne boxen, um ihre Interessen durchzusetzen, macht mich das sauer. Also, ist es genau das Verhalten, dass ich mir selbst niemals erlauben wuerde, welches mich bei anderen stoert. Vielleicht wuerde ich selbst gerne so sein? Hm...weiss nicht so genau! Wenn ich dann aber direkt mit diesen Personen konfrontiert werde, bin ich so freundlich zu ihnen, als ob sich nie ein boeser Gedanke in mir geregt haette. Ja, gute Frage, wieso setze ich genau dann nicht meine Maske ab? Ich werde darauf spontan wahrscheinlich keine Antwort finden, aber es ist ein guter Ansatz ueber den ich weiter nachdenken werde.
                  Vielleicht setzt du sie nicht ab, weil du die Leute als autoritär und eventuell einflussreich erlebst, sie könnten ja deinen Ruf beeinflussen - je nachdem, in welcher Situation du ihnen begegnest. Oder du willst einfach locker wirken, weil du selber niemand sein willst, der "nörgelt", also griesgrämig und unfreundlich reagiert, also reagierst du freundlich auf diese Leute, obwohl du sie nicht magst.

                  Schwierige Sache. Ich hab in der Klasse einen Typen, den ich nicht leiden kann. Er ist immer überall dabei, so schmierig und vorlaut, macht blöde Witzchen, biedert sich an, dann macht er wieder einen blöden Spruch. Am Anfang lächelte ich nur oder erwiderte etwas Nettes auf sein Gerede, mittlerweile ist mir dazu irgendwie die Lust vergangen. Scheinbar braucht er Aufmerksamkeit und Bestätigung und ich seh nicht ein, ihm das zu geben, wenn er ankommt. Um ehrlich zu sein, macht es ein bisschen Spaß, ihn zu ignorieren oder mit gerunzelter Stirn anzusehen, zu seufzen und wegzugehen. Denn genauso empfinde ich bei seinem Gelaber und seinem Aktionismus, bei dem nichts rumkommt. Als er sich neulich neben mich setzte, bin ich wortlos aufgestanden und weggegangen. Ich hab keinen Bock auf den Typen, weil ich selber so respektlos nicht sein will. Vielleicht bin ichs ja manchmal (beim Überfliegen dieser Sätze: Bin ich es nicht genauso, indem ich wortlos gehe?). Aber ich mag es nicht, wenn Leute mit ihrer A*schigkeit ganz offensichtlich flirten.

                  Ich hab auch ein bisschen den Eindruck, dass die Leute sich über andere Menschen und generell über jede Kleinigkeit ärgern, die sich vom Leben stark benachteiligt fühlen. Sie denken, alles müsste jetzt mal nach ihrer Nase gehen. Ein Bekannter von mir war auch so. Ständig rieb er sich daran auf, wenn andere Menschen sich nicht so verhielten, wie er es von ihnen erwartete, besonders stark äußerte sich das im Straßenverkehr, aber auch auf der Arbeit und sonst überall. Mein Eindruck war, dass er sich damit doch nur selbst unglücklich macht. Was bringt es mir, vergrätzt jeden Tag festzustellen, wie inkompetent und verblödet andere Leute doch sind? Dass sie schneller gehen sollten oder langsamer. Oder anders fahren. Was auch immer.

                  Dann drehe man den Spieß doch einfach mal um, stellt euch vor, ihr geht mit guter Laune die Straße entlang, ihr schlendert, es ist ein schöner Tag, und dann drängelt sich plötzlich motzend und nörgelnd irgendein Typ an euch vorbei, weil es ihm zu langsam ging. Mir tun solche Leute leid, weil sie sich Bereiche zum Beschweren ausgesucht haben, die sie keinen Deut beeinflussen können und sich selber so das Leben schwermachen.
                  Und will man sich daran anpassen? Ständig überlegen: Stör ich hier wen, bin ich da zu langsam, zu laut, zu schnell, ist mein T-Shirt zu auffällig? Ich hoffe, meine Haare gefallen anderen Leuten heute und ich hoffe, sie mögen auch die Musik, die aus meinen Kopfhörern dringt und meine Schuhe sind nicht zu schmutzig, an der Kasse Schweißausbrüche und Schwindelanfälle, war ich wieder zu langsam? Jetz hab ich mit dem Zwanziger bezahlt, dabei hatte ich genug Kleingeld, aber der Mann hinter mir schaute so genervt, da hab ich mich nicht getraut, danach zu suchen und als ich in der Eile alles in die Tüte warf, hab ich das Obst zerquetscht..

