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Wird das Leben härter?

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    Wird das Leben härter?

    hallo meine lieben,

    neulich hörte ich eine verkäuferin seufzend zu ihrer kollegin sagen: "das leben wird immer härter".

    das hat mich berührt, denn auch mir kommt es in letzter zeit so vor. es fängt schon an, wenn ich abends den fernseher anmache und themen wie burn-out, depression, arbeitslosigkeit,hoffnungslosigkeit, existenzängste das programm dominieren, auch in anspruchsvolleren talkshows (maischberger etc.) und reportagen scheint es nur noch darum zu gehen.

    dann natürlich auf politischer ebene die wirtschaftskrise, wenn auch noch etwas abstrakt für mich. ich konnte mich von solchen schlechten nachrichten und pessimistischen gesellschaftlichen stimmungen (die es in deutschland ja eigentlich schon immer gab und quasi zum kulturgut gehören ) eigentlich immer ganz gut distanzieren...

    aber inzwischen kommt es mir so vor, als sei "es" überall. ich kenne kaum noch jemanden, der nicht schon mal eine psychotherapie (und/oder medis) in anspruch genommen hat...

    selbst wenn ich ins forum gucke denke ich oft, hier geht es hauptsächlich um ernste "therapeutische" themen, um ängste, einsamkeit, depression und behandlungsbedürftige psychische erkrankungen, um biografien voller schicksalsschläge...
    mir kommt es so vor, dass dies nicht immer so war. bilde ich mir das ein? liegt es an meiner eigenen derzeit angeschlagenen (und ebenfalls behandlungsbedürftigen) verfassung?

    ich finde in einer welt, in der überforderung, erschöpfung, existenzielle ängste (finanziell u.a.) oder auch "nur" sinnkrisen fast schon zum normalfall geworden sind, wird es immer schwieriger, dem seinen eigenen optimismus entgegenzusetzen - auch wenn mich das nicht davon abhalten kann, es immer wieder zu probieren
    ich denke nur manchmal zurück, wie es vor gut zehn jahren war - viele der heutigen sorgen waren damals nicht so präsent. oder täusche ich mich und es ist ein persönliches ding von mir?

    was meint ihr?
    übertreibe ich?
    lasse ich mich zu sehr von der gegenwärtigen stimmungsmache mitreissen?
    oder wird unser leben tatsächlich härter?

    sich gespannt auf eure antworten freuend
    das zebra

    #2
    Guten Morgen, Zebra,

    hier schreibt Morgenfrau zum Thema.

    "Lasse ich mich zu sehr von der gegenwärtigen Stimmungsmache mitreissen?

    Als ich vor einem Jahr in meine neue Single-Wohnung zog, habe ich z. B. ganz bewußt auf einen TV-Anschluß verzichtet.
    Und ich meine, ich schlafe nachts besser.

    (Alle gewünschten Informationen kann ich mir über Internet besorgen, ich bin also nicht uninformiert.)

    Ich glaube nicht, dass es vor ca. 10 Jahren besser war. Es kommt auch immer darauf an, worauf ich meinen Focus richte.

    Zu den Psychotherapien, die Du ansprichst, habe ich nachfolgende Meinung:

    Jeder Mensch kann in eine Krisensituation kommen. Je länger ich warte und diese Situation aushalte, anstatt mir helfen zu lassen, je höher wird der "Berg".
    Viele Menschen haben ein großes Problem damit, zu zu geben, dass sie überhaupt Hilfe bräuchten. Das sehen sie schon als "persönlich Schwäche" an.

    Und ich finde, es ist eine Stärke, ehrlich zu sich selbst zu stehen.

    In diesem Sinne

    liebe Grüße
    Morgenfrau.

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      #3
      hallo morgenfrau,

      ich finde sehr beruhigend, wie du das siehst. das mit dem leben ohne fernseher hab ich auch mal ein paar jahre gemacht, und es war gar nicht mal schlecht! gut, dass du mich darauf hin weist. wenn ich so drüber nachdenke fällt mir gerade auf, dass gerade die glotzerei mich ganz schön runterzieht... aber darauf hat man ja glücklicherweise einfluss.

      vllt hat sich einfach nur mein persönliches umfeld verändert und ist insgesamt problembelasteter und weniger unbeschwert geworden, was auch mit der lebensphase zusammenhängen kann. ich bin jetzt 27, viele hadern gerade mit job/berufseinstieg und beziehung, was will ich eigentlich überhaupt im leben, die eltern werden langsam älter und kränker usw. lso allgemein eher umbruchphasen. Dies mag auch ein faktor sein. wenn man noch ein paar jahre studium vor sich hat, erstmal keine weiteren großen entscheidungen treffen muss und finanziell abgesichert ist, erlebt man ja auch eine andere unbeschwertheit.

