Henrik
Neu im Forum
09.10.2019, 19:31
Ich fange einfach mal an zu schildern, wie ich zu diesem Thema gekommen bin und wie ich daraufhin damit umgegangen bin: Durch eine Lebenskrise, die mich schwer erschüttert hat (Ehescheidung), fing ich an, nach den Hintergründen zu suchen. Ich beschäftigte mich dann viele Jahre mit den weisen Büchern aus allen Glaubensrichtungen. Dabei kristallisierten sich bestimmte Punkte heraus, zu denen ich genau passende Erfahrungen machte. Beispiel: Das Prinzip "Auge um Auge." Es geht natürlich ums Zurückschlagen. Warum haben Mandela oder Luther King oder Gandhi dies genau nicht getan. In Hinduismus, Buddhismus, Islam (nur Mystik), Taoismus, Christentum, Jainismus, usw. habe ich dazu sehr klare Statements gefunden. Aber erst als ich es selbst probiert habe und vor allem wusste, warum! merkte ich, welche ungeheure Kraft in diesem Prinzip steckt. Soviel zum Verfahren.
Aber inhaltlich beginnen möchte ich mit einem Punkt, der sich meiner Ansicht nach eben besonders gut als Einstieg eignet, nämlich mit der Frage: Wer bin ich wirklich? Was ist meine Identität? Dazu habe ich einen Text verfasst, den ich in eínem ersten von zwei kurzen Auszügen hier hineinkopiere und dann mal gespannt bin, was ihr dazu sagt.
Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust
Der spirituelle Weg steht und fällt mit der Erkenntnis, was der Mensch ist, wie beschaffen er ist: Was bin ich, wie bin ich, wer bin ich. „Erkenne dich selbst“, „Gnothi se auton“: So lautet die Überschrift über dem Tempel von Delphi, in dem die Weissagerin Pythia die Geschicke der Frager orakelte. Diese Selbsterkenntnis ist der entscheidende Schlüssel für ein erfolgreiches, erfülltes Leben, in dem der Mensch seine Bestimmung verwirklicht. Wenn ich weiß, wer ich bin, weiß ich, wonach und wie ich mein Leben führe. Die Thematisierung der Selbsterkenntnis finden wir in den verschiedensten Bereichen menschlicher Kultur:
Literatur:
"Wie in einem jeden Menschen lebten auch in Nechljudov zwei Menschen, der moralische Mensch, der sein Wohl im Wohl der anderen suchte und der tierische Mensch, der nur sein eigenes Wohl suchte und diesem Wohl die ganze Welt zu opfern bereit war ..."(Leo N. Tolstoj: Auferstehung; Band I, Kap. 14)
Malerei:
Der norwegische Künstler Edvard Munch zeigt in seinem Bild "Der ertrunkene Junge" eine helle und eine dunkle Männerfigur nebeneinander hergehend, die die zwei Seiten der gleichen Person darstellen sollen und die darum kämpfen, den Menschen zu beherrschen. Der Künstler selbst äußert sich dazu wie folgt:
"Die Spaltung der Seele, ... die wie zwei zusammengebundene Vögel jeder nach seiner Seite streben ... ein fürchterlicher Kampf im Käfig der Seele." (Munch-museet. Oslo 2007)
Philosophie:
Arthur Schopenhauer auf die Frage, wer er sei:
"Im Herzen steckt der Mensch, nicht im Kopf. Zwar sind wir gewohnt, ... das gewohnte Ich als unser eigentliches Selbst zu betrachten. ...Dieses ist aber bloße Gehirnfunktion und nicht unser eigenstes Selbst, ... das, wenn das [Ich] im Tode untergeht, unversehrt bleibt."
Hinduismus:
Das heilige Buch der Hindus, die Bhagavad Gita, beschreibt den Menschen auf folgende Art und Weise: "Zwiefach ist aller Wesen Art; teils göttlich, teils niederer Natur." (XVI,6); zudem lässt die Gita Gott Krishna über sich sagen:
„Ich bin der Gott, das ew’ge Selbst,
das jedem Wesen innewohnt. … (X,20)
Islam:
Der Sufi-Mystiker Ibn Arabi schreibt im 13. Jahrhundert:
"Wisse: Die menschliche Geschöpflichkeit besteht aus Geistseele (ruch) ... und Triebseele (nafs) ..."
