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Mit den Eltern reden - für Anfänger

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    #31
    Das verstehe ich jetzt nicht, weil ich nicht weiß, was du hören/lesen willst...

    Condor

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      #32
      Ideen und Denkanstöße zum Fadenthema. Deshalb habe ich den Faden eröffnet.

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        #33
        Zitat von queenie Beitrag anzeigen
        "Ihr habt mir nichts getan, aber ich bin einfach an Kontakt mit euch nicht interessiert." Ich meine, dass kann ich denen doch nicht einfach so vor den Latz knallen!!! Sie wollen wissen, warum - was ich völlig legitim finde. Aber was sage ich da? Wie formuliere ich es? "Ihr seid mir egal."? "Mit Interesse an mir hättet ihr vor 30, 40 Jahren anfangen müssen."? "Nur weil ihr Sehnsucht nach mir habt, muss ich doch nicht automatisch dem Wunsch entsprechen, wenn ich es doch nicht will."? "Nur weil wir verwandt sind, müssen wir uns doch nicht mögen."?
        Ich versuche es noch mal.

        Du könntest es zunächst mit einem Brief versuchen. Diesen Brief beginnst du mit den Worten... Was ich euch schon immer mal sagen wollte, wenn ich mich getraut hätte...
        Und dann schreibst du alles runter, was dich schon immer gestört, verletzt hat. Rechtschreibung und Ausdrucksweise sind dabei völlig egal. Wichtig ist nur, dass du diesen Brief nicht abschickst, es sei denn, du möchtest deine Eltern so richtig verletzen.

        Nachdem du den Brief geschrieben hast, liest du ihn so oft durch bis du merkst, dass deine Wut, Enttäuschung, Verletztheit nachlässt. Dann kannst du den Brief Vorwurf für Vorwurf durchgehen und dich fragen, ob es so wirklich war, ob es so wirklich stimmt und ob du es so deinen Eltern wirklich sagen würdest.

        Dann kannst du den Brief umschreiben, indem du die Vorwürfe abmilderst und daraus Wünsche machst.
        Beispiel: Ich fand es so scheiße, dass ihr mich nie wirklich gesehen habt. - Wunsch: Es wäre schön gewesen oder ich hätte mich gefreut, wenn ihr meine Bedürfnisse erkannt hättet.

        Briefe schreiben ist eine gute Sache, da die Gegenseite nicht sofort antworten muss und sich Zeit lassen kann, das Geschriebene zu überdenken.

        Condor

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          #34
          Liebe queenie!

          So, jetzt habe ich mal wieder ein bißchen Zeit. Nur kurz zu meiner Umärmelung: Weißt Du, ich dachte mit schon, als ich das losgeschickt habe "das ist nicht queenies Sprache" - und gleichzeitig war es mir wichtig, das was in mir in diesem Augenblick lebendig war, in einer für mich stimmigen Sprache auszudrücken. Und eigentlich war das auch so ein Fall von: Deine Reaktion gehört Dir, ich habe sie nicht in der Hand, und was weiß ich schon, was genau sie bei Dir auslösen wird? Ich handle einfach nach dem, was für mich gerade stimmig ist, im Vertrauen, daß Du mit zwei digitalen Kreisen, von denen einer den Anderen umarmt, die ausdrücken sollen, daß ich emotional bei Dir bin, schon umgehen können wirst - egal, wie Dein Umgehen ausschaut.

          In mir tauchte beim Lesen Deines vorletzten Beitrages vor meinem noch ein Gedanke auf, den ich noch loswerden wollte, und ich finde es sehr witzig, daß genau dieser Aspekt in Deinem Austausch mit Condor mittlerweile von Dir selbst ausgedrückt wurde, und daß ich somit nun sogar die Bestätigung dafür habe, was ich vermutete, daß Dir das nämlich in Bezug auf Dich ein großer Wert ist: Es geht um den Respekt davor, daß wir den Anderen nicht kennen, zwar vielleicht eine Idee haben können, was in ihm vorgeht, aber es nie wissen können. Wir sind nicht der Andere, und wenn uns noch so viel erzählt wurde, wir noch so sehr meinen, wir wüßten, wie der Andere tickt, vielleicht auch, weil wir glauben, eigenes wiederzuerkennen - wir wissen eben nicht! Wir tragen nicht die Erfahrungen des Anderen in uns, wir wissen nicht jedes Ereignis, und was dieses oder jenes in uns ausgelöst hat.

