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Erfahrung mit paranoider Schizophrenie?

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    #16
    Zitat von Gerlinde Beitrag anzeigen
    Eine Person in meinem Umfeld ist - für mich erkennbar seit ca. 8 Monaten - paranoid schizophren. Es werden Gespräche von verschiedenen Personen, vorwiegend Nachbarn, wahrgenommen. Die betroffene Person denkt jetzt, sie werde vergiftet bzw. anders attackiert. Krankheitseinsicht besteht gar nicht. Derzeit glaubt die Person, sie sei hypnotisiert worden und könne deshalb jetzt diese Stimmen hören. Der Verlauf der Erkrankung ist leider so, dass eine starke Verschlechterung zu bemerken ist. Zusätzlich treten jetzt auch immer wieder körperliche Beschwerden auf ...
    Entsprechend deiner Schilderung (von mir fett hervorgehoben) scheint die Person zeit- oder schubweise eine Negativsymptomatik zu zeigen d.h., dass sie in den Momenten (Phasen) sozusagen sowohl geistig als auch körperlich "abbaut" und ihre "normalen" Funktionen in diesen Phasen vermindert oder beeinträchtigt sind.
    Wenn dieser Abbau sich kontinuierlich zu Ungunsten des Betroffenen entwickelt, so dass er(sie) sich durch sein/ihr Verhalten in Gefahr für Leib und Leben begibt, wäre entsprechend einer allgemeinen Bewertung eine EInweisung (mit HIlfe eines herbeigezogenen Psychiaters) ins Auge zu fassen - sozusagen um ihn/sie vor sich selbst zu schützen. Dass das nicht unbedingt die optimalste Lösung ist, versteht sich von selbst.

    Da du die Person jedoch als "aufmerksam und ernsthaft" schilderst (und wahrscheinlich ist sie bis zu einem gewissen Grad auch umgänglich) , sehe ich im Moment bezüglich drastischer Maßnahmen (wie bsp. eine Einweisung) keinen Handlungsbedarf.

    Solange unter anderem das Ichbewusstsein, die Psychomotirik, das formale Denken (intellektuellen Leistung) und der Bezug (die Beziehung) zur Umwelt nicht gestört ist, kannst du mit "systemischen Fragen" (nicht unbedingt mit dem Fragenkatalog der systemischen Therapie gleichzustellen), viel Geduld und ehrlichem Verständnis ansatzweise in die "Welt" eines paranoid Schizophrenen schauen.
    Wenn ich von "ehrlichem Verständnis" schreibe, dann heisst das, dass p.S. feine Antennen entwickelt haben, um vorgespieltes oder halbherziges Verständnis quasi auf Anhieb zu entlarven >> wird durch die paranoiden Filter noch zusätzlich gefördert/unterstützt.

    Mit Geduld meine ich, dass der verständnisvolle Helfer (der nichtsdestoweniger auf innerem Abstand bleiben soll - sich innerlich "neutralisieren" sollte) sich nicht mit einigen beantworteten Fragen zufrieden gibt, sondern den Antworten nachgeht, den Kranken in ein Gespräch verwickelt, das seinen Bedürfnissen entgegenkommt, das "ihn ernst nimmt".

    P.S. sind vor allem (oft) sehr einsame Menschen, was an sich schon (einleuchtend) darauf hinweist, dass sie mangels real-life-Kontakten und einer entsprechenden Beachtung und (positiven) Wertung seitens ihrer Mitmenschen ihre "Kontakte" dort suchen und "finden", wo ein "gesunder und mehr oder weniger rational" denkender Mensch überhaupt nicht suchen würde - es käme einem solchen "nicht in den Kopf sich etwas vorzumachen", ... heisst es dann oft. Derartige Kommentare sind für den p.S. sozusagen das Salz in der Suppe - sie bestätigen ihn und seine Phantasien(Halluzinationen).

