Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

März: Motivation und Motive - was bringt uns zum Handeln?

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

    #16
    Liebe Chaja!

    Als ich den folgenden Absatz gelesen habe, in dem Du darauf hinweist, daß es Dir auch um quasi den Urgrund oder die Urgrundlagen jeglichen Wollens geht (von mir hervorgehoben) ...

    Zitat von Chaja Beitrag anzeigen

    Für mich ist hieran besonders interessant, dass Ihr beide Motivation gewissermaßen ausklammert, wenn der Wille, etwas zu tun, ins Spiel kommt. Das scheint mir darauf hinzudeuten, dass wir diese Begriffe jeweils unterschiedlich verstehen. Für mich ist Motivation nicht nur etwas, das - wie beim Motivationstraining - dann erfolgen muss, wenn ich nicht will (so gesehen wäre natürlich keine Motivation mehr nötig, wenn ich bereits will), sondern auch die Gesamtheit meiner Motive. In diesem letztgenannten Sinne liegt die Motivation zeitlich vor dem Wollen, bzw. könnte rückwärts blickend erschlossen werden, z.B. mithilfe der Frage: "Warum will ich dies oder jenes tun?"
    ... habe ich (wieder mal) bemerkt, daß sich für mich die Suche oder Frage nach diesem Urgrund bereits erledigt hat.

    Ich bin seit bald 7 Jahren GFK-infiziert, und da bemerke ich, daß mir diese Haltung und die Prämissen der GFK mittlerweile so zur zweiten Natur geworden sind, daß ich das und mein Leben mittlerweile schon selbstverständlich unter der Bedürfnis-Prämisse betrachte - und damit bisher noch jede Frage nach dem Grund meines Redens, Schweigens, Handelns oder Unterlassens beanworten konnte.

    Und im Grunde bin ich auch auf die Art dorthin gekommen, wie Du es schreibst: Ich habe meine Motive immer wieder rückwärts blickend erschlossen - und bin immer auf Bedürfnisse gestoßen. Zu behaupten, es gäbe einen einzigen oder Haupt-Antriebsmotor, greift mir viel zu kurz: Ja, es gibt Bedürfnisse, die treiben mich (zu einem gewissen Zeitpunkt) stärker an und andere, die treiben mich (gerade) seltener an. Aber es gibt vieles, was ich im Leben brauche und will, was mich zur Aktion, Reaktion oder Nicht-Reaktion bewegt.

    Gerade gestern diskutierten wir in meiner buddhistischen Meditationsgruppe die GFK, und es kam die Frage auf, wie Bedürfnisse in die buddhistische Lehre passen, ob sie darin auch vorkommen. Und meine Antwort ist ganz klar: "ja".

    Der Buddhismus sagt: Allen Wesen ist gemein, daß sie nach Glück streben und Leid vermeiden. Wann sind wir glücklich? Wenn Bedürfnisse erfüllt sind. Wann leiden wir? Wenn Bedürfnisse unerfüllt sind. Bedürfnisse sind für mich der Urgrund unseres Handelns - tief in uns angelegt. Manche quasi chemisch-biologisch in uns eingraviert, wie z.B. das Bedürfnis nach Nahrung, körperlicher Unversehrtheit oder Sexualität, andere mehr sozial-biologisch in uns verankert, wie Zugehörigkeit, Akzeptanz, zum Leben Anderer beitragen oder Unabhängigkeit.

    Auf meinem Schreibtisch daheim steht seit mehreren Jahren meine Lieblings-Bedürfnisliste. Wann auch immer ich verstehen will, was mich antreibt oder in einer Situation angetrieben hat, wann auch immer ich eine Situation anschaue und versuche zu verstehen, was den Anderen angetrieben hat - nehme ich diese Liste her und prüfe langsam fühlend, wie sich jedes dieser Worte für die Situation anfühlt. Und wie gesagt - ich bin noch immer fündig geworden.

    Und ich nehme diese Liste auch so immer wieder her, lasse meinen Blick über sie schweifen, bade in diesen Worten, spüre, welche Resonanz sie in mir hervorrufen, und habe auf diese Art und Weise gelernt, für diese inneren Motivatoren empfänglicher zu werden.

    Somit ist das meine Antwort auf die Frage: "Warum will ich eigentlich manches?" - Weil mindestens eines dieser Bedürfnisse erfüllt wird. Daß z.B. der Eine sagt "ich gehe Tennis Spielen" um sich Bewegung, Luft, Spiel, Herauforderung und Gemeinschaft zu erfüllen und der Andere Golf, wiederum Andere sich die Bedürfnisse Bewegung, Luft und Herausforderung durch Laufen erfüllt, Spiel durch Computerspielen und Gemeinschaft durch das abendliche Bier mit Freunden - das sind einfach individuelle Ausprägungen und Präferenzen.