Christentum:
In der spirituellen Sichtweise des Christentums lässt Johannes den Nazarener folgendermaßen zu Wort kommen:
„Der Vater aber, der in mir wohnt, der tut die Werke.“
Meister Eckhart, ein bedeutender geistiger Lehrer des christlichen Mittelalters, sagt klipp und klar:
„In einem jeden Menschen gibt es zwei: den inneren und den äußeren..." (Von der Abgeschiedenheit);
„Der äußere Mensch, das ist der feindliche und der böse, …, der innere … bringt allzeit gute Frucht und will die Gutheit.“ (Vom edlen Menschen)
Im 17. Jahrhundert schreibt der schlesische Mystiker Angelus Silesius:
„Zwei Menschen sind in mir:
der eine will, was Gott will,
der andre, was die Welt,
der Teufel und der Tod wollen.“
(Cherubinischer Wandersmann V, 120)
Jüdische Weisheit:
In der Schöpfungsgeschichte wird die (scheinbare) Dualität des Menschen symbolisch durch die beiden Elemente ausgedrückt, aus denen der Mensch geschaffen wurde, zum einen aus dem materiellen „Erdenkloß“, zum anderen aus dem „Atem Gottes“, der unstofflichen geistigen Dimension.
Wie beschaffen aber sind diese beiden Teile des „Menschen?“ Gemeint ist einerseits die äußere, materielle Seite mit Hard- und Software - also der Körper mit Verstand, Gefühl, Gedächtnis usw.; das ist der materielle, biologische Mensch, der seinen Lebenszweck darin sieht, nur sein eigenes Wohl zu suchen, auf Kosten anderer. Da ist andererseits der geistige Mensch, seine geistige Dimension, die „Seele“, (in der spirituellen Literatur meist „Geist“, engl.: spirit, genannt, der „Vater in mir“, die Intuition, die innere Stimme, das Bauchgefühl, das Gewissen, der (hin)eingeborene Gottessohn, der „sein Wohl im Wohl der anderen sucht.“ Kann man es treffender ausdrücken als Goethe, der Faust sagen lässt:
"Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust:
Die eine hält in derber Liebeslust
sich an die Welt mit klammernden Organen;
die andre hebt gewaltsam sich vom * Dust
zu den Gefilden hoher Ahnen."
(Faust I. Vor dem Tor.)
_____________________________________________
* von „düster
„Truth is within ourselves; In uns selber ist die Wahrheit;
it takes no rise from outward things, sie entspringt nicht äußeren Dingen,
whatever you may believe. ... was immer ihr auch glauben mögt.
There is an inmost centre in us all, Es gibt einen Kern in uns allen,
where truth abides in fullness; wo Wahrheit in Fülle weilt;
and around wall upon wall, doch ringsum lauter Wälle,
the gross flesh hems it in, ... das grobe Fleisch schließt uns ein. ...
to know consists in opening a way, Wissen ist, dass man den Weg öffnet,
where the imprisoned splendor may escape." durch den der gefangene Glanz frei werden kann."
(Robert Browning: Paracelsus, aspires)
Die erste Konsequenz, die ich daraus zog und sich in meinen Erfahrungen immer wieder gezeigt hat, ist, dass ich von zwei verschiedenen Programmen beeinflusst werde und meine Individualität (abgesehen von Geschmack, Aussehen,Temperament, usw.) im Wesentlichen aus einer individuellen Legierung dieser Programme besteht und wie ich welche zum Ausdruck kommen lasse, entweder das biologische Säugetier mit seinen Bestrebungen, für Überleben und Selbsterhaltung zu kämpfen (für Ernährung sorgen, sich fortpflanzen, in der Ruhe Kräfte sammeln, Konkurrenz wegbeißen, usw. usw.) oder sich bewusst machen "Ihr seid alle Götter!" und dann zu versuchen, Nächstenliebe zu verwirklichen, also im konkreten Fall als erstes Beispiel eben von Vergeltung in Form von Zurückschlagen abzusehen.
Okay, das war's erstmal.