                  Versteht ihr, was ich meine? So ein Leben ist doch ätzend. Ich akzeptiere kleine Rücksichtslosigkeiten von anderen, ohne mich aufzuregen. Wenn sie auf der Rolltreppe nebeneinander stehen oder in der Bahn drängeln. Wenn dann eine alte Frau einsteigt, steht ja doch immer wieder jemand auf und bietet ihr einen Platz an. So verkommen ist unsere Gesellschaft also nicht. Gleichzeitig nehme ich mir selber die Freiheit, nicht immer auf alle Menschen überall zu achten - bei Kleinigkeiten eben.

                  Gutes Beispiel auch meine Obermieter, deren Lärm mich so tierisch aufregte. Seit einem Monat mach ich selber ganz gern mal laute Musik an, bin ungehemmter geworden, telefoniere nicht ganz so leise, lache bisweilen laut und kann im Gegenzug aber auch die Geräusche aus der Wohnung über mir mittlerweile gut tolerieren. Sie fallen mir oft sogar nicht mal mehr auf. Und solang das keine Seite übertreibt, halte ich es für einen guten Kompromiss.

                  So, ich hoffe, jemand versteht jetzt, was ich sagen wollte.

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                    #10
                    [quote=Mary Jane;356974]
                    Und will man sich daran anpassen? Ständig überlegen: Stör ich hier wen, bin ich da zu langsam, zu laut, zu schnell, ist mein T-Shirt zu auffällig? Ich hoffe, meine Haare gefallen anderen Leuten heute und ich hoffe, sie mögen auch die Musik, die aus meinen Kopfhörern dringt und meine Schuhe sind nicht zu schmutzig, an der Kasse Schweißausbrüche und Schwindelanfälle, war ich wieder zu langsam? Jetz hab ich mit dem Zwanziger bezahlt, dabei hatte ich genug Kleingeld, aber der Mann hinter mir schaute so genervt, da hab ich mich nicht getraut, danach zu suchen und als ich in der Eile alles in die Tüte warf, hab ich das Obst zerquetscht..


                    Haha! Wahnsinn - hier erkenne ich mich ganz genau wieder

                    Staendig ueberpruefe ich die Lautstaerke meiner Musik, ob die anderen Leute im Bus auch ja nix davon hoeren. An der Kasse halte ich Abstand zur Vorderperson, um diese ja nicht unter Druck zu setzen. Wir koennen uns doch alle Zeit lassen. Aber wenn ich an der Reihe bin, habe ich das Gefuehl der Typ hinter mir draengelt und dann gerate ich in Stress. Und warum sehen die anderen Maedels beim Shopping immer aus, als ob sie direkt aus einem Modekatalog gestiegen sind...und ich bin voellig schweissgebadet, weil ich mal wieder die falsche Jacke angezogen habe?

                    Ich denke immer, andere sind besser als ich und haben mehr Recht als ich sich zu behaupten. Dabei sollten auch diese Leute erkennen, dass auch ich meine Wuensche und Beduerfnisse habe. Deshalb muss ich nicht trampelig durch die Weltgeschichte laufen und egoistisch meine Sachen durchsetzen...Aber ein bisschen mehr mich selbst zeigen, kann wohl nicht schaden. Ich selbst finde es ja auch bei anderen interressant, wenn ich deren Persoenlichkeit erkenne und nicht nur eine leere Huelle.

                    Liebe Gruesse
                    Tequilla

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                      #11
                      Und jetzt habe ich das Zitieren auch nicht richtig gemacht....Nee nee nee Aber was soll's. Ihr wisst ja was ich meine.

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                        #12
                        Liebe Tequilla,

                        horch doch einmal in dich hinein. Kann es sein, dass du dich nicht nur über andere Menschen nervst, sondern auch über die "freiheitsliebende Tequilla" in dir drin? Dass du die selbstbewussten Aspekte in dir ganz stark unter Kontrolle hältst?