    Ich habe eine Zeit lang auch Dankbarkeits-Tagebuch geführt, und am Abend geschaut, was habe ich heute freudvoll getan - und welche Bedürfnisse haben sich mir dadurch erfüllt. Und dabei noch mehr Reichtum entdeckt in dem, was ich tue.

    Somit - hier meine absolute Lieblings-Bedürfnisliste, die mich noch nie im Stich gelassen hat, die mein Leben bereichert hat, die mir geholfen hat, mich besser zu verstehen, und die ich deshalb gerne mit Euch teilen möchte. Und ja, manche Begriffe sind nahezu dasselbe anders gesagt, aber mir hat genau diese feine Nuancierung geholfen, immer wieder den Antrieb zu finden, der es in einer bestimmten Situation war oder ist.

    Selbsterhaltung

    Ausgeglichenheit
    Balance
    Berührung
    Beweglichkeit
    Bewegung
    Emotionale Sicherheit
    Entspannung
    Essen
    Finanzielle/Wirtschaftliche Sicherheit
    Frieden
    Geborgenheit
    Gesundheit
    Kleidung
    Körperkontakt
    Luft
    Regeneration
    Ruhe
    Sauberkeit
    Schutz
    Sexualität
    Sicherheit
    Trinken
    Unterkunft

    Sinnhaftigkeit

    Anmut
    Ästhetik
    Beitragen zum Leben
    Besonnenheit
    Bewußtsein
    Effektivität/Effizienz
    Entschlosseneit
    Erfolg
    Harmonie
    Inspiration,
    Klarheit
    Konsistenz/Beständigkeit
    Konstruktivität
    Objektivität
    Ordnung
    Pragmatismus
    Sachlichkeit
    Schönheit
    Sinn
    Sinnvolle Arbeit
    Sorgsamkeit
    Sparsamkeit
    Spiritualität/Glaube
    Struktur
    Veränderung
    Vorwärts kommen
    Weitblick
    Zeit sinnvoll nutzen

    Autonomie

    Ausgleich
    Distanz
    Eigene Träume, Ziele, Werte selbst bestimmen
    Einfluß haben/Kontrolle
    Freiheit
    Privatsphäre
    Selbstbestimmung
    Strategien zur Erfüllung selbst bestimmen
    Unabhängigkeit

    Spiel

    Abenteuer
    Abwechslung
    Aktivität
    Anregung
    Auftanken
    Einfachheit
    Engagement
    Feiern
    Freude
    Gelassenheit
    Genuß
    Herausforderung
    Humor
    Inspiration
    Lachen
    Leichtigkeit
    Leidenschaft
    Muße
    Natur
    Phantasie
    Schönheit
    Spaß
    Spontaneität
    Vielfalt

    Authentizität

    Aufrichtigkeit
    Bildung
    Ehrlichkeit
    Entwicklung
    Flexibilität
    Identität
    Individualität
    Integrität
    Kompetenz
    Kongruenz
    Kreativität
    Leichtigkeit
    Mut
    Offenheit
    Persönlichkeit
    Selbstachtung
    Selbstvertrauen
    Selbstverwirklichung
    Selbstwert
    Wachstum
    Wissen

    Liebe

    Akzeptanz
    Anerkennung
    Emotionale Sicherheit
    Fairnes
    Freundlickeit
    Fürsoge
    Geborgenheit
    Gegenseitigkeit
    Gerechtigkeit
    Gesehen werden
    Harmonie
    Hilfsbereitschaft
    Nähe
    Präsenz
    Rücksichtnahme
    Sympathie
    Toleranz
    Unterstützung
    Verbindung
    Vertrauen
    Wärme
    Wertschätzung
    Wohlwolle
    Zärtlichkeit
    Zuneigung
    Zuversicht

    Empathie

    Achtsamkeit
    Achtung
    Aufgeschlossenheit
    Einfühlung
    Ernst genommen werden
    Gehört werden
    Höflichkeit
    Interdependenz
    Kontakt
    Menschlichkeit
    Mitgefühl
    Respekt
    Verstanden werden
    Verständnis für andere

    Zugehörigkeit

    Beteiligung
    Dazu gehören
    Freundschaft
    Führung
    Geborgenheit
    Gegenseitige Unterstützung
    Gemeinschaft
    Geselligkeit
    Inspiration
    Loyalität
    Miteinander teilen
    Unparteilichkeit
    Verläßlichkeit
    Werte miteinander teilen

    Kommentar


      #17
      Liebe MissPig,

      wow, was für eine Liste! Vielen lieben Dank, dass Du sie mit uns teilst!