          Ich weiß nicht, wo Du jetzt stehst, nach den Anregungen in diesem Faden. Als Deine Aussage mit den Tränen in den Augen las, bekam ich den Eindruck, daß Du an etwas rührst, was vom ursprünglichen Fadenthema doch ein wenig entfernt ist, etwas, was viel tiefer geht als der ursprüngliche Wunsch von "Kontaktabbruch bzw. -minimierung", nämlich an den Schmerz, der hinter diesem Wunsch steht. Nur: Ich weiß nicht, welchen Weg Du jetzt einschlagen wirst, willst oder "sollst" - für mich sehe ich mehrere Wege, einen "härteren", einen "weicheren", und welcher in Dir was bewirken wird, welcher für Dich gut ist - ich weiß es nicht. Ich sehe und höre von Knoten in Dir - aber welcher jetzt gerade gelöst werden will, was genau wo sitzt, was alles jetzt gerade in Dir lebendig ist oder leben will, ich weiß es nicht.

          Von dieser Aussage will ich einen Bogen machen zu Deiner Mutter. In diesem Faden klang irgendwo eine Sehnsucht an, Deiner Mutter gegenüber empathisch sein zu können. Für mich funktioniert, um empathisch sein zu können, eben genau obiger Ansatz: Mir bewußt zu machen, daß ich den Anderen nicht kenne, aber daß ich aus dem, was ich wahrnehmen kann, rückschließen kann auf Ursachen.

          Und da denke ich: Ich höre von Dir, daß es etwas gibt, was Dir Deine Mutter nicht geben konnte - und dieser Mangel, erkennst Du heute, hat in Dir bewirkt, daß Du heute manches nicht kannst: Manches vielleicht nicht fühlen kannst, nicht annehmen kannst, nicht ausdrücken kannst. Im Rückschluß denke ich: Genauso ist es Deiner Mutter in ihrem Leben vermutlich auch gegangen. Auch sie wurde als unschuldiges Wesen in diese Welt geworfen, mit allen Bedürfnissen einer kindlichen Seele. Und, wenn Du Dich der 50 näherst, darf ich vermuten, daß Deine Eltern sich der 70 nähern oder sie überschritten haben, sie sind also vermutlich annähernd Kriegskinder. Hatten vermutlich Eltern und erwachsene Bezugspersonen, die im Krieg traumatisierenden Erlebnissen ausgesetzt waren oder erlebten sie gar selbst. Hatten Eltern, die vermutlich beschäftigt waren mit dem puren Überleben und die ihren Kindern auch vieles nicht geben konnten, was diese Kinderseelen gebraucht hätten, um sich voller Urvertrauen entwickeln zu können. Deine Mutter hat ihre Strategien entwickelt, um in dieser Welt zu überleben, da ist vermutlich ein Mangel entstanden (oder auch mehrere), und sie hat ihn irgendwie kompensiert.

          Und sie hat überlebt. Hat dann ihren Teil des Mangels weitergegeben. Und nun ist er bei Dir.

          Wenn ich mir dieses große Ganze anschaue, taucht bei mir automatisch Empathie auf für dieses ganze System des sich selbst perpetuierenden Leids. Und gleichzeitig - und damit schließe ich den Kreis und komme wieder zurück zum Respekt - auch die Demut anzuerkennen: Ich habe keine Ahnung, was die einzelnen Personen antreibt, wo sie stehen, was sie können, was sie nicht können, was sie entwickeln können, was sie nicht entwickeln können. Ich sehe nur Menschen, die es - mit allen Hindernissen, mit allen Startschwierigkeiten - geschafft haben, bis zu ihrem jetzigen Punkt zu überleben. Und das ist von jedem von ihnen eine Leistung, denn alle hatten sie ihr Päckchen (oder sogar Paket) mitbekommen.