Harzlichen Gruß
Henrik
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- Dabei seit: 09.10.2019
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09.10.2019, 19:31
Ich fange einfach mal an zu schildern, wie ich zu diesem Thema gekommen bin und wie ich daraufhin damit umgegangen bin: Durch eine Lebenskrise, die mich schwer erschüttert hat (Ehescheidung), fing ich an, nach den Hintergründen zu suchen. Ich beschäftigte mich dann viele Jahre mit den weisen Büchern aus allen Glaubensrichtungen. Dabei kristallisierten sich bestimmte Punkte heraus, zu denen ich genau passende Erfahrungen machte. Beispiel: Das Prinzip "Auge um Auge." Es geht natürlich ums Zurückschlagen. Warum haben Mandela oder Luther King oder Gandhi dies genau nicht getan. In Hinduismus, Buddhismus, Islam (nur Mystik), Taoismus, Christentum, Jainismus, usw. habe ich dazu sehr klare Statements gefunden. Aber erst als ich es selbst probiert habe und vor allem wusste, warum! merkte ich, welche ungeheure Kraft in diesem Prinzip steckt. Soviel zum Verfahren.
Aber inhaltlich beginnen möchte ich mit einem Punkt, der sich meiner Ansicht nach eben besonders gut als Einstieg eignet, nämlich mit der Frage: Wer bin ich wirklich? Was ist meine Identität? Dazu habe ich einen Text verfasst, den ich in eínem ersten von zwei kurzen Auszügen hier hineinkopiere und dann mal gespannt bin, was ihr dazu sagt.
Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust
Der spirituelle Weg steht und fällt mit der Erkenntnis, was der Mensch ist, wie beschaffen er ist: Was bin ich, wie bin ich, wer bin ich. „Erkenne dich selbst“, „Gnothi se auton“: So lautet die Überschrift über dem Tempel von Delphi, in dem die Weissagerin Pythia die Geschicke der Frager orakelte. Diese Selbsterkenntnis ist der entscheidende Schlüssel für ein erfolgreiches, erfülltes Leben, in dem der Mensch seine Bestimmung verwirklicht. Wenn ich weiß, wer ich bin, weiß ich, wonach und wie ich mein Leben führe. Die Thematisierung der Selbsterkenntnis finden wir in den verschiedensten Bereichen menschlicher Kultur:
Literatur:
"Wie in einem jeden Menschen lebten auch in Nechljudov zwei Menschen, der moralische Mensch, der sein Wohl im Wohl der anderen suchte und der tierische Mensch, der nur sein eigenes Wohl suchte und diesem Wohl die ganze Welt zu opfern bereit war ..."(Leo N. Tolstoj: Auferstehung; Band I, Kap. 14)
Malerei:
Der norwegische Künstler Edvard Munch zeigt in seinem Bild "Der ertrunkene Junge" eine helle und eine dunkle Männerfigur nebeneinander hergehend, die die zwei Seiten der gleichen Person darstellen sollen und die darum kämpfen, den Menschen zu beherrschen. Der Künstler selbst äußert sich dazu wie folgt:
"Die Spaltung der Seele, ... die wie zwei zusammengebundene Vögel jeder nach seiner Seite streben ... ein fürchterlicher Kampf im Käfig der Seele." (Munch-museet. Oslo 2007)
Philosophie:
Arthur Schopenhauer auf die Frage, wer er sei:
"Im Herzen steckt der Mensch, nicht im Kopf. Zwar sind wir gewohnt, ... das gewohnte Ich als unser eigentliches Selbst zu betrachten. ...Dieses ist aber bloße Gehirnfunktion und nicht unser eigenstes Selbst, ... das, wenn das [Ich] im Tode untergeht, unversehrt bleibt."
Hinduismus:
Das heilige Buch der Hindus, die Bhagavad Gita, beschreibt den Menschen auf folgende Art und Weise: "Zwiefach ist aller Wesen Art; teils göttlich, teils niederer Natur." (XVI,6); zudem lässt die Gita Gott Krishna über sich sagen:
„Ich bin der Gott, das ew’ge Selbst,
das jedem Wesen innewohnt. … (X,20)
Islam:
Der Sufi-Mystiker Ibn Arabi schreibt im 13. Jahrhundert:
"Wisse: Die menschliche Geschöpflichkeit besteht aus Geistseele (ruch) ... und Triebseele (nafs) ..."