      Wie lange hat es gedauert, bis Du Dir diese Liste zusammengestellt hattest? Wächst sie mitunter noch weiter?

      Zitat von MissPig Beitrag anzeigen
      Als ich den folgenden Absatz gelesen habe, in dem Du darauf hinweist, daß es Dir auch um quasi den Urgrund oder die Urgrundlagen jeglichen Wollens geht (von mir hervorgehoben) ... [...]
      Das trifft es ziemlich gut, ja! Spannend ist für mich nicht die Frage, wie ich mich selbst "austricksen" kann, sondern welche Beweggründe sowieso da sind und wie sehr sie "tragen" und warum. Warum etwa im Sinne von: Warum ist mir das so wichtig? Warum spricht mich das unmittelbar an? Was steckt dahinter? Ist der Bereich verhandelbar oder nicht? Warum bildet etwas eine Konstante in meinem Leben?

      ... habe ich (wieder mal) bemerkt, daß sich für mich die Suche oder Frage nach diesem Urgrund bereits erledigt hat.
      Ich bin seit bald 7 Jahren GFK-infiziert, und da bemerke ich, daß mir diese Haltung und die Prämissen der GFK mittlerweile so zur zweiten Natur geworden sind, daß ich das und mein Leben mittlerweile schon selbstverständlich unter der Bedürfnis-Prämisse betrachte - und damit bisher noch jede Frage nach dem Grund meines Redens, Schweigens, Handelns oder Unterlassens beanworten konnte.
      Ich muss gestehen, dass ich von Gewaltfreier Kommunikation keinen blassen Schimmer habe und daher die Prämissen der GFK nicht kenne, aber aus Deinen Worten hier schließe ich, dass die GFK davon ausgeht, dass menschliche Äußerungen aller Art unter dem Aspekt betrachtet werden sollten/können (?), dass sie Bedürfnissen entspringen. Stimmt das so oder projiziere ich jetzt meine eigene Grundannahme darüber?

      Zu behaupten, es gäbe einen einzigen oder Haupt-Antriebsmotor, greift mir viel zu kurz: Ja, es gibt Bedürfnisse, die treiben mich (zu einem gewissen Zeitpunkt) stärker an und andere, die treiben mich (gerade) seltener an. Aber es gibt vieles, was ich im Leben brauche und will, was mich zur Aktion, Reaktion oder Nicht-Reaktion bewegt.
      Das sehe ich auch so. Schon bei Romanfiguren wird es platt, wenn sie nur ein einziges Motiv für ihre Handlungen zu haben scheinen. Gute Figuren oder eben Menschen "aus Fleisch und Blut" sind viel komplexer, eben weil sie verschiedene, teilweise sogar ambivalente oder einander entgegenlaufende Bedürfnisse haben.

      Was ich an der Vielzahl der Motive bzw. der darunterliegenden Bedürfnisse so spannend finde, ist ihr Wandel bzw. ihre Beständigkeit über die Jahre hinweg. Naheliegend scheint mir, dass bestimmte Lebenssituationen bestimmte Bedürfnisse stärker in den Vordergrund rücken bzw. andere dahinter zurücktreten lassen. Aber gibt es auch Bedürfnisse, die - selbst wenn sie mal stärker präsent waren - irgendwann gar keine Rolle mehr spielen? Ist man irgendwann damit "durch" oder verlagern sie sich nur auf andere Ebenen oder in andere Bereiche? Oder entdeckt man vielleicht irgendwann noch ganz neue Bedürfnisse an sich?

      Gerade gestern diskutierten wir in meiner buddhistischen Meditationsgruppe die GFK, und es kam die Frage auf, wie Bedürfnisse in die buddhistische Lehre passen, ob sie darin auch vorkommen. Und meine Antwort ist ganz klar: "ja".

      Der Buddhismus sagt: Allen Wesen ist gemein, daß sie nach Glück streben und Leid vermeiden. Wann sind wir glücklich? Wenn Bedürfnisse erfüllt sind. Wann leiden wir? Wenn Bedürfnisse unerfüllt sind. Bedürfnisse sind für mich der Urgrund unseres Handelns - tief in uns angelegt. Manche quasi chemisch-biologisch in uns eingraviert, wie z.B. das Bedürfnis nach Nahrung, körperlicher Unversehrtheit oder Sexualität, andere mehr sozial-biologisch in uns verankert, wie Zugehörigkeit, Akzeptanz, zum Leben Anderer beitragen oder Unabhängigkeit.
      Ja, das passt in meinen Augen auch sehr gut.