          Es gibt einen sehr schönen Satz von Verena Kast, der mich sehr bewegt hat, als ich ihn damals las. Einen jener Augenöffnersätze. Sie beschreibt "das Ernstnehmen des Geheimnisstandes einer Person: Ein respektvolles Begegnen, das nie alles und schon gar nicht im Voraus, weiß. Man muß sich immer wieder bemühen um das schrittweise Lüften des Geheimnisses. Darüber hinaus impliziert der Geheimnisstand eine Haltung des Staunens vor den Möglichkeiten, die immer das überschreiten, was wir jeweils für menschenmöglich halten, im Guten und im Schlechten."

          Das impliziert für mich nicht nur die Freiheit sondern sogar die Aufforderung, meine Annahmen, was der Andere verkraften könnte oder nicht, oder was er aushalten könnte oder nicht, oder woran er zerbrechen könnte oder nicht - loszulassen. Für mich sind all diese Annahmen Anmaßungen. Nach dem Motto: Verdammt, ich weiß ja noch nicht einmal von mir selbst, wohin ich gehen kann, was ich noch entwickeln kann oder nicht, und ich erwarte auch von allen Anderen, daß sie sich nicht anmaßen, über mich Bescheid zu wissen - aber von jemand Anderem glaube ich, es zu wissen?

          Das finde ich auch noch eine hilfreiche Denkaufgabe.

          Und da belasse ich es jetzt heute, mein Eindruck ist, es denkt ohnehin schon genug in Dir, und der Worte sind auch schon genug gewechselt, vermutlich geht es dann irgedwann darum, Taten zu sehen und aus ihnen weiter zu lernen.

          Dir weiterhin alles Gute beim Ergründen, Erfühlen und Ausprobieren,

          MP

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            #35
            Liebe MissPig,

            manchmal bist du mir echt unheimlich... *liebgrins*
            und daß ich somit nun sogar die Bestätigung dafür habe, was ich vermutete, daß Dir das nämlich in Bezug auf Dich ein großer Wert ist: Es geht um den Respekt davor, daß wir den Anderen nicht kennen, zwar vielleicht eine Idee haben können, was in ihm vorgeht, aber es nie wissen können. Wir sind nicht der Andere, und wenn uns noch so viel erzählt wurde, wir noch so sehr meinen, wir wüßten, wie der Andere tickt, vielleicht auch, weil wir glauben, eigenes wiederzuerkennen - wir wissen eben nicht!
            Du hast den Nagel sowas von auf den Kopf getroffen, das hört gar nicht mehr auf, mich jedesmal, wenn es geschieht, wieder aufs Neue total umzuhauen. Dass mir dieser Respekt vor genau der Tatsache (dass nämlich niemand wissen kann, wie es in mir - und auch jedem anderen - ausschaut und was für mich das Beste ist; man kann allenfalls eine Ahnung oder Vermutung haben, mehr nicht...) so wichtig ist, versuche ich schon so lange immer wieder den Menschen um mich herum klar zu machen. Aber gefühlt sagt jeder nur "Ja ja, verstehe ich, aaaaaber...", um mir im Folgenden dann zu zeigen, dass er es eben nicht verstanden hat.

            Aber nicht du, meine Liebe. Du scheinst genau zu spüren, was da los ist undformulierst dann "mal eben" so locker-flockig genau das, worüber ich mir schon seit Jahren den Kopf zerbreche, wie ich's ausdrücken soll. *noch drei Blumesträuße hinterherschick*

            Mein Tag heute war auch aus anderen Gründen emotional recht... nun, ich würde mal sagen, turbulent. (Und er bzw. das turbulente Potenzial des Tages ist noch nicht vorbei, da mein Freund nachher noch anruft und wir noch was zu klären haben, was aller Wahrscheinlichkeit ziemlich anstrengend wird. Na ja, mal schauen.) Denn neben deinem Beitrag, liebe MissPig, hatte ich heute auch noch einen Termin bei meiner Therapeutin, wo ich das Thema Eltern und die damit für mich verbundenen Schwierigkeiten zur Sprache gebracht habe.