                        Ich kenne dieses Muster selber auch.
                        Indem sich andere Menschen alle Freiheiten der Welt nehmen, setzen sie sich quasi über meine "inneren Regeln" hinweg, während ich mich peinlich genau daran halte.
                        Klar staut sich da eine Menge Ärger auf. Zuerst einmal gegen aussen, indem mich solche Leute zu nerven beginnen. Aber auch ganz stark gegen innen. Denn dieser Glaubenssatz, der mir quasi dieses enge Verhaltenskorsett diktiert, ist alles andere als fair!
                        Und doch gelingt es einem nur sehr schwer, das zu Grunde liegende Muster zu durchschauen und man sucht die Schuldigen stattdessen in der Aussenwelt.

                        Erkennst du dich wieder?

                        Serafin

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                          #13
                          Hallo Serafin,

                          mich betrifft dieses Thema auch, und ich mache mir seit längerem Gedanken darüber. Ich fühle mich jetzt angesprochen, darum schildere ich Dir mal meine Sicht der Dinge.

                          Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass man (ich) sehr oft schlecht behandelt wird, wenn man nett und freundlich ist. Ich habe quantitativ sehr viele schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht, dafür aber qualitativ sehr gute Erfahrungen. Also 100 (ist jetzt nur eine Zahl) haben mich wie das letzte behandelt, dafür waren 10 andere um so bemerkenswerter. Woran liegt das? Ich erkläre mir das so, dass die meisten Menschen „nett/freundlich“ mit „schwach/dumm/naiv“ verwechseln. Also bist Du freundlich und offen ist das wie eine Einladung für andere, mal richtig ihren Frust an dir abzulassen + ihr kleines schwaches Selbstwertgefühl an dir aufzupolieren. Wie gesagt, so erlebe ich es.

                          Trotzdem sind mir 10 authentische Freaks lieber als 100 weichgespülte nichtssagende Hackfressen.


                          Von dieser Idee halte ich übrigens nicht sehr viel ->

                          Ich spreche nur von mir, wenn ich schreibe, dass es daran lag, dass ich selber eine Negativität ausstrahlte und mir durch die Umwelt (sprich andere Menschen) nur mein eigener Spiegel vorgehalten wurde.
                          Morgenfrau hat es ja schon geschrieben, dass sie nur von sich spricht. Ich habe mir eine zeitlang auch darüber Gedanken gemacht, ob die Reaktionen der Mitmenschen nur eine Spiegelung meiner eigenen Persönlichkeit sind. Und ich bin zu dem Schluß gekommen, dass es nicht so ist. Es kann sein, aber es kann auch nicht sein.
                          Ist jemand freundlich zu mir, bin ich freundlich zu ihm, behandelt mich jemand wie ein Arschloch, behandel ich ihn wie ein Arschloch. Nach dieser Regel lebe ich momentan, aber ich weiß, dass auch diese „Regel“ hinkt. Ich mache nämlich auch wieder nichts anderes, als mich Anderen anzupassen. Ist meine Umwelt nett bin ich nett, ist sie es nicht bin ich es auch nicht. Davon will ich wegkommen. Jetzt ist die Frage natürlich wie? Mein genialer Plan sieht folgendermaßen aus: Ich möchte mich davon freimachen, von Anderen in irgendeiner Form abhängig zu sein. Also ich möchte so sein wie ich bin, ungeachtet dessen was um mich herum geschieht. Wenn ich fröhlich bin möchte ich fröhlich bleiben, auch wenn um mich herum die Welt einstürzt.
                          Wenn man in seiner Umgebung Arschlöcher hat, und die wird es immer geben, dann gibt es mehrere Möglichkeiten. 1) Du ärgerst Dich darüber. 2) Du wechselst Deine Umgebung. 3) Du benimmst Dich auch wie ein Arschloch. 4) Du ärgerst Dich nicht darüber, weil Du es nicht persönlich nimmst. 5) Es geht Dir komplett am Arsch vorbei. Du bist so wie Du bist, ob Menschen nett oder freundlich zu Dir sind, ob sie Dich ignorieren, ob sie Dich schlecht behandeln … spielt alles keine Rolle, Du bist wie Du bist.