      Auf meinem Schreibtisch daheim steht seit mehreren Jahren meine Lieblings-Bedürfnisliste. Wann auch immer ich verstehen will, was mich antreibt oder in einer Situation angetrieben hat, wann auch immer ich eine Situation anschaue und versuche zu verstehen, was den Anderen angetrieben hat - nehme ich diese Liste her und prüfe langsam fühlend, wie sich jedes dieser Worte für die Situation anfühlt. Und wie gesagt - ich bin noch immer fündig geworden.

      Und ich nehme diese Liste auch so immer wieder her, lasse meinen Blick über sie schweifen, bade in diesen Worten, spüre, welche Resonanz sie in mir hervorrufen, und habe auf diese Art und Weise gelernt, für diese inneren Motivatoren empfänglicher zu werden.
      Das scheint sehr gut zu funktionieren!

      Was die Beweggründe des anderen und meine eigenen betrifft: In meinem Leben gab es Zeiten, in denen ich sehr genau gespürt habe, was in meinem Gegenüber, im Anderen, vor sich ging, welche Empfindungen und Gefühle aufkamen. Ich habe das alles selbst empfunden und musste nicht rätseln oder nachfragen; mir war einfach klar, warum mein Gegenüber dieses wollte und jenes nicht, es ergab sich wie selbstverständlich aus den Gefühlen. Aber dafür hatte ich währenddessen keinen Kontakt zu mir selbst, habe nicht gespürt, was das mit mir machte, welche Gefühle und Empfindungen bei mir dadurch entstanden. Es hat einige Zeit gedauert, da mehr Balance herzustellen, diese Konfluenz zu vermeiden, um selbst als Person präsent zu bleiben. Aber obwohl ich inzwischen ausreichend nabelguckerisch geworden bin, um auch meine Bedürfnisse unmittelbar als vorhanden wahrzunehmen - etwa dadurch, dass mir, wie hobbes neulich schrieb, etwas angenehm oder unangenehm ist -, fällt es mir oft noch schwer, sie näher zu verstehen. Ich habe den Eindruck, dass manche Bedürfnisse (nicht die lebenserhaltenden natürlich) eher "auf Umwegen" zu mir durchdringen und ich diese Wege zurückverfolgen muss, um sie wirklich zu erkennen. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass mich dieses Thema zur Zeit wieder besonders beschäftigt.

      Und damit nochmal zurück zu Deiner treffenden Formulierung:

      ...den Urgrund oder die Urgrundlagen jeglichen Wollens
      Eure Beiträge hier haben mir mit ihrer klaren Benennung des Willens deutlich gemacht, dass bei mir immer noch eine Kluft klafft zwischen Bedürfnis und dem Befriedigen-Wollen des Bedürfnisses, bzw. dass diejenigen von meinen Bedürfnissen, die andere Menschen mitbetreffen, oft Vorrang haben vor den Bedürfnissen, die nur mich betreffen. Es kann also durchaus sein, dass ich ein eigenes Bedürfnis deutlich spüre, aber gleichzeitig den Eindruck habe, dass es nicht mit den Bedürfnissen meines Gegenübers kompatibel ist, was dann bei mir bewirkt, dass z.B. mein Harmoniebedürfnis in den Vordergrund tritt und ich das ursprüngliche Bedürfnis gar nicht mehr befriedigen will. Hmm.....

      Liebe MissPig, nochmal vielen herzlichen Dank für Deine gedankenanregenden Beiträge!
      Herzliche Grüße!
      Chaja

      Kommentar


        #18
        Ich wollte nur mal kurz hier lassen, dass ich mich hier auch noch mal zu Wort melden will, sobald es zeitlich passt.

        Aktuell sind andere Bedürfnisse
        "lauter"

        Kommentar


          #19
          Wenn ich mein Handeln der letzten Zeit überdenke, so kommt meine Motivation ganz eindeutig von innen, und zwar, um meine Bedürfnisse zu erfüllen.
          Verstärkt wird das durch die immer schneller ablaufende Lebensuhr, die mich nicht mehr zögern oder hinausschieben lässt, was ich unbedingt möchte.

          Kommentar


            #20
            Liebe hobbes,

            Zitat von hobbes Beitrag anzeigen
            Ich wollte nur mal kurz hier lassen, dass ich mich hier auch noch mal zu Wort melden will, sobald es zeitlich passt.

            Aktuell sind andere Bedürfnisse
            "lauter"
            Bloß kein Schreibstress, bitte! Ich werde auch später noch mit viel Interesse Deine Ausführungen lesen!

            Liebe Bonny,

            Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
            Wenn ich mein Handeln der letzten Zeit überdenke, so kommt meine Motivation ganz eindeutig von innen, und zwar, um meine Bedürfnisse zu erfüllen.
            Verstärkt wird das durch die immer schneller ablaufende Lebensuhr, die mich nicht mehr zögern oder hinausschieben lässt, was ich unbedingt möchte.
            Hast Du Deine Bedürfnisse immer schon so gut spüren können wie jetzt?
            Und - falls Du davon erzählen magst: welcher Art sind diese Bedürfnisse, die Du Dir aktuell erfüllen willst?