      mit den psychotherapien hast du natürlich recht, man darf und sollte sich hilfe holen. mich wundert nur die tatsache, dass es immer mehr brauchen. kann aber auch damit zusammenhängen, dass "heutzutage" (oh gott wie das schon klingt ) die bereitschaft größer ist, solche hilfen in anspruch zu nehmen (und nehmen zu dürfen!).

      liebe grüße
      zebra

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        #4
        Ich beschäftige mich grad mit einem Thema - siehe hier:
        http://forum.zeitzuleben.de/pers-nli...ge-seelen.html

        demnach hat sich die Seele einen Lebensplan erstellt... will also bestimmte Dinge erleben?....

        Ich bin dazu gekommen, weil das letzte Jahr wirklich schlimm für uns war, alles, was nur schief gehen konnte, ging schief, es war oft so mühselig und hat uns fast verzweifeln lassen...

        Hab ich das so gewollt, um Bestimmtes zu lernen?

        Vielleicht ist es aber auch nur der Blickwinkel, der uns die schlimmen Dinge sehen lässt?

        Kommentar


          #5
          Hallo Zebra,
          ich glaube nicht, dass das Leben härter geworden ist.
          Das kommt dir so vor, weil mehr über die Schwierigkeiten des Lebens informiert wird und weil die Menschen teilweise offener über ihre Probleme sprechen.
          Auch früher haben die Menschen z.B. unter Depressionen gelitten, waren sich selbst aber nicht darüber im klaren, weil die Forschung noch nicht so weit war.
          Man sprach nicht drüber und wenn, kam die Antwort: Reiß dich mal ein bisschen zusammen.
          Psychotherapie in der heutigen Form gab es nicht, entweder wurde mit irgendwelchen Beruhigungspillen hantiert oder die Patienten wurden weggesperrt und unter unmenschlichen Zuständen z.B. in Badewannen mit eiskaltem Wasser "behandelt", und darüber wurde natürlich nicht informiert.
          Ich weiß das daher, weil meine Mutter auch unter Depressionen litt und ich mit meinem Psych. mal darüber gesprochen habe, ob es ihr nicht mit einer Behandlung besser gegangen wäre.Er klärte mich darüber auf, dass es die heutigen Möglichkeiten damals einfach noch nicht gab.
          Solchen Erkrankungen hing auch sehr lange der Makel des "Verrücktseins" an, auch heute gibt es immer noch Leute, die von der "Klappse" sprechen.
          Dennoch hat sich das Bild von psychischen Erkrankungen weitgehend geändert, so dass auch immer mehr Leute zugeben, bereits einmal eine Therapie gemacht zu haben
          Wie viele es sind, kannst du daran sehen, dass die Wartezeiten bei den Therapeuten auf einen Platz sehr, sehr lang sind.

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            #6
            Hallo Zebra

            ich denke nicht, dass das Leben an sich haerter wird, eher im Gegenteil. Aber die Umstaende variieren und unsere Empfindung des Lebens ebenfalls.

            Richtig ist, Psychotherapie ist mehr anerkannt also vor 2-3 Jahrzehnten.
            Richtig is auch, dass wir Menschen der westlichen Welt stark individualistisch denken und uns nunmehr die Zeit fuer uns selbst nehmen.
            Richtig ist, dass die Zeit schnell-lebiger ist und damit mehr zeitlicher Druck/Stress entsteht.
            Richtig ist auch, dass Informationstechnologie & Filme wie auch die Globalisierung uns viel abgebruehter / sensationshungriger gemacht haben - was evtl. z.T. bei einigen Menschen nunmehr in der Umkehr (Meditation / kleine Freuden) ist.
            Richtig ist auch, dass wir in der westlichen Welt immer mehr 'verweichlicht' sind, soll heissen, warme Wohnungen, saubers Fliessenwasser, beste lebensmittel und die Hauptsorge, nicht zu dick zu werden, waren vor einem guten 1/2 Jahrhundert wohl eher noch undenkbar.
            Aber bereits damals gab es Schicksalsschlaege - ich moechte nicht wissen, wie sich die Menschen in den beiden Weltkriegen letztes Jahrhundert gefuehlt haben - aber 'reif fuer die Couch' nach heutigem MassStab waren bestimmt die meisten. Nur waren die Umstaende damals eben andere.

