Zitat von Gerlinde
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Wenn dieser Abbau sich kontinuierlich zu Ungunsten des Betroffenen entwickelt, so dass er(sie) sich durch sein/ihr Verhalten in Gefahr für Leib und Leben begibt, wäre entsprechend einer allgemeinen Bewertung eine EInweisung (mit HIlfe eines herbeigezogenen Psychiaters) ins Auge zu fassen - sozusagen um ihn/sie vor sich selbst zu schützen. Dass das nicht unbedingt die optimalste Lösung ist, versteht sich von selbst.
Da du die Person jedoch als "aufmerksam und ernsthaft" schilderst (und wahrscheinlich ist sie bis zu einem gewissen Grad auch umgänglich) , sehe ich im Moment bezüglich drastischer Maßnahmen (wie bsp. eine Einweisung) keinen Handlungsbedarf.
Solange unter anderem das Ichbewusstsein, die Psychomotirik, das formale Denken (intellektuellen Leistung) und der Bezug (die Beziehung) zur Umwelt nicht gestört ist, kannst du mit "systemischen Fragen" (nicht unbedingt mit dem Fragenkatalog der systemischen Therapie gleichzustellen), viel Geduld und ehrlichem Verständnis ansatzweise in die "Welt" eines paranoid Schizophrenen schauen.
Wenn ich von "ehrlichem Verständnis" schreibe, dann heisst das, dass p.S. feine Antennen entwickelt haben, um vorgespieltes oder halbherziges Verständnis quasi auf Anhieb zu entlarven >> wird durch die paranoiden Filter noch zusätzlich gefördert/unterstützt.
Mit Geduld meine ich, dass der verständnisvolle Helfer (der nichtsdestoweniger auf innerem Abstand bleiben soll - sich innerlich "neutralisieren" sollte) sich nicht mit einigen beantworteten Fragen zufrieden gibt, sondern den Antworten nachgeht, den Kranken in ein Gespräch verwickelt, das seinen Bedürfnissen entgegenkommt, das "ihn ernst nimmt".
P.S. sind vor allem (oft) sehr einsame Menschen, was an sich schon (einleuchtend) darauf hinweist, dass sie mangels real-life-Kontakten und einer entsprechenden Beachtung und (positiven) Wertung seitens ihrer Mitmenschen ihre "Kontakte" dort suchen und "finden", wo ein "gesunder und mehr oder weniger rational" denkender Mensch überhaupt nicht suchen würde - es käme einem solchen "nicht in den Kopf sich etwas vorzumachen", ... heisst es dann oft. Derartige Kommentare sind für den p.S. sozusagen das Salz in der Suppe - sie bestätigen ihn und seine Phantasien(Halluzinationen).
Was auch nicht übersehen werden sollte, ist, dass p.S. oft in für den "Normalo" verwirrenden Symbolen reden und mitunter auch Emotionsdurchbrüche zeigen. Bei letzteren wäre es müssig, mit Fragen zu kommen. Hier ist verständnisvolle und "bestimmte" Gestik eher von Nutzen.
Übertriebene Anteilnahme wird jedoch wiederum erkannt und in der Regel zu Ungunsten des Helfers ausgelegt."Du glaubst mir auch nicht - du machst mir was vor - ich kann dir nicht trauen - ..."
Das Vertrauen kannst du dir besonders bei p.S. nicht "erschleichen" (siehe vorigen Absatz), beispielsweise um ihn dann zu therapieren. Deine Motive sollten authentisch sein und darauf abzielen, diesen Menschen zu verstehen und ihm die Chance vermitteln, in Bezug auf sich selbst, wieder eigene Entscheidungen zu seinen sozialen Gunsten treffen zu können.
Die Krankheit des anderen darf nicht dein Problem werden. Wenn du dich emotional involvierst, wirst du "verletzlich" und spiegelst oder projizierst "automatisch" ... und bist für den Betroffenen keine ernstzunehmende HIlfe.

p.s.: Du solltest dich gründlich informieren (wenn du es nicht schon getan hast oder sowieso weisst), ob im Leben des/der Betroffenen schädliche Substanzen (Alkohol, halluzinogene und andere Drogen, starke Neuroleptika und dergleichen...) und auch physische Traumata "eine Rolle" gespielt haben. Entsprechende Hirnschäden sind meist irrevokabel und mit psycho-therapeutischen Maßnahmen kaum oder nur teilweise erfolgreich zu behandeln.

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