            Liebe Grüße,
            Chaja

            Kommentar


              #21
              Ich möchte mal nur soviel sagen, dass diese Bedürfnisse mein Seelenleben betreffen.
              Unterschwellig waren sie immer schon da, nur wusste ich gar nicht genau, was mir fehlte, woran ich Bedarf hatte, wonach ich suchte.
              Jetzt sind die Bedürfnisse ganz laut und deutlich, auch sprachlich formulierbar, ich habe mich sofort auf die Suche gemacht und bin auch fündig geworden. Ich habe den Eindruck, ich habe keine Zeit mehr, die Erfüllung dieses Bedürfnisses hinauszuschieben, zumal es sich nicht von jetzt auf gleich erfüllen lässt. Das wird ein längerer Prozess werden, den ich gerne unbedingt vor meinem Tod noch abschließen möchte.

              Kommentar


                #22
                Liebe Bonny,

                Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
                Ich möchte mal nur soviel sagen, dass diese Bedürfnisse mein Seelenleben betreffen.
                Unterschwellig waren sie immer schon da, nur wusste ich gar nicht genau, was mir fehlte, woran ich Bedarf hatte, wonach ich suchte.
                Jetzt sind die Bedürfnisse ganz laut und deutlich, auch sprachlich formulierbar, ich habe mich sofort auf die Suche gemacht und bin auch fündig geworden. Ich habe den Eindruck, ich habe keine Zeit mehr, die Erfüllung dieses Bedürfnisses hinauszuschieben, zumal es sich nicht von jetzt auf gleich erfüllen lässt. Das wird ein längerer Prozess werden, den ich gerne unbedingt vor meinem Tod noch abschließen möchte.
                Wie gut, dass Du Deinen Bedürfnissen jetzt, da sie sich so deutlich melden, Raum gibst! Dafür wünsche ich Dir alles erdenklich Gute!

                Viele liebe Grüße!
                Chaja

                Kommentar


                  #23
                  Vielen Dank, Chaja.
                  Ich bin froh, dass meine Bedürfnisse den Durchbruch geschafft haben und lautstark geworden sind.
                  Und ich habe ja auch gleich reagiert und was unternommen.

                  Kommentar


                    #24
                    Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
                    Das klingt, als sei Manipulation für Dich ausschließlich negativ besetzt? Ich denke zwar bei dem Wort auch spontan erstmal an so etwas wie "Manipulation durch Werbung", aber wenn "manipulieren" bedeutet, jemanden oder etwas zu beeinflussen, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen, findet ja täglich in allen möglichen Bereichen Manipulation statt, sei es in Form von Psychotherapie, Schulstunden, Pilleneinnahme, Streitschlichtung...
                    Ich finde es gar nicht relevant ob Motivation/Manipulation positiv oder negativ sind. Das führt für mich vom "eigentlichen" Problem weg. Motivation kann sich sowohl positiv als auch negativ auswirken und das selbe gilt für Manipulation. Es ist ja das selbe Prinzip nur dass die Absicht die dahinter steckt eine andere ist und Motivation meistens offen geschieht, während Manipulation eher verdeckt ist.
                    Ich finde das beides Methoden sind, die nur dann nötig werden, wenn jemand keine "interne Motivation" hat die ihn zum Tun hin führt.
                    Sie sind also beide die Karotte vor der Nase. Die eine Karotte ist lediglich ein wenig saftiger.


                    Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
                    Ich würde sogar sagen: Motivation ist eine Form von Manipulation. Auch Selbstmotivation ist eine Art von Selbstmanipulation, bei der ich bestimmte "Methoden" entwickle, wie ich bestimmte Widerstände in mir überwinden kann, wenn ich das für nötig halte, z.B. den Widerstand "Bequemlichkeit".
                    Ja, genau das meinte ich. Und es ist nur nötig weil uns (meiner Meinung nach) die innere Motivation aberzogen wurde, weil wir als Kind sehr viele Dinge tun müssen, die wir nicht tun wollten.
                    Und auch ein Erwachsener in einem Job, den er nur zum Broterwerb hat wird ja darüber motiviert/manipuliert, dass er sich sein Handy nur leisten kann, wenn er täglich 8 Stunden da hingeht.