            Denn auch wenn es eventuell für manche hier nicht so ankommt, waren eure Beiträge für mich alle sehr hilfreich. In jedem Beitrag steckte etwas für mich, eine Frage, eine Erkenntnis oder auch "nur" einn Widerwille meinerseits, der mich mich selber fragen ließ "Wieso reagiere ich da jetzt so drauf?". Ich hatte also genügend Stoff für die heutige Therapiesitzung zusammen.

            Es gibt zwischen MissPigs Beitrag und dem, was ich heute mit meiner Therapeutin besprochen habe, mehrere Parallelen, die ich aber lediglich spüre. All das ergibt für mich noch keinen Sinn. Gleichzeitig ist da das Gefühl, dass da etwas zusammenkommt. Oder besser, dass ich da an zwei Enden von ein und der selben Sache bin... Mal schauen, ob ich das irgendwie verständlich zusammengeschwurbelt bekomme... *selber auch total gespannt guck*

            Als Deine Aussage mit den Tränen in den Augen las, bekam ich den Eindruck, daß Du an etwas rührst, was vom ursprünglichen Fadenthema doch ein wenig entfernt ist, etwas, was viel tiefer geht als der ursprüngliche Wunsch von "Kontaktabbruch bzw. -minimierung", nämlich an den Schmerz, der hinter diesem Wunsch steht.
            Nur: Ich weiß nicht, welchen Weg Du jetzt einschlagen wirst, willst oder "sollst" - für mich sehe ich mehrere Wege, einen "härteren", einen "weicheren", und welcher in Dir was bewirken wird, welcher für Dich gut ist - ich weiß es nicht.
            Ich sehe und höre von Knoten in Dir - aber welcher jetzt gerade gelöst werden will, was genau wo sitzt, was alles jetzt gerade in Dir lebendig ist oder leben will, ich weiß es nicht.
            Und da denke ich: Ich höre von Dir, daß es etwas gibt, was Dir Deine Mutter nicht geben konnte - und dieser Mangel, erkennst Du heute, hat in Dir bewirkt, daß Du heute manches nicht kannst: Manches vielleicht nicht fühlen kannst, nicht annehmen kannst, nicht ausdrücken kannst.
            Ich habe diese Zitate absichtlich aus dem ursprünglichen Zusammenhang genommen, weil dann vielleicht klar wird, wo da der Zusammenhang ist. Ich muss gestehen, dass ich ihn selber nicht sehe, aber die unterstrichenen Passagen sind eben die, die etwa in mir zum Klingen bringen.

            Meine Haut ist pickelig, aber die Pickel wollen nicht raus, Wunden verheilen schlecht, ich habe (trotz genügend Schlaf) leichte Augenringe und - für mich als Frau mit sowieso so wenigen, dünnen Haaren das Schlimmste - mit fallen wieder verstärkt die Haare aus (nachdem der Haarausfall während meines Aufenthalts in einer psychosomatischen Klinik langsam zurück ging und zwei Monate auch ganz weg war). Mag daher sein, dass ich den Eindruck erwecke, gerade mal wieder mit der Brechstange versuche, Probleme zu lösen.

            Tatsächlich ist es aber eher umgekehrt: ich kaue schon wieder so lange ergebnislos an diesen Sachen herum, dass mich alles Abwarten und "es locker angehen lassen" kein Stück weiter bringt, sondern nur noch tiefer in einen Strudel zieht, bei dem Anfang und Ende, Ursache und Wirkung, Henne oder Ei nicht mehr erkennbar sind.

            "Der Schmerz, der hinter dem Wunsch steht..." -ja, was ist das nur für ein Schmerz? Ich würde sagen, eine tiefe, bodenlose Einsamkeit, ein allumfassendes Mich-ganz-alleine-fühlen-auf-der-Welt. Ich zitiere mich hier noch einmal
            Statt Schwäche und Bedürftigkeit mit dem Erhalten von Geborgenheit und Zugehörigkeit in einer Gemeinschaft zu verbinden, steht Bedürfnisse haben für mich immer in Verbindung mit dem Gefühl, den anderen zu nerven, ihm unbequem zu sein, etwas zu fordern (man fordert nicht, sondern ist bescheiden) und so den Unmut des anderen zu verursachen.
            Dieses Gefühl, dass meine Bedürfnisse automatisch für den anderen ein Grund des Ärgernisses sind... ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll... ich kann mir mit dem Verstand noch so oft sagen, dass das nicht stimmt, es scheint meine Seele nicht zu interessieren... Gleichzweitig schwingt das Gefühl "wieso Nähe annehmen/zulassen, wenn sie ja doch gleich wieder vorbei ist und ich genauso ein-sam (nicht zwei-sam) dastehe" mit.