            Und, was natuerlich bei dieser Page hinzukommt, hier tummeln sich die Menschen mit dem Interesse und evtl. auch der Zeit, tiefer in psychologische Themenbereiche des Lebens einzutauchen.

            Lass Dich also nicht zu sehr aus der Bahn werfen .. die Welt dreht sich nach wie vor um die Sonne, auf den Winter folgt der Sommer

            LG
            Kuestenkind

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              #7
              Hallo Zebra,

              ich weiss noch, dass ich als junger Mensch nicht so viel darüber nachgedacht habe, warum, wieso, weshalb es mir jetzt so geht wie es geht, ich habe erst mit Mitte 20 angefangen, entsprechende Bücher zu lesen und mich zu informieren. Dadurch kam es mir damals auch so vor, als würde alles immer härter werden, und das ist ziemlich lange her.

              Es kommt dazu, was Mensch sagt, dass es heute normal ist, darüber zu reden. Ausserdem gibt es viel mehr Krankheitsbilder und -bezeichnungen, die vor längerer Zeit wahrscheinlich nur direkt Betroffenen oder Fachärzten ein Begriff waren, durch das Internet hat jeder den Zugriff auf Schriften, die sonst nur über Bibliotheken zu bekommen waren.

              Und für mich persönlich war die Krise im Baugeschäft 1975-1980 ziemlich fies, weil ich da jeden Tag um meinen Arbeitsplatz fürchten musste, der Bankencrash 2000 hat viele auch einiges an Ersparnissen gekostet - für Dich ist das jetzt vielleicht die erste globale Krise, über die Du Dir viele Gedanken machst?

              Nein, ich glaube nicht, dass das Leben härter geworden ist, nur anders

              Gruss
              Anke

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                #8
                Hallo Zebra,

                ich glaube nicht, dass das Leben härter geworden ist. Ich denke, wir müssen nur viel früher mit dem harten Leben fertig werden.

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                  #9
                  hallo Zebra,

                  ich denke, das Leben ist heute anders hart als früher. es ist komplexer , und durch die technischen Möglichkeiten schneller geworden. Wir verweichlichen im Gegensatz zu früher körperlich, dafür müssen wir mehr Informationen in immer kürzerer Zeit verarbeiten. Andererseits empfinde ich es als immer kontrastreicher: einerseits sind wir gesund, wie frühere Generationen nur davon träumen konnten, andererseits macht uns dieser Wohlstand immer kränker. Schwer das alles noch wirklich zu verstehen. Jedenfalls für mich.

                  Was die psychischen Probleme angeht, sehe ich beides: einerseits das, was hier schon angesprochen wurde, dass man heute eben bewusster damit umgeht und nicht mehr so viel untern Teppich gekehrt wird, andererseits aber auch eine Pathologisierung von Lebensübergängen, was ich vor allem in der Pupertät sehr erschreckend finde. Anstatt mit Vorbild und Führung wird das "Problem" heute sehr schnell mit Psychopharmaka behandelt.

                  lg Anna

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                    #10
                    Nee, ich glaube auch, dass einfach offener mit Problemen umgegangen wird. Und die härten haben sich verlagert, früher musste eine Hausfrau die ganze Familienwäsche von Hand waschen, heute machen sie die ganzen nachmittäglichen Veranstaltungen wahnsinning, zu den sie die drei Kinder kurtschieren "muss".
                    Gehört nicht ganz dazu aber mal so als Gedankenanstoß: irgendwo stand mal, heute müsse man nur 50% arbeiten um den Lebensstandard zu haben, für den vor 50 Jahren die Leute voll gearbeitet haben. Oder so ähnlich...

                    Und: härter als nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland?

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                      #11
                      na, da sind wir uns ja ziemlich einig

                      schließe mich dem tenor an und ergänze, niemals war der lebensstandard in der westlichen welt höher als heutzutage, noch nie hatten die menschen mehr geld für freizeit zur verfügung wie heute. unglaublich aber wahr. (fragt mich jetzt nicht nach der quelle)

                      ja, jetzt kommt die rezession und der wind auf dem arbeitsmarkt ist hart. aber vielleicht müssen gerade wir sturen deutschen da auch mal flexibler werden und uns arbeit im ausland suchen und dort ein neues leben beginnen?

                      möglichkeiten haben wir mehr denn je. finde ich...

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                        #12
                        @all

                        wow, vielen dank für eure zahlreichen und aufschlussreichen antworten!