                    Dadurch, dass wir schon sehr früh zu unserem Glück "gezwungen" werden, wird die "innere Motivation" nicht gestärkt und alles was wir nicht nutzen, verkümmert.
                    Wenn also ein Jugendlicher unheimliche Lust hat an einem Samstag mit dem Vater angeln zu gehen "muss" er die Selbstdisziplin aufbringen, dafür den Abend zuvor nicht zu viel zu trinken und nicht zu lange wegzubleiben. Schafft er das nicht, gibt es schon Ärger bevor man los ist und er wird noch halb betrunken und benebelt, das Angeln auch nicht genießen können.

                    Leider wird aber so eine Art von Selbstdisziplin in unseren Schulen nicht gelehrt, im Gegenteil. Kinder lernen dort gehorchen. Und tun sie das nicht, gibt es Sanktionen die für Kinder nicht nachvollziehbar sind (Verweis, Strafarbeit, Nachsitzen).
                    Selbstdisziplin entsteht wenn jemand aus den Konsequenzen seines Verhaltens lernt. Das kann nicht über Strafen erreicht werden.

                    Meine "inneren Motive" die mich zu etwas bringen sind sehr leicht zu benennen. Es ist wie bei Bonny die Neugier und es ist Freude, Spaß.


                    Worauf wir "anspringen" ist hingegen meiner Ansicht nach auch anerzogen. Bei dir wurde das "helfen" vorgelebt, natürlich ist es dir so auch ein inneres Bedürfnis. Dass du dich da schlecht abgrenzen konntest hängt vermutlich mit deiner Lebenssituation als Kind zusammen.
                    Einem anderen Kind wird vielleicht vorgelebt, dass Tierschutz vor allem rangiert. Als Erwachsener wird er dann vielleicht viele Tiere haben oder, je nach seiner weiteren Sozialisierung, ein millitanter Tierschützer werden.

                    Und wenn ich etwas tun möchte und es trotz Willen dazu und Motivationshilfen von außen nicht schaffe, dann streiten sich vermutlich zwei gegensätzliche Bedürfnisse in mir, die mich dann völlig blockieren.

                    Beispiel...jemand möchte unbedingt abnehmen, schafft es aber nicht. Auf einer anderen Ebene vertreibt ihm das Essen vielleicht seine Langeweile, hilft es ihm zur Stressbewältigung oder "versüßt" ihm das öde Leben, das er führt.

                    Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
                    Das teile ich in seinem idealistischen Anteil. Wenn man das tut, was man wirklich von ganzem Herzen WILL, gehören, so denke ich, aber auch Teilaspekte dazu, auf die man keine Lust hat und zu denen man sich - z.B. durch Bewusstmachung des Hauptziels - auch motivieren muss, oder?
                    Hast du mir da ein Beispiel? Ich glaube, wenn ich etwas wirklich will, dann nehme ich auch die Mühe auf mich alles dafür zu tun, dass ich das erreiche. Oder ich erkenne auf halbem Weg dass es "das" so auch nicht war und breche ab. Dann ist Abbrechen aber keine Schande sondern die logische Folgerung aus meiner Erkenntnis dass ich das Ziel nun nicht mehr erreichen möchte, es ist für mich uninteressant geworden.

                    Selbstdisziplin bedeutet für mich, ich kann für ein Ziel auf etwas anderes verzichten. Und zwar ohne dass ich dafür eine "Belohnung" bekomme.
                    Wenn es richtig gut läuft ist mir das "Tun" als Belohnung genug, dann muss ich mich nicht dafür, dass ich überhaupt ins tun komme schon belohnen oder motivieren.

                    Das gelingt mir natürlich auch nicht immer. Aber ich arbeite daran. Ich frage mich oft sehr lange ob ich etwas wirklich will. Wenn ich öfter innerlich ja dazu sage und Freude bei dem Gedanken spüre, dann ziehe ich es auch durch. Ohne äußere Motivation, einfach nur weil das was ich dann erreiche mir Freude macht.

                    Dazu kommt vielleicht noch dass man wissen sollte, dass alles Neue erst mal ein gewisses Unbehagen in uns auslöst. Wenn man dieses Unbehagen als normal hinnimmt, fällt das Durchhalten auch leichter.

                    Kommentar


                      #25
                      Liebe Nordhimmel,

                      es hat jetzt ein bisschen gedauert, bis ich zum Antworten gekommen bin, entschuldige bitte!

                      Als ich Deinen Beitrag las, hat sich mal wieder dieses Gefühl eingestellt, dass ich im Austausch mit Dir schon mehrfach hatte: Mir geht es nämlich oft so, dass ich im "ersten Anlauf" den Eindruck habe, dass es Dir um ganz andere Punkte geht als mir, weil Du mir ganz andere Aspekte hervorzuheben scheinst. Aber wenn wir uns dann darüber austauschen, stelle ich erstaunt fest: ist ja gar nicht so! Wir sind uns viel näher als ursprünglich gedacht.