            Hm...ich merke, dass es heute wohl doch nix mehr wird mit dem klar denken und schreiben. Oder könnt ihr damit etwas anfangen???

            Wenn du, MissPig, von zwei Wegen sprichst, einem "härteren" und einem "weicheren", was meinst du damit? Ich frage aus der Überzeugung heraus, dass doch jeder wirksame Weg ein "harter" Weg ist, oder nicht?

            So, für heute genug Verwirrung gestiftet...

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              #36
              die andere Seite ...

              Liebe Queenie, liebe MP und alle, die hier geantwortet haben,

              ich habe still mitgelesen und erkenne viele Parallelen zu meiner Biographie, was mir das hilfreiche Gefühl vermittelt, nicht alleine zu sein.

              Jetzt möchte ich doch einmal die "andere Seite" in mir zu Wort kommen lassen. Als Mutter von vier inzwischen erwachsenen Kindern, die ich ins Leben begleitet (das Wort "Erziehung" läßt mich würgen) habe, (be)trifft mich dieser Faden, mit allen enthaltenen Antworten noch einmal ganz anders. Wie MP so wunderbar ausgeführt hat, Mütter (Eltern) wissen nicht immer und schon gar nicht alles und das ist gut so. Schwierig ist es aber, die Mutterrolle zu verändern, ein anderes, erwachsenes Bild von seinen Kindern zu zeichnen und anzunehmen. Abschied zu nehmen von der "Führungs- und Fürsorgerolle" in der man Jahrzehnte gelebt hat und gleichzeitig zu erkennen, dass mit dem Erwachsenen-Dasein der Kinder, das eigene Dasein eine andere Definition braucht und dann wird man auch noch alt, was für sich alleine schon eine spezielle Herausforderung ist.

              Schwer ist es auch, in den Spiegel zu schauen, den die eigenen Kinder vorhalten.

              Schwer ist es, immer wieder zu entscheiden, wieviel von mir darf ich als Mensch, getrennt vom Mutterdasein, meinen Kindern zeigen. Wieviel dürfen sie von meiner eigenen Biografie wissen, wie sehen sie mich jetzt und was ist meine Aufgabe JETZT? Die Balance zu finden zwischen der Mutter ihrer Kindheit = ich bin stark, regle alles, bin immer für sie da (soweit es mir möglich war) usw. und der Mutter der Erwachsenenzeit = verletzlich, zaghaft, unentschieden und sehr auf sich selbst fokussiert, weil der Motor, sprich die Verantwortung für die Kinder nicht mehr benötigt wird, ist sauschwer.

              Ich habe das unwahrscheinliche Glück, dass meine Kinder, alle vier, pardon "den Arsch in der Hose" haben, mit mir zu reden. Offen, kritisch, hinterfragend und ja auch vorwurfsvoll. Sie geben mir die Chance, die viele Mütter (Eltern) nicht haben, zu erkennen, wie sie meine stets gut meinende Begleitung wahrgenommen haben. Was im übrigen stellenweise unerträglich schmerzt, aber das ist dann meine Baustelle ganz alleine.

              Trotzdem, ihre gnadenlose Ehrlichkeit hilft mir, den richtigen Platz in ihrem Leben JETZT zu finden und gleichzeitig einen neuen Platz in meinem eigenen Leben. Ihre Ehrlichkeit entlässt mich aus der Verantwortung und dem immer währenden extrem starken Gefühl des Kümmern müssens, schafft Klarheit in der wir uns neu begegnen können, als Erwachsene. Ich persönlich empfinde den Mut meiner Kids als großes Geschenk und bin unsagbar stolz, dass ich es bekommen habe!