    Was auch nicht übersehen werden sollte, ist, dass p.S. oft in für den "Normalo" verwirrenden Symbolen reden und mitunter auch Emotionsdurchbrüche zeigen. Bei letzteren wäre es müssig, mit Fragen zu kommen. Hier ist verständnisvolle und "bestimmte" Gestik eher von Nutzen.
    Übertriebene Anteilnahme wird jedoch wiederum erkannt und in der Regel zu Ungunsten des Helfers ausgelegt."Du glaubst mir auch nicht - du machst mir was vor - ich kann dir nicht trauen - ..."

    Das Vertrauen kannst du dir besonders bei p.S. nicht "erschleichen" (siehe vorigen Absatz), beispielsweise um ihn dann zu therapieren. Deine Motive sollten authentisch sein und darauf abzielen, diesen Menschen zu verstehen und ihm die Chance vermitteln, in Bezug auf sich selbst, wieder eigene Entscheidungen zu seinen sozialen Gunsten treffen zu können.

    Die Krankheit des anderen darf nicht dein Problem werden. Wenn du dich emotional involvierst, wirst du "verletzlich" und spiegelst oder projizierst "automatisch" ... und bist für den Betroffenen keine ernstzunehmende HIlfe.

    p.s.: Du solltest dich gründlich informieren (wenn du es nicht schon getan hast oder sowieso weisst), ob im Leben des/der Betroffenen schädliche Substanzen (Alkohol, halluzinogene und andere Drogen, starke Neuroleptika und dergleichen...) und auch physische Traumata "eine Rolle" gespielt haben. Entsprechende Hirnschäden sind meist irrevokabel und mit psycho-therapeutischen Maßnahmen kaum oder nur teilweise erfolgreich zu behandeln.
    Zuletzt geändert von Shepherd; 07.02.2013, 08:47.

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      #17
      @ Shepard:

      Vielen, vielen Dank für Deine ausführliche Stellungnahme. Ich habe jetzt wieder einige Ideen, wie ich weiter vorgehen kann. Mein Ziel ist es, zu helfen, ohne mich zu sehr emotional zu involvieren. Ich denke wenn ich zunächst einmal versuche, diese besondere Welt zu verstehen kann ich die nächsten Schritte in Ruhe überlegen bzw. erspüren.

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        #18
        Nach fast sieben Monaten seit meinem Eingangsposting kann ich eine Erfolgsgeschichte berichten: die Person, über die ich geschrieben habe ist durch die Intervention eines praktischen Arztes plötzlich bereit gewesen einen Psychiater oder Neurologen aufzusuchen. Glücklicherweise ist es mir gelungen sehr rasch einen Termin zu bekommen ... auch die Neurologin hat ihren Job sehr sehr gut gemacht, die Person ist jetzt medikamentös sehr gut eingestellt, geht wieder regelmäßig arbeiten und lebt im Grunde ein gutes Leben ohne besondere Auffälligkeiten. Vielen Dank noch einmal für Eure Unterstützung.

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          #19

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            #20
            Liebe Gerlinde,

            vielen Dank, daß Du geschrieben hast, wie es weitergegangen ist. Es freut mich sehr, daß diese Person kompetente Hilfe bekommen hat (ich kenne zwei Personen, die sehr lange nach der für sie wirksamen Medikamentierung suchen mussten). Und es hat mich gefreut, daß Dir das Wohlergehen dieser Person wichtig genug war, um Dich zu informieren und sich mit ihr auseinanderzusetzen.
            Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass es nicht einfach ist, eine funktionierende Kommunikation mit jemandem zu etablieren, der gerade eine handfeste Paranoia hat (und dann noch in Kombination mit entweder einer manischen Phase oder suizidalen Neigungen).

            Liebe Grüße,

            Freundin der Weisheit

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              #21
              Gut gemacht, Gerlinde!

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                #22
                Als Erstes freut mich das für Dich Gerlinde und für den Betreffenden.

                Und Zweitens freut mich Dein Bescheid sagen, ohne dass jemand nachgefragt hat.

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