                      Auch hier ging es mir wieder so, denn auch ich denke:

                      Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
                      Ich finde es gar nicht relevant ob Motivation/Manipulation positiv oder negativ sind. Das führt für mich vom "eigentlichen" Problem weg. Motivation kann sich sowohl positiv als auch negativ auswirken und das selbe gilt für Manipulation. Es ist ja das selbe Prinzip nur dass die Absicht die dahinter steckt eine andere ist und Motivation meistens offen geschieht, während Manipulation eher verdeckt ist.


                      Und auch dies teile ich, wenn ich mich der Bezeichnung "interne/innere Motivation" anschließe, der hier schon öfter gefallen ist:

                      Ich finde das beides Methoden sind, die nur dann nötig werden, wenn jemand keine "interne Motivation" hat die ihn zum Tun hin führt.
                      Sie sind also beide die Karotte vor der Nase. Die eine Karotte ist lediglich ein wenig saftiger.
                      Für mich selbst merke ich immer deutlicher, dass es mir beim Erstellen dieses Themas eigentlich nur sekundär um die "Karotte vor der Nase", also um Motivation als einen manipulativen Akt ging. Das, was ich wirklich hochspannend finde, ist das, was jetzt hier die "interne/innere Motivation" genannt wurde, also das, was Menschen wirklich antreibt.

                      Ja, genau das meinte ich. Und es ist nur nötig weil uns (meiner Meinung nach) die innere Motivation aberzogen wurde, weil wir als Kind sehr viele Dinge tun müssen, die wir nicht tun wollten.
                      Ja, die "Karotte vor der Nase" ist nur "nötig", wenn keine innere Motivation vorhanden ist. Allerdings kommt hier der Punkt, wo ich doch wieder etwas anders zu sehen meine (ich drücke es mal vorsichtig aus, falls sich doch wieder herausstellen sollte, dass wir da gar nicht soweit voneinander entfernt stehen): Ich denke - ganz im Sinne von MissPigs Liste -, dass es nicht die eine innere Motivation gibt, sondern viele Motivationen, die zu ganz unterschiedlichen Handlungen führen können. Deswegen sehe ich auch bei allen Menschen um mich herum innere Motivationen, teilweise auch solche, die gar nicht "aberziehbar" wären. Aber beim Einzelnen kann natürlich schon einiges verloren gegangen sein.

                      Dadurch, dass wir schon sehr früh zu unserem Glück "gezwungen" werden, wird die "innere Motivation" nicht gestärkt und alles was wir nicht nutzen, verkümmert.

                      Wenn also ein Jugendlicher unheimliche Lust hat an einem Samstag mit dem Vater angeln zu gehen "muss" er die Selbstdisziplin aufbringen, dafür den Abend zuvor nicht zu viel zu trinken und nicht zu lange wegzubleiben. Schafft er das nicht, gibt es schon Ärger bevor man los ist und er wird noch halb betrunken und benebelt, das Angeln auch nicht genießen können.

                      Leider wird aber so eine Art von Selbstdisziplin in unseren Schulen nicht gelehrt, im Gegenteil. Kinder lernen dort gehorchen. Und tun sie das nicht, gibt es Sanktionen die für Kinder nicht nachvollziehbar sind (Verweis, Strafarbeit, Nachsitzen).
                      Selbstdisziplin entsteht wenn jemand aus den Konsequenzen seines Verhaltens lernt. Das kann nicht über Strafen erreicht werden.
                      Dem letzten Satz stimme ich unbedingt zu. Ansonsten sehe ich unser Schulsystem, obwohl ich es durchaus für verbesserungsfähig halte, nicht ganz so schwarz und strafbelastet wie Du. Dass wir dort innere Motivationen aberzogen bekommen, kann ich deswegen so pauschal nicht teilen.

                      Meine "inneren Motive" die mich zu etwas bringen sind sehr leicht zu benennen. Es ist wie bei Bonny die Neugier und es ist Freude, Spaß.
                      Mir scheint immer, in Gefühlen/Empfindungen wie Neugier, Freude und Spaß äußer sich das Motiviertsein. Sie zeigen uns, dass etwas (egal ob es eine Idee, eine Vorhaben, ein Wissensgebiet, ein anderer Mensch ist) zu uns passt und echtes "Inter-esse" (hier ganz wörtlich etwas Zwischen-Seiendes, also Verbindendes) besteht.

                      Aber liegen die eigentlichen Motive nicht tiefer? Warum bin ich auf dieses neugierig, während mich etwas anders nicht tangiert? Warum macht mir dies Freude, das andere aber nicht?