              Getrennt von meiner eigenen Mutterrolle, habe ich nicht (mehr) den "A.... in der Hose" mit meiner Ursprungsfamilie zu reden. In diese Richtung habe ich den Kontakt im Januar d. J. per Brief endgültig abgebrochen. Es war für mich einfach unerträglich, weiterhin IHRE Bedürftigkeit auszuhalten und so zu funktionieren, wie sie glauben, dass das "Kind" zu funktionen hat.
              Was das Verhältnis zu meinen Kindern anbelangt, wir pflegen einen sehr offenen, achtsamen und vertrauensvollen Umgang miteinander, auch wenn wir streckenweise wochenlang nichts von einander hören oder lesen.

              Liebe Queenie, ich laufe nicht in Deinen Schuhen, obwohl wir scheinbar welche aus der gleichen Serie gewählt haben , deshalb kann und will ich nicht raten. Ich weiß nicht, ob es Dir hilft, einmal aus anderem Blickwinkel zu schauen, vorallem, weil ich nicht so wunderbar formulieren kann wie viele andere hier im Forum, das Einzige was ich weiß, ist, dass Du verdammt viel Kraft und Mut brauchst und das wünsche ich Dir von allen Seiten!
              Timetolive
              Zuletzt geändert von timetolive; 22.05.2015, 07:14. Grund: Ergänzung

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                #37
                Liebe queenie,

                es freut mich sehr zu lesen, daß Du aus diesem Faden Anregungen mitnimmst, freue mich zu lesen, daß es in Dir arbeitet, Stück für Stück, und nein, ich werde das jetzt nicht mit einem üblen Smilie unterstreichen - könnte ich aber. Warte mal, wie wär's mit dem?


                Der paßt doch immer wieder zum Leben, oder? Spielschwein, ich ...

                Ok, eine Frage:

                Zitat von queenie Beitrag anzeigen
                Wenn du, MissPig, von zwei Wegen sprichst, einem "härteren" und einem "weicheren", was meinst du damit? Ich frage aus der Überzeugung heraus, dass doch jeder wirksame Weg ein "harter" Weg ist, oder nicht?
                Hast Du, obwohl ich die Gegensätze "hart" und "weich" schreibe, "hart=schwierig" assoziiert? Oder meinst Du, daß nur "harte" Wege wirksam sein können? Da bin ich jetzt nicht ganz sicher, wo das Mißverständnis sitzt.

                Ich bezog das "hart" und "weich" auf die Qualität der Gefühle. Für mich sind Wut und Zorn harte Gefühle, weil sie mich verhärten. Deswegen sind sie auch meine bevorzugten Gefühle, weil sie mich so wunderbar stark machen, da kann ich handeln und zack, Problem (scheinbar) gelöst. Ich werde nachher auch noch etwas im Wut-Faden erzählen, ich "studiere" meine Wut ja derzeit nachgerade

                Wut ist bis zu einem gewissen Grad herrlich einfach: Ich bin im Recht, mir wurde Unrecht getan, der Andere ist schuld, der Blick ist fokussiert auf diese Sichtweise, die Stoßrichtung klar. Man panzert sich und stößt zu. Hart.

                Hinter der Wut liegen bei mir sehr oft die Gefühle, die mich weich und (scheinbar) schwach machen, wie Enttäuschung, Verletzung, Hilflosigkeit, Trauer, Unsicherheit. Die mag ich - eben wegen ihrer weichen Qualität - nicht so gerne, weil aus denen heraus nicht so gut Handeln ist. Die wollen, meiner Erfahrung nach, oft primär gefühlt werden - und mein Eindruck ist, die erfordern oft mehr innere Prozesse, ein Hinterfragen und Loslassen von Gedanken, Glaubenssätzen, Identitäten, ... Die sind - für mich - nicht so angenehm geradlinig zu nehmen, und da kann ich mich auch nicht panzern und mit geschlossenen Augen durchrennen, da heißt es fühlen, fühlen und noch einmal fühlen, annehmen, loslassen, verstehen, und dann wieder von vorne anfangen, und im Idealfall löst es sich hier und dort, und ich werde immer weicher und verletzlicher. Weich.

                Das war das, was ich meinte. Für mich scheint es, als ob es zwei Gefühlsqualitäten gibt, aus denen heraus Du weiter tun kannst, handeln kannst, beide haben sich für mich in diesem Faden gezeigt.