                        ich finde toll und auch sehr interessant, dass ihr alle im grossen und ganzen sehr positive sichtweisen beschrieben habt.

                        mir gehen dazu ganz viele gedanken im kopf rum, ich werde bald genauer auf eure beiträge eingehen. jetzt zwinge ich mich erstmal zum schaffen *zwing*

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                          #13
                          Liebes Zebra,

                          *grübel*... ich glaube nicht, daß es härter geworden ist. Aber vielleicht kälter???

                          LG
                          Spunk

                          http://de.youtube.com/watch?v=AqTkZUi-99g

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                            #14
                            Zitat von Fortuna Beitrag anzeigen

                            möglichkeiten haben wir mehr denn je. finde ich...
                            Vielleicht könnte hier sogar ein Grund dafür liegen, warum uns das Leben härter oder wie Spunk sagt, kälter, erscheinen kann.

                            Wir haben unheimlich viele Wahlmöglichkeiten für die Lebensgestaltung. Wir können uns aussuchen, ob wir heiraten, Kinder bekommen, ledig bleiben, schwul oder lesbisch leben, vielleicht sogar bi, der Beruf ist frei wählbar, wir haben keine (offensichtlichen) gesellschaftlichen Zwänge mehr. Allerdings versteckt sich hinter der Freiheit der Wahlmöglichkeit eben auch die Pflicht, sich zu entscheiden... und die Entscheidung für eine Möglichkeite bedeutet gleichzeitig den Ausschluß einer anderen.
                            Ein anderer Punkt ist das Verschwinden von Traditionen und Bindungen. Großfamilien, die früher selbstverständlich waren, gibt es heute kaum noch. Wir sind selbst dafür verantwortlich (schon wieder dieses Wort) uns um unsere Bindungen zu kümmern und Ersatz für die schützende Hand der Großfamilie zu finden.

                            Wer an seinem Leben ( oder seinen aktuellen Entscheidungen) scheitert, wird von der Gesellschaft schnell als Versager hingestellt, der seine Möglichkeiten nicht nutzt... ist es ein Wunder, dass unsere Körper auf diesen Druck vermehrt mit Krankheiten reagiert? Ich finde nicht.

                            (@ Zebra: Die Sache mit den Wahlmöglichkeiten habe ich übrigens tatsächlich aus dem Studium ins Leben herüber gerettet... Ulrich Beck.. Soziologie... )

                            Hoffe, das war alles nicht zu konfus... zumindest sind es meine spontanen Gedanken zum Thema.

                            LG,
                            Heike

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                              #15
                              Also ich glaube schon, dass das Leben härter geworden ist, Zebra.

                              Das liegt nicht nur, aber auch, daran, dass ich gerade den Tatort gesehen habe, in dem es um die Praktiken in Billigdiskountern ging. Das hat man ja vorher schon in der Zeitung gelesen. Mein Vater hat erzählt, dass in der (bayerisch-gemütlich-anständigen) Raiffeisenbank bereits die Chefin anfängt, die Angestellten zu verwarnen, wenn sie private Kontakte untereinander haben. Sie hat letzthin zwei verwarnt, weil sie auf der Straße miteinander geredet haben. Das wäre früher keinem Chef eingefallen, er hätte sich in ein frühes Grab geschämt.

                              Oder die menschenverachtende Art, wie überall die Arbeitsplätze abgebaut werden, zugunsten der Aktionäre? Nein, zugunsten der Managerboni. Eine Studie hat herausgefunden, dass die meisten Manager psychopathologische Persönlichkeitszüge haben. Sonst könnten sie sich nicht so verhalten, wie sie das tun.

                              Ich bin Beamtin, und ich denke, dass sich der Staat früher noch mehr als fürsorglich gesehen hat gegenüber seinen Beamten, und nicht so knickerig und bösartig wie heute.

                              Und weil ich schon mal am Raunzen bin: Ich bin 42 und wir waren in der Schule politisch und engagiert, wir haben demonstriert und kritische Artikel in der Schülerzeitung geschrieben. Meine Schüler sind ausschließlich am Saufen interessiert, und natürlich an der Karriere. Meine Kollegen von Wirtschaft und Recht erzählen, dass sie überhaupt kein Problembewusstsein gegenüber dem Managerverhalten haben. "Wieso soll das falsch sein mit dem Victoryzeichen vom Ackermann? Das war doch cool." Einer hat mal zu mir gesagt "Mein Lebensziel ist es, einen Maybach zu fahren, bevor ich 30 bin." Und das war keine Provokation, sondern eine ernsthafte Aussage.

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