                      Worauf wir "anspringen" ist hingegen meiner Ansicht nach auch anerzogen. Bei dir wurde das "helfen" vorgelebt, natürlich ist es dir so auch ein inneres Bedürfnis. Dass du dich da schlecht abgrenzen konntest hängt vermutlich mit deiner Lebenssituation als Kind zusammen.
                      Einem anderen Kind wird vielleicht vorgelebt, dass Tierschutz vor allem rangiert. Als Erwachsener wird er dann vielleicht viele Tiere haben oder, je nach seiner weiteren Sozialisierung, ein millitanter Tierschützer werden.
                      Ich denke auch, dass da Anerzogenes und "umständehalber Entstandenes" eine wichtige Rolle spielt. Aber gibt es nicht auch innere Bedürfnisse, die mit "natürlichen Neigungen" zusammenhängen?

                      Und wenn ich etwas tun möchte und es trotz Willen dazu und Motivationshilfen von außen nicht schaffe, dann streiten sich vermutlich zwei gegensätzliche Bedürfnisse in mir, die mich dann völlig blockieren.

                      Beispiel...jemand möchte unbedingt abnehmen, schafft es aber nicht. Auf einer anderen Ebene vertreibt ihm das Essen vielleicht seine Langeweile, hilft es ihm zur Stressbewältigung oder "versüßt" ihm das öde Leben, das er führt.
                      Dem kann ich nur zustimmen!

                      Hast du mir da ein Beispiel? Ich glaube, wenn ich etwas wirklich will, dann nehme ich auch die Mühe auf mich alles dafür zu tun, dass ich das erreiche. Oder ich erkenne auf halbem Weg dass es "das" so auch nicht war und breche ab. Dann ist Abbrechen aber keine Schande sondern die logische Folgerung aus meiner Erkenntnis dass ich das Ziel nun nicht mehr erreichen möchte, es ist für mich uninteressant geworden.
                      Ich meinte da nichts anderes: Auch ich würde sagen, wenn ich etwas will, nehme ich die Mühe (und das kann eben auch mal etwas sein, das mir nicht leicht fällt, oder das mir - für sich genommen - keinen Spaß macht) auf mich. Z. B. musste ich, um mein Wunschfach studieren zu dürfen, das Latinum nachholen. Das hat mir - für sich genommen - keinen Spaß gemacht. Aber es war ja "für einen guten Zweck" - insofern konnte ich mich mit "Blick auf das Ziel" in ausreichendem Maße zum Lateinlernen motivieren.

                      Selbstdisziplin bedeutet für mich, ich kann für ein Ziel auf etwas anderes verzichten. Und zwar ohne dass ich dafür eine "Belohnung" bekomme.
                      Wenn es richtig gut läuft ist mir das "Tun" als Belohnung genug, dann muss ich mich nicht dafür, dass ich überhaupt ins tun komme schon belohnen oder motivieren.
                      Gut ausgedrückt! Sehe ich genauso!

                      Dazu kommt vielleicht noch dass man wissen sollte, dass alles Neue erst mal ein gewisses Unbehagen in uns auslöst. Wenn man dieses Unbehagen als normal hinnimmt, fällt das Durchhalten auch leichter.
                      Ja. Aber im Ausgleich zu dem Mehraufwand an Energie, die man dafür braucht, hat ein Neuanfang ja auch seinen eigenen "Zauber" bzw. seine besondere Anschubkraft!

                      Liebe Grüße und besten Dank für's Schreiben!

                      Chaja

                      Kommentar


                        #26
                        Letzter Märztag, was ja nichts heißen muss, weil das Thema ja auch in den kommenden Monaten weiter behandelt werden kann.

                        Zusammenfassend für mich, gerade auf Grund der Ereignisse der letzten Woche, ist motivierend eine unglaubliche Sehnsucht, mir meine innersten Bedürfnisse zu erfüllen. Dadurch bin ich ins Handeln gekommen, selbst auf die Gefahr hin, enttäuscht zu werden.
                        Ich bin nicht enttäuscht worden, sondern es geht mir guuut!

                        Kommentar


                          #27
                          Liebe Bonny,

                          Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
                          Zusammenfassend für mich, gerade auf Grund der Ereignisse der letzten Woche, ist motivierend eine unglaubliche Sehnsucht, mir meine innersten Bedürfnisse zu erfüllen. Dadurch bin ich ins Handeln gekommen, selbst auf die Gefahr hin, enttäuscht zu werden.
                          Ich bin nicht enttäuscht worden, sondern es geht mir guuut!
                          Das ist schön zu lesen! Vielen Dank für's Teilen und weiterhin alles Gute!
                          Chaja

                          Kommentar


                            #28
                            Danke, Chaja.

                            Kommentar

                            Lädt...
                            X