                Welcher Weg für Dich "leicht" oder "schwer" ist, keine Ahnung.

                Habe ich auf die richtige Frage geantwortet?

                Und jetzt gehe ich in den Wutfaden

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                  #38
                  timetolive # 36

                  Du hast wunderbar treffend die Veränderung/Entwicklung der Mutterrolle beschrieben.
                  In diesem Wandlungsprozeß stecke ich gerade und möchte einen Zustimmungsbutton senden

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                    #39
                    Liebe MissPig,

                    ein paar (Pfingst)Tage zum denken und in sich gehen, aber auch angefüllt mit Stress auf Beziehungsebene, welcher dann zum Glück durch mehrere Gespräche (und - für seine Seite außergewöhnlich - viel Mit-GEFÜHL mit mir und meiner Situation) zu einer harmonischen, befreienden und entspannten Zweisamkeit kommen konnte.

                    "Mein" Narzisst überrascht mich immer wieder. So oft denke ich "das wird nix, der kapiert das nie..." und dann kommt unvermutet von ihm eine so große Portion un-narzisstischer Versuch und Bemühen, etwas für mich zu tun und für mich da zu sein, dass es mir das Herz öffnet. Weiß ich doch, dass das, was er da in so einem Moment fähig ist zu geben, etwas Besonderes ist - alleine schon, weil er es geben will.

                    Vordergründig haben die Ereignisse der vergangenen Tage nichts mit dem Fadenthema zu tun. Da aber beide (Freund und Eltern) mich zur Zeit emotional auf Trab halten - und wie sich immer häufiger zeigt, auch die Art und Weise durchaus Parallelen aufweist - ist mir hier nach einer Erwähnung.

                    Hast Du, obwohl ich die Gegensätze "hart" und "weich" schreibe, "hart=schwierig" assoziiert? Oder meinst Du, daß nur "harte" Wege wirksam sein können? Da bin ich jetzt nicht ganz sicher, wo das Mißverständnis sitzt.
                    Hm, ich hatte wohl eher "hart = schmerzhaft, aber wirkungsvoll" und als Gegensatz "weich = netter Versuch, bringt aber nicht wirklich was, ist nur für die, die sich nicht trauen, ernsthaft am Problem zu arbeiten" mit den Begriffen assoziiert.

                    Also, ja... meine Annahme war, dass nur der harte Weg wirksam sein würde, weil nur der Schmerz zu genügend Leidensdruck führen kann, der dann wiederum eine Änderung (im Verhalten, in der eigenen Einstellung) bewirken kann.

                    Wenn du jedoch schreibst
                    Ich bezog das "hart" und "weich" auf die Qualität der Gefühle. Für mich sind Wut und Zorn harte Gefühle, weil sie mich verhärten. Deswegen sind sie auch meine bevorzugten Gefühle, weil sie mich so wunderbar stark machen, da kann ich handeln und zack, Problem (scheinbar) gelöst.
                    , dann erkenne ich, dass ich wohl mein ganzes Leben lang eher den harten (= mich verhärtenden) Weg gehe. Und ich bemerke immer wieder, dass dieser harte Weg voller Wut udn Zorn mich nur äußerst selten weiterbringt.

                    Ob Wut und Zorn jedoch generell meine bevorzugten (= geliebten) Gefühle sind, weiß ich dabei gar nicht mal. Sie sind aber fast immer in ungeklärten, mich belastenden (weil - scheinbar - nicht lösbaren) Situationen sozusagen meine erste Wahl. Und warum das so ist bzw. wozu es gut ist, Wut und Zorn als erstes am Start zu haben, das ist etwas, was ich herausfinden will.

                    Denn genau dies ist ein Punkt, an dem ich die oben erwähnten Parallelen zwischen meinem Freund und meinen Eltern sehe... aber nicht nur sie lösen diese Verhaltensweisen bei mir aus, sondern so viele andere - scheinbar völlig andere Menschen tun dies ebenfalls. Bzw. ihr Verhalten löst bei mir etwas aus, wofür ich dann nur Wut und Zorn als "Waffen", als Gegenmittel habe...

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