Christentum:
In der spirituellen Sichtweise des Christentums lässt Johannes den Nazarener folgendermaßen zu Wort kommen:
„Der Vater aber, der in mir wohnt, der tut die Werke.“
Meister Eckhart, ein bedeutender geistiger Lehrer des christlichen Mittelalters, sagt klipp und klar:
„In einem jeden Menschen gibt es zwei: den inneren und den äußeren..." (Von der Abgeschiedenheit);
„Der äußere Mensch, das ist der feindliche und der böse, …, der innere … bringt allzeit gute Frucht und will die Gutheit.“ (Vom edlen Menschen)
Im 17. Jahrhundert schreibt der schlesische Mystiker Angelus Silesius:
„Zwei Menschen sind in mir:
der eine will, was Gott will,
der andre, was die Welt,
der Teufel und der Tod wollen.“
(Cherubinischer Wandersmann V, 120)
Jüdische Weisheit:
In der Schöpfungsgeschichte wird die (scheinbare) Dualität des Menschen symbolisch durch die beiden Elemente ausgedrückt, aus denen der Mensch geschaffen wurde, zum einen aus dem materiellen „Erdenkloß“, zum anderen aus dem „Atem Gottes“, der unstofflichen geistigen Dimension.
Wie beschaffen aber sind diese beiden Teile des „Menschen?“ Gemeint ist einerseits die äußere, materielle Seite mit Hard- und Software - also der Körper mit Verstand, Gefühl, Gedächtnis usw.; das ist der materielle, biologische Mensch, der seinen Lebenszweck darin sieht, nur sein eigenes Wohl zu suchen, auf Kosten anderer. Da ist andererseits der geistige Mensch, seine geistige Dimension, die „Seele“, (in der spirituellen Literatur meist „Geist“, engl.: spirit, genannt, der „Vater in mir“, die Intuition, die innere Stimme, das Bauchgefühl, das Gewissen, der (hin)eingeborene Gottessohn, der „sein Wohl im Wohl der anderen sucht.“ Kann man es treffender ausdrücken als Goethe, der Faust sagen lässt:
"Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust:
Die eine hält in derber Liebeslust
sich an die Welt mit klammernden Organen;
die andre hebt gewaltsam sich vom * Dust
zu den Gefilden hoher Ahnen."
(Faust I. Vor dem Tor.)
_____________________________________________
* von „düster
„Truth is within ourselves; In uns selber ist die Wahrheit;
it takes no rise from outward things, sie entspringt nicht äußeren Dingen,
whatever you may believe. ... was immer ihr auch glauben mögt.
There is an inmost centre in us all, Es gibt einen Kern in uns allen,
where truth abides in fullness; wo Wahrheit in Fülle weilt;
and around wall upon wall, doch ringsum lauter Wälle,
the gross flesh hems it in, ... das grobe Fleisch schließt uns ein. ...
to know consists in opening a way, Wissen ist, dass man den Weg öffnet,
where the imprisoned splendor may escape." durch den der gefangene Glanz frei werden kann."
(Robert Browning: Paracelsus, aspires)
Die erste Konsequenz, die ich daraus zog und sich in meinen Erfahrungen immer wieder gezeigt hat, ist, dass ich von zwei verschiedenen Programmen beeinflusst werde und meine Individualität (abgesehen von Geschmack, Aussehen,Temperament, usw.) im Wesentlichen aus einer individuellen Legierung dieser Programme besteht und wie ich welche zum Ausdruck kommen lasse, entweder das biologische Säugetier mit seinen Bestrebungen, für Überleben und Selbsterhaltung zu kämpfen (für Ernährung sorgen, sich fortpflanzen, in der Ruhe Kräfte sammeln, Konkurrenz wegbeißen, usw. usw.) oder sich bewusst machen "Ihr seid alle Götter!" und dann zu versuchen, Nächstenliebe zu verwirklichen, also im konkreten Fall als erstes Beispiel eben von Vergeltung in Form von Zurückschlagen abzusehen.
Okay, das war's erstmal.

Harzlichen Gruß
Henrik


willkommen.

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