                          Ich persönlich präferiere Nummer 5. Davon bin ich im praktischen Leben weit entfernt, aber ich arbeite dran. Persönlich würde ich mich auch eher als Misanthrop bezeichnen, ganz so scheint es aber auch nicht zu sein, denn sonst würden mich viele Dinge nicht so berühren und aus meinem nicht vorhandenen Gleichgewicht bringen. Ärgern lohnt sich auf keinen Fall, das ist pure Energieverschwendung. Und wenn ich von mir ausgehe ... wenn ich mich ärgere oder von Menschen enttäuscht bin, dann kann das nur passieren, weil ich an diese Menschen bestimmte Erwartungen habe. Mit anderen Worten, keine Erwartungen = keine Enttäuschung. Ein Punkt möchte ich noch erwähnen. Stell Dir vor, Du bist draußen unterwegs und hast gute Laune. Dann kommt einer, und der schaut Dich blöd an und macht vielleicht noch einen dummen Spruch. Jetzt kannst Du Dich darüber den ganzen Tag ärgern und auch so durch die Gegend rennen, aber dadurch verpasst Du vielleicht die 1-2, die Dir auch so begegnen. Ich spreche aus Erfahrung.


                          Geh Deinen Weg!

                          Liebe Grüße,

                          Cirdan

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                            #14
                            Ich kenne das Problem auch total gut. Manchmal bin ich einfach von ziemlich allen Menschen angenervt. Das sind meist dann noch Leute die ich nicht kenne.
                            Bsp: Ich sitze im Bus und fühle mich angewidert von den anderen Menschen da mir alle komplett egoistisch vorkommen ( jeder will sitzen, jeder verzieht sein Gesicht weils viel zu eng im Bus ist, jeder meckert rum wenn man ihm ausversehen über den Schuh läuft). Ich saß lange Zeit einfach nur da und habe andere beobachtet und fande die Menschen echt schrecklich. Alle nur am nörgeln und egozentrischer denn je.
                            Ich habe allerdings keine Ahnung woher diese denkweise kommt, das hat sich einfach so ergeben. Mittlerweile fahr ich zwar kein Bus mehr aber ich rege mich auch so wenn ich mit dem Auto unterwegs bin sehr oft, schnell (und übertrieben) über andere auf.
                            Ich würde all dies gern ausblenden, aber das geht irgendwie leider nicht.

                            Kommentar


                              #15
                              Ich kenne jemanden, die sich von anderen Menschen auch ständig genervt fühlt, die sich ununterbrochen über andere aufregt, weil diese sich nicht so verhalten, wie sie es tut. Darüber ist sie sich aber nicht im klaren.
                              Sie empfindet ihre eigene Reaktion aber als störend und ist am Überlegen, ob sie sich deshalb in Therapie begeben soll; natürlich tut sie es nicht, denn sie befürchtet, dass sie sich dann ändern "müsste". Und das kann ihrer Meinung nach nicht richtig sein.
                              Ich kenne diese Frau sehr gut, auch ihre Familie und die Geschwister.
                              Ich weiß, dass in der Familie die Überzeugung herrschte, man sei etwas Besonderes und alles, was man tue und lasse, sei absolut richtig.
                              Diese anerzogene Überzeugung hat sich bis heute bei allen Geschwistern gehalten. Menschen, die anders sind und sich anders verhalten, werden angesehen wie von einem anderen Stern, oder man ist eben genervt von ihnen und regt sich auf.
                              Ich kann nicht verstehen, wieso die 3 (Geschwister) nicht in der Lage waren oder sind, ihr Menschenbild und ihre innere Einstellung vom Elternhaus abzukoppeln, zumal die Eltern verstorben sind. Da findet kein Nachdenken statt, keine Kritik, da kommen keine Zweifel auf, nichts.
                              Warum ich das nicht verstehe?
                              Auch meine Schwester und ich sind so erzogen worden; wir beide haben uns früh innerlich abgekoppelt und denken und handeln völlig anders, als man versucht hat, es uns anzuerziehen.
                              Auch die 3 hatten die gleichen Möglichkeiten wie wir: Studium, viele andere Kontakte, dennoch ist die Prägung und das Sich-Erheben über andere geblieben.
                              Nichts hat sich verändert.
                              Woran liegt das?
                              Zumal ihr ja auffällt, dass wir völlig unterschiedliche Einstellungen haben und sie sich auch eigentlich gar nicht aufregen möchte.
                              Sie fühlt sich eben ständig von anderen Menschen genervt.

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